Die Versammlung Gottes im Matthäusevangelium

Teil 2: Der Sohn Gottes baut sein Haus (Mt 16,18).

Teil 2: Der Sohn Gottes baut sein Haus (Mt 16,18).

In unserer Stelle in Matthäus 16,18 ist es offensichtlich, dass es um das Bild eines Hauses geht. Der Herr Jesus spricht davon, dass Er selbst derjenige ist, der bauen wird. Dazu vier Hinweise:

1. Eine Wohnung Gottes

Bereits im Alten Testament gab es ein Haus Gottes. Einen allerersten Hinweis darauf finden wir schon in 1. Mose 28,17. Doch erst bei einem erlösten Volk konnte Gott wirklich wohnen (2. Mo 15,13). Das war zuerst das Zelt der Zusammenkunft (die sogenannte Stiftshütte) und dann der Tempel Gottes (2. Mo 15,17). Dieser Tempel war ein materielles Haus und stand in Jerusalem. Im Neuen Testament geht es nicht um irgendein materielles Gebäude an irgendeinem Ort, sondern es geht um ein geistliches Haus, das räumlich keine Bindung hat. Wie wir bereits sahen, gehören dazu Menschen, die in der Zeit der Gnade glauben und den Heiligen Geist besitzen.

Es ist unmittelbar klar, dass dieses Haus untrennbar mit der Heiligkeit und Herrlichkeit Gottes verbunden ist. Das war schon im Alten Testament so und hat sich nicht geändert (vgl. Ps 93,5; Ps 26,8; Ps 29,9 3. Mo 10,3).

2. Drei verschiedene Blickwinkel

Das Neue Testament zeigt uns das Haus Gottes selbst unter drei verschiedenen Blickwinkeln, die wir sorgfältig unterscheiden, ohne sie zu trennen:

  • Blickwinkel 1: Die Gläubigen sind das Haus, das Christus aus lebendigen Steinen baut (Heb 3,6).
  • Blickwinkel 2: Die Gläubigen bauen selbst das Haus. Das ist Segen und Verantwortung zugleich (1. Kor 3,10).
  • Blickwinkel 3: Wir leben und bewegen uns in dem Haus. Das ist erneut ein Segen und zugleich mit Verantwortung verbunden (1. Tim 3,15).

Wenn wir also im Neuen Testament von dem Haus Gottes lesen, müssen wir uns zunächst fragen, um welchen Blickwinkel es geht. In der Regel zeigt uns das der Zusammenhang.

3. Die Bauenden

Das Neue Testament macht deutlich, dass einerseits Christus der Bauende ist (Er fügt lebendige Steine – Menschen, die Leben aus Gott haben – in den Bau ein). Andererseits ist es das Bauen den Gläubigen übertragen. Wir bauen auf dem Fundament auf, das die Apostel durch ihre Lehre gelegt haben (1. Kor 3,10–13). Dieses Bauen hat etwas mit evangelischer Arbeit zu tun. Es schließt jedoch die Arbeit an denen ein, die das Evangelium annehmen.

4. Der Baufortschritt

Das Neue Testament zeigt auch den Baufortschritt unter zwei Gesichtspunkten:

  1. Der Bau schreitet voran. Die ersten Steine werden ab Apostelgeschichte 2 hinzugefügt. Wenn der letzte Stein eingebaut ist, kommt Christus zur Entrückung. Dann ist der Bau fertig (Eph 2,21).
  2. Der Bau ist vom ersten Tag an komplett. Gott wohnt nicht in einem unvollständigen Haus und der Heilige Geist auch nicht (Eph 2,22; 1. Kor 3,16).

Der Zusammenhang von Matthäus 16

Mit diesem Handwerkszeug wenden wir uns nun dem ersten Vers zu, in dem die Versammlung genannt wird. Dabei ist es wichtig, den Zusammenhang zu sehen, sonst können wir den Sinn nicht wirklich verstehen. In Matthäus 16,13 fragt der Herr seine Jünger zunächst, was die Menschen von Ihm sagen, wer Er sei. Nachdem sie geantwortet haben, fragt Er seine Jünger: „Ihr aber, wer sagt ihr, dass ich sei?“ (Vers 15). Daraufhin kommt die bemerkenswerte Antwort von Simon Petrus: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes“ (Vers 16). Diese Antwort kommentiert der Herr mit den Worten: „Glückselig bist du, Simon, Bar Jona; denn Fleisch und Blut haben es dir nicht offenbart, sondern mein Vater, der in den Himmeln ist“ (Vers 17). „Fleisch und Blut“ sind hier ein Synonym für das, was menschlich und natürlich ist (vgl. z. B. Eph 6,12; Gal 1,16).

Wir können uns fragen, was denn das Besondere an der Antwort des Simon Petrus ist. Denn dass sie besonders ist, machen die Worte des Herrn deutlich, der von einer Offenbarung spricht, die Petrus von seinem Vater, der in den Himmel ist, bekommen hatte. Dass Jesus der Christus ist, war im Alten Testament bekannt. Das musste nicht offenbart werden. Christus ist die griechische Übersetzung des hebräischen Wortes Messias. Christus – oder Messias – bedeutet: Der Gesalbte. Davon lesen wir im Alten Testament (Jes 61,1; Dan 9,25.26). Dass dieser Messias der von Gott gezeugte Sohn Gottes sein würde, war ebenfalls bekannt (vgl. Ps 2,7; Jes 7,14). Was jedoch nicht bekannt war, ist die Tatsache, dass der Christus der Sohn des lebendigen Gottes ist und somit Leben in sich selbst hat. Er ist nicht nur als Mensch von Gott (dem Heiligen Geist) gezeugt, sondern Er ist zugleich der ewige Sohn Gottes, der keinen Anfang und kein Ende hat. Er besitzt Leben in sich selbst und kann dieses Leben weitergeben. Als ewiger Gott hat Er dieses Leben nicht irgendwann bekommen, sondern besitzt es in sich selbst. Und als Quelle des Lebens kann Er es anderen weitergeben (Joh 5,26; 17,2). Genau das liegt in den Worten von Petrus: „Du bist der Sohn des lebendigen Gottes“. Das war die Offenbarung, von der unser Herr hier spricht. Das Alte Testament spricht natürlich auch über den lebendigen Gott (vgl. z. B. 5. Mo 5,26; Jes 37,4). Doch dass der Messias der ewige Gott ist, der Leben in sich selbst hat und dieses Leben vermitteln kann, war im Alten Testament unbekannt. Das konnte Petrus nicht wissen, und deshalb musste der Vater es ihm offenbaren.

Petrus beweist in seiner Antwort Glauben. Er glaubte erstens den Schriften des Alten Testamentes, dass Jesus der Christus ist. Er glaubte zweitens der Offenbarung, über den Sohn des lebendigen Gottes, die Gott, der Vater, ihm gab.

Acht wichtige Wahrheiten

Wir wollen die erste Aussage unseres Herrn über die Versammlung in acht Punkte einteilen, um sie etwas verständlicher zu machen.

1. Eine Offenbarung

Der Herr Jesus leitet seine Aussage mit den Worten ein: „Ich sage dir“. Wer hier spricht, ist niemand anderes als der Sohn des lebendigen Gottes. Der Herr Jesus steht als Sohn auf keiner niedrigeren Stufe als der Vater. Petrus hatte eine Offenbarung von dem Vater über den Sohn bekommen, nun würde der Sohn ihm eine weitere Offenbarung geben, und zwar über die Versammlung. Das war im Alten Testament ebenso unbekannt wie das, was der Vater ihm offenbart hatte. Das Neue Testament nennt diese Versammlung an anderer Stelle ein „Geheimnis“ (Eph 5,32). Ein Geheimnis im Neuen Testament ist nichts Geheimnisvolles, sondern etwas, das im Alten Testament unbekannt war und erst in der Zeit der Gnade gekannt wird.

In den Gedanken, im Ratschluss und im Herzen Gottes hat die Versammlung immer einen Platz gehabt. Doch erst der Herr Jesus hat direkt davon gesprochen. Natürlich erkennen wir heute unter der Leitung des Heiligen Geistes eine Vielfalt von Hinweisen und Bildern bereits im Alten Testament (beginnend mit der Ehe zwischen Adam und Eva bis hin zu dem Tempel in Jerusalem), doch ohne das Licht im Neuen Testament und die Offenbarung dieses Geheimnisses durch den Herrn Jesus und später besonders durch Paulus, konnte kein einziger Leser des Alten Testamentes in diesen Bildern und Hinweisen etwas von der Versammlung erkennen. Der Sohn Gottes ist tatsächlich der erste, der davon spricht und beginnt, dieses Geheimnis zu erklären. Paulus hat das in seinen Briefen fortgesetzt.

2. Das Baumaterial

Der Herr Jesus sagt zu Petrus: „Du bist Petrus“. Damit deutet Er an, aus welchem Baumaterial dieses Haus bestehen sollte. Dass Simon den Namen Petrus bekam, ist den meisten Bibellesern geläufig. Zum einen unterstreicht das die Autorität und Macht des Herrn Jesus, denn es war das ausgesprochene Privileg der Mächtigen dieser Welt, Namen zu verändern (z. B. Pharao und Nebukadnezar). Zum anderen wird deutlich, warum Simon gerade den Namen Petrus bekommen hatte. Der Name war nicht willkürlich gegeben, sondern die Bedeutung des Namens ist mit einer Botschaft verbunden. Bei der Namensgebung in Johannes 1,42 hören wir die Worte Jesus: „Du bist Simon, der Sohn Jonas; du wirst Kephas heißen (was übersetzt wird: Stein)“. Es mochte damals willkürlich geschienen haben, dass der Herr seinem Jünger gerade den Namen Petrus (Stein) gab. Doch hier wird nun deutlich, warum Er das tat. Der Kontrast zwischen dem alten Namen Simon, noch verstärkt durch den Hinweis auf seine Herkunft (Bar oder Sohn Jonas) fällt auf. Das war er gewesen, doch jetzt war er ein „Petrus“, d. h. ein lebendiger Stein geworden. Ohne neues Leben zu besitzen, ist es unmöglich, ein Stein in Gottes Haus zu sein.

Der Herr kommt indirekt auf die Namensänderung zurück, wenn Er sagt: Du bist Petrus, d. h. du bist ein Stein. Das Wort, das hier steht, beschreibt ein Stück eines Felsens, einen losgelösten Stein. Petrus greift das Thema in seinem ersten Brief auf und spricht dort von „lebendigen Steinen“ (1. Pet 2,5). Allerdings gebraucht er ein anderes Wort für „Stein“. Für uns ist die Belehrung klar: Wenn Christus sein Haus baut, dann tut Er es mit lebendigen Steinen. Diejenigen, die das Haus Gottes bilden, besitzen das gleiche Leben, das Er hat, nämlich ewiges Leben. Nur solche Steine werden für dieses Bauwerk verwendet – keine anderen. Wenn es um das Bauen der Menschen geht, ist das anders. Da haben sich – leider – manche eingeschlichen, die kein Leben aus Gott haben. Doch wenn es darum geht, was Christus tut, ist alles vollkommen. Jeder Stein am Haus Gottes ist ein lebendiger Stein.

3. Das Fundament

Die Stabilität und Qualität eines Hauses hängt nicht zuerst von dem Baumaterial ab, sondern vor allem von dem Fundament. Das macht der Herr Jesus in dem Gleichnis des klugen und törichten Menschen deutlich (Lk 6,46–49). Das Fundament der Versammlung ist niemand anderes als Christus. „Dieser Fels“ ist Christus (vgl. 1. Kor 3,11). Das Bauwerk steht auf diesem unerschütterlichen Fundament. Hier kommt der Herr Jesus noch einmal auf das Bekenntnis von Petrus zurück. Der Sohn des lebendigen Gottes ist das Fundament. Ein besseres könnte es nicht geben. Es ist fest, vollständig und kann nicht zerstört werden.

„Fels“ und „Stein“ sind nicht zu verwechseln. Obwohl sich die Worte im Grundtext ähneln (Petra und Petros), sind sie doch unterschiedlich. Das erste Wort (Petra) beschreibt einen Felsen, eine Klippe oder ein Riff. Es ist ein Synonym für Festigkeit und Stabilität. Das zweite Wort (Petros) beschreibt hingegen ein Stück des Felsen oder einen losgelösten Stein. Es ist also völlig aus der Luft gegriffen zu behaupten, dass Petrus das Fundament oder die Grundlage der Kirche ist. In 1. Korinther 3,11 sagt Paulus das sehr deutlich: „Denn einen anderen Grund kann niemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus“.

Dass dies und nichts anderes die Bedeutung der Aussage: „... und auf diesen Felsen werde ich meine Versammlung bauen“ ist, wird durch drei Dinge unterstrichen:

  1. Der Herr beginnt die Aussage mit dem Wort „und“. Damit leitet er einen neuen Gedanken ein.
  2. Der Herr sagt „diesen“ Felsen. Er sagt nicht „auf dir“, sondern weist auf etwas anderes hin. Die Satzstellung im Grundtext macht deutlich, dass der Herr sagen will: Auf diesen einen und auf keinen anderen Grund werde ich bauen.
  3. Der Herr spricht ausdrücklich von einem Felsen als Grundlage der Versammlung und eben nicht von einem Stein. Es gibt viele Steine am Haus Gottes, doch es gibt nur ein Fundament, auf das dieses geistliche Gebäude aufgebaut ist.
4. Der Bauende

Wir merken, dass fast alles in diesem Haus von Christus, dem Sohn des lebendigen Gottes, ausgeht. Hier sagt Er: „Ich werde bauen“. Das Wort beschreibt einen „Hausbauer“, der etwas errichtet oder erbaut. Es ist wahr, dass das Neue Testament an manchen Stellen zeigt, dass wir ebenfalls bauen (vgl. 1. Kor 3). Doch hier ist es der Sohn des lebendigen Gottes, der die Absicht hat zu bauen. Es ist die souveräne Arbeit des Sohnes Gottes, das Haus Gottes zu bauen. Unter diesem Gesichtspunkt haben wir Menschen keinen Anteil am Werk dieses Hauses, sondern Er ist in allem der Bauende. Er überlässt es keinem anderen, eine Wohnstätte Gottes zu bauen, die ewigen Bestand hat. Wenn Er baut, kann es nicht anders sein, als dass alles vollkommen ist. Wenn wir bauen, ist vieles unvollkommen und mangelhaft. Wenn Er baut, gibt es keine Ruinen und Trümmer. Alles ist perfekt und schön.

Wir können – mit der gebotenen Ehrfurcht und Vorsicht – sagen, dass es im Allgemeinen im Handeln Gottes so ist, dass der Vater einen Plan fasst, der Sohn ihn ausführt und der Heilige Geist dazu die Kraftquelle ist. Das war in der ersten Schöpfung so (vgl. 1. Mo 1), und das ist in der neuen Schöpfung (der Versammlung) nicht anders. Es ist Gott der Vater, der einen ewigen Vorsatz gefasst hat (Eph 3,11). Es ist der Sohn, der diesen Ratschluss ausführt, und es ist der Heilige Geist, durch dessen Kommen auf die Erde, die Versammlung hier – der Zeit nach – ihren Anfang genommen hat.

5. Die Bauzeit

Es fällt auf, dass Christus von einer Absicht spricht. Er sagt: „Ich werde bauen“. Warum das? Weil der Bau damals noch nicht begonnen hatte und nicht beginnen konnte. Es gab mindestens drei Voraussetzungen für den Beginn des Baus und alle drei Voraussetzungen waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht erfüllt.

  • Erstens war der Tod Christi notwendig, wenn die Versammlung entstehen sollte, denn sie wird durch das Blut des Sohnes Gottes erworben.
  • Zweitens musste Christus auferstehen und in den Himmel zurückkehren, denn die Versammlung ist mit Ihm im Himmel verbunden.
  • Drittens musste der Heilige Geist auf die Erde kommen, denn erst durch Ihn hat die Versammlung – der Zeit nach – ihren Anfang genommen.

Nachdem diese Voraussetzungen am Pfingsttag erfüllt waren, hat Christus mit dem Bauen begonnen, und Er baut noch.

Es ist also ein Irrtum zu sagen, dass die Versammlung die (veredelte) Fortsetzung Israels ist oder dass es gar eine „Versammlung seit Adam“ gibt. Nein, die Versammlung ist etwas völlig Neues. Gottes Plan im Blick auf die Versammlung ist ewig. Realität wurde der Plan, nachdem die genannten Voraussetzungen erfüllt waren. Die Zusagen an Israel erfüllen sich keineswegs (geistlich) in der Versammlung, sondern sie werden im 1000-jährigen Reich an Israel erfüllt. Israel hat einen irdischen Ursprung, irdische Verheißungen und materielle Segnungen. Die Versammlung hingegen hat einen himmlischen und ewigen Ursprung und geistliche Segnungen. Es ist ein fataler Fehler, beides miteinander zu vermischen.

6. Der Eigentümer

Bei einem menschlichen Bauwerk unterscheiden sich Bauherr und Eigentümer manchmal. Hier ist das nicht der Fall. Der Herr Jesus spricht ausdrücklich von „seiner Versammlung“. Wenn es um die Versammlung in ihrem örtlichen Aspekt geht, lesen wir häufiger von „der Versammlung in X“ und den „Versammlungen“ in einer Gegend. Doch wenn es um den ewigen und weltweiten Aspekt geht, ist die Versammlung entweder die „Versammlung Gottes“ oder eben „meine Versammlung“ (die des Sohnes Gottes).1 Er hat sie sich durch sein Leiden und Sterben erworben, und deshalb hat sie einen hohen Wert für Ihn. Es ist kein Widerspruch, wenn wir an einigen Stellen von der Versammlung Gottes lesen, die von Gott gebaut wird und der Herr Jesus hier von seiner Versammlung spricht, die Er baut. Der Herr Jesus ist Gott, und die Versammlung gehört Ihm.

Dieser Punkt ist von praktischer Relevanz. Wir hören heute Gläubige, die gerne von „unserer Gemeinde“, oder von der „alten Versammlung / neuen Versammlung“ sprechen. Manche sprechen von der „Versammlung der Brüder“. Das alles sind menschliche Bezeichnungen, die an der eigentlichen Bedeutung der Versammlung vorbeigehen. Der Makel liegt darin, dass sie solche ausgrenzen, die nach ihrem Verständnis nicht dazu gehören – und genau das soll nicht geschehen, denn Versammlung Gottes umfasst alle von neuem geborenen Menschen der Gnadenzeit. Die Tatsache, dass es „seine Versammlung“ ist, macht darüber hinaus klar, dass Er derjenige ist, der die Ordnung in der Versammlung vorgibt.

7. Das Bauwerk

Das Bauwerk selbst wird „Versammlung“ genannt. Was das bedeutet, haben wir bereits gesehen. Wichtig ist noch anzumerken, dass dieses Bauwerk zwar in der gegenwärtigen Zeit der Gnade gebaut wird, von seinem Ursprung und seiner Bestimmung jedoch ewig ist. Der Ratschluss Gottes bezüglich seiner Versammlung ist ewig und die Existenz der Versammlung ebenso. Dennoch wird sie zugleich – in der Zeit – gebaut. Deshalb kann man sie durchaus als eine Schöpfung betrachten, wenngleich sie ihrem Wesen nach nicht zu der alten Schöpfung gehört, sondern eine Neuschöpfung ist. Sie ist der Ausdruck der großartigen Gedanken und Vollkommenheit Gottes, und sie wird in Ewigkeit – mit aller Ehrfrucht ausgedrückt – das Instrument sein, durch das Gott Christus verherrlicht. Zu Beginn von Offenbarung 21 wird der sogenannte ewige Zustand (die Ewigkeit nach der Zeit) beschrieben. Dort wird die Versammlung zuerst im Bild einer Stadt (der heiligen Stadt), sodann im Bild der Braut und schließlich im Bild einer „Hütte“ (eines Bauwerkes) beschrieben. In alle Ewigkeit ist die Versammlung die „Hütte Gottes“ bei den Menschen auf der neuen Erde. Dieser Plan Gottes wird ganz sicher in Erfüllung gehen.

8. Die Sicherheit

Die Schlussworte lauten: „...und die Pforten des Hades werden sie nicht überwältigen“. Das Bauwerk ist nicht nur ewig, es ist zugleich völlig sicher. Es ist unmöglich, es zu beschädigen oder den Bau zu stoppen, selbst wenn es zahlreiche Versuche gegeben hat. Von einem der ersten Versuche lesen wir in Apostelgeschichte 8,1, wo von einer großen Verfolgung gegen die Versammlung die Rede ist. Doch das Ergebnis war nicht, dass der Bau aufhörte oder ins Stocken geriet, sondern dass der Bau weiter vorangetrieben wurde.

Die Sicherheit des Bauwerks wird durch den Bauherrn, das Fundament und den Eigentümer gesichert. Die „Pforten des Hades“ sprechen von einem gewaltigen Feind, nämlich dem Tod. Die „Pforte“ symbolisiert hier nicht so sehr eine Tür, sondern meint vielmehr Regierung und Verwaltung.2 Das Haus, das der Sohn Gottes baut, ist zum einen deshalb sicher, weil Er es baut. Zum anderen liegt die Sicherheit darin, dass das Bauwerk zu einer neuen Schöpfung gehört und nicht zu dieser Erde. Der Tod unseren Herrn ist das Fundament dieser Sicherheit. Die Versammlung bleibt in Ewigkeit. Der Augenblick kommt, an dem Christus sich ewig an seiner Versammlung erfreuen wird.

Wir dürfen hier nicht den Fehler machen und den Gesichtspunkt unserer Verantwortung mit hineinbringen. Dass es diese Sichtweise gibt, haben wir schon gesehen (vgl. 1. Kor 3), doch darum geht es hier nicht. Matthäus 16,18 müssen wir mit Epheser 2,22 verbinden, wo die Versammlung als eine Behausung Gottes gesehen wird. Es ist wahr, dass die Versammlung unter dem Gesichtspunkt menschlicher Verantwortung ein Ruinenfeld geworden ist. Doch aus Gottes Sicht bleibt es seine Versammlung, in der Er wohnt und die ewig die „Hütte Gottes“ sein wird (Off 21,3). Gott wird erstens nie in einer Ruine wohnen. Zweitens wird niemand je in der Lage sein, Gottes Plan scheitern zu lassen. Er wird niemals zulassen, dass der Teufel seine Versammlung überwältigt.

Zwischenresümee

In der ersten Aussage unseres Herrn über seine Versammlung, und besonders in dem Schlussakkord, liegt ein großer Trost für uns. Wenn wir die Versammlung heute unter dem Aspekt unsrer Verantwortung und unseres Bauens sehen, dann könnten wir entmutigt werden, weil wir fast nichts als Trümmer sehen. Doch der Geist Gottes möchte unser Augenmerk immer wieder auf das richten, was der Herr Jesus tut. Er baut. Er vollendet. Seine Arbeit kann niemand zerstören. Am Ende kommt Er mit seiner Versammlung zu seinem Ziel.

Fußnoten

  • 1 Allerdings gilt das auch für eine örtliche Versammlung. Paulus spricht von „allen Versammlungen des Christus“ (Röm 16,16) und von der „Versammlung Gottes“ in Korinth (1. Kor 1,2; 2. Kor 1,1).
  • 2 In diesem Sinn verstanden die Jünger das Wort aus dem Alten Testament. Wer „im Tor“ saß, war mit Regierung und Verwaltung betraut.
Nächstes Kapitel »« Vorheriges Kapitel