Betrachtungen über die Briefe des Apostels Johannes

1. Johannes 5

Betrachtungen über die Briefe des Apostels Johannes

Inhaltsgemäß gehören die ersten fünf Verse noch zum 4. Kapitel, denn der Apostel verweilt immer noch beim gleichen Gegenstand der Liebe Gottes zu uns und als Frucht derselben, bei der Bruderliebe. „Jeder, der glaubt, dass Jesus der Christus ist, ist aus Gott geboren; und jeder, der den liebt, der geboren hat, liebt auch den, der aus ihm geboren ist“ (V. 1). Hier entwickelt der Apostel einen weiteren Grund zur Bruderliebe. Als der Herr hier auf der Erde war, gab es nur wenige, die Ihn als den verheißenen Christus, d.h. den Gesalbten, welchen Gott der Vater gesandt hat, erkannten. So war es auch, als Johannes diesen Brief schrieb, und seit jener Zeit ist es noch immer der Fall, dass nur wenige in der Person seines eingeborenen Sohnes den Verheißenen erkennen, und Ihn im Glauben als ihren Erretter annehmen. Die Ihn aber so im Glauben aufgenommen haben, erbringen dadurch den Beweis, dass sie aus Gott geboren sind. Sehr bezeichnend ist auch, wie der Herr in Johannes 3 die Geburt von oben in Verbindung bringt mit seiner Person und mit seinem Werk! (Verse 3–16). Die uns von Gott mitgeteilte neue Natur und der uns geschenkte Heilige Geist wirken in uns Liebe zu Gott. Naturgemäß offenbart und betätigt sich diese Liebe auch allen denen gegenüber, die aus Gott geboren sind. Sie ist nur die natürliche Folge der geistlichen Abstammung und Verwandtschaft, sie kennzeichnet die Familie Gottes und äußert sich sofort, wenn zwei Gläubige sich treffen und als solche kennen lernen.

Für die Betätigung dieser Liebe zu den Brüdern gibt es aber auch manche Gefahren. Diesen nun vorzubeugen und ihnen zu begegnen, finden wir hier eine neue Unterweisung. Diese wird leider vielfach übersehen und gar nicht beherzigt, obwohl sie von größter Wichtigkeit ist. Ihre Beachtung würde gesegnete Früchte zeitigen, deren Missachtung aber bringt Nachteil und Schaden.

Wahre, d.h. göttliche Liebe zu den Kindern Gottes tut nie etwas gegen seine Gebote, gegen seinen Willen, auf Kosten der Wahrheit.

Wir sahen dies schon früher, aber weil man diesen Punkt vielfach übersieht, so wird denen, die begehren in allem den Willen Gottes zu tun, um dadurch den Gehorsam zu beweisen, nachgesagt, dass sie die Brüder nicht lieben. Unser Wort beweist aber gerade das Gegenteil. Die Einstellung und das aufrichtige Begehren eines Herzens, das durch die Liebe Gottes erfasst ist, wünscht diese Liebe im Halten der Gebote zu erwidern.

Leider gibt es Kinder Gottes, die nur solche Gläubige lieben, die ihrem Kreis oder ihrer Gemeinschaft angehören. Andere bevorzugen wieder nur einige unter den Gläubigen und zwar solche, die gesellschaftlich, oder aus anderen Gründen, ihnen mehr zusagen. Dies sollte nicht so sein. Dem Herzen Gottes sind alle seine Kinder gleich wert. Seine Liebe gilt allen gleicherweise. Die Liebe zu den Kindern Gottes ist aber nur dann echt, wenn sie in voller Übereinstimmung ist mit dem Gehorsam gegen die Gebote Gottes. Es ist sehr zu bedauern, dass gerade dies so wenig verstanden wird und deshalb auch das vielfache Verurteilen der Kinder Gottes, die nicht allein dem Grundsatz, sondern auch der Gesinnung nach – weil sie Gott lieben und seine Gebote zu halten begehren – alle Kinder Gottes lieben und sie in diesen Kreis der Liebe einschliessen.

Kinder Gottes, denen es darum zu tun ist, liebend in allem dem Willen Gottes zu entsprechen, vermögen dadurch freilich Einrichtungen und Wege, die den klaren Belehrungen des Wortes Gottes entgegen sind, nicht anzuerkennen. Durch dieses Verhalten fühlen sich jene Kinder Gottes, die den unbiblischen Einrichtungen anhangen und ihre eigenen Wege gehen, verurteilt, und nennen diejenigen, denen es darum geht auf dem Weg der Schrift, treu erfunden zu werden, eng und ohne Bruderliebe.

Darüber brauchen wir uns aber nicht im Geringsten zu wundern. Kein Kind Gottes wird wagen, den Apostel Paulus als untreu hinzustellen, nicht wahr? Und doch, wie erging es ihm bei seiner Treue seitens mancher Gläubigen? Die Korinther, bei denen so manches den Gedanken Gottes ganz und gar entgegen war, hielten ihn auch für eng. Er musste ihnen schreiben: „Unser Mund ist zu euch aufgetan, ihr Korinther; unser Herz ist weit geworden. Ihr seid nicht verengt in uns, sondern ihr seid verengt in eurem Innern. Zur gleichen Vergeltung aber (ich rede als zu Kindern) werdet auch ihr weit!“ (2. Kor 6,11–13). So verhielt es sich bei ihnen, wenn sie von der Warte Gottes aus betrachtet wurden. Sie waren weit für verkehrte Dinge und eng für die Gedanken Gottes. Genauso verhält es sich auch heutzutage. Die Korinther sagten gleichsam „Paulus, du bist zu eng, das ist nicht richtig, gebe doch etwas nach und kritisiere und verurteile uns nicht immer. Mache dich mit uns eins das wäre doch so schön.“ Der treue Knecht des Herrn stellt aber alles in das rechte Licht. Sie verurteilten ihn. Er konnte ihnen aber sagen: „Ich will aber sehr gern alles verwenden und völlig verwendet werden für eure Seelen, wenn ich auch, je überreichlicher ich euch liebe, umso weniger geliebt werde“ (2. Kor 12,15).

Paulus liebte Gott. Sein Wille war ihm in allem maßgebend, und das war der Beweis, dass er auch die Brüder liebte. Wenn er nicht in heiligem Ernst hingewiesen hätte auf die Missstände unter den Korinthern, so würde man dort von ihm geredet haben als von einem liebevollen Bruder. Derartiges Verhalten hätte aber deutlich ans Licht gebracht, dass seine Liebe zu Gott nicht rechter Art und dass infolgedessen auch seine Bruderliebe nicht echt war. Zuletzt musste er Timotheus schreiben: „...alle die in Asien sind, haben sich von mir abgewandt.“ Warum wohl? Ihnen war der Weg der Treue zu eng und die damit verbundene Schmach zu groß.

Lasst uns an einem kleinen Beispiel sehen, was wahre Liebe sowohl zu Gott, als auch zu den Brüdern ist. Ein Vater gibt seinen zwei Söhnen ganz bestimmte Anweisungen für einen Weg, über den er sie völlig klar belehrt. Sie treten auch gemeinsam den Weg an. Im Anfang geht alles nach dem Willen des Vaters. Aber nach einer Zeit sagt der eine Sohn zu seinem Bruder: „Höre, ich finde es für besser, wenn wir uns nicht so genau nach den Angaben des Vaters richten. Ich weiß einen anderen Weg, auf dem wir auch das Ziel erreichen.“ Daraufhin erwidert der andere Sohn: „Ja, das entspricht aber nicht den genauen Anweisungen unseres Vaters. Ich bitte dich gehe doch mit mir den vom Vater genau beschriebenen Weg. Wenn du aber nicht mit mir gehen willst, dann tut es mir sehr leid. Ich gehe den vom Vater bezeichneten Weg. Ich will dadurch meinen Vater erfreuen. Auf dem von dir angegebenen Wege kann ich mit dir, wie sehr ich dich auch liebe, nicht gehen. Dein Eigenwille wird den Vater betrüben und dich um seine Anerkennung bringen.“ Dieser Sohn offenbart Liebe zu seinem Vater, und er liebt auch seinen Bruder. Würde er einwilligen mitzugehen, so wäre es weder Liebe zu seinem Vater noch Liebe zu seinem Bruder. So verhält es sich auch mit uns, den Kindern Gottes. Leider sind viele so mit dem Menschlichen verbunden, dass sie dies für richtig, und den biblischen Weg für unrichtig halten. Nur die rechte, gehorsame und liebende Einstellung eines Kindes Gottes Gott und seinem Wort gegenüber, wirkt wahre, ungekünstelte Bruderliebe. Diese ist sozusagen die Frucht der Liebe zu Gott. Weil die Liebe „sich nicht freut der Ungerechtigkeit, sondern sie freut sich mit der Wahrheit“, so kann man das, was dem Wort Gottes entgegen ist, weder anerkennen noch sich eins machen mit denen, die auf diesem Boden stehen und ihn rechtfertigen, obwohl man sie als Kinder Gottes liebt. Man würde solchen Kindern Gottes wahrlich keinen guten Dienst erweisen, wenn man sich auf dem unbiblischen Boden mit ihnen eins macht. Dies würde außerdem auch zeigen, dass der Gehorsam dem Willen Gottes gegenüber, und infolgedessen auch die Liebe zu Gott, sehr zweifelhaft sei. Der Herr selbst ist das vollkommene Vorbild des Gehorsams (Siehe Phil 2 u.a. Stellen). Von Ihm ist schon im Voraus geschrieben: „Meine Schritte hielten fest an deinen Spuren, meine Tritte haben nicht gewankt“ (Ps 17,5). Es ist ganz eigenartig, wie da, wo man anfängt, seinen Weg in allem nach dem Wort Gottes einzurichten, alles an den rechten Platz gestellt wird, und zwar sowohl Gott, wie auch den Brüdern gegenüber. Andererseits ist es auch gar nicht zu verwundern, dass infolge unbiblischer und ungesunder Verbindungen Gott nicht zu seinem Recht kommt. Dies bedeutet dann für den Einzelnen wie auch für die Gesamtheit einen großen Verlust. Wir leben in Tagen, wo ein jeder tut, „was recht ist in seinen Augen“. Ein Saulus von Tarsus erlebte eine ganz wunderbare Umkehr. Wir finden ihn auch bald für den Herrn eifrig tätig; und doch, als er in Jerusalem versuchte sich den Jüngern anzuschließen, da sehen wir dort die Zurückhaltung der Brüder, obwohl es noch die Zeit war, wo der Geist Gottes ungehemmt wirkte (Apg 9,26.27). Wenn man damals so vorsichtig war, wie viel mehr tut dies in unseren so schweren Zeiten not! Ferner möchte man fragen: Warum gab es schon damals „Empfehlungsbriefe“? Nach der Einstellung mancher Kinder Gottes müsste man sagen, dass diese überflüssig gewesen seien.

Indem der Apostel hervorhebt, dass die Liebe Gottes im Halten seiner Gebote sich offenbart, fügt er hinzu: „und seine Gebote sind nicht schwer.“ Es sind Gebote, die der Herr persönlich oder später durch die Apostel gegeben hat. Für einen Menschen, der die Liebe Gottes an sich noch nicht erfahren hat, erscheinen sie zwar schwer. Diesen „gebietet“ Gott, „dass sie alle überall Buße tun sollen, weil er einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis richten wird in Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und er hat allen den Beweis davon gegeben, indem er ihn aus den Toten auferweckt hat“ (Apg 17,30.31). Wenn der Apostel sagt: „Seine Gebote sind nicht schwer“, so redet er aus seiner eigenen Erfahrung, wie auch aus der seiner Mitknechte und aller Kinder Gottes. Unzählige Beispiele könnten aus dem Leben der Kinder Gottes angeführt werden, wo man selbst unter Leiden im Aufblick zum Herrn dennoch diesen Weg ging. Nein, für einen, der die Liebe Gottes in Christus Jesus an seinem Herzen erfahren hat und sich täglich ihrer erfreut, sind die Gebote seines Herrn nur ein Vorrecht.

Hier könnte aber jemand einwenden: „Wie kommt es aber, dass auch seitens derer, die bekennen, errettet zu sein, Dinge geschehen, die so sehr beschämend sind?“ Leider ist es so. Dies ist die ernste Folge davon, dass man die Aufforderung nicht beachtet: „Und nun, Kinder, bleibt in Ihm!“ Sobald ein Kind Gottes aufhört zu wachen und sich vom Herrn entfernt, gleicht es einem Boot ohne Steuer. Wind und Sturm preisgegeben treibt es umher. Ein Knecht des Herrn schrieb u.a.: „Es ist leider keine ungewöhnliche Sache, Kinder Gottes zu finden, die ihre hohe Bestimmung und ihr himmlisches Erbteil aus dem Auge verlieren und mit den Kindern dieser Welt auf den Kampfplatz treten, um dort mit ihnen um die Reichtümer und Ehren einer mit dem Fluch der Sünde beladenen Erde zu streiten. Dies ist in vielen Fällen in einem solchen Umfange wahr, dass es höchst schwierig ist, irgendwelche Spuren jenes Grundsatzes zu entdecken, der, wie der Apostel Johannes sagt, die Welt überwindet.“

Derartiges zieht hier aber der Apostel nicht heran. Er redet von einem gesunden geistlichen Zustand. Wo dieser vorhanden ist, da ist es eine Freude den Willen Gottes zu tun. Das ist auch der Weg, wo der aus Gott Geborene die Welt „überwindet“. Die Welt bietet unter der Anführung Satans alles auf, um die Kinder Gottes aufzuhalten und sie irgendwie zu Fall zu bringen. Im Blick auf die Welt und auf uns selbst möchte uns bange werden. Und es steht auch geschrieben: „Glückselig der Mensch, der sich beständig fürchtet.“ Der Gott Geborene besitzt aber den Heiligen Geist; er klammert sich an den Herrn, und so überwindet er diese böse Welt, indem er dessen eingedenk ist, was sie ist. Die Welt hat sich völlig offenbart, als sie den Herrn Jesus verwarf und Ihn ans Kreuz nagelte.

Sowohl die neue Natur des Kindes Gottes, die aus Gott ist, wie auch der Heilige Geist, können sich unmöglich irgendwie mit der Welt eins machen. Geschieht es aber dennoch, dass der Gläubige sich irgendwie mit der Welt einlässt, so ist es ein deutlicher Beweis, dass nicht mehr der Heilige Geist und die neue Natur die Oberhand bei ihm haben. Vor einigen Jahren befand sich der Schreiber auf einer Reise an einem Strom entlang. In seinem Abteil befanden sich drei Schwedinnen die nur sehr wenig deutsch verstanden. Wir lernten uns aber dennoch als Kinder Gottes kennen. Unser Zug führte uns stromabwärts. Da sahen wir im Strom einen Dampfer stromaufwärts fahren. Auf das Schiff zeigend, sagte ich: „Sehen sie, das Schiff ist das Bild eines Kindes Gottes. Sein Weg geht gegen den Strom.“ Alle drei verstanden es und riefen zustimmend: „Gegen den Strom, gegen den Strom!“

Der Glaube der Kinder Gottes überwindet die Welt. Durch Ihn wurde uns die Vergebung unserer Sünden und das ewige Leben zuteil und indem wir durch den Glauben in Verbindung mit der himmlischen Welt stehen, überwinden wir die Welt. Auf die Frage: „Wer ist es, der die Welt überwindet?“, gibt es nur eine Antwort: „Wer glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist.“ Wenn ein Mensch als ein verlorener Sünder seine Zuflucht zu dem Herrn Jesus, dem Sohn Gottes nimmt, und Ihn im Glauben als seinen persönlichen Erretter annimmt, da hat er den ersten und größten Sieg über die Welt davongetragen. Durch diesen Glauben ist er befreit von der Herrschaft Satans und herausgenommen aus der Welt und auf einen ganz neuen Boden gestellt worden. Man ist „entflohen dem Verderben, das in der Welt ist.“ Nun steht man in Verbindung mit dem Sohn Gottes, dem „Anführer“ unserer Errettung. Dadurch ist die gegen Gott und seinen Christus gerichtete feindliche Welt in ihrer Feindschaft verurteilt, und der Sieg über sie errungen. Durch den Herrn Jesus errettet, ist man des ewigen Heils teilhaftig geworden, man ist „aus dem Tod in das Leben übergegangen.“

Der Weg der Kinder Gottes führt aber durch eine Welt, die noch immer dem Herrn Jesus feindlich gegenüber steht. Ihr Fürst bietet alles auf, um sowohl den Einzelnen wie auch die Gesamtheit der Erlösten des Herrn irgendwie aufzuhalten, ihnen Schaden zuzufügen und sie zu Fall zu bringen. Satan ist ein mächtiger, nicht zu unterschätzender und zugleich ein listiger Feind. Er weiß auch, dass in uns noch die alte Natur vorhanden ist, und versucht auf alle mögliche Weise uns zu Fall zu bringen. Wie gut aber, dass der Herr uns „alles zum Leben und zur Gottseligkeit geschenkt“ hat. Es sollen also nicht Niederlagen, sondern Siege unseren Weg kennzeichnen. Hinschauend auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, werden auch wir befähigt, von Kraft zu Kraft zu gehen, und uns in den täglichen Gefahren und Versuchungen als Überwinder erweisen. So war es bei den ersten Zeugen des Herrn, und so will der Geist Gottes es auch bei einem jeden Kind Gottes wirken. Überwinderleben – gesegnetes Leben!

Scharf bezeichnet, klar zu sehen
Ist der Weg, den ich zu gehen,
Weil mein Jesus ging voran.
Ja, so sicher wie sein Lieben
Ist sein Weg, der hier geblieben,
Furchtlos schreit' ich fort auf seiner Bahn.

In der Wüste, wo wir gehen,
Ist ein Fußpfad nur zu sehen:
Seiner Füße Spur im Sand.
Und ich folge, ja, ich eile,
Dass ich bald die Sitze teile,
Wo Er siegreich seine Krone fand.

Es ist kostbar zu sehen, wie der Geist Gottes bemüht ist, immer wieder Neues über unseren Herrn mitzuteilen. An den Namen des Sohnes Gottes anknüpfend, geht Er dazu über, uns mit der Bedeutung des Todes des Herrn und mit dem Zeugnis Gottes über seinen Sohn vertraut zu machen.

„Dieser ist es, der gekommen ist durch Wasser und Blut“ (V. 6). Er, der gekommen ist, wird schon hier und bald droben von all den Erlösten erhoben und gepriesen für seine Dahingabe auf dem Kreuz. Es sind nur wenige Worte, aber äußerst inhaltreiche. Sie bezeugen uns die große Bedeutung des Kommens Jesu, des Sohnes Gottes. Er ist gekommen! Welch eine Tatsache von ewiger Bedeutung! Er ist gekommen nach dem Liebesratschluss seines Gottes und Vaters, wozu Er sich völlig freiwillig entschlossen hat als Er sprach: „Siehe, ich komme, in der Rolle des Buches steht von mir geschrieben, dein Wohlgefallen zu tun, mein Gott, ist meine Lust“ (Ps 40,8–9). Nimmermehr vermochten die alttestamentlichen Opfer Gott zu befriedigen, und dem Menschen zu geben, was er bedurfte. Da sprach Er: „Siehe, ich komme, um deinen Willen zu tun. (Er nimmt das Erste weg, damit Er das Zweite aufrichte)“ (Heb 10,9). „Er ist gekommen durch Wasser und Blut.“ Hier wird nicht hingewiesen auf die diesbezüglichen Verheißungen, auch werden wir nicht nach Bethlehem geführt, wo der Engel des Herrn kundtat: „... euch ist heute, in der Stadt Davids, ein Erretter geboren, welcher ist Christus, der Herr“ (Lk 2,11), sondern hier wird uns der Sohn Gottes vorgestellt, wie Er das große Werk zur Verherrlichung Gottes und zum Heil der Verlorenen vollbrachte.

„Wasser und Blut“, diese Worte zeugen von der vollen Bedeutung des Opfertodes unseres Herrn für den Menschen. Bevor dies aber offenbart, kundgetan werden konnte, musste der Herr, als der Sieger von Golgatha, aus dem Grab hervorkommen, gen Himmel fahren und seinen Platz zur Rechten der Majestät einnehmen. Erst dann konnte der Heilige Geist, der Geist der Wahrheit, herabgesandt werden, der nun die große, ewig bedeutungsvolle, herrliche Tatsache des Todes des Herrn kundtat. Es könnte hier gefragt werden warum nicht eingehender von der Bedeutung des Wassers und Blutes, das aus der Seite des Herrn floss, geredet wird. Zunächst handelt es sich hier um den „Sohn“ und seinen erduldeten Tod. Über die Bedeutung, Wirksamkeit und Tragweite dieses Todes wurde schon früher berichtet. Hier wird zunächst nur die Tatsache des Todes des Sohnes bezeugt. Das Wasser und das Blut, die aus der durchbohrten Seite des Herrn hervorkamen, haben den eingetretenen Tod bezeugt.

Im 4. Kapitel sahen wir die Liebe Gottes, die den eingeborenen Sohn gab, damit wir durch Ihn leben möchten, und auch als Sühnung für unsere Sünden. Wir waren aber nicht allein tot in Sünden und Vergehungen; nein, der Mensch von Natur ist durch und durch verdorben. Unsere, von dem gefallenen Adam ererbte Natur ist sündig und unrein; sie kann auch nicht veredelt oder verbessert werden. Gott kann sie nicht gebrauchen, und in ihr kann der Mensch vor Ihm nicht bestehen. Wenn ein Mensch vor Gott bestehen soll, muss er von dieser verdorbenen Natur gereinigt, befreit werden. Eine gesprungene Glocke kann umgegossen werden, und dann ist sie wieder gleichsam neu, gebrauchsfähig. Die alte Natur des Menschen kann wohl etwa in Schranken gehalten werden, aber sie ist und bleibt unverbesserlich und unveränderlich. So heisst es schon in Jeremia 13,23: „Kann ein Kuschit seine Haut wandeln, ein Leopard seine Flecken? Dann könntet auch ihr Gutes tun, die ihr Bösestun gewöhnt seid.“ Unser Herr bezeugt sehr klar diese Tatsache, wenn Er sagt: „Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch“ (Joh 3,6).

Das aus der Seite des Sohnes Gottes geflossene Wasser bezeugt aber nicht allein seinen Tod, sondern auch die durch seinen Tod bewirkte Reinigung. Wir erwähnten schon, dass diese Reinigung unbedingt erforderlich ist, um vor Gott bestehen zu können. Wenn aber unsere alte Natur unverbesserlich ist, wie ist die Reinigung nun bewirkt worden? Die Schrift gibt uns darauf klare Antwort: „Denn das dem Gesetz Unmögliche, weil es durch das Fleisch kraftlos war, tat Gott, indem er seinen eigenen Sohn in Gleichgestalt des Fleisches der Sünde und für die Sünde sendend, die Sünde im Fleisch verurteilte.“ Und: „Da wir dieses wissen, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde abgetan sei, dass wir der Sünde nicht mehr dienen. Denn wer gestorben ist, ist freigesprochen von der Sünde“ (Röm 8,3; 6,6.7). Viele wahre Gläubige haben kein Licht über diese Tatsache, sie nehmen die Unverbesserlichkeit der alten Natur wahr, und quälen sich ab, indem sie auf irgend eine Weise eine Besserung herbeizuführen suchen, müssen aber immer wieder neu die Nutzlosigkeit all ihrer Bemühungen feststellen.

Wenn das Wasser die uns im Tod des Herrn Jesus bewirkte Reinigung, oder die richterliche Beseitigung des Fleisches vor Gott vorstellt, so redet das Blut von Versöhnung. „Ohne Blutvergießen ist keine Vergebung“. Um vor Gott in vollkommener Ruhe sein zu können, muss man wissen, dass die Sündenschuld getilgt, hinweggetan ist. Das ist geschehen durch das Blutvergießen des Sohnes Gottes. Sein Blut macht rein von aller Sünde. Wir können aber nicht von der Versöhnung reden, ohne daran zu denken, was es für Ihn, unseren göttlichen Stellvertreter, sein musste, als Er, beladen mit unseren vielen Sünden, unter der Hand eines heiligen Gottes litt und behandelt wurde, wie wir es für ewig verdient hätten, behandelt zu werden. Dort wandte sein Gott, in dessen Gemeinschaft Er hier auf der Erde stets gewesen, sein Angesicht von Ihm hinweg. Unter seinem Zorn leidend, rief Er: „Mein Gott, Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Wie tief stieg Er, der Herr der Herrlichkeit hinab! Auf dem Kreuz nahm Er unseren Platz ein, um uns in der Auferstehung mit sich eins machen zu können. Welche wunderbare, anbetungswürdige Liebe! Nun darf der Glaube jauchzen und jubeln: „Getrost, die Sünden sind nicht mehr!“

Vergiss es nicht,
Was dort für dich geschehen,
Als Gottes Lamm ertrug die Todeswehen
Für deine Sünden – Gottes Strafgericht.
Vergiss es nicht, vergiss es nicht!

Johannes stand unter dem Kreuz, als dem Herrn die Seite durchbohrt wurde und Blut und Wasser hervorkamen. Nebenbei sei bemerkt, dass in Johannes 19,34 das Blut zuerst genannt wird. Da kommt zuerst die Seite Gottes in Betracht, und weil nur durch das Blut seines Sohnes Gott vollkommen verherrlicht und seinen heiligen Forderungen volles Genüge geschehen konnte, deshalb wird dort das Blut zuerst genannt. Wie vollkommen ist doch alles im Wort Gottes! Obwohl unter dem Kreuz stehend, verstand Johannes nicht die Bedeutung dessen, was dort geschah. Der Herr musste erst aus dem Grab hervorkommen und droben verherrlicht werden. Die Folge davon war die Sendung des „Geistes der Wahrheit“, der dann die Apostel vertraut machte mit der Bedeutung des Todes des Sohnes Gottes und sie leitete, diese Bedeutung niederzuschreiben. Dieser Geist der Wahrheit ist jetzt wirksam, sowohl Sünder zu überführen und sie zum Glauben an den Namen Jesu zu führen, wie auch die Erlösten des Herrn immer mehr vertraut zu machen mit der Tragweite des Opfertodes Christi und seiner vielseitigen Wirkung. Das Betrachten der Person des Herrn Jesus und seines Werkes wird unsere ewige Beschäftigung sein (Siehe Off 5).

Wer könnte je ergründen
Die Tiefen und die Höhn,
Und wer Verständnis finden
Von dem, was dort geschehn!

Gott sei Lob und Dank, dass es Ihm gefallen hat, seines Sohnes Werk und dessen Bedeutung, sowie den Besitz des ewigen Lebens durch den Glauben an seinen Sohn, durch drei übereinstimmende Zeugen zu bestätigen. Es ist der Geist und das Wasser und das Blut. Wie einfach, klar und zuverlässig ist dieses Zeugnis! Mag der Unglaube es streitig machen und der Aberglaube es nicht ausreichend finden, dem Glauben genügt es vollständig. Wenn schon für irgendeine irdische Sache zwei bis drei übereinstimmende Zeugen entscheidend waren. (5. Mo 17,6; 19,15), wie vielmehr muss hier das Zeugnis Gottes, das Er dreifältig über seinen Sohn gezeugt hat, vollkommen genügen.

Gott sei gepriesen für sein herrliches Zeugnis über seinen Sohn! – Tretet herzu, ihr Ungläubigen und ihr Zweifler, und bedenkt die Folgen eures Unglaubens! Ihr macht Gott zum Lügner! Was wird das Ende davon sein? Ewige Verdammnis! Lasst euch noch heute überführen durch dieses völlig zuverlässige Zeugnis Gottes! Erkennt die unbedingte Notwendigkeit der Erlösung durch den Sohn Gottes, ruft Ihn an und ergreift Ihn im Glauben und dann ist das ewige Leben im Sohn Gottes euer Teil! Wer durch den Glauben sich des dahingegebenen und auferstandenen Herrn erfreut, preist Gott für die Gabe seines Sohnes, und durch Ihn und in Ihm für die Gabe des ewigen Lebens.

Jesus, Du hast uns die ew'ge Erlösung erfunden,
Fried' und Gerechtigkeit hast Du am Kreuze verbunden.
O, wie dein Blut
Wunder der Gnade nun tut!
Leben entströmt deinen Wunden.

„Wer den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht“. Er ist geistlich tot. Wie arm ist solch ein Mensch! Über die Maßen schrecklich wird für ihn die Ewigkeit sein. Er ist der Seele und dem Leib nach von Gott getrennt in dem Feuersee, welches „der zweite Tod“ ist.

In dem 13. Vers gibt der Apostel den Grund an, warum er dies schrieb. Es gab schon damals viele, die die Gläubigen auf verschiedene Weise zu beunruhigen und unsicher zu machen suchten. Der Apostel schreibt deshalb: „Dies habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr ewiges Leben habt, die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes“ (V. 13). Wie einfach und doch von welcher Bedeutung und Tragweite ist diese Unterweisung!

„Und dies ist die Zuversicht, die wir zu ihm haben, dass, wenn wir etwas nach seinem Willen bitten, er uns hört. Und wenn wir wissen, dass er uns hört, um was irgend wir bitten, so wissen wir, dass wir die Bitten haben, die wir von ihm erbeten haben.“ (Verse 14.15). Diese Verse zeigen uns, wie Gott allen Bedürfnissen seiner Kinder, die diese arme Welt noch als Pilger und Fremdlinge durchschreiten, zu begegnen weiß. In Johannes 14,15 und 16 finden wir, wie der Herr seine Jünger über das Gebet belehrt, und hier werden wir dessen neu versichert, dass unser Gott und Vater unsere Bitten entgegennimmt und erhört. Wir werden „die Bitten haben“, das will sagen, dass sie erfüllt werden. Wir haben schon früher darauf hingewiesen, dass es sich um Bitten handelt, die nach seinem Willen sind. Durch den Geist unterwiesen, werden wir Gott nicht Dinge unterbreiten, die uns schädlich sein können, sondern die in erster Linie zu des Herrn Verherrlichung dienen.

Das ganze Wort Gottes bringt uns Beispiele, an denen wir sehen können, wie Gott Wohlgefallen daran hat, wenn wir Ihm im Gebet nahen. Schon in alten Zeiten forderte Gott auf: „Tu deinen Mund weit auf, und ich will ihn füllen“ (Ps 81,11). Es sei nur kurz erinnert an Abraham, Mose, Samuel, Elia und Daniel. Ebenso zeigen uns die vielen Hinweise im Neuen Testament, wie es Gott erfreut, wenn die Seinigen Ihm im Gebet fürbittend nahen.

„Wenn jemand seinen Bruder sündigen sieht, eine Sünde nicht zum Tod, so wird er bitten, und er wird ihm das Leben geben, denen die nicht zum Tod sündigen“ (V. 16). Keine Frage, es ist sehr betrübend, einen Bruder sündigen zu sehen. Vielleicht ist er vorher sogar gewarnt worden, aber er ließ die Warnung unbeachtet und kam zu Fall. Was haben wir in einem solchen Fall zu tun? Auch da gilt es, fürbittend am Thron der Gnade einzutreten und die Wiederherstellung des Gefallenen zu erflehen. Solchen Fällen gleichgültig gegenüberstehen, würde einen sehr ungesunden, oberflächlichen Zustand verraten. Gottes Wort sagt: „Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit“. Wenn ein Bruder sündigt, so ist der Schaden groß und vielfältig. Des Herrn Name wird verunehrt und der Bruder selbst hat großen Verlust; die Gläubigen leiden darunter und das Zeugnis wird geschädigt und geschwächt.

In allen solchen Fällen sollen wir unter Beugung und Demütigung am Thron der Gnade anhalten, und Gott wird antworten und den Bruder wiederherstellen und zurechtbringen. Dahin zielt ja auch des Herrn Dienst als Sachwalter bei dem Vater. Auch wir sind zum priesterlichen Dienst berufen, füreinander zu beten und einander die Füße zu waschen. Dem Petrus sagt der Herr: „Ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhöre“ (Lk 22,32).

„Es gibt Sünde zum Tod; nicht für diese sage ich, dass er bitten solle. Jede Ungerechtigkeit ist Sünde; und es gibt Sünde, die nicht zum Tod ist“ (Verse 16b.17). Mit welcher Heiligkeit behandelt Gott die Sünde; wie viel genauer hält es Ihm, denn uns! Wir erleben immer wieder Fälle, wo Gott wegen Verfehlungen Zucht ausübt. Vielfach sind es Krankheiten, welche Gott zulässt, um den welcher gesündigt hat, zur Buße und zur Umkehr zu bringen. Wo ein aufrichtiges Bekenntnis vorhanden ist, vergibt Gott und hebt die Zucht auf. Es gibt aber auch Fälle, wo die Verfehlungen zum Tod führen. Denken wir an Ananias und Saphira! Auch in Korinth gab es Missstände, dass Gott züchtigend eingreifen musste. Viele wurden krank und etliche nahm der Herr durch den Tod hinweg. Solche sind wohl beim Herrn, aber konnten nicht länger beim Zeugnis für den Herrn hier auf der Erde sein.

Ernstlich warnen möchten wir aber vor übereilten Urteilen, wenn der Herr irgendjemand krank werden lässt. Oft haben Krankheiten auch bewahrende oder läuternde Bedeutung. Lasst uns in Nüchternheit wandeln und uns vor jeder Ungerechtigkeit fürchten! Der Herr trägt mit großer Langmut die Welt, aber Er kann bei den Seinigen das Böse nicht übersehen.

Was aber ist „Sünde zum Tode“, für die wir nicht bitten sollen? Das ist ohne Frage schwer zu sagen. Es handelt sich nicht nur um die Sünde als solche, sondern unter welchen Umständen und mit welchen Motiven sie ausgeübt wurde. So war es ohne Frage bei Ananias und Saphira. Mitleid und Mitgefühl kam hier nicht in Frage und darum auch keine Fürbitte, sondern nur Abscheu. Das sollte uns dahin leiten, stets im Selbstgericht zu verharren, um nicht in eine Sünde zu fallen, für welche es keine Fürbitte mehr gibt. „Seid heilig, denn ich bin heilig!“

In den Versen 18, 19 und 20 lesen wir dreimal „Wir wissen“. In einer Welt, die über Gott völlig unwissend ist, ist es sehr gesegnet, über göttliche Dinge im Bild zu sein, und wir können Gott nicht genug für diese große Gnade danken.

Zum ersten wissen wir, „dass jeder, der aus Gott geboren ist, nicht sündigt; sondern der aus Gott Geborene bewahrt sich, und der Böse tastet ihn nicht an“ (V. 18). Hier haben wir wieder ein Kennzeichen der Familie Gottes. Unter dem Ausdruck „der aus Gott Geborene“ will der Apostel uns die neue Natur des Gläubigen vor Augen stellen, nicht den Gläubigen selbst, denn bei dem ist nicht alles heilig und gut, wie die Erfahrung lehrt. Dies leugnen bewiese große geistliche Blindheit. Der Einfältige vergleiche den Ausdruck mit 1. Johannes 1,8; er wird völliges Licht erlangen. Unsere Stelle zeigt uns in abstrakter Weise den Charakter des aus Gott Geborenen. Er sündigt nicht; er bewahrt sich und der Böse tastet ihn nicht an. So wie der Böse Gott nicht antasten kann, so auch nicht die neue Natur, die das Kind Gottes besitzt. Diese ist immun, d.h. unverletzlich. Wir denken dabei auch an: „Haltet euch der Sünde für tot, Gott aber lebend in Christus Jesus.“

Ein schwaches Bild von dem Gesagten haben wir, wenn wir in ein Gefäß mit Wasser Öl zugießen. Das Öl bleibt vom Wasser unberührt. Das Wasser vermag es nicht irgendwie aufzulösen. In dieser Hinsicht ist das Öl auch unverletzlich. Sobald aber vom Gläubigen gesprochen wird, gilt es zu wachen, um nicht zu Fall zu kommen.

Wir kommen nun zum zweiten „Wir wissen“, nämlich „dass wir aus Gott sind, und die ganze Welt in dem Bösen liegt“ (V. 19). Welch ein köstliches „Wissen“ und welch herrliche Tatsache; „dass wir aus Gott sind“! Aus Gott in eine Welt hinein gestellt, die in dem Bösen liegt; welch ein Gegensatz! Das Licht mitten in der Finsternis. Sind wir dessen stets eingedenk, dass die Welt – dieses verdorbene System unter der Herrschaft Satans – im Bösen liegt? Lasst uns dies nie aus den Augen lassen!

Unser geliebter Herr offenbarte sich allenthalben als Mensch vom Himmel. Das kam auf seinem ganzen Weg durch die Welt, die im Bösen liegt, zum Ausdruck. Kommt es auch bei uns so zum Ausdruck? Wie wenn eine weiße Taube sich in einem Schwarm Raben niederlässt? Lasst uns nicht vergessen, dass der Herr uns hier auf der Erde gelassen hat als seine Vertreter, und dass wir auf dem Schauplatz des Todes berufen sind, das «Wort des Lebens» darzustellen und die Tugenden Dessen zu verkündigen, der uns berufen hat aus der Finsternis in sein wunderbares Licht.

Damit sind wir zu dem dritten „Wir wissen“ gekommen. Dies ist so außergewöhnlich groß, dass mit ihm auch alles steht oder fällt, was wir sind und besitzen.

„Wir wissen aber, dass der Sohn Gottes gekommen ist.“ (V. 20). Ja? Er ist gekommen; welch eine große, unaussprechliche Herablassung ist es, dass Er, der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der Schöpfer der Welten, durch den und für den alles ins Dasein gerufen wurde, zu uns gekommen ist! Lasst uns Ihn erheben und preisen, dass Er gekommen ist! Der Geist geht hier nicht weiter darauf ein, in welche Umstände Er gekommen ist, und was Ihm hier alles begegnete, sondern Er gibt nur den grossen Zweck an, warum Er gekommen ist. Welch ein wunderbarer Gegenstand ist Er für unsere Herzen! Satan, der Fürst dieser Welt und diese Welt selbst haben nichts, was die tiefen Bedürfnisse des menschlichen Herzens stillen und befriedigen könnte. Wenn man aber mit Ihm, als dem Heiland der Welt, in eine wahre Verbindung gekommen ist, dann bezeugt man entschieden und gerne: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lehens; und wir haben geglaubt und erkannt, dass du der Heilige Gottes bist“ (Joh 6,68–69). Ist es da nicht eine große Freude, sich vor Ihm niederzulassen wie die Braut im Hohenlied, indem sie Ihn mit einem Apfelbaum vergleicht und bezeugt: „...Ich habe mich mit Wonne in seinen Schatten gesetzt, und seine Frucht ist meinem Gaumen süß“. Dadurch lernt man Ihn immer besser kennen und muss bezeugen: „Mein Geliebter ist weiß und rot, ausgezeichnet vor Zehntausenden ... und alles an Ihm ist lieblich“ (Hoh 2,3; 5,10–16).

„Der Sohn Gottes ... hat uns ein Verständnis gegeben, dass wir den Wahrhaftigen kennen; und wir sind in dem Wahrhaftigen, in seinem Sohn Jesus Christus“ (V. 20). Die Weltgeschichte weiß über viele bedeutende Ereignisse zu berichten, aber auch das größte dieser Welt reicht nicht heran an das, was uns Gottes Wort hier mitteilt. Der Sohn Gottes kam in diese arme Welt der Lüge und des Betrugs, um Gott kundzutun, und arme Menschen an das Herz des Vaters zu führen. Bis dahin war das, was Gott ist, nicht völlig offenbart, und der Weg zum Vater nicht gebahnt. Der Herr hat uns ein Verständnis gegeben, um den Wahrhaftigen zu kennen. Das ist Gott selbst. Aber wie ist das möglich geworden? Der Herr selbst sagt: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ (Joh 14,9). Und in der Unterredung mit dem Vater sagte Er: „Dies aber ist das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen“ (Joh 17,3).

Unser geliebter Herr ist die vollkommene Offenbarung des Vaters. Er konnte sagen: „Glaubt mir, dass ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist“ (Joh 14,11). Unser Wort sagt uns, dass wir den Wahrhaftigen kennen, und dass wir in dem Wahrhaftigen sind, in seinem Sohn Jesus Christus. Indem wir in Christus Jesus sind, sind wir in Gott, denn: „Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben“. Nur weil wir die neue Natur besitzen, ist es möglich, den Wahrhaftigen zu kennen und uns seiner zu erfreuen. Von da aus sind wir auch allein imstande, der Wahrheit entsprechend alles zu beurteilen. „In deinem Licht werden wir das Licht sehen.“ Sehr bezeichnend ist es hier, am Ende des Briefes, zu sehen, welchen Wert der Heilige Geist auf die Darstellung unseres hochgepriesenen Herrn als Sohn Gottes legt. Der in Niedrigkeit hier auf der Erde wandelte, Gott offenbarte, vollkommen seinen Willen ausführte und Ihn verherrlichte, thront jetzt zur Rechten Gottes.

Wir sind in Ihm, und weil Er der wahrhaftige Gott ist, so sind wir in Ihm, dem Wahrhaftigen. Und Er, der das ewige Leben ist, Christus, ist auch unser Leben! In welch einer lieblichen Übereinstimmung ist doch der Schluss des Briefes mit seinem Anfang! Zugleich werden wir neu daran erinnert, von welch einer Bedeutung das Kommen des Sohnes Gottes in diese Welt ist. Nur weil Er kam, Knechtsgestalt annahm, und auf dem Kreuz auf Golgatha sein Leben dahingab, ist es möglich geworden, uns in solch eine wunderbare Verbindung und Stellung zu bringen. Ja, das Weizenkorn fiel in die Erde – starb – und brachte viel Frucht. Er ist nicht allein geblieben. Sein Name sei jetzt und ewig dafür gepriesen!

Angesichts solcher Mitteilungen fühlen wir, wie wenig wir dies bis dahin erfassten, obwohl es das Teil eines jeden Kindes Gottes ist. Aber überwältigt davon, drängt es uns, in heiligem Staunen und Bewunderung auszurufen:

O Jesu, Name ohnegleichen,
Voll Gnade, Trost und Lieblichkeit!
Anbetend sich die Engel neigen,
Bewundern deine Herrlichkeit.
Der Gottheit Fülle wohnt in Dir,
In Dir sind auch vollendet wir.

Sehr auffallend ist der Schluss des Briefes! Von den wunderbaren Mitteilungen darüber, dass wir in Ihm, dem Wahrhaftigen sind, wo wir in den Strahlen dieses Lichtes stehen, dass wir in Christus sind und in Ihm in Gott, heißt es plötzlich: „Kinder, hütet euch vor den Götzen!“ (V. 21). Warum solch ein Schluss des sowohl lieblichen wie auch äußerst ernsten Briefes? Nicht ein einziger Brief endet so. Am Ende des 1. Korintherbriefes ist wohl das ernste Wort: „Wenn jemand den Herrn Jesus Christus nicht lieb hat, der sei verflucht; Maranatha!“ dann wird aber doch den Erlösten des Herrn Gnade gewünscht. Dasselbe finden wir in dem Brief an die Galater, aber nicht in unserem Brief. Warum wohl? Satan sucht stets das Werk Gottes zu verderben. Nach dem Sündenfall finden wir, dass die Menschen zum Götzendienst verleitet wurden; wodurch die Herrlichkeit des unverweslichen Gottes in das Gleichnis eines Bildes verwandelt wurde (Röm 1,22.23). Dann galt es, aus dem Götzendienst heraus zu berufen und zu befreien: Dies geschah in Abraham und seinen Nachkommen. Aber bald nach der Befreiung aus Ägypten finden wir wieder den Götzendienst Einzug halten, um das Volk von dem Befreier und seinem Dienst zu trennen.

Wie nun Abraham durch eine irdische Berufung vom Götzendienst befreit wurde, so geschieht es jetzt durch das Evangelium für eine geistliche und himmlische Berufung. Gott ruft die Menschen aus der Finsternis in sein wunderbares Licht. Er ruft sie in die Gemeinschaft seines Sohnes“, rettet sie und versetzt sie „in das Reich des Sohnes seiner Liebe“. Er schenkt ihnen in der Wiedergeburt seine eigene Natur, damit sie sich dadurch der Verbindung mit Ihm und mit seinem Sohn erfreuen können. Dies alles ist so groß, wunderbar und herrlich, dass ein Gläubiger, der sich dessen erfreut und es genießt, ein mächtiges Zeugnis für seinen Gott in dieser Welt, die im Bösen liegt, sein kann. Das möchte nun der große Feind Gottes verhindern. Schon zur Zeit der Apostel suchte er es durch Verfolgungen der Gläubigen zu erreichen, aber vergeblich. Darum wechselte er seine Taktik und kam mit List. Ähnliches finden wir auch schon in der Geschichte Israels. Balak rief Bileam, um das Volk zu verfluchen. Das hat aber Gott nicht erlaubt; Bileam musste segnen. Dann griff dieser traurige Mann zu List und ließ die Israeliten zu den Götzenfesten der Moabiter laden, und das diente ihnen zum Fallstrick (4. Mo 22–25). Wir finden, wie der Götzendienst Israels immer mehr zunahm. Die Propheten warnten davor und der Herr griff durch ernste Züchtigungen ein.

Durch den Heiligen Geist geleitet, sieht der hochbetagte treue Knecht des Herrn die Gefahr nahen. Er sieht, dass der Feind versuchen wird, irgendetwas zwischen die Gläubigen und den Herrn zu stellen, um ihnen auf diese Weise den Herrn und die in Ihm offenbarte Liebe Gottes zu verdunkeln und sie von Ihm zu trennen. In väterlicher Besorgnis erlässt er, nach den so wichtigen Mitteilungen und Unterweisungen an die Gläubigen, als das letzte seines Briefes den ernsten Warnruf: „Kinder, hütet euch vor den Götzen!“

Wie notwendig war diese Warnung! Was ist seither alles eingeführt und zwischen die Gläubigen und den Herrn gestellt worden, so dass sein vollkommenes Werk und dessen Frucht völlig verdunkelt und in den Hintergrund gedrängt wurde. Wie notwendig ist diese ernste Mahnung auch in unseren Tagen! Wie mannigfach sind die Anstrengungen des Feindes, um uns von der Einfalt gegen. den Christus abzubringen. Er versucht es bei den einzelnen, wie auch bei der Gesamtheit irgendwie zu erreichen. An Mitteln und Wegen dazu fehlt es ihm nicht. Bei den einzelnen versucht er es durch die so mannigfachen Dinge des täglichen Lebens und durch das, was in der Welt ist, zu erreichen. Auf diese Weise nimmt er den Gläubigen so ein, dass die praktische Verbindung mit dem Herrn und die Freude an Ihm mehr oder weniger verhindert werden. Die Gesamtheit sucht er dann einzunehmen durch alle möglichen neuen Ideen, Losungen und Lehrmeinungen, die scheinbar gut sind, wo aber mehr oder weniger der Mensch in den Vordergrund tritt, und Christus, sein Werk und seine Person, verdunkelt und in den Hintergrund gedrängt wird. Geliebtes Kind Gottes, lasst uns wachen, verurteilen und wegräumen, was sich zwischen uns und den Herrn stellt, ja, lasst uns auf der Hut sein vor den Götzen, welcher Art sie auch sind und wie sie auch heißen mögen!

„Und nun, Kinder, bleibt in Ihm!“
Lehr' uns wachen, kämpfen ohn' Ermüden,
Immer näher bringt uns jeder Tag.
Lehr' uns wandeln völlig abgeschieden,
Unserm Kampf folgt sel'ge Ruhe nach.

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