Antworten auf Fragen in Römer 11

Der Überrest - Israels Abfall ist kein völliger.

Die zweite Antwort auf die bedeutsame Frage, ob Gott sein Volk Israel verstoßen hat und die Beweisführung für das Gegenteil sind in Römer 11,2–6 enthalten: „Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er zuvor erkannt hat. Oder wisst ihr nicht, was die Schrift in der Geschichte Elias sagt? Wie er vor Gott auftritt gegen Israel: Herr, sie haben deine Propheten getötet, deine Altäre niedergerissen, und ich allein bin übriggeblieben, und sie trachten mir nach dem Leben. Aber was sagt ihm die göttliche Antwort? ‚Ich habe mir übrig bleiben lassen siebentausend Mann, die ihre Knie nicht vor dem Baal gebeugt haben.‘ So besteht nun auch in der jetzigen Zeit ein Überrest nach Auswahl der Gnade. Wenn aber durch Gnade, so nicht mehr aus Werken; sonst ist die Gnade nicht mehr Gnade.“

Was uns in diesen Worten als Beweis vorgehalten wird, ist eine geschichtliche Tatsache. Der Heilige Geist greift zurück in der Geschichte des Volkes und lenkt unsere Aufmerksamkeit auf einen wichtigen Zeitabschnitt. Der Prophet Elia lebte in einer Zeit, in der der Abfall fast alles Leben innerhalb des bekennenden Volkes Gottes überflutet hatte. Da fand eine gewaltige Sinnesänderung statt. Elia hatte Gott auf dem Berg Karmel angerufen, und Gott hatte geantwortet. „ Da fiel Feuer des HERRN herab und verzehrte das Brandopfer und das Holz und die Steine und die Erde; und das Wasser, das im Graben war, leckte es auf. Und als das ganze Volk es sah, da fielen sie auf ihr Angesicht und sprachen: Der HERR, er ist Gott! Der HERR, er ist Gott!“ (1. Kön 18,38.39). Sie ergriffen die Propheten des Baal, und diese wurden geschlachtet (1. Kön 18,40). Auch öffnete Gott gnadenvoll den Himmel, und reichlicher Regen kam. Dies alles hat eine vorbildliche Bedeutung im Blick auf die kommende Haushaltung Gottes, auf die wir jedoch hier nicht näher eingehen können. Doch bewirkte das aus dem geöffneten Himmel erfolgte, wunderbare Eingreifen Gottes keine Umkehr des Volkes von dem Pfad des Abfalls. Ganz kurze Zeit danach sandte Isebel einen Boten zu Elia und ließ ihm sagen: „So sollen mir die Götter tun und so hinzufügen, wenn ich nicht morgen um diese Zeit dein Leben dem Leben eines von ihnen gleichmache!“ (1. Kön 19,2). Da versagt Elia in der Schwachheit des Fleisches und flieht, wir finden ihn eine Tagereise weit in der Wüste. Wir sehen ihn dort unter einem Ginsterstrauch, und er bat, dass seine Seele stürbe, indem er sprach: „Es ist genug, nimm nun, Herr, meine Seele, denn ich bin nicht besser als meine Väter“ (1. Kön 19,4). Doch der Herr begegnet seinem Knecht: „Was tust du hier, Elia?“ Und er sprach: „Ich habe sehr geeifert für den Herrn, den Gott der Heerscharen; denn die Kinder Israel haben deinen Bund verlassen, deine Altäre niedergerissen und deine Propheten mit dem Schwert getötet; und ich allein bin übriggeblieben, und sie trachten danach, mir das Leben zu nehmen“ (1. Kön 19,9.10). Zweimal wiederholt er diese wunderbare Geschichte, die aus einem entmutigten und ungläubigen Herzen heraus geboren ist. Nun aber kommt die Antwort, die ihm von dem Herrn zuteil wird. Er zeigt ihm, wie irrig seine Ansicht ist, allein übriggeblieben zu sein als einziger Israelit, der nicht abgefallen ist: „Aber ich habe 7.000 in Israel übriggelassen, alle die Knie, die sich nicht vor dem Baal gebeugt haben, und jeden Mund, der ihn nicht geküsst hat“ (1. Kön. 19,18). Selbst in der Zeit ihres großen Abfalls hatte der Herr einen Überrest, einen treuen Überrest unter seinem Volk. Das liegt diesen Worten zugrunde als Gegenbeweis. Der Abfall Israels ist niemals ein völliger. Der Herr hat stets einen Überrest, der Ihm und den mit Israel geschlossenen Bündnissen treu ist. In dieser Hinsicht ist der Unterschied zwischen dem Abfall Israels und dem zum Voraus angekündigten Abfall der Christenheit aus den Nationen ein sehr deutlicher. Das hat Adolph Saphir, selbst aus dem Volk Israel stammend, in klarer und eingehender Weise in den folgenden Worten ausgedrückt:

„Der Abfall Israels unterscheidet sich von demjenigen der Christenheit. Der Abfall der letzteren ist unheilbar, der Abfall Israels dagegen ist heilbar. Wenn Israel Jesus verworfen hat, so hat dieses Volk keineswegs Gott verwerfen wollen; es glaubt noch jetzt an sein Wort; es ruft noch immer seinen heiligen Namen an. Sie gedenken noch immer das Sabbattages, ihn zu heiligen. Noch gilt das Wort des Apostels Paulus, dass sie Eifer für Gott haben, aber nicht nach Erkenntnis. Die Kinder Israel gleichen den Brüdern Josephs. Nachdem diese Joseph nach Ägypten verkauft hatten, kehrten sie zu ihrem Vater Jakob zurück, und danach gab ihr Leben einige Jahre lang weniger Anstoß als vorher. Es scheint, dass sie sich bemühten, nach den Wünschen ihres Vaters Jakob und auf den rechten Pfaden zu wandeln. Doch auf ihren Herzen war Blutschuld; denn sie hatten ihren Bruder Joseph den Händen ihrer Feinde ausgeliefert. Das Gleiche ist jetzt bei Israel der Fall. Noch ist unter ihnen ein frommer Überrest. Noch ist Gottesfurcht und Gottes-Bekenntnis vor ihren Augen. Welches aber ist, im Gegensatz dazu, die Geschichte der abtrünnigen Christenheit, wie sie uns in der Schrift entgegentritt, und wie wir deren Anfänge bereits wahrnehmen können? Zunächst glaubt man nicht an Jesus als Sühnung. Damit fängt es an. Man mag das Blut Jesu nicht. Den Charakter Jesu mag man wohl; dann aber gibt man auch Jesus auf. Danach gibt man den Vater ebenfalls auf, und man glaubt nicht mehr an die Schöpfung. Und endlich wird man Agnostiker: gibt es einen Gott oder nicht, das behauptet man nicht wissen zu können. Das ist unbedingt das Böseste, was die Welt je gesehen hat, und zugleich die größte Herausforderung Gottes. Als notwendige Folge ergibt sich das Aufgeben der Sittlichkeit, und als weitere Folge verfällt man dem schlimmsten Schwarzsehertum. Der Mensch ist schließlich nur noch wie die Blume des Feldes, die heute ist und morgen in den Ofen geworfen wird. Das ist die abschüssige Bahn des Abfalles der Nationen. In dem Abfall des Judentums aber ist das Bindeglied, der goldene Faden noch aufbewahrt geblieben: ein verglimmender, doch nicht erloschener Funke eines, allerdings schattenhaften Glaubens an Gott und an eine Zukunft.“

Der Herr hat stets einen Überrest unter seinem Volk, und dieser Überrest ist Zeichen und Beweis dafür, dass Er sein Volk nicht verworfen hat.

Wir werden jedoch noch zeigen, was wir unter dem Ausdruck „Überrest“ zu verstehen haben; und wir hoffen, uns noch eingehender mit dem Überrest, der bis jetzt vorhanden war, und der noch berufen werden wird, beschäftigen zu können.

Es ist außerordentlich lehrreich, diesen Gegenstand in der Schrift zu verfolgen. Wie wir schon gesagt haben, ist die Tatsache, dass der Herr einen schönen Überrest nach der Wahl der Gnade unter seinem Volk hat, ein Beweis dafür, dass Er es nicht verworfen hat. Wir haben es mit einem zweifachen Überrest zu tun, nämlich mit dem Überrest, der zu Anfang der gegenwärtigen Haushaltung vorhanden gewesen ist und mit demjenigen, der noch berufen werden wird zu einem bestimmten Werk und Zeugnis; der letztere wird in Erscheinung treten, wenn die Hoffnung Israels gesehen werden wird und die herrlichen Verheißungen, die der Nation gegeben worden sind, ihre Erfüllung finden werden. Der Zeitraum zwischen diesem zweifachen Überrest – demjenigen, der zu Beginn des jetzigen Zeitalters bestand und dem der Endzeit – wird durch eine andere wichtige Wahrheit ausgefüllt: nämlich durch die Tatsache, dass der Leib des Herrn Jesus Christus aus Gläubigen aus den Juden und aus den Nationen besteht und dass durch die Verkündigung des Evangeliums der Gnade nicht nur Sünder aus den Nationen zu diesem Leib hinzugetan werden, sondern auch Juden, die an den Herrn Jesus Christus glauben. Sobald daher ein Jude glaubt, hört er auf Jude zu sein in dem Sinn, dass seine Hoffnung nicht mehr national und irdisch ist, sondern himmlisch; er gehört nicht länger dem irdischen, sondern er gehört dem himmlischen Jerusalem an; ebenso wie der Gläubige aus den Nationen hat er nichts mit dem Gesetz, mit dessen Vorschriften und gottesdienstlichen Handlungen zu tun. Es ist unmöglich, in der gegenwärtigen Zeit von einem Überrest Israels zu sprechen, der durch Gnade errettet ist und eine besondere, nationaljüdische Stellung auf Erden festhält. Als der Heilige Geist die völlige Offenbarung über das gab, was die Kirche – der Leib des Herrn – ist, da lesen wir nichts darüber, dass, wie es heute behauptet wird, der gläubige Jude „seine Verbindung mit der Nation nicht lösen“ und auch weiterhin jüdische Gesetzesvorschriften und Festtage halten sollte. In diesem Leib hört jeder nationale Unterschied auf, und wenn verkündigt wird, der gläubige Jude solle das Halten des siebenten Tages beibehalten, die Beschneidung vornehmen, das Passah und andere Festtage halten, so ist das nicht nur in den Briefen nirgends gelehrt, sondern eine solche Lehre ist schriftwidrig und stellt eine trübe und verwirrende Vermischung des Alten mit dem Neuen dar, die die Einfachheit des Evangeliums zerstört.

Nun war ganz gewiss zu Anfang der jetzigen Haushaltung ein solcher judenchristlicher Überrest vorhanden. Auf diesen weisen die Worte des Apostels hin: „Also ist nun auch in der jetzigen Zeit ein Überrest nach Wahl der Gnade“ (Röm 11,5). Dieser Überrest jüdischer Gläubiger wird in den Eingangskapiteln der Apostelgeschichte vor uns gestellt. Die 3.000, die am Tag der Pfingsten errettet wurden, waren alle Juden. In kurzer Zeit war eine sehr zahlreiche, aus jüdischen Gläubigen bestehende Versammlung in Jerusalem vorhanden. Sie waren treue Zeugen für den Herrn Jesus Christus und legten in Jerusalem, das unaufhaltsam seinem schweren Gericht entgegenreiste, ein treues Zeugnis ab. Nicht nur in Jerusalem, sondern auch in anderen Teilen des Landes wurden Juden gläubig und bildeten judenchristliche Synagogen. Als Paulus nach Jerusalem ging, sagten die Ältesten der judenchristlichen Versammlung zu ihm: „ Du siehst, Bruder, wie viele Tausende es unter den Juden gibt, die gläubig geworden sind, und alle sind Eiferer für das Gesetz. Es ist ihnen aber über dich berichtet worden, dass du alle Juden, die unter den Nationen sind, Abfall von Mose lehrst und sagst, sie sollen die Kinder nicht beschneiden noch nach den Gebräuchen wandeln“ (Apg 21,21). Das gehörte sicherlich zu dem, was das Evangelium des Paulus lehrte, und es war die Stunde, in der dieser Überrest irrte, als er sich zu dem Zeremonialgesetz zurückwandte. Aber die Stelle sagt uns, dass Tausende von Gläubigen da waren, samt und sonders Juden, die das Beobachten des Gesetzes beibehalten hatten. Sie gingen zum Beten in den Tempel, hielten die verschiedenen Feste – mit einem Wort: Sie hielten fest an den jüdischen Gebräuchen. Noch weilte Gottes Gnade wie zögernd über Jerusalem. Diese judenchristlichen Gläubigen hofften immer noch, das Volk würde schließlich ihr Zeugnis und damit den annehmen, den es verworfen hatte. Sie wurden verfolgt, geschlagen, einige wurden getötet, ihre Güter wurden geraubt, sie wurden aus der Synagoge und aus dem Tempel vertrieben, und dennoch legten sie auch weiterhin treu ihr Zeugnis ab. Es war eine Übergangszeit, die aus dem Alten in das Neue führte. Zeitweilig war ein derartiges Verhalten jüdischer Gläubiger zweifellos gerechtfertigt. Dann aber richtete der Heilige Geist einen Brief an diese Hebräer, und dieser Brief gewährt uns nicht nur einen richtigen Einblick in ihren Zustand und die Gefahr, der sie sich aussetzten, sowie in ihre Standhaftigkeit und Treue, sondern er offenbart uns auch, wie der Heilige Geist ihnen die besseren Dinge des Neuen Bundes aufdeckt. Diese herrliche Erläuterung zu den levitischen Diensteinrichtungen zeigt deren Erfüllung in dem, der ein besserer Hoherpriester ist, ein Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks. Niemand wird den Brief an die Hebräer lesen können, ohne durch denselben zu der Überzeugung zu gelangen, dass der Geist Gottes darin auf eine bestimmte Tatsache hindeuten will, nämlich auf die Aufhebung aller levitischen Gebräuche. Sie alle waren Schatten von besseren Dingen. Am Ende des Briefes spricht Er jenes Wort aus, das diesen gläubigen Hebräern ihre wahre Stellung anweist: „Deshalb lasst uns zu ihm hinausgehen, außerhalb des Lagers, seine Schmach tragend“ (Heb 13,13).

Jerusalem fiel. Der Tempel wurde zerstört. Das Volk wurde zerstreut. Dadurch wurde es den jüdischen Gläubigen unmöglich gemacht, in der von ihnen jahrelang festgehaltenen Stellung weiter zu verharren. Der Bestand der judenchristlichen Versammlungen mit ihrem besonderen, nationalen Anstrich fand sein Ende. Hieß es zu Anfang der gegenwärtigen Haushaltung: „Dem Juden zuerst“ (Röm 1,16), so wurde diese Ordnung mit der vollen Verwerfung Jerusalems und der Zerstreuung der Juden aufgehoben.

Doch war das Vorhandensein eines gläubigen Überrests inmitten des Volkes, jener Tausende, die den Herrn als ihren Erlöser und als die Hoffnung Israels angenommen hatten, ein deutlicher Beweis dafür, dass Gott sein Volk nicht völlig verstoßen hatte. Es war ein Beweis dafür, dass Er bereit war, ihnen gegenüber nach seiner unendlichen Gnade zu handeln.

Ein jüdischer Überrest wie zur Zeit der Apostel ist heute nicht mehr möglich. Wenn man lehrt, dass ein solcher Überrest gegenwärtig gesammelt werden soll und wenn man versucht, nationaljüdische Gemeinden aus gläubigen Hebräern zu bilden, die, obwohl sie an Christus glauben, am Judentum festhalten; Beschneidung, Fasten und andere jüdische Gebräuche ausüben, so bringt das Verwirrung mit sich und entstellt völlig die Lehren der Gnade und die Offenbarung aller Offenbarungen: die Versammlung, die sein Leib ist. Wir wiederholen nochmals: der gläubige Jude der Jetztzeit ist nicht „entjudet“ und zu einem Bestandteil der Nationen gemacht worden, wie das von gewisser Seite dargestellt wird, sondern er wird ein Glied am Leib des Herrn Jesus Christus und hat die gleiche, himmlische Hoffnung, das gleiche, himmlische Ziel wie jeder andere Gläubige, wenn der Herr Christus kommt, um die Seinen zu sich zu nehmen, dann wird jeder gläubige, durch die Gnade errettete Jude entrückt werden, dem Herrn entgegen in die Luft (1. Thes 4,17).

Im Zusammenhang damit darf eine Tatsache nicht übersehen werden. In jedem Jahrhundert unserer christlichen Haushaltung hat der Herr Hunderten und Tausenden von Juden die Augen geöffnet, und durch seine Gnade sind sie errettet worden, nicht wenige von ihnen auf höchst wunderbare Weise. Das vergangene, 19. Jahrhundert hat in dieser Hinsicht eine größere Zahl von Zeugen hervorgebracht als alle früheren Jahrhunderte, wir nennen nur Adolph Saphir, Dr. Edersheim, Neander, Cassel, Gotteil und Rabinowitz. Darunter waren solche, die mit Tausenden von anderen, deren Namen nicht so allgemein bekannt sind, aus der tiefsten Finsternis herausgeführt worden waren. Auch dies ist ein Beweis dafür, dass Verstockung (oder „Verblendung“) Israel nur zum Teil widerfahren ist (Röm 11,25).

Es wird aber noch ein jüdischer Überrest kommen, als ein starkes und gewaltiges Zeugnis dafür, dass Gott sein Volk nicht verstoßen hat. Dieser kommende Überrest gläubiger Hebräer wird berufen werden, sobald die Kirche vollständig und von der Erde weggenommen ist1. Dieser Überrest wird, ebenso wie derjenige zu Beginn dieses Zeitlaufs, durch die Gnade berufen und bildet ein Gegenstück zu demselben.

Das Evangelium dieses Überrests wird das Evangelium des Reiches sein: „Das Reich der Himmel ist nahegekommen“ (Mt 3,2). Es wird von Jerusalem ausgehen und unter allen Nationen gepredigt werden (Mt 24,14). Von diesem leidenden und verfolgten Überrest lesen wir in der Rede unseres Herrn auf dem Ölberg. Die Weissagungen hinsichtlich des treuen Überrests der Endzeit durchziehen die Schriften des Alten Testamentes. Das Buch der Psalmen ist am besten verständlich im Licht eines gläubigen Überrests aus den Juden, der inmitten der gottlosen Völker leidet und befreit wird durch das Kommen des Königs aus den geöffneten Himmeln. Die 144.000 Versiegelten in Offenbarung 7 sind alle Israeliten, und die große Volksmenge in der zweiten Hälfte dieses Kapitels, die Unzählbaren aus jeder Nation und Sprache, die aus der großen Drangsal kommen, und die als Überwinder gesehen werden, sind die Frucht des Zeugnisses und der Mühe dieses jüdischen Überrests. Aus dem ganzen Sinn und Geist des Buches der Offenbarung geht deutlich hervor, dass sie nicht zur Kirche gehören. Erst wenn sich die Kirche in der Gegenwart des Herrn befindet, kann der Überrest berufen und versiegelt werden und sein besonderes Zeugnis beginnen. Diese Tatsache nun, dass Gott einen Überrest gehabt hat und einen solchen Überrest noch berufen wird, beweist, dass Er sein Volk nicht verstoßen hat.

Fußnoten

  • 1 Wäre es schriftgemäß, dass die Kirche wirklich durch die große Drangsal zu gehen hat, dann wäre es auch ganz in der Ordnung, schon jetzt eine nationaljüdische Versammlung gläubiger Hebräer ins Leben zu rufen. Die Gründung einer solchen wäre dann sogar sehr zu wünschen und würde ein besonders deutliches Zeichen der Endzeit sein. Andererseits aber würden damit zwei Zeugnisse hervorgerufen, was im Widerspruch stehen würde mit den Belehrungen Gottes über die verschiedenen Haushaltungen.
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