Betrachtung über 2. Petrus (Synopsis)

Kapitel 3

Betrachtung über 2. Petrus (Synopsis)

Das letzte Kapitel beschäftigt sich, wie bereits bemerkt, mit dem Materialismus, dem Vertrauen, auf die Beständigkeit der sichtbaren Dinge, im Gegensatz zu dem Vertrauen auf das Wort Gottes, das uns lehrt, auf das Kommen Jesu, die Wiederkunft des Herrn, zu warten. Der Mensch urteilt nach seinen Sinnen. Seit Anfang der Schöpfung hat sich nichts verändert, sagt er (V. 3+4). Das ist nicht der Fall. Für die Augen des Menschen gibt es allerdings keine Veränderung. Aber jene Ungläubigen sind mit Willen unwissend über die Tatsache, dass die Welt schon einmal gerichtet worden ist, dass die Wasser, aus denen die Erde durch das mächtige Wort Gottes hervorgegangen war, sie für eine Zeitlang aufs neue umhüllt haben, und dass alles zugrunde gegangen ist, mit Ausnahme derer, die Gott in der Arche bewahrte. Und durch dasselbe Wort werden die jetzigen Himmel und die Erde für den Tag des Gerichts und des Verderbens der gottlosen Menschen aufbewahrt (V. 5–7). Der Herr verzieht nicht die Verheißung Seiner Wiederkehr, sondern Er übt noch Gnade, „da Er nicht will, dass irgendwelche verloren gehen, sondern dass alle zur Buße kommen“, und für Ihn sind tausend Jahre nur wie ein Tag, und ein Tag wie tausend Jahre. Doch der Tag des Herrn wird kommen wie ein Dieb, und an diesem Tage wird alles vergehen; die Elemente werden vor Hitze zerschmelzen, und alles, was auf der Erde ist, wird verzehrt werden (V. 10). Welch eine ernste Erwägung für die Kinder Gottes! wie sehr dazu angetan, sie in völliger Trennung vom Bösen und von allem Sichtbaren zu erhalten, während sie zugleich den Tag Gottes erwarten und beschleunigen, dessentwegen die Himmel aufgelöst und die Elemente im Brande zerschmelzen werden (V. 11+12)! Alles das, worauf die Hoffnungen des Fleisches sich stützen, wird für immer verschwinden.

Indessen werden neue Himmel und eine neue Erde entstehen, in welchen Gerechtigkeit wohnt. Der Apostel sagt hier nicht, dass die Gerechtigkeit herrschen werde (das ist der Fall während der tausendjährigen Herrschaft des Herrn), er spricht vielmehr von dem ewigen Zustand, in welchem die Regierung, die alles in Ordnung gebracht hat, ein Ende nehmen und die Segnung ohne Hindernis von Gott ausgehen wird, indem das Reich Gott, dem Vater, übergeben sein wird. Petrus verfolgt die Regierungswege Gottes und gelangt so bis zu dem ewigen Zustand, in welchem die Verheißung endgültig erfüllt sein wird. Das Tausendjährige Reich selbst ist die Wiederherstellung, von der die Propheten geredet haben; in sittlicher Hinsicht sind dann Himmel und Erde verändert durch die Gefangenschaft Satans und die Regierung Christi: Jerusalem wird in Frohlocken umgewandelt sein, und sein Volk in Freude (Jes 65,17+18); die Himmel werden gänzlich gereinigt sein durch Macht, um nie wieder durch Satan verunreinigt zu werden; die Heiligen befinden sich droben in ihrem ewigen Zustand, die Erde ist befreit, obwohl noch nicht endgültig frei gemacht. Materiell aber ist die Auflösung der Elemente notwendig zur Erneuerung aller Dinge.

Man wird bemerken, dass der Geist hier nicht von dem Kommen Jesu spricht, es sei denn, um zu sagen, dass man in den letzten Tagen darüber spotten werde. Er redet von dem Tage Gottes, im Gegensatz zu dem Vertrauen der Ungläubigen auf die Beständigkeit der sichtbaren Dinge in der Schöpfung, die doch, wie der Apostel zeigt, von dem Worte Gottes abhängig ist. An jenem Tage werden alle Dinge, in denen die Ungläubigen ihre Ruhe fanden und finden, aufgelöst werden und vergehen. Das wird nicht zu Beginn des Tages geschehen, sondern an seinem Ende; und hier haben wir nach dem Worte des Apostels Freiheit, diesen Tag auf tausend Jahre zu schätzen, oder auf einen beliebig langen Zeitraum, wie der Herr ihn eben für gut finden wird.

Eine solch ernste Auflösung von alledem, worin das Fleisch seine Ruhe findet, sollte uns dahin bringen, so zu wandeln, dass wir, wenn der Herr kommt, um diesen Tag herbeizuführen, „tadellos von ihm erfunden werden in Frieden“, indem wir den scheinbaren Verzug nur für die Gnade des Herrn halten, die sich zum Heile der Seelen erweist. Wir können wohl warten, wenn Gott diese Zeit benutzt, um Seelen von dem Gericht zu befreien, indem Er sie zur Erkenntnis Seiner Selbst führt und sie durch ein ewiges Heil errettet. Dasselbe war, wie der Apostel hinzufügt, durch Paulus gelehrt worden, der an sie (d. h. an die hebräischen Christen) über diese Dinge geschrieben hatte, wie er es auch in seinen übrigen Briefen getan (V. 15–17).

Es ist interessant zu sehen, wie Petrus, der einst von Paulus öffentlich vor allen getadelt worden war (Gal 2,11 ff.), ihn hier mit voller Liebe erwähnt. Er bemerkt, dass in den Briefen Pauli eine erhabene Lehre enthalten sei, welche diejenigen, die unbefestigt und nicht von Gott gelehrt seien, verdrehten. Denn tatsächlich folgt Petrus dem Paulus nicht auf den Boden, den dieser betreten hatte. Das hindert ihn jedoch nicht, die Schriften Pauli als einen Teil der Schrift anzuerkennen: „wie auch die übrigen Schriften“, sagt er. Das ist ein wichtiges Zeugnis, zugleich verleiht es den Schriften eines Mannes, welcher diese Bezeichnung den Schriften eines anderen beizulegen vermochte, denselben Charakter.

Möchten daher die Christen wachsam sein und sich hüten, dass sie „nicht durch den Irrwahn der Ruchlosen mit fortgerissen werden“! Möchten sie vielmehr wachsen in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus! Ihm sei die Herrlichkeit jetzt und in Ewigkeit! Amen.

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