Die christliche Gemeinschaft

6. Gemeinschaft im Dienst für den Herrn

Ein besonderer Bereich praktischer Gemeinschaft ist die Gemeinschaft im Dienst. Paulus hebt die hervorragende Gesinnung der Gläubigen in Mazedonien hervor, die trotz großer Bedrängnis von außen „mit vielem Zureden um die Gnade und die Gemeinschaft des Dienstes für die Heiligen“ baten (2. Kor 8, 1-4). Dieser Dienst bestand zwar „nur“ in materiellen Gaben für die verfolgten und notleidenden Gläubigen in Judäa (vgl. Röm 15,25ff.), doch erinnern wir uns hierbei an die Ausdrücke „Beitrag“ (Röm 15,26), „Teilnahme“ (2. Kor 9,13) und „Mitteilen“ (Heb 13,16), die alle das Wort „Gemeinschaft“ im Blick auf die Teilnahme an materiellen Bedürfnissen wiedergeben.

Die Philipper hatten darüber hinaus auch Dienstgemeinschaft mit dem Apostel Paulus durch ihre „Teilnahme [wörtlich: Gemeinschaft] an dem Evangelium vom ersten Tag an“ (Phil 1,4). Die meisten von ihnen konnten ihn zwar nicht auf seinen Reisen begleiten, sondern unterstützten ihn durch ihre Gebete und durch Beihilfen zum Lebensunterhalt. Einige jedoch, darunter auch zwei Schwestern, wurden von Paulus besonders hervorgehoben, weil sie mit ihm im Evangelium gekämpft hatten (Phil 4,3). Die Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus und die Liebe zu Ihm waren die Triebfedern für ihre praktische Gemeinschaft mit Seinem Apostel bei der Verbreitung der guten Botschaft des Heils.

Als Paulus anläßlich des sogenannten Apostelkonzils mit Barnabas in Jerusalem war, um ein für allemal die damals brennende Frage zu klären, daß der Christ nicht unter dem Gesetz vom Sinai steht, legte er den dortigen Brüdern auch „sein“ Evangelium vor. Daraufhin reichten Jakobus, Petrus und Johannes, „die als Säulen angesehen wurden“, ihm und Barnabas die Hand der Gemeinschaft (Gal 2,1-10). Dieser Händedruck war das Zeichen der Gemeinschaft von Dienern Christi, die durch denselben Herrn, dieselbe Botschaft und dieselbe Gnade miteinander verbunden waren, obwohl sie wahrscheinlich nie gemeinsam auf Reisen gingen. Jeder von ihnen hatte seine spezielle Aufgabe, aber sie erfüllten sie mit gleicher Liebe zum Herrn und in innerer Harmonie. Die ernste Zurechtweisung, die Petrus einmal von Paulus erhielt, hat diese tiefe Gemeinschaft nicht gestört (Gal 2,11; 2. Pet 3,15).

Wenn es sich um einen gemeinsam auszuführenden Dienst handelt, so finden wir im Neuen Testament, daß Paulus sich mehrfach Mitarbeiter auswählte, die ihm dafür geeignet erschienen, zum Beispiel Silas und Timotheus (Apg 15,40; 16,3). Auch mit ihnen wußte er sich durch völlige Übereinstimmung in der Lehre Christi und durch die Liebe Gottes verbunden. Wenn diese Grundlagen fehlten, mußte auch die Gemeinschaft im Dienst leiden. Denken wir an die Trennung von Johannes-Markus, Barnabas und Demas!

Die Grundlage echter Dienstgemeinschaft ist die Gemeinschaft, die Paulus einmal gegenüber seinem geliebten Mitarbeiter Philemon in Kolossä als „Gemeinschaft deines Glaubens“ (Phlm 6) erwähnte, und von der er wünschte, daß sie sich „in der Anerkennung alles Guten, das in uns ist gegen Christus Jesus“, auswirkte. Er wußte, daß Philemon durch seinen Glauben praktisch eng mit ihm verbunden war, denn sie hatten beide denselben Gegenstand vor ihren Herzen, den Herrn Jesus. Doch in der jetzigen Situation wurde diese Gemeinschaft auf eine Probe gestellt. Würde Philemon die Handlungsweise von Paulus mit seinem davongelaufenen Sklaven Onesimus akzeptieren? Dann würde sich seine Gemeinschaft bewähren, und wir dürfen annehmen, daß dies auch der Fall war.

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