Die Welt der Engel

Worte Christi über die Engel

Die Welt der Engel

Die Leugnung des Modernismus. - Ihre Körperlichkeit. - Ihre Anteilnahme an den Vorgängen auf Erden. - Ihre Freude über einen Sünder, der Buße tut. - Lazarus und die Engel. - Ihre Beziehung zur Wiederkunft Christi. - Die Schnitter im Gleichnis vom Reich Gottes. - Ihre Anwesenheit am Richterstuhl Christi. - Die Bedeutung von Matthäus 18,10. -

Wie wir schon früher darlegten, finden der Unglaube des Modernismus und die zerfetzende Bibelkritik, die beide das Dasein der Engel leugnet, in den Aussprüchen unseres Herrn ihre entschiedene Widerlegung. Der Herr sprach wiederholt von den Engeln und brachte sie mehrfach mit Seiner eigenen Herrlichkeit in Verbindung. Ihr Dasein leugnen heißt, den Herrn Jesus Christus einer falschen Lehre bezichtigen. Ein solches Ableugnen macht Ihn zu einem fehlbaren Lehrer und greift Seine Gottheit an. Wir geben eine kurze Übersicht über die verschiedenen Schriftstellen in den vier Evangelien, in denen unser Herr der Engel Erwähnung tut.   

I. Ihr Dasein und ihre Körperlichkeit betreffend: „Die aber würdig geachtet werden, jener Welt teilhaftig zu sein und der Auferstehung aus den Toten, heiraten nicht, noch werden sie verheiratet; denn sie können auch nicht mehr sterben; denn sie sind Engeln gleich und sind Söhne Gottes, da sie Söhne der Auferstehung sind“ (Lk 20,35.36; Mt 22,30; Mk 12,25). Gäbe es keine Engel, so wären diese Worte unseres Herrn eine Täuschung; aber Sein Zeugnis ist wahr, denn Er kam vom Himmel und kennt die Engel, weil Er ihr Schöpfer ist. Diese Schriftstelle lehrt, wie bereits ausgeführt, die Körperlichkeit der Engel.

II. Ihre Anwesenheit auf Erden betreffend: „Also, sage ich euch, ist Freude vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut“ (Lk 15,10). Sie stehen in inniger Verbindung mit den Vorgängen auf Erden, und wenn ein Sünder Buße tut und sich zum Herrn wendet, dann herrscht große Freude unter ihnen.

Auch beim Abscheiden der Gläubigen aus diesem Leben sind sie in Tätigkeit. „Es geschah aber, dass der Arme starb und von den Engeln getragen wurde in den Schoß Abrahams“ (Lk 16,22). Es gibt Bibelausleger, und ihrer sind nicht wenige, die behaupten, die Geschichte von dem reichen Mann und dem armen Lazarus sei nur ein Gleichnis. Nicht so unser Herr. Er sagte: „Es war aber ein gewisser reicher Mann, und der kleidete sich in Purpur und feine Leinwand und lebte alle Tage fröhlich und in Prunk. Es war aber ein gewisser Armer, mit Namen Lazarus, der an dessen Tor lag, voller Geschwüre.“ Würde es sich hier nur um ein Gleichnis handeln, so hätte der Geist Gottes das wohl deutlich ausgedrückt. Aber der Herr spricht von der tatsächlichen Existenz dieses reichen Mannes und des Armen mit Namen Lazarus. Der Herr belehrt uns darüber, dass die Engel verwendet werden, um die Seelen der entschlafenen Gläubigen zum Himmel empor zu tragen.

III. Wenn unser Herr als Prophet sprach und die Zukunft offenbarte, wenn Er Sein zweites Kommen, die Gerichte, die Er ausführen wird, die Wiederherstellung Israels, Seine Herrlichkeit und Sein Reich vorhersagte, erwähnte Er stets auch die Engel. Da wir uns im zwölften Kapitel unserer Abhandlung ausschließlich mit der künftigen Herrlichkeit, mit der Offenbarwerdung der Engel und ihren Diensten während des kommenden Zeitalters des Reiches beschäftigen werden, so beschränken wir uns hier auf die bloße Anführung der Schriftstellen, in denen unser Herr über diese Dinge redet.

So spricht Er von den Engeln in Seinen Gleichnissen vom Reich Gottes im 13. Kapitel des Evangeliums Matthäus. Die Vollendung des Zeitalters bringt die Ernte, und dann wird Er sich der Engel bedienen. „Die Schnitter aber sind Engel“ (V. 39). „Der Sohn des Menschen wird Seine Engel aussenden, und sie werden aus Seinem Reich alle Ärgernisse zusammenlesen und die das Gesetzlose tun“ (V. 41). „Also wird es in der Vollendung des Zeitalters sein: die Engel werden ausgehen und die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussondern“ (V. 49). Danach werden sie verwendet werden, um die Auserwählten zu sammeln. „Und Er wird Seine Engel aussenden mit starkem Posaunenschall, und sie werden Seine Auserwählten versammeln von den vier Winden her, von den äußersten Enden der Himmel bis zu ihren äußersten Enden“ (Mt 24,31). Die Auserwählten sind das Volk Israel und nicht die Kirche, wie so viele lehren.

Bei Seinem zweiten, sichtbaren Kommen in Herrlichkeit werden die Engel Ihn begleiten. „Denn der Sohn des Menschen wird kommen in der Herrlichkeit Seines Vaters, mit Seinen Engeln, und dann wird Er einem jeden vergelten nach seinem Tun“ (Mt 16,27). Die Engel werden vor Seinem Richterstuhl anwesend sein. „Ich sage euch aber: Jeder, der irgend mich vor den Menschen bekennen wird, den wird auch der Sohn des Menschen vor den Engeln Gottes bekennen; wer aber mich vor den Menschen verleugnet haben wird, der wird vor den Engeln Gottes verleugnet werden“ (Lk 12,8.9).

Über den Zeitpunkt Seines zweiten Kommens wissen die Engel Gottes nichts. Er ist ihnen nicht bekannt. „Von jenem Tage aber oder der Stunde weiß niemand, weder die Engel, die im Himmel sind, noch der Sohn, sondern nur der Vater. Gehet zu, wachet und betet; denn ihr wisset nicht, wann die Zeit ist“ (Mk 13,32.33). Welche Anmaßung ist es demnach, wenn ein Mensch versucht, das Jahr und die Zeit Seines Kommens auszurechnen!

Auch am Thron unseres Herrn, des Königs von Israel, werden die Engel sichtbar sein. „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Von nun an werdet ihr den Himmel geöffnet sehen und die Engel Gottes auf- und niedersteigen auf den Sohn des Menschen“ (Joh 1,51). Nathanael hatte Ihn als den Sohn Gottes, den König Israels bekannt; da verhieß ihm der Herr „Größeres als dieses“. Das wird kommen, wenn Er als König den Thron einnehmen wird und die unsichtbaren Heerscharen der Engel dem menschlichen Auge sichtbar sein werden.

Eine weitere, von uns bisher nicht angeführte Bibelstelle, die eine Bemerkung über die Engel enthält, wird auf verschiedene Weise erklärt: „Sehet zu, dass ihr nicht eines dieser Kleinen verachtet; denn Ich sage euch, dass ihre Engel in den Himmeln allezeit das Angesicht meines Vaters schauen, der in den Himmeln ist“ (Mt 18,10). Diese Stelle ist so verstanden worden, als ob jeder Gläubige einen Schutzengel im Himmel hätte. Wir halten diese Erklärung jedoch nicht für richtig. Der Herr spricht hier offenbar von den kleinen Kindern und nicht von Gläubigen. Alles hängt von der Auslegung des Wortes „Engel“ ab. Auf den ersten Blick könnte es scheinen, als ob diese Kleinen Engel im Himmel hätten. Nun findet sich eine Stelle im zwölften Kapitel der Apostelgeschichte, welche diese Schwierigkeit zu lösen scheint. Als Petrus durch das Eingreifen eines Engels aus dem Gefängnis befreit wurde und zu dem Hause gelangte, in welchem eine Gebetsversammlung stattfand, und als dort die Magd Rohde darauf bestand, Petrus klopfe am Tor, da sagten sie: „Es ist sein Engel.“ Sie dachten, Petrus sei getötet worden und meinten mit dem Ausdruck „sein Engel“ seinen entkörperten Geist. Damit können wir die oben angeführte Stelle verstehen. Die kleinen Kinder gehören dem Himmelreich an. Wenn sie in frühester Kindheit aus diesem Leben scheiden, sehen ihre entkörperten Geister das Antlitz des Vaters im Himmel. Mit anderen Worten: sie sind errettet. Diese Kleinen gehen nicht verloren. Das Werk Jesu Christi bringt sie in die Herrlichkeit. Dies scheint uns die annehmbarste Erklärung jener Stelle zu sein.

Endlich wollen wir den Engel nicht übersehen, der zu gewissen Zeiten in den Teich Bethesda herabstieg, um das Wasser zu bewegen und ihm heilende Kräfte mitzuteilen (Joh 5,1-9). Manche Bibelkritiker greifen diesen Bericht an und bezweifeln seine Echtheit. „Diese Erzählung an sich bereitet ebenso wenig eine wirkliche Schwierigkeit wie die der Versuchung unseres Herrn in der Wüste, die Berichte von Besessenen, die Befreiung des Petrus aus dem Gefängnis durch einen Engel usw. Sobald man einmal das Dasein von Engeln, ihre Tätigkeit auf Erden und die Möglichkeit ihrer Mitwirkung an der Ausführung der Pläne Gottes gelten lässt, so liegt auch in dieser Schriftstelle keine Schwierigkeit mehr.“

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