Der erste Petrusbrief

Kapitel 3,10-4,6

Kapitel 3 Verse 10 bis 12: „Denn wer (das) Leben lieben und gute Tage sehen will, der enthalte seine Zunge vom Bösen, und seine Lippen, (dass sie) nicht Trug reden; er wende sich ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach; denn (die) Augen (des) Herrn (sind gerichtet) auf (die) Gerechten und seine Ohren auf ihr Flehen; (das) Angesicht (des) Herrn aber (ist) wider die, welche Böses tun.“

Hier beginnt der vierte Teil unseres Briefes, der bis Kapitel 4,6 reicht. Die Kapiteleinteilung ist nicht von Gott Selbst gegeben. Die natürliche Einteilung zeigt eine sittliche Ordnung. Im dritten Teil sahen wir das Verhalten der Gläubigen in bestimmten persönlichen Verhältnissen. Im vierten Teil kommen wir nun zu unserem Verhalten gegenüber allem, was uns umgibt: d h. gegenüber einer Welt, die gegen Gott und also auch gegen uns gerichtet ist. Aber in dieser Welt regiert Gott, denn kein Widerstand kann Ihm Seine Stellung und Seine Rechte rauben. Aber weil Er die direkte Regierungsgewalt nach dem Abfall des Volkes Israel, durch das Er sie bis dahin ausübte, in die Hände der Nationen gegeben hat (Dan 2,38), ist Seine Regierung nun indirekt und für das natürliche Auge unsichtbar. Es gibt keinen Thron des HERRN mehr auf der Erde, der für Menschen sichtbar ist (1. Chr 29,23). Seine Regierung ist jetzt nur sittlich und darum für das menschliche Auge unsichtbar. Glaube ist nötig und das fortdauernd, um im Herzen zu verwirklichen, dass Gott regiert und nichts Seiner Kontrolle entgeht, trotz all des Gegenteiligen, was wir sehen und erfahren. Wer mit dieser Regierung in Übereinstimmung lebt – die Gerechten also – wird einen Segen erfahren. Und doch bleibt es wahr: In der Welt habt ihr Drangsal (Joh 16,33)!

Diese Verse sind aus Ps 34 angeführt. Es ist interessant, dass der Apostel im ersten Teil aus dem Gesetz, im zweiten und dritten Teil aus den Propheten und hier im vierten Teil aus den Psalmen zitiert. So gebraucht er alle drei Teile der hebräischen Bibel, des Alten Testaments.

Hier sagt er nicht ausdrücklich, dass es ein Zitat ist. Er gibt die Worte des 34. Psalms auch nicht unverändert wieder. Er lässt die ersten Worte „wer ist der Mann“ weg und geht von der zweiten Person auf die dritte über. Aber was den Inhalt betrifft, verändert er dadurch wenig. Wichtiger ist, dass er auch die letzten Worte von Vers 17 weglässt: „Um ihr Gedächtnis von der Erde auszurotten“. Dadurch macht der Heilige Geist die Worte für den jüdischen Überrest passend, an den dieser Brief gerichtet ist (und auch für uns).

Psalm 34 zeigt uns die Regierung Gottes, die immer existent ist, zugunsten der Sanftmütigen, wodurch der Glaube stets loben kann. Der gläubige Überrest wurde von Gott erhört, bewahrt und erlöst, als er in Schwierigkeiten war. Ihr Glaube erblickt in der Rettung durch Christus eine Ermunterung (die Verse 6 u. 20). So wissen sie, dass bald die völlige Erlösung kommen wird, wenn der Herr bei Seiner Ankunft aus dem Himmel alle Feinde vernichtet.

Aber hierin wird der ganze Unterschied zwischen ihrer Stellung und der des Überrestes, an den Petrus schrieb (und auch zu uns), deutlich. Sie werden leben, wenn Gottes Regierung wieder direkt, unmittelbar wirksam sein wird. Obwohl die Grundsätze der Regierung Gottes für die Erde unveränderlich sind, werden sie in unserer Zeit sittlich angewendet. Wenn alles geoffenbart sein wird, wird auch die sittliche Regierung Gottes nicht länger verborgen sein. Dann wird Er das offenbar Böse sofort richten. Das wird so sein, wenn der Herr Jesus vom Himmel kommt. Zuerst wird Er Seine offensichtlichen Feinde vernichten (Off 19,19–21; Dan 11,45). Danach wird Er auf dem Thron Seiner Herrlichkeit die Völker dahingehend richten, wie sie den gläubigen Überrest aus Israel behandelt haben (Mt 25,31), den wir u. a. in den Psalmen finden. Und danach gilt bis zum Ende des tausendjährigen Reiches: „Jeden Morgen will ich vertilgen alle Gesetzlosen des Landes, um aus der Stadt des HERRN auszurotten alle, die Frevel tun (Ps 101,8). Sie werden hinausgehen und sich die Leichname der Menschen ansehen, die von mir abgefallen sind“ (Jes 66,24). Zum Schluss wird in dem endgültigen Gericht alles Böse vernichtet werden. Die Toten, alle, die sich nicht bekehrt haben, werden gerichtet werden und ihre endgültige Strafe empfangen (Off 20,11). „Und die Erde und die Werke auf ihr werden verbrannt werden“ (2. Pet 3,10).

Es ist deutlich, dass in der Gnadenzeit, in der wir leben, Gottes Regierung sich nicht in dieser Weise auswirken kann. Sie kann jetzt nicht allem Bösen vorbeugen oder es unmittelbar bestrafen. Sie kann sich also nicht vollkommen offenbaren und muss verborgen bleiben. Aber die Grundsätze sind da. Als ein allgemeiner Grundsatz bleibt bestehen, dass die Augen des Herrn auf die Gerechten gerichtet sind und Sein Angesicht gegen diejenigen gerichtet ist, die Böses tun. Ein ruhiger, friedliebender Mann wird ein besseres Leben führen als einer, der streitsüchtig und unaufrichtig ist.

Es ist auch deutlich, dass Gottes Regierung auf direkte Weise mit dieser Erde in Verbindung steht. Darum gelten sowohl ihre Gerichte als auch ihre Segnungen für diese Erde (1. Kor 11,32), obwohl sie ihrem Charakter nach entscheidend sein können für die Ewigkeit. Das erste (die Erde) sehen wir ganz deutlich in Mt 25,34 und das zweite (die Ewigkeit) in den Versen 41 und 46 desselben Kapitels. In Off 20,11–15 haben wir das abschließende Gericht Gottes, das darum endgültig ist. Das Leben, die guten Tage und der Friede, von denen Petrus hier schreibt, stehen also mit dem Leben auf der Erde in Verbindung. Petrus behandelt ja das Leben des Gläubigen auf der Erde. Das Zitat aus Psalm 34 bestätigt das auch, denn dieser Psalm spricht über die Segnungen des jüdischen Überrestes in den letzten Tagen.

Es ist wahr, dass unsere Segnungen im Gegensatz zu den Segnungen Israels himmlischer Natur sind. Aber das schließt die irdischen nicht ganz aus. Im Bild sehen wir das an der Geschichte Israels. Ihr eigentliches Erbteil war „das Land“, Kanaan. Um dahin zu kommen, mussten sie durch den Jordan gehen. So müssen wir auch durch den Jordan (die persönliche Verwirklichung der Tatsache, dass wir mit Christus gestorben und auferstanden sind (Eph 2,5+6) gehen, um unser eigentliches Erbteil, die himmlischen Örter mit allem, was darin ist, in Besitz nehmen zu können. Aber doch wird zu Israel gesagt: „beginne, nimm in Besitz“, als sie begannen, das vor dem Jordan liegende Gebiet einzunehmen (5. Mo 2,24). Im tausendjährigen Reich empfängt jeder Stamm auch einen Teil jenseits des Jordans (Hes 48). Die Sünde der zweieinhalb Stämme lag nicht darin, einen Teil jenseits des Jordans zu begehren, sondern es als ihr eigentliches Erbteil anzusehen und sich damit zufrieden zu geben.

So sind unsere eigentlichen Segnungen alle geistlich und himmlisch (Eph 1,3). Aber daneben haben wir auch irdische Segnungen, wenn sie auch erst dann Segnungen sind, wenn wir sie dem Sihon und Og entrissen haben (diese beiden sind Bilder für den Gebrauch der irdischen Güter in der Weise, dass wir uns damit einen Namen auf der Erde machen (= Sihon, 4. Mo 21,26–30) oder um sie für den eigenen Genuss und zur Befriedigung unserer selbst zu benutzen (= Og, 5. Mo 3,11) und sie als Erbteil aus der Hand des Herrn angenommen haben. Petrus bringt uns nicht wie Paulus in die himmlischen Örter, um dort die Stellung zu zeigen, in die Gott uns gebracht hat. Er ist vor allem mit der Erziehung der Gläubigen für ihren Weg durch die Welt beschäftigt. Er unterweist sie, Geduld zu haben, von welcher Seite der Druck auch kommen mag.

Dann gibt es einen Weg, das Leben lieb haben zu dürfen, ohne dass das Wort des Herrn Jesus aus Johannes 12 darauf angewendet wird (Joh 12,25). Das geschieht dann, wenn wir uns selbst keine Schwierigkeiten bereiten, denn damit sind zwei Dinge verbunden: Die Augen des Herrn werden in Gunst auf uns gerichtet und Seine Ohren für uns geöffnet sein. Und niemand wird uns Böses tun (Kap 3,12+13).

„Wille“ bezeichnet hier einen wünschenden Willen. Es ist der Wunsch, aber auch der Wille, ein glückliches Leben zu führen, für das man danken kann: Man möchte gute Tage sehen. Nun, ein Christ kann das haben. Er hat keine Sorge vor der Zukunft. Für die Ewigkeit ist alles in Ordnung, weil er teil hat an dem wunderbaren Werk des Herrn Jesus: Er hat Frieden mit Gott. Aber er steht auch in der Gnade (oder: Gunst) Gottes und weiß also, dass Gott, sein Vater, für alles, auch in diesem Leben, sorgen wird. Die Herrlichkeit Gottes wartet auf ihn (Röm 5,1+2). So kann er sich dieser Herrlichkeit rühmen, aber auch in den Nöten, weil er weiß, dass die Liebe Gottes diese schickt (Röm 5,3–5). Ja, er kann sich durch den Herrn Jesus Christus Gottes Selbst rühmen (Röm 5,11). Ist das kein glückliches Leben, für das man immer nur dankbar sein kann? Und sind es keine guten Tage, wenn man jeden Tag aufs Neue die gute Fürsorge des Vaters erfährt, auch in den täglichen körperlichen Bedürfnissen? Und wenn Er unser Auge auf den Herrn Jesus richtet und wir so Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn haben dürfen (1. Joh 1,3).

Aber es gibt Dinge, die das verhindern. Alles, was uns ein unruhiges Gewissen schafft, unterbricht die Gemeinschaft mit Gott und dem Herrn Jesus, der Quelle allen Glücks, und nimmt unseren praktischen Frieden weg.

Der Apostel nennt hier als erstes das Werk der Zunge. Jakobus nennt die Zunge: „ein Feuer; die Welt der Ungerechtigkeit“..., „die den ganzen Leib befleckt und den Lauf der Natur anzündet und von der Hölle angezündet wird,... ein unstetes Übel, voll tödlichen Giftes“ (Jak 3,2–12). Wissen wir nicht aus Erfahrung, dass diese Worte richtig sind? Wie viel Böses hat jeder von uns schon mit der Zunge angerichtet!

Das Wort „enthalte“ schließt ein, dass hier eine natürliche Neigung besteht, das zu tun, wovon man die Zunge enthalten muss. Verkehrte Worte, unaufrichtige Worte (Betrug): sarkastische, unfreundliche und gehässige Worte – wie von selbst kommen sie über unsere Lippen. Wir müssen unsere Zunge, unsere Lippen daran hindern, diese Dinge zu praktizieren. Unsere Lippen müssen wir, wenn nötig, aufeinander pressen, so dass die Worte nicht herauskommen können. Aus dem Zusammenhang mit Vers 9 sehen wir, dass dies auch gilt, wenn andere Böses wider uns reden oder uns schelten.

Wie wunderbar wäre es für uns, wenn wir diese „enthaltende“ Kraft ein bisschen besser kennen würden! Aber sicher ist, dass ein Gläubiger, der seiner Zunge freien Lauf lässt, niemals glücklich und geistlich ist.

Aber nicht allein in unseren Worten, sondern auch in unseren Taten müssen wir vom Bösen, von allem, was nicht gut ist, getrennt sein (Ps 1). Es steht hier nicht, dass wir das Böse nicht tun dürfen, sondern dass wir uns abwenden müssen. Sobald wir auf einen Weg geraten, der zum Bösen führt, müssen wir ihn also verlassen. „Indem ihr selbst das vom Fleisch befleckte Kleid hasst“ (Jud 23). „Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten“ (Röm 12,9). Wir müssen uns also nicht nur negativ vom Bösen abwenden, sondern vielmehr positiv gute Dinge tun.

Weiter müssen wir Frieden suchen (Mt 5,9) – ja, ihm nachjagen! Es handelt sich hier natürlich um den Frieden mit anderen Menschen. „Wenn möglich, so viel an euch ist, haltet Frieden mit allen Menschen“ (Röm 12,18)! Wir können das nicht immer erreichen, gerade als Gläubige nicht, dass wir mit allen Frieden haben. Aber als Nachfolger des Gottes des Friedens (Heb 13,20; Röm 16,20) muss dies das ernste Bestreben unserer Herzen sein.

Wir haben gesehen, dass auch in den Versen 10–12 nahezu kein Artikel vor den Worten steht. In dem folgenden Vers gilt das gleiche. Es ist alles charakteristisch gemeint wie in dem ganzen Brief. Die Worte „enthalten“, „sprechen“, „abwenden“, „tun“, „suchen“ und „nachjagen“ stehen alle im Aorist, was von dem ganzen Leben als eine Einheit spricht. Die letzten vier stehen überdies in der Befehlsform. Unmöglich können wir das Leben lieben und gute Tage sehen, wenn wir nicht tun, was hier vorgestellt wird, und das ohne Aufhören! Es ist uneingeschränkt vorgeschrieben.

Wir haben also zu Anfang von Vers 10 den Gegenstand und das Ziel gesehen. Im weiteren Teil dieses Verses und in Vers 11 sahen wir die Voraussetzungen dafür, dieses Ziel zu erreichen. In Vers 12 finden wir nun den Grund für die Voraussetzungen, aus dem sie hervorkommen.

Ein ernster Gedanke ist es, dass die Augen des Herrn alles sehen! „Des HERRN Augen durchlaufen die ganze Erde, um sich mächtig zu erweisen an denen, deren Herz ungeteilt auf ihn gerichtet ist“ (2. Chr 16,9; Spr 15,3; Ps 33,13+18; Hiob 34,21). David sagte: „HERR, du hast mich erforscht und erkannt“ (Ps 139)! Aber für ihn lag darin nichts Schreckliches. Am Ende desselben Psalms bittet er: „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz, prüfe mich und erkenne meine Gedanken!“ Auch hier geschieht es, wie in 2.Chronika und in Ps 33 und Ps 34, zum Wohl des Gerechten. Gerecht sein heißt, in dem rechten Verhältnis zu Gott zu stehen und das in der Lebensführung zu offenbaren, indem wir in Gehorsam den Weg gehen. Es geht darum, mit dem Recht in Übereinstimmung zu sein – also die richtige Stellung als Geschöpf gegenüber dem Schöpfer einzunehmen. Für uns kommt noch hinzu, dass wir die richtige Stellung als erlöste Erkaufte dem Herrn gegenüber, Der uns erlöst und erkauft hat, einnehmen. Hier steht „Herr“ ohne Artikel, womit der HERR gemeint ist. Wenn ein Artikel davor steht, ist gewöhnlich der Herr Jesus als Mensch in der Stellung, die Gott Ihm aufgrund Seines Werkes am Kreuz gegeben hat (Apg 2,36), gemeint. Hier ist es also Gott.

Ein ernster Gedanke ist es für den Ungläubigen und den ungerechten Christen, dass Gottes Augen alles sehen. Aber wie herrlich ist es für das Kind Gottes, das Gemeinschaft mit Ihm hat und also weiß, dass Gott in Gunst auf es herabschaut. „Seine Ohren sind auf ihr Flehen gerichtet“ (Ps 66,19). Es ist, als ob Gott Seine Ohren auf uns richtet, um nur gut hören zu können, was wir von Ihm erbitten. Wir brauchen also niemals eine Anpassungspolitik gegenüber dem, was uns umringt, verfolgen. Wir brauchen auch niemals nachzugeben, wenn die Übermacht des Bösen groß ist. Der Allmächtige sieht uns in unseren Umständen, und Seine Allmacht beschützt uns. Manchmal scheint es, als sei das nicht wahr, als ob die Gerechten scheitern. Aber sie scheitern niemals wirklich. Gott gebraucht alles nur zu ihrer Erziehung. Die sittliche Regierung Gottes wird auf die Dauer immer die Oberhand behalten.

„(Das) Angesicht (des) Herrn aber (ist) wider die, welche Böses tun“ (Pred 8,11–13). Das gilt nicht allein für Ungläubige, sondern gerade auch für Gläubige. Weil wir unter Gnade sind, sind wir nicht außerhalb der Regierung Gottes! Es bleibt stets wahr, dass Gott „Drangsal und Angst über jede Seele eines Menschen, der das Böse vollbringt“, bewirkt, aber auch „Herrlichkeit, Ehre und Frieden jedem, der das Gute wirkt“ (Röm 2,9+10). „Was irgend ein Mensch sät, das wird er auch ernten“ (Gal 6,7). Wir können die Gnade nicht als Deckmantel für das Böse gebrauchen. Das Gericht beginnt bei dem Haus Gottes (Kap 4,17). Gerade wenn wir also Gegenstände der Gnade werden, kommen wir unmittelbarer unter Gottes Regierung (Amos 3,2). Das Gericht über die Ungläubigen kann Gott bis auf die endgültige Abrechnung vor dem großen weißen Thron hinausschieben. Weil wir nicht in das endgültige Gericht kommen (Joh 5,24), muss Gottes Gericht uns hier auf der Erde treffen. Das kann sogar Krankheit und Tod bedeuten, wie es die Korinther erfahren haben (1. Kor 11,30–32). Dies ist ein sehr wichtiger Grundsatz, denn das Fleisch will gerne die Gnade missbrauchen und seinen eigenen Willen tun.

Es gab niemals eine Zeit, in der das Angesicht des Herrn nicht gegen solche gerichtet war, die Böses tun. Die Menschen der Welt mögen noch so erfolgreich sein, aber der Grundsatz bleibt wahr, und er wird seine Folgen haben. Das soll nicht heißen, dass alles auf der Erde seine gerechte Vergeltung empfängt – nicht im Entferntesten! Aber jeder Mensch empfängt gewisse Folgen seiner Taten, auch schon hier auf der Erde. Der Ungläubige wird am Schluss bei der Endabrechnung vor dem großen weißen Thron alles empfangen, was er hier auf der Erde noch nicht empfangen hat (Off 20). Der Christ wird die Folgen seiner offensichtlichen Taten alle auf der Erde empfangen.

Wie wir gesehen haben, gab es eine Zeit, und es wird bald wieder eine Zeit kommen, in der die Regierung Gottes für jeden sichtbar sein wird. Aber als Christus gekreuzigt wurde, wurden die Gerechtigkeit und das Gericht getrennt. Bald werden sie wieder vereinigt werden (Ps 85,10–13). Aber im Augenblick ist der Glaube nötig, um zu wissen, dass Gottes sittliche Regierung über der vollkommenen Verwirrung in der Welt steht, und dass Er, nach bestimmten, niemals abgeschwächten Grundsätzen darüber, was gut und böse ist, regiert. Künftig wird es für jeden vollkommen deutlich sein, was gut und böse ist. Jetzt ist Glauben nötig und Gemeinschaft mit dem Herrn, um zu wissen, was Ihm wohlgefällt, und was nicht Seinen Gedanken entspricht. Denn jetzt ist alles vermischt und ineinander verwoben, so dass es nicht so einfach ist, richtig zu unterscheiden.

Ein wichtiger Grundsatz der Regierung Gottes ist, dass man empfängt nach dem, wie man selbst handelt. „Denn wer für sein eigenes Fleisch sät, wird von dem Fleisch Verderben ernten“ (Gal 6,7+8)! Wer Wind sät, wird Sturm ernten (Hos 8,7). Wenn wir anderen gegenüber hart sind, müssen wir damit rechnen, auf irgendeine Weise Härte zu erfahren. Wie oft haben wir etwas getan, was wir früher bei anderen stark verurteilt hatten! „Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet; denn mit welchem Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden, und mit welchem Maß ihr messet, wird euch gemessen werden“ (Mt 7,1–2).

Kapitel 3 Verse 13 bis 15a: „Und wer wird euch Böses tun, wenn ihr Nachahmer des Guten werdet; aber wenn ihr auch leiden solltet um (der) Gerechtigkeit willen, glückselig (seid ihr)! Fürchtet aber nicht ihre Furcht, noch seid bestürzt, sondern heiliget den Christus als Herrn in euren Herzen.“

„Des Guten“ in Vers 13 kann sowohl „das Gute“ als auch „dem Guten“ meinen und würde sich im zweiten Fall auf den Herrn Jesus beziehen. Wenn auch in unserer Übersetzung „Nachahmer des Guten“ steht, so müsste es doch aufgrund der besseren Textzeugen „Eiferer des Guten“ heißen, woraus dann deutlich wird, dass „das Gute“ gemeint sein muss und nicht „der Gute“.

Der Mensch ist von Natur aus kein Eiferer für das Gute, im Gegenteil: „Da ist keiner, der Gutes tue, auch nicht einer“ (Röm 3,12). Aber „es ist unser großer Gott und Heiland Jesus Christus, Der Sich Selbst für uns gegeben hat, auf dass Er uns loskaufte von aller Gesetzlosigkeit und reinigte Sich Selbst ein Eigentumsvolk, eifrig zu guten Werken“ (Tit 2,14). In Kapitel 1 haben wir gesehen, wie das geschah. Im wiedergeborenen Zustand sind wir abgesondert durch Heiligung des Geistes zum Gehorsam und zur Blutbesprengung Jesu Christi (Kap 1,2–3,18; Apg 10,38). Das Blut gibt uns die Sicherheit, dass nichts mehr zwischen Gott und uns steht, so dass wir uns nicht mehr mit uns selbst zu beschäftigen brauchen. Das neue Leben in uns kann nicht sündigen und will nur das Gute tun. Durch die Kraft des in uns wohnenden Heiligen Geistes kann es das praktisch verwirklichen. So können wir „Eiferer des Guten“ (oder „für das Gute“, oder „im Guten“) sein.

Nun, wir haben in Vers 12 gesehen, dass in Gottes Regierung die Augen des Herrn auf die Gerechten und Seine Ohren auf ihr Flehen gerichtet sind. Wer könnte dann denen, die eifrig im Guten sind, Böses antun? Gottes Regierung ist zu ihren Gunsten wirksam! Normalerweise werden auch die Ungläubigen einem, der nur Gutes tut, nichts Böses zufügen wollen. Auch sie wissen es zu schätzen, wenn jemand treu und ehrlich ist, wenn er hilfsbereit, freigebig gegen Notleidende, freundlich, friedliebend usw. ist, vor allem, solange sie selbst einen Vorteil dadurch haben. In der Regel wird uns einer, dem wir Gutes tun, nichts Böses zufügen. Häufig ist jemand, der Böses beabsichtigte, entwaffnet worden durch das Gute, das ihm derjenige, dem er Böses antun wollte, erwies.

Aber dann folgt in Vers 14 eine Ausnahme, natürlich nicht, was die Regierung Gottes, sondern was die Regierung der Welt betrifft. Da herrscht die Wirksamkeit der Sünde und des Bösen und der Terror des Teufels. Also kann es sein, dass ein Gläubiger trotz seines Eifers für das Gute Böses empfängt, wie auch der Herr Selbst. Ein böses Herz kann unter der Macht Satans alle sittlichen Überlegungen verwerfen und das Gute als Heuchelei oder sogar als Bosheit auslegen (Kap 4,3+4). Wir sehen das bei dem Herrn Jesus Selbst, als Er die Dämonen austrieb. Die Pharisäer schrieben dies wider besseres Wissen der Macht des Teufels zu (Mt 12,24). Diese bösen Menschen werden versuchen, einen Bekehrten auf die früheren sündigen Wege zurückzuziehen. Wenn ihnen das nicht gelingt, werden sie ihn umso mehr hassen, verlästern und verfolgen. „Alle aber auch, die gottselig leben wollen in Christo Jesu, werden verfolgt werden“ (2. Tim 3,12)!

Die Welt wird viele der guten Dinge, die die Gläubigen tun, anerkennen, weil sie selbst Nutzen davon hat, auch wenn sie sie selbst nicht tut und sie selbst durch die guten Dinge verurteilt wird. Darum nahm der Herr Jesus zu an Gunst bei Gott und den Menschen (Lk 2,52)! Die ersten Gläubigen hatten Gunst bei dem ganzen Volk (Apg 2,47). Auch im Alten Testament sehen wir in der Geschichte mehrerer Gläubiger, z. B. bei Joseph, Daniel und seinen Freunden, wie man die Gläubigen wertschätzt, sofern sie dem Willen der Menschen nicht zuwiderhandeln. Jeder Arbeitgeber will gerne, dass er seinem Personal vertrauen kann, auch wenn er selbst nicht ehrlich ist. Aber sobald diese Ehrlichkeit ihn Geld kostet, weil der Gläubige bei unehrlichen Handlungsweisen nicht mitmacht, verhält es sich anders.

Ein Gläubiger muss nicht allein gute Dinge tun, sondern auch Gerechtigkeit ausüben. Wenn er nur Gutes tut, wird er geliebt und respektiert werden in der Welt. Aber wir müssen Sorge tragen, sowohl gerecht als auch gut zu sein. Wir müssen treu gegenüber Christus sein und sowohl die Regeln der christlichen Gerechtigkeit als auch die der christlichen Güte handhaben. Der Heilige Geist sagt uns hier, dass die Regeln der Gerechtigkeit uns Leiden verschaffen werden. Sobald wir die Besonderheit des Christentums verwirklichen und Gerechtigkeit handhaben, werden wir leiden.

Gerechtigkeit ist das Handhaben der Rechte Christi. Er ist unser Herr, und wir müssen Ihm in allem gehorchen und Seinen Willen vollbringen, d. h, nicht allein hundert Pfennige für eine Mark geben und tausend Gramm für ein Kilogramm – das natürlich auch, aber es gehört viel mehr dazu. Es bedeutet, Seine Rechte in unserem ganzen Leben wahrzunehmen, zu Hause, in unserem Umgang, in unseren Geschäften, bei unserer Arbeit, in unseren Ferien, in unserer Freizeitbeschäftigung und in unseren Hobbys usw. Nun, darin muss unsere Treue erprobt werden. Der Apostel spricht viel über Prüfungen, denn gerade hier in der Welt muss alles auf seine Echtheit geprüft werden. Er beginnt den Brief mit der Prüfung unseres Glaubens (Kap 1,7). Das ist der allgemeine Weg, auf dem die Prüfung kommt. Dann spricht er über die Prüfungen in den verschiedenen Lebensbereichen, z. B. bei Sklaven mit ungerechten Herren (Kap 2,13ff). In unserem Abschnitt stehen sie im Zusammenhang mit der Gerechtigkeit, danach mit unserer sichtbaren Treue dem Namen des Herrn gegenüber (Kap 4,12ff) und zum Schluss mit dem direkten Druck Satans (Kap 5,8ff). So hält der Apostel uns vom Anfang bis zum Ende mit der Prüfung in Verbindung. Er unterrichtet ein Volk von Fremdlingen. Solch ein Volk muss, während es durch die Welt geht, mit einer Prüfungswoge nach der anderen rechnen. Aber es gibt eine Form von Prüfungen, die wir nicht erfahren sollten. Fiel Lot in Sodom nicht in Prüfungen, die Abraham gar nicht kennen konnte? Lots Augen waren auf Sodom gerichtet. Je mehr ich mit Pech umgehe, desto schmutziger werde ich dadurch.

Das einzige, was wir haben müssen, ist ein einfältiges Auge (Mt 6,22), um dann mit einem guten Gewissen dem Herrn zu dienen. Aber wenn wir das tun, werden wir mehr als genug Widerstand erfahren. Die Folge unseres Christseins ist, dass wir ein Gewissen haben, das genau weiß, was für uns als Christen richtig ist. Wir leben in Gottes Gegenwart und sind darum im Licht. Unser Wille ist gekreuzigt. Nun finden wir viele Dinge in der Welt, die wir nicht tun können, wenn wir den Weg der Gerechtigkeit gehen. Die Welt wird diese Schwierigkeiten nicht haben. Darum werden dadurch für den Gläubigen Prüfungen und Leiden kommen.

Die Welt kann zum Beispiel nicht begreifen und es noch weniger würdigen, dass ein christlicher Geschäftsmann kein Mitglied einer Vereinigung werden will und bei bestimmten Formen der Zusammenarbeit nicht mitmachen kann, weil der Herr sagt, dass er kein ungleiches Joch mit Ungläubigen auf sich nehmen darf, und überdies, weil er keine Verantwortung übernehmen kann für das, was Ungläubige auch in seinem Namen tun, und weil das Ziel einer Fachorganisation im Widerspruch zu der Stellung eines Christen in der Welt steht. Ungläubige können es nicht begreifen, wenn ein gläubiger Arbeiter aus denselben Gründen kein Mitglied einer Gewerkschaft werden will. Das wird Verkennung, Streit und oftmals augenscheinlichen Schaden verursachen. Viele Arbeiter sind entlassen worden oder konnten bestimmte Stellungen nicht erhalten, besonders in Kanada und den Vereinigten Staaten, weil sie auch hierin Christus gegenüber treu bleiben wollten. Dann wird das Leiden für die Gerechtigkeit eine sehr fühlbare Angelegenheit.

Wir haben darin ein wunderbares Vorbild in dem Herrn Jesus; Er wurde nicht verworfen, misshandelt und gekreuzigt, weil Er schlechte Dinge getan hatte, sondern weil Er gut war und nicht an den Plänen der Führer des Volkes teilnehmen wollte. Sein vollkommenes Leben überzeugte die Juden von ihrem Zustand. Und Er, obwohl Er voll Gnade war, schwieg nicht, wenn die Rechte Gottes gewahrt werden mussten.

Aber mit diesen Leiden ist ein „glückselig“ verbunden (Mt 5,10). Der Herr verkündigte das schon dem jüdischen Überrest, als es deutlich wurde, dass das Volk Ihn nicht annehmen wollte. Wie gut passt es hierhin, wo der Apostel an denselben Überrest schreibt, nachdem der Herr endgültig verworfen war.

Der Herr nennt vier Dinge, die mit der Gerechtigkeit in Zusammenhang stehen in einer Welt, in der Er verworfen ist. Glückselig die Armen im Geist, die Trauernden, die Sanftmütigen. Aber dann heißt es: „Glückselig, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie werden gesättigt werden“ (Mt 5,3–6). Hier sehen wir die Wirksamkeit geistlicher Gefühle, das starke Verlangen nach dem, was mit Gott in Übereinstimmung steht und was den Willen Gottes wahrt. Dann fährt der Herr fort: „Glückselig die um der Gerechtigkeit willen Verfolgten“. Sieh nicht auf die Menschen, die dich verfolgen, sondern auf den Grund, weshalb du verfolgt wirst! Wenn es deswegen geschieht, weil du gehorsam gegenüber dem Willen Gottes bist, dann bist du glückselig. Fürchtest du zu sündigen? Leidest du deswegen? Glückselig bist du!

Daraus ersehen wir gleichzeitig, dass die Leiden für die Gerechtigkeit in Wirklichkeit keine Ausnahme von der Regel der sittlichen Regierung Gottes sind: dass niemand demjenigen Böses tun wird, der ein Eiferer für das Gute ist. Es ist in Wirklichkeit nur Segen. Es kann in der Tat ein Verlust des irdischen Besitzes damit verbunden sein, eben der Dinge, die für den Christen im Grunde auch nicht erstrebenswert sind. Aber das geschieht, damit gerade dadurch unser eigentlicher Besitz vermehrt wird. Wir verlieren etwas von dem Materiellen, um dafür geistliche Dinge zu erhalten, wir verlieren Zeitliches für Ewiges. Wie oft hat der Herr auch die irdischen Verluste vielfältig ersetzt. „Wahrlich, ich sage euch: da ist niemand, der Haus oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Weib oder Kinder oder Äcker verlassen hat um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der nicht hundertfältig empfange, jetzt in dieser Zeit Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker, mit Verfolgungen, und in dem kommenden Zeitalter ewiges Leben“ (Mk 10,30; Lk 18,29).

Die Worte: „Fürchtet aber nicht ihre Furcht, noch seid bestürzt, sondern heiliget den Christus als Herrn in euren Herzen“ sind wieder eine freie Wiedergabe aus dem Alten Testament (Jes 8,12+13). Einige meinen, dass aus dem Zusammenhang zu erkennen sei, wir sollten uns durch die Feinde nicht bange machen lassen. Aber m.E. ist das nicht die nächstliegende Bedeutung des Textes selbst und ebenso wenig die des Zusammenhangs, in dem diese Worte stehen. Der Vergleich mit Jesaja 8 macht überdies noch vollkommen deutlich, dass es da nicht diese Bedeutung hat. Soviel ich sehe, ist die Bedeutung dieser Worte, dass wir nicht dieselbe Furcht haben sollen wie die Feinde der Gläubigen.

Die Macht des Bösen wirkt noch immer auf der Erde; Satan ist der Fürst dieser Welt. Alle, die durch diese Kraft handeln, sind die Feinde der Gläubigen, aber sie selbst handeln unter dem Einfluss der Furcht, die Satan bewirkt. Sie fürchten sich vor den Dingen um sie her, vor den Dingen, die kommen werden, vor den Folgen ihrer Taten und vor den Folgen dessen, was sie nicht tun. Satan herrscht durch Furcht (Heb 2,15). Unter dem Gericht Gottes stimmt das besonders für die Juden. „In ihr Herz werde ich Feigheit bringen in den Ländern ihrer Feinde, und es wird sie jagen das Rauschen eines verwehten Blattes, und sie werden fliehen, wie man vor dem Schwerte flieht, und fallen, obwohl niemand sie jagt ...“ (3. Mo 26,36). – „Unter jenen Nationen wirst du nicht rasten, und deine Fußsohle wird keine Ruhestätte finden, und der HERR wird dir daselbst ein zitterndes Herz geben, erlöschende Augen und Verschmachten der Seele. Und dein Leben wird schwebend vor dir hangen, und du wirst dich fürchten Nacht und Tag und deinem Leben nicht trauen ...“ (5. Mo 28,65).

Die Gläubigen, an die Petrus schrieb, gehörten vor ihrer Bekehrung zu diesen Juden unter dem Gericht. Aber sie hatten die Stimme des Herrn Jesus gehört, Der sagte: „Kommet her zu mir alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben“ (Mt 11,28). Als sie zu Ihm kamen, empfingen sie nicht allein Ruhe für ihr Gewissen, sondern auch Seine Ruhe, die Ruhe, die Er in dem täglichen Lauf der Dinge Seines Lebens auf der Erde hatte (Joh 14,27). Er konnte zu Seinem Gott sagen: „Ich aber wusste, dass du mich allezeit erhörst“ (Joh 11,42). Weil sie Sein Werk kannten und daran glaubten, war ihr Gewissen gereinigt (Heb 9,14), und der Heilige Geist hatte den Glauben versiegelt, so dass sie jetzt zu Freiheit und geistlicher Kraft gebracht waren (Eph 1,7+13; Heb 10,14). Die Liebe Gottes war in ihre Herzen ausgegossen durch den Heiligen Geist, Der ihnen gegeben war (Röm 5,5), und so wussten sie jetzt, dass alle Dinge zum Guten mitwirken sollten, weil der dreieinige Gott für sie war (Röm 8,28–39).

Wenn sie um der Gerechtigkeit willen leiden mussten, brauchten sie darum nicht die Furcht vor den Folgen ihrer Taten zu haben, die die Ungläubigen empfanden. Ungläubige haben diese Furcht sowohl was ihre eigenen Taten angeht als auch die Taten der anderen. Sie können nicht begreifen, dass Gläubige dies nicht kennen. Darum werden sie ihnen Angst machen wollen vor den Folgen, die das Einstehen für die Gerechtigkeit, für die Rechte des Herrn, nach sich zieht. Aber Furcht vor den Folgen des Gehorsams gegen den Herrn – vor den Folgen der Wahrung Seiner Rechte – ist nur Unglaube. Wenn wir dem Herrn Seinen Platz in unserer Seele geben, ist da kein Platz mehr für die Furcht, die der Feind erweckt. Wenn das Herz sich der Gegenwart Gottes bewusst ist, kann es sich vor der Macht des Feindes nicht fürchten! Das ist das Geheimnis der Freimütigkeit und des Friedens bei dem Bekennen zu dem Herrn – nicht allein in Worten, sondern in allen unseren Taten, in unserem ganzen Leben.

Jesaja fährt fort: „Der HERR der Heerscharen, den sollt ihr heiligen; und er sei eure Furcht, und er sei euer Schrecken. Und er wird zum Heiligtum sein“ (Jes 8,12+13). Petrus wiederholt das nicht. Er hat sie schon darauf hingewiesen (Kap 2,15–17). Der Herr Selbst hat gesagt: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, aber die Seele nicht zu töten vermögen; fürchtet aber vielmehr den, der sowohl Seele als Leib zu verderben vermag in der Hölle“ (Mt 10,28; Lk 12,4). Was müssen wir tun, wenn wir für die Rechte des Herrn leiden? „Heiliget den Christus als Herrn in euren Herzen!“ Das Leiden bringt uns nur ein bisschen näher zu Gott, zu Ihm, Der unser Heiligtum sein will. Druck von außen bringt den Gläubigen in das Heiligtum der göttlichen Gegenwart. Und wie wir gleich sehen werden, kommt er dort mit vollem Frieden für Herz und Gewissen wieder heraus, um jedem mit Sanftmut und Furcht Rechenschaft zu geben von der Hoffnung, die in ihm ist.

Ich glaube nicht, dass der Ausdruck „Christus der Herr“ genau wiedergibt, was das Griechische sagt. Zunächst steht da vor „Herr“ kein Geschlechtswort, und vor Christus schon. Und dann steht „Herr“ da als erstes Wort des Satzes, wodurch angegeben wird, dass darauf der Nachdruck fallen muss. Ich glaube denn auch, dass die beste Übersetzung ist „(der) Herr, der Christus“, wie auch bei John Nelson Darby und Van Nes, siehe Fußnote in der Elberfelder Übersetzung. Weil das aber kein gutes Deutsch ist, habe ich „Christus als Herr“ geschrieben, ebenso wie Kelly, Greijdanus, Alford und andere. Die Bedeutung der Worte ist deutlich.

In Jesaja 8 steht „der HERR der Heerscharen“. Petrus übernimmt diese Worte, aber er will dazu sagen, dass der Herr Jesus, der Christus, der HERR der Heerscharen ist. Das Fehlen des Artikels vor „Herr“ bestätigt, dass hier der HERR gemeint ist, also dass der Herr Jesus Gott ist. Er, Der von Gott Gesalbte (der Christus), ist der HERR der Heerscharen. Ihn müssen wir in unseren Herzen heiligen. Wir wissen, dass heiligen „absondern“ bedeutet. Der Herr, Gott, muss Seinen wahren Platz in meinem Herzen, meinen Gefühlen haben. Ihn nur äußerlich zu ehren und als Herrn anzuerkennen, ist Gott nicht wohlgefällig und ein Fallstrick für uns selbst. Er muss die heilige Stellung, die Ihm als Herrn zukommt, haben, d. h. dass unser Herz Ihm ganz gehören muss, denn Er hat als Herr ein Recht darauf.

Das Herz spricht von unserer Liebe, von unseren Gefühlen. Es geht hier also nicht um die Erkenntnis, die wir von der Stellung haben, die Christus zukommt, sondern um die Stellung, die Ihm in unserer Liebe, in unseren Herzen zukommt. Von den Geschöpfen wird verlangt: „Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft“ (5. Mo 6,5). Wenn dem Herrn als Schöpfer dieser Platz in den Gefühlen jedes Menschen zukommt, wie viel mehr dann als Erlöser. „Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat“ (1. Joh 4,19). Er ist: „der Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat (Gal 2,20).

Aber wenn Er unser Herz ganz und gar einnimmt, ist da kein Platz für Dinge, die nicht seinem Wohlwollen entsprechen. Dann ist es ganz erfüllt mit Gottes Liebe und Heiligkeit. Dann tragen wir Sorge, dass Sein Name und Sein Dienst nicht durch uns entehrt werden. Aber dann werden wir auch durch die mächtige Hand, die alles vom Thron des Vaters aus regiert, unterstützt werden. Wir sind versetzt in das Reich des Sohnes der Liebe Gottes (Kol 1,12)! Wo ist das Herz, in dem der Herr Seinen vollkommenen Platz in Liebe und Kraft hat, das sich ausschließlich für Ihn bewahrt, nicht nur im Dienst, sondern auch in den Gefühlen? Alles, was in der Welt ist, ihre Vergnügungen, ihre eitlen Dinge, berauben Gott Seiner Herrlichkeit in uns (1. Joh 2,16). Das ist die Ursache unserer Schwachheit, denn Christus ist dann nicht geheiligt als Herr in unseren Herzen.

Können wir sagen, dass der Herr heute, gestern, vorgestern, Seinen wahren Platz in unseren Herzen hatte? Was ist die Folge, wenn wir dies verneinen müssen? Gehen wir ohne nachzudenken darüber hinweg? Die Folge wird Schwachheit sein. Wir müssen es mit einem beunruhigten Gewissen empfinden, um es dann als Schuld vor dem Herrn zu bekennen. Dann wird Er Kraft zum Zeugnis geben. Der Ort des Selbstgerichts ist der Ort, an dem die Gerechtigkeit verwirklicht wird.

Kapitel 3 Verse 15b und 16: „(Seid aber) jederzeit bereit zur Verantwortung gegen jeden, der Rechenschaft von euch fordert über die Hoffnung, die in euch ist, aber mit Sanftmut und Furcht; indem ihr ein gutes Gewissen habt, auf dass, worin sie über euch als Übeltäter reden, die zu Schanden werden, welche euren guten Wandel in Christo verleumden.“

Welch eine wunderbare Stellung haben wir. Der Druck von außen treibt den Christen ins Heiligtum der göttlichen Gegenwart. Von dort kommt er in vollem Frieden des Gewissens wieder heraus, um auf jede Frage in Sanftmut und Furcht zu antworten, indem er sanftmütig in seinem Auftreten und ehrfurchtsvoll gegenüber Gott und Menschen ist und stets ein gutes Gewissen vor Gott hat.

Das ist das Geheimnis der Freimütigkeit und des Friedens, wenn wir die Autorität Christi bekennen. Die Werkzeuge des Feindes suchen uns zum Schweigen zu bringen und uns durch ihre Anmaßungen zu verblüffen; aber das Bewusstsein der Gegenwart Gottes lässt all ihre Vorstellungen wirkungslos werden: Indem wir in der Kraft Seiner Gegenwart ruhen, sind wir bereit, jedem, der uns nach dem Grund unserer Hoffnung fragt, in Sanftmut und heiliger Ehrfurcht, ohne jede Leichtfertigkeit zu antworten.

Das griechische Wort für Verantwortung (apo-logia) war ein Ausdruck, der in der Rechtsprechung für die Verteidigungsrede des Rechtsanwalts angewendet wurde, wenn er im Gericht gegen eine gegenüber seinen Klienten vorgebrachte Beschuldigung das Wort ergriff. Es kommt im Neuen Testament vor in Apg 22,1; 25,16; 1. Kor 9,3; 2. Kor 7,11; Phil 1,7+16; 2. Tim 4,16 und an dieser Stelle. Die angeführten Stellen lassen klar die Bedeutung erkennen. Es geht um Verteidigung, Rechtfertigung. Petrus denkt also an eine verteidigende Rechtfertigung der Lebensoffenbarungen des Gläubigen, die auf die Zukunft gerichtet sind – auf die Hoffnung, die in uns ist.

Das griechische Wort für „Rechenschaft“ (logos) bedeutet sowohl „Begründung“ als auch „Antwort“. Es kommt unter anderen in Mt 12,36; Lk 16,2; Apg 19,40 und 1. Pet 4,5 vor. Diese Rechenschaft fordern ist eine Frage, die eine rechtfertigende Verteidigung (apo-logia) erwartet. Petrus ermahnt, nicht nur willig, sondern auch „bereit“ zu sein, eine solche Antwort jedem zu geben, der an uns eine solche Frage richtet. Um das tun zu können, dürfen wir nicht gedankenlos, sondern müssen wir bewusst leben. Wir müssen vor uns selbst klar darüber sein, was das eigentliche Teil der Christen ist. Sind wir das nicht, so können wir nicht in jedem Augenblick feindlichen Menschen eine „Verantwortung“ geben, denn aus dem Zusammenhang wird meines Erachtens sehr deutlich, dass hier hauptsächlich über das Verhalten den Feinden gegenüber gesprochen wird. Zunächst gilt das gegenüber richterlichen Instanzen in Verfolgungszeiten; aber darüber hinaus gegenüber jedem. Lk 16,2 gibt dafür ein deutliches Bild. Der Verwalter war angeklagt, die Güter seines Herrn durchgebracht zu haben, der darauf zu ihm sagte: „Lege Rechnung (logos) von deiner Verwaltung ab“. Der Verwalter musste nun mit einer „Verantwortung“, einer apo-logia, antworten.

Wenn wir dann aber wirklich den Christus als Herrn in unseren Herzen geheiligt haben, welch einen Grund können wir dann für die Hoffnung, die in uns ist, angeben! Wenn Er der Gegenstand unseres ganzen Herzens, unserer ganzen Liebe ist, dann geht es uns wie den Kindern Korahs, die mit einem Lied der Liebe antworteten: „Es wallt mein Herz von gutem Worte. Ich sage: Meine Gedichte dem Könige. Meine Zunge sei der Griffel eines fertigen Schreibers! Du bist schöner als die Menschensöhne, Holdseligkeit ist ausgegossen über deine Lippen; darum hat Gott dich gesegnet ewiglich...“.

„Höre, Tochter, und sieh, neige dein Ohr und vergiss deines Volkes und deines Vaters Hauses! Und der König wird deine Schönheit begehren; denn er ist dein Herr, so huldige Ihm“ (Ps 45)! So antwortet auch die Braut im Hohelied auf die Frage, was ihr Geliebter vor anderen Geliebten sei: „Mein Geliebter ist weiß und rot, ausgezeichnet vor Zehntausenden! Sein Gaumen ist lauter Süßigkeit, und alles an ihm ist lieblich“ (Hld 5,9)!

Wenn der gläubige Überrest aus Israel bald so von dem Herrn Jesus sprechen wird – denn das wird prophetisch in Psalm 45 und im Hohelied vorgestellt – wie wird unser Herz dann von Ihm sprechen, wenn es wirklich ganz von Ihm erfüllt ist! Wir sind ja so unendlich viel näher zu Ihm gebracht und kennen Ihn auch unendlich viel besser als der Überrest! Welch eine „Verantwortung“ haben wir als Seine Geschöpfe. Was kann dem Herzen eines jeden Menschen, ja dem Herzen Gottes selbst mehr Befriedigung geben, als der Herr Jesus und Sein Erlösungswerk? Wir haben in Ihm Gerechtigkeit empfangen; ja, wir sind in Ihm die Gerechtigkeit Gottes (2. Kor 5,21; 1. Kor 1,30) und erwarten durch den Geist aus Glauben die Hoffnung der Gerechtigkeit (Gal 5,5), das ist die himmlische Herrlichkeit mit Christus.

Die Heiden aus der ganzen Provinz wussten, dass die Neubekehrten aus Thessalonich sich von den Götzen zu Gott bekehrt hatten, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen und um Seinen Sohn aus den Himmeln zu erwarten (1. Thes 1,9). Sie erwarteten „die glückselige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Heilandes Jesus Christus, der sich selbst für uns gegeben hat, auf dass er uns loskaufte von aller Gesetzlosigkeit und reinigte sich selbst ein Eigentumsvolk, eifrig in guten Werken“ (Tit 2,13).

Und derselbe Apostel ermahnt: „Lasst uns das Bekenntnis der Hoffnung unbeweglich festhalten, denn treu ist er, der die Verheißung gegeben hat“ (Heb 10,23). Und Petrus selbst hat über die lebendige Hoffnung, über das unverwesliche, unverwelkliche Erbteil, das in den Himmeln für uns aufbewahrt wird und über die Errettung, die bereit ist, bald geoffenbart zu werden, geschrieben (Kap 1,3–5).

Aber wir haben gesehen, dass wir Christus als Herrn in unseren Herzen heiligen müssen. Dann ist Er der Grundsatz unseres ganzen praktischen Lebens; denn dann ist alles, was wir tun und lassen, also alles, was die Welt von uns sieht, auf Seinen Willen und auf unseren Gehorsam Ihm gegenüber gegründet. Dann ist unsere Hoffnung die Hoffnung auf jene wunderbare Zeit, wo sich jedes Knie der Himmlischen, der Irdischen und der Unterirdischen vor Ihm beugen und jede Zunge bekennen wird, dass Jesus Christus Herr ist zur Verherrlichung Gottes des Vaters (Phil 2,9–11). Ein durchgehender Grundsatz in der Schrift lautet, dass unser Bekenntnis zu dem Herrn, das Bekenntnis Seines „Hier seins“, Seiner Autorität ist (Röm 10,9; 1. Kor 1,2).

Das macht auch deutlich, warum wir bereit sein müssen, jedem von der Hoffnung, die in uns ist, Rechenschaft abzulegen; denn Christus steht nicht allein mit den Gläubigen in Verbindung.

Er ist das Haupt jeden Mannes (1. Kor 11,3). Er kaufte nicht allein den Schatz im Acker, sondern den ganzen Acker und der Acker ist die Welt (Mt 13,38+44). Der Vater hat Ihm Macht gegeben über alles Fleisch (Joh 17,2). Darum wird bald jede Zunge bekennen, dass Er Herr ist und jedes Knie wird sich vor Ihm beugen. Darum wird auch von falschen Lehrern gesagt, dass sie „den Gebieter (despotes) verleugnen, der sie erkauft hat“, und dass sie „unseren alleinigen Gebieter (despotes) und Herrn (Kyrios), Jesus Christus, verleugnen“ (2. Pet 2,1 + Jud 4).

Ein „Despotes“ (Gebieter) ist der Herr über Sklaven, die er gekauft hat und über die er nach Leib und Leben bestimmen kann. Unser Wort „Despot“ ist davon abgeleitet.

Jeder Mensch auf der Erde ist also verpflichtet, Ihm zu dienen und Ihm gehorsam zu sein. Kein Ungläubiger tut das (Röm 3,12). Aber wenn wir in unserer „Verantwortung“ vor ihnen sagen, dass Er unser Herr ist und dass wir aus Gehorsam gegen Ihn so handeln und so unser Leben führen und dass wir Ihn aus dem Himmel als Herrn erwarten, vor Dem sich jedes Knie beugen wird, dann ist das ein starkes Zeugnis für ihr Gewissen in Bezug auf das, was auch jetzt schon ihre Pflicht ist.

Petrus schreibt hier also nicht über Evangelisation, sondern über das Bekenntnis unseres Mundes von dem, was in unserem Leben gesehen werden muss: dass wir nicht aus uns selbst heraus sind, sondern um einen Preis erkauft wurden (1. Kor 6,20) und dementsprechend keinen eigenen Willen haben, sondern nur tun, was unser Herr uns aufträgt.

Aber die Schrift sagt uns nicht nur, was wir tun müssen, sondern auch wie und in welchem Geist. Wir haben unser Bekenntnis in „Sanftmut und Furcht“ abzulegen. Als Zeugnis von Dem, der sanftmütig und von Herzen demütig ist (Mt 11,29), und angesichts der Gnade, die uns arme, verlorene Sünder in solche wunderbare Stellung mit solch einer wunderbaren Hoffnung gebracht hat, muss es ein sanftmütiges Bekenntnis sein, wenn es nicht in vollkommenem Widerspruch zu dessen eigenem Inhalt stehen soll. Aber es soll auch in Furcht abgelegt werden – selbstverständlich nicht in Furcht vor Menschen, sondern vor Gott und in der Furcht, den Gott aller Gnade (Kap 5,10) falsch darzustellen. Sie resultiert aus dem Misstrauen gegenüber uns selbst, und weil wir wissen, wie schwach wir unser Bekenntnis in der Praxis verwirklichen. Der Inhalt des Bekenntnisses soll nicht durch die Art und Weise, in der wir es ablegen, abgeschwächt werden. Das menschliche Herz versucht unter dem Einfluss Satans alles aufzugreifen, was ihm hilft, sich vor dem Zeugnis Gottes von seiner Schuldigkeit Ihm gegenüber zu verbergen.

Aber unsere Verantwortung muss mit einem guten Gewissen vereint sein. Wenn ich das nicht habe, kann ich weder vor Satan noch vor Menschen standhaft bleiben. Ich bin dann vollkommen kraftlos. Wir können mit einem schlechten Gewissen zu Gott gehen und bekennen, was nicht gut ist (1. Joh 1,9). Wir werden dann Seine Barmherzigkeit erfahren, indem Er vergibt, was nicht gut ist. Seine Gnade wird uns aufs Neue das Bewusstsein der Reinigung und Vergebung schenken. Aber solange wir ein böses Gewissen haben, fürchten wir uns vor dem Feind und können ihm nicht widerstehen. Wir fürchten seine Bösartigkeit, weil wir das Bewusstsein von der Nähe Gottes und Seiner Kraft verloren haben. Leben wir dagegen vor Gottes Angesicht und haben wir wirklich Christus als Herrn in unseren Herzen geheiligt, dann fürchten wir nichts, weil unser Herz frei ist. Wir brauchen dann nicht an uns selbst zu denken, sondern können uns allein mit Gott beschäftigen. Wir haben dann volle Freimütigkeit, uns wegen der Hoffnung, die in uns ist, zu verantworten und diejenigen, vor denen wir uns verantworten, können unser Zeugnis nicht deshalb abweisen, weil sie verkehrte Dinge an uns sehen.

Paulus sagte: „Darum übe ich mich auch, allezeit ein Gewissen ohne Anstoß zu haben vor Gott und Menschen“ (Apg 24,16). Der Schild des Glaubens ist das Vertrauen auf Gott, aber der Brustharnisch der Gerechtigkeit ist das praktische Bewusstsein, dass ich nichts gegen den Willen des Herrn Jesu, oder worauf die Menschen den Finger legen könnten, getan habe (Eph 6,14).

Der letzte Teil von Vers 16 stimmt fast wörtlich mit Kapitel 2,12 überein. Bei einigen Handschriften finden sich die Worte: „als Übeltäter“ nicht. Obwohl sie in den meisten und wichtigsten Handschriften stehen, denken doch viele, dass sie ursprünglich nicht dagestanden haben, sondern eingefügt wurden, um den Vers an Kapitel 2,12 anzugleichen. Die Bedeutung des Verses wird dadurch aber nicht verändert.

Ein Christ, der seinen Weg mit dem Herrn geht und freimütig Zeugnis ablegt, wird ein Stachel für die Ungläubigen sein. Sie können die Quelle seines Lebens nicht erfassen und vieles, was er tut und sagt, verurteilt sie. So werden sie geneigt sein, sich selbst zu entschuldigen und ihre eigenen Gewissen zu beschwichtigen, indem sie dem Christen verkehrte Motive unterschieben und auch behaupten, er tue die schlechten Dinge im Verborgenen (Kap 4,4). Wir wissen, wozu das menschliche Herz fähig ist. Wir haben es leider an uns selbst erfahren.

Aber wenn wir in Gehorsam vor dem Herrn unseren Weg gehen, werden ihre bösen Unterstellungen niemals Wirklichkeit werden. So sollen die Widersacher zuschanden werden, wenn sie solche gelästert haben, an deren Verhalten nichts auszusetzen und gegen die nichts vorzubringen war. Dies Lästern wird ihnen zur eigenen Schande werden, weil sie als Lästerer offenbar werden. Überdies wird gerade das, worin sie uns lästern, trotz allem zu ihren eigenen Gewissen reden und sie zum Schweigen bringen (siehe die Betrachtungen zu Kap 2, 12+15+16).

Kapitel 3 Vers 17: „Denn (es ist) besser, wenn der Wille Gottes es will, für Gutestun (zu leiden), als für Bösestun.“

Das Wort „denn“ verbindet diesen Satz mit dem „guten Gewissen“ und dem was folgt in Vers 16. Wenn wir kein gutes Gewissen haben, müssen wir leiden. Die Menschen werden über das Verkehrte, das wir getan haben, sprechen, und vielleicht werden wir sogar von der Obrigkeit Strafe empfangen. Aber überdies wird Gott uns in Seiner Regierung entgegentreten (Kap 3,12b).

Es ist gut, dass wir für Bösestun leiden müssen. Wie dankbar müssen wir sein, dass Gott uns nicht loslässt, wenn wir von Ihm abweichen, dass Er zulässt, dass wir die Folgen unserer Unbedachtheit tragen müssen, damit wir lernen, dass es falsch ist. In dem Leiden für böse Handlungen liegt eine heilsame, wiederherstellende Erziehung (Spr 19,25; Ps 119,67), aber es liegt keine Ehre darin.

Leiden für Gutestun ist besser. Dann ruht der Geist der Herrlichkeit und der Geist Gottes auf uns (Kap 4,14; Phil 1,29), und Christus, das große Vorbild im Leiden für Gutestun wird in uns gesehen. Die Zeitform, in der „Gutestun“ im Griechischen steht (part. praes.) weist auf ein fortwährendes Handeln hin.

Wir leben in einer Welt, die von Gott abgefallen ist und sich aus Menschen mit sündigen Naturen zusammensetzt, die sich im Aufstand gegen Gott befinden. Aber mehr als das. Satan ist der Gott dieser Welt (Joh 12,31) und der Gott dieses Zeitlaufs (2. Kor 4,4) und wir als Gläubige sind durch Christus aus dieser gegenwärtigen bösen Welt herausgezogen (Gal 1,4). So sind wir in der Welt, während wir doch nicht von der Welt sind (Joh 17,15). Wir sind bekehrt, um dem lebendigen Gott zu dienen (1. Thes 1,9) und haben den Herrn Jesus als Herrn anerkannt und angenommen. Wir leben inmitten von Menschen, die tot sind in ihren Vergehungen und Sünden, in welchen sie leben nach dem Zeitlauf dieser Welt, nach dem Fürsten der Gewalt der Luft, des Geistes, der jetzt wirksam ist in den Söhnen des Ungehorsams (Eph 2,1–3).

Wie konnte es anders sein, als dass der Fürst dieser Welt uns hasst und seine Untertanen ebenso. Der Wille des Gottes, gegen den sie sich im Aufruhr befinden, ist der Ausgangspunkt unseres praktischen Lebens und so sind wir Dornen im Fleisch des menschlichen Zusammenlebens. Wenn Gott es nicht verhinderte, würden alle Gläubigen ausgerottet werden, wie man auch den Herrn ermordet hat. Je mehr wir im „Gutestun“, d. h. in Gehorsam gegen den Herrn handeln, umso mehr werden Satan und seine Anhänger uns hassen.

Aber wir sind sicher, weil niemand uns etwas tun kann, wenn Gott es nicht zulässt. Satan weiß das. Aber zuweilen lässt Gott es zu, dass wir leiden (Hiob 1,9–11). Das ist lange nicht immer der Fall, wie das Wörtchen „wenn“ in unserem Vers erkennen lässt. Aber in Seiner Liebe und Weisheit will Gott es zuweilen. Wir sehen das bei Hiob. Gott Selbst macht Satan auf Hiob aufmerksam und erlaubt ihm, Hiob leiden zu lassen. Und was ist das Ergebnis? Satan erleidet eine schmachvolle Niederlage; Hiob überwindet ihn. Welch eine Ehre war das für Hiob! Wie wurde Gott darin verherrlicht! Und Gott in Seiner Weisheit lässt das Leiden für Hiob zum großen Segen ausschlagen (Hiob 2,3+10 und 42)!

Es gibt noch eine andere Quelle des Leidens, aus der jeder Gläubige trinken muss. Er hat in der Wiedergeburt eine göttliche Natur empfangen (Joh 3,5; 2. Pet 1,4) und die muss in der sündigen Sphäre des menschlichen Zusammenseins leben, worin die Sünde und ihre Folgen in allem gesehen und gefühlt werden. Dieses Leiden sehen wir in Vollkommenheit in dem Herrn Jesus, wenn er klagt, Er sei einem Pelikan (ein Wasservogel) in der Wüste, und einer einsamen Eule auf dem Dache gleich geworden (Ps 102,6+7). Aber es ist auch unser Teil, wenn wir es auch nicht so vollkommen empfinden, weil unser Gefühl durch unsere vielfältige praktische Gemeinschaft mit Sünde abgestumpft ist. Das sind die Leiden unserer neuen Natur, die durch das Anschauen, Hören und Erfahren all der Unreinheit und Abscheulichkeit der Sünde und ihrer Folgen entstehen.

Kapitel 3 Vers 18: „Denn es hat auch Christus einmal für Sünden gelitten, (der) Gerechte für (die) Ungerechten, auf dass er uns zu Gott führe, getötet nach (oder: in) (dem) Fleische, aber lebendig gemacht nach (oder: in) (dem) Geiste.“

Das Wörtchen „ja“ (wörtlich: „auch“) verbindet Christus und uns als Leidende. Aber es ist als Gegenüberstellung gemeint und nicht, um uns Christus als Vorbild dafür hinzustellen, dass Leiden für Gutestun besser sind als für Bösestun, wie dieser Vers meistens ausgelegt wird. Es geht hier nicht um das Leiden für das Gute, sondern für das Böse, für die Sünde. Und welch eine moralische Kraft liegt dann in diesen Worten.

Jeder fühlt, dass es moralisch (sittlich) besser ist, für gute Handlungen als für böse Taten zu leiden. Aber welch einen Beweggrund nennt uns der Heilige Geist hier. Sofern es uns Gläubige betrifft, ist es die Aufgabe Christi und nicht unsere Aufgabe gewesen, für unsere Sünden zu leiden. Wir sollen nur für Gerechtigkeit oder für den Namen des Herrn leiden, wenn Gott es in Seiner Regierung will. Es war allein Seine Gnade und Seine Herrlichkeit, das Gericht Gottes über unsere Sünden zu tragen. Er hat es vollkommen getan. Er trug das volle Gericht eines heiligen, die Sünde nicht schonenden Gottes über unsere Sünden und unsere Sünde, unsere sündige Natur, und das ausdrücklich, damit wir es nicht mehr nötig haben. Er hat es auch vollkommen getan, für uns ist nichts zu tun übrig geblieben. „Denn mit einem Opfer hat er auf immerdar vollkommen gemacht, die geheiligt werden“ (Heb 10,14). Er ist einmal, in der Vollendung der Zeitalter, geoffenbart worden zur Abschaffung der Sünde durch Sein Opfer (Heb 9,26).

Nein, Er litt nicht für eigene Sünden (1. Pet 2,22). Er war (der) Gerechte (2. Kor 5,21; Apg 3,14). Das Fehlen des Artikels im Griechischen weist darauf hin, dass der Nachdruck auf „gerecht“ zu legen ist. Und dieser Gerechte litt für Ungerechte. Haben es unsere Gewissen nicht restlos anerkannt, dass wir Ungerechte waren, als wir uns selbst im Licht Gottes sahen? Niemand konnte Ihm in dem Augenblick folgen, wo Er unsere Sünden an Seinem Leibe an dem Holz trug und dort dem Gott begegnete, Der ein verzehrendes Feuer ist (Heb 12,29) und Der die Sünde hasst. War es nicht besonders für Ihn wahr: „Furchtbar ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen“ (Heb 10,31)?

Er hat das Leiden freiwillig auf Sich genommen, „auf dass Er uns zu Gott führe“. Gott hatte uns lieb; aber unsere Sünden machten es Ihm unmöglich, mit uns Gemeinschaft zu haben (Jes 59,2). Wir hassten Gott und mussten erst versöhnt werden (2. Kor 5,20). Aber das Leiden Christi reichte für unseren Zustand aus und entsprach vollkommen den Forderungen der Herrlichkeit Gottes. Er nahm all das schreckliche Leiden auf Sich, um uns zu Gott zu führen. Wir sollten nicht nur nicht verloren gehen, sondern auch in die Gegenwart Gottes gebracht werden, um dort alles zu genießen, was in Gottes Gegenwart zu finden ist: aber noch mehr, wir sollten Gott Selbst genießen. „Gott ist Licht und gar keine Finsternis ist in Ihm“ (1. Joh 1,5). „Einst wart ihr Finsternis, jetzt aber Licht in dem Herrn“ (Eph 5,8)! Wir sind „fähig gemacht zu dem Anteil am Erbe der Heiligen in dem Licht [...] versetzt in das Reich des Sohnes Seiner Liebe“ (Kol 1,12+13). Wir sind zwar noch nicht im Himmel, aber vollkommen würdig, in ihn einzugehen und also auch würdig, bei Gott zu sein. Wir sind „nahe gebracht“ (Eph 2,13). Wir haben Seine Natur empfangen, dürfen und können Seine Liebe, ja Ihn Selbst genießen, denn der Sohn hat Ihn vom Schoß des Vaters aus vollkommen geoffenbart, vom Herzen des Vaters aus der Quelle der Liebe, die uns dahin gebracht hat (Joh 1,18). In der vollen Bedeutung des Wortes wird das also erst erfüllt sein, wenn wir zu Gott in Seine Wohnung, in das Haus des Vaters (Joh 14,2) gebracht sind. Dem Grunde nach sind wir jetzt schon zu Gott gebracht, in dem der Heilige Geist in uns wohnt. „Er bleibt bei euch und wird in euch sein“ (Joh 14,17). Er ist die göttliche Kraft, durch die wir jetzt schon in lebendiger Verbindung mit dem Himmel stehen und so sämtliche himmlischen Segnungen, ja Gott Selbst genießen können (Joh 4,14; 7,38). Das ist es, was Johannes uns vorstellt. Paulus fügt hinzu, dass wir auf Grund des Werkes des Herrn Jesu jetzt schon den freien Zugang ins Heiligtum haben (Heb 10,19) und dass wir in Christus in den Himmel versetzt sind (Eph 2,6) und im Glauben jetzt schon die himmlischen Segnungen in Besitz nehmen können. Petrus hat uns bereits gesagt, dass wir ein heiliges Priestertum sind, um geistliche Schlachtopfer darzubringen (Kap 2,5). Es gibt keinen Priester mehr zwischen Gott und uns (Joh 16,23). In dem Lied Moses und der Kinder Israel werden beide Gedanken im Bild vorgestellt.

„Du hast durch deine Stärke das Volk geführt zu deiner heiligen Wohnung.“

„Du wirst sie bringen [...] zu deiner Wohnung, dem Heiligtum, das deine Hände bereitet haben“ (2. Mo 15,13+17). Dazu kommt die praktische Verwirklichung. Solange wir die Salbung des Heiligen (1. Joh 2,20) nicht empfangen haben, also solange der Heilige Geist nicht in uns wohnt, kennen wir Gott nicht als Vater. Danach aber zeugt der Geist, dass wir Kinder Gottes sind und wir sagen: „Abba Vater“ (Röm 8,16)! Aber es kommt darauf an, inwieweit wir praktisch in unseren Herzen das verwirklichen, was wir in Joh 4 und 7 und in Eph 2 gesehen haben.

Wie trifft dieses Argument des Heiligen Geistes durch Petrus unsere Herzen! Wenn wir auf das Leiden Christi für unsere Sünden und auf das Ziel, das Er dabei im Auge hatte, sehen, ist es für uns doch vollkommen deutlich, dass wir für die Sünde nicht mehr zu leiden brauchen. Wenn wir jetzt noch sündigen, bringt uns das praktisch aus der Gegenwart des Vaters. Und in Gottes Regierung über diese Erde müssen wir das Gericht über unsere offenbaren Sünden tragen (1. Kor 11,30). Aber welche Unehre bedeutet es für Den, Der uns von der Macht der Sünde befreit und uns Sein eigenes Leben als unsere neue Natur gegeben und dafür all das Leiden auf Sich genommen hat! Welch einen Preis hat Er dafür bezahlt!

In 3. Mose 4 bis 6 finden wir den gleichen Gedanken. Wenn ein Gläubiger, einer vom Volk Gottes sündigte, musste er seine Schuld bekennen und ein Sünd- oder Schuldopfer bringen. Nein, das Blut des Herrn wird nicht aufs Neue auf den Gläubigen angewendet. Das ist ein für allemal geschehen, als er seine Zuflucht zu dem Herrn nahm. Aber er muss zurückblicken zum Kreuz, um dort all die Leiden des Herrn für diese Sünde, die er gerade begangen hat, zu sehen. Das macht ihm bewusst, wie schrecklich die Sünde ist. Wir lernen den wahren, schrecklichen Charakter der Sünde nur kennen, wenn wir sehen, wie schrecklich das Gericht Gottes darüber war und wie der Herr darunter leiden musste. Das bringt unsere Herzen zu wirklicher Demütigung und zum Schuldbekenntnis und bewirkt in uns Abscheu gegenüber der Sünde.

Das Leiden des Herrn hatte also als Ziel, uns zu Gott zu bringen. Jetzt beschreibt der Apostel die Art und Weise, wie das zustande kam. Es ist der Tod und die Auferstehung des Herrn. Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht ererben (1. Kor 15,50). Wir müssen durch den Tod in ein Auferstehungsleben eingehen, das nicht mehr durch den Tod und die Verwesung angetastet werden kann und das für den Himmel passend ist. Aber der Tod ist das Gericht Gottes über die Sünde. Christus musste also für uns durch den Tod gehen, damit wir in Ihm durch den Tod könnten (Röm 6,3–9).

Und Er musste auferweckt werden, damit Er als der Auferstandene uns Sein eigenes Auferstehungsleben geben konnte (Kap 1,3+4; Joh 20,22). Aber das lässt den Apostel Petrus gleichzeitig an die Schuld der ungläubigen Juden und an die Wege der Regierung Gottes mit ihnen denken. Im 2. Brief wird er das ausführlicher behandeln, weil dieser die Wege der Regierung mit den Bösen zum Thema hat.

Aber obwohl in unserem Brief die Wege der göttlichen Regierung im Hinblick auf das Volk Gottes behandelt werden, bringt er den anderen Punkt noch kurz damit in Verbindung. Was Gottes Regierung betrifft, haben die Juden Christus getötet. Das griechische Wort für „getötet“ bedeutet nicht nur sterben, sondern gewaltsames Töten. Es kommt im Neuen Testament vor in Mt 10,21; 26,59; 27,1, Mk 13,12b; 14,55; Lk 21,16; Röm 7,4; 8,13+36; 2. Kor 6,9 und an dieser Stelle. Aus Mt 26 und 27 und aus Mk 14,55 sehen wir, dass Petrus dasselbe Wort verwendet, das dort ausdrücklich für die Pläne der Juden gebraucht wird. Was das natürliche Leben des Herrn als Mensch auf der Erde angeht, haben sie Ihn getötet. Er hatte an Blut und Fleisch teilgenommen (Heb 2,14) und darum wird Sein Leben auf der Erde „die Tage Seines Fleisches“ (Heb 5,7) genannt. Paulus schreibt: „Wenn wir aber auch Christus nach dem Fleisch gekannt haben, so kennen wir ihn doch jetzt nicht mehr also“ (2. Kor 5,16). Vor „Fleisch“ steht kein Artikel, um den Charakter des Todes des Herrn anzugeben, eben in Bezug auf Seine menschliche Natur. Aber Gott hat den Herrn nicht im Tod gelassen. „Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet [...], den Urheber des Lebens aber habt ihr getötet, welchen Gott aus den Toten auferweckt hat, wovon wir Zeugen sind“, zeugte derselbe Petrus einst vor den Obersten des Volkes (Apg 3,14+15). Als diese gleichen Personen Christus mit den Worten höhnten: „Er vertraute auf Gott, der rette ihn jetzt, wenn er ihn begehrt; denn er sagte: Ich bin Gottes Sohn“ (Mt 27,43; Lk 23,35), antwortete Gott nicht sofort, denn dann hätten wir nicht errettet werden können. Aber drei Tage später gab Er die Antwort. Er weckte den Herrn aus den Toten auf und gab Ihm einen Platz zu Seiner Rechten über jedes Fürstentum und jede Gewalt usw. (Eph 1,19–22). Und die Auferstehung war der Beweis, dass der Herr wirklich der Sohn Gottes war (Röm 1,4).

Aber diese Antwort Gottes und die gegenwärtige Stellung des Herrn ist auf der Erde nur durch das Zeugnis des Heiligen Geistes bekannt. Einst werden aller Augen Ihn sehen, auch die, die Ihn durchstochen haben (Off 1,7). Jetzt aber muss es geglaubt werden. Darum schreibt Petrus: „ [...] lebendig gemacht in (dem) Geiste“.

Wir sehen die Gegenüberstellung in diesem Satz, die wir vielleicht so umschreiben könnten: „Einerseits getötet nach (dem) Fleisch; aber andererseits lebendig gemacht nach (dem) Geist“. Auch vor „Geist“ steht kein Artikel, wodurch der Charakter dieser Auferstehung angedeutet wird. Selbstverständlich bewirkte der Heilige Geist die Auferstehung (Röm 8,11; 1,4), aber hier wird der Nachdruck mehr auf den Charakter der Auferstehung und ihrer Folgen gelegt.

Petrus ist überaus praktisch und dringt weder in die tiefen Grundlagen der Tatsachen ein, noch erhebt er sich zu den Ratschlüssen Gottes.

Die Tötung des Herrn durch die Juden hatte zur Folge, dass Sein Dienst als Mensch auf der Erde, Sein unmittelbares, persönliches Zeugnis vor den Juden („die Tage seines Fleisches“; Heb 5,7), beendet wurde. Die Auferstehung veränderte das nicht wieder. Obwohl das, was getötet war, der Leib des Herrn, lebendig gemacht war, wurde der alte Zustand nicht wieder hergestellt. Niemand hat die Auferstehung an sich selbst erfahren.

Kein Ungläubiger hat den Herrn danach gesehen und von den Gläubigen nur einzelne und nur für wenige Augenblicke. Und der Herr hat niemals mehr unmittelbar zu Ungläubigen gesprochen und ebenso wenig zu Gläubigen (außer zu den einzelnen in den vierzig Tagen nach Seiner Auferstehung und zu Paulus bei seiner Bekehrung), sondern nur durch den Geist aus dem Himmel.

Der Herr hatte Seinen Jüngern vorher gesagt, Er würde von ihnen gehen, sie aber nicht als Waisen zurücklassen. In dem Heiligen Geist würde Er zu ihnen kommen, und so würden sie Ihn durch die Kraft des Heiligen Geistes sehen (Joh 14,18). Und aus dem Himmel verkündigte Er nun Frieden, sowohl den Juden, die nahe waren, als auch den Nationen, die ferne waren (Eph 2,17). Das tat Er nicht mit Seiner eigenen menschlichen Stimme; das konnte nicht vom Himmel her geschehen, sondern durch den Heiligen Geist, Den Er gesandt hat, damit der Geist von Ihm zeugte (Joh 15,26; 16,7–15).

Petrus hatte schon geschrieben, dass sie, die das Evangelium verkündigten, dies durch den Heiligen Geist taten (Kap 1,10–12), und er hatte sie daran erinnert, dass der Herr vor Seiner Menschwerdung auf die gleiche Weise zu den Menschen geredet hatte. Nun, im Zusammenhang mit dem Charakter der Auferstehung des Herrn kommt er darauf zurück. Wir haben hier also den Gegensatz (wir könnten auch sagen: die Parallele) zwischen Fleisch und Geist, wie bei so vielen anderen Stellen (Gal 5,17). Jedoch, die Schrift zeigt häufig keinen absoluten Gegensatz, (wie es der Mensch, gezwungen durch die Beschränktheit seines Denkvermögens, gewöhnlich tut), sondern in göttlicher Weisheit eine weitere etwas andere Seite der Wahrheit. So finden wir: „Welcher unserer Übertretung wegen dahingegeben und unserer Rechtfertigung wegen auferweckt worden ist“ (Röm 4,25). Wir könnten dazu neigen, völlige Gleichheit der beiden Teile anzunehmen, weil in beiden das Wort „wegen“ (dia mit Akkusativ) gebraucht wird. Aber es ist deutlich, dass in dem ersten Fall mit dem „wegen“ (dia) gezeigt wird, dass unsere Sünden die Ursache der Dahingebung des Herrn waren, während „wegen“ im zweiten Fall bedeutet, dass es im Hinblick auf unsere Rechtfertigung geschah, dass Er auferweckt wurde, denn Rechtfertigung kann nicht von Glauben getrennt werden (Röm 5,1).

Weiter dürfen wir nicht vergessen, dass der Sprachgebrauch im Deutschen bei weitem nicht immer dem des Griechischen entspricht. Wir können z. B. nicht schreiben: „getötet in Fleisch, lebendig gemacht in Geist“, während das im Griechischen durchaus möglich ist. So brauchen die zwei Dative (3. Fall) in unserem Satz ganz und gar nicht die gleiche Bedeutung zu haben. Wir könnten z. B. sehr gut übersetzen: „getötet in (dem) Fleisch, lebendig gemacht durch (den) Geist“. Aber das braucht hier nicht zu geschehen, weil das Wörtchen „nach“ oder „in“ im Deutschen beweglich genug ist, um beide Gedanken auszudrücken. Wo es aber möglich ist, ist es stets am sichersten, sich so genau wie möglich an den Urtext zu halten.

Es gibt viele, die sagen, statt „(dem) Geist“ müsste „Seinem Geist“ übersetzt werden, als gehe es hier um den menschlichen Geist des Herrn. Dies ist aber unmöglich. Zunächst einmal würde das bedeuten, dass der Geist des Herrn, den Er dem Vater übergab, gestorben sei; denn was lebendig gemacht wird, muss zuvor tot sein (Lk 23,46; 12,45; Mt 10,28); aber überdies gilt es als feste Regel im Neuen Testament, dass stets ein Artikel vor „Geist“ (pneuma) steht, wenn der menschliche Geist das Objekt oder Subjekt des Satzes ist. Weiter folgt auf diese Worte: „in welchem“, was sich nicht auf den menschlichen Geist oder die göttliche Natur des Herrn beziehen kann. Wie eigenartig war für diese gläubigen Juden der Gedanke an einen leidenden, von Seinem Volk getöteten Messias, der Israel nicht von der Beherrschung durch die Nationen befreite und sichtbar in Macht und Herrlichkeit regierte, sondern nach seiner Auferstehung in den Himmel ging und von dort aus predigte, also nicht persönlich auf der Erde anwesend war, sondern durch das Zeugnis von Menschen in der Kraft des Heiligen Geistes. Und wie schwierig war es für sie zu begreifen, dass die Mörder des Messias nicht sofort in der Regierung Gottes gerichtet wurden, sondern stattdessen immer noch in der Lage waren, alle zu verfolgen, die Christus glaubten, so dass sie leiden mussten. Petrus kannte diese Schwierigkeit und den Unwillen des Fleisches, dies anzunehmen aus Erfahrung (Mt 16,21–23).

Wie sehr war dies alles für die ungläubigen Juden, die ihre Sünde nicht fühlten und sich nicht um die in der Erlösung durch das Blut Jesu geoffenbarten Gnade Gottes kümmerten, dazu angetan, ihre jüdischen Brüder, die an einen gestorbenen, auferstandenen und zum Himmel gefahrenen Christus glaubten, zu verspotten und zu verfolgen. Dazu kam, dass die Zahl der an den Herrn Glaubenden im Vergleich zu der großen Menge des jüdischen Volkes, das Ihn verwarf, sehr gering war. Darum erinnert Petrus an die bekannte Geschichte von der Sintflut, bei der er Christus mit dem HERRN gleichsetzt. Auch da hat der Herr nur durch den Geist, der durch einen Mann sprach, gezeugt, wie die Schrift ausdrücklich sagt (1. Mo 6,3; 2. Pet 3,5), und auch damals ertrug der Herr die Gottlosigkeit der Menschen lange Zeit, um ihnen Gelegenheit zu geben, den Weg der Rettung anzunehmen; aber die übergroße Masse der Menschen wollte das Zeugnis nicht annehmen, so dass nur acht Seelen gerettet wurden. Dann aber kam das Gericht ganz gewiss und schonte niemand, obwohl die Geduld Gottes 120 Jahre lang gewartet hatte. Und nicht nur, dass sie damals umkamen; sie werden für ein viel schrecklicheres Gericht aufbewahrt (Lk 17,26–27). Petrus folgt hier dem Herrn Jesus, Der Selbst den Tagen von Noah vor der Flut den gleichen Charakter zuschrieb wie den Tagen des Sohnes des Menschen.

Welch eine Ermutigung war das für die leidenden Gläubigen; aber welche ernste Warnung lag für die Ungläubigen darin. Denn die Juden beachteten gewöhnlich nicht das Gericht der Toten (Kap 4,5), in ihrem Eifer, das Gericht über die Lebenden (Mt 25,31) zu verkünden, worüber die Nationen unwissend waren.

Kapitel 3 Verse 19 und 20: „... in welchem er auch hinging und predigte den Geistern in (dem) Gefängnis, (welche) einst ungehorsam (waren), als die Langmut Gottes harrte in (den) Tagen Noahs, während die Arche zugerichtet wurde, in welche wenige, das ist acht Seelen, durch Wasser gerettet wurden.“

Im Heiligen Geist, also nicht persönlich, predigte der Herr. Das ist auch das, was Paulus schrieb: „Und er (Christus) kam und verkündigte Frieden, euch den Fernen und Frieden den Nahen“ (Eph 2,17). Nun, der Herr ist nicht persönlich zu den Menschen in Ephesus und zu den anderen Heiden gegangen um Frieden zu verkündigen, und ebenso wenig zu den Juden (denen, die nahe waren). Denn die vorhergehenden Verse sagen, dass es sich um den Frieden handelt, den Christus durch Sein Werk auf dem Kreuz erwirkt hat, dass also diese Predigt nach der Himmelfahrt des Herrn stattfand. In der Predigt, in dem Evangelium, das Paulus und die anderen Evangelisten brachten, war Christus zu ihnen gekommen und Er kommt noch heute zu jedem, der das Evangelium hört. Das war kein neuer Gedanke in der Schrift!

Nachdem Gott vielfältig und auf mancherlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohne (Heb 1,1).

Gott sprach also zu dem Volk. Aber das geschah durch den Mund Seiner Knechte. Petrus hatte auch schon gesagt, dass die Propheten durch den Geist Christi sprachen (1. Pet 1,11).

Als der Herr auf der Erde war, sprach Gott direkt, ohne einen Menschen als Werkzeug zu gebrauchen, zu den Menschen. Denn Er war „Gott geoffenbart im Fleisch“. Aber nach der Himmelfahrt gebrauchte Er wieder Menschen. Durch sie und in der Botschaft, die sie brachten, kam Er zu ihnen.

Petrus schreibt über etwas, was 2.500 Jahre zuvor geschehen war, und die Menschen, denen damals gepredigt wurde, lebten nicht mehr auf der Erde, sondern waren wegen ihres Ungehorsams gestorben. Während ihre Leiber nun dem Verderben übergeben waren, wurden ihre Geister von Gott in dem Gefängnis eingeschlossen, um bald zum Endgericht vor dem großen weißen Thron zu erscheinen (Off 20). Fast könnten wir sagen, „zum Überfluss“ fügt er noch hinzu, dass Christus im Geist hingegangen ist, um diesen Menschen zu predigen (um jeden Gedanken an ein persönliches Hingehen gegenstandslos zu machen). Dadurch schließen seine Worte genau an das an, was Mose geschrieben hat (1. Mo 6,3). Er fügt noch das Wort „auch“ hinzu, um den ergänzenden Charakter dieser Verse deutlich zu machen, wodurch sie, was die Zeit angeht, nicht mit Vers 18 zusammenhängen.

Petrus nennt diese Ungehorsamen „die Geister im Gefängnis“. Er bezeichnet sie hier nicht als „Tote“, wie er in Kapitel 4,6 solche nennt, die früher gelebt haben. Der Geist ist der höhere, der Leib der niedere Teil des Menschen. Die Seele ist die Verbindung zwischen beiden. Die Schrift verbindet die Einsicht und das Beurteilen mit dem Geist, so wie die Gefühle und Begierden mit der Seele. Ein sehr deutliches Wort ist: „Wer von den Menschen weiß, was des Menschen ist, als nur der Geist des Menschen, der in ihm ist“ (1. Kor 2,11). Darum spricht Gott durch den Geist Gottes zu dem Geist des Menschen. „Der Geist des Menschen ist eine Leuchte des HERRN, durchforschend alle Kammern des Leibes“ (Spr 20,27). Die Predigt Christi durch Noah war also an den Geist des Menschen jener Zeit gerichtet. Ihre Leiber mögen in der Sintflut umgekommen sein, weil sie ungehorsam waren, ihr Geist und die Seele starben nicht. Sie werden durch Gott für das Endgericht aufbewahrt (2. Pet 2,9), um dann, wiedervereinigt mit dem Leib, wegen der Verwerfung des Zeugnisses des Geistes Christi ihr endgültiges Gericht zu empfangen.

Nicht alle Gestorbenen sind in dem Gefängnis. Das wird allein von dieser ausdrücklich begrenzten Gruppe gesagt. Aus Stellen wie 2. Pet 2,9; Lk 16,23–28  u.a. können wir aber, wie ich denke, ableiten, dass alle Ungläubigen dort sind. Für die entschlafenen Gläubigen trifft das aber bestimmt nicht zu. Sie sind mit Christus im Paradies (Lk 23,43; 2. Kor 12,4; Phil 1,21–23). Das ist ein wunderbarer, gesegneter Ort, der sicher nicht Gefängnis genannt werden kann. Es ist sogar sehr fraglich, ob wir sagen können, dass sie im Hades sind, die Schrift sagt es jedenfalls nicht.

Die Worte: „einst ungehorsam“ geben den Grund an, warum diese Geister im Gefängnis sind. Durch Noah kam das Zeugnis der Gerechtigkeit zu ihnen. Jeder Hammerschlag am Bau der Arche war ein Zeugnis dafür, dass ihr Zustand so beschaffen war, dass ein Gericht Gottes über sie kommen musste. So war es auch bei den Gläubigen, an die Petrus schrieb und so ist es auch bei uns. Unsere Absonderung von der Welt, auch von der religiösen, ist eine Predigt an sie von dem Gericht, das einst über sie kommen wird, aber gleichzeitig auch von dem Weg zur Rettung. Gottes Geduld wartete, während die Arche gebaut wurde. Aber die große Masse der Menschen gehorchte dem Zeugnis nicht, ebenso wenig, wie sie es heute tut. Sie achtet die Geduld des Herrn nicht für Errettung, sondern als ein Zeichen dafür, dass das Gericht nicht kommen wird (2. Pet 3,15; 3,4; Röm 2,4). Welch eine ernste Warnung liegt für sie in diesen Worten des Petrus! So wie damals, in einem unerwarteten Augenblick die Sintflut kam und alle tötete, so wird bald der Tag des Herrn für sie kommen wie ein Dieb in der Nacht (1. Thes 5,2+3)! Wie schrecklich der Tod in der Sintflut auch gewesen sein mag, etwas viel Schlimmeres erwartet sie noch (siehe Anhang).

120 Jahre über war das Leben des Noah durch zwei Dinge gekennzeichnet: Er predigte seinen Mitsündern und machte für sich selbst alles bereit, um in die neue Welt einzugehen (Heb 11,7). Alles, was er an der Arche baute, trug diese Kennzeichen. Kann es etwas Schöneres geben, als einen Gläubigen ununterbrochen mit diesen zwei Dingen beschäftigt zu sehen (Phil 2,12–16)? Es war der Geist Christi, der in ihm predigte. Noah selbst war dazu nicht fähig, ebenso wenig wie wir!

Der Herr vergleicht die Zeit Noahs mit der Zeit kurz vor Seiner Ankunft. Nun, wir wissen, dass Er bereit steht, Lebendige und Tote zu richten (1. Pet 4,5). Es gibt aber Dinge, die die volle Offenbarung des Bösen und damit das Gericht zurückhalten (2. Thes 2,7–12). Doch wissen wir, dass diese Zurückhaltung jeden Augenblick an ihr Ende gelangen kann. Dann ist die Gnadenzeit für alle vorüber, die die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben. Welch eine Dringlichkeit verleiht das den beiden oben genannten Dingen: der Absonderung und der Predigt. Und wichtig ist es daher auch, den Geist Christi durch uns predigen zu lassen, uns stets unter Seine Leitung zu stellen, nur Werkzeuge in Seiner Hand sein zu wollen! Noah und seine Angehörigen wurden „durch Wasser“ gerettet. Das Wort „durch“ kann sowohl im Deutschen als auch im Griechischen (dia) bedeuten: „mittels“ oder „hindurch“. Wenn Petrus die zweite Bedeutung gemeint hätte, würde meines Erachtens vor „Wasser“ ein Artikel stehen. Aber auch aus dem Zusammenhang (Kap 3,21) ist es, wie ich denke, deutlich, dass hier die erste Bedeutung gemeint ist, wie auch von Darby, Kelly, Grant, Alford, Hart, Greijdanus und anderen angenommen wird. Der Apostel sieht hier das Wasser als Mittel zur Errettung.

Das griechische Wort für „gerettet wurden“ kommt außer an dieser Stelle noch vor in Mt 14,36 (völlig geheilt), Lk 7,3 (gesund machen), Apg 23,24 (sicher, bewahrt), Apg 27,43 (retten), Apg 27,44 und Apg 28,1.4 (gerettet). Aus diesen Stellen wird die Bedeutung deutlich: vollkommene Rettung nach großer Gefahr und aus vielen Schwierigkeiten. Das Wasser bedeutete Tod und Verwüstung für die Welt durch die Flut; aber für alle, die in der Arche waren, war es das Mittel, das sie von der verurteilten Welt trennte und auf die neue gereinigte Welt brachte (Heb 11,7). Das Wasser war der Grund, weswegen sie in die Arche gingen; aber gerade dieses Wasser trug die Arche, so dass sie sich über die Erde erhob (1. Mo 7,7–17). So wurde das Wasser des Gerichts (ein Bild des Todes unter dem Gericht Gottes) das Mittel zu ihrer Rettung. Wir sehen dasselbe beim Durchzug durch das Rote Meer. Das Meer, das den Ägyptern den Tod brachte (2. Mo 14), führte die Israeliten aus dem Land der Knechtschaft, auf dem das Gericht Gottes ruhte, zu Gottes heiliger Wohnung (2. Mo 15,13) und trennte sie für immer von Ägypten. Und wie Paulus diesen Durchzug mit der Taufe vergleicht (1. Kor 10,2), so macht es Petrus hier mit dem Wasser der Sintflut.

Kapitel 3 Vers 21: „… welches Gegenbild auch euch jetzt errettet, (das ist die) Taufe, – nicht ein Ablegen der Unreinigkeit (des) Fleisches, sondern (das) Begehren eines guten Gewissens vor (eigentl.: an, zu) Gott – durch (die) Auferstehung Jesu Christi.“

„Welches“ bezieht sich auf „Wasser“, denn im Griechischen sind beide Wörter sächlich, während „Arche“ weiblich ist. Das Wort „Gegenbild“ (wörtlich: Antitype) kommt nur hier und in Heb 9,24 vor. Das könnte zu dem Gedanken führen, das Wasser der Sintflut sei ein Bild der Taufe; aber dieser Schluss ist nicht notwendig, wie Heb 9,24 deutlich erkennen lässt. Ich denke mehr, dass auch die Taufe ein Bild von demselben ist, von dem das Wasser der Sintflut spricht, dass also beide Bilder den Tatsachen von Vers 21 entsprechen. Wie überall in der Schrift (Mk 16,16; Apg 2,38) verbindet Petrus die Taufe mit der Errettung. „Wer da glaubet und getauft wird, wird errettet werden.“ „Tut Buße, und ein jeder von euch werde getauft auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden [...] Lasst euch erretten von diesem verkehrten Geschlecht! Die nun sein Wort annahmen, wurden getauft; und es wurden an jenem Tage hinzugetan bei 3000 Seelen.“ „Stehe auf, lass dich taufen und deine Sünden abwaschen, indem du seinen Namen anrufst“ (Apg 22,16).

„Denn soviel euer auf Christus getauft worden sind, ihr habt Christus angezogen“ (Gal 3,27).

Die Taufe ist also ein echtes Bild des Evangeliums. Es stellt symbolisch dar, wie ein Sünder errettet wird. Auch hiervon finden wir bei Petrus die praktische Seite und bei Paulus das lehrmäßige Fundament (Röm 6,3+4). Petrus zieht eine Parallele zwischen dem Wasser der Sintflut und der Taufe. Das Wasser der Sintflut bedeutete den Tod für alle, die hineinkamen. Es stellt also den Tod vor, aber den Tod als das Gericht Gottes über die Sünde. Noah ging in diesen Tod hinein, aber in der Arche. Nun war nicht er, sondern die Arche der Gewalt des Gerichts Gottes ausgesetzt, und gerade das tödliche Wasser brachte ihn jetzt von der Welt, über die das Gericht Gottes kam, auf die neue Erde, die nicht mehr durch das Gericht getroffen werden wird, weil es vollkommen ausgeführt wurde (1. Mo 8,21).

So stellt sich ein Sünder, der seine Sünden sieht und sich daher seiner Schuld vor Gott bewusst ist, jetzt schon unter das Gericht Gottes; aber Gott, der dem nach  Gnade suchenden Noah die Arche gab (1. Mo 6,5–14), gibt dem nach Gnade suchenden, sich selbst verurteilenden Sünder Christus als Den, Der das Gericht Gottes getragen hat und darin gestorben ist. Das wird in der Taufe dargestellt. Der Sünder geht in das Wasser des Todes hinein; aber er stirbt nicht darin. Weil er auf den Namen des Herrn Jesus getauft wird (Apg 8,16), begegnet er gewissermaßen in dem tödlichen Wasser dem Herrn, wie Dieser das Gericht Gottes getragen hat und bekommt Teil daran. So steht er aus dem Wasser auf in einer neuen Welt, in der es kein Gericht mehr gibt, in einer Welt jenseits des Todes, in einer Auferstehungswelt. Dies letzte geht eigentlich über die Bedeutung der Taufe hinaus. Die Taufe spricht nur von Tod, niemals von Leben. Aber der Täufling bleibt nicht im Wasser und so ist Auferstehung eine notwendige Folge, obwohl sie nicht in dem Bild der Taufe dargestellt wird. Auf diese Weise sind wir zu Gott gebracht worden (Kap 3,18). Unsere Sünden sind im tödlichen Wasser zurückgeblieben (Apg 22,16) und wir selbst sind in die Gegenwart Gottes als solche gebracht, die unter Seinem Gericht gestorben sind. So sind wir errettet. Natürlich ist der Besitz des neuen Lebens damit verbunden. Aber davon schreibt der Apostel Petrus nicht, sondern mehr der Apostel Johannes (Joh 3,3). Auch das neue Leben, welches wir durch unsere geistliche Wiedergeburt erlangten, haben wir durch die Berührung mit dem gestorbenen Heiland erhalten. Die Geschichte von dem gestorbenen Elisa ist ein eindrückliches Bild davon. Ein Toter wurde in Elisas Grab geworfen, aber als er die Überreste des gestorbenen Elisas berührte, wurde er lebendig (2. Kön 13,21).

Die ganze Tragweite des Begriffs „zu Gott gebracht“ (Kap 3,18) wird erst erfüllt sein, wenn wir ins Haus des Vaters gebracht sind (Joh 14). Aber die vorläufige Erfüllung haben wir schon hier auf der Erde. Es gibt ein Haus Gottes auf der Erde, und die Taufe bringt uns hinein. Dort ist die sittliche Regierung Gottes zur Entscheidung gekommen. Das Kreuz, als der Ort, wo Christus unter dem Gericht Gottes über die Sünde gestorben ist, ist der einzige Ort auf der Erde, auf dem das Gericht Gottes nicht mehr ruht, weil es dort vollständig ausgeübt worden ist. Nun, das Kreuz und die darauf folgende Auferstehung des Herrn ist die Grundlage des Hauses Gottes, und der wahre Charakter des Hauses Gottes ist, dass dort alles mit Gott in Übereinstimmung ist. Er kann nirgends sonst wohnen. Es ist die Behausung Gottes im Geiste (Eph 2,22), und wir werden ermahnt, in Demut und Sanftmut unserer Berufung würdig zu leben (Eph 4,1).

Petrus behandelt die Stellung der Gläubigen auf der Erde. Nun, so wie Noah durch das Wasser der Sintflut von der Welt, zu der er bis dahin gehört hatte, getrennt und durch dasselbe Wasser auf die durch das Gericht gereinigte Erde gebracht wurde, so trennte das Wasser der Taufe die gläubigen Juden, an die Petrus schrieb, von dem ungläubigen Volk, das unter dem Gericht Gottes lag und brachte sie an den Ort bei Gott, wo es kein Gericht mehr gibt. Darum sagte Petrus den Juden, die durch das Wort getroffen waren, zu Pfingsten: „Lasst euch erretten von diesem verkehrten Geschlecht“. Die nun sein Wort aufnahmen, wurden getauft (Apg 2,40).

Die Bedeutung der Errettung wird in den Worten des Zacharias deutlich ausgedrückt: „… dass wir, gerettet aus der Hand unserer Feinde, ohne Furcht ihm dienen sollen in Frömmigkeit und Gerechtigkeit vor ihm alle unsere Tage“ (Lk 1,74+75).

Prophetisch weisen diese Worte auf Israel im tausendjährigen Reich hin. Dann wird ein Zustand der Errettung auf der Erde bestehen, wenn der Herr in Gerechtigkeit herrschen wird. Für uns wird das erst ganz erfüllt sein, wenn wir verherrlicht beim Herrn sind. Aber Petrus sieht uns hier noch auf der Erde, und die Taufe steht auch mit unserer Stellung auf der Erde und nicht mit dem Himmel in Verbindung. Darum spricht er von diesem Ort auf der Erde, wo die Feinde keine Macht mehr haben, von dem Haus Gottes auf der Erde und von dem Reich der Himmel. Sie, die durch den Tod hindurchgegangen sind (wovon die Taufe ein Bild ist) sind außerhalb des Bereichs der Macht des Feindes.

Aber weil die Taufe nur vom Tod redet, ist es deutlich, dass sie in sich selbst uns nicht retten kann. „Wisset ihr nicht, dass wir, so viele auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? So sind wir nun mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod“ (Röm 6,3+4). Nun, in dem Tod unter dem Gericht Gottes zu sein, ist keine Errettung. Aber Christus ist nicht im Tod geblieben. Die Herrlichkeit des Vaters hat Ihn auferweckt. Das ist der Beweis, dass Gott durch Sein Werk vollkommen befriedigt ist. Und wir, die wir in der Taufe (als Bild) teilhaben an dem Tod Christi, teilen auch die Folgen dieses Todes, obwohl das nicht in der Taufe dargestellt wird. Wir sind zu Gott gebracht, so wie Christus auferweckt und zur Rechten Gottes verherrlicht ist. Darum schreibt Petrus, dass die Taufe errettet „durch die Auferstehung Jesu Christi“.

Es ist bemerkenswert, dass Petrus nicht schreibt: „uns errettet“, sondern „euch errettet“. Es ist wahr, dass es einige weniger wichtige Handschriften gibt, in denen „uns“ steht. Aber man ist allgemein überzeugt davon, dass das nicht der ursprüngliche Text ist. Petrus konnte nicht „uns“ schreiben, denn er ist niemals mit der christlichen Taufe getauft worden. Wir finden nicht einmal eine Andeutung darüber, dass er von Johannes dem Täufer getauft wurde und das wäre zudem nicht die christliche Taufe gewesen. Die Taufe des Johannes war auf den Tod. Er taufte im Jordan, dem bekannten Bild des Todes, aber nicht auf den Tod Christi (Mt 3,5; Apg 19,4)! Die christliche Taufe hat Petrus niemals empfangen und doch schreiben sowohl er als auch Paulus über sie.

Petrus und die anderen zehn Apostel empfingen wohl den Auftrag zu taufen (Mt 28,19), aber nicht, selbst getauft zu werden. Wer hätte sie auch taufen sollen? Das Reich der Himmel konnte erst beginnen, nachdem der Herr in den Himmel aufgefahren war, und das Haus Gottes entstand erst, als Gott den Heiligen Geist auf die Erde sandte, um es zu bilden und um darin zu wohnen. Nun, die 120, die in Jerusalem auf die Erfüllung der Verheißung warteten (Apg 1,15), wurden von dem Herrn als die Erstlinge des Reiches der Himmel und als das Haus Gottes anerkannt, indem der Heilige Geist auf sie herabkam. Und sie, und Petrus ganz besonders, hatten den Auftrag und die Befugnis, andere durch die Tür einzulassen, indem sie sie tauften (Joh 20,23; Mt 16,19; 28,19). Jeder, der nach ihnen kam, musste von ihnen zugelassen werden, auch der Apostel Paulus, obwohl dieser selbst nicht ausgesandt war zu taufen (1. Kor 1,17). Und der Herr erkannte es an, denn die, welche getauft waren, empfingen erst den Heiligen Geist, nachdem sie getauft waren, wie Petrus zu Pfingsten gesagt hatte (Apg 2,38; 8,16; 19,2–6). Die einzige Ausnahme, die das Wort Gottes uns berichtet, ist bei Cornelius und seinen Angehörigen, den Erstlingen aus den Nationen. Petrus gibt uns die Notwendigkeit dafür an. Nur die Erinnerung daran, wie er selbst in das Reich kam, eben durch die Ausgießung des Heiligen Geistes, ohne getauft zu sein, machte ihn bereit, Nicht-Juden zuzulassen, als der Herr erkennen ließ, dass Er sie annehmen würde (Apg 10,44–48; 11,2–18).

Die Taufe ist ein Zeichen von geistlichen Dingen. Sie geschieht in der Tat im Blick auf die Errettung, aber nur durch das, was sie darstellt. Das Wasser ist gewöhnliches Wasser und kann daher aus sich nur von körperlichen Unreinheiten, von Unreinheit des Fleisches befreien. Im Griechischen steht „Fleisch“ zuerst, um darauf den Nachdruck zu legen. Ritualismus ist in vollkommenem Widerspruch zum Christentum.

Der wahre Inhalt der Taufe ist das Begehren eines guten Gewissens vor (oder zu, oder an) Gott! Das griechische Wort für „Begehren“ kann das Bitten selbst andeuten, aber auch das, um was gebeten wird. In Übereinstimmung mit Darby, Kelly, Grant, Alford, Greijdanus u.a. denke ich, dass die Form des Wortes hier und auch der Zusammenhang zeigen, dass hier das, was begehrt wird, gemeint ist. In dem Bild von der Taufe geht der Täufling nicht mit einem guten Gewissen in das Wasser. Es geschieht „zur Vergebung der Sünden“, um die Sünden abwaschen zu lassen und um Christus anzuziehen (Apg 2,38; 22,16; Gal 3,27). Die Taufe ist also ihrer Bedeutung nach das Begehren vor Gott, ein gutes Gewissen zu empfangen. So haben auch mehrere Übersetzungen: „für ein gutes Gewissen“ (z.B. die neuen holländischen Übersetzungen Korte, Verklaring, Leidse, Brauwer, Canisius). Und wie und auf welcher Grundlage empfangen wir ein gutes Gewissen? Auch durch die Auferstehung Jesu Christi! Es ist deutlich, dass es hier um ein gutes Gewissen gegenüber Gott geht. Sich keines Bösen in seinem Verhalten bewusst zu sein und ein gutes Gewissen vor Gott zu haben, ist nicht dasselbe. Letzteres haben wir, wenn wir uns in dem Licht Gottes bewusst sind, dass nichts mehr zwischen Gott und uns steht.

Nur, wenn wir durch das hindurchgegangen sind, was durch die Taufe vorgestellt wird, wenn wir also für uns selbst annehmen, was unsere Taufe wirklich bedeutet, haben wir Recht auf ein gutes Gewissen. Wir haben gesehen, es bedeutet, in den Tod, der das Gericht Gottes ist, einzugehen und dort Christus als Dem zu begegnen, Der an unserer Stelle das Gericht Gottes getragen hat und so gestorben ist. Wir sind dann mit Ihm und damit aus unserer alten Stellung als natürliche Menschen heraus gestorben. Das heißt auch, dass wir der Welt und der Sünde gestorben sind.

Wer gestorben ist, ist gerechtfertigt von der Sünde (Röm 6 + 7). Aber wir sind in Christus gestorben. Also hat unser Sterben in Ihm nur Wert, wenn Gott Sein stellvertretendes Sterben angenommen hat. Nun, Gott hat es getan und die Auferstehung Christi ist der Beweis davon. Darum gibt die Auferstehung Christi uns ein gutes Gewissen, aber erst, wenn wir durch das, was die Taufe darstellt, hindurchgegangen sind.

Das ist eines der großen Vorrechte, die wir gegenüber den Gläubigen des Alten Testaments haben. Männer wie Abraham und Mose nahmen das an, was in der Taufe vorgestellt wird (d. h. das Todesurteil Gottes über sie), und indem sie darin eingingen, auch die völlige Absonderung von der Welt. In dem Zug durchs Rote Meer sehen wir das in Bezug auf Mose durch ein Bild der Taufe dargestellt. Aber die Gläubigen des Alten Testaments kannten nicht das vollbrachte Werk des Herrn und Seine Auferstehung als Beweis, dass Gottes Gerechtigkeit im Hinblick auf uns vollkommen befriedigt ist. Darum hatten sie kein gutes Gewissen vor Gott, obwohl der Geist Gottes ihnen ohne Zweifel ein Gefühl für Gottes Gnade und Gunst gegeben haben wird.

Aber die Auferstehung des Herrn richtet die Gedanken des Apostels direkt auf die Verherrlichung, weil diese eine notwendige Folge der Auferstehung ist. Wenn Gott durch das Werk und das Sterben des Herrn befriedigt ist und Ihn zum Beweis dafür auferweckt hat, dann muss die Verherrlichung folgen (Joh 16,10; 17,4+5).

Kapitel 3 Vers 22: „…welcher, in (den) Himmel gegangen, zur Rechten Gottes ist, indem Engel und Gewalten und Mächte ihm unterworfen sind.“

Die Rechte Gottes spricht von einer Stellung voll Macht, Gewalt, Ehre und Gunst (Eph 1,20+21). Obwohl die Juden den Herrn Jesus verworfen hatten, war Er der wahre Joseph, zu dem in der Zeit seiner Verwerfung durch seine Brüder Pharao (der hierin ein Bild von Gott ist) gesagt hat: „Ich bin Pharao; und ohne dich soll kein Mensch seine Hand oder seinen Fuß aufheben im ganzen Land Ägypten“ (1. Mo 41 + 44). Dieser Gedanke wird noch dadurch verstärkt, dass im Griechischen vor „Gott“ ein Artikel steht. Das zeigt an, dass es der einzige, wahre Gott ist, der Schöpfer von Himmel und Erde, der Allmächtige.

Welch eine Ermunterung war das für diese armen gläubigen Juden, die von ihren Brüdern verworfen und verspottet wurden, weil sie an einen gekreuzigten, verworfenen Messias glaubten. Er, an Den sie glaubten, war in einer Herrlichkeit, die unendlich größer ist, als es die Herrlichkeit des Messias auf der Erde je sein wird. Wenn auch Sein irdisches Volk Ihn verwarf, die himmlischen Mächte, durch deren Vermittlung Israel sein Gesetz empfangen hatte (Apg 7,53), waren Ihm unterworfen, wie groß ihre eigene Macht und Stärke auch war. Er wird gewiss bald als Davids Sohn auf Davids Thron in Zion sitzen (Jer 33,15–17). Aber hatten ihre eigenen Propheten nicht geschrieben, dass Er erst herrschen wird inmitten Seiner Feinde (Ps 110,1+2)? Ganz gewiss, das bekehrte Israel wird bald die irdische Herrlichkeit des Messias teilen und wunderbare Segnungen empfangen! Aber wie viel größer und herrlicher ist das Teil derjenigen, sie seien Juden oder Nicht-Juden, die jetzt, in der Zeit Seiner Verwerfung an den Herrn glauben und öffentlich durch die Taufe ihren Platz hier auf der Erde mit Ihm eingenommen haben! „Wir sehen Ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt“ (Heb 2,9). Wir sehen, dass alles Seinen Füßen unterworfen ist. Wir sehen im Voraus, wie das Weltall Ihm zujubelt, Ihm dankt und Ihn anbetet (Off 5,6–14)! Und wenn wir Ihn so sehen, dann sagt unser Herz: Diese herrliche Person ist der „Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat“ (Gal 2,20)!

Kapitel 4 Verse 1 und 2: „Da nun Christus [für uns] in (dem) Fleisch gelitten hat, so waffnet auch ihr euch mit demselben Sinn, denn wer in (dem) Fleisch gelitten hat, hat abgeschlossen mit (der) Sünde, um die übrige Zeit in (dem) Fleisch nicht mehr (den) Lüsten (der) Menschen sondern dem Willen Gottes zu leben.

Die Worte „für uns“ stehen in einigen Handschriften nicht; andere haben dafür „für euch“. Viele Gelehrte nehmen an, dass sie nicht ursprünglich sind.

In den ersten sieben Versen dieses Kapitels spricht der Apostel weiter über die allgemeinen Grundsätze der Regierung Gottes. Kapitel 3 endete mit der Verherrlichung Jesu Christi. Alles ist Ihm unterworfen, und Er steht bereit, das Gericht über Lebendige und Tote auszuüben. Das ist für uns ein Grund, getrennt von der Welt und ihren Grundsätzen zu leben. Denn obwohl der Herr verherrlicht ist, verwirft die Welt Ihn dennoch, und jeder, der mit Ihm verbunden ist, wird von ihr verworfen werden.

Was ist der Lebensgrundsatz der Welt? Es ist das Handeln gemäß des eigenen Willens, d. h. des Willens des alten Menschen. Auf Grund dessen, dass das Herz des Menschen verdorben ist, bedeutet dies das Handeln gemäß der Begierden, der Lüste des verdorbenen Herzens (Mk 7,21–23).

Es ist die Pflicht des Geschöpfes, den Willen Gottes zu tun. Alle Dinge sind für Ihn geschaffen (Kol 1,16). Es ist daher deutlich, dass das Geschöpf verpflichtet ist, seinem Schöpfer zu dienen. Das ist (für jeden klaren Verstand) der große Grundsatz, der das Verhältnis zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf beherrscht. Es ist daher auch der Maßstab, nach dem beurteilt wird, ob etwas Sünde ist oder nicht: „Jeder, der die Sünde tut, tut auch die Gesetzlosigkeit, und die Sünde ist die Gesetzlosigkeit“ (1. Joh 3,4). Alles was ein Mensch tut, ohne zu berücksichtigen, dass Gott Autorität über ihn hat, ist daher Sünde. Weil nun der unbekehrte Mensch nur seinen eigenen Willen tut, bedeutet das, dass alles, was er tut, Sünde ist. Deshalb sagt das Wort Gottes, dass „alles Gebilde der Gedanken seines Herzens nur böse (ist) den ganzen Tag“ (1. Mo 6,5). Und ebenso: „Da ist keiner, der Gutes tue, da ist auch nicht einer“ (Röm 3,12).

Der Herr Jesus ist gekommen, um die Sünde zu beseitigen, sie abzuschaffen durch das Opfer Seiner Selbst (Heb 9,26). Auf der neuen Erde und im neuen Himmel wird das vollkommen verwirklicht sein. Dann wird die Sünde von der Welt weggenommen sein (Joh 1,29). Dann wird es nichts mehr geben, das sich Gott widersetzt, so dass Gott bei den Menschen wohnen kann (2. Pet 3,13; Off 21,3). Das ist jetzt noch nicht so. Aber die Grundlage ist am Kreuz gelegt worden. Auf der Grundlage Seines kostbaren Blutes werden einst Himmel und Erde, alle Dinge, mit Gott versöhnt werden. Aber nur wir, die Gläubigen, sind jetzt schon versöhnt, d. h. in das richtige Verhältnis zu Gott gebracht (Kol 1,19–21). Daher wird auch zu den Thessalonichern gesagt, dass sie sich von den Götzen zu Gott bekehrt haben, „um dem lebendigen und wahrhaftigen Gott zu dienen“. Wir haben auch gesehen, dass der Heilige Geist uns durch die neue Geburt abgesondert hat zum Gehorsam (...) Jesu Christi, d. h. zu dem Gehorsam, den Er in Seinem Leben auf der Erde offenbarte (Kap 1,2).

Der wiedergeborene Mensch hat also einen ganz anderen Lebensgrundsatz als der Mensch dieser Welt. Er dient Gott inmitten einer Welt, die sich selbst und den Begierden des eigenen, verdorbenen Herzens dient. Er wird also immer gegen den Strom schwimmen müssen. Darum wird ihn die Welt hassen und verfolgen, weil er nicht nur nicht mitmacht (Vers 4), sondern die Welt auch noch durch seine Werke verurteilt. Jeder Mensch hat ja ein Gewissen, dass ihn verurteilt, wenn er gewisse Dinge tut; und jeder der Böses tut, hasst das Licht (Joh 3,20).

Je mehr das Kind Gottes in Übereinstimmung mit seiner Stellung lebt, d. h. seinem Gott und Vater gehorcht, umso heftiger wird der Kampf sein. Darum muss es sich ausrüsten mit den schwersten Waffen, die es gibt (Ps 144,1; 78,9). Das griechische Wort ‚hoplisasthe', das durch „waffnet euch mit ...“ übersetzt ist, wurde verwendet für einen griechischen Soldaten, der seine Waffenrüstung anlegte und seine Waffen aufnahm. Und besonders wurde es für einen schwerbewaffneten Fußsoldaten gebraucht im Gegensatz zu einem Leichtbewaffneten.

Das griechische Wort ‚ennoian' („Sinn“) kommt nur hier und in Heb 4,12 vor, wo es durch „Gesinnungen“ übersetzt wird. Die Septuaginta gebraucht es auch in den Sprüchen, z. B. in Spr 2,11, wo im Deutschen „Verständnis“ steht.

Wir sollen uns nun waffnen mit dem „Sinn“ oder der „Gesinnung“ des Herrn Jesus. Wie immer (s. Einleitung) stellt der Apostel uns den Herrn als unser großes Vorbild hin. Er knüpft an Kapitel 3,18 an, wo wir sahen, dass Christus für Sünden gelitten hat, für uns, und dabei gestorben ist.

Ja, welch ein Leiden hat der Herr erduldet. Als Er auf die Erde kam, gab es keinen Platz für Ihn in der Herberge. Kaum geboren, musste Er schon nach Ägypten flüchten, weil Herodes versuchte, Ihn umzubringen. Nach Seiner Rückkehr musste Er wegen eines anderen Herodes in Nazareth wohnen und nicht in Jerusalem, der „Stadt des großen Königs“. Während Seines öffentlichen Auftretens wollten Seine Angehörigen Ihn greifen, „denn sie sprachen: Er ist außer sich“ (Mk 3,21). Seine Mitbürger, in deren Mitte Er aufgewachsen war, wollten Ihn ermorden (Lk 4,29). Er hat den Widerspruch der Sünder ertragen müssen (Heb 12,3). Für seine Liebe feindeten sie Ihn an und vergalten Ihm Seine Liebe mit Hass (Ps 109,2–5). Ein Jünger verriet Ihn, ein anderer verleugnete Ihn mit Schwüren; alle verließen Ihn.

Der Hohepriester, den Er Selbst eingesetzt hatte, damit dieser bei Ihm Gnade für Sünder erlangen sollte, ließ Ihn gefangen nehmen und auf Grund Seines Bekenntnisses, wer Er war, zum Tod verurteilen. Pilatus, der als Obrigkeit von Ihm Selbst seine Autorität empfangen hatte (1. Mo 9,6), um dadurch die Gerechtigkeit aufrechtzuerhalten, ließ Ihn am Kreuz hinrichten, obgleich er bekannte, dass Er unschuldig war.

Die Knechte des Hohenpriesters und die Soldaten des Pilatus verspotteten und misshandelten Ihn. Sie spieen Ihm ins Angesicht. Die mit Ihm gekreuzigten Verbrecher verspotteten Ihn. Die Umstehenden verhöhnten Ihn und trieben ihren Spott mit Seiner Seelenangst. Als Er ausrief: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ verdrehten sie absichtlich Seine Worte und riefen: „Halt, lasst uns sehen, ob Elias kommt, ihn zu retten!“

Und als Er dort am Kreuz hing, und die ganze Welt in allen ihren Schattierungen unter Anführung Satans mit all seiner Macht der Finsternis Ihn umringte, da legte Gott unsere Sünden auf Ihn und machte Ihn zur Sünde (2. Kor 5,21). Was muss es für Seine heilige Seele gewesen sein, die Milliarden Sünden tragen zu müssen (Kap 2,24), zur Sünde gemacht zu werden, als ob Er eine sündige Natur hätte wie wir, als ob Er die Quelle aller Sünden wäre, die wir getan haben. Wir fühlen etwas davon, wenn Er klagt: „Meine Ungerechtigkeiten haben mich erreicht, dass ich nicht sehen kann; zahlreicher sind sie als die Haare meines Hauptes, und mein Herz hat mich verlassen“ (Ps 40,12). „Ich bin versunken in tiefen Schlamm, und kein Grund ist da; in Wassertiefen bin ich gekommen, und die Flut überströmt mich“ (Ps 69,2).

In diesem Augenblick verließ Gott Ihn. Er musste rufen: „Warum hast du mich verlassen?“ Da traf Ihn das Schwert der Gerechtigkeit Gottes. Er musste sagen: „In den Staub des Todes legst du mich“ (Ps 22,1+15; Sach 13,7). Es schien, als stünde Gott auf der Seite der Welt, die Ihn ermorden wollte, auf der Seite Satans, der mit all seiner Bosheit und Macht auf Ihn losstürmte. Welch ein Leiden!

Das alles tat Er für mich! Er ist „der Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat“ (Gal 2,20). Welch ein Beweggrund ist das für mein Herz, um mein Leben ganz Ihm zu weihen, getrennt zu sein von dieser Welt, die Ihm alles dies angetan hat!

Der Apostel Paulus geht wie immer bis zur Wurzel, wenn er den Tod Christi auf uns anwendet und daraus den Schluss zieht, dass wir der Sünde gestorben sind (Röm 6). Petrus geht nicht so weit. Er bleibt bei dem praktischen Resultat stehen, bei der Pflicht, die aus dem Tod Christi hervorkommt, als einer Tatsache auf geistlichem Gebiet, dass wir nicht länger der Sünde dienen, sondern als gerechte Menschen nach dem Vorbild Christi leben. Beide schreiben jedoch mit derselben Absicht. Petrus weist uns hier nicht so sehr auf das Leiden Christi hin, um uns daran zu erinnern, dass Er es für uns erduldete, sondern er will uns mehr auf die andere Seite hinweisen, wie Er in Gehorsam Seinen Weg ging. Er kam auf die Erde, um den Willen Gottes zu tun (Heb 10,7). Alles was Er tat, war der Wille Gottes. Er konnte sagen, dass Er immer tat, was dem Vater wohlgefällig war. Es war Seine Speise, den Willen Dessen zu tun, Der Ihn gesandt hatte. Nie gab der Herr der Welt nach, nie gab Er der Sünde nach. Satan bot all seine List und all seine Macht auf, um Ihn vom Weg des Gehorsams abzubringen. Aber es gelang ihm nicht. Der Herr litt lieber Hunger, als zu essen, wenn der Vater es Ihm nicht gab (Mt 4,2–4). Ja, Er erduldete lieber all die Leiden, die Sein Teil am Kreuz wurden. Er starb lieber beladen mit unseren Sünden unter dem Gericht eines heiligen und gerechten Gottes, als den Willen Gottes nicht zu vollbringen. Als Satan Ihm in Gethsemane die ganzen Leiden vor Augen hielt, die auf Golgatha Sein Teil sein würden – Leiden, die so schrecklich waren, dass ihr Anblick Ihn „mit starkem Geschrei und Tränen“ beten ließ und Sein Schweiß wie große Blutstropfen wurde – da sagte Er: „Nicht mein Wille, sondern der deine geschehe!“

Aber jetzt ruht der Herr von der Sünde, oder Er hat mit der Sünde abgeschlossen, wie es auch übersetzt werden kann. Weder Satan, noch die Sünde, noch die Welt kann noch zu Ihm kommen, denn durch Sein Sterben hat der Herr den Schauplatz dieses Kampfes verlassen.

Obwohl wir noch in der Welt sind, gilt nun auch für uns der Grundsatz: „Wer in (dem) Fleisch gelitten hat, ruht von (der) Sünde“. Als der Herr Jesus auf der Erde war, fand die Sünde in Ihm nie eine Angriffsfläche. In Ihm war keine Sünde (1. Joh 3,5). Er wurde in allem versucht in gleicher Weise wie wir, ausgenommen die Sünde (Heb 4,15); nicht „ohne zu sündigen“ (wie es auch in mehreren holländischen Übersetzungen steht) sondern „ausgenommen die Sünde“. Es gab bei Ihm keine in Ihm wohnende Sünde wie bei uns, wodurch Satan wirken konnte. Die Versuchung kam bei Ihm nur von außen und konnte nicht nach innen dringen). Da wir aber noch in uns wohnende Sünde haben, ist dieser Grundsatz für uns abstrakt, d. h. dass Nebeneinflüssen keine Rechnung getragen wird.

Die praktische Verwirklichung wird bei uns immer nur teilweise sein, sogar hinsichtlich der Zeit, denn wir sind nicht immer gleich!

Dennoch haben auch wir mit der Sünde abgeschlossen, wenn wir den Tod Christi im Glauben für uns annehmen. Wir leben noch in der Welt, und doch ist unser Leben im eigentlichen Sinn des Wortes außerhalb der Welt. Wir gehören einer ganz anderen Welt an, und unser Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott. Die Annahme des Werkes Christi hat eine totale Änderung unserer Stellung zur Folge. Wir können nicht mehr im Fleisch, nach den Begierden der Menschen leben, sondern nur nach dem Willen Gottes. Aber das kann und wird Leiden im Fleisch, den Widerspruch von Sündern in allem was uns umgibt, für uns bedeuten, wie einst für Christus.

Es ist klar, dass es sich hier um Leiden um der Gerechtigkeit willen handelt, wie fast immer in diesem Brief (Kap 2,19; 3,17). Wenn ich der Sünde Raum gebe, leide ich nicht. Das ist der Wille des Fleisches, des alten Menschen. Der verlangt danach, die Begierden der Menschen zu tun und schreckt vor Leiden zurück. Aber wenn wir durch Gnade den Willen Gottes tun, koste es was es wolle, dann sündigen wir nicht. Es ist Leiden im Fleisch, und das trennt von der Sünde. Wer der Sünde widersteht, leidet; er richtet, hasst und durchkreuzt den Willen des Fleisches und leidet, aber tut keine Sünde. Wenn ich damit zufrieden bin, zu leiden, ist mein Wille nicht wirksam; praktisch ist dann keine Sünde vorhanden. Es ist nicht der Wille des Menschen, zu leiden. Es ist Gnade, die in Übereinstimmung mit dem Bild und den Gefühlen Christi im neuen Menschen handelt, und wir sind befreit von der Wirksamkeit des alten Menschen. Er wirkt dann nicht. Wir ruhen von ihm, haben mit ihm abgeschlossen.

Das ist der normale Zustand des Christen, wenn das Herz in Ihm ruht, Der für ihn die tiefsten Leiden auf Sich nahm. Wenn das Herz nicht mehr auf Ihn sieht, schreckt es vor Leiden zurück. Der Wille lässt fleischliche Wirksamkeit aufkommen, und die tatsächliche Sünde folgt.

Ich wiederhole, dass die Wahrheit hier abstrakt dargestellt wird. Dasselbe finden wir im ersten Johannesbrief, der nie die Nebeneinflüsse, die aus dem entgegenwirkenden Einfluss des Fleisches oder anderer Hindernisse hervorkommen, in Betracht zieht. Es ist von größter Wichtigkeit, dass die schriftgemäßen Wahrheiten – die vollkommene sittliche Wahrheit – uns auf diese Weise gegeben worden sind, also ihrer eigenen Wahrheit und Natur nach, unverändert durch die Dinge, die sie in unserer praktischen Verwirklichung beeinflussen. Jetzt können wir sie in ihrer wahren Art kennen lernen, und unser Geist wird dadurch erfrischt. Außerdem können wir so unsere Abweichungen und Abschwächungen in der praktischen Verwirklichung sehen und richten.

Es wird die Frage erhoben, ob „Fleisch“ hier den natürlichen Zustand des Menschen als Geschöpf darstellt, oder die sündige Natur des alten Menschen. Ich glaube, dass der Apostel und allgemein die Schrift nicht diesen scharfen Gegensatz machen, obwohl diese Begriffe doch auseinander gehalten werden. Vom Herrn wird gesagt, dass Er Blut und Fleisch angenommen hat, aber dass Er in Gleichgestalt des Fleisches der Sünde kam (Heb 2,14; Röm 8,3). Der natürliche Zustand des Menschen ist „im Fleisch“. Für den gefallenen Menschen bedeutet das zugleich, dass sein Leben durch die Sünde gekennzeichnet ist, und dass Gott ihn als einen solchen sieht. Beim Herrn war das natürlich nicht so, denn in Ihm war keine Sünde. So ist es auch bei dem wiedergeborenen befreiten Menschen. Er war im Fleisch. Aber jetzt sieht Gott ihn nicht mehr als durch die sündige Natur des gefallenen Menschen gekennzeichnet (Röm 7,5). Seine Stellung ist durch den in Ihm wohnenden Heiligen Geist gekennzeichnet (Röm 8,9).

Kapitel 4 Verse 3 bis 5: „Denn die vergangene Zeit (ist) genug, den Willen der Nationen vollbracht zu haben in einem Wandet [eigentlich: wandelnd] in Ausschweifungen, Lüsten, Weinsäufereien, Schmausereien, Trinkgelagen und frevelhaften Götzendienereien; wobei es sie befremdet, dass ihr nicht mitlaufet zu demselben Treiben der Ausschweifung, und lästern (euch); welche dem Rechenschaft geben werden, der bereit ist, Lebendige und Tote zu richten.

Anmerkungen

1. „vergangene“: griech.,pareleluthos' = Partizip Perfekt eines Tätigkeitsworts „vorbeigehen, zurückgehen“. Hier bedeutet es auch, dass die Zeit vorbei und abgeschlossen ist.

2. „Wille“: auch = „Absicht“

3. „frevelhaft“: griech.,athemitois' kommt im Neuen Testament nur hier und in Apg 10,28 („unerlaubt“) vor. Es bedeutet wörtlich: „gegen Gesetz und Gerechtigkeit“. Es handelt sich also um Dinge, die wahrscheinlich sogar nach den römischen Gesetzen verboten waren.

4. „Ausschweifung“: ‚asotio' =,soteria' („Rettung, Befreiung, Bewahrung“) mit dem Alpha Privativum (‚a') wodurch es verneint wird. Das Wort kommt hier und in Lk 15,13; Eph 5,18; Tit 1,6  vor. Auf eine Person bezogen bedeutet es: „unverbesserlich, aufgegeben (ohne Hoffnung)“.

Es besteht kein Zweifel, dass diese Dinge für die Nationen kennzeichnend waren (Röm 1,21–31). Aber für Juden, die in Verbindung mit dem HERRN standen, war das doch sehr erschütternd. Wie früher ihre Väter, so waren auch die Juden in der Zerstreuung in jener Zeit geneigt, mit den Nationen auf deren bösen Wegen zu gehen, denn sie waren ja weit entfernt von den wachsamen Augen in Palästina. Gott und Sein Gericht wurden – wenn auch mit einem schlechten Gewissen – ausgeschlossen, und sogar der Götzendienst wurde übernommen. Die Gläubigen wussten jetzt, dass sie nicht besser waren als die Nationen.

Aber diese Zeit war abgeschlossen, als sie durch die Gnade zur Gerechtigkeit erwacht waren. Sie hatten den Willen der Nationen bis zum äußersten getan. Nun musste der Wille Gottes die Richtschnur ihres Lebens sein.

Bis jetzt hatten sie den harten Herren der Begierden der Nationen gedient. Die Sucht nach Reichtum, Ehre, Luxus, Sittenlosigkeit, Ausschweifungen usw. ist ein harter Dienst. Wer in einem dieser Dinge gefangen ist, wird gewöhnlich auch bald der Sklave der anderen. Das Ende ist oft eine zerstörte Gesundheit, und immer ein unbefriedigtes Herz.

Im Griechischen wird für den „Willen“ Gottes nicht dasselbe Wort gebraucht wie für den „Willen“ der Nationen. Welch ein Unterschied besteht doch auch zwischen beiden! Den Willen Gottes zu vollbringen bedeutet immer Freiheit und Freude (Lk 1,74). In dem Willen der Welt liegt immer das Gefühl des Unbefriedigtseins: „ […] mit Sünden beladen, von mancherlei Lüsten getrieben [...], die immerdar lernen und niemals zur Erkenntnis der Wahrheit kommen können“ (2. Tim 3,6).

Die Ungläubigen verstehen diese Veränderung bei den Gläubigen nicht. Der natürliche Mensch kann die geistlichen Dinge nicht verstehen (1. Kor 2,14). Sie fanden es auch hier nicht nur ungewöhnlich, sondern es befremdete sie, d. h. sie empfanden es als nicht zur menschlichen Natur passend. Was verstehen sie von dem neuen Leben, das wir in der neuen Geburt empfangen? Sie können nicht begreifen, dass ein neugeborener Mensch kein Verlangen nach diesen Dingen hat, solange er in Gemeinschaft mit dem Herrn ist.

Das erste was sie tun ist, uns wieder zur Umkehr zu bringen. Schon Salomo warnte seinen Sohn davor (Spr 1,10–19). Aber wenn das nichts hilft, folgt offene Feindschaft. Das Leben der Gläubigen verurteilt sie. Sie hassen das Gute (Röm 1,32). Auch beginnen sie zu lästern, weil sie es nicht verstehen. Sie reden Böses, obwohl sie wissen, dass es nicht wahr ist (Röm 2,15). Sie unterstellen geheime hässliche Dinge und beschuldigen sie der Heuchelei.

Aber der Tag kommt, an dem sie von ihren Taten und Worten Rechenschaft ablegen müssen. Der Richter steht bereit, das Gericht auszuüben (Röm 2,16; 14,10; 2. Kor 5,10; Off 20,12). Wenn Er heute noch nicht kommt, dann nur deswegen, weil Gott gnädig ist, und den verlorenen Menschen noch die Gelegenheit gibt, sich zu bekehren, damit sie nicht ewig verloren gehen (2. Pet 3,9).

Der Vater hat das ganze Gericht dem Sohn übergeben (Joh 5,22). Er, Der von der Welt verworfen worden ist, wird diese Welt und jeden persönlich, der Ihn nicht annehmen will, richten. Davon hat Gott den Beweis gegeben dadurch, dass Er den Herrn Jesus aus den Toten auferweckte (Apg 17,31). Wie Paulus dies den Führern der weltlichen Weisheit in deren Zentrum in Athen enthüllte, so predigte Petrus es dem römischen Hauptmann in Cäsarea, dem Vertreter der Weltmacht (Apg 10,42).

Die Juden kannten das Gericht über die Lebenden, denn sie waren – jedenfalls bis zur babylonischen Gefangenschaft – der Mittelpunkt der Regierung Gottes auf der Erde gewesen. Salomo saß auf dem Thron des HERRN in Jerusalem (1. Chr 29,23). So waren die Juden oft die Ausführenden des Gerichts Gottes über die Lebenden gewesen, zum Beispiel, als sie Kanaan in Besitz nahmen (5. Mo 9,5).

Aber als die beiden Stämme Israel und Juda vom HERRN abwichen, so dass Er sie in die Hand ihrer Feinde geben und aus dem Land vertreiben musste, verließ die Herrlichkeit des HERRN Jerusalem (Hes 1,11). Er, Der der Herr der ganzen Erde genannt wird (Jos 3,11), wird von Daniel der Gott des Himmels genannt (Dan 2,37), Der die Macht über die Erde dem Haupt des Reiches gegeben hat, das als erstes gegen Ihn in Aufstand geriet (1. Mo 10,10; 11,1–9).

Jetzt ist die Regierung Gottes nicht mehr sichtbar, sondern im Verborgenen. Obwohl die Grundsätze dieser Regierung unverändert bleiben, und es dementsprechend auch jetzt noch sind (Kap 3,10), offenbart Gott Sich der Welt jetzt als der Heiland-Gott (1. Tim 2,3+4). Er bietet Gnade an und hält Sein Gericht zurück.

Das bedeutet, dass das Böse nicht augenblicklich bestraft wird, ja, manchmal in diesem Leben auf der Erde gar nicht. Es bedeutet auch, dass die Gläubigen, die Ihm dienen, von Seiten der Welt leiden müssen.

Aber einmal muss jedes Böse gerichtet werden (1. Kor 4,5; 2. Kor 5,10; Heb 9,27). Das war auch im Alten Testament so. Dabei muss jede Tat nicht nur in Gottes Regierung auf der Erde gerichtet werden, sondern zugleich im Hinblick auf das ewige Verhältnis des Schöpfers zu Seinem Geschöpf, dem Menschen. Da Gott Sich jetzt in Gnade geoffenbart und nicht jedes Böse sogleich bestraft, und da Er Sich jetzt vollkommen im Sohn geoffenbart hat, muss jetzt notwendigerweise der Nachdruck fallen auf das endlich endgültige Gericht, das Gericht der Toten.

Das Gericht der Lebendigen wird der Herr durchführen, wenn Er in Sein Königreich kommt (Mt 25,31), das Gericht über die Toten (Off 20,11) kurz bevor Er das Reich Gott, dem Vater übergibt, und der ewige Zustand beginnt (1. Kor 15,24). Der Ausdruck „Lebendige und Tote“ kommt außer an dieser Stelle auch in Apg 10,42 und 2. Tim 4,1 in Verbindung mit dem Gericht vor. In Röm 14,9 steht noch: „auf dass er herrsche sowohl über Tote als über Lebendige“.

Kapitel 4 Vers 6: „Denn dazu ist auch (den) Toten gute Botschaft verkündigt worden, auf dass sie gerichtet werden möchten (dem) Menschen gemäß nach [oder: in] (dem) Fleisch, aber leben möchten Gott gemäß nach [oder: in] (dem) Geist.“

Im Hinblick auf dieses Gericht ist früher den Menschen frohe Botschaft verkündigt worden. Abraham wurden Verheißungen gegeben (Gal 3,18). Den gläubigen Hebräern wird geschrieben, dass den Vätern gute Botschaft verkündigt worden war (Heb 4,2). Ja, Gott hat in Seiner Gnade seit dem Sündenfall eine gute Botschaft gehabt, die vor dem Gericht schützte und Leben gab. Die Schrift nennt dies das ewige Evangelium (Off 14,6+7).

Der Glaube nahm diese frohe Botschaft an, sowohl im Anfang als auch später, als sie erweitert wurde, als von der Gnade stufenweise mehr geoffenbart wurde, bis der Tod, die Auferstehung und die Verherrlichung Christi der frohen Botschaft ihre volle Größe gaben.

Wer sie nicht annahm, blieb als verantwortlicher Mensch vor Gott und wird bald gerichtet werden. Wer sie annahm, verurteilte sich selbst, indem er bekannte, dass er das Gericht Gottes verdient hatte, und er wurde von der Welt verurteilt: er musste im Fleisch leiden und wurde verlästert. Aber er empfing auch neues Leben von Gott, ein geistliches Leben, so dass er im Geist Gott gemäß lebte.

Die Schrift sagt nicht, dass die frohe Botschaft allen verkündigt worden ist. Es steht hier nicht „den Toten“, sondern nur „Toten“. Hier handelt es sich nicht darum, ob es alle gehört haben.

Im letzten Teil von Vers 6 steht nicht: „...oder leben möchten Gott gemäß nach dem Geist“, sondern: „aber...“. Daher kann ich die Erklärung, dass der erste Teil (das Gericht) das Teil derer sei, die das Evangelium nicht annehmen, und der zweite Teil (das Leben) das Teil derer, die es annehmen, nicht verstehen. Aus dem ganzen Vers und dem Zusammenhang (V. 1–6) müssen wir meines Erachtens folgern, dass sowohl das Gericht dem Menschen gemäß nach dem Fleisch als auch das Leben Gott gemäß nach dem Geist das Teil derer ist, die die frohe Botschaft annehmen. Dazu war sie ihnen verkündigt worden.

Jedem nüchtern denkenden Leser ist deutlich, dass der Gedanke, dass diese frohe Botschaft diesen Toten verkündigt wurde als sie schon gestorben waren, nicht richtig ist. Wie kann man ein „Gerichtet werden dem Menschen gemäß nach dem Fleisch“ und ein „Leben Gott gemäß nach dem Geist“ auf Tote anwenden? Sie sind ja nicht mehr im Fleisch! Die Schrift verwendet diese Ausdrücke nachdrücklich nur für auf der Erde lebende Menschen.

Die frohe Botschaft wurde ihnen verkündigt, als sie auf der Erde waren, wie es z. B. Heb 4,2 ausdrücklich sagt. Die Lehre, dass es nach dem Tod noch Gelegenheit gibt, das Evangelium anzunehmen, steht in völligem Widerspruch zum ganzen Gedankengang des Wortes Gottes.

Was wir in diesem Vers lesen, ist nicht dasselbe wie das, was in Kap 3,19 steht. Noah war der Prediger der Gerechtigkeit (2. Pet 2,5). Er predigte das Gericht, aber keine frohe Botschaft. Die Schrift verwendet in Kap 3,19 und 4,6 ausdrücklich unterschiedliche Worte.

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