Betrachtung über das zweite Buch Samuel (Synopsis)

Kapitel 6

Betrachtung über das zweite Buch Samuel (Synopsis)

Obwohl Gott einen König in Macht aufgerichtet hat, der gleichzeitig auch der siegreiche Führer Seines Volkes ist, so sind die Bande des Bundes doch noch nicht wiederhergestellt. Die Lade befindet sich immer noch dort, wo die Gottseligkeit einzelner sie behütete, als Gott gezwungen war, der Hüter Seiner eigenen Herrlichkeit zu sein. David möchte sie an den Ort bringen, wo sein Thron nun gefestigt ist. Er möchte, daß Jehova der Heerscharen, der zwischen den Cherubim thront, Ehre erwiesen werde, und daß Er gleichzeitig die Herrlichkeit des Thrones des Königs von Israel sein sollte. In seinen Gedanken sind sie miteinander verbunden. Das Reich Melchisedeks wirkte noch nicht, nicht einmal im Vorbilde, denn Melchisedek ist König von Salem (d. h. König des Friedens). Gott hielt immer noch Seine eigene Herrlichkeit aufrecht. Er konnte David, den erwählten und gesalbten König, segnen, doch die Ordnung der Dinge, die alles unter der Macht des Königs vereinigte, war noch nicht in Kraft. Sie sollte später unter Salomo aufgerichtet werden.

Israel hätte die Ordnung Gottes anerkennen sollen. Doch selbst während David bestrebt ist, Gott Ehre zu erweisen, denkt er an sich, und schließlich ergibt sich nur eine fehlerhafte Nachahmung dessen, was die Priester der Philister unter der Einwirkung der Furcht Jehovas getan hatten. Das Ergebnis war unglücklich. Das, was der Mensch getan hatte, sucht er zu bewahren; aber dabei berührt er die Herrlichkeit Jehovas und fällt vor Seiner Majestät. Jehova verteidigt Seine Herrlichkeit. Er wohnt noch nicht inmitten Seines Volkes.

Zugleich schmerzlich berührt und beunruhigt - mit Schmerzen, weil sein Herz wahrhaftig die Herrlichkeit Jehovas suchte, obwohl er ihre Höhe nicht verstand und die Majestät Dessen vergessen hatte, den sein Herz näher bei sich haben wollte - läßt David die Lade im Hause Obed-Edoms; dort zeigt Jehova, daß es Seine Natur ist zu segnen, wann immer Seine Majestät nicht so vergessen ist, daß Menschen nach ihrem Gutdünken mit Ihm verfahren. Wenn wir Seine Herrlichkeit schmälern, hält Er sie aufrecht; und Er tut auch kund, was Er ist, indem Er Segen schenkt. Das Herz und die Zuneigungen Davids werden wiederhergestellt; er läßt die Lade aus dem Hause Obed-Edoms heraufbringen, und er stellt sie in dem Zelte auf, das er für sie aufgeschlagen hatte. Hier sehen wir nur David, und wir sehen ihn mit dem Ephod bekleidet. Er ist das Haupt seines Volkes, wenn er die Beziehung zwischen ihnen und seinem Gott wieder herstellt 1. Dies wird mit Freuden, mit Schlachtopfern und mit Triumphgesang getan. Er ist es auch, der das Volk segnet, denn in diesem allem ist er ein bemerkenswertes Vorbild von Jesu und von dem, was Er in den letzten Tagen in Israel ausführen wird.

Alles dieses war aber nicht das Bauen des Tempels, das dem Friedensfürsten vorbehalten blieb. Es war der König, durch Glauben das Haupt des Volkes, der bis zu einem gewissen Punkt für den Glauben als Priester nach dem Grundsatz Melchisedeks handelte, obwohl die zu diesem Titel gehörende Segensordnung noch nicht aufgerichtet war. Der König bringt Schlachtopfer dar, er segnet das Volk. Als ihr einziges Haupt hatte er ganz Israel vereinigt, er hatte ihre Feinde geschlagen. Aber schließlich war es eine Übergangszeit. Die Bundeslade wohnte immer noch in einem Zelt; David hatte triumphiert, aber der Friede, den er genoß, war nur vorübergehend. Trotzdem bildete die Aufrichtung der Lade auf dem Berge Zion eine Epoche, denn der Berg Zion war der Sitz der königlichen Gnade, wo der König, der gelitten hatte - und da er gelitten hatte - Seinen Thron in Macht und Gnade in bezug auf Israel gegründet hatte. Dies ist der Schlüssel zu Offenbarung 14 - ein Buch, in dem das Lamm (wie es mir scheint) der Messias ist, der gelitten hat, der aber, während Er auf die Offenbarung Seiner Herrlichkeit wartet, auf dem Throne Gottes sitzt. Er sitzt da in dieser Wesensart, obwohl Er als solcher viel wichtigere Dinge vollbracht hatte (denn die Errettung und die Versammlung sind weit vorzüglicher als das Reich); es ist aber offensichtlich das Reich, mit dem wir es hier zu tun haben. Ich zweifle nicht daran, daß die hundertvierundvierzigtausend, die sich mit dem Lamme auf dem Berge Zion befinden, diejenigen sind, die um des Messias willen in der Gesinnung Seiner eigenen Leiden inmitten Israels gelitten haben. Sie sind bei Ihm in Seiner königlichen Stellung in Zion, und sie folgen Ihm nach, wohin Er auch geht. Sie sind moralisch dem Himmel nahe genug, um sein Lied zu lernen, das sonst niemand auf Erden lernen kann. Sie sind die Erstlinge der Erde. Sie sind nicht im Himmel.

Das erklärt auch Hebräer 12, 22, wo wir Zion im Gegensatz zu Sinai finden, wo das Volk unter seine eigene Verantwortung gestellt worden war, indem das Gesetz die Bestätigung besaß, die die Furcht der Gegenwart Jehovas ihm verlieh. Aber in der erwähnten Schriftstelle wird Zion deutlich von dem himmlischen Jerusalem unterschieden 2. Ich zweifle nicht daran, daß eine ähnliche Beziehung am Ende zwischen Christo und dem Überrest Seines Volkes, die auf Ihn geharrt haben, bestehen wird. Es ist eine Zeitspanne, während der Jesus völlig triumphiert und mit Macht als König handelt, jedoch noch nicht in Frieden regiert, während der Er die Beziehung Seines Volkes mit Sich auf Erden gestaltet, entwickelt und festigt, und zwar in Seinen Triumphen und in Seinem Reich, Seinen Rechten, in denen Er Sich Seine Feinde unterwerfen wird, entsprechend. Auch die Psalmen offenbaren uns prophetisch und im Vorbilde diesen Teil der Herrschaft Christi (siehe Ps 110). Nachdem Er den Herrn Davids zur Rechten der Majestät in den Himmeln gesetzt hat, sagt der Geist: „Den Stab deiner Macht wird Jehova aus Zion senden; herrsche inmitten deiner Feinde! Dein Volk wird voller Willigkeit sein am Tage deiner Macht, in heiliger Pracht, aus dem Schoße der Morgenröte (des Morgens Seiner Herrlichkeit, des Tagesanbruchs) wird dir der Tau deiner Jugend kommen (von den jungen Männern, die Ihm nachfolgen).“ Dieser ganze Psalm entfaltet denselben Gedanken vom kriegerischen Königreich Christi, indem Gott Zion als Seinen Sitz erkoren hat, wie auch als den Platz, woher Seine Macht während der siegreichen Kriege des Messias hervorkommen wird.

Laßt uns diesen letzteren Punkt verfolgen.

Nachdem er den Zusammenbruch Israels geschildert hat, zeigt uns Psalm 78  Jehova, wie Er erwachte, aber er setzt alle Erbschaftsrechte beiseite, wie auch das Zeugnis in bezug auf Seine früheren Beziehungen zu Israel, denn das Erstgeburtsrecht gehörte Joseph (1.Chr 5) - „Er erwählte den Stamm Juda, den Berg Zion, den er geliebt hat ... und er erwählte David, seinen Knecht, und nahm ihn von den Hürden der Schafe“ usw. Dieser Psalm erwähnt wohl Sein Heiligtum, der Berg aber, auf dem es erbaut war, wird niemals als der Gegenstand der Erwählung Gottes dargestellt. Dieser Psalm reicht weiter als unsere gegenwärtige Geschichte, er bezieht aber die Erwählung auf David und auf Zion. Psalm 132  stellt die genauen Empfindungen vor uns, die der Geist dem David eingab, als er die Lade auf den Berg Zion brachte. Es war bloß ein Zelt, aber es ist das des mächtigen Gottes Jakobs auf Erden. Und Jehova hat Zion erwählt. Da wird David das Horn sprossen.

Man beachte hier, daß die Antwort Jehovas jedesmal die Bitte und das Begehren Davids übersteigt - ein holdseliges Zeugnis von der reichen Güte Gottes. Die Ruhe Jehovas ist inmitten Seines Volkes. Er wird Seine Ruhe hienieden inmitten der Seinigen genießen, obwohl Er Seine Herrlichkeit im Tempel aufrichtet, und dort ist es, wo alles von ihr redet. In der Wüste hatte diese Herrlichkeit keine Ruhestätte. Israel war auf einer Reise, und Jehova, der unter dem Volke wohnte, zog vor ihnen her, um ihnen einen Ruheort zu erkunden (4.Mo 10, 33). Noch war es der Fall in Silo, wo Seine Ruhe unter ihnen von ihrer Treue abhing. „Er verließ die Wohnung zu Silo ... und er gab in die Gefangenschaft seine Kraft“ (Ps 78, 61. 62). Auswahl und Gnade allein - durch einen „Auserwählten aus dem Volke“ (Ps 89, 19) - sichern die Ruhe Gottes unter Seinem Volke.

In bezug auf Psalm 132  gibt es noch etwas zu bemerken. Wir haben gesehen, daß Gott Seine Majestät in Seiner Regierung wahrt und es niemandem erlaubt, Seine Lade zu berühren. Er gibt David Zeit zu lernen, daß Gott ein Gott des Segens und der Gnade ist; wie gut aber die Absichten Seines Volkes auch sein mochten, ist es erforderlich, daß die Wahrheit, das was Er ist, sich in Seinem öffentlichen Handeln klar erweisen sollte. Wenn es anders wäre, wenn Seine Regierung nicht beständig wäre, würde alles zusammenbrechen; die Leichtfertigkeit des Menschen würde ihn beständig auf Pfade des Eigenwillens führen. Es ist wahr, daß Gott voller Geduld ist und daß, nachdem Er die Beziehung zwischen Seinem Volke und Sich gestaltet hatte, Er so lange wie nur möglich fortsetzt, dieser Beziehung gemäß zu handeln, obwohl Er gleichzeitig zu züchtigen gezwungen ist; aber schließlich kommt Gericht.

In dem Falle, den wir betrachten, hatte Gott Seine Beziehung abgebrochen, wie Er sie ursprünglich dadurch gegründet hatte, daß Er zwischen den Cherubim wohnte: Er hatte Seine Kraft in Gefangenschaft gegeben, und Seine Herrlichkeit in die Hand des Bedrängers. Als Sieger gibt Ihm David Seinen Platz wieder, aber nach einem neuen Grundsatz - dem der Gnade und Kraft. Beim Erforschen des 132. Psalmes entdecken wir nichtsdestoweniger viel tiefere Empfindungen, ein Herz, das begehrt, daß Gott unter Seinem Volke verherrlicht werde, und zwar auf eine viel entfaltetere und viel intimere Weise, als durch die äußere Pracht und das Gepränge, an denen Israel teilhaben konnte, dargestellt wurde; das waren Empfindungen, auf die Gott ganz anders antwortete als durch den Tod Ussas. Es ist wahr, daß dieser Psalm, nachdem die ergreifenden Mitteilungen in 2.Samuel 7 offenbart worden waren, geschrieben wurde, was die Verse 11 und 12 beweisen. Er lehrt uns aber, in welcher Gesinnung David auch hingegangen sein mag, um die Lade zu holen, das inbrünstige Begehren seines Herzens, eine Wohnung für Jehova zu finden, was, wie wir gesehen haben, Christus vollbringen wird 3. Nun scheint es mir, daß es das Bewußtsein dieses Begehrens war, das zum Versagen Davids führte. Wehe dem Menschen! In diesem Bewußtsein bemüht er sich sein Begehren auszuführen, er vergißt aber ein wenig die überragende Herrlichkeit Gottes, die Sünde, die das Zurückziehen Gottes von Seinem Volke verursacht hat, und die Ihm eigene Majestät. Wo Gott den Erfordernissen Seiner Herrlichkeit gemäß handelt und den Mann schlägt, der dem David hilft, das Begehren seines Herzens auszuführen, da ist David verdrossen. Der Tod Ussas war das Ergebnis des Verhaltens Davids, er zürnt Jehova, als dieses Resultat hervorkommt. Dies war wahrhaftig das Fleisch. Gott gab David zu verstehen, was dem Dienst des Gottes Israels gebührte (siehe 1.Chr 15, 12. 13) 4; und Er stellte seine Seele wieder her, indem Er ihm zeigte, daß Er die wahre Quelle des Segens ist, und daß die Lade beiseite stehen zu lassen, bedeutete, auch den Segen beiseite stehen zu lassen.

Darüber hinaus ist die Stellung Davids, der eifrig das Bewußtsein der Herrlichkeit Jehovas, wie sie im Psalm geschildert wird, inmitten seiner Erhöhung bewahrt, von der höchsten moralischen Schönheit, und sie hat einen ganz besonderen Ausblick in bezug auf die göttlichen Haushaltungen. Der Platz, den Salomo bei der Einweihung des Tempels innehat, stellt zweifellos ein noch auffallenderes Bild dar. Das Melchisedeksche Priestertum ist da in seiner Einfalt und Fülle, doch war dies die Frucht der Erfüllung des Segens; und der moralische Zustand derer, die daran teilnahmen, war viel weniger das Ergebnis tiefer Herzensübungen und der innigen Gemeinschaft mit Gott, die dessen Folge ist; deshalb war es viel weniger mit einer einsichtsvollen Erwartung des Christus verbunden. Salomo genoß die gegenwärtige Verwirklichung der Herrlichkeit, auf die David, in ihrer wahren Erfüllung in Christo, durch Glauben vertraute; Salomo gelangt nicht zu einer höheren Quelle als der Glaube Davids, und der sich daraus ergebenden Verantwortlichkeit des Volkes. Der Tempel ist der Schauplatz hiervon. David steigt höher hinauf. Er ergreift den Vorsatz Gottes in bezug auf den Sitz des Königreiches Jehovas; und zu einer Zeit, wo dies Glauben erforderte, wird er, soweit dies möglich ist, zum königlichen Priester; infolgedessen steigt er zu Gott Selbst empor, der die Quelle dieses Priestertums ist. Als von Gott belehrt, hat er die Erwählung Zions, des Sitzes der königlichen Herrlichkeit Christi, verstanden; und in diesem Sinne erscheint seine moralische Stellung, als er wie ein unansehnlicher Mann vor der Lade zu seiner Schande vor der Welt tanzte, eine viel höhere als die Salomos auf seinem ehernen Gerüst.

Die Lade ist auch ein Zeichen der Wiederherstellung der Macht Gottes unter Seinem Volke durch dieses moralische Band; diese Wiederherstellung findet aber durch das statt, was dem Bilde nach den Sieg und die Energie des Christus, der über Seine Feinde die Oberhand gewinnt, darstellte, wie es auch der Fall sein wird, und nicht bloß im Genuß Seiner Herrlichkeit.

In diesem ganzen Teil der Geschichte ist David (obwohl persönlich fehlerhaft) mehr persönlich ein Vorbild von Christo. Während die Schwierigkeiten noch bestehen und ehe Macht jedes Hindernis beseitigt haben wird, damit die Friedensherrschaft genossen werde, geschieht es, daß er die Verbindung des Volkes mit Gott wiederherstellt und sie als Melchisedek segnet und speist. Segen entfließt seiner Person angesichts von allem, was sich ihm widersetzt, und trotz jeder Schwierigkeit. Die Stellung, die David immer noch einnimmt, ist die eines Knechtes, des unmittelbaren Knechtes Gottes, und zwar durch Gnade. Er ist nicht ein Priester auf seinem Thron , sondern der König macht sich zum Priester, und dies während er immer noch den Dienst verrichtet.

Als dem Jehova gegeben, wurde Samuel mit einem leinenen Ephod bekleidet. Es war die priesterliche Bekleidung, er war aber nicht ein Priester nach der Ordnung Aarons. Durch Gnade und durch den Geist diente er in der Stiftshütte als einer, der von Gott auserwählt und abgesondert worden war. Er war auf seinem rechten Platz, von Gottes Seite aus aber aus Gnade, und zwar als die düstere Nacht von Ikabod das Volk bereits mit ihrer Finsternis bedrohte. Hier ist es der König, der, indem er diese Stellung einnimmt, das priesterliche Ephod anzieht, nicht die Kleider, die Gott den Priestern zur Herrlichkeit und zum Schmuck gegeben hatte, sondern jene, die den Priester als ein Vorbild von Christo, als Priester betrachtet, kennzeichneten 5, und die zu dem Wesen seines Wirkens gehörten 6, und tatsächlich nahm er eher die Stellung eines Leviten ein, d. h. eines Abgesonderten, um vor der Lade, vor Jehova, zu dienen. Der Leitgedanke in Verbindung mit dem Ephod ist, daß der, der es trägt, sich Gott darstellt. Aber selbst beim Vortragen einer Bitte stellt sich Melchisedek mehr dem Volke dar, obwohl er für das Volk vor Gott steht, ein König und Priester auf seinem Thron.

Nachdem er seine Schlachtopfer dargebracht hat, segnet der König das Volk. Es waren noch die Philister, die Syrer und andere Nationen da, die unterworfen werden mußten; die Verbindung des Volkes mit Gott wurde aber durch den König in Zion festgestellt und aufrechterhalten, obwohl die Lade, auf welcher diese Verbindung beruhte, sich immer noch unter Teppichen befand. Der Segen wurde auch durch den König selbst gesichert, der das Zeichen des Bundes und des auserwählten Königs, der in bezug darauf immer noch ein Knecht war, an dem von Gott erwähnten Ort zusammengebracht hatte. Das Ephod gehörte nicht zu Melchisedek; indem aber derjenige, der es trug, Gott Ehre erwies, der das Volk bewahrt hatte, hielt er als Priester den Segen des Volkes vor Gott aufrecht. Michal, die in der Gesinnung Sauls, ihres Vaters, nur von irdischer Herrlichkeit träumte, konnte an diesen Dingen nicht teilhaben. Erniedrigung vor Jehova war ihr unbegreiflich. Weder verstand sie noch schmeckte sie Seine Herrlichkeit, oder die Freude, Ihn als den alleinigen Herrn des Herzens zu kennen. Das, was Saul angehört, kann keinen Anteil am Königreich Davids haben, noch kann es mit einem Verachteten und Verworfenen leiden. Kurz gesagt, wir haben einen dem Jehova und dem Volke ergebenen König, der für letzteres Segen sichert und übermittelt; es ist noch nicht ein König, der dadurch gekennzeichnet ist, daß er über alles den festgesetzten Segen genießt, was den Zustand Salomos darstellt.

Nun scheint es mir, daß der erste dieser Zustände Christum als den darstellt, wie Er grundsätzlich und rechtmäßig immer gewesen ist, besonders aber wie Er nach der Vernichtung des Antichristen und vor der Vernichtung jener Feinde, die sich der Aufrichtung Seines Friedensreiches noch widersetzen werden, sein wird. Sein Volk, ganz Israel, wird unter Ihm vereinigt werden. Der Stab Seiner Macht wird aus Zion kommen, und Er wird inmitten Seiner Feinde herrschen (Ps 110); es wird aber noch nicht die Erfüllung von Psalm 72  noch von Sacharja 6, 12. 13  sein. Vergleiche auch Psalm 2, in dem Christus als der auf Erden geborene Sohn Gottes, betrachtet wird, und wo Seine sich daraus ergebenden weltweiten Rechte auf den Besitz der Erde geschildert werden; sie werden von Gott anerkannt und den Königen der Erde kundgemacht.

In Psalm 110  sitzt Christus zur Rechten Gottes und wartet, bis Seine Feinde zum Schemel Seiner Füße gemacht werden.

In Psalm 8 ist Er der Sohn des Menschen, und alles ist Ihm unterstellt.

Unter Salomo erfreut sich ganz Israel alles Guten, was Jehova sowohl dem Salomo als auch dem David beschert hatte. Hier reicht David in seiner eigenen Person das Nötige dar, um das Volk zu speisen, und verteilt an einen jeden ein „gutes Stück“ 7. Er kehrt zurück, um sein Haus zu segnen, denn David hat sein eigenes Haus, zu dem er zurückkehrt, nachdem er Israel gesegnet hat, es ist etwas, das ihm nähersteht als Israel. Wie wir gesehen haben, konnte Michal nicht wirklich dazu gehören. David findet etwas Erfreuliches daran, sich vor Jehova zu demütigen, und er tadelt sie. Wie überwältigend war die Antwort, die er ihr gab!

Fußnoten

  • 1 Ich sage „Beziehung“, weil die Bundeslade tatsächlich das äußere Band war, das Zeichen der formellen Beziehung zwischen Gott und Israel. Dies verleiht den Umständen, die wir betrachten, eine große Bedeutung. Der Verlust der Lade war im Gegenteil hierzu das Ikabod des Volkes gewesen.
  • 2 Der Satzbau in Hebräer 12, 22 macht es leichter, die verschiedenen Teile, aus welchen er besteht, zu unterscheiden. Das Wort „und“ trennt sie: Zion - die Stadt des lebendigen Gottes, das himmlische Jerusalem - die Engel, die allgemeine Versammlung - die Versammlung der Erstgeborenen, deren Namen im Himmel angeschrieben sind - Gott, der Richter aller usw.
  • 3 Wir können 2.Mo 15, 2 damit vergleichen, obwohl die Übersetzung fraglich ist. Aber siehe 2.Mo 29, 46.
  • 4 Dies wird nicht im 2. Buche Samuels erwähnt, weil uns dort der Geist David als ein Vorbild des Herrn vor Augen stellt.
  • 5 Denn es scheint, daß der Hohepriester (nachdem fremdes Feuer am Tage ihrer Weihe dargebracht worden war) niemals die Kleider zur Herrlichkeit und zum Schmuck im Heiligtum getragen hat. Er ging nur am Versöhnungstage in weißen Kleidern hinein.
  • 6 Dieses Priestertum übt Er (Christus) jetzt aus. In den herrlichen Kleidern wird Er hervorkommen. Persönlich ist Er schon mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt, aber es sind Ihm nicht alle Dinge unterworfen, noch hat Er Seinen Melchisedek-Thron bestiegen, der tatsächlich auf Erden sein wird. Während Seine Miterben versammelt werden, ist Er auf dem Thron Seines Vaters.
  • 7 Psalm 2 zeigt uns den König, wie Er auf den heiligen Berg Zion gesetzt ist, den in der Zeit gezeugten Sohn Gottes (etwas Unterschiedliches von Seiner Beziehung als Sohn, eins mit dem Vater vor Anbeginn der Welt - eine Lehre, die in Johannes 1, Hebräer 1, Kolosser 1 und anderswo gelehrt wird - jedoch glaube ich nicht, daß man ohne das andere sein könnte, obwohl das „darum“ in Lukas 1, 35 zeigt, daß es etwas Unterschiedliches ist, und Seine Sohnschaft an dieser Stelle ist auch eine Wahrheit von größter Wichtigkeit); Er wird als solcher von Jehova anerkannt, und die Könige der Erde werden aufgefordert, sich Ihm zu unterwerfen. Psalm 8 redet von Ihm als dem Sohne des Menschen, dem den ewigen Vorsätzen Gottes gemäß alle Dinge unterworfen sind. In Psalm 110 soll Er, der verachtet und verworfen war, indem Er zur Rechten Gottes sitzt, inmitten Seiner Feinde herrschen. Vergleiche die Psalmen Ps 24 und Ps 102. Im ersteren wird Er als Jehova der Heerscharen, als der König der Herrlichkeit anerkannt, nachdem Er Seine Feinde besiegt hat; im zweiten als der Schöpfer Selbst.
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