Er lehrte sie vieles in Gleichnissen (Band 1)

Das Salz der Erde

Er lehrte sie vieles in Gleichnissen (Band 1)

Bereits in der Bergpredigt flicht der Herr eine Reihe kleiner Gleichnisse in Seine Belehrungen mit ein. Direkt nach den Glückseligpreisungen in Matthäus 5 begegnet uns das erste Doppel-Gleichnis des Neuen Testaments: das Gleichnis vom »Salz der Erde« und das vom »Licht der Welt«. Wir wollen diese beiden Gleichnisse zunächst einzeln und nacheinander betrachten, um dann aufzuzeigen, was sie miteinander verbindet und worin sie sich unterscheiden.

„Ihr seid das Salz der Erde; wenn aber das Salz kraftlos geworden ist, womit soll es gesalzen werden? Es taugt zu nichts mehr, als hinausgeworfen und von den Menschen zertreten zu werden“ (Mt 13).

Der Herr Jesus hatte in den ersten zwölf Versen des Kapitels den Charakter derer gezeigt, die zum Reich der Himmel gehören. Was dieses Reich ausmacht, werden wir später im einzelnen sehen, wenn wir ab Kapitel 13 zu den Gleichnissen vom Reich der Himmel kommen. Im Augenblick mag es genügen zu bemerken, daß wir unter dem »Reich der Himmel « weder den Himmel selbst, noch die Versammlung (oder Kirche) Gottes zu verstehen haben, sondern jenen Bereich auf der Erde, wo der von den Juden verworfene und nun im Himmel weilende König, Jesus Christus, anerkannt wird. Wenn also die Glückseligpreisungen die Charakterzüge zeigen, die dem Reich der Himmel angemessen sind, so bezeichnet der Herr nun die Stellung Seiner Jünger auf der Erde während der Zeit Seiner Abwesenheit.

Was bedeutet »Salz«?

Als erstes sagt Er: „Ihr seid das Salz der Erde.“ Das »Thr« im Grundtext ist stark betont: „Ihr – ihr allein – seid das Salz der Erde.“ Es sei erlaubt zu wiederholen: Der Herr spricht von Seinen Jüngern, von solchen also, die sich zu Ihm, dem rechtmäßigen König dieses Reiches, bekennen. Dieses Bekenntnis kann zwar auch unecht sein oder unecht werden, wie der Nachsatz andeutet. Doch geht der Herr zunächst davon aus, daß es echt ist, und so sagt Er: „Ihr seid ...“ Das ist immer die Betrachtungsweise der Schrift, wenn es um den Bereich des Bekenntnisses zum Christentum auf der Erde geht. Wir sollten uns diese Sichtweise zu Herzen nehmen, sie uns zu eigen machen, und nicht immer sogleich an einen Ungläubigen denken, wenn wir von einem »Bekenner« hören.

Nun sagt der Herr Jesus nicht, daß sie das Salz der Erde sein sollten, sondern daß sie es sind. Er redet also nicht in Form einer Ermahnung, sondern stellt eine Wahrheit vor. Diese Art der Belehrung ist stets ermutigend für den Glauben. Die unbestreitbare Tatsache, daß sie das Salz der Erde sind, verstärkt allerdings das ermahnende Element in derartigen Erklärungen. So sagt Jesus zum Beispiel in Johannes io, daß Seine Schafe Ihm folgen würden (Verse 4.27). Das ist, was Seine Schafe kennzeichnet: Sic folgen dem guten Hirten. Tun sie es (grundsätzlich) nicht, gehören sie gar nicht zu Seinen Schafen. Doch welch eine Ermahnung liegt für uns in dieser Feststellung, wenn wir bedenken, wie wenig wir in unserem täglichen Leben dieser absoluten Wahrheit entsprechen! Wenn wir zu Matthäus 5 zuriick-kommen, so erfahren wir aus dem Mund des Herrn, was die Stellung Seiner Jünger hier auf der Erde kennzeichnet: Sie sind das Salz der Erde.

Salz spielte schon im Alten Testament eine wichtige Rolle. Jedes Opfer mußte mit Salz gesalzen werden (Mlc 9,49), nicht nur Speisopfer (3. Mo 2,13), sondern auch Schlachtopfer (Hes 43,24), ja sogar das heilige Räucherwerk (2. Mo 30,35). Die Durchführung des Tempeldienstes war ohne Salz tatsächlich undenkbar (Esra 6,9; 7,22). Darüber hinaus diente es zur Bestätigung von Verträgen und Bündnissen, es machte sie sinnbildlich dauerhaft und beständig (4. Mo 18,19; 2. Chr 13,5). Der Prophet Elisa heilte das schlechte Wasser von Jericho dadurch, daß er Salz in die Quelle des Wassers warf (2,Kön 2,19–22). »Salz« stellt das erhaltende Prinzip dar, das der Verderbnis oder der Fäulnis entgegenwirkt. Es versinnbildlicht die Rechte Gottes, Seine gerechten Grundsätze in Seinem Handeln mit den Menschen. Nicht wie von ungefähr nahm das Gericht Gottes über Lots Frau die Form an, daß sie zu einer Salzsäule erstarrte (1. Mo 19,26).

Salz verhindert Verderbnis, Sauerteig verursacht sie. Deshalb durfte Sauerteig niemals in den Opfern enthalten sein, während Salz ein unverzichtbarer Bestandteil jeden Opfers war. Das alles liefert uns den Schlüssel für die symbolische Bedeutung von »Salz«: Es bewahrt vor Verderbnis, es gibt dem Guten Beständigkeit. Es kann zwar das, was bereits verdorben ist, nicht wiederherstellen oder heilen; aber es kann das, was noch gut ist, in diesem Zustand erhalten.

Inwiefern „salzen“ nun die Jünger des Herrn die Erde? Wodurch halten sie die Rechte Gottes in einer Welt aufrecht, die weder Ilm noch Seine Anrechte anerkennt? Auf welche Weise wirken sie der sittlichen Verderbnis unter den Menschen entgegen? Ganz einfach durch ein Leben in Gottesfurcht und Gerechtigkeit. Der Heilige Geist bewahrt sie vor allem, was unrein ist, und ruft in ihren Herzen Heiligkeit und Widmung für Gott hervor. So haben sie die „Waffen des Lichts“ angezogen (Röm 13,12), haben die „Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken“ (2. Kor 6,7). Gewiß, wenn es angebracht ist, werden sie auch durch ihre Worte ein Zeugnis gegen das Böse ablegen.

Das bedeutet jedoch nicht, daß sie bei jeder Gelegenheit die Sünden der Menschen bloßstellen und geißeln, daß sie offen zu Felde ziehen sollten gegen die Ungerechtigkeit und Sittenlosigkeit, die zunehmend die Welt beherrschen. Vielmehr wird ein in Gottesfurcht geführtes Leben eine stille, aber wirksame Sprache reden, und dann: „Ein Wort zu seiner Zeit, wie gut!“ Es gleicht „goldenen Äpfeln in silbernen Prunkgeräten“ (Sprüche 25,11). Mit den sozialen, gewerkschaftlichen und politischen Konflikten der Welt haben wahre Christen nichts zu tun. Sie sind Fremdlinge hier und ohne Bürgerrecht und sind nicht von der Welt. Lassen sie sich dennoch in diese Streitigkeiten ein, gleichen sie dem, von dem die Heilige Schrift sagt: „Der ergreift einen Hund bei den Ohren, wer vorbeigehend sich über einen Streit ereifert, der ihn nichts angeht“ (Kap. 26,17). Grausame „Bißwunden“ werden die Folge sein, wie jemand einmal treffend gesagt hat.

Sind wir uns genug bewußt, hebe Freunde, daß wir hiergelassen sind, um die Grundsätze der Gerechtigkeit Gottes auf der Erde zu vertreten? Die Menschen um uns her beobachten uns mehr, als wir denken. Wenn sie praktische Heiligkeit bei uns wahrnehmen, wenn sie erkennen, daß wir uns in unserem Leben von göttlichen Grundsätzen leiten lassen, werden sie in irgendeiner Weise davon beeindruckt werden, ohne sich das eingestehen zu wollen. Jedenfalls wird dem Umsichgreifen des Bösen in gewissem Maß und Sinn gewehrt werden. Es ist die Wirkung des »Salzes«, die sich auf andere erstreckt.

Wir sehen einen ähnlichen Gedanken in 2. Thessalonicher 2. Das Geheimnis der Gesetzlosigkeit ist schon wirksam, „nur ist jetzt der da, der zurückhält, bis er aus dem Weg ist, und dann wird der Gesetzlose offenbart werden“ (Verse 7.8). Solange der Heilige Geist in der Versammlung auf der Erde ist, bleibt einer ungehemmten Entwicklung der Gesetzlosigkeit bis zu ihrem Höhepunkt, der Erscheinung des Antichristen, ein Riegel vorgeschoben.

Mit der Entrückung der Versammlung wird sich jedoch die Sachlage mit einem Schlag grundsätzlich ändern. Dann wird der Heilige Geist und mit Ihm die Versammlung „aus dem Weg“ sein – wie bezeichnend ist dieser Ausdruck! und dann werden Gesetzlosigkeit und Gewalttat auf der Erde mit erschreckender Wucht und Schnelligkeit ungehindert um sich greifen.

Warum Salz der »Erde«?

Es ist bemerkenswert, daß der Herr Jesus von Seinen Jüngern zuerst als dem Salz der Erde und dann als dem Licht der Welt spricht. Der Wechsel im Ausdruck von »Erde« zu »Welt« kann nicht ungewollt, kann nicht zufällig sein. Offenbar wollte der Herr mit »Erde« einen anderen Gedanken ausdrücken als mit »Welt«. »Welt« bedeutet in solchen Verbindungen die Menschen in ihrer Gesamtheit, wie zum Beispiel in der bekannten Stelle aus Johannes 3: „Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab.“ Er hat weder das Weltall noch das System der Welt geliebt, sondern die Menschen in der Welt.

Doch »Erde« scheint einen Bereich anzudeuten, in dem in sittlichem wie in religiösem Sinn eine gewisse Ordnung vorherrscht. Diese sittliche Ordnung ist das Ergebnis des Handelns und Wirkens Gottes. Gott hat Sich in dem Bereich, der mit »Erde« umschrieben wird, nicht unbezeugt gelassen, Er hat Sich dort in einem gewissen Umfang offenbart, Er hat Segnungen gegeben und sie der Verantwortlichkeit des Menschen anvertraut. »Erde« bezeichnet somit einen Bereich göttlicher Vorrechte und damit auch menschlicher Verantwortlichkeit. Oder wir können auch sagen: »Erde« ist der Bereich eines religiösen Bekenntnisses zu Gott.

Es erleichtert das Verstehen dieses Ausdrucks, wenn wir bemerken, daß »Erde« genausogut mit »Land« übersetzt werden könnte. Tatsächlich war zur Zeit des Alten Testaments das Land Israel dieser Bereich der Vorrechte und der Verantwortlichkeit. In diesem Bereich sollten die Jünger damals auch als »Salz der Erde« mit ihrem Zeugnis beginnen.

Heute haben wir unter »Erde« wohl die Christenheit zu verstehen. Hier hat Sich Gott weit umfassender offenbart als in Israel, und mit der Größe der Segnungen wächst auch das Maß an Verantwortlichkeit. Es ist für die Jünger des Herrn in unserer Zeit wichtig zu verstehen, daß dies der Bereich ist, wo sie als »Salz« wirken sollen: die Christenheit. Daß sich die Christenheit verderbt hat, ist unübersehbar. Sie wird noch weiter abweichen bis zum völligen Aufgeben von Christus und der göttlichen Wahrheit. Das wird dann der Abfall sein. So überrascht es uns nicht, wenn wir im letzten Buch der Bibel sehen, wie das Gericht Gottes gerade über diese »Erde« hereinbrechen wird – über die abgefallene Christenheit. Die Offenbarung unterscheidet klar zwischen der »großen Volksmenge« aus jeder Nation und aus Stämmen und Völkern und Sprachen (Kap. 7,9), den Heiden eben, und der »Erde«, die das gerechte Gericht Gottes treffen wird. Doch heute ist noch Gnadenzeit, und der Herr wolle uns helfen, als »Salz der Erde« der sittlichen und religiösen Verderbnis um uns her entgegenzuwirken – zum Wohl und zur Errettung noch vieler Menschen!

Mit Feuer und mit Salz gesalzen werden

Bevor wir uns mit der Frage des Unsalzig-Werdens von Salz beschäftigen, möchten wir einen Blick ins Markus-Evangelium werfen, weil dort Worte des Herrn hinzugefugt werden, die in Matthäus fehlen.

„Denn jeder wird mit Feuer gesalzen werden, und jedes Schlachtopfer wird mit Salz gesalzen werden. Das Salz ist gut; wenn aber das Salz salzlos geworden ist, womit wollt ihr es würzen? Habt Salz in euch selbst, und seid in Frieden untereinander“ (Mk 9,49.50).

Hier werden die Jünger des Herrn nicht als das Salz der Erde beschrieben. Sie sollten vielmehr das heiligende Prinzip in sich selbst haben und es pflegen und auf diese Weise in Frieden untereinander sein. Wenn wir uns vor Gott selbst richten, wächst die Bereitschaft zum Tragen und Vergeben der Fehler anderer. Haben wir also Salz in uns selbst, führt das zu Frieden mit anderen. Ob wir diesen Zusammenhang wohl genug bedacht haben?

Doch was meint der Herr Jesus damit, wenn Er sagt, daß, jeder mit Feuer gesalzen und jedes Schlachtopfer mit Salz gesalzen werden wird? »Feuer« ist das Symbol des prüfenden und vergeltenden Gerichts Gottes, und »jeder« wird sich auf jeden Menschen beziehen. Jeder Mensch wird also, weil er von Natur ein Sünder ist, in irgendeiner Weise mit dem Feuer des göttlichen Gerichts in Verbindung kommen müssen. Lehnt ein Mensch die Gnade Gottes in Christus ab und verwirft die Person und das Werk Christi, wird er schließlich seinen Platz finden in dem „Feuersee“, „dem See, der mit Feuer und Schwefel brennt, welches der zweite Tod ist“ (Off 20,15; 21,8). Gott ist ein „verzehrendes Feuer“ (Heb 12,29). Der gläubige Mensch jedoch unterwirft sich dem erforschenden Urteil Gottes, er prüft und richtet sich selbst. Er erfaßt im Glauben, daß das Feuer des Gerichts Gottes einen anderen an seiner Stelle getroffen hat. Und so kommt er nur mittelbar, im Opfer Christi nämlich, mit dem Feuer in Verbindung. Tatsächlich ist der Herr Jesus – stellvertretend für uns – in vollkommener Weise „mit Feuer gesalzen“ worden, als Er in den drei Stunden der Finsternis am Kreuz für uns und unsere Sünden litt.

Auf Sein vollkommenes Schlachtopfer weist meines Erachtens in erster Linie auch der nächste Satz hin: „... und jedes Schlachtopfer wird mit Salz gesalzen werden.“ Das Opfer Jesu Christi ist von ewiger Beständigkeit. Es ist ein für allemal geschehen, und dadurch hat Gott auf immerdar (oder: ununterbrochen) die vollkommen gemacht, die geheiligt werden (Heb 10,10.14). Wunderbare Gnade! Sie wird noch dadurch erhöht, daß nun auch die Gläubigen ihre Leiber als „ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer“ darstellen dürfen (Röm 12,1). Die Ergebnisse eines heiligen, Gott geweihten Lebens werden, wie wir gesehen haben, nicht ohne Wirkung auf unsere Umgebung bleiben, und – wir werden sie im Himmel wiederfinden. Auch sie überdauern diese arme Erde und alles, was sichtbar ist, zu Gottes ewiger Verherrlichung.

Fades Salz

Der Herr Jesus beschließt das kurze Gleichnis mit einer ernsten Warnung:

„Wenn aber das Salz kraftlos (fade) geworden ist, womit soll es gesalzen werden? Es taugt zu nichts mehr, als hinausgeworfen und von den Menschen zertreten zu werden (Mt 5,13).

Kann Salz fade, kraftlos, unsalzig werden? An sich nicht. Salz (Natriumchlorid) ist eine feste chemische Verbindung, die in der Natur nicht zerfällt. Deswegen sind viele Ausleger von der Annahme ausgegangen, daß der Herr hier eine Absurdität (Widersinnigkeit) aufzeigen will. Doch das würde dem Hauptgedanken eines Gleichnisses widersprechen und auch des Herrn unwürdig sein. Hat Er nötig, zur Erklärung Seiner Gedanken zu widersinnigen Vergleichen Zuflucht zu nehmen? Das ist kaum vorstellbar.

Die Bewohner Palästinas waren seit jeher gewohnt, Salz durch Verdunstung des Wassers vom Toten Meer zu gewinnen. Aber dieses Salz enthielt neben reinem Kochsalz eine große Menge an Verunreinigungen wie Kalk, Magnesium und Pflanzenreste. Kam dann Feuchtigkeit in dieses „Salz“, wurde das Kochsalz ausgeschwemmt, und es blieben vorwiegend die anderen Bestandteile übrig. Solch ein „Salz“ war zur Bereitung von Speisen völlig unbrauchbar, es wurde auf Wege und flache Hausdächer gestreut zur Befestigung des Bodens. So „zertraten“ die Menschen buchstäblich das wertlos gewordene „Salz“. Das ist offensichtlich der Vorgang, auf den der Herr in dem Gleichnis anspielt – ein Vorgang, mit dem Seine Zuhörer vollkommen vertraut waren.

Will der Herr Jesus nun damit sagen, daß Gläubige, wenn sie ihrer Bestimmung nicht entsprechen, schließlich doch verlorengehen? Nun, davon ist in diesem Gleichnis überhaupt nicht die Rede. Es geht um Jüngerschaft, es geht um einen Bereich des Bekenntnisses hier auf der Erde. Der Herr bereitet Seine Jünger mit diesen Worten darauf vor, daß sich unter ihnen einmal solche finden würden, die sich äußerlich zwar zum Christentum bekennen, sich aber innerlich von ihm lossagen und dessen Kraft verleugnen würden. Wir denken da unwillkürlich an die Beschreibung der Menschen in den „letzten Tagen“, in denen wir leben: „... die eine Form der Gottseligkeit haben, deren Kraft aber verleugnen“ (2. Tim 3,1–5).

In der Tat ist die Christenheit durch große Kraftlosigkeit und Gleichgültigkeit den Interessen Gottes gegenüber gekennzeichnet. Sie hat das »Salz« verloren und ist für viele Menschen zu einer hohlen Sache geworden, die man verächtlicher betrachtet als Juden oder Heiden. So schwach, so erbärmlich stellt sich heute das Christentum dar, daß man befürchten muß, daß es mehr Ungläubige schafft als all die Bücher ungläubiger Spötter und Kritiker.

Der Herr Jesus deutet noch etwas Ernstes an: die Unumkehrbarkeit der Entwicklung. Hat man erst einmal Christus und die Wahrheit Gottes aufgegeben, gibt es kein Mittel, den Abwärtstrend aufzuhalten. Natürlich wirkt Gott in Seiner Gnade noch hier und dort, wirkt in einzelnen, ruft heraus und errettet. Die Masse der christlichen Bekenner aber kann und wird nicht wiederhergestellt werden. Sie werden zu weiterer Gottlosigkeit fortschreiten und schließlich ihr verdientes Gericht finden.

Das Buch der Offenbarung zeigt uns unter dem Bild Babylons«:, der »Hure«, die letzte Phase der christuslosen Christenheit. Noch ehe das Gericht Gottes sie treffen wird, wird das in Erfüllung gehen, was der Herr Jesus in diesem Gleichnis vorausgesagt hat: Die Verachtung und Feindschaft der Menschen wird dieses System treffen. „Und er spricht zu mir: Die Wasser, die du sahst, wo die Hure sitzt, sind Völker und Völkerscharen und Nationen und Sprachen. Und die zehn Hörner, die du sahst, und das Tier, diese werden die Hure hassen und werden sie öde und nackt machen, und werden ihr Fleisch fressen und sie mit Feuer verbrennen“ (Off 17,15.16).

Fassen wir die Belehrung unseres Gleichnisses noch einmal zusammen. Die Worte des Herrn in Markus und in Matthäus ergänzen einander. Haben die Jünger Salz in sich selbst, dann sind sie dadurch auch das Salz der Erde. Geben jedoch Christen ihre praktische Heiligkeit und ihre Widmung für Gott auf, verlieren sie also ihren Charakter als »Salz«, so sind sie für die Welt völlig wertlos. Sie mögen sich engagiert gegen das Elend in dieser Welt einsetzen, sie mögen auf irgendeine andere Art versuchen, sich in der Welt nützlich zu erweisen – haben sie kein Salz in sich selbst, dann taugen sie zu nichts mehr, als hinausgeworfen und von den Menschen zertreten zu werden. Was immer kluge Leute dagegen einwenden und sagen mögen – dies ist die Sicht Gottes.

Der Herr möge uns in diesen letzten, ernsten Tagen helfen, Salz in uns selbst zu haben, so daß wir alles in uns verurteilen, was der Klarheit und Reinheit unseres Zeugnisses vor der Welt entgegenstehen könnte! Unser Beispiel, unser Leben wirkt mehr als alle Worte.

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