Kinder lieben, mit Kindern leben
Christliche Familie im Alltag

8. In der Welt und nicht von der Welt

Kinder lieben, mit Kindern leben

Als Gläubige sind wir ein Teil dieser Welt. In seinem Gebet an den Vater in Johannes 17 gibt der Herr Jesus wichtige Hinweise über unser Verhältnis zu dieser Welt. Er macht unter anderem klar,

  • dass wir ein Teil dieser Welt waren, aber nun aus der Welt heraus dem Herrn Jesus gegeben worden sind (V. 6).
  • dass wir noch in der Welt leben, d. h., in einer ungläubigen und Gott feindlichen Umgebung (V. 11).
  • dass wir nicht von dieser Welt sind, d. h., dass wir nicht mehr zu diesem vom Teufel beherrschten „System“ gehören (V. 14).
  • dass die Welt uns deswegen hasst, weil wir anders sind (V. 14).
  • dass der Herr uns jetzt zum Zeugnis in die Welt sendet (V. 18).

Das gilt für jeden Gläubigen persönlich. Es gilt für El-tern. Es gilt für Kinder. Es gilt für Familien. Wir können – und wollen – den Kontakt mit unseren ungläubigen Mitmenschen gar nicht vermeiden. Gott möchte nicht, dass wir ein „Klosterleben“ führen. Wir haben eine Aufgabe an unseren ungläubigen Mitmenschen. Wir leben zusammen mit ihnen. Wir kennen sie als Nachbarn, als Arbeitskollegen, als Vorgesetzte, als Lehrer, als Dienstleister usw. Spätestens in der Schule, meistens schon vorher, kommen unsere Kinder ebenfalls mit „der Welt“ in Kontakt. Das ist normal und das ist richtig. Wie könnten wir sonst unseren Auftrag erfüllen? Christus sendet uns in die Welt, weil wir eine gute Botschaft für sie haben. Der Missionsauftrag des Herrn an seine Jünger hat an Aktualität nichts verloren. Die christliche Familie bietet dazu eine besondere Chance, weil wir über unsere Kinder Kontakte knüpfen können, die wir sonst schwerlich zustande bringen.

Für den Christen ergeben sich zwei Herausforderungen, die auf den ersten Blick widersprüchlich zu sein scheinen. Auf der einen Seite fordert uns die Bibel dazu auf, uns von der Welt getrennt zu halten (z. B. Ps 1,1; Jak 1,27; 4,4). Die Gefahr der Vermischung mit der Welt ist in der Tat groß. Gemeinschaft mit dem Bösen verunreinigt. Auf der anderen Seite haben wir den Auftrag, den Menschen die Botschaft vom Kreuz zu vermitteln und als Lichter in der Welt zu scheinen (Phil 2,15). Der scheinbare Widerspruch löst sich schnell auf, wenn wir das Leben des Herrn Jesus anschauen. Er war einerseits völlig losgelöst von dem bösen Treiben der Menschen um Ihn herum. Er war der echte „Abgesonderte unter seinen Brüdern“. Zugleich war nie ein Mensch seinen (ungläubigen) Mitmenschen so nah wie der Herr Jesus. Er aß mit den Zöllnern und Sündern, so dass die Theologen seiner Zeit verächtlich die Nase rümpften. Er tat es aber nicht, um sich die Zeit mit ihnen zu vertreiben. Er tat es, weil Er eine Botschaft für sie hatte und ihre Herzen erreichen wollte. Von der Welt getrennt zu sein und doch Kontakt mit ihr zu haben ist also kein Widerspruch, wohl aber eine Herausforderung, der wir uns mit unseren Kindern stellen müssen.

Es ist nicht gut, wenn wir unseren Kindern uneingeschränkten Umgang mit ungläubigen Klassenkameraden gestatten, ohne zu prüfen, was sie treiben. Je älter die Kinder werden, umso mehr ist es erforderlich, dass wir ein wachsames Auge darauf haben und nicht jeden Kontakt zulassen. Kontakte mit Ungläubigen, die sich ausschließlich darauf beschränken, „Spaß“ miteinander zu haben, sind hochgradig gefährlich. Die Warnung von Salomo ist eindeutig: „Mein Sohn, wenn Sünder dich locken, so willige nicht ein“ (Spr 1,10). Umgekehrt ist es genauso verkehrt, wenn wir unseren Kindern jeden Umgang mit ungläubigen Kindern (außerhalb der Schule) strikt verbieten. Beide Extreme sind falsch. Wir können unsere Kinder nicht wie in einem „Getto“ halten. Wir können ebenfalls nicht zusehen, wie die Welt sie einfach vereinnahmt.

Viele gläubige Kinder werden in einem Umfeld groß, in dem es kaum Kinder gleichen Alters gibt, die ebenfalls gläubige Eltern haben. Wenn es anders ist, wollen wir Gott dafür danken und gerne die Gelegenheit zu guten Kontakten mit Kindern gläubiger Eltern nutzen. Aber es wäre so oder so nicht richtig, dass unsere Kinder völlig isoliert von Ungläubigen heranwachsen. In diesem Sinn sollten wir die Forderung mancher Christen, die Kinder zu Hause zu unterrichten, mit einer gewissen Zurückhaltung zur Kenntnis nehmen. Abgesehen davon, dass dies in Deutschland nicht zulässig ist, liegt eine Gefahr darin, dass Kinder zu sehr isoliert werden und das Schwimmen „gegen den Strom“ sehr spät lernen. Es ist gut, wenn Kinder früh lernen, ein Zeugnis für ihren Herrn zu sein und sich in einem ungläubigen Umfeld als Christen zu bewegen.1 Die Frage lautet: Wo fängt „Freundschaft mit der Welt an“ und wo hört der „Zeugnischarakter“ der Gläubigen auf? Das ist eine Frage, über die wir gemeinsam mit unseren Kindern nachdenken müssen. Wir müssen ihnen die Gefahren zeigen. Gleichzeitig sollen sie lernen, dass wir eine Aufgabe in dieser Welt haben. Dabei wollen wir von unseren Kindern nicht mehr erwarten, als wir selbst zu bringen in der Lage oder bereit sind. Wir dürfen unsere Kinder hier nicht überfordern.

Wenn unsere Kinder von ungläubigen Kindern eingeladen werden, müssen wir ein waches Auge darauf haben, was sie dort tun. Umgekehrt bieten solche Kontakte die Möglichkeit, ungläubige Kinder selbst nach Hause einzuladen, sie mit zur Kinderstunde zu nehmen oder das Gespräch mit deren Eltern zu suchen. Einladungen zum „Kindergeburtstag“ – die wir sorgfältig prüfen und je nach Sachlage entscheiden sollten – bieten durchaus die Möglichkeit, durch kleine und sinnvolle Geschenke eine christliche Botschaft zu vermitteln. Natürlich müssen wir bei solchen Kontakten die spezielle Art jedes Kindes berücksichtigen. Vor allen Dingen sind die Gebete der Eltern ein wichtiger Schutz für die Kinder. Es bleibt im Einzelfall immer eine Entscheidung der Eltern vor dem Herrn. Aber die Erfahrung zeigt, dass gerade kleinere Kinder oft viel unbefangener von ihrem Glauben an den Herrn Jesus sprechen, als ältere Kinder oder Erwachsene es tun. Insofern können die Kontakte der Kinder gut genutzt werden, um mit nicht gläubigen Eltern in Kontakt zu kommen und ein Zeugnis zu sein.

Das seit einigen Generationen aktuelle Thema „Klassenfahrten“ fällt ebenfalls unter diese Rubrik. Sollen unsere Kinder mitfahren? Sollen sie nicht mitfahren? Pauschale Antworten kann es nicht geben. Es hängt von der Klasse ab. Es hängt vom Lehrer ab. Es hängt vom Kind ab. Es hängt unter Umständen vom Reiseziel und den geplanten Aktivitäten ab. Eltern werden vor dem Herrn abwägen, was sein Wille ist. Sind mehrere Kinder gläubiger Eltern in derselben Klasse, ist es ratsam, sich vorher abzustimmen. Aber selbst dann mögen Eltern zu unterschiedlichen Entscheidungen kommen, die jeweils respektiert werden sollten.

Fußnoten

  • 1 Allerdings wollen wir in dieser Frage ausgewogen bleiben. Es gibt ohne Frage Sonderfälle, z. B. wenn Kinder in Missionsgebieten aufwachsen, wo sie keinen guten Unterricht in einer Schule bekommen können. Auch ist es denkbar, dass die Schulpädagogik so weit degeneriert, dass der Hausunterricht tatsächlich eine Alternative werden könnte.
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