Einführende Vorträge zum Matthäusevangelium

Einleitung

Einführende Vorträge zum Matthäusevangelium

Es hat Gott gefallen, in den verschiedenen Berichten, die Er uns von unserem Herrn Jesus gegeben hat, nicht nur seine eigene Gnade und Weisheit, sondern auch die unendliche Vortrefflichkeit seines Sohnes darzustellen. Wir sind weise, wenn wir danach trachten, aus all dem Licht, welches Er uns gegeben hat, Nutzen zu ziehen. In dieser Absicht sollen wir vorbehaltlos, wie es der aufrichtige Christ sicher tut, das annehmen, was Gott zu unserer Belehrung in diesen verschiedenen Evangelien geschrieben hat. Wir sollen sie vergleichen, und zwar unter den verschiedenen Gesichtspunkten, die Gott in jedem Evangelium mitgeteilt hat. Dann sehen wir konzentriert die wechselnden Linien der ewigen Wahrheit, die sich in Christus treffen. Nun, ich werde in schlichter Weise – der Herr möge mir dabei helfen! – mit der Betrachtung der Evangelien anfangen und beginne mit dem Matthäusevangelium. Ich will, soweit ich dazu in der Lage bin, seine großen unterscheidenden Charakterzüge herausstellen, sowie auch den Hauptinhalt, den der Heilige Geist, wie es Ihm gefällt, hier darlegt. Wir müssen gut im Gedächtnis behalten, dass Gott es in diesem, wie auch in den anderen Evangelien, keineswegs unternommen hat, alles darzustellen, sondern nur einige ausgewählte Reden und Handlungen. Und das ist umso bemerkenswerter, weil in einigen Fällen dasselbe Wunder usw. in einigen, ja, manchmal in allen Evangelien gegeben wird. Die Evangelien sind kurz; das verwendete Material ist begrenzt – aber was sollen wir zu den Tiefen der Gnade, die hier enthüllt werden, sagen? Was zu der unmessbaren Herrlichkeit des Herrn Jesus Christus, die in ihnen überall hervorscheint?

Man kann nicht leugnen, dass es Gott gefallen hat, sich auf einen kleinen Teil der Umstände im Leben Jesu zu beschränken und trotzdem die gleichen Reden, Wunder, und welche anderen Ereignisse Er vor uns bringt, zu wiederholen. Dies stellt für mich nur umso nachdrücklicher heraus, dass Gott offenbar die Absicht hat, die Herrlichkeit seines Sohnes in jedem Evangelium unter einem bestimmten Gesichtspunkt auszudrücken. Wenn wir nun das Matthäusevangelium als Ganzes besehen und einen ganz allgemeinen Blick auf dasselbe werfen, bevor wir in die Einzelheiten gehen, erhebt sich die Frage: Welcher Hauptgedanke stand vor dem Heiligen Geist? Die einfachste Lektion ist sicherlich, sich darüber von Gott belehren zu lassen. Und wenn man es einmal gelernt hat, sollte man dieses Wissen ständig als einfachstes Hilfsmittel bei der Auslegung verwenden. Solches ist verbunden mit großem Nutzen sowie auch tiefster Belehrung, wenn wir die Ereignisse, wie sie nacheinander vor uns kommen, untersuchen. Was ist es also, das uns nicht bloß an wenigen Stellen und in einzelnen Kapiteln, sondern das ganze Matthäusevangelium hindurch vorgestellt wird? Egal, wo wir hinschauen, sei es auf den Anfang, die Mitte oder das Ende – überall zeigt sich derselbe Gegenstand. Die Worte der Einleitung führen ihn schon ein. Ist es nicht der Herr Jesus, der Sohn Davids, der Sohn Abrahams – der Messias? Aber Er ist nicht einfach der Gesalbte Jahwes, sondern eine Person, die sich als Jahwe-Messias erweist und von Gott auch so verkündet wird. Nirgendwo sonst finden wir ein ähnliches Zeugnis. Ich sage nicht, dass nicht auch in den anderen Evangelien Beweise gegeben werden, dass Er wirklich Emmanuel und auch Jahwe ist. Aber nirgendwo sonst haben wir solch eine Fülle des Beweises und vom Ausgangspunkt des Evangeliums an eine solch offensichtliche Absicht, den Herrn Jesus als einen göttlichen Messias – „Gott mit uns“ – zu verkünden.

Auch der praktische Gegenstand ist klar ersichtlich. Die allgemeine Ansicht, dass die Juden im Blickpunkt stehen, ist weitgehend richtig. Das Matthäusevangelium enthält innere Beweise, dass Gott hier speziell für die Belehrung derer unter den Seinen sorgt, die früher Juden waren. Es ist ganz besonders zu dem Zweck geschrieben worden, um jüdische Christen in ein besseres Verständnis über die Herrlichkeit des Herrn Jesus einzuführen. Folglich wird hier ausführlich jedes Zeugnis gefunden, das einen Juden überzeugen und ihm genügen musste und das seine Gedanken berichtigen und erweitern konnte. Deshalb die Genauigkeit beim Zitieren aus dem Alten Testament. Deshalb das Zusammenströmen der Prophetie auf den Messias. Deshalb auch die Art und Weise, in der die Wunder Christi und die Ereignisse seines Lebens hier zusammengestellt sind. Das Zeugnis begegnete genau den jüdischen Schwierigkeiten. Wunder finden wir zweifellos auch woanders geschildert und gelegentlich auch Prophezeiungen. Aber wo finden wir sie so zahlreich wie bei Matthäus? Wo sonst beabsichtigt der Geist Gottes so unablässig und auffallend, an allen Orten und in allen Umständen die Schrift auf den Herrn Jesus anzuwenden? Ich muss bekennen, dass es mir unmöglich erscheint, dass eine aufrichtige Seele dieser Schlussfolgerung widerstehen könnte.

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