Die Welt der Engel

Engel dienen im Alten Testament

Die Welt der Engel

Das Neue Testament sagt mehr über die Engel als die alttestamentlichen Schriften. - Die Engel nicht allwissend. - 1. Petrus 1,12. - Der große Kampf. - Die widerstreitenden Mächte. - Die Engel in Sodom. - Abraham und Elieser. - Jakob und die Engel in Machanaim. - Engelschutz. - Daniels Gefährten. - Daniel in der Löwengrube. - Das erwartungsvolle Harren der Engel auf die Erlösung.

Vom Himmel kehren wir zur Erde zurück, um die Beziehung der Engel zu dieser und dem Menschengeschlecht näher zu erforschen. Welcher Art ist ihr Dienst?

Es ist eine sehr interessante Tatsache, dass im Neuen Testament viel mehr über die Engel gesagt wird als in den alttestamentlichen Schriften. Und zwar werden sie am meisten am Anfang des ersteren, d. h. in den Evangelien, und am Schluss, im Buch der Offenbarung, genannt. Dies ist an und für sich von tiefer Bedeutung; hierauf werden wir später zurückkommen. Wir führen nochmals die Schriftstelle 1. Pet 1,12 an: „In welche Dinge Engel hineinzuschauen begehren“. Ihr größtes Interesse scheint der Erlösung des Menschen und der Erde zu gelten, die Gott Seinen Geschöpfen geschenkt hat. Mit heiliger Ehrfurcht lauschten sie, als der dreieinige Gott sprach: „Lasst uns Menschen machen in unserem Bilde, nach unserem Gleichnis, und sie sollen herrschen, über die Fische des Meeres und über das Gevögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das sich auf Erden regt“ (1. Mose 1,26). Sie waren Zeugen, als Gott des Menschen Leib aus dem Staub bildete und diesem Geschöpf durch Seinen Odem Unsterblichkeit verlieh. Wie mögen sie vor Freude gejauchzt haben, als der Mensch, die Krone der ganzen Erde, nur ein wenig niedriger als sie selbst, vor seinem Schöpfer stand.

Allwissend sind die Engel nicht. Die Zukunft ist ihnen nur soweit bekannt, als es dem allwissenden Gott gefallen hat, sie ihnen zu offenbaren. Mit welchem Entsetzen mögen sie deshalb beobachtet haben, wie die ihnen so wohlbekannte Schlange, Satan, sich zu dem Weib schlich und jenes verhängnisvolle Gespräch anknüpfte. Wenn Engel weinen und Dämonen lachen können, dann müssen die Engel in tiefster Bestürzung geweint haben, während die Welt der bösen Geister in ein Hohngelächter ausbrach, als die Sünde durch den „Lügner und Mörder von Anfang“ gezeugt wurde.

Aber hier beginnt die Geschichte der Erlösung. Feindschaft muss herrschen zwischen der Schlange und dem Weib, zwischen dem Samen des Weibes und dem Samen der Schlange. Der Same des Weibes muss kommen, um der Schlange den Kopf zu zermalmen. Die Ferse des Weibessamens muss verwundet werden. Der die Schlange überwindet und den Sieg davonträgt, Er muss leiden. Nun fängt es an, das tiefe Sehnen der Engel, in tiefe Dinge hineinzuschauen, die den Kommenden, Sein Leiden und die zukünftige Herrlichkeit betreffen.

In dem großen Kampf, der auf Erden begann, haben die Engel eine bestimmte Aufgabe. Satan und seine Engel sind in Tätigkeit. Der Fürst der geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern widerstreitet den Erlösungsabsichten Gottes. Er hat unter den Menschen solche die auf Seiner Seite stehen: Seinen Samen. Die Engel Gottes auf Seiten des Herrn sind Gottes Werkzeuge zur Bekämpfung des Teufels und seines Heeres. Gott bedient sich der Engel zum Besten Seines Volkes, zu ihrem Schutz, und um Seine Ewigkeitspläne und Ratschlüsse auszuführen.

Wie wenig wissen wir von diesen Dingen! Da und dort in der Heiligen Schrift wird der Schleier ein wenig gelüftet, und wir erhalten einen kleinen Einblick in den Dienst der Engel. Vielleicht wird uns absichtlich nur wenig kundgetan, auf dass wir der Versuchung entgehen, uns mit den Engeln und den unsichtbaren Dingen mehr zu beschäftigen als mit dem Herrn der Herrlichkeit.

Wir möchten nur kurz bemerken, dass wir an dieser Stelle den „Engel Jehovas“ nicht erwähnen, denn dieser ist der Herr selbst, wie wir im dritten Kapitel unserer Abhandlung gezeigt haben.

Engel kamen nach Sodom als Gefährten des Herrn, der sich bei Seinem Freund Abraham aufhielt. Lot, der arme, irdisch gesinnte Lot, saß im Tor, als er die seltsamen Besucher bemerkte. Er lud sie zu sich ein. Nach einigem Zögern betraten sie sein Haus. Als der Pöbel sich zu einem Angriff auf Lot zusammenrottete, beschützten ihn die Engel, indem sie die Angreifer mit Blindheit schlugen. Am Morgen jenes verhängnisvollen Tages, als das Gericht über die verderbten Städte hereinbrechen sollte, trieben die Engel Lot zur Eile an, und als er zauderte, fassten sie ihn, sein Weib und seine Töchter bei den Händen und brachten sie aus der Stadt heraus. Gott in Seiner Barmherzigkeit hatte sie mit dem Auftrag entsandt, Lot zu retten.

Auch Abraham wusste von dem Dienst der Engel; denn als er Elieser ausschickte, um für Isaak eine Braut zu suchen, sagte er zu ihm: „Er wird Seinen Engel vor dir hersenden.“

Als Jakob seine Heimat verließ, müssen Engel ihn auf seiner einsamen Wanderung begleitet und ihn beschützt haben. Als er endlich ins Land seiner Väter zurückkehrte, begegneten ihm Engel Gottes. Er erkannte sie als solche und sprach: „Dies ist das Heerlager Gottes. Und er gab jenem Ort den Namen Machanaim“, das heißt: „Doppellager“ oder „Doppelte Heerscharen“. Diese Engel müssen ihn an das Gesicht erinnert haben, das er vor zwanzig Jahren gehabt hatte, als er Engel Gottes auf der Leiter auf- und niedersteigen sah. Diese Erscheinung hatte ihn damals des göttlichen Schutzes versichert. Ebenso gewiss war es ihm nun, dass Gott mit ihm war, weil Seine Heere ihn umgaben.

Ein gottgesandter Engel bewahrte das Volk Israel auf der Wüstenreise; doch auch dieser war sicherlich kein erschaffener Engel, sondern der Engel, Jehova, in Gestalt eines Engels; denn wir lesen etwas von Ihm, das nur von Gott selbst wahr sein kann: „Hüte dich vor Ihm und höre auf Seine Stimme und reize Ihn nicht; denn Er wird eure Übertretung nicht vergeben, denn mein Name ist in Ihm“ (2. Mose 23,12). Aber wir können sicher sein, dass der Dienst der Engel, Israel auf seiner Wanderung von Ägypten nach dem Lande der Verheißung zuteil geworden ist. Inwieweit die Engel zur Bewahrung Israels, vielleicht auch zu dessen geheimnisvoller Verfolgung mit allem Notwendigen verwendet wurden, wissen wir nicht. Aber wir wissen, dass das Gesetz „durch Engel in der Hand eines Mittlers“ angeordnet wurde (Gal 3,19), und dass Israel „das Gesetz durch Anordnung von Engeln empfangen hat“ (Apg 7, 53).

Aus Psalm 68,17 ersehen wir, dass die Entfaltung der Herrlichkeit von Tausenden und aber Tausenden von Wagen Gottes bewirkt wurde. Wer sind diese „Wagen Gottes“? kann es sich dabei um etwas anderes handeln als um die Heerscharen der Engel? Auch auf dem Berg Sinai traten diese in Erscheinung. Das wird im fünften Buch Mose bezeugt. Wir lesen dort: „Jehova... ist gekommen von heiligen Myriaden“ (Ps 33,2).

In den Psalmen wird uns von Bewahrungen durch Engel berichtet; und zwar einmal wiederum von dem „Engel Jehovas“ (Ps 34,7), während in Psalm 91,11 auf die Engelscharen Bezug genommen wird: „Denn Er wird Seinen Engeln über dir befehlen, dich zu bewahren auf allen deinen Wegen. Auf den Händen werden sie dich tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.“ Der 91. Psalm ist prophetisch. Während der vorhergehende Psalm den ersten Menschen in seiner Nichtigkeit und Vergänglichkeit zeigt, entwirft der 91. Psalm ein prophetisches Bild von dem zweiten Menschen - Christus. Der Teufel hatte das erkannt; denn als er unseren Herrn auf die Zinne des Tempels geführt hatte, führte er die obige Schriftstelle an. Aber immer, wenn sich der Teufel auf die Heilige Schrift beruft, fügt er ihr entweder etwas hinzu, oder er nimmt von den Worten weg 1. Als der Teufel die Verheißung von dem Schutz durch die Enge anführte, ließ er die Worte „dich zu bewahren auf allen deinen Wegen“ (Mt 4,6) fort. Nur auf Gottes Wegen können wir auf Gottes Gegenwart und Schutz rechnen.

Wir wissen, dass Daniels Gefährten unversehrt durchs Feuer gingen, weil der gleiche Engel, der in dem brennenden Dornbusch war, sich mit ihnen im Feuerofen befand, und wiederum war es der Herr in Gestalt eines Engels. Der König Nebukadnezar sagte dies mit den Worten: „Siehe, ich sehe vier Männer frei wandeln mitten im Feuer, und keine Verletzung ist an ihnen; und das Aussehen des Vierten ist gleich einem Sohne der Götter“ (Dan 3,25). Es muss derselbe Engel gewesen sein, der den Rachen des Löwen zuhielt, als der bejahrte Daniel in die Löwengrube geworfen worden war. Kostbare Worte kamen nach einer unter den Löwen verbrachten Nacht über seine Lippen: „Mein Gott hat Seinen Engel gesandt und hat den Rachen der Löwen verschlossen, dass sie mich nicht verletzt haben“ (Dan 6,23). Wir fügen noch eine Begebenheit hinzu, bei welcher Gott den Dienst der Engel auf Erden dazu benutzte, um Sein Volk schützend zu umgeben, in welcher Engel zwar nicht angeführt, aber doch gemeint sind.

Als der Diener Elisas die Stärke des Feindes sah, der mit Rossen und Wagen die Stadt umgab, war er voll Angst und Sorge. Doch der Prophet tröstete ihn mit den Worten: „Fürchte dich nicht! denn mehr sind derer, die bei uns, als derer, die bei ihnen sind“. Hierauf betete der Mann Gottes: „Jehova, öffne doch seine Augen, dass er sehe!“ (2. Kön 6,16.17). Das Gebet wurde sofort erhört, und der Jüngling sah den Berg voll feuriger Rosse und Wagen rings um Elisa her. Die Engelscharen, die himmlischen Kriegsheere, waren mit seinem Volk. In allen Kriegen, welche die Israeliten führten, kämpften die Scharen des Herrn für sie und erfochten ihnen den Sieg, wenn sie Gott vertrauten und sich auf Ihn verließen.

Satans Abgesandte sind auf Erden tätig. Der Fürst des Reiches der Finsternis durchstreift die Erde (Hiob 1,7) und „sucht, wen er verschlinge“ (1. Pet 5,8). Aber auch Gott hat Seine Streitmächte, die ebenfalls das Land durchziehen. Während der vielen Jahrhunderte der Geschichte Israels mögen beständig Engel als Abgesandte vom Thron Gottes ihren Dienst ausgeübt haben, um Seine Pläne zu verwirklichen.

Im Buch Daniel werden die Engel auch Wächter genannt (Dan 4,13.17.23).

Und während der vier Jahrtausende, in denen von der ersten Ankündigung im Garten Eden an die verheißene Erlösung vorbereitet wurde, harrten sie auf das fortschreitende Offenbarwerden der wunderbaren Erlösungsabsichten Gottes. In dem Maß, wie Gott dieselbe offenbarte, wuchs ihre Erfahrung und ihre Kenntnis. Seine Liebe zu einer verlorenen Welt wurde ihnen kund. Sie lauschten der Stimme des Propheten, als der Geist Gottes Christi Leben und Seine künftige Herrlichkeit verkündete. Sie verstanden, dass er, den sie als den eingeborenen Sohn Gottes kannten, eines Tages, geboren von einer Jungfrau, auf die Erde kommen und als der Verworfene leiden würde. Die im Alten Testament prophetisch geschilderte Erlösungsgeschichte erfüllte sie mehr und mehr mit Staunen, und darum wurde ihr Begehren, in diese Dinge hineinzuschauen, immer inniger. Während die gläubigen Israeliten auf Erden die Verheißung erwarteten, harrten im Himmel die Heerscharen des Herrn, die unzähligen Engelheere, auf die zuvorbestimmte Zeit.

Fußnoten

  • 1 Alle Sekten und falsche Lehren tun das gleiche; sie fügen zum Wort hinzu oder sie nehmen davon. Dies sind die Kennzeichen der bösen Macht, die hinter Ihnen steht. Das gilt von der „Christlichen Wissenschaft“, von den sog. „Ernsten Bibelforschern“, dem Spiritismus, der Theosophie, dem Mormonentum, usw.
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