Die Offenbarung Jesu Christi

Smyrna

Wenn der Herr in Ephesus das Verlassen der ersten Liebe feststellen muss, sehen wir in Smyrna, wie Er die Bosheit Satans als Mittel nimmt, um die alte Frische wieder herzustellen. Wir haben hier eine Kirche unter Verfolgung oder, wenn man den historischen Zusammenhang der Briefe betrachtet, den Zustand der Kirche nachdem sie die Feindschaft der weltlichen Herrscher erfahren hat.

Der Herr macht sich eins mit ihren Umständen.

Und dem Engel der Versammlung in Smyrna schreibe: Dieses sagt der Erste und der Letzte, der starb und wieder lebendig wurde“ (V. 8).

Obwohl Er Richter ist, vergisst Er niemals die Bedürfnisse seines Volkes und ist auch in Versuchungen und Leiden bei ihnen. Seine Fürsorge zeigt sich jedoch in anderer Form als im Alten Testament, wo Er noch nicht als Überwinder des Todes bekannt war. Damals war sein Eingreifen die Errettung vom Tod, indem Er aus dem Feuer rettete oder den Rachen der Löwen verschloss. Satan durfte Hiob versuchen, ihm wurde jedoch eine Grenze gesetzt: „Siehe, er ist in deiner Hand; nur verschone sein Leben“ (Hiob 2,6). Hier gibt es jedoch keine Einschränkung diesbezüglich, sie sollen „getreu bis zum Tod“ sein. Es wird ihnen keine Errettung im Diesseits versprochen. Warum? Weil ein Gläubiger Christus nun nicht nur als den Erretter vom Tod, sondern als Überwinder des Todes kennt. Er ist „der Erste und der Letzte“, das heißt, alle Macht ist in Gottes Hand, aber Er „war tot und ist wieder lebendig geworden.“ Er hat als Mensch den Tod an unserer Stelle erduldet und ist „aus den Toten auferweckt worden ... durch die Herrlichkeit des Vaters“ (Röm 6,4). Der Gläubige ist daher sicher. Der körperliche Tod ist nur wie das Durchschreiten einer Tür in die Gegenwart Christi. Vom zweiten Tod, dem Feuersee, ist er bereits errettet.

Der Herr fährt fort:

Ich kenne deine Drangsal und deine Armut (du bist aber reich) und die Lästerung von denen, die sagen, sie seien Juden, und sind es nicht, sondern eine Synagoge des Satans“ (V. 9).

Was für ein Gegensatz zur Versammlung in Laodizea, die sich brüstete: „Ich bin reich und bin reich geworden und bedarf nichts“, für den Herrn aber waren sie „Elende und Jämmerliche und arm und blind und nackt“ (Off 3,17). Wie wahr ist es doch, dass in den Augen Gottes „jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden“ (Lk 14,11). Gerade in der heutigen Zeit wäre es doch anmaßend inmitten von Verfall und Versagen bei allem, was hier auf der Erde für den Namen Christi verantwortlich ist, von Größe und Wachstum zu sprechen.

Aber ihre Drangsal und Not führte sie nicht in Versuchung das Böse zu tolerieren. Sie lehnten die Anmaßung derer, die behaupteten,  sie seien Juden, ab. Diese werden hier Synagoge des Satans genannt. Das Judentum ist eine Religion, die zu der Welt und dem Mensch nach dem Fleisch passt. Der Mensch wird unter Gesetz gestellt, es gibt weltliche Rituale und Priestertum. Und genau das hat Satan in das Christentum hineingebracht. Von Anfang an widerstand Paulus dieser Judaisierung des Christentums, welche die Fundamente des ihm anvertrauten Evangeliums und der himmlischen Wahrheiten, deren besonderer Diener er war, unterminierte. In Smyrna war diese Lehre, welche Form sie auch angenommen haben mochte, genauso tätig wie anderswo. Die armen geprüften Heiligen dort aber blieben treu und kämpften ernstlich „für den einmal den Heiligen überlieferten Glauben“ (Jud 1,3) im Gegensatz zu diesem versuchten Verderben. Ihre Treue wird von dem Herrn erkannt und anerkannt.

Dann spricht Er davon, was ihnen bevorsteht und ermuntert und tröstet sie:

„Fürchte nichts von dem, was du leiden wirst. Siehe, der Teufel wird einige von euch ins Gefängnis werfen, damit ihr geprüft werdet, und ihr werdet Drangsal haben zehn Tage. Sei getreu bis zum Tod, und ich werde dir die Krone des Lebens geben“ (V. 10).

Er verspricht nicht, sie von ihren Schwierigkeiten zu erlösen, sondern Er wird ihnen Kraft zum Ausharren geben. Der Herr hatte seinen Jüngern gesagt: „In der Welt habt ihr Bedrängnis; aber seid guten Mutes, ich habe die Welt überwunden“ (Joh 16,33). Der Apostel konnte sagen: „Aber in diesem allen sind wir mehr als Überwinder durch den, der uns geliebt hat“ (Röm 8,37). In ähnlicher Weise mussten auch sie leiden, sie sollten dem jedoch ohne Furcht entgegensehen, da Christus stärker als Satan ist. Es stimmt, dass Gott dem Teufel erlaubte sie zu versuchen, wie Er es auch bei Hiob tat, aber nur damit sie noch strahlender aus dem Feuer hervorgingen. Satan durfte zwar einige von ihnen ins Gefängnis werfen und einige töten, aber seine Macht war beschränkt in Bezug auf die Dauer der Bedrängnis. Sie sollte „zehn Tage“ andauern, d. h. auf jeden Fall eine begrenzte Zeit. Sie werden ermahnt, „getreu bis zum Tod“ zu sein und danach die „Krone des Lebens“ empfangen.

Sieht man diese Versammlung als Bild der zweiten Periode der Kirchengeschichte, so ist festzustellen, dass die harten Verfolgungen, die die Kirche in der Zeit zwischen Trajan und Diokletian erleiden musste, zwar nicht die Reinheit der Glaubenslehre wiederherstellten, aber doch tiefe Hingabe und Liebe zum Herrn hervorriefen. Vielen der schlimmsten Irrlehren, die bereits früh in die Kirche eingedrungen waren, wurde tapfer und treu widerstanden. Es ist tatsächlich so, dass einige dieser Verfolgungen, insbesondere die letzte große Verfolgung unter Diokletian, zehn Jahre dauerten, was möglicherweise mit den hier erwähnten „zehn Tagen“ angedeutet wird.

„Die Krone des Lebens“ wird wiederum im Jakobusbrief in Verbindung mit Treue in Zeiten der Erprobung erwähnt. „Glückselig der Mann, der die Prüfung erduldet! Denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, die er denen verheißen hat, die ihn lieben“ (Jak 1,12). Paulus spricht von einer anderen Krone: „Fortan liegt mir bereit die Krone der Gerechtigkeit, die der Herr, der gerechte Richter, mir zur Vergeltung geben wird an jenem Tag; nicht allein aber mir, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieben“ (2. Tim 4,8). Petrus sagt den treuen Ältesten, dass „wenn der Erzhirte offenbar geworden ist, so werdet ihr die unverwelkliche Krone der Herrlichkeit empfangen“ (1. Pet 5,4). „Die Krone des Lebens“ deutet hin auf den vollständigen Triumph über alle Anfeindungen, denen der Gläubige ausgesetzt war; „die Krone der Gerechtigkeit“ ist die Belohnung, die der „gerechte Richter“ austeilen wird. „Die Krone der Herrlichkeit“ ist die volle Anerkennung eines treuen Dienstes, der oft im Verborgenen und ohne große Anerkennung von den Menschen hier auf der Erde getan wurde.

Die Ermahnung

„wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Versammlungen sagt“ (V. 11)

richtet sich wieder an die ganze Versammlung und ist nicht auf die Überwinder beschränkt. Letzteren wird gesagt:

„Wer überwindet, wird nicht beschädigt werden von dem zweiten Tod“ (V. 11).

Diese Zusage bleibt etwas hinter der Innigkeit der Anerkennung, die den Überwindern in einigen anderen Versammlungen zuerkannt wird, zurück. Aber die Krone des Lebens war bereits denen verheißen worden, die einen Überwinder-Charakter trugen, denen, die „getreu bis zum Tod“ waren. Wie angemessen eine solche Verheißung für die war, welche vom ersten Tod bedroht waren, muss für alle einleuchtend gewesen sein.

Nächstes Kapitel »« Vorheriges Kapitel

Ihre Nachricht