Ährenlese im Neuen Testament (Lukas)

Lukas 7-12

Ährenlese im Neuen Testament (Lukas)

Lukas 7,1–17

Welch edle Gefühle finden wir beim Hauptmann von Kapernaum: grosse Wertschätzung für einen einfachen Sklaven; Wohlwollen gegenüber Israel; Demut («Ich bin nicht würdig», erklärt er; vergleiche Vers 4); Verständnis für Autorität und Pflichtbewusstsein, die er sich im Militärleben erworben hatte (Vers 8)! Aber es sind nicht seine hochstehenden Eigenschaften, die der Herr bewundert; es ist der Glaube dieses Fremden. Der Herr Jesus führt ihn als Beispiel an. Der Glaube besteht nur durch den Gegenstand, auf den er sich stützt: Hier ist es die Allmacht des Herrn. Je besser man den Gegenstand in seiner Grösse kennt, desto grösser wird der Glaube sein. Möchte Christus für unsere Herzen gross sein!

Als der Herr und die Ihn begleitende Volksmenge sich der Stadt Nain nähern, begegnet ihnen ein anderer Zug. Es ist ein Leichenzug, wie man solche auf den Strassen sieht (Pred 12,5b: eine schreckliche Mahnung daran, dass der Tod der Lohn der Sünde ist). Aber dieser hier ist besonders traurig, denn es handelt sich um den einzigen Sohn einer Witwe. Von Mitleid bewegt, fängt der Herr Jesus damit an, die arme Mutter zu trösten. Dann rührt Er die Totenbahre an (wie Er in Kap. 5,13 den Aussätzigen anrührte, ohne dadurch verunreinigt zu werden; vgl. 4. Mose 19,11). Und da setzt sich dieser Tote auf und fängt an zu reden! Vergessen wir nicht, dass das Bekenntnis mit dem Mund ein notwendiger Beweis des Lebens in uns ist (Römer 10,9).

Lukas 7, 18–35

Vom Gefängnis aus, wo Herodes ihn eingeschlossen hatte (Kapitel 3,20), schickt Johannes der Täufer zwei seiner Jünger zum Herrn Jesus, um Ihn über seine Person auszufragen. Durch diese Fragen werden seine Zweifel und seine Niedergeschlagenheit sichtbar. Er hatte das Reich angekündigt -und Haft im Gefängnis bekommen. Sollte es wirklich möglich sein, dass Jesus «der Kommende» war?

Angesichts des gegenwärtigen Zustands der Kirche, der Verfolgungen der Gläubigen in vielen Ländern und der Gleichgültigkeit der Welt gegenüber dem Evangelium beginnen viele an der Macht des Herrn und seines Reiches zu zweifeln. Aber dieses Reich wird nicht vor der Entrückung der Kirche und der Erfüllung der prophetischen Ereignisse aufgerichtet werden.

Die Werke des Herrn Jesus sind die Antwort auf die Frage der beiden Boten.

Johannes hatte dem Herrn Zeugnis gegeben. Jetzt ist es der Herr, der vor der gleichen Volksmenge dem Johannes Zeugnis gibt. Und mit Wehmut zeigt Er, wie der Dienst des Wegbereiters und der seinige bei diesem bevorzugten Geschlecht (Vers 31) aufgenommen worden sind. Weder die Klagelieder des Johannes (sein Aufruf zur Busse) noch die gute Botschaft des Erlösers, die Freude und Lob hätte bewirken sollen, hatten bei der Volksmenge und ihren Führern ein Echo gefunden.

Lukas 7,36–50

Sehr verschieden vom Zöllner Levi im 5. Kapitel (Vers 29) hat auch der Pharisäer Simon den Herrn zu Tisch geladen. Vielleicht dachte er, dadurch Ehre zu empfangen; aber der Herr Jesus erteilt ihm statt dessen eine demütigende Lektion. Eine Frau, die für ihr sündiges Leben bekannt war, ist ins Haus eingedrungen. Zu den Füssen Jesu vergiesst sie reichlich Tränen der Busse, und gleichzeitig verbreitet sich der Wohlgeruch ihrer Huldigung. Nicht der Pharisäer Simon, sondern diese Sünderin ist es, die das Herz des Heilands erfrischt und stärkt. Denn sie ist sich ihrer grossen Schuld vor Gott bewusst und kommt in der allein passenden Haltung zum Herrn Jesus: mit einem zerbrochenen und demütigen Herzen (Psalm 51,17). Bevor der Herr das Wort der Gnade, das sie erwartet, an diese Frau richtet, hat Er Simon «etwas zu sagen», dessen geheime Gedanken Er kennt. Wie oft könnten wir unseren Namen anstelle des Namens Simon rufen hören. «Ich habe auch dir etwas zu sagen», erklärt der Meister dem einen oder andern von uns: Du vergleichst dich vielleicht vorteilhaft mit andern, die keine christliche Erziehung genossen haben wie du; aber was in meinen Augen zählt, das ist die Liebe zu mir und die Beweise, die mir davon gegeben werden.

Möchten wir doch erkennen, wieviel unser Erlöser uns vergeben hat, um Ihn mehr zu lieben!

Lukas 8,1–15

Mit den Jüngern folgen einige treu ergebene Frauen dem Herrn und «dienen ihm mit ihrer Habe». Was sie für Ihn getan haben, wird als Folge von dem bezeichnet, was Er zuerst für sie getan hat (Vers 2).

Die Verse 4–15 enthalten das Gleichnis vom Sämann und seine Erklärung. Es sind drei Dinge, die den Erdboden unfruchtbar machen: die Vögel, ein Bild des Teufels (Vers 12), der Fels, hier ein Bild des dürren Herzens, das für jede tiefe und dauerhafte Wirkung unzugänglich ist, und schliesslich die Dornen, die von der Welt mit ihren Sorgen, ihren Reichtümern und Vergnügungen reden (Vers 14). Aber selbst der beste Boden muss zuerst bearbeitet werden. Es ist schmerzhaft für den Erdboden, aufgewühlt und umgegraben zu werden, damit er fähig sei, den Samen eindringen und keimen zu lassen. So bearbeitet Gott (oftmals durch Prüfungen) das Gewissen derer, die das Wort aufnehmen werden.

Aber diese Arbeit kann in den ersten drei Bodenarten nicht geschehen. Es ist nutzlos, einen Weg zu bearbeiten, der fortwährend betreten wird, und auf dem Felsen ist es unmöglich. Was die Dornen betrifft, ist zuerst eine Rodung nötig, aber die Wurzeln der Welt gründen in manchem Herzen tief.

Jede Art von Erdboden kennzeichnet sich durch das Hören des Wortes. Es bewahren und mit Ausharren Frucht bringen, das ist das Merkmal der guten Erde (Vers 15).

Lukas 8,16–25

Niemand käme es in den Sinn, eine Lampe anzuzünden und sie dann unter einem Gefäss oder unter einem Bett zu verstecken. Als «Kinder des Lichts» sind wir hier, um die Tugenden Dessen, der Licht ist, in der Finsternis dieser Welt deutlich leuchten zu lassen (Vers 16; Matthäus 5,14; 1. Petrus 2,9).

Als seine Mutter und seine Brüder zu Ihm kommen, benützt der Herr die Gelegenheit, um noch von denen, «welche das Wort Gottes hören und tun», zu reden (Vers 21; Kapitel 6,47). Sie allein können sich auf eine Beziehung zu Ihm berufen.

Der Schlaf des Herrn Jesus im Schiff zeigt Ihn uns als Menschen, der von seinem Tagewerk ermüdet ist Aber einen Augenblick später lässt Ihn der Befehl, den Er dem Wind und den Wellen erteilt, als allmächtigen Gott erkennen. Von Furcht ergriffen rufen die Jünger aus: «Wer ist denn dieser?» Mehrmals haben wir diese Frage gehört (Vers 25; Kapitel 5,21; 7,49). Agur hatte sie einst gestellt: «Wer hat den Wind in seine Fäuste gesammelt? wer die Wasser in ein Tuch gebunden?» (Sprüche 30,4). Er, der «den Winden und dem Wasser gebietet», und den Jüngern, denen es an Glauben mangelt, seine Macht offenbart, ist der Sohn Gottes, der Schöpfer. Seine Macht hat bis heute nicht geändert Aber wie steht es mit unserem Glauben?

Lukas 8, 26–39

Die göttliche Macht, von der der Herr Jesus ein Beispiel gab, als Er den Sturm bedrohte, steht hier einer noch viel schrecklicheren Gewalt gegenüber: der Gewalt Satans. Ein Heer von Dämonen hatte vom Willen dieses unglücklichen Gadareners völlig Besitz ergriffen. Man hatte erfolglos versucht, ihn durch Ketten und Fussfesseln zu bezwingen -ein Bild der vergeblichen Anstrengungen der menschlichen Gesellschaft, die Leidenschaften zu zügeln. Der Besessene wohnte in den Grabstätten und war sittlicherweise schon ein Toter. Er war nackt, das heisst, wie Adam unfähig, seinen Zustand vor Gott zu verbergen. Welch ein Bild der sittlichen Verkommenheit des Geschöpfes! Aber auch welch eine Veränderung, als der Herr durch seine Befreiung eingreift (lies Epheser 2,1–6)! Die Leute der Stadt müssen es feststellen. Sie finden diesen Menschen «bekleidet und vernünftig, zu den Füssen Jesu sitzend». Ja, der Erlöste findet endlich Frieden und Ruhe bei seinem Retter; Gott bekleidet ihn mit Gerechtigkeit und gibt ihm ein Verständnis, um Ihn zu erkennen.

Aber ach! Die Gegenwart Gottes beunruhigt und stört die Welt mehr als die Herrschaft Satans.

Der geheilte Besessene möchte den Herrn Jesus begleiten (vergleiche Philipper 1,23). Aber der Herr weist ihm sein Arbeitsfeld an: sein Haus und seine Stadt, wo er erzählt, wieviel Jesus an ihm getan hat (Psalm 66,16).

Lukas 8,40–56

Jairus, dieser Synagogenvorsteher, dessen einzige Tochter im Sterben liegt, bittet den Herrn Jesus, in sein Haus zu kommen. Er hat nicht so viel Glauben wie der Hauptmann im 7. Kapitel; denn jener wusste, dass ein Wort des Herrn genügte, um seinen Knecht selbst auf Entfernung hin zu heilen. Unterwegs wird der Herr Jesus heimlich von dieser Frau angerührt, die vorher vergeblich eine grosse Anzahl Ärzte aufgesucht hatte. Aber der Herr will ihr mit der Heilung auch die Gewissheit des Friedens geben; darum zwingt Er sie, sich zu erkennen zu geben.

Während der Herr Jesus mit dem beunruhigten Vater weiterzieht, hat Er «die Zunge der Belehrten», um ihn durch ein Wort aufzurichten (Vers 50; vergleiche Kapitel 7,13 und Jesaja 50,4). Und dann geschieht etwas Ausserordentliches. Auf den Ruf des «Urhebers des Lebens» (Apostelgeschichte 3,15) erhebt sich das Kind sofort. Aber der Herr Jesus weiss, dass es jetzt Nahrung nötig hat, und in seiner zärtlichen Fürsorge wacht Er darüber, dass es sie bekommt. So sehen wir in diesen beiden Begebenheiten, wie sich die Liebe des Herrn noch nach der Befreiung offenbart: gegenüber der Frau, um eine persönliche Beziehung zu Ihm herzustellen und sie dazu zu führen, Ihn öffentlich zu bekennen; gegenüber diesem Mädchen, um es zu nähren und zu stärken.

Lukas 9,1–17

Der Herr sendet seine Apostel aus. Die Kraft und die Vollmacht, die Er ihnen verleiht, ist alles, was sie auf dem Weg nötig haben (Vers 3). Bei ihrer Rückkehr beeilen sich die Zwölf, Ihm alles zu erzählen, was sie getan hatten (Vers 10; vergleiche Apostelgeschichte 14,27, wo Paulus und Barnabas «alles erzählen, was Gott mit ihnen getan hat»; siehe auch Apostelgeschichte 21,19 und 1. Korinther 15,10). Dann nimmt der Herr Jesus sie mit sich in die Stille. Aber die Volksmengen erfahren es sofort und folgen ihnen, so dass Er, ohne die geringste Ungeduld oder Unwillen, seinen Dienst wieder fortsetzt. Er nimmt sie auf, redet zu ihnen und heilt sie. Die Jünger dagegen möchten alle diese Leute fortschicken, vielleicht weniger aus Fürsorge für diese, wie sie vorgeben (Vers 12), als aus Sorge um ihre eigene Ruhe. Aber ihr Meister kümmert sich um diese Volksmengen und hat gleichzeitig eine Lektion für die Seinen bereit. Nachdem festgestellt ist, dass sie unfähig sind, diese Menge mit ihren Mitteln zu speisen, greift der Herr Jesus mit seiner eigenen Macht ein. Bedenken wir wohl, dass Er die fünf Brote und die zwei Fische nicht nötig gehabt hätte. Aber in seiner Gnade nimmt Er das wenige, das wir Ihm zur Verfügung stellen, und weiss daraus eine reiche Fülle zu machen. Seine Kraft wird immer in der Schwachheit seiner Diener vollbracht (2. Korinther 12,9).

Lukas 9,18–36

Die Volksmengen betrachten Jesus als einen Propheten, nicht als Christus, den Sohn Gottes (Vers 19). Das veranlasst den Herrn, von seinem Weg der Verwerfung und der Leiden zu sprechen und die Seinen aufzufordern, Ihm nachzufolgen. Dieser Weg bedeutet nicht nur Verzicht auf gewisse Dinge, sondern Selbstverleugnung und die völlige Aufgabe des Eigenwillens. Die Christen sind der Welt und ihren Lüsten gestorben (Galater 6,14), aber lebend für Gott und für den Himmel. Dagegen haben die, die ihr Leben auf dieser Erde leben wollen, den ewigen Tod vor sich. Bei dieser entscheidenden Wahl steht unsere Seele auf dem Spiel; sie hat mehr Wert als die ganze Welt.

Gleichzeitig mit der Eröffnung dieses mühsamen Weges des Kreuzes möchte der Herr den Seinen Mut machen und zeigt ihnen, wo er endet: mit Ihm in der Herrlichkeit. Und was ist auf dem Berg der Verklärung der grosse Gegenstand der Unterhaltung? Der Tod des Herrn Jesus. Er spricht mit Moses und Elias davon, weil Er es mit seinen Jüngern nicht tun konnte (Vers 22; Matthäus 16,21.22). Aber wie gross auch diese Zeugen des Alten Testaments sein mögen, vor der Herrlichkeit des «geliebten Sohnes» müssen sie verschwinden. Das Gesetz und die Propheten haben ihr Ende genommen; fortan spricht Gott im Sohne. Lasst uns auf Ihn hören! (Vers 35; Hebräer 1,1).

Lukas 9, 37–56

Nach der Szene der Herrlichkeit, deren Mittelpunkt der Herr Jesus gewesen ist, sieht Er sich einer schrecklichen Situation gegenübergestellt: der Einfluss Satans auf einen Knaben und die Not seines Vaters. Die Befreiung, die Er bewirkt, verherrlicht die Grösse Gottes (Vers 43).

Welche Folgewidrigkeit finden wir dann bei den Jüngern! Sie folgen Dem, dessen freiwillige Erniedrigung Ihn zum Kreuz führt. Aber gleichzeitig befassen sie sich damit, welcher von ihnen wohl der Grösste sein werde! (Vers 46). Sie haben selbst im Namen des Herrn Dämonen ausgetrieben -es gelang ihnen zwar nicht immer! (Vers 40); aber sie verbieten einem andern, es zu tun (Vers 49; vergleiche 4. Mose 11,26–29). Während ihr Meister sich anschickt, das Erlösungswerk für die Menschen -und für sie -zu vollbringen, möchten Jakobus und Johannes das Feuer des Gerichts auf die Samariter herabfallen lassen, weil sie sich weigern, Ihn aufzunehmen. Selbstsucht, Neid, Engherzigkeit, Groll und Rachepläne, darin erkennen wir den traurigen Geist, der leider auch unsere armen, natürlichen Herzen oft beherrscht (Vers 55).

In vollem Bewusstsein dessen, was Ihn erwartet, aber mit einer heiligen Entschlossenheit, unternimmt der Herr Jesus nun seine letzte Reise nach Jerusalem. Er stellt sein Angesicht fest (Vers 51). Unser geliebter Erlöser lässt sich nicht vom Ziel abbewegen, das seine Liebe Ihm vorgezeichnet hat.

Lukas 9,57–10,9

Es ist leicht zu sagen: «Ich will dir nachfolgen, wohin irgend du gehst, Herr» (Vers 57). Aber der Herr Jesus hat nicht verheimlicht, was es mit sich bringt, Ihm nachzufolgen (siehe Vers 23). Die grössten Hindernisse finden sich nicht auf unserem Weg, sondern in unserem Herzen; und um uns zu helfen, sie zu entdekken, leuchtet der Herr in dessen verborgensten Winkel. Der Hang zur Bequemlichkeit (Vers 58), diese oder jene Rücksicht, Zuneigung oder Gewohnheit (Verse 59, 61) könnten sich leicht über den Gehorsam steIlen, den wir dem Herrn Jesus schuldig sind, und dann unweigerlich zum Bedauern, zum Zurückschauen und vielleicht sogar zum beschämenden, endgültigen Aufgeben führen.

Im 10. Kapitel bestellt der Herr Jesus 70 Arbeiter und sendet sie selbst in die Ernte aus. Er gibt ihnen seine Anweisungen und sendet sie «wie Lämmer inmitten von Wölfen» (Vers 3). Denn sie sollen die Merkmale der Demut und der Sanftmut Dessen offenbaren, der inmitten der gleichen Wölfe das Lamm war.

Heute wie damals gibt es wenig Arbeiter. Bitten wir deshalb den Herrn der grossen Ernte (2. Thessalonicher 3,1). Er wird es übernehmen, neue Diener zu bezeichnen, auszubilden und auszusenden. Um jedoch mit Eifer und aufrichtig darum bitten zu können, muss man bereit sein, selbst ausgesandt zu werden.

Lukas 10,10–24

Der Herr Jesus wendet sich feierlich ernst an die Städte, in denen Er gelehrt und so viele Wunderwerke vollbracht hatte. Und Er unterstreicht die grosse Verantwortlichkeit ihrer Bewohner. Was müsste Er heute von vielen jungen Leuten sagen, die in christlichen Familien aufgewachsen sind und dadurch sehr bevorzugt, aber auch verantwortlicher sind als andere?

Die Siebzig kehren voll Freude zurück. Die Tatsache, dass sie Dämonen ausgetrieben hatten, lenkt die Gedanken des Herrn auf den Augenblick hin, da der Teufel selbst aus dem Himmel vertrieben und auf die Erde heruntergeworfen werden wird (Offenbarung 12,7ff.). Aber der Herr Jesus fordert die Jünger auf, sich aus einem andern Grund zu freuen: der von der Gegenwart Satans gereinigte Himmel wird ihr Wohnort werden. Schon jetzt sind ihre Namen dort aufgeschrieben. Und der Herr frohlockt seinerseits mit grosser Freude, nicht über die Macht, die ausgeübt worden war, sondern über die Ratschlüsse des Gottes der Liebe. Es hat dem Vater gefallen, sich in seinem Sohn zu offenbaren. Und wem wurde diese Offenbarung geschenkt -im Gegensatz zu dem, was wir gewöhnlich zu Kindern sagen: «Wenn du einmal gross bist, wirst du dies oder jenes verstehen?» Gerade den Unmündigen und denen, die ihnen in der Demut und in ihrem einfachen Glauben gleichen. Erfüllen wir diese Bedingungen?

Lukas 10,25–42

Der Herr Jesus beantwortet die Frage eines Gesetzgelehrten mit einer an das Gewissen gerichteten Gegenfrage. Um auszuweichen, möchte der Gesetzgelehrte die Reichweite des Wortes «Nächster» begrenzen. Aber der Herr lehrt ihn, dass dieser Nächste in erster Linie Er, Jesus selbst, ist (Verse 36,37), und dass nach seinem Beispiel ein Erlöster durch die Liebe für alle Menschen der Nächste wird. Wir erkennen in diesem beraubten und halb tot liegengelassenen Menschen den verlorenen und hilflosen Sünder; im Priester und im Leviten sehen wir die vergebliche Zuflucht zur Religion; aber im barmherzigen Samariter begegnet uns der Retter, der sich zu unserem Elend herabgeneigt und uns aus unserem hoffnungslos traurigen Los herausgeholt hat. Die Herberge lässt uns an die Versammlung denken, wo der Gerettete die nötige Pflege bekommt, und der Wirt ist ein Bild des Heiligen Geistes, der durch das Wort und das Gebet (die zwei Denare) dafür sorgt. Das Wort und das Gebet bilden die Gegenstände der Verse 38–42 und des ersten Abschnitts von Kapitel 11 (Verse 1–13). Als Schlussfolgerung sagt der Herr nicht mehr: «Tue dies (das Gesetz), und du wirst leben» (Vers 28), sondern: «Gehe hin und tue du desgleichen» (Vers 37).

Nun folgt eine Szene im Haus von Freunden, wo der Herr Jesus aufgenommen wird, wo man Ihm dient, Ihm zuhört und Ihn liebt. Aber der Dienst nimmt die Gedanken Marthas so in Beschlag, dass sie getadelt werden muss; doch das offene Herz der Maria für sein Wort erfreut das Herz des Herrn (1. Sam 15,22).

Lukas 11,1–20

Die Jünger sind über den Platz beeindruckt, den das Gebet im Leben ihres Meisters einnimmt. Möchten wir es machen wie sie: den Herrn darum bitten, uns das Beten zu lehren. Geht es darum, einige auswendig gelernte Sätze herzusagen? Das Gleichnis der beiden Freunde lehrt uns im Gegenteil, jedes Bedürfnis einfach und bestimmt auszudrücken: «Freund, leihe mir drei Brote» (Vers 5). Vielleicht ist es ein geistliches Bedürfnis, das sich plötzlich spürbar macht und sozusagen an unsere Herzenstür klopft (Vers 6)? Hüten wir uns davor, es zurückzuweisen; behandeln wir es vielmehr wie einen «Freund von der Reise» (Vers 6). Aber wenn wir nun nichts haben, um es ihm zu geben? Dann wenden wir uns vertrauensvoll an den göttlichen Freund und müssen nicht befürchten, Ihm ungelegen zu kommen. In seiner Liebe gefällt es Gott, seinen Kindern zu antworten und sie nie zuschanden werden zu lassen. Im Gegenteil, wenn es vorkommt, dass wir in Unwissenheit oder aus Mangel an Weisheit um «einen Stein» bitten, dann versteht Er es, unsere Bitte in «gute Gaben» umzuwandeln.

Bis der Mensch dem Herrn Jesus begegnet, ist er für Gott so stumm wie der Besessene im 14. Vers. Durch Christus errettet, bekommt er bei seiner Bekehrung die Gabe des Heiligen Geistes (vergleiche Vers 13), und dann kann er seine Stimme im Lob und im Gebet erheben. Möchten wir von diesem Vorrecht reichlich Gebrauch machen!

Lukas 11,21–36

Nur die Macht des Herrn Jesus, des Siegers über «den Starken», kann uns vom Bösen, das in uns ist, befreien. Sonst wird eine vertriebene Leidenschaft unweigerlich von einer andern ersetzt. Unser Herz gleicht dem Haus im 25. Vers. Es ist vergeblich, wenn wir es kehren und schmücken, solange nicht ein neuer Gast, der Herr Jesus, darin wohnt und regiert.

Dann wiederholt der Herr, dass die Segnung weder von Familienbeziehungen (Verse 27,28; vergleiche Kapitel 8,21), noch von den Vorrechten eines bestimmten Geschlechts abhängig ist. Sie wird denen verheissen, die das Wort Gottes hören und bewahren!

Der 33. Vers wiederholt die Belehrung von Kapitel 8,16. Der Scheffel, ein Hohlmass, ist das Symbol des Handels und der Geschäftigkeit; das Bett ist ein Symbol des Schlafes und der Faulheit. Das sind einander entgegengesetzte Dinge, aber beide fähig, die kleine Flamme unseres Zeugnisses auszulöschen. In Matthäus 5,15 musste die Lampe «allen, die im Hause sind», leuchten. Hier wird sie angezündet, damit «die Hereinkommenden» – die Besucher – «den Schein sehen».

Das böse Auge (Vers 34) lässt die Finsternis der Sünde in uns eindringen. Lasst uns auf die Richtung achtgeben, die unsere Blicke manchmal nehmen (Hiob 31,1), und auf gewisse Lektüren, die unser Herz verunreinigen und unsere Sinne verführen! (2. Korinther 7,1).

Lukas 11,37–54

Der Herr Jesus wird zum zweitenmal von einem Pharisäer zu Tisch geladen (vergleiche Kapitel 7,36). Und hier erlaubt sich sein Gastgeber sogar, Ihn zu kritisieren. Daraus entwickelt sich ein heftiges Gespräch, in dessen Verlauf Er, der die Herzen kennt, die Bosheit und Heuchelei dieser verantwortlichen Klasse des Volkes anprangert. Obwohl sie sich vor den Augen der Menschen einen frommen Anschein gaben, verbargen diese Pharisäer und Gesetzgelehrten einen inneren Zustand der Verderbtheit und des Todes, wie ein Grabmal, auf das man tritt, ohne sich dessen bewusst zu sein.

Wer wagte es je, so streng mit einem zu reden, der ihn eingeladen hat? Aber nach dem eigenen Zeugnis der Phärisäer war der Herr Jesus wahrhaftig und kümmerte sich um niemand, denn Er sah nicht auf die Person der Menschen (Matthäus 22,16). Welch ein Beispiel für uns, die wir es so gut verstehen, durch liebenswürdige Worte (die manchmal so wenig aufrichtig sind), unser Ansehen zu sichern! Unter dem Vorwand der Höflichkeit beweisen wir im Grunde genommen diese Falschheit und Förmlichkeit, die der Herr Jesus bei den Pharisäern verurteilt.

Weil sie dem Herrn nicht widersprechen können, suchen seine Gegner Ihn bei einem Fehler zu ertappen. Psalm 119 macht uns mit einigen seiner Gebete bekannt, als Er solchen Widerspruch erlitt (Verse 98,110,150 usw.).

Lukas 12,1–12

Die Heuchelei, die die Pharisäer kennzeichnete, konnte in anderer Form auch eine Gefahr für die Jünger werden. Die Nachfolger des Herrn Jesus können ihre Beziehung zu Ihm vor den Augen der Welt verbergen. Darum ermuntert der Herr die Seinen in Gegenwart der ganzen Volksmenge, Ihn öffentlich vor den Menschen zu bekennen, ohne die Folgen zu fürchten. Wir wissen, dass tatsächlich schreckliche Verfolgungen auf die Jünger und die Christen der ersten Jahrhunderte warteten. Mit zärtlicher Fürsorge bereitet der Herr seine Freunde (Vers 4) auf diese schweren Tage vor und lenkt ihre Gedanken auf den himmlischen Vater hin. Wie sollte Gott, der sich um das Los eines kleinen, unbedeutenden Sperlings kümmert, nicht für seine Kinder sorgen, die durch Prüfung gehen? Und was das Zeugnis betraf, das sie abzulegen hatten, sollten sie sich keine Sorgen machen; der Heilige Geist würde ihnen die richtigen Worte eingeben.

In unseren Tagen werden die Gläubigen in den westlichen Ländern weder verfolgt noch getötet. Aber wenn sie treu sind, werden sie doch von der Welt gehasst und verachtet, was immer schwer zu ertragen ist. Diese Ermahnungen und die sie begleitenden Verheissungen gelten deshalb auch uns. Bitten wir den Herrn, uns mehr Mut zu geben, um seinen Namen zu bekennen.

Lukas 12,13–31

Einer aus der Volksmenge stellt dem Herrn eine Frage über Erbangelegenheiten. Der Herr nimmt dies zum Anlass, um die Wurzel dieser Streitigkeiten zu offenbaren: es ist der Geiz. «Denn die Geldliebe ist eine Wurzel alles Bösen» (1. Timotheus 6,10). Das Gleichnis des Reichen mit seinen zu klein gewordenen Scheunen illustriert diese Habsucht. Unter dem Deckmantel der Vorsorge kann man seine Taschen füllen, Reichtum ansammeln, rechnen und lang vorausplanen! Aber das ist im Gegenteil höchste Kurzsichtigkeit, denn es bedeutet, dass man das Kostbarste, das man besitzt, seine eigene Seele, vernachlässigt und betrügt! In seiner Torheit hatte der Reiche geglaubt, seine Seele zu befriedigen, indem er ihr «viele Güter» anbot (Vers 19). Aber die unsterbliche Seele braucht eine andere Nahrung. Ja, «Tor» ist der Name, den Gott diesem Mann gibt (vergleiche Jeremia 17,11b). Wie viele Grabsteine könnten diese Inschrift tragen! (Psalm 52,7).

Im Gegensatz dazu lehrt der Herr Jesus die Seinen, dass wahre Vorsorge darin besteht, sein Vertrauen auf Gott zu setzen. Jede Sorge um unsere täglichen Bedürfnisse wird durch die Bestätigung beseitigt: «Euer Vater aber weiss, dass ihr dieses bedürtet» (Vers 30). Wenn wir sein Reich und seine Interessen voranstellen, wird Er sich ganz um unsere Bedürfnisse kümmern.

Lukas 12,32–48

Der Reiche im Gleichnis hatte für sich selbst Schätze gesammelt (Vers 21), und er hatte alles verloren, auch seine Seele. Der Herr zeigt seinen Jüngern jetzt ein Mittel, um sich Schätze anzulegen, die vor allen Risiken geschützt sind: Almosen geben, seine Güter verteilen, denn das kommt einer sicheren Anlage auf der Bank des Himmels gleich (Vers 33; vergleiche Kapitel 18,22). Das Herz wird unfehlbar diesem himmlischen Schatz anhangen und mit um so grösserer Sehnsucht das Kom men des Herrn erwarten (lies 1. Petrus 1,4). Der Herr Jesus kommt wieder. Hat diese Hoffnung in unserem Leben ihre praktischen Auswirkungen? Lösen wir uns schon von einer Welt, die wir verlassen werden, und reinigen wir uns, «gleich wie er rein ist» (1. Johannes 3,3)? Sind wir von Eifer im Dienst an den Seelen erfüllt und freuen wir uns? Denken wir auch an die Freude unseres geliebten Erlösers, dessen liebendes Herz dann völlig gestillt sein wird! Er wird es sich nicht nehmen lassen, die, die Ihm auf Erden gedient und Ihn erwartet haben, am Festmahl der Gnade selbst zu empfangen und zu bedienen (Vers 37). Dann wird der «treue und kluge Verwalter» seine Belohnung und der Knecht, der den Willen seines Herrn nicht getan hat -obwohl er ihn wusste (Vers 47; Jakobus 4,17) –, seine ernste Vergeltung empfangen. «Jedem aber, dem viel gegeben ist. ..». Möchte jeder von uns überprüfen, was er empfangen hat -und die Schlussfolgerung daraus ziehen!

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