Zwölf Menschen in den Schriften des Paulus
Bedeutung und Anwendung einiger lehrmäßiger Ausdrücke von Paulus

2. Der „alte Mensch“ und der „neue Mensch“

Dieses erste Begriffspaar bezieht sich auf zwei unterschiedliche Menschengeschlechter: Auf der einen Seite steht das gefallene Menschengeschlecht unter Adam mit seinen moralischen Ordnungen (Röm 5,12) und auf der anderen Seite steht das Menschengeschlecht der neuen Schöpfung unter Christus (Off 3,14).

Der alte Mensch

Den „alten Menschen“ finden wir dreimal in den Briefen des Apostels Paulus: in Römer 6,6; in Epheser 4,22 und in Kolosser 3,9. Es handelt sich um einen abstrakten Begriff, der den moralisch verdorbenen Zustand des gefallenen Geschlechts unter Adam beschreibt. Der „alte Mensch“ ist die Verkörperung jeder hässlichen Eigenschaft, die das gefallene Menschengeschlecht ausmacht.

Der „alte Mensch“ ist mit Christus gekreuzigt worden

Römer 6,6 sagt: „Da wir dieses wissen, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde abgetan sei, dass wir der Sünde nicht mehr dienen.“ Wir lernen daraus, dass Gott den „alten Menschen“ am Kreuz Christi gerichtet hat (Röm 8,3). Dieses Gericht findet also nicht in der Seele des Gläubigen statt, sondern hat bereits am Kreuz stattgefunden.

Paulus nennt das Ergebnis: „damit der Leib der Sünde abgetan sei.“ Dabei meint er mit dem Wort „Leib“ nicht unseren physischen Körper. Er verwendet es nur, um eine Sache als Ganzes zu beschreiben.1 Der „Leib der Sünde“ wurde „abgetan“ (und nicht „vernichtet“, wie es die King-James-Bibel übersetzt), denn der Mensch nach dem Fleisch ist nach wie vor lebendig in der Welt und wurde keineswegs bereits vernichtet. Es kann nicht sein, dass sich Paulus in diesem Vers auf den menschlichen Körper bezieht, denn die Schrift bezeichnet den menschlichen Körper (der eine Schöpfung Gottes ist) niemals als eine sündige Sache. Der menschliche Körper steht unter dem Einfluss der Sünde, ist jedoch nicht in sich selbst bereits sündig. Wenn unser Körper sündig wäre, würde uns Gott nicht ermahnen unsere Leiber zum Dienst für Ihn darzustellen (Röm 12,1).2

Der Christ hat mit seinem Bekenntnis zu Christus erklärtermaßen den „alten Menschen“ ausgezogen

Unser „alter Mensch“ (der verdorbene Charakter des gefallenen Menschen) wurde nicht nur am Kreuz gerichtet; Epheser 4,22 und Kolosser 3,9 sagen uns außerdem, dass der Gläubige ihn (gemäß seiner Stellung) ausgezogen hat, als er errettet wurde. Folglich steht er überhaupt nicht mehr in Verbindung mit ihm. Es gehört zu unserem christlichen Zeugnis (unser Bekenntnis Christ zu sein), dass wir bei unserem Bekenntnis alles ausgezogen haben, das mit dem verderbten Zustand des „alten Menschen“ zu tun hatte.

In Epheser 4,175,21 geht es um einen Gläubigen, der würdig seiner Berufung wandelt, indem er vor der Welt einen vollständigen Charakterwandel offenbart. Dies entspricht dem Willen Gottes, welcher wollte, dass es in der Zeit der Abwesenheit des Herrn Jesus eine Fortsetzung von dessen moralischer Schönheit auf dieser Erde geben sollte. Und diese Fortsetzung sollte aus den Gliedern seines Leibes bestehen. Dies ist auch der Sinn der Formulierung „Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit“ (Kol 1,27). Folglich spricht Epheser 4,22–24 davon, dass der „alte Mensch“ ausgezogen ist und dass der neue Mensch angezogen ist. Es spricht von der Wiederherstellung der moralischen „Gleichheit“ Gottes im Menschen (Gläubigen), die beim Sündenfall verloren ging (1. Mos 1,26; Eph 4,24). Diese Wiederherstellung fand ihre Umsetzung in dem Geschlecht der neuen Schöpfung, dessen Haupt Christus ist (Gal 6,15; 2. Kor 5,17; Off 3,14). Der Kolosserbrief betrachtet die Dinge von der Seite der Erneuerung „des Bildes“ Gottes im Menschen, das durch den Sündenfall entstellt wurde (Kol 3,10). Dies hat damit zu tun, dass der Mensch regelrecht eine Darstellung Gottes auf Erden ist. Noch einmal: Dies fand seine Umsetzung in dem neuen Menschengeschlecht unter Christus.

In Epheser 4,17–19 beschreibt Paulus den gefallenen, verdorbenen Zustand der heidnischen Welt, aus welchem die Epheser herausgerettet wurden. Er teilt ihnen mit, dass ein solcher Lebenswandel nun völlig im Widerspruch zu ihrer Berufung in Christus steht. Er sagt: „Ihr aber habt den Christus nicht so gelernt“ (Eph 4,20). Der „Christus“ ist in den Briefen des Paulus ein Ausdruck, der die geistliche Einheit der Glieder des Leibes Christi bezeichnet, dessen Haupt im Himmel Er ist (1. Kor 12,12–13). Paulus sagt hier, dass wir zuerst unsere Berufung „in Christus“ kennen müssen. Dies entfaltet er in den ersten drei Kapiteln des Briefes. Erst dann können wir im eigentlichen Sinne „in ihm gelehrt worden“ sein, „wie die Wahrheit in dem Jesus ist“ (Eph 4,21). „Jesus“ ist der Name des Herrn, der seine Menschheit betont. Wird er allein gebraucht, ohne seine gewöhnlichen Titel als Herr und Christus, bezieht er sich auf Ihn, wie Er als Menschen auf dieser Erde wandelte. Es ist daher wichtig, die Reihenfolge in den Versen 20 und 21 zu beachten: Wir müssen zuerst unsere Stellung in „dem Christus“ kennen, bevor wir wie „Jesus“ in dieser Welt wandeln können. Viele ernste Christen kennen ihre Stellung in „dem Christus“ nicht und versuchen an Orten und in Zuständen dieser Welt wie „Jesus“ zu leben, die in völligem Widerspruch zu ihrer Berufung stehen. Folglich macht sich der Geist Gottes in keinster Weise eins mit ihrem Weg. Ein Beispiel mag ein Christ sein, der sich wie Christus zu verhalten versucht, aber ein Amt bei der Regierung innehat.

Den „alten Menschen“ auszuziehen ist keine tägliche Übung im Leben des Christen

In Epheser 4,25–32 finden wir Ermahnungen über den „alten Menschen“ und den „neuen Menschen“ basierend auf der Wahrheit unseres christlichen Zeugnisses. Leider übersetzt die King-James-Bibel Epheser 4,22–24, als richtete sich diese Ermahnung an Christen – als ob es sich um einen Umstand handelte, den wir in unsrem Leben praktisch umzusetzen hätten. Tatsächlich ist das Ausziehen des alten Menschen jedoch keine Aufgabe im Leben des Christen; es ist hingegen ein Ereignis, das stattfand, als wir unsere Stellung mit Christus eingenommen haben. Vers 22 müsste heißen: „dass ihr, was den früheren Lebenswandel betrifft, abgelegt habt den alten Menschen,“ und in Vers 24 müsste es heißen: „angezogen habt den neuen Menschen“.3 Dieses Ausziehen und Anziehen wird nicht in einem Prozess von Selbstdisziplin oder Erziehung im Leben des Gläubigen erreicht; es handelt sich um etwas, das wir bereits getan haben, als wir das christliche Zeugnis in dieser Welt annahmen.

Der „alte Mensch“ ist nicht das gleiche wie „das Fleisch“

Der Ausdruck „alter Mensch“ wird von den meisten Christen häufig synonym zu dem „Fleisch“ (unserer gefallenen, sündigen Natur) verwendet. Doch das ist nicht richtig. J. N. Darby wies darauf hin: „Der alte Mensch wird oft fälschlicherweise für das Fleisch gebraucht.“

Wenn wir einen genaueren Blick in die Schrift werfen, wird mehr als deutlich, dass der „alte Mensch“ und „das Fleisch“ nicht dasselbe sind und daher nicht austauschbar verwendet werden können. Wenn „der alte Mensch“ das Fleisch wäre, würde uns dieser Abschnitt (Eph 4,22–23) ja auffordern, dass wir das Fleisch ausziehen sollten, was eindeutig nicht der Fall ist. Es heißt nirgendwo, dass „der alte Mensch“ sich in uns befinden würde. Dies trifft nur auf das Fleisch zu. F. G. Patterson sagte: „Noch finde ich, dass die Schrift uns erlauben würde zu sagen, dass wir den alten Menschen in uns hätten. Sie lehrt uns hingegen durchaus, dass sich das Fleisch uns ins befindet.“

Darüber hinaus ist es nicht richtig vom „alten Menschen“ in einer Weise zu sprechen, als hätte er Begierden, Lüste und Gefühle, wie das Fleisch sie durchaus hat. Häufig hört man Christen Dinge sagen, wie „Der alte Mensch in uns gelüstet nach den Dingen, die sündig sind“ oder „Unser alter Mensch möchte diese oder jene böse Sache tun...“ Solche Aussagen verwechseln den alten Menschen mit dem Fleisch. H. C. B. G. sagte: „Ich weiß, was ein Mensch meint, der seine Geduld verliert und sagt, dies sei der alte Mensch. Doch der Ausdruck ist verkehrt. Wenn er gesagt hätte, es sei das Fleisch gewesen, hätte er richtiger gelegen.“

Der „alte Mensch“ ist nichts, das in dem Gläubigen gestorben wäre

Manche sprechen von dem „alten Menschen“, als ob er tot wäre. Aber noch einmal: Dieses Missverständnis impliziert, dass er einst etwas Lebendiges im Gläubigen gewesen wäre und nun gestorben sei. Es ist vielmehr eine Charakterbeschreibung unseres alten Zustands, keine lebendige Sache, die in uns gestorben wäre.

Der „alte Mensch“ ist also nichts Lebendiges in einer Person mit sündhaften Begierden, Lüsten und Gefühlen, sondern ein abstrakter Begriff, der den verdorbenen Zustand des gefallenen Menschengeschlecht beschreibt, den Gott am Kreuz gerichtet hat und den der Gläubige ausgezogen hat, als er das christliche Bekenntnis annahm.

Wir werden nicht dazu aufgefordert, den alten Menschen für tot zu halten

Da sich „der alte Mensch“ auf den verdorbenen Zustand des Menschengeschlechts bezieht, am Kreuz bereits gerichtet worden ist und vom Gläubigen ausgezogen wurde, gibt es keine Ermahnung in der Schrift, dass Christen den „alten Menschen“ für tot halten sollten (obwohl dies immer wieder gesagt wird). Auch das würde wieder bedeuten, dass es sich beim „alten Menschen“ um etwas Lebendiges in uns handeln würde (d. h. das Fleisch) und dass es notwendig wäre, es aber nicht als solches anzusehen.

Das bedeutet nicht, dass wir nicht aufpassen müssten, es der gefallenen Natur zu erlauben, zum Zuge zu kommen. Die Schrift gibt uns durchaus diese Aufforderung: „haltet dafür, dass ihr der Sünde tot seid“ (Röm 6,11). Wie bereits zuvor erwähnt muss jede lehrmäßige Wahrheit eine praktische Bedeutung für unser Leben beinhalten. Die Bestimmtheit der Verse, die in Epheser 4 folgen, zeigt, dass der Gläubige die Merkmale des „alten Menschen“ nicht mehr aufweisen soll – und stattdessen die des „neuen“. Das ist der Punkt der Ermahnung in Epheser 4.

Der „alte Mensch“ ist nicht Adam persönlich

Außerdem wollen wir beachten, dass es sich bei „dem alten Menschen“ nicht um Adam persönlich handelt, sondern um das, was charakteristisch für sein gefallenes und verdorbenes Menschengeschlecht ist. Um den „alten Menschen“ genauer zu sehen, müssen wir dieses gefallene Geschlecht unter Adam als Ganzes betrachten, denn es ist unwahrscheinlich, dass irgendeine einzelne Person von sämtlichen hässlichen Merkmalen gegenzeichnet wäre, die den verdorbenen Zustand ausmachen. Beispielsweise mag eine Person des gefallenen Menschengeschlechts dadurch charakterisiert sein, zornig und betrügerisch zu sein, aber nicht unmoralisch. Eine andere Person mag hingegen nicht dafür bekannt sein in Zorn auszubrechen oder betrügerisch zu sein, doch sie ist furchtbar unmoralisch. Wenn wir jedoch das Geschlecht als Ganzes betrachten, sehen wir alle hässlichen Merkmale, die den „alten Menschen“ ausmachen.

Der „alte Mensch“ ist nicht unsere alte Stellung vor Gott

Noch sollten wir den „alten Menschen“ als unser alte Adam-Stellung, die wir vor unsere Bekehrung vor Gott innehatten, ansehen. Unsere alte Stellung wird durch die Formulierung „in Adam“ (1. Kor 15,22) ausgedrückt und unsere neue Stellung nach der Bekehrung durch die Formulierung „in Christus“ (Röm 8,1). „In Christus“ bedeutet an der Position von Christus vor Gott zu stehen. Christus ist für uns angenommen worden und das Maß seiner Annahme ist nun auch unser Teil geworden. Wir sind so angenommen, wie Er es ist! Die Schrift bestätigt diesen Gedanken, indem sie sagt: Wie Er ist, sind auch wir in dieser Welt (vgl.: 1. Joh 4,17).

In den Briefen des Paulus ist unserem alten Zustand der Ausdruck „im Fleisch“ gewidmet (Röm 7,5; 8,8–9). Und unser neuer Zustand wird immer durch die Formulierung „im Geist“ (Röm 8,9; Gal 5,16.25) ausgedrückt. Allerdings ist das Fleisch noch in uns, auch wenn wir nicht mehr „im Fleisch“ sind, und es wird sich regen, wenn wir nicht im Geist wandeln. Und wenn es zu wirken beginnt, werden sich die hässlichen Merkmale des „alten Menschen“ offenbaren.

Der neue Mensch

Diesen Ausdruck finden wir in Epheser 4,24 und in Kolosser 3,10. Wie auch beim „alten Menschen“, so handelt es sich auch bei „neuen Menschen“ um einen abstrakten Ausdruck, der sich auf die neue Ordnung moralischer Vollkommenheit in dem Menschengeschlecht der neuen Schöpfung unter Christus bezieht. Während der „alte Mensch“ dadurch gekennzeichnet ist, „verdorben“ und „betrügerisch“ zu sein, ist der neue Mensch gekennzeichnet durch „Gerechtigkeit und Heiligkeit“ (Eph 4,22–24). Der „neue Mensch“ ist der neue Zustand, der das neue Menschengeschlecht unter Christus kennzeichnet. Diese neue moralische Ordnung der Menschheit ist zum ersten Mal „in Jesus“ sichtbar geworden, als Er über diese Erde ging (Eph 4,21).

Der „neue Mensch“ ist nicht Christus persönlich

Wie der „alte Mensch“ nicht Adam persönlich ist, so ist auch der „neue Mensch“ nicht Christus persönlich – auch wenn dessen Leben durch alles charakterisiert war, was den neuen Menschen ausmacht. George Davison sagte: „Der neue Mensch entspricht nicht Christus persönlich, sondern er entspricht Christus charakterlich.“ Jedes moralische Merkmal des „neuen Menschen“ konnte in Ihm in Vollkommenheit gesehen werden.

Dieses Menschengeschlecht der neuen Schöpfung begann nicht bevor Christus aus den Toten auferstand, um dessen Haupt zu werden. Als „der Erstgeborene aus den Toten“ (Kol 1,18) hat Er den Geist Gottes in diese Welt gesandt, um Gläubige („viele Brüder“) mit sich Selbst in dem Geschlecht der neuen Schöpfung zu verbinden (Röm 8,29). Wir sind „alle von einem [Christus]“ und gehören zu derselben Menschheitsordnung in diesem neuen Geschlecht (Heb 2,10–13). Der „neue Mensch“ ist nicht ganz dasselbe, wie der „eine neue Mensch“ in Epheser 2,15, der sich auf die Einheit der gläubigen Juden und der Heiden in einem Körper in dem Christus im Himmel bezieht. Der „neue Mensch“ ist eine Beschreibung dieser neuen moralischen Menschenordnung in dem Geschlecht der neuen Schöpfung.

Der „neue Mensch“ ist nicht das neue Leben im Gläubigen

So wie der „alte Mensch“ ein abstrakter Ausdruck ist, der sich nicht auf etwas Lebendiges in uns mit Wünschen und Sehnsüchten bezieht; so bezieht sich auch der „neue Mensch“ nicht auf etwas Lebendiges in uns. Dieses Missverständnis ist jedoch unter Christen weit verbreitet. Aussagen wie „Der neue Mensch in uns benötigt ein Ziel, auf das er blicken kann“ oder „Wir müssen uns von Dingen ernähren, die den neuen Menschen zufrieden stellen“ verwechseln den „neuen Menschen“ mit unserem neuen Leben und unserer neuen Natur, die selbstverständlich Wünsche und Sehnsüchte hat.

Da der „neue Mensch“ nach dem Bild dessen gestaltet ist, der ihn geschaffen hat (Kol 3,10) und zum neuen Menschengeschlecht gehört, sind wir jetzt ganz und gar fähig Christus in dieser Welt zu repräsentieren. Die Kennzeichen des „neuen Menschen“ werden in uns gesehen werden, wenn wir im Geist wandeln (Gal 5,22–23). Damit wir diese Kennzeichen offenbaren würden, hat Gott in „Jesus“ (Eph 4,21) uns ein vollkommenes Beispiel gegeben und in „dem Geist“ (Eph 5,18) die notwendige Kraft. Wenn also unseren Blick auf das Leben Jesu als unser Vorbild gerichtet ist und wir vom Heiligen Geist erfüllt sind, werden diese Kennzeichen in unserem Leben klar zu sehen sein.

Die Absonderung des Christen von der bösen Ordnung des „alten Menschen“ durch das Wandeln gemäß „dem neuen Menschen“

Die Betonung in der Ermahnung des Paulus in den letzten Versen von Epheser 4 liegt darauf, dass wir nun in die Praxis umsetzen sollen, was bereits der Wahrheit entspricht. Wenn wir den „alten Menschen“ doch ausgezogen haben und den „neuen Menschen“ angezogen haben, dann lasst uns jetzt auch diesen alten, verdorbenen Lebensstil hinter uns lassen und gemäß der Charakteristika des „neuen Menschen“ leben. Paulus erwähnt eine ganze Reihe von Veränderungen, die natürlicher Weise im Leben des Gläubigen sichtbar werden, wenn er „in wahrhaftiger Gerechtigkeit und Heiligkeit“ wandelt. Es sind diese:

  • Ehrlichkeit statt Falschheit (vgl.: Eph 4,25)
  • Konsequenter und gerechter Zorn gegenüber dem Bösen statt Gleichgültigkeit gegenüber dem Bösen (vgl.: Eph 4,26–27)
  • Anderen geben statt sie zu bestehlen (vgl.: Eph 4,28)
  • Zu anderen in Gnade sprechen statt mit faulen Worten (vgl.: Eph 4,29)
  • Freundlichkeit statt Bitterkeit (vgl.: Eph 4,31–32)
  • Mitfühlend sein statt aufbrausend (vgl.: Eph 4,31–32)
  • Den anderen Gnade erweisen statt zornig, lärmend, verletzend und boshaft zu sein (vgl.: Eph 4,31–32)

In Kolosser 3 nennt Paulus zehn moralische Merkmale des „neuen Menschen“, die in den Heiligen gesehen werden sollten, wenn sie die Wahrheit „Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit“ (Kol 1,27) darstellen:

  • Erbarmen (Kol 3,12)
  • Güte (Kol 3,12)
  • Demut (Kol 3,12)
  • Sanftmut (Kol 3,12)
  • Langmut (Kol 3,12)
  • Bereitschaft einander zu ertragen (Kol 3,13)
  • Bereitschaft zu vergeben (Kol 3,13)
  • Liebe (Kol 3,14)
  • Frieden (Kol 3,15)
  • Dankbarkeit (Kol 3,15)

Einige praktische Überlegungen

Wie bereits zuvor erwähnt, entspricht es den Gedanken Gottes, dass es eine Fortführung der moralischen Schönheit Christi in dieser Welt gibt. Diese soll in der Zeit seiner Abwesenheit in den Gliedern seines Leibes zu sehen sein. Wir geraten in Herzensübungen, sofern wir über die Frage nachdenken, ob wir Christus in unserem Wandel und unseren Wegen bereits offenbaren. Dies liegt daran, dass wir die Tendenz besitzen, uns in den verschiedenen Bereichen des Lebens widersprüchlich zu verhalten. Wir sollen in unserem Leben die Eigenschaften des „neuen Menschen“ offenbaren – nicht nur in einem Bereich, sondern in allen Bereichen, in denen wir uns bewegen.

Die Kinder Israels sollten eine „Schnur aus blauem Purpur“ an den Zipfeln ihrer Kleidung anbringen (4. Mo 15,38–39). Die Farbe Blau spricht in der Schrift von himmlischen Dingen. Für uns bedeutet dies, dass wir einen himmlischen Charakter in unserem Leben an den Tag legen sollen. In 5. Mose 22,12 lesen wir, dass diese Zipfel an den vier Ecken des Oberkleides getragen werden sollten. Das weist in der Regel auf die vier unterschiedlichen Dimensionen hin, in denen wir leben: unser Leben auf der Arbeit oder in der Schule, das Leben mit unseren Geschwistern in der Versammlung, unser Leben zu Hause mit unserer Familie und unser persönliches Leben, wenn wir alleine sind. Dabei können wir uns selbst die Frage stellen: Ist mein Leben an allen vier Fronten widerspruchsfrei? Vergessen wir nicht, dass die Welt nach Heuchelei bei uns Christen sucht. Jede kleine Inkonsequenz reicht ihr aus, um ihre Steine der Kritik auf Christus zu werfen, den wir repräsentieren.

Stellen wir uns vor, der Inhalt unseres Lebens vor der Welt, wenn wir zur Schule oder zur Arbeit gehen, stünde auf der Wand eines Raumes geschrieben. Und den Inhalt unseres Lebens vor unseren Geschwistern in der Versammlung könnte man auf einer anderen Wand desselben Raumes lesen. Und wie wir uns zu Hause gegenüber unserer Familie benehmen stünde auf einer anderen Wand. Und schließlich stünde auf der vierten Wand des Raumes geschrieben, was wir in unserem persönlichen Leben tun, wenn wir alleine sind. Wenn jemand den Raum betreten würde und sich durchläse, was auf den vier Wänden geschrieben stünde, hätte er den Eindruck von vier unterschiedlichen Personen oder ein und derselben Person zu lesen?

Fußnoten

  • 1 Im englischen Original heißt es an dieser Stelle weiterhin, was sich jedoch schlecht ins Deutsche übersetzen lässt: „In ähnlicher Weise sprechen wir von dem,Körper wissenschaftlichen Wissensʾ oder dem,dem Körper medizinischen Wissensʾ usw.“ (Anm. d. Übers.)
  • 2 Im englischen Original heißt es weiterhin an dieser Stelle: „Zwar übersetzt die King-James-Bibel in Philipper 3,21,our vile bodyʾ (etwa: unser abscheulicher Körper), was im heutigem Englisch die Bedeutung von etwas ekligem und sündigem impliziert; als diese Übersetzung jedoch vor über 400 Jahren angefertigt wurde, bedeutete es lediglich,von geringem Wertʾ (Jak 2,2). Besser ist die Übersetzung,unser Leib der Niedrigkeitʾ.“ Die Elberfelder übersetzt entsprechend dieses Vorschlags. (Anm. d. Übers.)
  • 3 In der deutschen Elberfelder-Übersetzung heißt es auch genauso. (Anm. d. Übers.)
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