Die Edelsteine der Heiligen Schrift

Einleitung

Die Erde ist voller Wunderwerke, die der Schöpfer nach Seinem Wohlgefallen in einer solchen Fülle angehäuft hat, dass ein Menschenleben nicht ausreichen würde, um auch bloß einen geringen Teil davon zu erforschen. Die Pflanzen, Tiere, Mineralien und noch vieles andere verkünden die Erhabenheit, Weisheit und besonders die unendliche Güte dessen, dem es wohlgefällt, sich in all Seinem Tun zu verherrlichen. Der Herr allein tut große Wunder, „denn Seine Güte währt ewiglich“ lesen wir in Ps 136,4. Sogar ein gewöhnlicher Kieselstein, auf den unsere Füße treten, kann ein Gegenstand der Bewunderung für denjenigen sein, der ein Auge hat, um dessen Schönheiten zu erkennen. Unter all den Reichtümern dieser Erde sind es auch die Edelsteine, die von alters her die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich gezogen haben. Gewiss übersteigt ihre Schönheit alles, was mit Wort, Feder oder Pinsel ausgedrückt werden mag. Sie sind unbegrenzt in ihren Färbungen und Eigenschaften. Die gelehrten Geologen entdecken darin unzählige Wunder, und die Großen dieser Welt haben nichts glänzenderes gefunden zu ihrem Schmuck und zur Befriedigung ihrer Eitelkeit, als die Edelsteine. Öfters haben sie unsinnige Summen dazu verwendet, um ein einziges Exemplar besonderer Schönheit zu erwerben. Das Wort Gottes erwähnt gewisse Edelsteine und Gott selbst bedient sich ihrer, um uns einige Seiner Gedanken kundzutun. Wenn wir uns durch Seinen Heiligen Geist leiten lassen, werden wir hinter dem leuchtenden Glanz dieser so verschiedenfarbigen Steine Strahlen der Herrlichkeit dessen erkennen, der gesagt hat „Ich bin das Licht der Welt“ (Joh 8,12).

Wir dürfen dies umsomehr tun, als zwölf dieser Steine, gleich kostbaren Juwelen, auf der Brust des Hohenpriesters in Seiner Kleidung der Herrlichkeit und des Schmucks schimmerten. Es sind Schatten der himmlischen Dinge, denn „der Leib ist des Christus“. Es sind die Schönheiten dessen, der nunmehr uns auf Seinem Herzen und Seinen mächtigen Schultern in der Gegenwart Gottes vor dem Thron Seiner Gnade trägt. Die Grundlagen der himmlischen Stadt, welcher wir entgegen gehen und in welche wir bald einziehen werden, sind ebenfalls mit zwölf Edelsteinen geschmückt (Off 21,18–20). Wenn Gott sich die Mühe nimmt, mit uns davon zu reden, sollten wir uns dann nicht damit beschäftigen und zu ergründen suchen, was Er uns sagen will? Dies hat den Schreiber dieser  Zeilen dazu bewogen, es denjenigen mitzuteilen, die den Herrn Jesus lieben. Möge ihnen dieselbe Freude werden, welche er selbst genoss, als er sich mit dem beschäftigte, wovon diese Edelsteine reden. Lasset uns alle zusammen in dem freuen, der schöner ist als die Menschensöhne. Möge Gott geben, dass wir durch das Anschauen Seiner Herrlichkeit in Sein Bild verwandelt werden.

Wir werden uns selbstverständlich nur mit den in der Heiligen Schrift erwähnten Steinen beschäftigen und sie vor allem in dem betrachten, was sie in Bezug auf die Herrlichkeit der Person des Christus kennzeichnet. Alles Übrige wollen wir beiseite lassen, denn bei der Betrachtung solcher Wunder haben wir vor allem das zu suchen, was unserm inneren Menschen nützlich ist und nicht das, was nur die Neugierde befriedigen könnte. Wir möchten eingangs zwei Wahrheiten von größter Wichtigkeit in Erinnerung rufen. Zuerst, wenn wir uns beim Betrachten des Wortes Gottes eine Frage stellen, wollen wir die Antwort in der Bibel suchen, denn die Heilige Schrift erklärt sich selbst. Zweitens müssen wir, wenn Gott ein Bild benutzt, um uns etwas kundzutun, wenn möglich suchen, dieses zu sehen und es wird uns helfen, seine Lektion, die Er uns geben will, zu verstehen. Wenn Er z.B. von einem Lamme redet, so werde ich dieses schwache Tier betrachten, dass weder Zähne noch Hörner hat, womit es sich verteidigen könnte, und also der Willkür seiner Feinde preisgegeben ist. So werden wir von selbst dahin gebracht, das Lamm Gottes anzubeten, welches auf Golgatha geschlachtet wurde und welches wir bald auf dem Throne in Herrlichkeit sehen werden.

Wunderbar ist die Mannigfaltigkeit der von Gott benutzten Mittel, um uns Seine Gedanken kundzutun. Der Psalmist sagt: „öffne meine Augen, damit ich Wunder schaue in deinem Gesetz“ (Ps 119,18).

Bevor wir auf die Einzelheiten eingehen, wollen wir vorerst etwas über die Zusammensetzung dieser glänzenden Juwelen der Schöpfung sagen. Bekanntlich bestehen diese Steine aus drei Stoffen: Sand, Tonerde und Kohle. Dies mag merkwürdig scheinen und doch wurde diese Tatsache durch die Gelehrten nach vielen Experimenten bewiesen. Vielleicht wird jemand einwenden: Sind wirklich diese wunderbaren Edelsteine aus so gemeinen Stoffen wie Staub, Erde und Kohle zusammengesetzt? Gewiss! Für unsern Gott ist nichts unmöglich. Es gefällt Ihm, sich in den niedrigsten Dingen zu verherrlichen. Wir haben diesbezüglich ein noch größeres Zeugnis als dasjenige der Gelehrten: Das Wort selbst bezeugt es, und dieses Zeugnis ist für den einfältigen Vertrauenden wertvoller, als alle durch menschliche Weisheit gemachten Entdeckungen.

Der erste Mensch, Adam, wurde aus dem Staub der Erde, nach 1. Mose 2Vers7, gebildet, und doch ist es ein wunderbares Wesen; gerade im Menschen hat Gott Seine Ratschlüsse vor den himmlischen Heerscharen kundgetan. Wie viele Menschen haben, obwohl noch im Leibe von Staub, die Strahlen der Herrlichkeit Gottes verbreitet, des Gottes, der Licht ist. Er entfaltete in ihnen Seine Macht und offenbarte Seine Herrlichkeit in irdenen Gefäßen. Denken wir an Paulus, der in seinem Dienste die Strahlen der Herrlichkeit Gottes vor allen leuchten ließ, die ihm zuhörten. Welch ein Glanz umgab ihn, wenn er das wunderbare Evangelium verkündigte! Trotzdem sagt er von seinem Dienste, dass er diesen Schatz in einem irdenen Gefäß besaß. Die geoffenbarte Überschwänglichkeit der Kraft war aus Gott und nicht von Paulus (2. Kor 4,7). Elihu sagte zu Hiob 33, 6: „Siehe ich bin Gottes, wie du; vom Tone abgekniffen bin auch ich“. Und doch wie strahlte Elihu in jenem Augenblick. Mit welch himmlischem Licht leuchtete er in die dunkle Szene, in welcher sich Hiob und seine Freunde bewegten.

Der Rubin mit seinen glanzvollen Farben besteht aus Ton. Wenn der Ton in der Hand des Töpfers zu einem Gefäß zur Ehre, nützlich dem Hausherrn, zu jedem gutem Werke bereitet werden kann, so verherrlicht sich Gott. Er bedient sich des Tons, um daraus ein kostbares Juwel zu bilden, mit welchem er auch die himmlische Stadt zieren will, einen Edelstein, welcher die Strahlen Seiner eigenen Herrlichkeit wiederspiegeln wird.

Der purpur-violette Amethyst ist bloßer, kristallisierter Sand und doch ziert dieser Stein die Würdenträger dieser Welt.

Der Diamant ist der kostbarste und glänzernste unter den Steinen, ist nichts als Kohle. Wie groß ist unser Gott! Es gefällt Ihm, sich in allen Seinen Werken zu verherrlichen. Aus ein wenig Erde bildet Er einen Stein, dessen Preis viel höher ist als derjenige des Goldes; aus dem Sand, auf dem unsere Füße gehen, bringt Er ein kostbares Kleinod hervor; aus  schwarzer Kohle schafft er einen funkelnden Edelstein, welcher all die Strahlen des Lichts wiedergibt. Bald wird er in den Seinen bewundert und in allen, die geglaubt haben, verherrlicht sein. In Erwartung dieses Tages der Herrlichkeit sind wir schon vor Ihm und auf dem Herzen unseres Hohenpriesters in ebenso vielen Edelsteinen der verschiedensten Farben. „O Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unausforschlich sind Seine Gerichte und unausspürbar Seine Wege! Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt, und wer ist Sein Mitberater gewesen? Oder wer hat ihm zuvorgegeben, und es wird ihm vergolten werden? Denn von Ihm und durch Ihn und für Ihn sind alle Dinge; Ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit Amen“ (Römer 11,33–36).

Auf dem Brustschild des Hohenpriesters Israel befanden sich vier Reihen von je drei Edelsteinen (2. Mose 28,15–21). Wir können uns fragen warum diese Zahl „vier?“ Wir finden sie bereits im 2. Kapitel des 1.Buches Moses, in den vier Armen des Stromes, der aus dem Garten Eden floss. Das Neue Testament beginnt mit den vier Evangelien. Dies ist auch die Zahl der Pfosten, die den wunderbaren Vorhang trugen, der das Heiligtum vom Allerheiligsten trennte. Dieser Vorhang wurde beim Tode des Herrn von oben bis unten zerrissen. Diese wenigen Beispiele mögen genügen, um uns etwas von den vierfachen Herrlichkeiten des Christus – als Messias Israels, als vollkommener Diener Jehovas, als Sohn des Menschen und als Sohn Gottes – erkennen zu lassen. Diese vier Reihen Edelsteine trugen diese vier Eigenschaften, wie es uns die nähere Betrachtung der Steine, die das Brustschild Aarons zierten, bestätigen wird

Lasst uns nun die einzelnen Edelsteine betrachten und versuchen, das zu erkennen, was Gott uns durch jeden sagen will. Jeder Stein hat seine ihm eigenen, besonderen Eigenschaften.

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