Einführende Vorträge zum Markusevangelium

Kapitel 4

Einführende Vorträge zum Markusevangelium

Deshalb finden wir im 4. Kapitel einen Überblick über seinen Dienst von jener Zeit an bis zum Ende. Das ist der Inhalt dieses Kapitels. Es handelt sich um den Dienst des Herrn in seinen großen Grundsätzen unter dem Aspekt dieser neuen Beziehung. Er wird jetzt nicht nur als ein Ereignis gesehen, das fortschreitet – das sahen wir in dem Dienst, der bisher getan wurde –, sondern wir erkennen hier auch die Beziehung des Dienstes zu diesem besonderen neuen Werk Gottes. „Nach seinem eigenen Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit gezeugt“ (Jak 1, 18). Wir sehen den Herrn, wie Er ein Volk zubereitet, dessen Grundlage die Unterwürfigkeit unter den Willen Gottes durch das gepredigte Wort Gottes bildet. Dieses Werk wird bis zu seinem Ende betrachtet. Dabei werden auch die Schwierigkeiten derer, die an diesem Werk mitarbeiten, vorgestellt und die Versuchungen seitens dieser  Welt,  die  einen  solchen  Dienst  immer begleiten. Damit beschäftigt sich das vierte Kapitel. Deshalb handelt das erste Gleichnis – denn Er spricht in Gleichnissen zu der Volksmenge – vom Sämann. Es wird mit seinen Erklärungen ausführlich dargelegt. Danach folgen einige sittliche Ausführungen unseres Herrn. „Kommt etwa die Lampe“, sagt Er im 21. Vers, „auf dass sie unter den Scheffel oder unter das Bett gestellt werde? nicht dass sie auf das Lampengestell gestellt werde?“ Es wird nicht nur das Wort, welches an den Menschenherzen wirkt, gezeigt, sondern es wird außerdem Licht gebracht, das heißt, ein Zeugnis inmitten der Dunkelheit. Hier geht es nicht einfach um die Wirkung auf den Menschen, sondern auch um die Offenbarung des Lichtes Gottes. Deshalb sollte es nicht unter einem Bett verborgen werden. Gott berücksichtigt im Dienst nicht allein die Wirkung auf das Herz des Menschen; denn Er möchte vor allem seine Herrlichkeit vergrößern. Man benötigt nicht nur Leben, sondern auch Licht. Und das ist es, was wir zuallererst finden: Licht, das überall, nah und fern, aufstrahlt, und Samen, der Frucht bringt. Ein Teil des ausgestreuten Samens wird vom Feind aufgepickt oder gerät aus anderen, nicht ganz so offensichtlich feindlichen Gründen nicht zur Reife. Aber nachdem gezeigt wurde, wie notwendig das Leben ist, um Frucht hervorzubringen, finden wir dann den Wert des Lichts. Obwohl die Verherrlichung Gottes durch das Licht als erstes in Betracht gezogen werden muss, dient es auch zur Leitung des Menschen in einer dunklen Welt. „Sehet zu, was ihr höret.“ Es geht nicht nur darum, dass das Wort Gottes auf diese Weise überall ausgesät wird, es folgt auch die Ermahnung: „Sehet zu, was ihr höret.“  Man findet eine Vermischung dessen, was Finsternis und was Licht ist – die Verbindung eines falschen Zeugnisses mit einem wahren. Daran sollte man sich insbesondere erinnern, wenn es sich um die Frage handelt, ob ein Licht von Gott vorhanden ist. Christen mit diesem Problem sollten vor allem darauf achten, was sie hören. Sie allein haben die Fähigkeit, urteilen zu können. Deshalb wird diese Fähigkeit passenderweise hier vorgestellt, nachdem die erste Grundlage gelegt ist.

Danach folgt ein Gleichnis, das wir nur im Markusevangelium finden. Kein Teil dieses Evangeliums illustriert den Charakter des Evangeliums so eingehend wie dieses Gleichnis. „Also ist das Reich Gottes, wie wenn ein Mensch den Samen auf das Land wirft, und schläft und aufsteht, Nacht und Tag, und der Same sprießt hervor und wächst, er weiß selbst nicht wie. Die Erde bringt von selbst Frucht hervor, zuerst Gras, dann eine Ähre, dann vollen Weizen in der Ähre. Wenn aber die Frucht sich darbietet, so schickt er alsbald die Sichel, denn die Ernte ist da.“  Der Herr wird dargestellt, wie Er sich am Anfang des Werkes Gottes auf der Erde offenbart und am Ende desselben wiederkommt. Die ganze Zwischenzeit, in der andere Personen auftreten, wird weggelassen. Der vollkommene Diener hat das Werk begonnen und wird es abschließen. Hier wird das erste und das zweite Kommen des Herrn Jesus in Verbindung mit dem Dienst dargelegt 1. Er fängt das Werk, das getan werden muss, an und krönt es zuletzt. Wo finden wir etwas Ähnliches in den anderen Evangelien? Wenden wir uns zum Matthäusevangelium – was für ein Unterschied! Ohne Zweifel finden wir auch dort den säenden Herrn (Mt 13). Aber im nächsten Gleichnis, das uns die Ernte am Ende des Zeitalters vorstellt, spricht Er zu den Schnittern. Es wird nicht gesagt, dass Er selbst das Werk ausführt; denn die Absicht jenes Evangeliums erfordert, dass wir von seiner Autorität als Sohn des Menschen hören. Er befiehlt seinen Engeln. Sie alle unterstehen seinem Befehl. Er befiehlt, und sie sammeln die Ernte ein. Das ist natürlich alles richtig und stimmt auch völlig mit Gottes Absicht im Matthäusevangelium überein. Aber im Markusevangelium handelt es sich mehr um seinen Dienst und nicht um seine Autorität über Engel und andere Dinge. Es wird gezeigt, dass der Herr kommt; und Er kommt ja auch. So sind beide Darstellungsweisen richtig. Nehmen wir einmal an, man nähme das Gleichnis aus dem Markusevangelium heraus und setzte es in das Matthäusevangelium – was für ein Durcheinander! Genauso ist es, wenn man das, was im Matthäusevangelium steht, ins Markusevangelium überführt. Die Einheit des einen würde zerrissen und das, was niemals mit dem anderen verschmelzen kann, in das andere eingeführt. Alles ist, so wie Gott es geschrieben hat, in sich vollkommen. Aber in dem Augenblick, wenn man die einzelnen Abschnitte austauscht, verlieren sie ihren besonderen Bezug und ihre Eigenheiten.

Danach hören wir vom Senfkorn, welches einfach den großen Wechsel aus einem kleinen Anfang in ein gewaltiges System zeigen soll. Diese Ankündigung war für die Leitung der Knechte sehr wichtig. Sie wurden dadurch belehrt, dass das Werk des Herrn nicht seine anfängliche Einfachheit und unscheinbare Kleinheit behalten, sondern zu einer sichtbaren Größe gelangen würde. Dabei ist geistliche Kraft die wirkliche und einzig wahre Größe in dieser Welt. In dem Augenblick, wenn irgendetwas, was es auch sei, im Werk des Herrn für das natürliche menschliche Auge eindrucksvoll wird, dann kann man sich darauf verlassen, dass irgendwie falsche Grundsätze in dem Werk Fuß gefasst haben. Irgendetwas muss dann mehr oder weniger nach Welt schmecken. Deshalb war es von großer Bedeutung, dass angesichts der zunehmenden Größe in der Welt ein Überblick über die darauf folgenden wichtigen Veränderungen gegeben wurde. Diesen finden wir ausführlich im Matthäusevangelium. Das ist aber nicht das Thema des Markus. Er schreibt nur das, was für die Leitung der Knechte des Herrn ausreicht. Sie sollen wissen, dass der Herr ganz gewiss sein Werk vollenden wird, und zwar in vollkommener Weise. Er hatte es gut begonnen und wird es gut vollenden. Aber gleichzeitig würde es hier auf der Erde keine geringe Veränderung geben. Die kleine Saat des Herrn würde zu einem aufstrebenden System vor den Menschen werden, so wie der Mensch es liebt. „Und er sprach: Wie sollen wir das Reich Gottes vergleichen? oder in welchem Gleichnis sollen wir es darstellen? Gleichwie ein Senfkorn, welches, wenn es auf die Erde gesät wird, kleiner ist als alle Samen, die auf der Erde sind; und, wenn es gesät ist, aufschießt und größer wird als alle Kräuter und große Zweige treibt, so dass unter seinem Schatten die Vögel des Himmels sich niederlassen können.“  Das ist also das einzige Gleichnis, das hier hinzugefügt wird. Aber der Geist Gottes erklärt, dass der Herr bei dieser Gelegenheit einige Gleichnisse mehr ausgesprochen hat. Wir finden weitere im Matthäusevangelium, wo insbesondere volles Licht hinsichtlich der Haushaltungen erwünscht war. Für das Thema unseres Evangeliums genügte das, was wir hier gefunden haben. Es folgt nicht einmal mehr das Gleichnis vom Sauerteig, das sogar von Lukas (Kap. 13) mitgeteilt wird.

Aber dann haben wir am Ende des Kapitels noch einen lehrreichen Anhang. Es ist nichts Neues, wenn der Mensch in seinem Werk, soweit er kann, das Werk des Herrn verdirbt. Er verkehrt den Dienst zu einem Mittel der Herrschaft auf der Erde und macht dasjenige groß, was zur gegenwärtigen Zeit seine Würde darin finden sollte, dem Spott und der Schande, die das Teil Christi sind, nicht auszuweichen. Denn die Herde ist klein und nicht groß. Bis zu seiner Wiederkehr handelt es sich um ein verachtetes Werk eines verachteten Meisters. Es gibt Gefahren, denen diejenigen ausgesetzt sind, die in seinem Werk arbeiten. Ich denke, dass das der Grund ist, warum wir hier den Bericht von der Überfahrt auf dem See finden. Das Boot, in dem sich der Herr aufhielt, wurde vom Sturm hin und her geworfen. Die angsterfüllten Jünger zitterten vor dem Wind und den Wellen um sie her und dachten mehr an sich als an ihren Lehrer. Ja, sie wandten sich tadelnd an Ihn und sagten: „Lehrer, liegt dir nichts daran, dass wir umkommen?“ Ach, so sind die Knechte! Wie leicht sind sie geneigt, seine Ehre zu missachten und stattdessen für ihre eigenen Personen sehr besorgt zu sein! „Lehrer, liegt dir nichts daran, dass wir umkommen?“ Es war Kleinglaube; aber war es nicht auch eine kleine Liebe? Sie vergaßen völlig die Herrlichkeit dessen, der im Boot war. Auch das Innere ihrer Herzen wurde herausgestellt. Auf jeden Fall waren sie in Sorge um sich selbst. Das ist gefährlich bei den Knechten des Herrn. O, wenn wir uns doch selbst opfern würden! Nur für Ihn sorgen würden! Es ist jedenfalls ein Trost: Er sorgt für uns. Folglich wachte der Herr nach jenem Schrei finsteren Unglaubens, so selbstsüchtig er auch war, auf; denn sein Ohr hörte, dass er von Gläubigen kam; und Er tröstete sie. „Er wachte auf, bedrohte den Wind und sprach zu dem See: Schweig, verstumme!“ Der Wind legte sich; und es entstand eine große Stille, so dass selbst die Schiffsleute in der Gegenwart einer solchen Macht mit großer Furcht erfüllt wurden. Und sie sprachen zueinander: „Wer ist denn dieser, dass auch der Wind und der See ihm gehorchen?“

Fußnoten

  • 1 Die folgende Beweisführung Kellys wird verständlicher, wenn Offenbarung 14, 14–20 in die Betrachtung einbezogen wird. Kelly zieht seine Schlussfolgerungen vermutlich daraus, dass im Markusevangelium zwischen dem Herrn Jesus und der Ernte keine Schnitter (= Engel) erwähnt werden, im Unterschied zum Matthäusevangelium. (Übs.)
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