Vorträge über den Brief an die Epheser

Kapitel 4

Bis zum zehnten Vers von Kapitel 2 betrachtet der Apostel die Ratschlüsse Gottes, die in einem irdischen Volk durch die mächtige Kraft verwirklicht werden, durch die Christus aus den Toten auferweckt wurde. Von Kapitel 2,11 bis zum Ende von Kapitel 3 betrachtet er die Veränderung, die auf der Erde stattgefunden hatte, seitdem der von Israel verworfene Christus aufgestiegen ist und so die Verwerfung Israels durch die Bosheit der Nationen bestätigt wurde. In der Versammlung wurden Juden und Heiden nicht als solche unterschieden, sondern sie werden hier gemeinsam als die Wohnung Gottes durch den Geist betrachtet. In Kapitel 3 greift Paulus dann das Geheimnis auf, das Gott offenbart hatte, und am Ende von Kapitel 3 finden wir das segensreiche Gebet, das uns dorthin führt: dass Christus in unseren Herzen der Dreh- und Angelpunkt für alles sein möge, denn Er ist der Dreh- und Angelpunkt aller Gedanken Gottes; dass wir nicht nur in Christus ruhen, sondern dass Er wirklich diesen Platz in unseren Herzen haben möge. Wie er sagt: „Erfüllt... zu der ganzen Fülle Gottes“, sodass alles mit uns in Verbindung Stehende, alles, was von uns ausströmt, daraus hervorströmt, dass Christus durch den Glauben in unseren Herzen wohnt. Dieser Christus, der uns auf diese Weise offenbart wurde, ist der Mittelpunkt aller Pläne und Ratschlüsse Gottes. In Epheser 4,1‒16 stellt Paulus die Bestimmung vor, die Gott für die Entfaltung dieser gesegneten Wahrheit bis zum Ende des Zeitalters getroffen hatte: Es sollte Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer geben – Personen, die das Werk bis zum Ende weiterführen konnten, nicht aus menschlicher Kraft, sondern in der Kraft Christi, sodass es auf diesem Schauplatz immer ein Zeugnis geben möge, eine sichere Darstellung, gesichert in Christus.

Vers 17 zeigt nicht nur, was für uns in Christus gesichert ist (und dieser Brunnen ist offen und versiegt nicht, sondern bringt immer wieder neues Wasser hervor und die Menschen können es immer empfangen), sondern er greift das Teil derjenigen auf, die es im Einzelnen empfangen. Ich habe keinen Zweifel daran, dass es eine Verbindung zwischen Epheser 2,8‒10 und dem Beginn dieses 17. Verses gibt. Paulus spricht von etwas, was er im Menschen hienieden als Gottes Werk bezeichnen kann und auch tut. Gemeint ist nicht, dass jeder Gläubige seinen Weg für Gott bestimmt hat – das finden wir an anderer Stelle.

In Kapitel 4,17 bis Kapitel 5,21 finden wir den Inhalt dieser Werke, die mit uns verbunden sind und uns so in Verbindung mit Gott bringen – die uns zu dem Werk Gottes machen. Es zeigt sich dann, dass diese Wahrheit, Liebe und Licht sind – drei Dinge, die offensichtlich nicht vom ersten, sondern vom letzten Adam kommen und vom Menschen, der aus dem Garten vertrieben wurde, nicht verstanden werden konnten. Du wirst als in der Wahrheit geschaffen bezeichnet, und diese Schöpfung ist untrennbar von Liebe und Licht.

„Verfinstert am Verstand, entfremdet dem Leben Gottes wegen der Unwissenheit, die in ihnen ist, wegen der Verhärtung ihres Herzens“ (Eph 4,18).

Es ist ein bemerkenswerter Ausdruck der Stellung des natürlichen Menschen: „Entfremdet dem Leben Gottes.“ Er „erreich[t] nicht die Herrlichkeit Gottes“ (Röm 3,23), aber dies hier ist noch stärker, denn es heißt „entfremdet dem Leben Gottes“. „Du sagst doch nicht etwa, dass ich hier leben soll als einer, der das Leben Gottes hat?“ Doch. Gott hat uns ewiges Leben gegeben, und dieses Leben ist in seinem Sohn (vgl. 1. Joh 5,11). Die Epheser waren von dieser Zeit an berufen, nicht einfach als gute Menschen zu leben, sondern als solche, die das Leben Gottes hatten. Wir sollen als Söhne und Töchter des allmächtigen Herrn leben. Wir können nicht durch den Geist mit diesem Sohn verbunden werden, ohne das Leben Gottes zu haben. Es gibt zwei Bibelstellen, die sehr ähnlich sind: Epheser 4,22‒29 und Kolosser 3,9. Das ist die besondere Stellung, in der das Kind Gottes jetzt steht – ich habe die Tracht Satans abgelegt und die des Christus angezogen.

„Ihr aber habt den Christus nicht so gelernt, wenn ihr wirklich ihn gehört habt und in ihm gelehrt worden seid, wie die Wahrheit in dem Jesus ist“ (Eph 4,20–21).

„Wie die Wahrheit in dem Jesus ist.“ Hier ist nicht die Wahrheit des Evangeliums gemeint, das die Barmherzigkeit und das Erbarmen Gottes für den armen, entfernten Sünder zeigt. Es meint das Ausmaß der Gnade, die uns, die wir zu Ihm gekommen sind, gegeben worden ist. „Ich sehe euch nicht getrennt von Christus. Ich sehe euch nicht als Teil der Welt, wie könnt ihr da als Teil der Welt leben?“ Das ist ein großartiger Gedanke. Um diese Wahrheit darzustellen, muss ich als ein Mensch leben, der aus der Hand Satans gerettet wurde, und ein Diener des Herrn Jesus Christus werden. Was sollte der Charakter meines Lebenswandels sein, nachdem ich den alten Menschen ausgezogen und den neuen angezogen habe? Ich soll als ein Mensch leben, der von der Macht der Dunkelheit befreit worden und so mit Ihm, der die Wahrheit ist, verbunden worden ist. Ohne seinen Leib, an dem ich durch Gnade ein Glied bin, konnte Ihm ebendiese Herrlichkeit, die für Ihn vorbereitet ist, nicht zuteilwerden. Was wäre dessen Bedeutung für Christus, wenn alle Macht für seinen Leib, die Versammlung, dort oben in seine Hand gegeben wäre? Wenn es so etwas wie den Leib nicht gäbe, dann könnte es die Herrlichkeit des Hauptes nicht geben; es wäre eine Verunehrung für Ihn, der zur Rechten Gottes gesetzt worden ist. Gott wollte Ihn ehren, und daher kam die Macht Gottes hervor und berief einen Mann wie Saulus von Tarsus und gab ihm und dann auch anderen ein gewisses Licht. Und dieses Licht ist zu uns gekommen, und was hat es in uns bewirkt? Als der Herr Jesus eines Nachts kam und in mein Herz schaute, kam das Ihm innewohnende ewige Leben in meine Seele hinein, und von diesem Zeitpunkt an kam ich in eine neue Stellung, indem ich Ihn selbst vor mich gestellt habe. Diese neue Stellung war eine gereinigte, außerhalb von der Welt – eine vollkommen neue Stellung. Christus droben im Himmel, das Haupt des Leibes, und Gläubige hier unten auf der Erde, Glieder dieses Leibes – diese Wahrheit wurde meiner Seele offenbart. Wenn Gott in eine Seele blickt, so wird sie belebt. Gott stürzt den Widerspenstigen nicht in eine Grube der Verzweiflung, um zu lernen, was er getan hat. Nein, dies tut Er nie; dort könnte er dies nie lernen.

Das ist das Erste, was mit diesen Werken verbunden ist. Der Maßstab für alles ist Christus. Ich habe es mit Gott und dem Vater unseres Herrn Jesus Christus zu tun. Dieser Herr Jesus Christus macht den Thron Gottes für uns zu seinem Sitz der Gnade. Alle Bemühungen Satans konnten den Herrn Jesus nicht daran hindern, sich eines Mannes wie Saulus von Tarsus anzunehmen. Er nimmt seinen Platz nicht nur als der Geber des Lebens ein, sondern als das Leben derer, die an Ihn glauben. In der Schrift gibt es keine Erlösung außer durch das Lamm. Bezüglich der Frage der Erlösung war das Lamm auf dem Thron, bevor es den Menschen offenbart werden konnte. Es muss wahr in Ihm sein, bevor es wahr für uns ist. Die Sache war wahr in Ihm. Er war in die Gegenwart Gottes gekommen und hat sich dort niedergesetzt – bevor Er uns auferweckt hat. Er war zur Rechten Gottes. Gott sah uns umherirren und einen Weg suchen, und dann ließ Er nicht nur das Licht auf uns herabscheinen, sondern gab ihm auch Kraft, in die Seele einzudringen und uns zu erquicken. Es war alles reine Gnade.

„Zürnt, und sündigt nicht. Die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorn, und gebt nicht Raum dem Teufel. Wer gestohlen hat, stehle nicht mehr, sondern arbeite vielmehr und wirke mit seinen Händen das Gute, damit er dem Bedürftigen etwas zu geben habe. Kein faules Wort gehe aus eurem Mund hervor, sondern was irgend gut ist zur notwendigen Erbauung, damit es den Hörenden Gnade darreiche. Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, durch den ihr versiegelt worden seid auf den Tag der Erlösung. Alle Bitterkeit und Wut und Zorn und Geschrei und Lästerung sei von euch weggetan, samt aller Bosheit. Seid aber zueinander gütig, mitleidig, einander vergebend, wie auch Gott in Christus euch vergeben hat“ (Eph 4,26–32).

Es gab eine Reihe von Dingen, die mit der Wahrheit praktisch nicht vereinbar waren. Der Mann Gottes war darauf bedacht, wachsam gegen sie zu sein und Gottes Kraft zu suchen, um sie vermeiden.

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