Die Versammlung des lebendigen Gottes

1. Was ist die Versammlung?

Die Versammlung des lebendigen Gottes

Zu Beginn sollte gesagt werden, dass das Wort, das in unserer Bibel mit „Kirche“1 übersetzt wird, im griechischen Original „ekklesia“ heißt. Das bedeutet so viel wie „eine Versammlung von Herausgerufenen“. Eine passendere Übersetzung des Wortes ist „Versammlung“. So geben es auch viele genauen Übersetzungen wieder. Weder dieses Wort noch sein hebräisches Gegenstück werden im Alten Testament gefunden, was uns zeigt, dass die Versammlung zu dieser Zeit noch nicht existierte.

Keine Versammlung vor Pfingsten

Im Alten Testament hatte Gott eine Beziehung zu seinem irdischen Volk Israel, die durch einen Bund geprägt war. Doch Israel ist nicht die Versammlung. Diese hat eine viel tiefere und gesegnetere Beziehung zu Christus, als das Volk Israel damals. Von der Nation Israel wird lediglich einmal als der „Versammlung in der Wüste“ (Apg 7,38) gesprochen. Dort war Israel zwar, in einem bestimmten Sinn, eine „Versammlung von Herausgerufenen“ aus Ägypten – dennoch sehen wir einen großen Gegensatz zu der wahren Versammlung des Neuen Testaments.

Im Alten Testament gibt es Bilder und Schemen der Versammlung, wie zum Beispiel die Braut Josephs und die Stiftshütte, in der Gott wohnte, aber die Versammlung Gottes selbst existierte damals noch nicht.

In den Gedanken Gottes existierte die Versammlung jedoch schon vor der Grundlegung der Welt immer. Es war das Geheimnis, „das von den Zeitaltern her verborgen war in Gott“ (Eph 3,9) und „das ewige Zeiten hindurch verschwiegen war, jetzt aber offenbart … ist“ (Röm 16,25.26).

Das Wort „Versammlung“ oder „ekklesia“ finden wir das erste Mal in Matthäus 16,18. Dort spricht der Herr über die Versammlung, als er zu Petrus sagt: „… du bist Petrus (Petros – griech. „ein kleiner Stein“); und auf diesen Felsen (petra – griech. Fels, womit der Herr sich selbst meint) werde ich meine Versammlung bauen.“ Hier ist die Versammlung noch zukünftig, denn der Herr sagt „ich werde bauen“ und nicht „ich habe gebaut“, oder „ich baue gerade“. Der griechische Urtext deutet auf eine Handlung in der Zukunft hin, worin sich alle Gelehrten und Übersetzer, abgesehen von wenigen Ausnahmen, einig sind.

Die nächste Erwähnung der Versammlung finden wir in Matthäus 18,17, wo uns Anweisungen gegeben werden bezüglich der Sünde gegen den Bruder und der Zucht. Offensichtlich bezieht sich auch das auf die Zukunft, denn sonst hätte man, zu einem Zeitpunkt als der Herr noch auf der Erde bei seinen Jüngern war, Ihm selbst diese Angelegenheit vorgelegt.

Bis zum Tag der Entstehung der Versammlung am Tag der Pfingsten (Apg 2) finden wir jedoch zunächst keine weiteren Stellen über die Versammlung. Während der Herr Jesus auf der Erde war bildete er nicht die Versammlung, sondern zeigte sich Israel als sein wahrer König und Messias und sammelte einen Überrest wahrer Gläubiger und Jünger um sich, während die Führer Israels Ihn mehr und mehr verwarfen.

Diese treuen Gläubigen zu Lebzeiten des Herrn folgten Ihm – jeder für sich – als Einzelne nach und bildeten später den Kern der Versammlung bei ihrer Gründung am Tag der Pfingsten. An diesem Tag wurden sie durch den herabkommenden Geist zu dem einen Leib Christi getauft und wurden dadurch mit ihrem verherrlichten Herrn vereint (1. Kor 12,13). Ab diesem Zeitpunkt existierten sie nicht mehr nur als einzelne Gläubige, sondern als ein gemeinsamer Leib – der Leib Christi – und als Glieder voneinander, die durch den Geist Gottes miteinander verbunden waren, der nun in ihnen wohnte. Das war der Anfang der Versammlung des lebendigen Gottes.

Das ist es, was die Versammlung ausmacht – ein Leib von wahren Gläubigen in Christus, die durch den Geist Gottes zu einem Leib getauft worden sind und die durch denselben Geist mit dem Herrn und untereinander verbunden sind. Das werden wir später ausführlicher betrachten.

Durch das, was bis jetzt vor uns stand, sollte uns klar geworden sein, dass die Lehre, die Versammlung habe mit Johannes dem Täufer begonnen, absolut falsch und unbiblisch ist.

In gleicher Weise sollte es offensichtlich sein, dass die Gewohnheit, Gebäude, die für religiöse Handlungen benutzt werden, „Kirche“ oder „die Kirche“ zu nennen, ebenfalls unbiblisch und irreführend ist. Die Versammlung ist nicht ein materielles Gebäude, sondern ein Leib von lebendigen Gläubigen. Sie besteht aus lebendigen Steinen, die einen heiligen Tempel im Herrn bilden (Eph 2,19–22; 1. Pet 2,5). Diese Wahrheit werden wir später tiefgehender betrachten. Alle Gläubigen, die sich an einem bestimmten Ort versammeln, stellen die wahre Versammlung dar. Das Gebäude, in dem sie sich treffen, ist nichts anderes als ein Versammlungsraum, sei es in einem Wohnhaus, in einem Saal, in einer Kapelle, oder in einem offiziell als Kirche bezeichneten Gebäude.

Bis hierhin haben wir größtenteils betrachtet, was die Versammlung nicht ist. Im Folgenden werden wir uns mehr der positiven Seite zuwenden und darauf eingehen, wie die Schrift die Versammlung darstellt.

Herausgerufene

Wenn wir noch einmal zu der Bedeutung des Wortes „ekklesia“ zurückkehren, dann werden wir erkennen, dass die Versammlung des lebendigen Gottes eine Gruppe von Herausgerufenen ist – herausgerufen aus der Welt. Die Herausgerufenen sind solche, die Gott durch das Evangelium seiner Gnade zu sich gerufen hat und die dieses Evangelium und den Retter, den dieses Evangelium vorstellt, angenommen haben. Dadurch sind sie von der Welt abgesondert und werden als „Geheiligte(…) in Christus Jesus“ (1. Kor 1,2) bezeichnet, was so viel wie „beiseite gesetzt, abgesondert“ heißt.

Im Einklang hierzu stehen die Worte von Jakobus in Apostelgeschichte 15,14: „Simon hat erzählt, wie zuerst Gott darauf gesehen hat, aus den Nationen ein Volk zu nehmen für seinen Namen.“ Das ist es, was die Versammlung ausmacht – ein Volk, herausgerufen aus den Nationen für seinen Namen durch das souveräne Handeln des Heiligen Geistes. Wenn die Versammlung sich mehr daran erinnert hätte, dann hätte sie sich nicht in dieser Welt niedergelassen und wäre nicht weltlich gesinnt geworden, sondern hätte sich weiterhin von der Welt abgesondert und ihren himmlischen Charakter gezeigt, als eine Versammlung, die wahrhaftig zu dem verworfenen Christus in der Herrlichkeit herausgerufen worden ist.

Wenn wir uns Apostelgeschichte 2 anschauen, dann sehen wir eine wahrhaft abgesonderte Gemeinschaft. Die Elf, einige Frauen und Maria, die Mutter Jesu, hatten sich in dem Obersaal versammelt, abgeschottet von der Welt, die ihren Heiland gekreuzigt hatte, und verharrten einmütig im Gebet. Dann kam der Heilige Geist vom Himmel und sie alle begannen in anderen Sprachen die wunderbaren Werke Gottes zu predigen. Petrus predigte nun zu der Menge und drängte sie, Buße zu tun, in dem Namen Christi getauft zu werden und sich von diesem verkehrten Geschlecht retten zu lassen. Dadurch würden sie sich zu Christus bekennen und sich von der Nation, die Ihn verachtet hat, absondern. Die, die sein Wort aufnahmen, wurden getauft und an diesem Tag wurden etwa 3.000 Seelen zu dieser abgesonderten Gemeinschaft hinzugetan. Das war der Anfang der Versammlung Gottes, der herausgerufenen Versammlung.

Der Fehler der Ultra-Dispensationalisten

Da es solche gibt, die lehren, dass die Zeit der Versammlung nicht an Pfingsten, sondern am Ende der Apostelgeschichte mit Paulus Gefangenschaft begann, müssen wir im Folgenden einige Gedanken über diese Lehre äußern. In Apostelgeschichte 2,47 lesen wir: „Der Herr aber fügte täglich hinzu, die gerettet werden sollten.“ Bezugnehmend auf diesen Vers können wir mit Sicherheit sagen, dass die Versammlung zu diesem Zeitpunkt bereits ihren Anfang genommen hatte und – wie auch heute noch – im Bau war, da der Herr täglich errettete Seelen hinzutat. Aber das sei, so sagen Vertreter dieser Lehre, nicht „die Versammlung, die sein Leib ist“ gewesen (Eph 1,22.23). Darauf antworten wir, dass der Herr nur eine Versammlung hat und dass die Versammlung in Apostelgeschichte 2 genauso zum „Leib Christi“ gehört wie die, von der im Epheserbrief gesprochen wird. Es gibt nicht zuerst eine jüdische Versammlung und danach eine Versammlung der Nationen, oder eine von Juden und Nationen.

Die Versammlung begann zu Pfingsten mit jüdischen Gläubigen. Später wurden Gläubige aus den Nationen hinzugefügt (Apg 10). Beide wurden durch das Kreuz mit Gott versöhnt und aus beiden wurde eins gemacht (Eph 2,14–16). Es ist wahr, dass dies nicht auf einmal offenbart wurde. Die Kernwahrheiten der Versammlung wurden erst später durch Paulus, den besonderen Apostel für die Versammlung, in seinen Gefängnisbriefen mitgeteilt. Aber trotzdem nahm die Versammlung des lebendigen Gottes an Pfingsten ihren Anfang. Die Apostelgeschichte ist eine Übergangszeit vom Judentum zu der Freiheit und Fülle des Christentums. Diese Gläubigen aus dem Judentum konnten nicht von jetzt auf gleich aus dem Judentum in die ganze Lehre der Versammlung, die erst nach und nach offenbart wurde, eingeführt werden.

Zusammengefügt durch den Herrn

Wenn wir noch einmal zurück zu Apostelgeschichte 2,47 gehen, dann ist es bemerkenswert, dass es der Herr war, der täglich solche hinzufügte, „die gerettet werden sollten“. Es waren nicht die Menschen, die sich hier selber anschlossen, wie man heute einer Kirche beitritt, sondern das „Hinzutun“ geschah durch den Herrn selbst. Solche, die Er errettete, wurden durch den Heiligen Geist zur Versammlung hinzugefügt, „von den Übrigen aber wagte keiner, sich ihnen anzuschließen, sondern das Volk rühmte sie. Aber umso mehr Glaubende wurden hinzugetan“ (Apg 5,13.14). Wir sehen hier die Stärke und Heiligkeit der frühen Versammlung darin, dass Ungläubige es nicht wagten sich anzuschließen. Sie fühlten, dass sie etwas nicht hatten, was diese von neuem geborenen Gläubigen hatten. Aber sobald irgendwelche errettet wurden, wurden diese dem Herrn hinzugetan, nicht Menschen oder Organisationen, und fanden sich selber in natürlicher Gemeinschaft mit den Gläubigen, die bereits zu der Versammlung Gottes hinzugefügt worden waren.

Dasselbe Prinzip sollte auch heute zutreffen. Damals wie heute ist es der Herr, der täglich zu der Versammlung solche hinzufügt, die errettet werden. Wenn jemand nicht errettet ist, kann er sich nicht Gottes wahrer Versammlung anschließen. Er mag auf der Erde einer Kirche beitreten, aber niemand gehört zu Gottes wahrer Versammlung, der nicht von neuem geboren ist. Genauso wie damals sollte es auch für heute wahr sein, dass kein Ungläubiger es wagt, sich der örtlichen Versammlung anzuschließen. Leider müssen wir feststellen, dass die Versammlung ihre Kraft verloren hat und es nicht mehr so ist.

Angesichts der ganzen heutigen Verwirrung, der Unordnung und des Abfalls in der bekennenden Christenheit darf es für jeden Gläubigen ein Trost sein zu wissen, dass er nach seiner Bekehrung durch den Herrn zu Gottes wahrer Versammlung hinzugefügt wurde, zu der nur wahre, errettete Gläubige gehören. Er ist ein Teil der „Versammlung der Erstgeborenen, die in den Himmeln angeschrieben sind“ (Heb 12,23), und sollte sich freuen, weil sein Name im Himmel angeschrieben ist und auch niemals aus dem Buch des Lebens ausgelöscht werden wird (Lk 10,20; Off 3,5).

Dies ist die einzige Kirche, zu der man gemäß der Schrift gehören kann. In der Bibel finden wir keine Gläubigen, die einer anderen Versammlung als der Versammlung Jesu Christi angehörten. Auch lesen wir nichts von Mitgliederlisten, sondern einfach nur davon, dass die Gläubigen zum Herrn hinzugetan und durch den Herrn zur Versammlung hinzugefügt wurden. Die einzige Gliedschaft, die die Schrift kennt, ist die Gliedschaft am Leib Christi.

Im Folgenden werden wir einige praktische Anwendungen dieser Wahrheiten für unsere Tage machen. Wenn jemand durch den Herrn zu seiner wahren Kirche hinzugefügt wurde, warum sollte er dann einer anderen Kirche beitreten, wenn er doch schon zu der einzigen Versammlung hinzugefügt wurde, die Gott anerkennt?

Gläubige sollen Gemeinschaft miteinander haben und zusammen den Herrn anbeten und Ihm dienen. Sie sollen sich gegenseitig auferbauen und miteinander beten, als solche, die bereits in dem Herrn zusammengefügt sind, als „Glieder voneinander“ (Röm 12,5). Aber die Schrift lehrt uns niemals, eine (Kirchen-)Organisation zu schaffen oder sonst einer menschlichen Erfindung beizutreten. In Epheser 4,3 werden wir ermahnt, „die Einheit des Geistes zu bewahren in dem Band des Friedens.“ Dies ist eine Einheit von Gläubigen, die bereits durch den Geist geschaffen wurde, und nicht eine Einheit von Ansichten und Lehren, die wir aufstellen. Diese gottgeschaffene Einheit von wahren Gläubigen sollen wir anerkennen und ihr gemäß handeln. Wir sollen keine andere Organisation anerkennen noch nach ihren Statuten handeln.

Dies sind einige der praktischen Grundsätze, die sich ergeben, wenn man durch den Herrn zu der Versammlung des lebendigen Gottes hinzugetan wird.

Die Versammlung wird uns in der Schrift unter drei Aspekten vorgestellt: als ein Leib, als eine Braut und als ein Haus. Auf zwei dieser Aspekte sind wir bereits kurz eingegangen, wollen sie aber jetzt tiefergehend betrachten. Als erstes werden wir die Versammlung als Leib sehen.

1.1 Der Leib Christi

Wir lesen in mehreren Briefen von dem Leib Christi, doch wir wollen zuerst zu Epheser 1,22.23 gehen. Nachdem der Apostel Paulus von der Auferstehung Christi aus den Toten und seiner Verherrlichung und Erhöhung in den himmlischen Örtern „über jedes Fürstentum und jede Gewalt und Kraft und Herrschaft und jeden Namen, der genannt wird“, gesprochen hat, schreibt er weiter, dass Gott „alles seinen Füßen unterworfen und ihn als Haupt der Versammlung über alles gegeben (hat), die sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt.

Der Tod, die Auferstehung und die Verherrlichung Christi im Himmel sind die Grundlage der Versammlung. Es konnte erst einen Leib Christi geben, als Christus als Mensch und Haupt des Leibes im Himmel war und das Werk der Erlösung für sündige Menschen vollbracht war. Wenn es überhaupt einen Leib geben soll, dann muss es auch ein Haupt geben. So haben wir zuerst Christus im Himmel als Haupt über alles, und erst dann wurde der Leib gebildet durch den von dem verherrlichten Haupt herniedergesandten Heiligen Geist.

Die Versammlung ist sein Leib auf der Erde, sein Gegenstück, das den verherrlichten Menschen ergänzt oder vervollständigt, genauso wie Eva für die Vollständigkeit von Gottes Gedanken in Bezug auf den ersten Adam notwendig war. Als Glieder des Leibes Christi sind Gläubige mit ihrem Haupt zur Rechten Gottes vereint und sollten, ihrem Charakter nach, himmlisch sein, genauso wie ihr Haupt himmlisch ist. Dies ist eine sehr wichtige Wahrheit, aber nur eine praktische Verwirklichung der Einheit mit dem in den Himmel hinaufgestiegenen Christus wird diesen himmlischen Charakter hervorbringen.

Durch den Heiligen Geist inspiriert schreibt der Apostel Paulus den Korinthern: „Denn so wie der Leib einer ist und viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich viele, ein Leib sind: so auch der Christus. Denn auch in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt worden“ (1. Kor 12,12.13).

In diesem Abschnitt und den nachfolgenden Versen wird der menschliche Körper mit seinen unterschiedlichen Gliedern als eine Illustration für die Versammlung benutzt, die mit ihren vielen einzelnen Gliedern ein Leib ist, der Leib Christi. Obwohl es eine Vielzahl von verschiedenen Teilen am menschlichen Körper gibt, gibt es durchweg eine wunderbare Einheit und alle Glieder gehören zu einem Körper. „So auch der Christus“, schreibt der Apostel Paulus. Beachte die Worte „der Christus“, d. h. Christus und sein Leib, die Versammlung. Der menschliche Körper mit seiner Einheit und Unterschiedlichkeit der Glieder ist ein Bild von Christus und seiner Versammlung, dem geistlichen Leib.

Nur ein Leib

Die Versammlung Christi ist nur ein Leib, obwohl seine Glieder viele sind, obwohl sich jedes Glied von dem anderen unterscheidet und obwohl die Glieder über die ganze Erde verstreut sind. „So sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, einzeln aber Glieder voneinander“, schrieb Paulus den Römern (Röm 12,5). Genauso schrieb er den Korinthern: „Denn ein Brot, ein Leib sind wir, die Vielen“ (1. Kor 10,17), und den Ephesern schrieb er: „Da ist ein Leib“ (Eph 4,4).

Das ist die Wahrheit Gottes über die Vielen, die die Versammlung Jesu Christi sind. Durch den einen Geist sind sie alle bei der Bekehrung zu einem Leib getauft worden, ohne Beachtung ihrer Nationalität oder Rasse, und nun sind sie „ein Leib in Christus.“ Das war in den Tagen der Apostel eine Tatsache, und es ist heute immer noch die göttliche Wahrheit. Gottes Wort sagt nicht „da war ein Leib“, oder „da wird einmal ein Leib sein“, sondern „da ist ein Leib.“

Trotz der vielen verschiedenen religiösen Vereinigungen in der Christenheit sieht Gott seine wahren Kinder immer noch als „ein Leib in Christus“, unabhängig davon, zu welchen irdischen Kirchenorganisationen sie gehören mögen oder wie zerstreut oder geteilt sie sein mögen. Letzteres ist zu ihrer Schande, denn die vielen gegensätzlichen religiösen Systeme sind nicht nach den Gedanken und dem Willen Gottes und finden bei Ihm keine Anerkennung. Was Gott auf dieser Erde anerkennt, ist der Leib Christi, und dieser allein ist Ihm teuer und wertvoll.

Die vielen religiösen Systeme der Menschen, mit Mengen von nicht von neuem geborenen, geistlich toten Mitgliedern, haben ihren Ursprung nicht in Gott, sondern sind den Gedanken des Menschen entsprungen und finden bei Gott keine Anerkennung. Aber Gott sieht und erkennt mit Freude jedes Kind Gottes an, das innerhalb dieser verschiedenen Systeme geistliches Leben hat und sieht es als zu dem Leib Christi zugehörig an, den sein Geist gebildet hat.

Sichtbare Einheit

In den Tagen der Apostel bildeten die Gläubigen in Christus buchstäblich einen sichtbaren Leib auf der Erde. Sowohl Gott als auch die Menschen erkannten sie als einen Leib. Es gab keine Spaltungen unter ihnen. Alle Christen an einem Ort trafen sich an einem Platz und waren in glücklicher Einheit und Gemeinschaft mit allen Christen und allen christlichen Versammlungen an anderen Orten in jener Provinz oder in anderen Ländern, wovon uns die Apostelgeschichte und die Briefe Zeugnis geben. Dadurch wurde es für jeden offenbar, dass diese Christen überall „ein Leib in Christus“ waren, ein lebendiger und arbeitender Organismus unter der Führung und Kraft des Heiligen Geistes. Das war es, was Gott wollte und angewiesen hatte, und so hätte es weiter gehen sollen.

Aber leider wurde diese glückliche sichtbare Einheit bald beschädigt und zerrissen. Bloße Bekenner und verkehrte Männer schlichen sich nebenein (Jud 4), und die Versammlung auf der Erde wurde zu einem großen Haus mit Gefäßen zur Ehre und zur Unehre (2. Tim 2,19–21). Später kam es zu Trennungen, die Verderben und Abweichen von Gottes Wort hereinbrachten, so dass die Einheit des Leibes Christi nicht länger öffentlich zu sehen war, wenn sie auch immer noch da war. Der Verfall, die Trennungen und die Verwirrung, die die Christenheit heute kennzeichnen, zeigen uns, wie weit wir von den Gedanken und dem Willen Gottes im Hinblick auf das Einssein der Gläubigen in einem Leib abgewichen sind.

Auch wenn diese Einheit des Leibes Christi in unseren Tagen nicht mehr zu sehen ist, ist sie dennoch da und wird wieder gesehen werden, wenn der Herr alle, die Sein sind, heimholt. Wenn Christus wiederkommen wird, um über die Erde zu regieren, dann wird die Versammlung, die sein Leib ist, mit Ihm erscheinen in ihrer wunderbaren Einheit.

Jemand hat einmal gesagt, dass die Einheit des Leibes Christi wie eine Kette ist, die über einen Fluss gespannt ist. Man kann sie auf jeder Seite sehen, aber in der Mitte taucht sie in den Fluss ein und es hat den Anschein, als ob sie nicht mehr da sei. So ist es auch mit Christus und der Versammlung. Sie wurde am Anfang als Einheit wahrgenommen und wird bald wieder als Einheit gesehen werden. Sie ist schon jetzt eine Einheit in Gottes Augen, auch wenn diese Einheit für das sterbliche Auge nicht sichtbar ist (Charles Henry Mackintosh).

Verantwortung

Aber obwohl es heute viele Parteiungen und verschieden religiöse Systeme in der Christenheit gibt, sind wir deshalb nicht von unserer Verantwortung entbunden, in praktischer Weise Zeugnis von der herrlichen Wahrheit über die Einheit des Leibes Christi zu geben und sichtbar in Tat die Einheit des Leibes Christi zu bekennen. Wir werden nicht nur dazu angehalten, die Theorie und die Wahrheit über die Einheit des Leibes aufrechtzuhalten, sondern wir werden auch dazu aufgefordert, in einer praktischen Art und Weise dieser gesegneten Wahrheit in unserer christlichen Gemeinschaft Ausdruck zu geben und gegen jeden, der sie leugnet, ein praktisches Zeugnis abzulegen.

Um die Worte eines anderen zu benutzen: „Der erste Schritt, um die Einheit der Versammlung Gottes zu bekennen, besteht darin, aus den Gruppierungen der Christenheit auszutreten. Lasst uns nicht damit aufhören, danach zu fragen, was der zweite Schritt ist. Gott gibt niemals Licht für zwei Schritte auf einmal. Ist es wahr, dass es nur einen Leib gibt? Ohne Frage, denn Gott sagt es so. Dann stehen die Parteiungen, die Sekten und die verschiedenen Systeme der Christenheit im klaren Gegensatz zu den Gedanken und dem Willen des Wortes Gottes. Was müssen wir tun? Aus ihnen austreten. Das ist der erste Schritt in die richtige Richtung – dessen können wir uns sicher sein. Es ist unmöglich die Einheit der Versammlung Gottes praktisch zu bekennen, wenn wir noch mit solchem in Verbindung stehen, was die Einheit praktisch leugnet. Wir mögen sonst zwar die Lehre verstandesmäßig begriffen haben – in der Realität würden wir sie aber in unserem praktischen Leben verleugnen. Aber wenn wir wirklich das Verlangen haben, die Wahrheit über den einen Leib zu bekennen, so ist es der allererste Schritt – unsere vorrangige Pflicht – sich von all den Sekten und Spaltungen der Christenheit konsequent abzusondern.

Und was dann? Auf den Herrn schauen, bis zum Ende. Heißt das, dass wir eine neue Sekte gründen, oder zu einem neuen Leib hinzutreten? Auf keinen Fall! Es geht um nichts anderes als dem ganzen Verderben um uns herum zu entfliehen und alle unsere Hilfsquellen in der Allgenügsamkeit des Namens Jesu zu finden, unsere Augen auf Ihn gerichtet zu halten, bis wir sicher den Hafen ewiger Ruhe und Herrlichkeit erreichen.“ (C.H.M.2).

Seine verschiedenen Glieder

Wir wollen jetzt die verschiedene Glieder des Leibes Christi und ihre Funktionen, wie sie uns in 1. Korinther 12 vorgestellt werden, betrachten. Dort lesen wir von verschiedenen Teilen des Leibes, solche wie dem Fuß, der Hand, dem Ohr und dem Auge, und von ihren verschiedenen Funktionen sowie ihrer Abhängigkeit voneinander. In Vers 28 sagt der Apostel dann: „Gott hat einige in der Versammlung gesetzt: erstens Apostel, zweitens Propheten, drittens Lehrer, dann Wunderkräfte, dann Gnadengaben der Heilungen, Hilfeleistungen, Regierungen, Arten von Sprachen.“ Dies sind einige der verschiedenen Gaben oder besonderen Glieder des Leibes, die wir in der Anfangszeit der Versammlung finden.

In Epheser 4,11 lesen wir, dass Christus hinaufgestiegen ist über alle Himmel und dass er den Menschen Gaben gegeben hat, „die einen als Apostel und andere als Propheten und andere als Evangelisten und andere als Hirten und Lehrer.“ Diese sind ohne Zweifel die dauerhaften Gaben in der Versammlung zu einem späteren Zeitpunkt – solche, die bleiben bis Christus wiederkommt, wie es auch in Vers 13 angedeutet wird.

Die besonderen Gaben und Glieder des Leibes, die in den obigen Abschnitten aufgelistet werden, sind gewissermaßen die eher öffentlichen und hervorstechenden Glieder, die „für die Auferbauung des Leibes des Christus“ gegeben sind. Den Ursprung dieser Gaben und ihre Funktion werden wir betrachten, wenn wir das Thema des Dienstes in der Versammlung beleuchten.

Sorgsam betont der Apostel in 1. Korinther 12 die Wichtigkeit und Notwendigkeit der weniger bedeutsamen Glieder des Leibes, die nicht so hervorstechend und offenkundig sind, wie die, die wir oben gesehen haben. Kein Glied kann zu einem anderen sagen: „Ich brauche dich nicht!“ Nein, „sondern vielmehr die Glieder des Leibes, die schwächer zu sein scheinen, sind notwendig“ (Vers 22), schreibt der inspirierte Schreiber. „Aber Gott hat den Leib zusammengefügt, indem er dem Mangelhaften reichlichere Ehre gegeben hat, damit keine Spaltung in dem Leib sei, sondern die Glieder dieselbe Sorge füreinander hätten. Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit; oder wenn ein Glied verherrlicht wird, so freuen sich alle Glieder mit.“ (1. Kor 12,24–26).

Das sind sehr praktische Erwägungen, die damit verbunden sind, dass wir Glieder am Leib Christi sind. Sie betreffen unser Alltagsleben und unsere Beziehungen untereinander in materiellen Dingen sowie in geistlichen. Es ist notwendig, dass wir jeden Tag die praktische Anwendung dieser Wahrheit, wie sie uns in den oben genannten Versen vorgestellt wurde, bedenken.

Es gibt noch eine andere wichtige Stelle, die auf den Leib und seine geringeren Glieder Bezug nimmt und zu der wir noch kommen müssen. Es ist Epheser 4,15.16: „…, der das Haupt ist, der Christus, aus dem der ganze Leib, wohl zusammengefügt und verbunden durch jedes Gelenk der Darreichung, nach der Wirksamkeit in dem Maß jedes einzelnen Teiles, für sich das Wachstum des Leibes bewirkt zu seiner Selbstauferbauung in Liebe.“ Dieser Vers erinnert uns daran, dass sogar ein so kleines Glied wie ein Gelenk sein Maß von Christus, dem Haupt, erlangt und dass jedes Teil wirksam sein muss, wenn der ganze Leib richtig funktionieren und wachsen soll. Das trifft, wie wir wissen, absolut auf den menschlichen Körper zu und in gleicher Weise auch auf den geistlichen Leib des Christus.

Der von Gott gegebene Platz

Nun aber hat Gott die Glieder gesetzt, jedes einzelne von ihnen an dem Leib, wie es ihm gefallen hat“ (1. Kor 12,18). In diesem Vers sehen wir die Souveränität Gottes, die jedem Gläubigen einen besonderen Platz und eine besondere Funktion gibt, wie es Ihm gefällt. Niemand kann seinen Platz selbst auswählen oder sagen, was er gerne tun möchte. Jeder bekommt seinen Platz von Gott und wird von Ihm befähigt, seine besondere Arbeit als ein einzelnes Glied am Leib durchzuführen.

Wir sollten uns daran erinnern, dass, wenn uns ein bestimmter Platz an dem Leib Christi gegeben wurde, dies dann bedeutet, dass wir diesen Platz mit einer festen Absicht und im Blick auf eine konkrete Arbeit bekommen haben. Das ist die praktische Seite der Wahrheit, und ihre Verwirklichung in unseren Seelen wird auch dahin führen, dass es sich in einer praktischen Weise zeigt, dass wir besondere Glieder am Leib Christi sind. „Einem jeden sein Werk“, sind die Worte des Herrn in Markus 13,34.

Das Haupt leitet die Glieder

Es folgt daraus, dass menschliche Einsetzungen und menschliche Bestrebungen in Bezug auf einen gewissen Dienst oder Platz in der Versammlung Gottes völlig falsch sind. Niemand hat das Recht einfach zu predigen, zu lehren, etc., oder jemanden anderes dazu zu bestimmen. Er muss dazu von dem Herrn berufen sein und sich sicher sein, dass dies der für ihn bestimmte Platz an dem Leib Christi ist. Wenn dies sein Platz ist, dann wird er für diese Arbeit von Gott begabt und angepasst werden, und seine Gabe wird der Versammlung offenbar werden. Er ist seinem Herrn verantwortlich, sie in Abhängigkeit von Christus, dem Haupt, auszuüben, der ihn auch berufen hat.

Jeder von uns muss durch Gemeinschaft und Erfahrung von dem Herrn lernen, was sein oder ihr Platz an dem Leib Christi ist und welcher Dienst damit in Verbindung steht. Der Kopf leitet die Bewegungen und die Funktionen des menschlichen Körpers und ebenso ist es Christus, das Haupt seines geistlichen Leibes, der Versammlung, der die Bewegungen und die Arbeit der verschiedenen Glieder lenkt.

In unserem Körper steuert der Kopf die Glieder durch das Nervensystem, das vom Kopf zu jedem Glied und Teil des Körpers führt. Im geistlichen Leib steuert und lenkt Christus, das Haupt, jedes Glied durch den Heiligen Geist, der in jedem Glied wohnt und sie untereinander und mit dem Haupt im Himmel verbindet. In diesem Sinn können wir den Heiligen Geist mit dem Nervensystem in unserem Körper vergleichen, das die Verbindung zwischen dem Kopf und dem Körper ist. Wenn der Heilige Geist ungetrübt in uns ist, dann wird Er das Herz in Hinblick auf einen bestimmten Dienst für den Herrn in Übung bringen und wird es auch, unter der Leitung des Hauptes der Versammlung, in dem Dienst weiterführen. Aber das bedeutet, dass wir uns dem Geist fügen müssen und Ihn nicht auslöschen dürfen.

Wenn der Leser zu Apostelgeschichte 13,1–5 geht, dann findet er dort ein Beispiel der Leitung des Hauptes durch den Heiligen Geist. Als in Antiochien gewisse Propheten und Lehrer dem Herrn dienten, „sprach der Heilige Geist: Sondert mir nun Barnabas und Saulus zu dem Werk aus, zu dem ich sie berufen habe“ (V.2). Daraufhin drückte die Versammlung ihre Gemeinschaft mit ihnen durch Fasten, Beten und Händeauflegen aus und entließ sie. Ausdrücklich wird hinzugefügt: „Sie nun, ausgesandt von dem Heiligen Geist, gingen hinab nach Seleuzia“ etc. So war die Reihenfolge damals und so ist Gottes Weg auch für uns heute.

Der Leib als ein Organismus

Aus dem, was bis jetzt vor uns gewesen ist, sollte klar geworden sein, dass die Versammlung Gottes keine von Menschen geschaffene Organisation ist, sondern ein lebendiger Organismus, der aus lebendigen Gliedern besteht. In ihnen wohnt der Heilige Geist, und sie sind mit dem lebendigen Haupt im Himmel verbunden, das sie lenkt und führt. Gibt es irgendwelche Unterschiede zwischen den zweien – der Organisation und dem Organismus? Gewiss. Das eine ist eine Vereinigung, die durch den Menschen gebildet wird. Ein Organismus hingegen ist ein durch Gott gebildetes, lebendiges Wesen.

Die Apostelgeschichte zeigt uns die Funktionsweise dieses lebendigen Organismus, der Versammlung, in den ersten Tagen des Anfangs. Gestärkt und geführt von ihrem Haupt im Himmel mittels des Heiligen Geistes, gingen die verschiedenen Glieder des Leibes aus und führten die Arbeit Gottes ohne ein menschliches Haupt oder eine menschliche Organisation auf der Erde aus. Auch geschah alles in Harmonie und Einheit – eine Einheit, wie sie in einer menschlichen Organisation oder Zusammenarbeit nie erlangt werden konnte – denn es gibt eine „Einheit des Geistes“, die wir zu bewahren ermahnt werden. Sie zeigten auch, dass sie ein lebendiges Haupt in der Herrlichkeit hatten und dass Christus nicht bloß eine Repräsentationsfigur, sondern eine lebendige Realität und allgenügend ist. In jeder Not und in jedem Wandel durch die ganzen Jahrhunderte hindurch hat Er sich als völlig genügend erwiesen und wird dies auch bis zum Ende bleiben, wenn wir nur in Abhängigkeit von Ihm bleiben. Mögen wir Ihn als solches bestätigen – als unser allgenügendes, verherrlichtes Haupt im Himmel.

Der Kontrast zu uns

Wenn man sich heute jedoch in der Christenheit umschaut, dann ist praktisch gesehen alles in einem auffallenden Gegensatz zu dem, was die Versammlung in der Apostelgeschichte und den Briefen nach den Gedanken Gottes gewesen ist. Anstelle der Funktionsweise eines lebenden Organismus sieht man überall Kirchenorganisationen. Jede von ihnen hat ihr eigenes Oberhaupt, untergeordnete Häupter etc., mit Autorität über andere, und gar nichts oder nur sehr wenig ist von Christus, dem Haupt der Versammlung, bekannt oder sichtbar, der die Glieder durch den Heiligen Geist leitet. Man möchte meinen, das Christus für die meisten – mit Blick auf den praktischen Aspekt seiner Funktion als Haupt der Versammlung – nur als Repräsentationsfigur im Himmel gesehen wird und dass der Heilige Geist als lebendige Person nur wenig bekannt ist, oder dass nur wenig mit seiner Kraft gerechnet wird. Christus und der Heilige Geist sind praktisch durch die menschliche Maschinerie systematisierter konfessioneller Organisationen ersetzt worden. Und das ist nicht nur unter nicht erretteten religiösen Bekennern der Fall, sondern auch unter wahren Gläubigen, wenn auch nicht in demselben Maß.

Geliebte, diese Dinge dürfen nicht sein! „Was sagt die Schrift dazu?“, sollte unsere Frage sein und wir sollten ein „So sagt es der Herr“ als Antwort auf alles das haben, was wir praktizieren und festhalten. Alles, was nicht in Übereinstimmung mit seinem Wort ist, ist seinem Willen entgegengesetzt und sollte deshalb aufgegeben werden. Möge der Herr, das Haupt der Versammlung, es dem Leser sowie dem Schreiber dieser Zeilen schenken, dass er in Bezug auf diese kostbaren Wahrheiten, die mit dem Leib Christi verbunden sind, in Übung sei und praktisch in ihnen leben möge, abgesondert von allem, was sie verleugnet.

1.2 Das Haus Gottes

Im Alten Testament wohnte Gott im blutbesprengten Allerheiligsten der Stiftshütte und später im Tempel unter den Kindern Israel. Aber seit dem Tod und der Auferstehung Christi, wohnt Gott „nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind“ wie Paulus es den Athenern erklärt (Apg 17,24). Sein Haus und der Wohnort des Heiligen Geistes auf dieser Erde ist nun die Versammlung (1. Tim 3,15). Das führt uns zur Betrachtung des zweiten Bildes der Versammlung: Die Versammlung als das Haus Gottes.

In Epheser 2,19–22 lesen wir: „Also seid ihr nun nicht mehr Fremdlinge und ohne Bürgerrecht, sondern ihr seid Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes, aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, indem Christus Jesus selbst Eckstein ist, in welchem der ganze Bau, wohl zusammengefügt, wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn, in dem auch ihr mitaufgebaut werdet zu einer Behausung Gottes im Geist.

Aus diesen Versen lernen wir, dass die Gläubigen in Christus durch den Geist auf der Grundlage der Apostel und Propheten zusammen aufgebaut werden zu einer Behausung oder einem Wohnort Gottes, mit Christus als Eckstein. Immer wenn jemand errettet wird, wird er diesem geistlichen Haus als ein Stein hinzugetan, und wohl zusammengefügt wächst es zu einem heiligen Tempel im Herrn. In diesem Sinn ist die Versammlung ein unvollendetes Gebäude – ohne eine Ruine zu sein –, das dann vervollständigt sein wird, wenn die letzte Seele in der Zeit der Versammlung, der Gnadenzeit, errettet sein wird. Dann wird der Herr für sein Volk kommen.

Auch Petrus berichtet uns in seinem ersten Brief ein wenig über das Haus Gottes. Er schreibt: „Auch ihr selbst (werdet) als lebendige Steine aufgebaut, ein geistliches Haus, zu einer heiligen Priesterschaft, um darzubringen geistliche Schlachtopfer, Gott wohlangenehm durch Jesus Christus“ (1. Pet 2,5). Von den Gläubigen wird hier als von lebendigen Steinen gesprochen, die auf Christus, dem lebendigen Stein, aufgebaut werden. Sie bilden ein geistliches Haus zur Darbringung von geistlichen Schlachtopfern des Lobes und Dankes an Gott.

Wir haben in Matthäus 16,18 schon gesehen, dass der Herr sagte: „Auf diesen Felsen (sich selbst) werde ich meine Versammlung bauen, und die Pforten des Hades werden sie nicht überwältigen.“ Demgemäß sehen wir, wie Christus sein Haus, die Versammlung, von Pfingsten bis heute baut, und dass es immer noch steht – trotz aller Angriffe die durch die Jahrhunderte der Verfolgung und der listigen Versuche Satans hindurch geschahen, um es zu zerstören.

In diesem lebendigen, geistlichen Haus aller wahren Gläubigen lebt Gott durch den Geist. Es ist seit dessen Bildung beim Herabkommen des Heiligen Geistes vom Himmel in Apostelgeschichte 2 sein Haus und Tempel, seine Behausung. Den Gläubigen in Korinth schreibt Paulus: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (1. Kor 3,16). Gemeinsam waren die Gläubigen in Korinth Gottes Tempel und Haus an diesem Ort. Das trifft auch auf alle Gläubigen an jedem Ort heute zu. Es ist nicht ein Kirchengebäude aus materiellen Steinen, wie man oft denkt oder sagt, sondern ein geistliches Gebäude aus lebendigen Steinen – aus Gläubigen in Christus.

Ordnung und Verantwortung

Ordnung und Verantwortung sind die Hauptgedanken, die im Zusammenhang mit der Versammlung als Haus Gottes stehen. „Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens“ (1. Kor 14,33), und wenn er in einem Haus wohnt, dann muss alles nach seinen Gedanken und in Ordnung sein. Es besteht die Verantwortung diesen Wohnort rein und heilig zu halten, denn „deinem Haus geziemt Heiligkeit, HERR“ (Ps 93,5). Deshalb müssen in der Versammlung Zucht und Ordnung herrschen, weil die Versammlung der Wohnort des heiligen Gottes ist.

Der Grund, warum Paulus den ersten Brief an Timotheus schrieb, war der, dass Timotheus (und wir ebenso) wissen sollte, „wie man sich verhalten soll im Haus Gottes, das die Versammlung des lebendigen Gottes ist“ (1. Tim 3,15). Dort sehen wir, dass man sich im Haus Gottes gebührend verhalten muss und dass Ordnung, Heiligkeit und Zucht eng damit verbunden sind, dass wir das Haus Gottes und seine Hausgenossen sind. Diese Themen werden wir noch näher betrachten, wenn wir zu dem örtlichen Charakter der Versammlung kommen, der sichtbaren Versammlung, wie sie auch manchmal genannt wird.

Der Klarheit wegen möchten wir darauf hinweisen, dass Zucht immer mit Blick auf die Versammlung als dem Haus Gottes zu sehen ist und nicht mit dem Blick auf die Versammlung als dem Leib Christi. Die grundsätzlichen Gedanken in Verbindung mit dem Leib Christi sind Gnade, Stellung und die lebendige Einheit mit Christus, dem verherrlichten Haupt. Keine menschliche Kraft kann von diesem Leib ein Glied wegnehmen, noch kann menschliche Kraft ein Glied hinzufügen, während im Haus Gottes jemand durch eine Zuchthandlung von der Gemeinschaft ausgeschlossen werden kann. Die Heiligkeit des Hauses Gottes erfordert es, dass ein solcher Ausschluss vollzogen wird, wenn jemand, der in Gemeinschaft ist, schwerwiegendes Böses in seinem Leben zulässt (vgl. 1. Kor 5,13).

Zwei Aspekte des Hauses

In den Stellen, die wir bis jetzt betrachtet haben (Eph 2 und 1. Pet 2) finden wir den Aspekt des Hauses Gottes als ein Gebäude, das Christus baut und zu dem nur wahre Gläubige als lebendige Steine hinzugefügt werden können. Christus ist der Baumeister und sein Bauen ist vollkommen. Unter diesem Aspekt sind das Haus Gottes und der Leib Christi inhaltsgleich. Beide setzen sich ausschließlich aus wahren Gläubigen in Christus zusammen.

Aber in 1. Korinther 3 finden wir einen weiteren Aspekt des Hauses Gottes, nämlich dass der Mensch baut, womit Verantwortung und folglich auch Versagen verbunden ist. Hier lesen wir: „Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; Gottes Ackerfeld, Gottes Bau seid ihr. Nach der Gnade Gottes, die mir gegeben ist, habe ich als ein weiser Baumeister den Grund gelegt; ein anderer aber baut darauf; ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut“ (V. 9.10). Dann fährt der Apostel fort, dass auf diesen Grund Gold, Silber, wertvolle Steine, Holz, Heu und Stroh gebaut werden. Er fügt hinzu, dass das Feuer am Tag des Gerichts das Werk eines jeden erproben wird, welcher Art es ist, und dass Lohn gegeben werden wird für das Werk, das dem Feuer standhalten konnte (V. 12–15).

Holz, Heu und Stroh – das ist offensichtlich – sind Materialien, die durch Feuer zerstört werden. Daher sind es falsche Materialien und keine wahren Gläubigen, die durch die Arbeit des Menschen in das Haus Gottes gebracht worden sind. Unter diesem Blickwinkel auf das Haus Gottes auf der Erde, wo dem Menschen das Werk des Bauens anvertraut ist, gibt es folglich Versagen, und bloße Bekenner werden oft mit wahren Gläubigen vermischt.

In den Tagen der Apostel war das Haus, das die Menschen bauten, zuerst identisch mit dem Leib Christi und dem Haus, das durch Christus gebaut wurde. Der Herr fügte zu der Versammlung jene hinzu, die errettet wurden, und alle, die dem Haus Gottes hinzugefügt wurden, waren wahre Gläubige. Aber schon bald gab es einen, Simon, den Zauberer, der bekannte, errettet zu sein, getauft wurde und in den Genuss der Vorrechte des Hauses Gottes – der christlichen Gemeinschaft – kam. Dieser Mann erwies sich dann als nicht bekehrt und als nicht mit Gott im Reinen (Apg 8).

Hier haben wir vielleicht das erste Versagen und die ersten falschen Materialien wie Holz, Heu und Stroh, die vom Menschen für den Bau am Haus Gottes verwendet wurden. Simon war kein lebendiger Stein und daher auch kein Glied am Leib Christi. Nun war etwas im Haus, was nicht zum Leib gehörte, und die beiden hörten auf, dasselbe zu umfassen und identisch zu sein – das Haus, unter dem gesehenen Blickwinkel der Verantwortung des Menschen, wurde größer als der Leib.

Das Bauen am Haus Gottes mit unangemessenen ungleichartigen Materialien hat sich seitdem fortgesetzt, so dass es nun sehr wichtig ist, zwischen diesen beiden Aspekten des Hauses Gottes zu unterscheiden – das eine wird von Christus in Vollkommenheit gebaut, das andere vom Menschen in Unvollkommenheit und Versagen mit unangemessenen Materialien.

Schon am Ende des Lebens des Apostel Paulus war das Haus Gottes ein „großes Haus“ geworden, das aus Gefäßen zur Ehre und Gefäßen zur Unehre, Gefäßen aus Gold und Silber sowie hölzernen und irdenen Gefäßen bestand, so dass es notwendig war, sich von den Gefäßen zur Unehre in dem großen Haus abzusondern, um ein Gefäß zur Ehre zu sein, „geheiligt, nützlich dem Hausherrn, zu jedem guten Werk bereitet“ (2. Tim 2,20–21). Das ist der Zustand des Hauses Gottes, gebaut unter der Verantwortung des Menschen.

Am Ende unserer Gedanken zu diesem Thema mag noch festgestellt werden, dass jemand zu dem Haus Gottes, das der Mensch baut, durch die Taufe mit Wasser hinzufügt wird, dem äußeren Zeichen des christlichen Bekenntnisses, während jemand zum Leib Christi nur durch die Taufe mit dem Heiligen Geist hinzufügt werden kann, wie wir schon gesehen haben.3

1.3 Die Braut Christi

Wir wollen nun zu dem dritten Bild der Versammlung Gottes in der Schrift kommen. Dieses finden wir in Epheser 5,21–32, wo Paulus zeigt, dass die Versammlung die Braut Christi ist. Die Natur dieser gesegneten und engen Beziehung zwischen Christus und seiner Versammlung ist das Vorbild für die Beziehung und das Verhalten von Ehemann und Ehefrau.

Ab Vers 25 heißt es: „Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch der Christus die Versammlung geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat, damit er sie heiligte, sie reinigend durch die Waschung mit Wasser durch das Wort, damit er die Versammlung sich selbst verherrlicht darstellte, die nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern dass sei heilig und untadelig sei. So sind auch die Männer schuldig, ihre Frauen zu lieben wie ihre eigenen Leiber. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst. Denn niemand hat jemals sein eigenes Fleisch gehasst, sondern er nährt und pflegt es, wie auch der Christus die Versammlung. Denn wir sind Glieder seines Leibes, von seinem Fleisch und von seinen Gebeinen. ‚Deswegen wird ein Mensch den Vater und die Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und die zwei werden ein Fleisch sein.‘ Dieses Geheimnis ist groß; ich sage es aber in Bezug auf Christus und auf die Versammlung.

Zuneigung, Innigkeit und Verbindung

Im Bild der Braut wird uns die Versammlung als der Gegenstand der innigsten und zärtlichsten Zuneigung Christi und seiner liebenden Fürsorge vorgestellt, so wie ein treuer Ehemann seine Frau liebt und versorgt, nur dass hier das Irdische als ein Vorbild für das Himmlische dient. Dieses Bild stellt uns auch die höchst innige Beziehung vor, die zwischen Christus und seiner Versammlung besteht – die engste, die es gibt, nämlich das zarte Band zwischen sich liebenden Eheleuten. Es stellt uns auch den Gedanken der innigen zukünftigen Verbindung mit Christus und seiner kommenden Herrschaft und Herrlichkeit vor, so wie Eva zusammen mit Adam als Haupt über die ganze Schöpfung gesetzt war. Das werden wir später ausführlicher anhand weiterer Schriftstellen betrachten.

Die Versammlung des lebendigen Gottes ist die Braut Christi, die er mit unendlicher Liebe liebt und die Er für sich selbst erwarb durch sein kostbares Blut, das Er gegeben hat, um sie von Sünde und Verderben zu erlösen. Das tat Er für sie in der Vergangenheit, damit Er sie als den Gegenstand seiner tiefen Zuneigung für immer bei sich haben könnte und um in den kommenden Tagen mit ihr seine ganze Herrlichkeit und Herrschaft zu teilen.

Heute sorgt Er für sie in seiner unerschöpflichen Liebe, nährt und pflegt sie, heiligt und reinigt sie durch die Waschung mit Wasser durch das Wort, die Anwendung der reinigenden Kraft des Wortes Gottes durch den Geist, damit sie moralisch passend sei für diesen innigen Platz der Verbindung mit Ihm, in aller seiner Herrlichkeit und Herrschaft. In der Zukunft wird seine Liebe zu der Versammlung darin offenbart werden, dass Er sie, die Braut, sich selbst ohne Flecken und Runzel verherrlicht darstellen wird und sie auf ewig bei Ihm, ihrem geliebten Bräutigam, sein wird. Wie jemand einmal gesagt hat: „Er ist der eine, der sie sich selbst darstellen kann, als den Ursprung ihrer Existenz, ihrer Schönheit und der Vollkommenheit, in der sie im Himmel erscheinen muss, um dieses Bräutigams und der Herrlichkeit, die im Himmel ist, würdig zu sein.“

Das ist also das gesegnete Vorrecht der Versammlung als Braut Christi; und die Liebe, die jedes Glied der Braut jetzt genießen sollte. Denn die Liebe, die wir in dem reinen und ewigen Glanz genießen werden, ist dieselbe Liebe, mit der Er uns jetzt schon in der Nacht und Finsternis dieser Welt liebt. Mögen unsere Herzen in dieser kostbaren Liebe ruhen!

Unsere Zuneigung und Treue

Wenn wir als seine Braut seine Liebe genießen, dann sollte und wird sich die Zuneigung unseres Herzens zu Ihm hinwenden, in einem innigen Verlangen nach Ihm allein, unserem Bräutigam, und in hingebungsvoller Treue Ihm gegenüber, auf dem Schauplatz seiner Verwerfung während seiner Abwesenheit. Es ist gut, wenn wir uns an die Worte des Apostels Paulus erinnern und uns darüber im Klaren sind, dass sie für jeden Gläubigen gelten. „Denn ich habe euch einem Mann verlobt, um euch als eine keusche Jungfrau dem Christus darzustellen“ (2. Kor 11,2).

Als Christen sind wir mit Jesus Christus verlobt und sollen treu und wahrhaftig zu Ihm stehen, indem wir uns als eine keusche Jungfrau für Ihn selbst erhalten, unbeschmutzt von einer Welt, die Ihn gekreuzigt hat. Wir geben unsere Liebe und Zuneigung nicht diesem weltlichen System des Feindes unseres „Geliebten“, sondern lassen Ihm alle unsere Liebe und Freundschaft zuteilwerden. Wir erweisen Ihm einen treuen Dienst und leben in freudiger Erwartung seines Wiederkommens für uns und jenes Tages der Vereinigung anlässlich der Hochzeit. Dies ist eine Verantwortung, die aus dieser höchst innigen Beziehung zu Christus entspringt.

Unterordnung

Weiterhin erinnert uns der Text in Epheser 5, dass diese gesegnete Beziehung auch die Gedanken des Hauptes und der Ordnung vorstellt, wie sie auch in dem Bund der Ehe gesehen werden. „Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch der Christus das Haupt der Versammlung ist; er ist des Leibes Heiland. Aber wie die Versammlung dem Christus unterworfen ist, so auch die Frauen den Männern in allem“ (Eph 5,23.24). Wir haben schon davon gesprochen, dass Christus das Haupt der Versammlung ist. Wir wollen daher jetzt nur das Thema der Unterordnung der Versammlung als der Braut des Herrn, ihres Hauptes, berühren.

Diese Unterordnung unter Christus ist eine weitere sehr wichtige Verantwortung, die aus dem gesegneten Vorzug resultiert, dass wir die Braut Christi sein dürfen. Das bedeutet, dass wir hier auf der Erde seinem Wort gehorchen und nicht unseren eigenen Willen tun oder unseren eigenen Wünschen folgen sollen. Vielmehr sollen wir die Anweisungen befolgen, die Er uns in der Bibel gegeben hat. Wir können nicht das tun, was nach unseren Gedanken nützlich oder gut ist – sei es im Hinblick auf uns persönlich oder auf die Versammlung als Kollektiv. Unsere Aufgabe ist es, in der Schrift nach den Gedanken Gottes zu suchen und nach ihnen in Unterordnung unter Christus, unserem Haupt, zu handeln. Daraus folgt auch, dass die Versammlung niemals selbst Lehren oder Regeln aufstellt und lehrt. Ihr Platz besteht darin, dass sie sich allen Regeln, Prinzipien und Lehren, die Christus uns in seinem Wort mitteilt, unterwirft. Der Herr lehrt und predigt durch die Gaben, die Er der Versammlung gegeben hat und die unter der Leitung und Kraft des Heiligen Geistes das Wort darlegen. Der Platz der Versammlung besteht darin, sich dem Wort Christi unterzuordnen und nicht den Platz des Lehrens und Herrschens einzunehmen, wie es die römisch-katholische und viele andere Kirchen tun.

Hätte die Versammlung das nicht vergessen und ihre hohe Berufung als Braut Christi nicht aus dem Auge verloren – wie anders würden die Dinge heute sein. Es gäbe nicht die vielen konkurrierenden Benennungen und Gruppen mit ihren unterschiedlichen Formen der Handhabung, variierenden Lehren etc. Wenn sich alle Christus unterordnen würden, dann würde unter den Gläubigen eine einheitliche Darstellung Seiner Gedanken und Seines Wegs für die Gläubigen gefunden.4

Wie gesegnet wäre dies und was für ein Zeugnis würde die Versammlung in dieser Welt für Christus darstellen. So war es zu Beginn der Geschichte der Versammlung und so wäre es auch heute, wenn alle sich Christus als ihrem Haupt unterordnen und Ihn wirklich als ihren Bräutigam anerkennen würden. Der Grund für alle die Spaltungen und Verwirrungen unter dem Volk Gottes heute liegt darin, dass sich die Versammlung nicht völlig dem Christus untergeordnet hat, noch unterordnet. Der Wille des Menschen war aktiv und infolgedessen ist der Verfall eingetreten.

Auch wenn die Versammlung insgesamt in ihrer Unterordnung versagt hat, geziemt es sich dennoch für jeden einzelnen Gläubigen, sich dem Willen und dem Wort Christi unterzuordnen. In der Botschaft des Herrn an die sieben Versammlungen in Asien, die prophetisch von der Geschichte der Versammlung und ihrem Abweichen von seinem Wort sprechen, finden wir am Ende jedes Mal die Worte: „Wer (d.h. der einzelne) ein Ohr hat, höre, was der Geist den Versammlungen sagt!“ (Off 2,7.11.17.29). Möge jeder einzelne Leser hören und gehorchen und in Trennung von allem dem leben, was nicht nach seinem Wort ist, in Unterordnung Ihm gegenüber.

Ihre Hoffnung und Bestimmung

Nachdem wir den Platz der Zuneigung, Vertraulichkeit und Verbindung sowie der Verantwortung, treu und in Unterordnung gegenüber Christus zu sein, betrachtet haben, den die wahre Versammlung der Wiedergeborenen als die Braut Christi einnimmt, wollen wir uns jetzt noch ihrer Hoffnung und Bestimmung zuwenden. Wenn wir die natürliche Beziehung von Bräutigam und Braut vor Augen haben, wird ohne Weiteres deutlich, dass die Hoffnung und der Höhepunkt des Verlangens der Versammlung darin besteht, sich bei der Hochzeit mit Ihm zu vereinigen und für immer bei Ihm an seiner Seite zu sein. Mit Christus vereint zu sein und alle seine Herrlichkeit zu teilen, ist die einzig angemessene Hoffnung und Bestimmung der Versammlung.

Das wird auch in Epheser 5 in den Versen, die wir schon betrachtet haben, angedeutet, wo gesagt wird, dass Christus sich selbst die Versammlung darstellen wird, eine verherrlichte Versammlung ohne Flecken und Runzel. Dies wird sich am Hochzeitstag erfüllen, und diese Vereinigung anlässlich der Hochzeit sollte die Erwartung und das sehnliche Verlangen der Versammlung als Braut Jesu sein.

Dann wird sie Ihn sehen, wie Er ist, und wird wie Er sein – fleckenlos und rein (1. Joh 3,2.3). Nichts anderes kann die wahre Zuneigung, die bei der Braut vorhanden sein sollte, befriedigen.

Es ist der Herr Jesus selbst, der der Versammlung diese gesegnete Hoffnung gegeben hat, wie wir es in den gut bekannten und geschätzten Worten des Herrn in Johannes 14,2.3 lesen können. In diesem Abschnitt sagt Er den Gläubigen, dass Er hingehen würde, um für sie einen Platz im Haus seines Vaters zuzubereiten, und dass Er wiederkommen würde, um sie zu sich zu holen, damit wo Er ist auch sie seien. Das hat der Bräutigam seiner Braut versprochen und Er hat erklärt, dass es der Wunsch seines Herzens ist, dass wo Er ist, auch sie sei.

Die Sehnsucht Christi nach seiner Braut wird auch in dem hohenpriesterlichen Gebet zum Vater in Johannes 17,24 eindrucksvoll ausgedrückt. Dort betet Er: „Vater, ich will, dass die, die du mir gegeben hast, auch bei mir seien, wo ich bin, damit sie meine Herrlichkeit schauen, die du mir gegeben hast, denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt.“ Dies ist das Ziel und die Absicht des Herrn für die Versammlung, dass sie bei Ihm in der Herrlichkeit sei. Und das sollte auch das sehnliche Verlangen und die Hoffnung seiner Braut sein.

Die Versammlung hat einen himmlischen Ursprung – geboren von oben und vereint mit Christus, ihrem Haupt, in der Herrlichkeit. Hier auf der Erde sollte alles durch ihren himmlischen Charakter geprägt werden, denn ihr „Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott“ (Kol 3,3), und ihre Bestimmung ist es, mit Christus im Himmel verheiratet zu werden und ewig seine Herrlichkeit zu teilen. Alle Verheißungen für die Versammlung sind himmlisch, wohingegen die Verheißungen für Israel irdisch sind. Diese zwei Gruppen sollten niemals durcheinander gebracht werden.

Wir haben anhand der Schrift gesehen, dass die einzig angemessene Hoffnung und Bestimmung der Versammlung als Braut Christi darin besteht, mit Ihm in der himmlischen Herrlichkeit vereinigt und verbunden und Ihm gleich zu sein, verwandelt in sein Bild. Daher sollte es klar sein, dass der oft ausgedrückte Gedanke, dass das Ziel und die endgültige Hoffnung der Versammlung die Verbesserung und Bekehrung der Welt zu Christus hin sind, eine falsche Erwartung und nicht schriftgemäße Hoffnung ist.

Es ist sicherlich die Aufgabe der Versammlung, Christus in dieser Welt zu repräsentieren, Ihn zu offenbaren und den Verlorenen das Evangelium zu verkündigen. Aber die Hoffnung, die ganze Welt zu verbessern und zu Christus hin zu bekehren, wird ihr an keiner Stelle in der Bibel gegeben. Im Gegenteil, sein Wort versichert uns, dass „böse Menschen aber und Betrüger (…) zu Schlimmerem fortschreiten (werden), indem sie verführen und verführt werden“ (2. Tim 3,13), und dass Gott im Gericht eingreifen muss, um die ganze Boshaftigkeit des Menschen zu beenden. Die Hoffnung und Bestimmung der Versammlung ist deshalb die Entrückung zu Ihm in den Himmel, wie es in 1. Thessalonicher 4,13–18 umrissen wird, und nicht die Verbesserung und Bekehrung der Welt.

Lasst uns nun zu einigen Schriftstellen im Buch der Offenbarung gehen, die uns mehr über die zukünftige Bestimmung der Versammlung in ihrer Vereinigung und Verbindung mit Christus vorstellen. Ohne Zweifel findet ihre Entrückung vor den Ereignissen statt, die in Kapitel 4 und 5 beschrieben werden. Sie ist Teil der anbetenden Erlösten in Kapitel 4 und 5, die durch die 24 Ältesten repräsentiert werden. Während der ganzen Zeit, in der das Gericht Gottes über eine abgefallen Christenheit und eine böse Welt ausgegossen wird, wie es in den Kapitel 6 bis 19 vor uns steht, ist die Versammlung der wahren Gläubigen mit ihrem geliebten Heiland sicher in der Herrlichkeit.

Im 19. Kapitel lesen wir dann von der Hochzeit des Lammes. „Lasst uns fröhlich sein und frohlocken und ihm die Ehre geben; denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Frau hat sich bereitet. Und es wurde ihr gegeben, dass sie sich kleide in feine Leinwand, glänzend und rein; denn die feine Leinwand sind die Gerechtigkeiten der Heiligen“ (V. 7.8). Nachdem die falsche Braut der abgefallenen Kirche in Kapitel 17 gerichtet worden ist und die wahre Braut sich bereitet hat, kann dieses herrliche Ereignis der Hochzeit Christi und seiner bluterkauften Versammlung stattfinden. Dann kommt Er mit seiner Braut im Gericht über die lebenden Nationen auf die Erde und regiert mit ihr über die ganze Erde (Off 19,11–20,6).

In Offenbarung 21,9–27 wird die Braut, die Ehefrau des Lammes, sehr genau in all ihrer Herrlichkeit als „die heilige Stadt, Jerusalem, herabkommend aus dem Himmel von Gott“ etc. beschrieben. Dann wird sie die himmlische Hauptstadt des irdischen Königreichs Jesu Christi sein, und wird mit Ihm 1000 Jahre lang regieren.

Offenbarung 21,1–8 beschreibt den ewigen Zustand auf der Erde, nachdem die 1.000 Jahre der Königsherrschaft Christi vorübergegangen sind und der erste Himmel und die erste Erde vergangen sind. Dann wird es einen neuen Himmel und eine neue Erde geben. Hier lesen wir: „Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel herabkommen von Gott, bereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut. Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Thron sagen: Siehe, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott. Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen“ (Off 21, 2–4).

Dies ist die ewige Bestimmung der Versammlung, der Braut Christi. Sie ist alles zugleich: die heilige Stadt im 1000-jährigen Reich, eine Braut geschmückt für ihren Bräutigam und nun die Hütte oder auch der ewige Wohnort Gottes. Was für eine herrliche Bestimmung der „Versammlung des lebendigen Gottes“. Möge es unsere Herzen mehr erheben und uns zu zunehmender hingebungsvoller Zuneigung zu unserem kostbaren Bräutigam führen, der uns alle diese Seligkeit durch die Hingabe seines Lebens auf Golgatha gesichert hat.

Zusammenfassung

Zum Schluss dieses Kapitels, in dem wir die Frage, was die Versammlung des lebendigen Gottes ist, behandelt haben, wollen wir uns noch einmal die Hauptgedanken der Antwort auf unsere Frage vor Augen führen. Anhand der Schrift haben wir gesehen, dass die Versammlung erst seit Pfingsten existiert und dass sie aus allen wiedergeborenen Gläubigen besteht, die durch den Heiligen Geist zu dem Leib Christi getauft wurden und durch ihn der Versammlung hinzugefügt wurden, von der Er das Haupt im Himmel ist. Sie sind eine Versammlung von „Herausgerufenen“, die von der Welt abgesondert sind und von Gott immer als ein vollständiger Leib in der Welt gesehen werden, trotz aller Trennungen, die unter ihnen bestehen.

Die Versammlung wird uns in einem dreifachen Bild vorgestellt: als Leib Christi, Haus Gottes und Braut Christi. Im Bild des Leibes Christi stehen die verschiedenen Glieder mit ihrer Verantwortung, für Ihn zu wirken, vor uns, an dem für sie bestimmten und passenden Platz unter der Führung Christi als dem Haupt. Als das Haus Gottes ist die Versammlung sein Wohnort auf der Erde und dafür verantwortlich, die Ordnung und die Heiligkeit Gottes in ihr aufrecht zu halten. Im Bild der Braut Christi sind Zuneigung, Innigkeit, Treue, Unterwürfigkeit und ewige Gemeinschaft und Verbindung mit Jesus in aller seiner Herrlichkeit das Teil, die Hoffnung und die Bestimmung der Versammlung.

Mit Hilfe dieser Übersicht über die verschiedenen Bilder der Versammlung in ihrer Gesamtheit werden wir die schriftgemäße Ordnung und den Charakter der örtlichen Versammlung leichter verstehen, die wir in Kapitel drei betrachten werden.

Fußnoten

  • 1 Anm. d. Übers.: Der Autor von „The Church of the living God“ benutzt eine King James Version (KJV) als Bibelübersetzung, in der das griechische Wort „ekklesia“ mit „church“ übersetzt wird. In der für die deutsche Übersetzung von „The Church of the living God“ zugrunde liegenden Bibelübersetzung, der Elberfelder Übersetzung (Version 2009, Edition CSV Hückeswagen), wird „ekklesia“ mit dem deutschen Wort „Versammlung“ übersetzt, wie es auch andere englische Übersetzer wie John Nelson Darby mit dem englischen Equivalent „assembly“ gemacht haben. Folglich wird in dieser Übersetzung nicht „Kirche“ (engl. „church“) sondern „Versammlung“ (engl. „assembly“) verwendet, wenn es um den von Gott geschaffenen Organismus der Einheit des Leibes Christi geht. Handelt es sich jedoch um ein Kirchengebäude, oder bekannte, von Menschen geschaffene Institutionen, wird das Wort „Kirche“ beibehalten.
  • 2 C. H. Mackintosh, Unity: What Is It? and Am I Confessing It? (Fountain Series) (Updated Edition), Chapter Two, London, 2003
  • 3 Anm. d. Übers.: Die Taufe mit dem Heiligen Geist ist das einmalige Ereignis in Apostelgeschichte 2, das mit der Entstehung der Versammlung und des einen Leibes direkt in Verbindung steht. Seitdem wird man durch die neue Geburt der Versammlung zugeführt und wird so ein Glied am Leib. Die Taufe mit dem Heiligen Geist war einmalig und ist nicht etwas - wie einige denken - was bei einer Bekehrung oder danach persönlich erlebt werden müsste.
  • 4 Dieser Abschnitt wurde von den Überarbeitern etwas gekürzt.
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