Der erste Petrusbrief

Anhang

Anhang zu 1. Pet 3,18-20

Es gibt kaum eine Stelle in Gottes Wort, die so oft aus ihrem Zusammenhang gerissen und mehr missbraucht worden ist als diese Verse. Es begann schon bei Justin, dem Märtyrer, und Irenäus, die kurz nach den Aposteln lebten, und zieht sich durch alle Jahrhunderte hin bis in unsere Zeit, in der Lehrer der so genannten Allversöhnung die alten Irrlehren kräftig (und oft als etwas Neues) als feststehende Wahrheiten propagieren. Dabei besteht unter den vielen Stimmen keineswegs Einstimmigkeit; die Unterschiede sind groß. Ihre Argumente widersprechen sich oft völlig. Der Irrtum ist niemals konsequent. Aber allen ist gemeinsam, dass sie von den deutlichen Worten des Petrus abweichen und zu Schlussfolgerungen gelangen, die in vollkommenem Widerspruch zur Wahrheit Gottes stehen.

Es begann nicht etwa so, dass Gottes Wort ausnahmsweise einmal falsch verstanden worden wäre, sondern der Ursprung lag darin, dass allgemeine Unwissenheit über den wirklich gesegneten Platz des Christen bestand. Wenn wir die Schriften der apostolischen Väter und der Kirchenväter lesen, so können wir kaum verstehen, wie die Wahrheit so kurz nach dem Tode der Apostel schon so verdunkelt werden konnte. Hinzu kam, dass auf Grund der Ungenauigkeit, mit der einige - bewusst oder unbewusst - die Bücher und Briefe des Neuen Testaments abschrieben, sie - wie Scrivener schrieb - ein Neues Testament besaßen, das viel schlechter war als die schlechtesten Übersetzungen, die in den letzten Jahrhunderten in Europa benutzt worden sind, wobei noch gesagt werden muss, dass nur wenige ein ganzes Neues Testament ihr eigen nennen konnten.

Es ist immer so, dass unsere Gedanken über einen bestimmten Teil des Wortes Gottes nicht getrennt werden können von unserem allgemeinen Zustand. Normalerweise kann jemand, der geistlich gesinnt ist, an unserem Urteil über geistliche Dinge sehen, welches unser geistlicher Zustand ist. Jemand, der bezüglich des Evangeliums wirklich fest gegründet ist und in seinem eigenen Gewissen die Sicherheit über die fest bestimmte Zukunft der Verlorenen hat, andererseits aber auch die volle gesegnete Gewissheit der Kinder Gottes jetzt und in Ewigkeit hat, ist praktisch zu 90 % sicher vor den Phantasien, die in Verbindung mit diesen Versen des 1. Petrusbriefes geäußert worden sind. Aber wenn wir nicht ruhen in der Gnade und der Wahrheit, die durch Christus geworden ist (Joh 1,17), stehen wir in der größten Gefahr, uns durch Schlussfolgerungen, Phantasien und Vorschriften von der reinen Wahrheit zu entfernen.

Im Folgenden lege ich den Text des griechischen Neuen Testaments von Nestle zugrunde, der hier meines Erachtens im Allgemeinen richtig ist. So weit ich sehen kann, sind die einzigen Punkte, über die man verschiedener Ansicht sein kann, die folgenden:

1. In Vers 18 das Wort ‚apethanen' („starb“), das meines Erachtens ‚epathen' („litt“) sein muss. Die Textzeugen sind für beide Worte ungefähr gleich stark. Auf Grund des Zusammenhangs nehme ich jedoch an, dass es ‚epathen' heißen muss.

2. In Vers 20 ‚oligoi' oder ‚oligai' („wenige“ in männlicher oder weiblicher Form). Auch hier existieren für beide Möglichkeiten starke Textzeugen. Beide Punkte haben jedoch keine Bedeutung für die Frage, die ich behandeln will.

Die große Linie in den meisten Irrlehren über diese Verse ist, dass Christus zwischen Seinem Sterben und Seiner Auferstehung, während Sein Leib also im Grab war - oder aber nach Seiner Auferstehung - in Seinem menschlichen Geist oder in Seiner menschlichen Seele in den Hades gegangen ist und dort gepredigt hat; zu einigen mit der Absicht, den Verlorenen die Gewissheit des kommenden Gerichts zu verkündigen, zu anderen mit der Absicht, den gestorbenen Gläubigen die Botschaft vom vollbrachten Erlösungswerk zu überbringen. Aber die am weitesten verbreitete Ansicht ist, dass Er den Ungläubigen, und zwar nicht nur denen, die bei der Sintflut umkamen, aufs neue das Evangelium verkündigte, damit sie noch gerettet werden könnten. Mehrere zogen (und ziehen) nun daraus den Schluss, dass auch die Apostel den Toten gepredigt haben, ja sogar, dass jetzt dort die gestorbenen Gläubigen den gestorbenen Ungläubigen das Evangelium bringen. Als erstes müssen sie also beweisen, dass die Worte „in welchem“ in Vers 19 sich auf den menschlichen Geist des Herrn beziehen. Da „welchem“ sich auf „Geist“ in Vers 18b bezieht, behaupten sie also, dass in den Worten „lebendig gemacht nach“ - oder „in“, siehe Fußnote in der Elberfelder Übersetzung - „(dem) Geist“ das Wort „Geist“ nicht den Heiligen Geist meint, sondern den menschlichen Geist des Herrn, so dass sie „in Seinem Geist“ übersetzen wollen.

Nun, das ist unmöglich, denn die überwältigende Mehrheit der Handschriften gibt an, dass im Griechischen hier kein Geschlechtswort vor „Geist“ steht. Keines der im letzten Jahrhundert erschienenen bekannten wissenschaftlichen Neuen Testamente weicht davon ab. Und es ist eine feststehende Regel im Neuen Testament, dass überall, wo man im Deutschen vor den menschlichen Geist des Herrn oder vor unseren Geist „sein, mein, ihr, euer“ setzen könnte, im Griechischen ein Geschlechtswort vor „Geist“ (‚pneuma') stehen muss. Es sind die Stellen: Mt 26,41; 27,50; Mk 2,8; 8,12; 14,38; Lk 1,47; 8,55; 10,21; 23,46; Joh 11,33; 13,21; 19,30; Apg 17,16; 7,59; 19,21; 20,22; Rö 1,9; 8,16; 1. Kor 2,11; 5,3-5; 7,34; 14,14; 16,18; 2. Kor 2,12; 7,13; Gal 6,18; Phil 4,23; Kol 2,5; 1. Thes 5,23; 2. Tim 4,22 und Phlm 25. Die Regel geht sogar noch weiter. Überall, wo der Geist des Menschen oder der menschliche Geist des Herrn Subjekt oder Objekt (Satzgegenstand oder -ergänzung) ist, steht ein Geschlechtswort davor. Das sind außer den oben genannten Stellen: Mt 5,3; Apg 18,25; Eph 4,23; Heb 12,9 und 1. Pet 3,4.

Bei zwei Stellen sind die Meinungen geteilt, ob vom Heiligen Geist oder vom menschlichen Geist die Rede ist: Rö 8,10 und Jak 4,5. Ich selbst bin überzeugt, dass sie vom Heiligen Geist reden. Aber wenn es nicht so ist, dann bestätigen sie nur die Regel, weil beide Male ein Geschlechtswort vor „Geist“ steht.

Wenn aber vom Heiligen Geist gesprochen wird, ist es nicht so. Ohne Zweifel wird das Geschlechtswort verwendet, wenn objektiv oder wesenhaft vom Heiligen Geist die Rede ist. So an allen Stellen in Joh 14 - 16, wo der Herr das Kommen des Heiligen Geistes ankündigt. Aber sobald die Handlungsweise des Heiligen Geistes zur Sprache kommt, wird das Geschlechtswort fortgelassen, so z. B. an allen sieben Stellen, wo von der Taufe mit dem Heiligen Geist gesprochen wird, und in Joh 3,5; 20,22; Rö 8,4+9+13; Gal 3,3; 5,16+18+25  usw. Wenn wir diese Stellen aufmerksam betrachten, wird uns deutlich, dass die Behauptung, das Geschlechtswort würde nur weggelassen, wenn eine Präposition (Verhältniswort) davor steht, falsch ist. Die Worte nach einer Präposition folgen der normalen Regel, die in diesem Falle lautet: Das Fehlen des Geschlechtswortes deutet auf das Charakteristische, Eigentümliche hin.

Wenn wir aber lesen müssten, dass der menschliche Geist des Herrn lebendig gemacht worden sei, dann würden wir zu der Irrlehre gelangen, dass dieser Geist folglich gestorben sei. Aber die Schrift lehrt, dass selbst der Geist und die Seele eines Ungläubigen nicht sterben (siehe z. B. Vers 19 und Lk 12,4+5; Mt 10,28). Der Herr übergab Seinen Geist dem Vater. Darum haben auch viele das griechische Wort für „lebendig gemacht“ durch „lebendig geblieben“ übersetzen wollen. Aber das Neue Testament gebraucht es ausschließlich für „lebendig machen“, wie alle Stellen, wo es vorkommt, zeigen: Joh 5,21; 6,63; Rö 4,17; 8,11; 1. Kor 15,22+36+45; 2. Kor 3,6; Gal 3,21  und an dieser Stelle. Für „am Leben erhalten oder bewahren“ wird ein anderes Wort gebraucht (‚zoogonein'), das in Lk 17,33; Apg 7,19  und 1. Tim 6,13 vorkommt.

Es ist also unmöglich, dass der menschliche Geist des Herrn gemeint ist. Andere haben daher angenommen, dass Seine göttliche Natur gemeint sei. Aber diese wird niemals der Geist Christi genannt. Der Ausdruck „Geist Christi (oder: Jesu)“ kommt vor in Apg 16,7; Rö 8,9; Phil 1,19 und 1. Pet 1,11; außerdem „Geist des Herrn“ in Apg 5,9; 8,39  und 2. Kor 3,17. Aber an allen diesen Stellen ist eindeutig der Heilige Geist gemeint. Meines Erachtens kann hier also nichts anderes gemeint sein als der Heilige Geist. Da es sich hier aber nicht um die Person, sondern um den Charakter der Auferstehung handelt - obwohl dies nicht von der Person zu trennen ist - steht kein Geschlechtswort davor. Dies Ergebnis stimmt mit der ganzen Lehre des Neuen Testaments überein. „Es war das Wohlgefallen der ganzen göttlichen Fülle, in ihm (Christus) zu wohnen und durch ihn alle Dinge mit sich zu versöhnen, - indem er Frieden gemacht hat durch das Blut seines Kreuzes“ (Kol 1,19+20). Darum hatten alle drei göttlichen Personen teil an dem Werk. Der Vater gab den Sohn; der Sohn gab Sich Selbst; aber Er opferte Sich „durch den ewigen Geist“ Gott (Heb 9,14). Aber Kol 2,9 sagt, dass auch jetzt die ganze göttliche Fülle in Christus wohnt. Daher wird gesagt, dass Christus durch die Herrlichkeit des Vaters aus den Toten auferweckt worden ist (Rö 6,4), aber auch, dass der Sohn in eigener Kraft auferstanden ist (Joh 2,19; 10,18; Rö 1,4). In der letzten Stelle, wie auch in Rö 8,11, wird der Geist mit der Auferstehung in Verbindung gebracht (vergleiche 1. Tim 3,16: „Gott ist geoffenbart worden im Fleisch, gerechtfertigt im Geist [...].“).

„Im Geist“ bedeutet: nicht persönlich. Außerdem steht dort, dass Er „auch“ hingegangen ist. Das deutet an, dass es sich um eine Hinzufügung handelt, die nicht in direktem Zusammenhang mit Vers 18 steht, und auch zeitlich durch diesen Vers nicht näher bestimmt oder begrenzt wird. Weiter erfahren wir näher, wer diese „Geister im Gefängnis“ sind: diejenigen, die in den Tagen Noahs ungehorsam waren.

Nun sagt uns Rö 8,9, dass der Geist Christi in den Gläubigen wohnt, und Apg 16,7 und Phil 1,19, dass Er bei der Verkündigung des Wortes Leitung und Hilfe gibt (vergleiche auch Apg 8,39). Petrus selbst hat geschrieben, dass ihnen das Evangelium verkündigt worden sei durch Menschen, die es „in“ dem Heiligen Geist - also in Seiner Kraft - taten (Kap 1,12+13). Zugleich spricht er davon, dass der Geist Christi schon früher durch die Propheten geredet hat, und im zweiten Brief (Kap 2,5) fügt er noch hinzu, dass Noah gepredigt hat. Dasselbe finden wir in Eph 2,17: Christus hat nach Seinem Kreuzestod den Juden und den Nationen Frieden verkündigt. Wir wissen aber, dass dies durch Seine Diener geschehen ist. Er tat es durch sie. Siehe auch Mk 16,20 und Heb 2,4. Hier kommt es jedoch noch stärker zum Ausdruck, weil nicht die erklärenden Worte „in welchem (Geist) er auch hinging“ hinzugefügt sind wie in 1. Pet 3,19.

Hier haben wir also die Bedeutung des Verses, wie sie die Schrift selbst angibt. Wie vollkommen ist dies in Übereinstimmung mit dem Bericht, den das Alte Testament uns über die Zeit vor der Sintflut und die Menschen gibt, die in der Flut starben, weil sie ungehorsam waren. „Und der HERR sprach: Mein Geist soll nicht ewiglich mit dem Menschen rechten, [...] und seine Tage seien hundert und zwanzig Jahre“ (1. Mo 6,3). Hier sehen wir den Geist Christi, Der durch Noah 120 Jahre diesen Menschen predigte, die aber, weil sie nicht gehorsam waren, in das „Gefängnis“ kamen (der Name „Prediger“, der Noah in 2. Pet 2,5 gegeben wird, wird im Griechischen von demselben Stamm gebildet wie „predigte“ in 1. Pet 3,19.). Im Blick auf Noah und sie schreibt Petrus: „Der Herr weiß die Gottseligen aus der Versuchung zu retten, die Ungerechten aber aufzubewahren auf den Tag des Gerichts, um bestraft zu werden“ (2. Pet 2,5-9). Auch jetzt lässt Gott Sich nicht spotten. Das Gericht erwartet die, welche die Predigt Christi im Geist verwerfen und Ihn in Seinen Dienern verachten und schmähen.

Man wendet auch ein, dass das Wort „hinging“ beweist, dass der Herr persönlich hingegangen ist, und dass es demnach nicht im Geist gewesen sein kann. Nun haben wir aber in Eph 2,17 gesehen, dass dort über ein Kommen des Herrn zu den Gläubigen in Ephesus gesprochen wird, das nur im übertragenen Sinne gemeint sein kann, denn das Evangelium war ihnen lange nach der Himmelfahrt durch Paulus und andere gepredigt worden. Es war also ein Kommen in der Botschaft, die gebracht wurde, und in der Predigt des Apostels. Wenn aber gesagt wird, dass der buchstäbliche Gebrauch des Wortes „gegangen“ in Vers 22 beweist, dass es auch in Vers 19 buchstäblich aufgefasst werden muss (es handelt sich dabei im Griechischen um dasselbe Wort: ,poreuein'), dann frage ich: Warum? Denn der Apostel Paulus gebraucht in 1. Thes 5,6 und 10 das Wort „Schlaf“ erst für den sittlichen Schlaf und dann für den Todesschlaf. Auch der Herr Jesus gebraucht das Wort „Tod“ in ein und demselben Satz sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinn (Mt 8,22). Der Heilige Geist erwartet geistliches Verständnis von den Gläubigen. „Wenn dein Auge einfältig ist, so ist auch dein ganzer Leib licht“ (Lk 11,34). Wir haben in dem ganzen Brief gesehen, dass Petrus keine Offenbarungen neuer Wahrheiten gibt, sondern praktische Lehren, die sich gründen auf die Entfaltung der Lehre, die wir in den Evangelien und den Briefen des Paulus finden. Wären die Behauptungen dieser Irrlehrer wahr, dann würden wir zweifellos an anderer Stelle die lehrmäßige Grundlage finden. Aber wir finden gerade das Gegenteil sowohl in den Briefen des Petrus selbst als auch in der ganzen übrigen Schrift. Die Schrift sagt: „Siehe, jetzt ist die wohlangenehme Zeit, siehe, jetzt ist der Tag des Heils“ (2. Kor 6,2). Diese Menschen versuchen zu beweisen, dass ein anderer Tag des Heils kommen werde, und zwar ein viel besserer, weil dann kein Glaube mehr nötig sei, da jeder dann die Wirklichkeit kenne (Lk 16,23 usw.). Nach der Schrift besteht zwischen den gestorbenen Ungläubigen und den entschlafenen Gläubigen eine große Kluft, über die niemand auf die andere Seite kommen kann; sie behaupten aber, das sei sehr einfach. Nach der Schrift hat der Herr gesagt, dass Sein Geist nicht länger als 120 Jahre mit den Ungehorsamen in der Zeit Noahs, die die Erde verdorben hatten, rechten würde (1. Mo 6,3+5+11-13). Aber so wie sie sagen, steht hier, dass Er später doch wieder zu ihnen gegangen ist, um ihnen zu predigen. Die Schrift sagt - gerade im Blick auf diese Menschen - dass Gott die Ungerechten zu bewahren weiß auf den Tag des Gerichts, um sie dann zu verurteilen (2. Pet 2,9), und dass sie dazu im Gefängnis sind (1. Pet 3,19). Jene behaupten, dass Petrus, vom Heiligen Geist inspiriert, dem widerspricht, was er zugleich - und auch im zweiten Brief - vom Heiligen Geist inspiriert, schreibt. Wie fremd wäre es dem Geist der Schrift, auf scheinbar so willkürliche Weise aus allen Gestorbenen gerade diese Geister zu wählen, und ihnen aufs neue Gnade anzubieten, die doch im Gefängnis sind, weil sie einem langen und deutlich zum Ausdruck gebrachten Zeugnis gegenüber ungehorsam waren. Die Predigt wird ja ausdrücklich auf sie beschränkt. Worin läge auch die Bedeutung der Warnung, dass nur wenige, das sind acht Seelen, gerettet wurden, wenn die Ungehorsamen - oder auch nur ein Teil von ihnen - dennoch errettet wurden, obwohl sie außerhalb der Arche waren?

Welche Verantwortlichkeit, wenn man den ganzen Ernst des Evangeliums aufhebt, indem man den Ungläubigen sagt, dass, wenn sie sich nun nicht bekehren, sie später noch Gelegenheit dazu haben würden, und zwar unter sehr viel günstigeren Umständen, da sie dann nicht mehr mit der Sünde zu brechen hätten und nicht mehr den Platz der Verachtung mit dem verworfenen Heiland zu teilen bräuchten; dann könnten sie also jetzt weiterhin beruhigt in der Sünde fortleben, und wenn das nicht mehr möglich wäre, nun, dann könnten sie immer noch die Gnade annehmen.

Wie einfach ist die wirkliche Bedeutung dieser Schriftstelle in ihrem Zusammenhang. Diese gläubigen Juden, denen Petrus schrieb, hatten als einzelne aus der Masse an den Herrn Jesus geglaubt, so wie immer die Vielen ungläubig sein werden, so lange das Reich Gottes noch nicht in Kraft aufgerichtet ist. Wie wir gesehen haben, war es schwierig für sie, an einen dem natürlichen Auge unsichtbaren Messias zu glauben, Der nur durch den Heiligen Geist predigen ließ, und nur im Glauben ein Erbteil zu empfangen (Kap 1,3-12). Welch ein Gegensatz zu dem Messias, den die Juden als Volk erwarteten; Er würde in Herrlichkeit auf der Erde erscheinen, um sie aus der Macht ihrer Unterdrücker zu befreien und sie zu Beherrschern der Erde zu machen. Sie als einzelne glaubten an Ihn, im Gegensatz zu der Masse des Volkes, das ungehorsam war. Neigt das natürliche Herz nicht immer zu der Ansicht, dass die Mehrzahl im Recht ist?

Die ungläubigen Juden hatten den Herrn umgebracht (Vers 18), und anstatt dafür bestraft zu werden, befanden sie sich noch in der Übermacht und verfolgten die Gläubigen. Zur Ermutigung der Gläubigen weist der Apostel darauf hin, dass es in der Vergangenheit auch eine solche Zeit gegeben habe, in der der Herr nur im Geist zu den Menschen redete und nur wenige die Predigt annahmen. Aber die Ungehorsamen hatten die Folgen ihres Ungehorsams erfahren und würden sie einst beim endgültigen Gericht noch stärker erfahren. Aber die wenigen, die geglaubt hatten, hatten auch die Folgen davon erfahren. Sie waren errettet vor dem Gericht, in dem alle Ungehorsamen umkamen. Die Auferstehung Christi war nun der Beweis, dass es jetzt wieder so geschehen würde. Besonders im Hinblick auf die Ungehorsamen gebraucht der Apostel in 2. Pet 3 erneut die Sintflut, um zu zeigen, dass das Gericht bestimmt kommen werde.

Der Herr Selbst hatte gesagt: „Gleichwie es in den Tagen Noahs geschah, also wird es auch sein in den Tagen des Sohnes des Menschen: sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie wurden verheiratet, bis zu dem Tage, da Noah in die Arche ging, und die Flut kam und alle umbrachte“ (Lk 17,26+27). Es gab keine für einen Vergleich passendere Zeit als diese. Ebenso wie jetzt war es eine an alle Menschen gerichtete, nicht auf Israel beschränkte Predigt gewesen. Es war keine offenbare Machtentfaltung Gottes, sondern Er zeugte durch Seinen Geist, indem Er die Ungerechtigkeit der Menschen geduldig ertrug (1. Mo 6,3), wie Er Sich auch jetzt in der Zeit des Evangeliums als Heiland-Gott offenbart (1. Tim 2,1-6). Wie damals wird auch jetzt das Gericht plötzlich und unerwartet über die Ungehorsamen kommen. „Der Tag des Herrn [...] kommt wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie sagen: Friede und Sicherheit! Dann kommt ein plötzliches Verderben über sie, gleichwie die Geburtswehen über die Schwangere; und sie werden nicht entfliehen“ (1. Thes 5,2+3).

Der Herr ist bereit, Lebendige und Tote zu richten (1. Pet 4,5; Apg 10,42; 17,31). Und wenn die Menschen spotten, dass es nur so wenig Gläubige gibt im Verhältnis zu den Vielen, die den Herrn nicht annehmen, dann mögen sie daran denken, dass nur acht Seelen durch das Wasser der Sintflut hindurch gerettet wurden.

« Vorheriges Kapitel

Ihre Nachricht