Das Leben Abrahams

1. Mose 22

Das Leben Abrahams

Hier beginnt ein völlig neuer Abschnitt, nicht nur in prophetischer Sicht, sondern auch im Glaubensleben. Abraham wird jetzt nicht mehr nur in seinem Wandel gesehen, sondern als Bild Gottes. Es ist die Geschichte Isaaks, obwohl Abraham mehr im Vordergrund steht. Praktisch gesehen finden wir in Kapitel 22 und 23 noch Belehrungen des Glaubens.

Wenn wir zuerst den Wandel des Glaubens betrachten, lesen wir: “Nach diesen Dingen“. Unserer Meinung nach wäre es im Leben Abrahams jetzt doch wohl an der Zeit, Abraham in Ruhe zu lassen. Seit dem Verlassen Urs war es bis jetzt kein einfacher Weg gewesen. Aber für Gott ist es nach allen diesen Glaubenserfahrungen an der Zeit, Abraham auf die Probe zu stellen. Mit Lot tat Gott das nicht. Es war klar, wer er war und wo er war. Der Glaube Lots konnte nicht auf die Probe gestellt werden, aber bei Abraham konnte Gott es jetzt tun.

In der Reihe der Glaubenshelden in Hebräer 11 erfordert Abraham besondere Aufmerksamkeit. In allen vorher erwähnten Fällen ist die Rede von dem, was sie taten. Aber hier, bei der Erprobung des Glaubens, sehen wir etwas Besonderes, nämlich, was Abraham dachte (Heb 11,16.18). Das zeigt uns eine der Absichten Gottes, wenn Er jemand auf die Probe stellt. Gott will in unserem Herzen lesen. Den allgemeinen Grundsatz finden wir in 1. Petrus 1,7 - „.., erfunden werde zu Lob und Herrlichkeit und Ehre in der Offenbarung Jesu Christi“„ Das gilt auch für uns persönlich. In Hebräer 11,17 sehen wir auch wieder, daß „nach diesen Dingen“. Abraham für die Erprobung bereit war und umgekehrt die Prüfung für ihn bereitet war, genau auf ihn abgestimmt. Den gleichen Grundsatz sehen wir in 1. Korinther 10,13. Gott wußte, was im Herzen Abrahams war, aber Er wollte es sichtbar machen. Darin ist Abraham von Millionen verherrlicht worden. - Es erhebt sich die Frage, ob Abraham weniger weiß als wir, oder ob er durch diesen Weg Verständnis über die Wege Gottes mit Seinem Sohn erlangt hat? Der Schleier wird bei der Offenbarung vor dem Richterstuhl des Christus weggenommen werden. Für den Glauben ist das jetzt schon der Fall.

Es ist wie ein roter Faden im Worte Gottes, daß Gott uns verändern, erneuern will (Jes 48,10; siehe auch 1. Pet 4,12).

Wir erkennen etwas von der Größe dieser Prüfung, wenn wir an das vorige Kapitel zurückdenken. Abraham hat nicht nur auf die Verheißung vertraut; denn die Wegsendung Ismaels war übel in seinen Augen. Anderseits war er vor Jehova wiederhergestellt und ein Zeugnis zum Segen für die Welt. Nachdem Ismael aus dem Gesichtskreis verschwunden ist, bleibt nur noch Isaak übrig. Das zeigt die Schwere der Prüfung. Er sollte seinen Einzigen als Brandopfer opfern! Gott wollte Abraham prüfen, um zu sehen, inwieweit er wirklich auf die Verheißung über Isaak vertraute. Wie bewußt Abraham das tat, wird aus Hebräer 11 und auch aus Römer 4 deutlich.

Es war schon schwierig, Ismael wegzusenden, aber es geht viel weiter, wenn er nach diesem Gehorsam den Sohn der Verheißung opfern sollte. Aber er machte keinen einzigen Einwand, es war ein Opfer des Glaubens. Wir kennen den Verlauf der Geschichte. Wir können uns fast nicht in die Stellung Abrahams versetzen. Es hieß, den Sohn aller Verheißungen aufzugeben. Was sind unsere Prüfungen im Vergleich zu dem, was hier gefordert wird? Das Opfer mußte im vollen Bewußtsein gebracht werden.

In Vers 3 sehen wir den Gehorsam des Glaubens (“des Morgens früh“), in Vers 5 die Erwartung (“zu euch zurückkehren“), das Werk des Glaubens in  Vers 6,  die Gewißheit in Vers 8 (“Gott wird..„“), das Ausharren des Glaubens in Vers 9 und die Krönung in Vers 12.

Es war eine gewaltige Glaubensprobe, die Gott sicherlich nicht  einfach auferlegte. Sie ist daher für einen Unbekehrten auch unverständlich. Sie kann nur von jemand verstanden werden, der in der Kraft des Glaubens steht, so daß Gott dadurch geehrt und die Person gesegnet wird.

In Vers 3 kommt das Wort Gottes bei Nacht zu ihm. Jedenfalls war wenig Zeit vorhanden, sonst hätten die Worte „des Morgens früh“ wenig Sinn. Welch ein Kampf wird in der Seele Abrahams vor sich gegangen sein! Er wird alles wohl überlegt haben. Seine Schlußfolgerung finden wir , in Hebräer 11. Gott ist mächtig, ihn sogar aus dem Tode aufzuerwecken. Nicht in einem anderen Sohn, sondern in „Isaak soll dein Same genannt werden“. - Die Verheißung. - Wenn ich gehorche, ist Gott mächtig genug, ihn aufzuerwecken. Woher hatte Abraham dieses Wissen? Es wird in Gottes Wort nicht gesagt. Er hatte große Ehrfurcht. Es ist auch wichtig, an den Gehorsam Abrahams zu denken. Gehorchen ist besser als Schlachtopfer (1. Sam 15, 22). Abrahams Zustand wird gekennzeichnet durch die Worte: „Siehe, hier bin ich“. Ein einziges Wort genügte; er hatte ein offenes Ohr. In Vers 7 finden wir die gleichen Worte wieder. So genügte in 4. Mose 10 für die Fürsten ein einziger Trompetenstoß, Gott macht es ihm so schwer wie nur möglich: „... deinen Sohn, deinen einzigen, den du lieb hast, den Isaak... opfere ihn“ „ Das Ziel wird genannt, nicht aber der Weg dorthin. Auch in Vers 11 stehen die gleichen Worte. Er antwortet sofort. Warum fordert Gott ihn nicht sofort auf, den Sohn zu opfern? Wenn er ihn sofort, impulsiv geopfert hätte, wäre es weniger schwierig gewesen, als nach drei Tagen. Aber ohne Zögern geht Abraham diesen Weg von drei Tagen, im vollen Bewußtsein dessen, was vor ihm lag. Es gibt keine weitere Mitteilung, außer jener einen. Was mag in ihren Herzen vorgegangen sein? Abraham schwankte keinen Augenblick, und auch bei Isaak, der damals ungefähr 26 Jahre alt gewesen sein mag, finden wir die gleiche Gesinnung. Er hatte wohl Verständnis, was wir bei dem Sohn eines solchen Vaters wohl erwarten dürfen. Die Frage Isaaks zeigt, daß er nachgedacht hat. Es besteht eine Gemeinschaft, ohne daß ein Wort gesagt wird. Isaak hat die Lage gut verstanden. Auch in V. 9 hören wir kein Wort. Sie wußten es beide. Bei Isaak sehen wir vollkommene Hingabe. Das Verhältnis von Sohn und Vater ist so, daß beide das gleiche wollen im Dienste Gottes.

Gott spricht zu Abraham zweimal über das, was Er ihm sagen (zeigen) wird. In 1. Mose 12,1 ist es das Land, in Kapitel 22,2 einer der Berge. In beiden Fällen finden wir bei Abraham Gehorsam. Gott nennt das in Hebräer 11,8: „Durch Glauben“. Zwischen den beiden Befehlen besteht jedoch ein Unterschied. Damals wußte er nicht, wohin er ging, aber Gottes Wort war ausreichend, Jetzt ist zwar das Endziel bekannt, aber nicht der Weg dorthin. Aber auch jetzt finden wir den Gehorsam darin, daß er sich leiten läßt durch die Anweisungen Gottes: „den ich dir sagen werde“. Für das Herz Gottes liegt ein unermeßlicher Wert in diesem Gehorsam.

Vers 3: Abraham war ein großer Herdenbesitzer, mit viel Gesinde. In Kapitel 14,14 wird von 318 Geübten gesprochen. Dennoch tut er die in Vers 3 genannten Dinge selbst. Abraham kannte in seinem Leben den Altar und das Opfern eines Tieres. Wie schrecklich muß das jetzt bei diesen Vorbereitungen gewesen sein! Abraham hatte jede Gelegenheit, sich zu bedenken. Diese Tat geschah niemals aufgrund einer Aufwallung, sondern aufgrund großen Glaubens. In höchster Vollkommenheit ruhte der Glaube Abrahams nicht auf der Gabe, sondern auf Gott selbst, -selbst nicht auf Isaak, der Gabe im Blick auf die Verheißungen. In Hebräer 11,18 lesen wir: „... daß Gott ... vermöge...“ . Das sind die Erziehungswege Gottes. Lebendiger Glaube ruht nie in der Gabe an sich, sondern in dem Geber. Wenn gesagt wird „nach diesen Dingen“, wie hier in Vers 1, dann folgt immer ein besonderer Abschnitt, siehe Kapitel 15,1. Hier finden wir es außer in Vers 1 auch in Vers 20.

Im Leben Abrahams finden wir zehn besondere Offenbarungen Gottes. Dieses ist wohl das höchste, aber auch das letzte Ereignis, wo Gott spricht. Gott überwältigt uns mit Segnungen. Wenn Er eine dieser Segnungen, vielleicht nur für eine Zeitlang, wegnimmt, wie schnell geraten wir dann ins Wanken? Aber wenn Gott auf diese Weise auch unseren Glauben auf ein höheres Niveau bringt, dann ist es auch für uns Wirklichkeit: „Auf daß die Bewährung eures Glaubens ... erfunden werde zu Lob und Herrlichkeit und Ehre in der Offenbarung Jesu Christi“. (1. Pet 1,7) Die Prüfung des Glaubens ist für das Gefühl und den Verstand immer unverständlich.

In 1. Mose 21 sehen wir Abraham wiederhergestellt und als Zeugen. Gerade jetzt soll er Isaak opfern, soll er vor sich selbst, vor seiner Familie und vor der Weit mit leeren Händen stehen. Das ist für Gefühl und Verstand nicht erklärbar, - nur durch das Eintreten ins Heiligtum. Dann sehen wir als Eltern das größte Opfer, das in praktischem Sinn  je von Gott gefordert wurde. Gott wurde bei dieser Aufopferung des Liebsten über alles gestellt. Das unterweist uns, daß wir die Kinder auf den zweiten oder dritten Platz zu stellen haben, und zwar in der Reihenfolge: Gott - die Brüder - die Kinder. Diesen Grundsatz müssen wir lernen. Wir wissen das nicht von selbst. Erfahrungsgemäß ist es einfach, solange keine Schwierigkeiten vorhanden sind. Aber wenn dies nicht der Fall ist, dann versagen wir und stellen unsere ; Kinder über Gott und den Gehorsam gegenüber Seinem Wort. Wir müssen Gefühl und Verstand beiseitestellen. Wahrer Segen kommt nur durch Gehorsam. Alle Segnungen für Isaak werden bestätigt durch den Glauben seines Vaters. Das ist ein Grundsatz, solange es hier Eltern gibt. Es würde besser aussehen, wenn Großeltern nicht nur an die Segnungen ihrer Enkel dächten, sondern daß sie ihre eigenen Kinder darauf hätten aufmerksam machen müssen. Das ist wichtiger als die Liebe für Kinder und Enkel. Es wird eigentlich nur wenig gefordert, aber es hat weitreichende Folgen, sowohl gute als schlechte.

Wir stehen auf heiligem Boden. Es fällt auf, daß die Zahl in Vers 5 noch kleiner wird. Der Platz, wo der Glaube die höchsten Triumphe feiert, ist nicht für Zuschauer bestimmt. Unbefugte sollen keinen Anteil an dem haben, was sich zwischen Vater und Sohn ereignet. Alles, auch die letzte Stütze und Ermunterung, muß zurückbleiben.  

1. Mose 22 in prophetischer Sicht

Mit diesem Kapitel beginnt etwas Neues, das auch vorbildlich einen anderen Charakter trägt. Es handelt sich um den Vater in Verbindung mit dem Sohn, Der gekommen ist. Wir finden hier die Fortsetzung früherer Ereignisse. „Wie kann ein Mensch Gott nahen“. Der Sündenfall brachte die Trennung zwischen Gott und Menschen. „Denn ich bin nackt“. Gott bekleidete ihn mit Tierfellen. Wir wissen, was das für uns bedeutet. Die Verheißung in 1. Mose 3 richtet sich an Satan, nicht an Adam. Der Zustand des Menschen ist völlige Trennung von Gott. Adam war nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffen, Seth nach dem Bild und Gleichnis Adams geboren, (1. Mo 5,3). Adam stand am Anfang eines Geschlechts von Sündern. Aber es gab doch einen Weg, auf dem der Mensch Gott nahen konnte, nämlich, indem er den Tod zwischen sich selbst und Gott stellte. Das hat Abel verstanden. Er opfert von den Erstlingen seiner Schafe als Brandopfer, weil er seinen Zustand als Kind Adams sah. Wir lesen nichts von Sünden. Noah war der erste, der einen Altar hatte (1. Mo 8,20). Der liebliche Geruch war der Grund, weshalb kein Gericht über diese Erde kommen würde, obwohl sie nur böse war. Das ist der zweite Gegensatz: Segnungen aufgrund des Opfers.

Wir sehen hier, was die Verheißung für die Schlange beinhaltete. Bis jetzt hatte der Mensch das Opfer gebracht. Nun wird die Wahrheit geoffenbart, daß Gott Seinen eingeborenen Sohn gibt (Joh 3,16). Das Opfer wird von Gott, dem Vater gestellt. Der Vater gibt Seinen eingeborenen Sohn, Seinen Geliebten. Das ist der Charakter, der uns hier dargestellt wird.

Es ist ein Brandopfer „Auf einem der Berge, den ich dir sagen werde“. Von Natur sind wir geneigt, zunächst an das Sünd- und  Schuldopfer zu denken. Das ist auch richtig von der Seite des verlorenen Sünders. Aber von Gottes Seite kommt zuerst das Brandopfer ( 3. Mo 1). Wir müssen lernen, daß das Brandopfer an erster Stelle steht. Unter der Leitung des Geistes Gottes lernen wir, was das Opfer für Gott bedeutet. Das bereitet uns Schwierigkeiten. Der Mangel an geistlicher Einsicht behindert uns in den Zusammenkünften.

Abel brachte in 1. Mose 4 ein Brandopfer dar. Es war von den Erstlingen und ihrem Fett. Das Besondere des Opfers steht im Vordergrund. Der Wert und die Vortrefflichkeit des Herrn Jesus kommen an erster Stelle. In 1. Mose 8,20 sehen wir zusätzlich den Charakter. Auf dem Altar wurden reines Vieh und reine Vögel geopfert. Hier wird die Aufmerksamkeit auf die sittliche Reinheit und Fleckenlosigkeit gerichtet. So stand der Herr Jesus auch als Brandopfer vor Gott. Es war ein lieblicher Geruch für Gott. 1. Mose 22 geht viel weiter. Dort ist der Gegenstand der Zuneigung des Vaters das Opfer. Er hat Seines eigenen Sohnes nicht geschont. „Die Versammlung Gottes, ... welche er sich erworben hat durch das Blut seines Eigenen“. (Apg 20, 28) Hier steht das Liebste was er hatte, im Vordergrund. Was das Opfer des Herrn für das Herz des Vaters bedeutete, wird hierdurch vertieft, aber auch erhabener dargestellt. Wir sehen hier auch, daß der Sohn Zuneigung zum Vater besaß, um Seinen Willen zu tun. Es handelt sich hier nicht einfach um einen Vater und einen Sohn, sondern um den Vater und den Sohn. Wir müssen uns vergegenwärtigen, was der Sohn für den Vater bedeutet.

Vers 2.3: Hier wird zum ersten Mal in der Schrift das Wort „lie'bhaben“ erwähnt, und zwar in diesem Kapitel, das von der Liebe des Vaters zum Sohn spricht. Gott ist Liebe. Es ist ein Ausdruck, der oft mißbraucht worden ist und oft nur zu einfach ausgelegt wird als die Liebe Gottes zu seinen Geschöpfen. So gesehen, würde Gott von Natur aus nicht anders können als Liebhaben. Das geht jedoch an der Liebe für den Sohn vorbei. Für uns ist es Gnade. In Römer 8,32 heißt es: „Der doch seines eigenen Sohnes nicht geschont hat“. In Johannes 3,16: „Seinen eingeborenen Sohn“. Im Johannesevangelium finden wir siebenmal den Ausdruck: „Der Vater hat den Sohn lieb“.

Das Charakteristische hier ist, daß alles von dem Vater ausgeht. Er gibt alles was Er hat, Seinen Einzigen. Abraham stand früh auf, er sattelte seinen Esel, er nahm ... Er tut alles ( V. 3, 4, 6, 9). Immer ist es Abraham. Das ist der wesentliche Kern des Evangeliums, der von uns viel zu wenig verstanden wird. Er gab Seinen Sohn. Nicht als Richter (2. Mo 12), sondern wie in 2. Mo 14, 14 : Jehova wird für euch streiten“. Er hat alles getan (siehe Eph 2, 8). Sogar der Glaube ist eine Gabe Gottes. Gerade das gibt Frieden (Rö 4,24.25). Er schlug Ihn an unserer Stelle. „Mein Vater, wenn es möglich ist ...“ Der Vater sandte Ihn. Das Holz finden wir auch bei den Geräten, für die Stiftshütte, Es ist ein Bild des Menschen als auf der Erde gewachsen. Das braucht an sich nicht sündig zu sein. Die menschliche Natur ist bei uns eine sündige Natur, auf die das Gericht Gottes kommen mußte.

Gespaltenes Holz heißt, daß der Mensch in jeder Weise auf die Probe gestellt und geprüft worden ist. Aber es war nichts Gutes zu finden, er war gänzlich verderbt. Das Holz mußte verbrannt werden. Auch das Dickicht (V. 13) ist ein Bild der menschlichen Natur. Wir sehen hier nichts mehr von den Zedern des Libanon, dem Adel des Menschen,“ sondern nur noch Krüppelholz, das völlig verwachsen ist.

Vers 4: „...Sah er den Ort von ferne“. - Vers 9: „Sie kamen an den Ort, von dem Gott ihm gesagt hatte“. Erinnert uns das nicht an Lukas 22,40: „Als er aber an den Ort gekommen war“, als Er den Ort von ferne sah? Auch Lukas 23,33: „Und als sie an den Ort kamen, der Schädelstätte genannt wird“.

In 2. Mose 27 lesen wir von dem Brandopferaltar. In seiner Mitte befand sich ein Rost, der das Holz trug, wodurch das Brandopfer verzehrt wurde. Es ist viel Energie nötig, um ein solches Opfer zu verbrennen. Erwähnt werden der Altar, das Holz, das Messer und das Feuer. Was wir nicht verstehen, weil wir es nicht sehen können, ist in der Glut inmitten des Altars, bei dem Rost, wo die Hitze am größten ist. Das bleibt verborgen. Vielleicht fühlen wir etwas davon, daß Er dieser Hitze ausgesetzt war, die wir nicht ergründen können. Was der Herr Jesus am Kreuz für Gott getan hat, ist für menschliche Begriffe in seinem ganzen Umfang unergründlich. Wir können nur anbetend davor stehen. Er, Der dort in der Glut war, wird in Kolosser 1,13 der „Sohn seiner Liebe“ genannt.

Isaak war über 20 Jahre alt. Wieviel Freude hat er seinem Vater in all den Jahren bereitet. Nun geht er mit seinem Vater den Weg nach Morija. Wir werden gerührt, wenn wir die Worte lesen: „Wo aber ist das Schaf zum Brandopfer“?

Als der Herr Jesus über die Erde schritt, war der Himmel über Ihm geöffnet. „Du bist mein geliebter Sohn“. Er wußte, daß Er das Opfer war. Wie muß es das Vaterherz gerührt haben, daß Sein eingeborener Sohn, Der immer auf Seinem Weg gegangen war, die Schrecken von Golgatha erdulden mußte! Ist das nicht Grund zur Anbetung und zu Dank? Möchte dies immer vor unseren Augen stehen! Auch am Tisch des Herrn sollten wir daran denken, daß der Vater Selbst das Opfer gab. Wie dankbar sollten wir sein, daß dies für uns geschehen ist.

In den Evangelien sind es Menschen, die Ihn banden und kreuzigten. Hier  (V. 9) war es Abraham, der ihn band und auf den Altar legte. Gott offenbart uns hier in Seinem Wort, daß Er es war. Alle hatten den Herrn verlassen, aber „der Vater ist bei mir“ (Joh 16, 32). Dennoch war es der Vater, Der bei ihm war, der Ihn band. Wir brauchen nicht mehr zu fragen, ob Gott wohl Liebe sei. Er hat Ihn gebunden und auf das Holz gelegt.

Vers 6: „Und er nahm das Feuer und das Messer“. Die Menschen dachten, daß sie die Täter waren, und Gott hat es zugelassen. Aber Feuer und Messer, Gericht und Tod, waren in Gottes Hand. Bei Pilatus heißt es daher auch: „Du hättest keinerlei Macht...“ (Joh 19,11). Was Ihn getroffen hat, können wir uns nicht vorstellen.

Wen sollen wir am meisten bewundern, Abraham oder Isaak? Der Gehorsam Isaaks ist nur ein schwaches Bild des Gehorsams unseres Herrn. Alle verwunderten sich (Lk 9,43b). Aber in V.44 heißt es: „Der Sohn des Menschen wird überliefert werden in der Menschen Hände“. Über Seinen Weg fiel der Schatten des Kreuzes. „Ich bin vom Himmel herniedergekommen, nicht auf daß ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat“ (Joh 6, 38).

Vers 3: Abraham spaltete das Holz. Es war der Zeitpunkt, da der Vater das Holz für das Brandopfer spaltete. 1. Petrus 1,20: „Zuvorerkannt vor Grundlegung der Welt“. 1. Mose 1: „Laßt uns Menschen machen“. Das Holz für das Brandopfer war schon vorhanden. Das Opfer stand für den Vater bereits fest. Siehe Sprüche 8,30. Der Vater zeigt, daß Dieser das Opfer sein würde. Er schuf Menschen, für die der Sohn würde gegeben werden müssen. Das Holz wurde gespaltet, um unter dem Brandopfer verbrannt zu werden. Die Menschen waren in den 4000 Jahren zwischen dem Sündenfall und dem Kreuz vollkommen versündigt.

Das Brandopfer zeigt den Herrn Jesus in dem was Er mehr getan hat, als unsere Sünden erforderten. Als Sünd- und Schuldopfer hat Er die Gerechtigkeit Gottes befriedigt. Aber Er hat darüber hinaus noch viel mehr getan. Am großen Versöhnungstag wurde das Blut auf den Versöhnungsdeckel gesprengt; aber das Brandopfer beinhaltete noch mehr. Im gleichen Augenblick wurde Gott geoffenbart, und damit verherrlicht, so wie Gott geoffenbart werden mußte. Es wurde geoffenbart, wie heilig und gerecht Er ist, sowie die Wahrheit Seines Wortes und Seine Liebe. Im gleichen Augenblick, als der Herr dort als Sünd- und Schuldopfer hing, wurde Gott mehr geoffenbart, als Er ohne die Sünde je hätte geoffenbart werden können.

Das gespaltene Holz war die Grundlage, auf der das Brandopfer verbrannt werden mußte. Es war unumgänglich, daß Er zugleich auch das Sünd- und Schuldopfer wurde. In den 4000 Jahren war erwiesen, daß in dem Menschen nichts Gutes mehr vorhanden war. Das Holz war vollkommen verderbt, Feuer ist immer die prüfende, untersuchende Heiligkeit Gottes. Sie greift das Holz an und verbrennt es vollständig. In diesem Augenblick wird Gott in dem Brandopfer auf das Höchste verherrlicht. Gott Selbst legte die Sünden auf Ihn und machte Ihn zur Sünde (2. Kor 5,21). Das dem Gesetz Unmögliche tat Gott (Rö 8,3). Gott stellte Ihn an jenen Platz; Er handhabte das Feuer. Auch der Altar ist ein Bild des Herrn. Als Mensch war Er in Sich so gerecht, daß Er das Gericht überstand, wie die ehernen Pfannen bei Korah, Dathan und Abiram (4. Mo 16). Das Messer weist hin nach Sacharja 13,7.

Psalm 22: „In den Staub des Todes legst du mich“. Das machte den Wert des Opfers so groß (vgl. Joh. 12, 27). Auch in 1. Mose 22,7 heißt es: „Mein Vater...“ . Wir sehen den Herrn in Gethsemane, als die Schrecken vor Ihm lagen. Er konnte nicht anders als gehorchen, den Willen Seines Vaters tun. Auch Isaak sagt nicht in Vers 9. Er läßt sich von seinem Vater binden, sowie der Herr Sich von Gott in den Staub des Todes legen ließ. Gott nahm das Messer.

„Ich habe ihn verherrlicht und werde ihn auch wiederum verherrlichen“ (Joh 12, 28). Die Größe des Werkes des Sohnes ist zugleich auch die Größe des Werkes des Vaters. Wer litt mehr, das Herz Gottes oder der Herr?

Wie erwähnt finden wir im Johannesevangelium siebenmal, daß der Vater den Sohn liebt. Der Sohn wollte den Vater verherrlichen und der Vater den Sohn.

In Vers 6 und 8 lesen wir „Und sie gingen beide miteinander“. Wir denken oft, dies bedeute, daß der Vater bei dem Herrn war und daß der Herr nicht allein war. In den Kapiteln 4,5 und 8 des Johannesevangeliums finden wir auch die tröstende Kraft für den Sohn. Aber hier wird es  gesagt im Blick auf Abraham. Der Vater ging mit Ihm in dem vollen Bewußtsein dessen, was geschehen würde! Er sandte ihn und ging den Weg der Verwerfung zusammen mit ihm: in der Herberge, wo kein Raum für Ihn war, bei Herodes, der das Kind taten wollte, in Nazareth, als man Ihn von dem Berge hinabstürzen wollte, als man Ihn anspie und schlug, Ihm die Dornenkrone aufsetzte und Ihn geißelte, - als man Ihm alles das antat, worüber der Herr in Psalm 22 klagt, dazu noch von Menschen ohne Herz und Gefühl, Was ist das für den Vater, für Sein Herz gewesen! Er leitete Ihn auf dem Wege.

Das Brandopfer hat nichts 'mit unseren Sünden zu tun. Es ist nicht gebracht worden, um uns von dem Gericht zu befreien. Außer dem Zeitpunkt .hat es nichts mit unseren Sunden zu tun, jedoch wohl mit unseren Segnungen in der Ewigkeit, allen unseren Segnungen, und auch mit der Herrlichkeit als Braut und als Haus Gottes.

Dafür ist das Brandopfer die Grundlage. Es war im Herzen Gottes, uns dies zu geben. Es konnte nur auf diesem Wege geschehen. Das Sündopfer war nur das Mittel. Er mußte es werden, um das Brandopfer sein zu können. Aufgrund des Brandopfers sind wir in das Reich versetzt, begnadigt (angenehm gemacht) in dem Geliebten (Eph 1,6). Das ist das Ergebnis des Brandopfers „ Alle geistlichen Segnungen beruhen auf ihm (Eph 1, 2). Wir haben an allem mit dem Herrn Jesus teil. Dazu gab der Vater den Sohn. Wie unendlich groß ist die Liebe des Vaters, Der den Weg zum Kreuz mit Ihm ging. Der Herr wurde durch alle Prüfungen von dem Vater geführt. Er war auf dem ehernen Altar ohne Fehl, sowohl innerlich als äußerlich (zerlegt und gewaschen, 3. Mo 1). Der Vater geleitete Ihn, um uns den großen Segen geben zu können. So etwas Gewaltiges konnte seinen Ursprung nur bei einem Gott, Der Liebe ist, finden.

Der Israelit mußte, wenn er gesündigt hatte, ein Schuldopfer bringen, und wurde dadurch an seine Tat erinnert. Aber ein Brandopfer brachte er dar, wenn er sich bewußt war, daß er in der Gunst Gottes lebte, daß Gott ihn angenommen hatte. So ist es auch bei uns. Nur in dem „Bewußtsein daß wir in der Gunst Gottes stehen, sehen wir den Charakter, den Gott so schätzt, das Brandopfer, Das ist nur möglich bei einem Herzen, das von Gott angerührt worden ist. Dies geht viel weiter; als das Kreuz für die Rettung unserer Seele zu sehen. Wenn wir den Herrn so zur Darstellung bringen, dann bringen wir ein Brandopfer.

Vers 8: „Gott wird sich ersehen das Schaf zum Brandopfer, mein Sohn“. Einer der herrlichen Namen des Herrn Jesus ist „das Lamm Gottes“. Wir denken, dabei meistens an unsere Sünden; das ist auch das erste, was der Sünder benötigt. Aber 3. Mose 1 zeigt, daß zum Brandopfer ein Lamm verwendet wurde.

Gott unterstreicht das. Er wußte, was alles notwendig war, was eine gerechte Grundlage für den Segen war. Nur Sein eingeborener Sohn war diese Grundlage, Er, Der von Ewigkeit Seine Freude war. Um uns diese Segnungen schenken zu können, war dieser Preis für den Vater nicht zu hoch,, Gott hat Sich alle Ewigkeiten hindurch mit diesem Werk beschäftigt. Als sündiger, in Sünden geborener Mensch war Isaak nicht passend als Brandopfer. Darum mußte Gott Selbst ersehen. Das wird dargestellt in dem Widder, der im Dickicht festgehalten war. Das ist eine tiefgreifende Wahrheit. Der Widder wurde durch seine Hörner in dem Dickicht (in dem verworrenen Gesträuch) festgehalten; jedoch war der Widder selbst nicht „verworren“ oder „verwirrt“, sonst könnte er kein Vorbild auf den Herrn Jesus sein, denn das würde bedeuten, daß Er ein sündiger Mensch war (Die niederländische Übersetzung NBC lautet: „Ein Widder, mit seinen Hörnern im Gesträuch verwirrt“).

Der Widder wurde mit seiner Kraft (den. Hörnern) im Dickicht (den „verworrenen Sträuchern“) festgehalten. Das ist dasselbe wie in Johannes 4,4. Er mußte durch Samaria gehen. Es gab eine Macht, die Ihn dazu zwang. So gab es auch eine Macht, die Ihn am Kreuze festhielt. Es war Seine Liebe und die Liebe des Vaters. Er war gehorsam bis zum Tode am Kreuze (Phil 2). Er mußte sterben. Vers 17 wird in Galater 3,16 angeführt. In vorbildlicher Bedeutung ist es die Größe und Herrlichkeit des Samens. Niemals ist eine frohere Botschaft auf Erden gebracht worden. Die Weissagungen (dreimal bei Abraham, bei Isaak, bei Jakob, in Apg 3, Gal 3) erstreckt sich auf den. himmlischen und den irdischen Samen. Es ist Segen für alle Geschlechter, in einem neuen Himmel und auf einer neuen Erde.

Abraham und Isaak gingen zusammen und trugen gemeinsam, was der Vater jetzt in Vers 9 tut. Der Vater handelt, und der Sohn ist der Gegenstand. So auch in den letzten Tagen. Der Vater ist noch immer der Mittelpunkt. Der Segen ist die Folge dessen, was Abraham getan hat. Abraham kehrt zurück und wohnt bei dein Eides-Brunnen (Beerseba), bei dem Brunnen der Segnungen. Gott hatte den Eid abgelegt, um zu segnen. Was Gott verheißen und getan hat, kann nie ungültig gemacht werden. Es gibt einen Samen.

In den letzten Versen wird Rebekka genannt, die vorzeitig das höchste Ziel erreichen will. Diejenige, die die höchste aller Segnungen aufgrund dessen, was der Vater getan hat, erhalten hat, wird hier erwähnt. Sie teilt den ganzen Reichtum Abrahams gemeinsam mit dem Sohn (Joh 17,22.23).

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