Biblische Betrachtungen über das Buch Ruth

Kapitel 1

„Und es geschah in den Tagen, als die Richter richteten...“

Das Buch der Richter zeigt uns, wie es in jenen Tagen in Israel aussah. Siebenmal finden wir, dass die Kinder Israel taten, was böse war in den Augen Jehovas. Die Zahl sieben zeigt uns, dass das Böse so schrecklich, so vollendet war, dass Gott immer wieder Zucht über sein Volk ausüben musste. Feindlich gesonnene Völker dienten deshalb als Zuchtrute. Israel wurde gedemütigt, beraubt und geschlagen, besonders durch die Philister.

Viermal lesen wir: „In jenen Tagen war kein König in Israel.“ Wo keine Autorität ist, da geht es mit Riesenschritten dem Chaos entgegen. Gott hatte zwar keinen König für Sein Volk vorgesehen, aber aufgrund ihrer Untreue erfüllte ER ihnen später ihren Wunsch; und gab ihnen einen König. Gott hatte es schon im voraus gewusst (5. Mose 17,14). ER selbst genügte ihnen scheinbar nicht.

„Es war kein König in Israel“, und wenn Gott in Seiner Gnade die Richter einsetzte, so fand die Treue Gottes zu Seinem Volke darin einen Weg, um ihnen immer wieder ein Aufatmen zu geben. Den Richtern gelang es durch die Gnade Gottes, Israel für eine Zeit von den Feinden zu befreien.

Wir lesen noch etwas Wichtiges über die Zeit der Richter. In Kapitel 2,6 heißt es: „Und Josua entließ das Volk, und die Kinder Israel gingen hin, ein jeder in sein Erbteil, um das Land in Besitz zu nehmen. Und das Volk diente Jehova alle Tage der Ältesten, welche ihre Tage nach Josua verlängerten, die das ganze große Werk Jehovas gesehen, das er für Israel getan hatte.“ Und in Vers 10: „Und ein anderes Geschlecht kam nach ihnen auf, das Jehova nicht kannte und auch nicht das Werk, welches er für Israel getan hatte. Und die Kinder Israels taten, was böse war in den Augen Jehovas und dienten anderen Göttern...“ Hier werden sehr ernste Dinge genannt. Wenn wir das alles betrachten, erkennen wir, wie böse die Tage waren in denen „die Richter richteten“.

„...da entstand eine Hungersnot im Lande. Und ein Mann von Bethlehem-Juda zog hin, um sich in den Gefilden Moabs aufzuhalten, er und sein Weib und seine beiden Söhne.“

Menschlich gesehen war das ganz verständlich: Hungersnot im Lande und Überfluss in Moab. Warum hungern? Wir ziehen nach Moab. Aber von Bethlehem-Juda ging es hinab in die Ebenen. Man kann auch übersetzen: Auen oder Gründe. Oftmals finden wir in der Schrift, dass das Wort „hinab“ mit einem sich-entfernen von Gott zu tun hat (Jona 1,3; Lk 10,30). Übrigens hatte der Mann einen wunderbaren Namen: Elimelech - Herr, mein Gott ist König! Hätte er seinem Gott, dem allmächtigen König der Könige nicht voll und ganz vertrauen können? Außerdem wohnte er in Bethlehem-Juda, und von Juda hatte Jakob in seinem Segen schon etwas Wunderbares gesagt.

Elimelech versucht den Prüfungen auszuweichen (Kap. 1,2)

Wusste Elimelech nicht, dass Jakobs Segenssprüche göttliche Prophezeiungen über die Geschichte der Söhne Israels waren, und dass er selbst das Vorrecht hatte, dem Stamme Juda anzugehören, aus dem der Schilo kommen sollte?

„Nicht weichen wird das Zepter von Juda, noch der Herrscherstab zwischen seinen Füßen hinweg, bis dass Schilo kommt, und ihm werden die Völker gehorchen.“ (1. Mose 49,10)

Diese Worte beziehen sich auf den Herrn Jesus, als dem Messias Israels, dem Schilo (der Ruhebringende), dem König in Seinem zukünftigen tausendjährigen Friedensreich.

Wir wissen, dass der Herr Jesus, der wirkliche „Ruhebringer“, dem Fleische nach dem Stamm Juda entsprossen und in Bethlehem geboren ist. Er ist auch der wahre Salomo, der in Seinem wunderbaren Friedens- und Segensreich tausend Jahre herrschen wird bis an die Enden der Erde.

Wie gesegnet wäre es für Elimelech und seine Familie gewesen, wenn jene herrliche Prophezeiung in seinem Herzen Raum gehabt und er infolgedessen sein Vertrauen auf den Gott Israels gesetzt hätte. Wäre Gott nicht imstande gewesen, die Familie zu erhalten und durch die Hungersnot hindurchzubringen? Wie manche Nöte sind auch uns, besonders den Älteren, schon begegnet?! Und die Treue Gottes hat immer wieder durchgeholfen und aufrechterhalten. Und doch, haben wir nicht auch schon, wie Elimelech, versucht, den Übungen auszuweichen? So wird es auch an dem Weg unserer jungen Geschwister nicht nur Rosen, sondern auch Dornen geben. Schwierigkeiten werden auch an sie herankommen. Dann wird ihr Glaube erprobt, ob sie sich ganz auf den Herrn, auf Sein Wort und auf Seine Verheißungen stützen, oder ob Überlegungen angestellt werden, durch eigene Auswege den Prüfungen zu entgehen. Wenn wir das tun, verlieren wir den Segen, der mit den Prüfungen verbunden ist. Solche „Aus“-Wege sind meist sogar mit Vorteilen materieller Art verbunden, wie in unserer Geschichte. Doch sollten in solchen Situationen alle Fragen in Übereinstimmung mit den Gedanken Gottes entschieden werden. Das hätte Elimelech - und sicher auch manchem von uns - die bitteren Folgen seines Weges erspart.

Ein jungverheirateter Bruder wechselte höheren Gehaltes wegen seine Stelle. Der neue Arbeitsplatz und Wohnort lagen zwar in einer landschaftlich sehr schönen Gegend, aber es bestand dort keine Möglichkeit, die Zusammenkünfte von Gläubigen, die bemüht sind, sich nach den Richtlinien des Wortes Gottes zu versammeln, aufzusuchen.

Der Weg zur nächsten Versammlung war weit. Da die Geschwister kein Auto besaßen, mussten sie öffentliche Verkehrsmittel benutzen. Das war umständlich und nahm viel Zeit in Anspruch. So kam es, dass der Bruder nur alle vierzehn Tage zu den Zusammenkünften fuhr. Seine Frau blieb des Babys wegen vorerst ganz zu Hause.

Nach wie vor wollten aber die Geschwister überzeugt sein, dass der Wechsel, der Arbeit und des Wohnortes der Weg des Herrn gewesen sei. Bei einem Besuch wurde recht deutlich, dass die Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus nach schon kurzer Zeit bedenklich gelockert war. Ach, wie viele haben gesagt: „Der Herr hat uns so geführt“ und an den Folgen mussten sie erkennen lernen, dass sie eigene Wege eingeschlagen hatten. Äußeres Gedeihen und Wohlergehen mögen vorhanden sein, aber welch schlimme Folgen ergeben sich oft in geistlicher Hinsicht für eine ganze Familie! In der neuen Umgebung der genannten Geschwister gab es keine Gelegenheit Gemeinschaft mit Gläubigen zu pflegen und so begnügten sie sich mit dem Umgang mit „sehr netten, wirklich anständigen und feinen Leuten“, wie sie sagten, aus dem Kreis der Geschäftskollegen des jungen Bruders.

Die Frage, ob sie sich mit diesen auch über den Herrn Jesus und das Wort Gottes unterhalten könnten, bewirkte bei unseren Geschwistern doch noch Verlegenheit. Wie schade und ernst zugleich ist die Gemeinschaft mit Ungläubigen, denn die Freundschaft der Welt ist Feindschaft wider Gott. (Jakobus 4,4) „Welches Teil hat ein Gläubiger mit einem Ungläubigen“? (2. Korinther 6,15) Weltmenschen können noch so „nette und charakterlich einwandfreie Leute“ sein, weil sie aber die Umkehr zu dem Herrn Jesus nicht vollzogen haben, sind sie nach Gottes Wort Finsternis und Feinde Gottes (2. Korinther 6,14; Römer 5,10).

Die weitere Frage an die Geschwister „Wisst ihr, wohin ihr gegangen seid?“ beantwortete der Besucher schließlich selbst: „Ihr seid, bildlich gesprochen, nach Moab hinabgezogen.“

Das war ein ernstes Wort. Aber, dem Herrn sei Dank, die Geschwister haben die Verkehrtheit ihres Weges eingesehen. Nach Ablauf des zweijährigen Arbeitsvertrages des Bruders kamen sie wieder zurück, dorthin, wo sie den „Altar“ haben und die Zusammenkünfte der Kinder Gottes besuchen und „Gemeinschaft“ pflegen können.

Nur ein Blick des guten Hirten,
nur ein einz'ger, doch er traf
mahnend, rettend den verwirrten Jünger,
das verirrte Schaf.
Nur ein Blick von kurzer Dauer,
doch er konnte IHN verstehn;
ein Welt von Lieb und Trauer
hat er ja darin geseh'n.

Mit den Augen will ER leiten
den der Seinem Winke glaubt,
will die Hände schützend breiten
über Seiner Jünger Haupt;
zeigt mit treuem Warnungsworte
die Gefahr uns überall,
denn ER will an jedem Orte
uns bewahren vor dem Fall.

Zur Vertiefung der vorliegenden Betrachtung wird empfohlen noch folgende Bibelstellen zu lesen: 1. Mose 12,9-20; Jona 1;2. Timotheus 4,10a; Römer 12,2.

Der Weg des Eigenwillens

Elimelech zog mit seiner Familie nach Moab. Ein Weg des Eigenwillens hat immer bittere Folgen. „Siehe, Gehorchen ist besser als Schlachtopfer, Aufmerken besser als das Fett der Widder. Denn wie Sünde der Wahrsagerei ist Widerspenstigkeit, und der Eigenwille wie Abgötterei und Götzendienst“ (1. Samuel 15,22). So denkt Gott über den Eigenwillen! Dadurch setzt man sich der Zucht nach den Regierungswegen Gottes aus. „Und wenn ihr den als Vater anrufet, der ohne Ansehen der Person richtet nach eines jeden Werk, so wandelt die Zeit eurer Fremdlingschaft in Furcht“ (1. Petrus 1,17). Das ist sehr ernst! Lasst uns die kurze Zeit des Erdenlebens in Furcht vor uns selbst wandeln. Möchte es unser heiliges Begehren sein, nicht eigene Wege einzuschlagen oder in irgendeiner Weise im Eigenwillen zu handeln.

Wie lange Elimelech in Moab bleiben wollte, wissen wir nicht. Sicher nicht für immer. Wenn man sich jedoch einmal dort befindet, ist es sehr schwer, zurückzukehren. Wie ernst ist es, dass Elimelech sowie seine beiden Söhne in Moab starben. Das schöne Zeugnis, dass sein Gott König ist, wurde ausgelöscht.

Die Schrift lässt gar keinen Zweifel an der Tatsache aufkommen, dass die ganze Verantwortung für diesen verhängnisvollen Schritt bei Elimelech lag. Oft sind es auch die Frauen, die mit allerlei gefühlsbedingten Vernunftschlüssen solch schwerwiegende Entscheidungen negativ beeinflussen. Die erste Entscheidung, die in Gottes Wort überhaupt erwähnt wird, ist die folgenschwerste der ganzen Menschheitsgeschichte. Sie erfolgte unter der unrechtmäßigen Führung Evas und aufgrund des Versagens Adams. Das Resultat war die größte Katastrophe im ganzen Weltall: der Sündenfall. Die Verantwortung dafür trägt einzig und allein Adam, das Haupt des ganzen gefallenen Menschengeschlechtes.

In der Schrift haben wir den durchlaufenden Grundsatz, dass der Mann das Haupt der Familie ist. „Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch der Christus das Haupt des Mannes ist“ (Epheser 5,23). In vielen Familien ist es leider umgekehrt. Und das ist sehr schade. Wie jeder Mann - wir reden hier von Gläubigen Christus als Haupt anerkennt, so sollte es auch in der Ehe zwischen Frau und Mann sein. Dieser Grundsatz wird sogar abgeleitet von der Stellung der Versammlung (Gemeinde) dem Christus gegenüber (Epheser 5,24). Voraussetzung für die Verwirklichung dieses Grundsatzes der Schöpfungsordnung ist wohl das geistliche Verständnis über die Beziehung der Liebe zwischen Christus und Seiner Versammlung (Gemeinde), die ihre Darstellung in dem zeitlichen Verhältnis zwischen Mann und Frau finden sollte.

Für die Frage der Kindererziehung ist es von entscheidender Bedeutung, ob die Eltern mit geistlicher Einsicht in die Gedanken Gottes, im Gehorsam und Unterwürfigkeit den Platz einnehmen, der ihnen von Gott gegeben ist. Wir alle, Brüder und Schwestern, sollten uns immer wieder erforschen, ob bei uns Neigungen vorhanden sind, um entweder hinter unserer Verantwortlichkeit zurückzubleiben, oder darüber hinauszugehen. Wir bedürfen der Gnade, um den uns zugewiesenen Platz um der Ehre Gottes willen auszufüllen. In Gottes Wort gibt es wohl für jeden Fall Beispiele, wo Männer in geistlicher Weise sich als Häupter ihrer Frauen und Familien erweisen und solche, die darin versagten. So haben wir auch Frauen, die in vorbildlicher Weise eine Führungsrolle in Ehe und Familie übernehmen mussten, ohne den Platz als „Haupt“ zu beanspruchen. Darin offenbart sich tiefe Weisheit einer Frau, die alle Beachtung verdient.

In einer Familie hatte die Mutter diese Eigenschaft, ohne dass die Kinder auch nur das geringste von „Herrschaft“ ihrerseits verspürt hätten. Sie tat nichts ohne Wissen des Mannes, und selbst da, wo ihre Weisheit in gemeinsamen Entscheidungen den Ausschlag gab, wurden die Kinder davon als des Vaters Gedanken und Willen unterrichtet. Das war nicht nur taktvoll, sondern beruhte auf wahrer Gottesfurcht, um dem Mann den Platz als Haupt, und sich selbst den der Unterwürfigkeit zu geben. Für die Brüder jedoch geht es darum, wie sie ihren Platz verstehen, das Haupt der Frau zu sein. Es geht darum, dieser großen Verantwortung zu entsprechen, damit alle Entscheidungen im Lichte der Tatsache getroffen werden, dass der Christus das Haupt des Mannes ist. Wie gesegnet, wenn Mann und Frau darin in Obereinstimmung sind. Gemeinsamer Wandel in der Gegenwart des Herrn aufgrund wahrer Gottesfurcht ist die Voraussetzung zur geistlichen Aufrechterhaltung göttlicher Ordnung in Haus und Familie und auch in der Versammlung.

Ob nun Elimelech unter dem Einfluss seiner Frau stand, lässt sich aus dem Wort nicht erkennen. Jedenfalls hatte er nicht nach dem Willen Gottes gefragt, sondern nach eigenen Überlegungen gehandelt. Wie hätte er Gelegenheit gehabt, seinen Glauben durch seine Werke zu zeigen (Jakobus 2,18). Doch leider verließ er den Platz, wo er von Gott hingestellt war. Sein natürliches Verlangen war die Triebfeder zu seinem Handeln.

„Vertraue auf den Herrn und tue Gutes, wohne im Lande und weide dich an Treue; und ergötze dich an dem Herrn: so wird er dir geben die Bitten deines Herzens. Befiehl dem Herrn deinen Weg und vertraue auf ihn und er wird handeln! Vertraue still dem Herrn und harre auf ihn!“ (Psalm 37,3-5.7a)

Zur Vertiefung der vorliegenden Betrachtung wird empfohlen noch folgende Bibelstellen zu lesen: Sprüche 14,12; 16,25; Galater 6,7; Römer 8,7.

Bekenntnis und Praxis

Obwohl kein König in Israel war, bezeugte Elimelechs Name: „mein Gott ist König“. Leider vertraute er seinem Gott nicht, der ihn mit seiner Familie sicherlich durchgebracht hätte. Elia handelte anders. Er sagte: „Der Gott, vor dessen Angesicht ich stehe“ (1. Könige 17,1). Sein Name bedeutet: „Jehova ist mein Gott“. Das ist ganz persönlich. Obwohl Elia von den Beisassen Gileads war und von Gilead gesagt ist: „Gilead ist eine Stadt von Übeltätern, voll Blutspuren“ (Hosea 6,8), so war doch Jehova sein Gott. Drei Dinge, die dem Herrn wohlgefällig sind, kennzeichneten Elia: 1. Er stand vor dem Angesicht Gottes. 2. Er war ein Beisasse und Fremdling. 3. Er war ein Abgesonderter. Als die Hungersnot kam, benutzte der große, allmächtige Gott die Raben, die gefräßigsten Vögel, um den Mann Gottes am Bache Krith zu versorgen. Sie brachten „Brot und Fleisch am Morgen, und Brot und Fleisch am Abend, und er trank aus dem Bache“ (1. Könige 17,6). Als nun der Bach vertrocknet war, sandte Gott Seinen Knecht nach Zarpath zu einer Witwe, die bei seiner Ankunft im Begriff stand von der letzten Hand voll Mehl für sich und ihren Sohn zuzubereiten, um es zu essen und dann zu sterben.

Elias Glaube wurde durch diese Umstände auf eine harte Probe gestellt. Er verwirklichte jedoch die Bedeutung seines Namens: „Jehova ist mein Gott“. Elimelech hat dies leider versäumt. Was nützt das schöne Bekenntnis: „mein Gott ist König“, wenn man Ihm nicht vertraut hinsichtlich der Versorgung der Familie in Zeiten äußerer Not. Wenn für die täglichen Bedürfnisse und weit darüber hinaus, bestens gesorgt ist, wie es heute, durch Gottes Güte allgemein der Fall ist, dann ist es leicht über Glauben und Vertrauen zu reden. Doch wie war es denn in den Jahren des Hungers nach dem letzten Krieg in unserem Lande, in unseren eigenen Häusern und Familien? Die Älteren wissen es noch gut, wie um die einfachsten und geringsten Dinge gebetet und gesorgt wurde.

Wie dankbar waren damals die Menschen - auch die Unbekehrten - für eine Kruste Brot, oder gar eine „Handvoll Mehl“. Wer betet heute schon darum, oder um ein Kleidungsstück? Wer aber dankt dem Herrn genug - vor allem wir, die Kinder Gottes - für all die überreiche Güte in der Darreichung von Nahrung und Bedeckung? Ungezählte Dinge, die weit über das Maß „Nahrung und Bedeckung“ hinausgehen lässt unser Gott uns in Seiner Güte genießen. Die Gefahr des Wohllebens ist die, dass wir den Herrn in den Dingen des Lebens kaum noch nötig haben. Häufig ist die Folge davon, dass wir uns Dinge gestatten, die im Widerspruch zu unserem Bekenntnis stehen.

Elimelech verleugnete sein Bekenntnis: „mein Gott ist König“ und zog nach Moab - in die Welt. Die Moabiter zählten nicht zu den sieben Nationen im Lande Kanaan, die ein Bild von den Mächten der Bosheit in den himmlischen Örtern nach Epheser 6,12 darstellen. Sie waren aber Erzfeinde Israels. Gott hatte geboten, dass kein Moabiter, selbst nicht das zehnte Geschlecht von ihnen, in die Versammlung Jehovas kommen sollte (5. Mose 23,3-6). Sie waren wohl aus der Verwandtschaft Abrahams, ihr Ursprung aber war Blutschande (1. Mose 19). Der Name Moab bedeutet: „Vom Vater“, also Fleisch in höchster Potenz. Das „Israel Gottes“ hat gelernt das Fleisch zu richten und dem Geiste Raum zu geben. In Moab ist die Feindschaft des Fleisches gegen alles, was vom Geiste ist, in der verderblichsten Weise ans Licht gekommen. Es ist, im Bilde gesprochen, dasselbe, was heute in der religiösen Welt als der Irrtum Balaams (Judas 11) und die Lehre Balaams (Offenbarung 2,14) zu finden ist. Dorthin zog Elimelech - wenn wir es im Licht des Neuen Testamentes betrachten - um sich mit seiner Familie daselbst aufzuhalten. Wie ernst und wie schade!

Vielleicht sagt der eine oder andere Leser von sich: „Ich bin nicht gottlos und habe auch meinen Glauben.“ Die Frage ist die, ob Du Vergebung Deiner Sünden hast, ob Du den Herrn Jesus Christus als Deinen Heiland kennst! Wenn nicht, dann ist es allerhöchste Zeit mit der Schuld Deines Lebens zu dem Herrn Jesus zu kommen und Dich durch Buße zu Gott und Glauben an das Werk Christi retten zu lassen! Wer aber ein Kind Gottes ist, möge seinen gegenwärtigen Standpunkt im Lichte unserer Geschichte prüfen. Bist Du ein Abgesonderter, ein Beisasse und Fremdling? Stehst Du vor dem Angesicht Gottes, oder befindest Du Dich an einem Platz, wo das Zeugnis: „mein Gott ist König“ oder „Jehova ist mein Gott“ nicht anerkannt ist, weder dem Grundsatz noch der Praxis nach? Wir kennen alle die Geschichte Jakobs, dessen Weg oft durch Eigenwille und Plänemachen gekennzeichnet war. Was jedoch seinen Lebensabend auszeichnete, waren diese drei Dinge: 1. Er war in Ägypten ein Fremdling, 2. ein Abgesonderter und 3. er war ein Anbeter, er stand vor seinem Gott. Rückblickend auf die vielen Windungen seines Pfades sagte er: „Der Gott, vor dessen Angesicht meine Väter ... gewandelt haben, der Gott, der mich geweidet hat, seitdem ich bin bis auf diesen Tag, der Engel, der mich erlöst hat von allem Übel“ (1. Mose 48,15-16). Die älteren Leser werden sicher dankbaren Herzens in die Worte Jakobs einstimmen, und unseren lieben Jüngeren wünschen wir, dass sie ihre Schritte zurückhalten möchten, von jedem „Weg der Mühsal“, von jedem Weg nach „Moab“, in die Welt.

Wir können nicht tun und lassen, wie wir es bei den Weltkindern sehen. Das lässt der Herr nicht zu. Bei Unbekehrten mögen manche bösen Dinge verborgen bleiben, aber bei denen, die sich zu dem Herrn Jesus bekennen, kommen sie meistens sehr schnell ans Licht. Das haben viele Brüder und Schwestern schon erfahren, und haben es auf ihrem Lebensweg in Erinnerung behalten. Sie sind dadurch vor vielem bewahrt geblieben. Wir gehören dem Herrn Jesus, mit allem was wir sind und haben. Wenn wir tun, was uns beliebt, dann ist das Eigenwille, das gefällt dem Herrn nicht und wir haben die Folgen davon - unter Umständen ein ganzes Leben lang - zu tragen.

Zur Vertiefung der vorliegenden Betrachtung wird empfohlen noch folgende Bibelstellen zu lesen: 1. Thessalonicher 2,12; Epheser 4,1; Kolosser 1,9-12; Hebräer 11,1.6.

Die Gefilde Moabs

Elimelech und seine Familie zogen in die „Gefilde“ Moabs. Das natürliche Auge erblickte in Moab ein schönes, fruchtbares Land, wie einst Lot, der Vater Moabs. Dieser sah und erwählte die Ebene des Jordan. Er beging den verhängnisvollen Fehler, dieses fruchtbare Gebiet, in dem Sodom lag, an dem Land Ägypten zu messen und mit dem Garten Eden zu vergleichen. Wundert es uns, dass Lots Urteilsvermögen so verbildet war, dass er schließlich im Tore Sodoms saß? Wenn der Geschmack an den Dingen der Welt einmal entwickelt ist, wie es bei Lot in Ägypten geschehen war, dann ist die Gemeinschaft mit einem gottesfürchtigen Onkel - lies: den alten Brüdern - unbequem. Demas ist ein moderner Lot, deren es leider viele gibt. Man hat den „jetzigen Zeitlauf liebgewonnen“. (2. Timotheus 4,10) Die Losung heißt heute: „Freiheit, die ich meine!“ Abraham besaß ein Zelt und einen Altar. Er hatte Gemeinschaft mit Seinem Gott und diente Ihm. Lot wollte frei sein und geriet in Gefangenschaft, aus der Abraham ihn befreite.

Auch Gotteskinder können „freiheitliche“ Gedanken haben, um sich mehr ihrem irdischen Fortkommen widmen zu können. Man nimmt es nicht mehr genau mit dem Worte Gottes. Der „schmale Weg“ wird breiter gemacht. Dann beginnt das Abweichen, bis schließlich die Welt und ihre Dinge das Herz erfüllen. Zunächst steht zwar nur ein Fuß in der Welt, doch der Feind sorgt dafür, dass der zweite bald nachgezogen wird. Wenn ich aber praktischerweise „Leben im Überfluss“ (Johannes 10,10) im Herrn Jesus habe, dann füllt Er mein ganzes Herz aus und ich brauche nichts mehr von der Welt. Er ist dann der Zentralpunkt meines Lebens, meine Freude und meine Wonne. Ein Dichter sagt treffend:

„Leb' wohl denn du Erde, ich bin nur dein Gast,
behalt' deine Freuden, behalt' deine Last.
Es sind deine Berge und Täler gar schön,
doch nicht zu vergleichen den himmlischen Höh'n.
Und was dort vor allem mein Auge entzückt,
ist, dass es für immer den Herren erblickt.“

(vgl. Psalm 73,25+26)

Alles, was nicht mit dem Namen des Herrn Jesus vereinbar ist, ist von der Welt und ist Ballast für unser geistliches Leben. Die Gestalt der Welt, die durch „Moab“ charakterisiert wird, ist besonders gefährlich. Darin haben wir ein Bild des durch Satan konstruierten religiösen Systems: die christuslose Christenheit. Johannes warnt die Kinder Gottes:

„Liebet nicht die Welt, noch was in der Welt ist. Wenn jemand die Welt liebt, so ist die Liebe des Vaters nicht in ihm; denn alles, was in der Welt ist, die Lust des Fleisches und die Lust der Augen und der Hochmut des Lebens, ist nicht von dem Vater, sondern ist von der Welt. Und die Welt vergeht und ihre Lust; wer aber den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit“ (1. Johannes 2,15-17).

Auf religiösem Gebiet wird sehr viel „getan“ um Menschen anzuziehen und ihnen etwas zu bieten. Für Elimelech hatte Moab etwas Anziehendes, vielleicht als ein notwendiges Übel. Es gibt Dinge, von denen viele „Christen“, auch manche wahre Gotteskinder, glauben, dass sie getan werden sollten.

Aus guten Motiven meinen sie, die Welt verbessern zu können. Denken sie nicht daran, dass sie nur „Fremdlinge und ohne Bürgerrecht“ auf dieser Erde sind? (1. Petrus 2,11) Die ganze Welt liegt in dem Bösen (1. Johannes 5,19b), sie ist unverbesserlich. Der Tag des Gerichts naht (Apostelgeschichte 17,30.31; 2. Petrus 3,7-13). Auch tut man vieles für die Jugend. Man sucht sie durch Spiel und Sport u. a. zu gewinnen. Durch „heiße“ religiöse Musik angeheizt, geraten sie in fromme Ekstase. Vieles, was Satan den Menschen bietet wird in „christlich“ umfunktioniert und soll für Christus begeistern. Der Zentralpunkt: Der Schmerzensmann von Golgatha und die Erlösung durch Ihn sind eingenebelt. Viele haltlose Jugendliche lassen sich durch die schillernden Seifenblasen einer hohlen und wurmstichigen Namenschristenheit und ihrer Propaganda täuschen und marschieren mit. Christen ohne Christus! -, damit ist Satan durchaus zufrieden. „Fromm“ dürfen auch junge Menschen sein, nur nicht zum Kreuz geführt werden, zu dem Herrn Jesus. Christus bedeutet für viele nur ein Symbol für Religiosität; den „Herrn Jesus Christus“ der Heiligen Schrift kennt man nicht. „Herr Jesus“ sagt man nicht, sondern nur „Jesus“. Kinder Gottes sollten „Herr Jesus“ sagen. Wie schön ist es, wenn dies aus echter Ehrfurcht geschieht. Wir wissen, dass dazu die Kraft des Heiligen Geistes erforderlich ist (1. Korinther 12,3).

Eine andere Möglichkeit moabitische Lebensweise zu üben ist die, dass wir zwar nicht dorthin „aus“-wandern, sondern, dass „Moab“ zu uns kommt. „Es soll kein Moabiter in die Versammlung des Herrn kommen“ (5. Mose 23,3-6). Wir haben zu wachen! Die Gepflogenheiten, wie zuvor beschrieben, sind im Vormarsch in Richtung „Bethlehem-Juda“ - Brothaus, wo unser normaler Platz ist: die Versammlung des lebendigen Gottes. (1. Timotheus 3,15)

„Wenn ihr nun mit dem Christus auferweckt worden seid, so suchet, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Sinnet auf das, was droben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist; denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott.“ (Kolosser 3,1-3)

Zur Vertiefung der vorliegenden Betrachtung wird empfohlen noch folgende Bibelstellen zu lesen: 1. Petrus 1,15-19; Epheser 5,11-17; Jakobus 4,4.

Folgen eigener Wege (Ruth 1,3)

„Und Elimelech, der Mann Noomis, starb; und sie blieb mit ihren Söhnen übrig.“

Elimelech hatte seiner Verantwortung als Haupt einer Familie in Israel nicht entsprochen. Er war einen eigenen Weg gegangen und starb. Denken wir darüber nach. Wir dürfen überzeugt sein, dass Gott in seinen Regierungswegen das Leben so mancher Gläubigen vorzeitig abgeschlossen hat. Ein Bruder lebte lange Zeit in der Welt und trieb es schlimmer als viele Ungläubige. Es befiel ihn schließlich eine Krankheit, die zum Tode führte. Während dieser Krankheit kam er zur Erkenntnis seines bösen Weges. Er tat aufrichtige, gottgemäße Buße und fand zu seinem Herrn und Heiland zurück. Er bekannte auch vor Brüdern und bat, dass die Versammlung (Gemeinde) ihm vergeben möchte. Es wurde alles geordnet, aber er konnte zu seinem großen Bedauern nicht mehr an den Zusammenkünften teilnehmen. Zu einem Bruder sagte er: „Das sind Gottes Regierungswege mit mir, dass ich so dahinsieche und schon verhältnismäßig früh sterben muss“ (1. Petrus 1,15-19; 1. Petrus 4,17). Er konnte das im Blick auf sich selbst sagen. Andere haben nicht das Recht, eine solche Feststellung bezüglich ihrer Glaubensgeschwister zu machen. Es ist auch niemand befugt, Krankheit oder sonstige Leiden als Strafe für begangenes Böses zu bezeichnen. „Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet“ (Matthäus 7,1; 2. Korinther 5,10; Römer 14,10).

In Gottes Wegen mit den Gläubigen gibt es regierungsgemäße Folgen des Eigenwillens. Elimelech war seiner Stellung als Haupt der Familie nicht treu gewesen. Sein Tod war fraglos eine regierungsgemäße Folge des Hinabziehens nach Moab. Wenn Noomi Empfindungen dafür gehabt hätte, so wäre der Tod ihres Mannes bestimmt für sie Anlass gewesen, nach Bethlehem zurückzukehren. Wie schade, dass von einer Familie, deren Haupt den Namen trägt: „mein Gott ist König“ nur eine Person übrigbleibt, obwohl auch das noch Gnade ist.

Nach Elimelechs Tod war Noomi mit ihren beiden Söhnen in fremdem Land „übriggeblieben“. Es ist erschreckend, was von diesen beiden Söhnen berichtet wird. Sie nahmen sich moabitische Weiber, Orpa und Ruth. Sie wohnten daselbst bei zehn Jahren da starben auch die beiden Männer Machlon und Kiljon. Wie schade ist es, wenn von Kindern gläubiger Eltern nichts weiter zu berichten ist, als dass sie in die Welt heirateten und dass sie starben, ohne je persönlich und öffentlich zu dem Zeugnis Gottes in Beziehung gestanden zu haben. In Verbindung mit unserer Geschichte muss sogar gesagt werden, ohne dass es ungehöriges Richten wäre, dass die Eltern selbst die Söhne in die Welt geführt hatten. In Moab herangewachsen, hatten sie schnell die göttlichen Grundsätze bezüglich der Unmöglichkeit einer Verbindung mit Moab vergessen (5. Mose 23,3).

Natürlich haben die Kinder gläubiger Eltern entsprechend ihrem Alter zunehmende eigene Verantwortlichkeit. Auch Machlon und Kiljon waren beide vor Gott verantwortlich. Das schwächt aber keineswegs die ernste Tatsache ab, dass manche Eltern im Blick auf die Abwege ihrer Kinder bekennen müssen, dass Gott gegen sie gezeugt hat (Ruth 1,21). Das Wenige, und dazu noch Negative, was von Machlon und Kiljon gesagt ist, entspricht in trauriger Weise der Bedeutung ihrer Namen: „Krankheit, alles verwelkt“ und „Auszehrung, Verbrauch“. Sie werden sicher hinsichtlich Israels Vorrechte, als das Volk Gottes, nicht ganz unwissend gewesen sein. Doch die Oberflächlichkeit der Eltern in göttlichen Dingen und der Aufenthalt in Moab haben ihren Einfluss auf sie ausgeübt. Und doch waren sie für ihre unheilige Verbindung mit Moab infolge ihrer Heirat, die den Gedanken Gottes ganz entgegen war, voll verantwortlich.

Die Verantwortung der Kinder gläubiger Eltern ist jedoch in erhöhtem Maße gegeben, wenn gottesfürchtige Eltern in Treue bemüht sind, ihre Kinder in der Zucht und Ermahnung des Herrn zu erziehen. Und selbst in solchen Familien kommt es vor, dass Kinder im Ungehorsam gegen Gottes Wort und allen Warnungen und Ermahnungen zum Trotz Ehen schließen, die ein ungleiches Joch darstellen. Geistlich gesinnte Väter und Mütter werden auch darin die Hand des Herrn erblicken und in Schmerz und Beugung zu erkennen suchen, was der Herr ihnen mit diesen Wegen zu sagen hat. Je größer die Gottesfurcht solcher Eltern, umso tiefer wird das Seufzen sein, wenn eines ihrer Kinder in die Welt geheiratet hat und vom Herrn abgekommen ist. Gibt es heutzutage nicht viele christliche Familien, von denen nur noch die Eltern - oft nur ein Elternteil - allein „übriggeblieben“ sind?! Da bleibt nur noch eins: das Gebet im Vertrauen auf das unumschränkte Erbarmen Gottes.

Was nun den Weg solcher Kinder betrifft, die gegen das Wort Gottes gehandelt haben: „Seid nicht in einem ungleichen Joch mit einem Ungläubigen. Denn welche Genossenschaft hat Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? oder welche Gemeinschaft Licht und Finsternis? und welche Übereinstimmung Christus mit Belial? oder welches Teil ein Gläubiger mit einem Ungläubigen?“ (2. Korinther 6,14.15), so erinnert das an den Geist jener Zeit der Richter: „ein jeder tat, was recht war in seinen Augen.“ Die Verbindung mit einem ungläubigen Ehepartner bringt zum Ausdruck, was auch Simson sagte: „Denn sie ist recht in meinen Augen“ (Richter 14,3). Der Eigenwille ist heute wie damals nicht nur in der Welt vorherrschend, sondern leider oft auch in den Familien der Kinder Gottes. Das ist der Geist der Welt, der Geist „Moabs“ der den Hochmut des Fleisches versinnbildlicht, der in das christliche Zeugnis eingedrungen ist. Er konnte jedoch nur deshalb unter uns Fuß fassen, weil wir nicht nur unwachsam waren, sondern weil wir uns nicht genügend von Moab getrennt hielten. Besonders in den gegenwärtigen letzten Tagen frisst dieser Geist um sich wie ein Krebs. Nur konsequente Trennung von der Welt ist nach den Gedanken Gottes und kann uns vor dem Bösen bewahren. Jeder Kompromiss mit der Welt, auch mit der sogenannten religiösen Welt, ist von Satan und nicht von Gott. Niemals leitet uns der Heilige Geist zu einem Kompromiss mit dem Bösen. In dem geistlichen Wörterbuch des Gläubigen ist der Begriff „Kompromiss“ unbekannt.

Meine lieben jungen Freunde, ich bitte euch, seid auf der Hut vor der List des Feindes. Wie schnell entwickelt sich eine Freundschaft zwischen jungen Gläubigen und unbekehrten Altersgenossen. Noch schneller entwickelt sich aus einer Zuneigung zwischen einem jungen Bruder und einem ungläubigen Mädchen - oder umgekehrt - eine feste Bindung, wenn sie nicht im Keim erstickt wird. Fliehe aus den Fängen Satans. Je schneller, umso besser, du wirst es nie bereuen.

Die Folgen eigener Wege gehen oft weit

Machlon und Kiljon gehörten einem bevorrechtigten Stamm in Israel an; dem Stamm, auf dem das Königtum ruhte. Es hätte ihr normales Begehren sein sollen, einen Platz im Geschlechtsregister des kommenden Königs zu haben, Dieses Ehrenplatzes sind sie aber ihrer persönlichen Untreue wegen verlustig gegangen. Wie viele junge Brüder, die zu guten Hoffnungen Anlass gaben und in Treue ihren Weg gingen, sind durch ein „moabitisches Mädchen“ für das Volk Gottes verlorengegangen und in Moab „gestorben“. Wie traurig, wenn Gläubige aufhören, ein Zeugnis von der - Zugehörigkeit zum Volke Gottes - abzulegen.

Die regierungsgemäßen Folgen auf dem Weg des Eigenwillens sind stets schmerzlich und bestehen sehr oft für ein ganzes Leben. Die größten Schmerzen fügen wir uns meist selbst zu, weil Eigenwille und Ungehorsam die Ursache sind. Es bewegt das Herz des Herrn Jesus, eines Seiner Geliebten in Verbindungen mit solchen zu sehen, die das Herz von Ihm abziehen. Mache es wie Petrus und weiche dem liebenden und huldvollen Blick des Herrn nicht aus. Gehe in die Stille, um mit Ihm allein zu sein. Möchten dort auch bittere Tränen fließen. Es ist eine heilige und gesegnete Stunde, wenn ein Blick des Heilandes dein Herz zur Einkehr und Umkehr bewegt.

Nach dem Tode ihrer beiden Söhne heißt es von Noomi: „Und die Frau blieb allein übrig von ihren beiden Söhnen und von ihrem Manne“ (Ruth 1,5). Damit kommt ihre ganze Armut und Einsamkeit zum Ausdruck. Alles, was sie bisher besaß, war ihr genommen: ihr Erbteil in Bethlehem-Juda, ihr Mann und ihre Söhne. Sie war „allein übriggeblieben“. Sicherlich hat Noomi das Demütigende ihrer Lage empfunden. Ist jemand an diesem Punkt angelangt, dann greift Gott ein. Er möchte eine Wendung zum Guten herbeiführen. Dazu benutzt Er die Umstände und redet zu den Herzen gebeugter Seelen. Er möchte zurechtbringen und wiederherstellen. Ach, wer kann helfen und heilen außer Ihm? Wie gesegnet ist es doch, wenn in einem abgeirrten Herzen Empfindungen über das wachgerufen werden, was man verloren hat. Dann ist Gott in überwältigender Güte bereit, zu vergeben und an den Platz der Segnung zurückzubringen. Kinder Gottes können fallen, aber der Herr lässt sie nicht liegen. Doch lasst uns Furcht haben, einen eigenwilligen Weg zu gehen. Möge es unser Wunsch sein, in Treue und Gehorsam dem Herrn Jesus nachzufolgen und Ihn dadurch zu verherrlichen. Er hat uns geliebt und Sich Selbst für uns hingegeben. Wir sind „aus der gegenwärtigen bösen Welt“ herausgenommen (Galater 1,4). Wir genießen jetzt wahre Glückseligkeit durch die Gemeinschaft mit Ihm und dem Vater. Nur ein ungeteiltes Herz für den Herrn Jesus genießt Friede und Freude im Heiligen Geiste.

Wir alle bedürfen der Erziehung von Seiten Gottes. Er benutzt dazu in Seiner Liebe und Weisheit - die in Seinen Wegen mit uns immer zusammengehen - oft Methoden, die uns nicht gefallen und die wir auch nicht verstehen. Kinder Gottes wissen und halten daran fest, dass Gottes Tun stets gesegnet ist. Alles soll zu unserem Nutzen dienen, damit wir „Seiner Heiligkeit teilhaftig werden“ und damit die „friedsame Furcht der Gerechtigkeit“ hervorgebracht wird. Alles wird „erfunden werden und zu Lob und Herrlichkeit und Ehre in der Offenbarung Jesu Christi“ (1. Petrus 1,7).

Die Regierungswege Gottes, als Vater Seiner Kinder, tragen nicht immer denselben Charakter. Wir können anhand der Schrift deutlich Zucht und Läuterung unterscheiden. Zucht wendet der Vater in Seiner Liebe an, damit wir als Kinder Ihm entsprechen (Hebräer 12,4-11). Läuterung reinigt uns von Schlacken, die unser Glaubensieben behindern (1. Petrus 1,7). Auch können die Wege Gottes mit uns den Charakter von Gericht tragen, wenn wir Böses bei uns nicht richten (1. Petrus 1,17; 4,17). Im Blick auf andere sollten wir jedoch äußerste Vorsicht walten lassen, damit wir nicht Zucht als Gericht ansehen. Der Ungläubige versteht von alledem nichts. Er neigt dazu, Gott anzuklagen, anstatt einmal ernstlich über sein Leben nachzudenken und zu erkennen, dass die Güte Gottes ihn vielleicht auf diese Weise zur Buße leiten will. Gotteskinder wissen, dass alle Bemühungen ihres Vaters die Liebe zum Beweggrund haben. Wir sollten das auch in den schmerzlichsten Umständen festhalten. Es ist leicht zu sagen: „Der Fels: vollkommen ist sein Tun; denn alle seine Wege sind recht“ (5. Mose 32,4), aber schwer ist es in unerschütterlichem Vertrauen auch dann hieran festzuhalten, wenn der Tod mit kalter Hand nach dem Teuersten und Liebsten greift.

Wir müssen hier noch einen anderen Charakter der Wege Gottes mit den Seinen erwähnen, den wir vielleicht am wenigsten verstehen können, der aber in besonderer Weise ein Ausdruck der Gunst und Zuneigung Gottes zu Seinen Kindern ist. Dieses sehen wir sehr deutlich bei dem Apostel Paulus. Der Herr hatte ihm einen Dorn für das Fleisch gegeben, als Bewahrungsmittel vor Überheblichkeit wegen der ihm gewordenen Offenbarungen. Paulus verstand das zunächst nicht und bat um die Wegnahme des Dornes. Wie oft mögen wir auch schon in unserer Unwissenheit den Herrn gebeten haben, uns diese oder jene Beschwerden wegzunehmen! Der Herr in seiner Güte und Weisheit hat unsere Bitten vielleicht bis heute nicht erhört, um uns vor irgendwelchen Gefahren, die wir nicht sehen, zu bewahren.

Auf welche Weise der Herr Sich auch mit uns beschäftigen mag, wir sollten immer daran denken, dass Er nie einen Fehler macht. Wenn der Feind uns das auch einreden möchte, und Ungläubige Gott Ungereimtes zuschreiben, Gotteskinder sollten nicht fragen: „Warum?“ sondern „Wozu?“. Es ist das Bemühen des Herrn, uns von bösen Neigungen der alten Natur, oder von verkehrten Auffassungen, oder gar von bösen Wegen des Eigenwillens, durch Seinen Geist und durch Sein Wort zu überführen, um uns zur Buße zu leiten.

So geschah es bei David, indem der Herr ihm durch Nathan sagen ließ: „Du bist der Mann“ (2. Samuel 12,7). Da brach er im Lichte Gottes zusammen und beugte und demütigte sich vor seinem Gott. Sein Bekenntnis: „Ich habe gegen den Herrn gesündigt“, war aufrichtig und tiefgehend, und Gott vergab ihm in Seiner Gnade. Ein andermal gab Gott David sogar Gelegenheit zu wählen, welches Gericht Gott schicken sollte, weil David „sehr gesündigt“ hatte (2. Samuel 24,10). Im tiefen Bewusstsein seiner Schuld sagt David: „Mir ist sehr angst!“ Mögen wir doch in die Hand des Herrn fallen, denn seine Erbarmungen sind sehr groß“ (2. Samuel 24,14). Wer das Herz unseres Gottes wirklich kennt, weiß, dass Er „im Zorn des Erbarmens gedenkt“ (Habakuk 3,2).

Die vergebende und wiederherstellende Gnade Gottes (Ruth 1,6-18)

Der Geist Gottes hat uns in den ersten sechs Versen dieses Buches in knapper, aber deutlicher Schilderung den traurigen Weg der Familie Elimelechs bis zu ihrem tiefsten Punkt vor Augen geführt. Der übrige Teil des Buches redet von der unumschränkten Gnade Gottes. In lieblicher Weise wird die Wiederherstellung solcher geschildert, die jedes Anrecht auf Segen wegen ihrer eigenen Untreue verloren hatten.

Ob wir diese Geschichte als Vorbild für unseren persönlichen Weg oder als den des Volkes Gottes betrachten, man weiß nicht welche Gnade am meisten zu bewundern ist. Ob es die ist, die wir bei unserer Bekehrung erfuhren oder die, die uns auf dem Weg immer wieder zurechthilft? Oder ob es die Gnade ist, die uns bewahrt und wenn wir gefallen sind aufrichtet oder von einem Weg des Abirrens zurückführt?

Die Gnade Gottes führte Noomi zurück. Zwei Umstände ließ Gott im Blick auf Noomi zusammenwirken: Sie hatte ihre „Witwenschaft“ tief gefühlt und gleichzeitig ließ Gott sie die Nachricht hören: „Dass der Herr sein Volk heimgesucht habe, um ihnen Brot zu geben“ (Ruth 1,6). Das war nicht „zufällig“, Gott hatte es so gefügt. Wie tief Noomi dadurch beeindruckt war, zeigt uns ihr entschlossenes Handeln: „Und sie machte sich auf!“ Das war die erste Frucht infolge der Zucht Gottes. Noomi durfte die vergebende Gnade Gottes erfahren.

Auch dir will Gott vergeben, wenn du einem eigenen Weg folgtest, nun aber bereit bist, ihn einzusehen und umzukehren. Wie oft ist man bemüht, sich selbst zu beschwichtigen und zu entschuldigen, obwohl das Gewissen uns anklagt. Bedaure nicht nur die Folgen, sondern richte dich selbst und dein Tun in Aufrichtigkeit vor dem Herrn. Denke daran, dass der Herr Jesus deswegen am Kreuz auf Golgatha von dem heiligen Gott gerichtet wurde. Rückhaltloses Bekenntnis ist allein die Grundlage jeder gottgemäßen Umkehr und Wiederherstellung. Dann wird nicht nur die Gemeinschaft mit dem Vater, dem Herrn Jesus und den Gläubigen wiederhergestellt, sondern der Herr wird dich auch aufs neue segnen, gemäß dem Reichtum seiner Gnade.

Von Noomi heißt es: „Und sie machte sich auf.“ Sich „aufmachen“ ist in diesem Sinne immer ein wunderbarer Augenblick in der Geschichte unseres Glaubenslebens. Meist ist das gar nicht so einfach. Einen Neubruch zu pflügen ist oft schwieriger als eine Bekehrung. Satans Einflüsterungen sind groß und haben Macht über uns, so lange wir noch nicht am „Tiefpunkt“ angekommen sind. Dieser Tiefpunkt ist nicht etwa tiefste Versunkenheit in der Sünde, sondern der Augenblick, wo uns unser Abweichen im Lichte der Heiligkeit Gottes und der Liebe des Herrn Jesus zum Bewusstsein kommt.

So war es auch bei dem „verlorenen Sohn“. Als er diesen Punkt erreichte sprach er zu sich selbst: „Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen“ (Lukas 15,18.19). „Ich will!“ - Dagegen hat der Teufel ungezählte Einwendungen. Wenn aber ein Verirrter wirklich in Aufrichtigkeit sagt: „Ich will!“ und sich „aufmacht“, darf er alles weitere getrost dem Herrn überlassen. Wie bei der Rückkehr des verlorenen Sohnes Freude im Hause des Vaters war, so auch bei Noomis Rückkehr in Bethlehem: Die ganze Stadt geriet ihretwegen in Bewegung. Lass dich nicht zurückhalten, wenn du eine Umkehr zu vollziehen hast. Deine Rückkehr wird im Himmel Freude auslösen.

Gott hatte sein Volk heimgesucht. Nach zehnjähriger Hungersnot gab ER ihnen wieder Fruchtbarkeit und Brot. Es war nicht der Verdienst des Volkes, sondern die reine Gnade Gottes. Seine Güte, die auch wir täglich in tausend Einzelheiten erfahren, wird uns immer unbegreiflicher, je mehr wir unser tägliches Zukurzkommen in Betracht ziehen.

Wie viel Dank gebührt unserem Gott für das reiche Maß Seiner Gütigkeiten und vor allem für Seine unaussprechliche Gabe. Er hat „Seines eingeborenen Sohnes nicht geschont, sondern ihn für uns alle hingegeben“ (Römer 8,32). Darüber hinaus hat ER uns jetzt schon mit Segnungen überhäuft, die der Ausdruck Seiner vollkommenen Gnade sind. Auch für alles das, was ER uns in Seiner Durchhilfe auf dem Wege gewesen ist, lasst uns IHM von Herzen dankbar sein. Ein dankbares Herz ist ein glückliches Herz. Dankbarkeit verherrlicht Gott.

Die Herrlichkeit der wiederherstellenden Gnade, die Noomi erfuhr wird noch erhöht, wenn wir bedenken, wie ernst Gott gemäß Seiner Grundsätze die zehn Jahre in Moab beurteilt. Sie zählen in Gottes Zeitrechnung nicht - sie sind verlorene Zeit.

Ein Nasiräer in Israel (4. Mose 6) zeichnete sich durch seine völlige Absonderung für den Herrn aus. Er hatte ein Gelübde getan und durfte während dieser Zeit der Weihe für den Herrn nichts vom Weinstock essen oder trinken. Er durfte sein Haar nicht scheren und durfte zu keiner Leiche kommen. Würde er nun die ganze Zeit seiner Absonderung bis zum vorletzten Tag alle Vorschriften peinlichst genau beobachtet haben, sich aber am letzten Tag verunreinigen, so würde die ganze Zeit „verfallen“ sein. Wie schade! Vielleicht Jahre verlorener Zeit. Eine einzige Unachtsamkeit, und die Zeit der Weihe zählt bei Gott nicht.

Denken wir mit heiliger Furcht vor uns selbst daran, dass „auch unser Gott ein verzehrendes Feuer ist“ (Hebräer 12,29), d. h. wenn es sich um Sünde handelt. Wir lesen, dass das Gericht anfängt am Hause Gottes (1. Petrus 4,17). Gott, als der Vater Seiner Kinder richtet das Böse in unserem Leben, wenn wir es nicht richten und verurteilen. Gott möchte durch Seine Heiligen verherrlicht werden.

Wichtig ist es jedoch, zarte Gewissen und Empfindungen über jede Verunreinigung zu haben. Benutzen wir die Vorsorgemaßnahmen, die Gott uns in Seinem Wort gegeben hat. Kennen wir das „Waschbecken“, das eine Vorkehrung der Gnade darstellt (1. Joh 1,9)? Es gibt im Leben eines Gläubigen keinen Tag, an dem er nichts zu verurteilen oder zu bekennen hätte. Die Gemeinschaft mit dem Herrn ist sehr schnell durch unreine Gedanken oder Regungen der alten Natur unterbrochen! Dann haben wir nötig, „unsere Hände oder Füße zu waschen“, indem wir uns bewusst sind, dass auch für diese Dinge der Herr Jesus gerichtet werden musste. Wenn wir bekennen, ist Gott treu und gerecht, dass ER uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit. Wie die Priester im Alten Bunde, bevor sie ins Heiligtum gingen ihre Hände und Füße waschen mussten, so müssen auch wir immer zum „Waschbecken“ kommen. Welche wunderbare Vorkehrung der Gnade Gottes für unseren Weg, auch wenn man „zehn Jahre in Moab“ war. Wunderbar, wer irgend von einem „fernen Weg“ zurückkehrt (4. Mose 9,10). Wer da sagt: „Ich will“ und „sich aufmacht“, darf der vergebenden und wiederherstellenden Gnade sicher sein. Nicht nur das, selbst da, wo jedes Anrecht auf Segnungen scheinbar verwirkt ist, wird Gott aufs Neue segnen im Übermaß.

Noomi und ihre Schwiegertöchter

Noomi kehrte nicht allein zurück. Ihre beiden Schwiegertöchter gingen mit ihr. Welch ein gutes Verhältnis muss doch zwischen Noomi und ihren Schwiegertöchtern Orpa und Ruth bestanden haben! Schwiegermütter sind in der Welt oft nicht sehr beliebt. Es gibt sogar Spottlieder von der „bösen Schwiegermutter“. In manchen Häusern von Gotteskindern ist das Verhältnis zwischen Schwiegereltern und Schwiegertöchtern oder Schwiegersöhnen auch nicht immer so, wie es wünschenswert wäre. Wie ist es bei Dir? Wie stehst Du zu Deiner Schwiegermutter, oder zu Deinem Schwiegervater? Wenn wir uns selbst dieser Beziehungen wegen im Licht Gottes prüfen, muss da nicht mancher von uns beschämt sein Haupt beugen? Der Herr sieht und weiß alles. Den Mitgeschwistern kann man etwas vortäuschen, dem Herrn aber niemals. Wie oft mag es in unseren Häusern nicht stimmen, und man geht in diesem Zustand - mit ungerichteten Dingen im Herzen - zum Gottesdienst! Muss man sich da noch wundern, dass die Anbetung schwach, und der Heilige Geist in Seinem Wirken gehindert ist? Kleine Dinge, wie wir leichthin sagen, sind auf der Waage des Heiligtums gewogen, oft schwerwiegend. Der Prophet Hesekiel musste die Haare seines Körpers scheren (Hesekiel 5,1). Sie stellen die Auswüchse des Fleisches, der bösen, alten Natur dar (4. Mose 8,7). In den Augen des heiligen und gerechten Gottes fallen alle Auswüchse des Fleisches, ob groß oder klein, ins Gewicht. Wir mögen über „Kleinigkeiten“ hinwegsehen, bei Gott ist Fleisch immer Fleisch, ob es nun auffällig oder geringfügig erscheint, die Schärfe des Schermessers - das Wort Gottes - muss im Selbstgericht darauf angewandt werden.

Orpa und Ruth schlossen sich ihrer Schwiegermutter an. Bei einem „gespannten“ Verhältnis hätten sie wahrscheinlich gesagt: „Lass sie gehen - wir sind Moabitinnen und unser Vaterland ist hier - mag sie ihre frühere Heimat wieder aufsuchen!“ Sie gingen beide mit ihrer Schwiegermutter, um in das Land Juda zurückzukehren. Das war gar nicht so einfach! Wer einen Turm bauen will, muss zuvor die Kosten überschlagen, ob er ihn auch vollenden kann. Orpas und Ruths Vorsatz, mit Noomi in ein fremdes Land, zu einem fremden Volk mit anderen Lebensgewohnheiten, vor allem mit ganz anderem Gottesdienst zu ziehen, erforderte Entschiedenheit. Ob eine jede ihrem Vorsatz gewachsen war, zeigte sich schon bald. Beide hatten es gut gemeint. Beide schlossen sich Noomi an, um mit ihr in das Land Juda zurückzukehren!

In dem weiteren Verhalten Noomis wird offenbar, dass, wenn man längere Zeit in „Moab“ war, das geistliche Licht entschwindet. Man verliert die Einsicht in göttliche Grundsätze. Wie konnte sie sonst versuchen, ihre Schwiegertöchter zu überreden, in das götzendienerische Moab zurückzukehren? Hätte sie sich nicht vielmehr freuen sollen, dass sie bereit waren, ihr nach Israel zu folgen, um den Gott Israels kennen zu lernen? Ohne Frage hatte Noomis Zeugnis, so schwach es gewesen sein mag, die Herzen der Schwiegertöchter beeindruckt. Umso unverständlicher sind Noomis Worte: „Kehret um, eine jede zum Hause ihrer Mutter. Der Herr erweise Güte an euch!“ Sie selbst musste bekennen, dass der Herr gegen sie gezeugt hatte, ihre Schwiegertöchter aber wollte sie zur Umkehr nach Moab bewegen. „Der Herr gebe euch, dass ihr Ruhe findet, eine jede im Hause ihres Vaters... der Herr erweise Güte an euch!“

Noomi hätte wissen sollen, dass ein Herz in Moab keine Ruhe finden und dass Gott seine Güte nicht in Verbindung mit „Moab“ erweisen kann. Der Herr Jesus sagt: „Kommet her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben“ (Matthäus 11,28). In Moab gibt es keine Ruhe, weder „im Hause ihrer Mutter“ noch „im Hause ihres Mannes“. Alles, was in dieser Welt Inbegriff aller Befriedigung ist, vermag die wahre Ruhe nicht zu geben. Mag ein Mensch sich in dieser Welt alles leisten können, mag er satt sein und vor Wohlergehen nicht Wissen, was er noch anstellen könnte, so fehlt ihm doch die Ruhe des Gewissens, die allein der Herr Jesus geben kann. Nur Er ist es und die Gemeinschaft mit Ihm, worin unsere Herzen volle Befriedigung und wahre Ruhe finden.

Ruhe fand hier mein Gewissen, denn Sein Blut, o reicher Quell,
hat von allen meinen Sünden mich gewaschen, rein und hell.

Auch die Ruhe unserer Seelen finden wir allein in Ihm. „Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen“ (Matthäus 11,29). Die Ruhe des Gewissens besitzt jeder Erlöste. Die Ruhe der Seele jedoch gründet sich auf die Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus und auf den Gehorsam in der Nachfolge hinter Ihm her. Ach, der Genuss dieser Ruhe ist bei uns leider schon mal gestört. Sie war aber das beständige Teil des Herrn Jesus, während Er als Mensch über diese Erde ging. Nicht eine Sekunde hat Er sie entbehrt. Er war als der einzige vollkommen gehorsame Mensch allezeit in ungetrübter Gemeinschaft mit Seinem Gott und Vater. Lasst uns von Ihm lernen!

Es gibt auch Menschen, die einmal bekannt haben errettet zu sein, die die Ruhe des Gewissens besaßen, zeitweise auch die Ruhe der Seele genossen, aber vom Herrn abkamen und in die Welt zurückgingen. Der Feind nahm ihnen das Licht und manchen sogar die Gewissheit ihrer Bekehrung.

Jedoch muss man nicht unbedingt in die „Welt“ (1. Johannes 2,15-17) gehen, um in „Moab“ das Licht über göttliche Wahrheiten einzubüßen. In der Christenheit ist es auch finster geworden, dadurch, dass man sich immer mehr von dem wahren Licht, dem Herrn Jesus Christus und Seinem Wort entfernt hat.

Dies wird uns besonders in den sieben Sendschreiben (Offenbarung 2; 3) vorgestellt. Diese Briefe an damals bestehende Versammlungen (Gemeinden) in Kleinasien haben auch einen prophetischen Charakter. Sie zeigen uns die Geschichte des christlichen Zeugnisses vom Pfingsttage bis zur Entrückung.

Im ersten Sendschreiben an Ephesus kann der Herr zwar viel Gutes hervorheben, muss aber den ernsten Vorwurf erheben: „Aber ich habe wider dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast.“ Damit begann der Abstieg. Nachdem am Pfingsttage die Versammlung gebildet war und alles unter der Leitung des Heiligen Geistes und nach Gottes Gedanken verlief, wurde es bald anders. Denn wenn der Herr Jesus nicht mehr der alleinige Mittelpunkt (Matthäus 18,20), die alleinige Autorität und die allgenügsame Segensquelle Seiner Versammlung (Gemeinde) ist, tritt der Mensch ins Rampenlicht. Bald entstanden Spaltungen und falsche Lehrer trieben ihr zersetzendes Werk. Weltförmigkeit und Eigenwille griffen immer mehr um sich und richteten großen Schaden in der Gemeinde an. Wie sieht es heute, nach beinahe zweitausend Jahren aus? Ist nicht, neben den Sendschreiben an Thyatira, Sardes, Philadelphia, besonders das an Laodicäa kennzeichnend für den Zustand der heutigen Christenheit? Der Herr Jesus muss sagen: „Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist.... Also, weil du lau bist, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde. Weil du sagst: Ich bin reich und bin reich geworden und bedarf nichts, und weißt nicht, dass du der Elende und Jämmerliche und arm und blind und bloß bist.“

So beurteilt der Herr Laodicäa, ein Bild der Christenheit in der Endzeit, in der wir leben. Gleicht sie nicht einem „christlichen Moab“? Der Herr sagt: „Du bist blind“ - man sieht nichts mehr, das Licht ist entschwunden. Doch gibt er noch die Gelegenheit zur Umkehr. Er steht an der Tür und klopft an. Ob die christuslose Christenheit IHM öffnen wird? Davon lesen wir im Wort Gottes nichts, wohl aber, dass sie durch Gott gerichtet wird. Dem Einzelnen ist es überlassen, IHM die Herzenstür zu öffnen. „Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür auftut, zu dem werde ich eingehen und das Abendbrot mit ihm essen, und er mit mir.“

Möchten noch viele diesem Ruf folgen und den Herrn, den alleinigen Retter, einlassen in ihr Herz und in ihr Leben. Es gibt ein „Zu spät!“

Ruth geht mit - Eine wirkliche Hinwendung zu Gott

Noomi war auf dem Wege nach Bethlehem. Das Ziel stand fest vor ihren Augen: Juda, das Land ihrer Väter, das Erbteil des Volkes Gottes, Ihr Name heißt zu deutsch: „die Liebliche“. In Moab hatte sie keine lieblichen Früchte für Gott bringen können. Auch konnte Abraham in Ägypten kein Zeugnis für Gott sein. Wir lesen nicht, dass er dort einen Altar gehabt hat. Dieser redet von Gemeinschaft mit Gott. Anstatt die Freude der innigen Gemeinschaft mit Gott zu haben, hatte er auf Grund seines eigenen Weges nur mit Schwierigkeiten zu kämpfen. David musste auch die Folgen seines eigenen Willens bereuen, nachdem er in das Land der Philister geflohen war.

Wie ernst redet Gott durch diese Vorbilder zu uns, wir empfinden den Ernst Seines heiligen Wortes. Überprüfen wir uns, ob wir nur Hörer (Leser) oder Täter Seines Wortes sind.

Die Wiederherstellung Noomis war noch nicht vollendet. Wie hätte sie sonst ihren Schwiegertöchtern raten können, nach Moab zurückzukehren? Andererseits kommt hier in Verbindung mit Orpa eine wichtige Wahrheit ans Licht, indem sie dem Rat Noomis Folge leistet. Die Umstände machen oft die tiefsten Regungen des Herzens offenbar. Wenn auch das Verhältnis der Schwiegertöchter zu Noomi ein gutes war, so gehört - im Bilde gesprochen - zu einer positiven Hinwendung zu Christus mehr, als nur Zuneigung zu geliebten Menschen, die Christus angehören. Viele waren vielleicht schon an der Grenze, wussten genau, dass sie sich bekehren mussten, aber kehrten im entscheidenden Augenblick nach Moab zurück. Es ist nur ein Schritt zu dem Herrn Jesus! Aber diesen Schritt muss man selbst tun.

Beinah bekehret, es fehlt nicht viel,
beinah bekehret, nahe am Ziel.
So heißt's in manchem Fall -
später treff ich die Wahl,
heute noch nicht!

Für Orpa und Ruth war der Augenblick der Entscheidung gekommen. Noomis Aufforderung, nach Moab umzukehren, stellte sie auf die Probe. „Und Orpa küsste ihre Schwiegermutter; Ruth aber hing ihr an“ (Ruth 1,14). Die Würfel sind gefallen. Orpa kehrte zu ihrem Volke und zu ihren Göttern zurück-. Ewig verloren! Ruth aber hing Noomi an: sie erlangte einen Ehrenplatz im Geschlechtsverzeichnis des wahren Boas, des Herrn Jesus. Glückliche Ruth! Ihr Entschluss, mit Noomi zu gehen, zu sprechen: „Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott, gründete sich nicht auf die natürliche Zuneigung zu ihrer Schwiegermutter, sondern auf deren Zeugnis von der Herrlichkeit des Gottes Israels und Seines Volkes, so schwach dieses auch gewesen sein mag. Die Übungen Noomis vor ihrem Aufbruch zur Rückkehr nach Bethlehem hatten sicher auf ihre beiden Schwiegertöchter einen tiefen Eindruck gemacht, vor allem auf Ruth, so dass sie in dem entscheidenden Augenblick jenes wunderbare Zeugnis abzulegen vermochte. Sie machte sich mit allem eins, was Gegenstand des Zeugnisses Noomis war. Wunderbare Gnade Gottes, die der Ruth widerfuhr! Obwohl Noomis Zeugnis unklar und sogar mit verkehrten Gedanken über Gott vermischt war, hatte Ruth trotzdem gefühlt, dass in Noomis Herzen etwas lebte, was in Moab nicht zu erlangen war. „Dein Volk ist mein Volk.“ Was war das denn für ein Volk? Besaß es ein großes Weltreich? Nein, es war ein Volk, das durch seine eigene Schuld - unter Gottes Zucht - durch jahrelange Hungersnot gelitten hatte. Es wäre anders gewesen, wenn es auf Gottes Stimme gehört hätte; - doch sein derzeitiger Zustand war demütigend. Wenn Gott auch in Gnade Seinem Volk wieder Brot gegeben hatte, so stellte es äußerlich nichts Großes dar. Und doch: „Dein Volk ist mein Volk.“ Besteht das Volk Gottes heute aus den Vornehmen dieser Welt? Sind die Gotteskinder die Edlen, die Großen, die Mächtigen, die die Fäden der Regierung der Welt in Händen halten? Nein! Wer sich auf die Seite Christi stellt, wird von der Welt verachtet.

„Dein Volk ist mein Volk“, aber das ist noch nicht das Entscheidende. „Dein Gott ist mein Gott“, das ist das Wichtigste. darin erkennen wir den lebendigen Glauben dieser Moabitin. Durch Glauben wird man gerechtfertigt. „Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben“ ... (Römer 5,1). Auch Abraham wurde auf dem Grundsatz des Glaubens gerechtfertigt. Wie die Gläubigen aller Zeiten, so wurde auch Ruth durch Glauben gerechtfertigt. Durch Glauben stellte sie sich ganz bewusst auf die Seite Gottes und Seines Volkes. Das ist Bekehrung - wirkliche Umkehr. Sie hatte alle Brücken hinter sich abgebrochen. Ihre rückhaltlose Umkehr hat sie nie bereut. Wer sich zum Herrn Jesus bekehrt hat, muss die Brücken zur Welt abbrechen. Hast Du das schon getan? Oder hast Du noch Verbindung mit Ungläubigen über das unvermeidliche Maß hinaus? Wie stehst Du zu den Vergnügungen dieser Welt? Es wird leicht außer Acht gelassen, dass unsere Beziehungen zu Gott mit einer Ehe verglichen werden. Jakobus sagt: „Ihr Ehebrecherinnen, wisset ihr nicht, dass die Freundschaft der Welt Feindschaft wider Gott ist?“ (Jakobus 4,4) Auf mancherlei Weise kann diese innige Verbindung entwürdigt werden. Ein Christ, der eine wirkliche Umkehr vollzog, wie wir sie bei Ruth sehen, hat auch alle Brücken zur Welt abgebrochen. „Leb wohl, Moab! Leb' wohl denn, du Erde, ich bin nur dein Gast, behalt deine Freuden, behalt deine Last.“

„Nur der Tod soll scheiden zwischen mir und dir.“ Das ist konsequent. Lasst uns von Ruth lernen, entschieden zu sein. Der große Gott nahm Kenntnis von dieser Frau. Er hat sie für ihre Glaubenstat überreich gesegnet. Der Herr würde auch uns mehr segnen können, wenn wir entschiedener auf Seiner Seite stünden. Das ganze Herz für den Herrn Jesus bringt volles Glück - ein geteiltes Herz bleibt friedeleer.

Komm in Jesu Retterarme,
der das Heil für dich erwarb,
dass Er deiner sich erbarme,
der am Kreuze für dich starb!
Denn durch Jesu Blut allein
wird dein Herz von Sünden rein.

Nichts kann je die Welt dir geben,
sie vergeht mit ihrer Lust.
Suchst du Wahrheit, Licht und Leben,
komm und ruh' an Jesu Brust!
Wo der Gnadenbrunnen quillt
und dein Sehnen wird gestillt.

All die Schätze dieser Erde
kauft die Welt für Geld und Gut.
Ewig glücklich kannst du werden
nur durch Jesu Opferblut.
Was dir niemand rauben kann,
Jesus beut's umsonst dir an.

Wandelst du auf Seinem Pfade
durch die Wüste dieser Zeit,
quillt dir aus dem Born der Gnade
hier schon Himmelsseligkeit.
Droben wirst du dann im Licht
ewig schau'n Sein Angesicht.

Eine Wiederhergestellte und eine Neubekehrte (Ruth 1,19-21)

Ein Dichter sagt: „Dein Tun ist stets gesegnet, selbst wenn es hart uns scheint.“ Sicher werden wir ihm zustimmen, denn Gottes Wege sind immer gut und gnädig. Mose, der treue Knecht Gottes, sagte am Ende seines Lebens: „Der Fels, vollkommen ist sein Tun; denn alle seine Wege sind recht. Ein Gott der Treue und sonder Trug, gerecht und gerade ist er!“ (5. Mose 32,4) Aber um das mit Herzensüberzeugung sagen zu können, sind oft tiefe Übungen notwendig. Noomi hat diese schwere Lektion gelernt. Auch wir haben in der Schule Gottes vieles zu lernen. Oft dauert es Jahrzehnte, bis wir die Aufgabe können, die Gott uns stellt. Das ganze Leben bleiben wir in Seiner Schule.

„Und sie gingen beide, bis sie nach Bethlehem kamen.“ Man könnte sagen: eine Wiederhergestellte und eine Neubekehrte. In Noomis Herzen sind mit Sicherheit viele Gedanken aufgestiegen. Damals hatte sie mit ihrem Mann und ihren Söhnen diesen Ort verlassen. Bethlehem - das „Brothaus“ - wurde ihr jetzt wieder groß und bedeutungsvoll.

Eine Umkehr von einem falschen Wege ist meist viel schwerer als eine Bekehrung. Der Feind sucht mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln das zu verhindern. Besondere Überwindung kostet es, sich wieder mit den Gotteskindern in Verbindung zu setzen, mit denen man früher Gemeinschaft hatte. Der erste Gang zu ihren Zusammenkünften ist besonders schwer. Aber der Herr gibt jedem, der sich allein auf Ihn stützt und nicht auf Menschen blickt, die Kraft dazu. „Die ganze Stadt geriet ihretwegen in Bewegung.“ Alle freuten sich in Bethlehem. Noomi, eine vielleicht schon Totgeglaubte, kehrte zurück. Ja, wenn ein verirrtes Gotteskind in aufrichtiger Reue und Buße zurückkommt, ist Freude im Himmel, aber auch in der Versammlung der Kinder Gottes. Niemand denkt geringschätzend über den „verlorenen Sohn“, sondern alle rühmen die Gnade Gottes. Wenn jemand vor einem Wege nach „Moab“ bewahrt blieb, ist es nur göttliche Gnade. Sicher wird auch die Umkehr eines Bruders oder einer Schwester in manchen Herzen ernste Selbstprüfung bewirken. Wie leicht kann man innerlich vom Herrn abgekommen sein, ohne dass es nach außen in Erscheinung getreten ist. Aber der Herr hat es doch gesehen!

Ähnlich ist es auch, wie bereits gesagt, mit der gesamten Christenheit, sie ging den Weg hinab nach Moab. Nach Jahrhunderten schwerer Verfolgungen wurde das Christentum durch Kaiser Konstantin zur Staatsreligion erhoben. Die Verbindung mit der Weit war vollzogen, entgegen den Worten des Herrn Jesus: „Sie sind nicht von der Welt, gleichwie ich nicht von der Welt bin“ (Joh 17,16).

In der Reformation finden wir in etwa eine Rückkehr nach „Bethlehem“. Gott tat Großes und stellte die Wahrheit von der Rechtfertigung durch Glauben besonders auf den Leuchter. Christus und Sein vollbrachtes Erlösungswerk am Kreuze von Golgatha wurde wieder zentral gestellt. Gottes Gnade rückte scheinbar verlorengegangene Wahrheiten Seines Wortes wieder in ein helles Licht. Viele haben infolgedessen den Boden toten, religiösen Bekennertums verlassen und sind geistlicherweise nach „Bethlehem-Brothaus“ zurückgekehrt. Sie kamen mit dem „lebendigen Brot, welches aus dem Himmel hernieder gekommen ist“ in Verbindung, dem Herrn Jesus Christus selbst. Bei Ihm, dem „lebendigen Brote“, gibt es keinen Mangel, selbst dann nicht, wenn geistlicherweise die ganze Welt verhungert. Bei Ihm ist Brot in Fülle.

Wie einst Joseph in Ägypten während der mageren Jahre einer hungernden Menschheit Getreide für Brot austeilte, so dürfen alle, die sich in „Bethlehem“ befinden, einer hungernden, innerlich verschmachtenden Menschheit das Brot des Lebens austeilen. „Wirf dein Brot hin auf die Fläche der Wasser, denn nach vielen Tagen wirst du es finden“ (Prediger 11,1). Dieses Brot ist die gute Botschaft von dem alleinigen Retter und Heiland Jesus Christus, ja, Er selbst!

Der Prediger sagt nicht, dass wir es morgen schon finden würden, nein, nach „vielen Tagen“. Vielleicht werden wir erst im Himmel sehen, was Gott durch Sein Evangelium gewirkt hat. Lasst uns deshalb nicht mutlos werden, wenn wir nicht bald Frucht sehen. Die Zeiten großer Erweckungen in den sogenannten „christlichen Ländern“ sind vorüber. Sie sind heute gekennzeichnet durch Un- und Aberglauben, Abfall und Atheismus. Trotzdem rettet der Herr immer noch solche, die da wollen.

In Ländern, wo Gottes Wort unbekannt war, stellen wir einen starken Hunger nach dem Evangelium fest. Man ruft nach Arbeitern, die in die Reihen derer eintreten, die die gute Botschaft verkündigen. So lange die Gnadenzeit währt, muss der gute Same ausgestreut werden. Menschen sollen nach „Bethlehem“ geführt werden, zu dem wahren Lebensbrot, um nie mehr Mangel zu leiden.

Ruth wurde durch Noomi nach Bethlehem geführt. Sie bekannte sich zu dem Gott Israels und zu Seinem Volke. Hier würde sie volles Genüge haben. So kamen eine Wiederhergestellte und eine Neubekehrte nach Bethlehem.

„Ist das Noomi?“ so fragte man. Das Verweilen in Moab und das durchlebte Leid hatten ihr sicher einen Stempel aufgedrückt. „Nennet mich nicht Noomi (Liebliche), nennet mich Mara (Bittere - Betrübte); denn der Allmächtige hat es mir sehr bitter gemacht...“

War es nicht eigene Schuld, die Gott veranlasst hatte, auch ihr entgegenzutreten? Wie wenig erkennen wir die Wege Gottes mit uns! Auch wenn Er es uns „sehr bitter“ machen muss, ist es dennoch Seine Gnade und Liebe zu uns. „Voll bin ich gegangen und leer hat mich der Herr zurückkehren lassen.“ Ja, Gott muss oft „gegen“ uns zeugen, uns ein Halt zurufen, damit wir vor Schlimmerem bewahrt werden.

Lasst uns niemals sagen: „Der Allmächtige hat es mir sehr bitter gemacht!“ Verstehen wir hier Seine Wege nicht, droben werden wir sie erkennen und Ihm dafür danken!

Und löst sich hier das Rätsel nicht
der Tränen all', die du geweint,
im Land des ew'gen Sonnenlicht's,
da wirst du seh'n wie Er's gemeint.

Drum murre nicht und frag' nicht viel,
Er ist und bleibt dein treuster Freund.
Er kennt den Weg, Er kennt das Ziel,
da wirst du seh'n, wie Er's gemeint.

Ist bei Dir auch etwa ein Fragezeichen aufgekommen, lieber Leser? Bedenke, der Feind wird mit allerlei Argumenten kommen, um die Liebe Gottes in Frage zu stellen. Beuge Dich unter die mächtige Hand Gottes und denke daran, dass Er keinen Fehler macht! Halte das im Glauben fest und Sein Tun wird Dir zum Segen.

Rückkehr beim Beginn der Gerstenernte

So kehrte Noomi zurück, wie die Verse 19 - 21 berichten. Von Ruth, der Moabiterin, heißt es ebenfalls, dass sie aus den Gefilden Moabs „zurückkehrte“. Gottes Gnade hatte sie Seinem Volk zugezählt, bevor sie dorthin gekommen war. Aus der Moabiterin war eine Israelitin geworden. Das ist unumschränkte Gnade. In prophetischer Sicht ist Ruth ein Bild des Überrestes Israels, der eine solche Rückkehr zur vollen Segnung in zukünftigen Tagen buchstäblich erleben wird.

Noomi und Ruth waren nun aus den Gefilden Moabs, den Niederungen östlich des Toten Meeres, hinauf nach Bethlehem-Juda, dem „Brothaus“, zurückgekehrt. In Sprüche 4,18 lesen wir: „Der Pfad des Gerechten ist wie das glänzende Morgenlicht, das stets heller leuchtet bis zur Tageshöhe.“ Möge unser Glaubenspfad der aufgehenden Sonne gleichen, die immer höher steigt und an Licht und Kraft zunimmt. Ach, oft gleicht er einer Fieberkurve, die für eine kurze Zeit ihre Höhe hält, dann aber wieder abfällt oder ansteigt. Leider ist es so bei uns in diesem Leben. Aber wir dürfen uns freuen, denn das wird aufhören. Einmal wird es ganz steil nach oben gehen. Wenn der Herr Jesus kommt und uns in Seine Herrlichkeit einführt. Dann gibt es kein Versagen und kein Abgleiten mehr. Dann sind wir bei Ihm, dem wahren Lebensbrot, in ewiger Glückseligkeit. „Er wird sich umgürten und sie sich zu Tische legen lassen und wird hinzutreten und sie bedienen“ (Lukas 12,37). Unbegreifliche Güte! Sein Dienst wird den Seinen in alle Ewigkeit zur völligen Freude und vollkommenen Befriedigung ihrer Herzen sein. Unser Glaube genießt das jetzt schon im voraus.

Es war nicht von ungefähr, dass Noomi und Ruth „beim Beginn der Gerstenernte“ nach Bethlehem kamen. Ganz sicher hat das eine besondere Bedeutung. Die Gerstenernte beginnt nämlich im Monat Abib. Das ist der Monat, von dem Gott bei der Anordnung des Passahs zu Mose sagte: „Dieser Monat soll euch der Anfang der Monate sein. Er soll euch der erste sein von den Monaten des Jahres“ (2. Mose 12,2). Im bürgerlichen Jahr war er der siebte Monat. Aber Gott sagte jetzt: „Dieser Monat soll euch der Anfang der Monate sein!“ Warum wohl? Abgesehen von der prophetischen Bedeutung dieser Vorschrift in Bezug auf die Wege Gottes mit der Erde, die uns in den Festen des Herrn“ (3. Mose 23) vorgebildet ist, empfangen wir hier eine wichtige Belehrung. Die Zeit unseres Lebens vor der Bekehrung, bevor wir das Opfer Christi auf Golgatha, das wahre Passah, für uns in Anspruch nahmen, ist vor Gott wertlose Zeit, die Er nicht anerkennt und die bei Ihm nicht zählt. Der Beginn des neuen Lebens jedes Gläubigen ist das persönliche Erfassen Christi als das wahre Passahlamm. „Denn auch unser Passah, Christus, ist geschlachtet“ (1. Korinther 5,7). Dieser Tag ist der erste in der Nachfolge des Herrn Jesus.

Deshalb ist unser natürlicher Geburtstag nicht so wichtig. Leider messen selbst Gotteskinder ihm oft große Bedeutung bei. Viele Menschen treiben einen regelrechten Kult mit Geburtstagsfeiern, aber vor Gott gilt nur der „geistliche“ Geburtstag. Der Tag der Wiedergeburt ist der entscheidende. An diesem Tag ist unser Name im Buch des Lebens, des geschlachteten Lammes, eingeschrieben. Stimmt es nicht nachdenklich, dass mit den vier irdischen Geburtstagen, die wir in der Schrift finden, Blutvergießen und Tod in Verbindung stehen?

3. Mose 23, wo wir die Anordnungen über die sieben Feste des Herrn finden, lehrt uns, dass im Monat Abib außer dem Passah das Fest der ungesäuerten Brote und das der Erstlingsgarbe vorgeschrieben war. Dieses Kapitel ist ein wunderbarer Schriftabschnitt. Es ist kostbar, sich eingehend damit zu beschäftigen und darüber zu sinnen. Das Passah, die ungesäuerten Brote, die Erstlingsgarbe der Gerstenernte - sie eröffneten dem Volke Israel ein neues Jahr der Güter und Segnungen seines Gottes.

Das Passah - „Vorübergehen, Verschonung vom Gericht“ - ist ein Bild von der Erlösung durch das Werk Christi auf Golgatha. Unmittelbar daran anschließend folgte das Fest der ungesäuerten Brote, sieben Tage lang. Sieben stellt als Zahl göttlicher Vollkommenheit einen vollständigen Zeitabschnitt - unser ganzes Leben - dar, ein Leben ohne Sauerteig! Sauerteig ist in der Schrift immer ein Bild des Bösen. Gotteskinder, die verstehen, dass sie durch das Blut des Passahlammes vom Gericht verschont und für Gott erkauft sind, wünschen ihr ganzes Leben lang einen heiligen Wandel zur Ehre Gottes zu führen, abgesondert von allem Bösen.

Das Essen des Passahlammes bedeutet für die Erlösten, sich von Christus, der für uns starb zu nähren, sich Seinen Tod als Grundlage der Erlösung, zu eigen zu machen. Das ungesäuerte Brot ist Christus. Er war in Wahrheit ungesäuert. Nichts Verderbliches war an Ihm. Ungesäuertes essen heißt, Seine Wesenszüge in uns Gestalt gewinnen zu lassen, Freude und Genuss in Ihm zu finden. Dann wird Er tatsächlich unser Leben ausfüllen, so dass wir den alten Sauerteig von uns weisen und alles, was dem alten Menschen entspricht, im Tode halten. Die Erstlingsgarbe war eine Gerstengarbe, denn im Monat Abib fand der Anschnitt der Gerstenernte statt. Sie ist ein Bild von dem auferstandenen Christus, „welcher unserer Übertretung wegen dahingegeben und unser Rechtfertigung wegen auferweckt worden ist“ (Römer 4,25). Ein Opfer aus Gerste kommt nur beim Speisopfer der Eifersucht (4. Mose 5) in Betracht. So steht es auch hier in Beziehung zu der Tatsache, dass Christus unseres Zustandes wegen im Tode war und alles auf sich genommen hat, was wir verschuldet hatten. Er ist allen göttlichen Ansprüchen gerecht geworden und ist in Seiner Auferstehung für uns bei Gott wohlgefällig angenommen worden. Es ist darum das gesegnete Vorrecht der Erlösten, Christus als die Erstlingsgarbe zu Gottes Wohlgefallen vor Ihm zu „weben“. Der „Beginn der Gerstenernte“ kennzeichnet das Leben „in Bethlehem“ als ein Leben der Auferstehung, das auf das Werk am Kreuz gegründet ist.

Auf die Gerstenernte folgte die Weizenernte. Sie steht in Verbindung mit dem, was die Erlösten nach der Ordnung Christi als dem ganz und gar himmlischen Menschen sind. Im Bilde bringt die Weizenernte die Kostbarkeit dessen vor uns, was Gott in Seiner Kirche (ecclesia), die alle Erlösten umfasst, auf dieser Erde zu Seinem Wohlgefallen aufgerichtet hat. Diese drei Feste im Monat Abib weisen in den Wegen Gottes mit der Erde bildlich auf die Grundlage dafür hin, dass seit Pfingsten (Apg 2) das Evangelium des Heils verkündigt werden kann, und zwar zunächst den Juden und dann auch den Heiden. Von da an geht die Kunde von dem gekreuzigten, gestorbenen, auferstandenen und verherrlichten Christus in die ganze Welt.

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