Botschafter des Heils in Christo 1855

Das Rühmen des Christen

Erst dann, wenn der Sünder das Gewicht der Sünde in der Gegenwart Gottes fühlt, wenn sein Herz, unstet und ruhelos, sich nach Frieden sehnt, wird er verstehen, dass er der Gnade und zwar einer vollkommenen Gnade bedarf, um erlöst zu werden. Wie tief und mächtig muss aber der Eindruck sein, wenn in ein solches Herz durch die wirksame Kraft des Heiligen Geistes das Wort dringt: „Welcher (Christus) unserer Übertretungen wegen dahingegeben, und unserer Rechtfertigung wegen auferweckt ist“ (Röm 4,25). Dieser so kurze und einfache Ausspruch enthält das lieblichste Evangelium für den verlorenen Sünder. Er sieht hier die Gerechtigkeit Gottes, welche er seiner Sünden wegen fürchtet, auf das vollkommenste befriedigt. Sie fand ihre Befriedigung in dem Tod eines anderen, in dem Opfertod Christi auf Golgatha. Anstatt des Sünders ist die Sünde im Fleisch verdammt worden. „Gott, seinen eigenen Sohn in der Gleichheit des Fleisches der Sünde und als Opfer für die Sünde sendend, verurteilte die Sünde im Fleisch“ (Röm 8,3). So ist denn die Sünde im Fleisch verurteilt, aber der Sünder freigesprochen worden. Diese Freisprechung ist nach der Kraft und dem Wert des Opfers Christi; unsere Versöhnung mit Gott ist so vollgültig, wie das Blut Jesu, welches für unsere Sünden vergossen ist. Das Bewusstsein unserer Befreiung ist stets nach dem Maß der Erkenntnis des Werkes Christi für uns, weil jene allein von diesem Werk abhängig ist. Die Auferweckung Christi ist der vollständige Beweis, dass die Gerechtigkeit Gottes in Betreff unserer Sünden völlig befriedigt ist und wir gerechtfertigt sind. Weil Er unsere Sünden auf sich nahm, weil Er für uns zur Sünde gemacht war, so konnte Er auch nur dann wieder auferweckt und zur Rechten Gottes gesetzt werden, wenn diese unsere Sünden, welche Er trug, ganz und gar hinweggetan waren. Solange noch eine Sünde auf Ihm lag, blieb Er dem Tod, als Sold der Sünde, unterworfen, und konnte weder auferweckt noch zur Rechten Gottes gesetzt werben. So ist denn seine Dahingabe in den Tod ein Beweis, dass unsere Sünden gebüßt, und seine Auferweckung ein Beweis, dass sie hinweggetan und wir gerechtfertigt sind.

Haben wir den Wert und die Kraft des Opfers Christi für unsere Sünden und die Bestätigung unserer Rechtfertigung durch seine Auferweckung wahrhaft im Glauben erkannt, so werden wir auch das Bewusstsein in unseren Herzen haben, dass wir völlig versöhnt und von unseren Sünden freigesprochen sind; wir sind los vom bösen Gewissen, welches uns bis dahin als Sünder anklagte und verdammte. „Gerechtfertigt also aus Glauben haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus“ (Kap 5,1). Dieser Friede ist die Frucht unserer Rechtfertigung durch den Glauben. Der also Gerechtfertigte befindet sich jetzt ohne Furcht in der Gegenwart Gottes. Der Glaube an Jesus und die Erkenntnis seines Werkes hat ihn frei gemacht. Er kam als Gottloser, aber er kam im Glauben zu dem, der die Gottlosen rechtfertigt und sein Glaube wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet (Röm 4,5). Welch Heil für den verlorenen Sünder, wenn er diesen Gott kennt, und zu Ihm im Glauben seine Zuflucht nimmt! Es ist ein Akt der Gnade, wenn Gott den Gottlosen freispricht, aber im Hinblick auf das Opfer Christi, ist es auch ein Akt der Gerechtigkeit. „Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist Er treu und gerecht, dass Er uns die Sünden vergibt“ (1. Joh 1,9). Gott bleibt also völlig gerecht, wenn Er gnädig ist und den Gottlosen freispricht. „Wer will Anklage erheben wider die Auserwählten Gottes? Gott ist es, welcher rechtfertigt“ (Röm 8,23). So haben wir denn die Gerechtigkeit Gottes jetzt nicht mehr zu fürchten, sondern wir freuen uns derselben und preisen sie. – Wir sehen also, dass unsere Rechtfertigung und als Folge dessen unser Friede mit Gott nur auf das Werk Christi gegründet ist und nie auf unseren Wandel. „Wir haben Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus.“ Der Christ bleibt zwar immer gerechtfertigt, aber der Friede seiner Seele und dessen Genuss ist von der Wirksamkeit des Glaubens und von der Erkenntnis des Werkes Christi abhängig.

Der Gläubige ist also in Christus zu Gott gekommen, und ist durch den Glauben seines Werkes teilhaftig geworden. Er befindet sich jetzt in einem unergründlichen Meer von Gnade; er besitzt – und genießt alles in Christus, „durch welchen wir mittelst des Glaubens auch Zugang haben zu dieser Gnade, in welcher wir stehen.“ Wir stehen also in der Gnade und haben Zugang zu derselben. In Christus haben wir Gnade um Gnade empfangen; in Ihm wohnt die ganze Fülle derselben und wir besitzen sie in Ihm. Sei es die Herrlichkeit der Gnade Gottes in Betreff seiner Ratschlüsse, sei es der Reichtum derselben in Betreff der Versöhnung unserer Sünden durch sein Blut, wir haben einen völligen Zugang. Wir haben in Christus eine solche Stellung empfangen, dass wir ihre ganze Fülle und Ausdehnung, jetzt mittels des Glaubens und einst in der Herrlichkeit, genießen können. Unsere Seele ist mit Christus in Gott eingeführt, als unseren Zufluchtsort, unsere Wohnung und unsere Ruhestätte. Wollen wir die Tragweite unserer Stellung, in welche uns die Gnade geführt hat, verstehen, so müssen wir die von Christus verstehen lernen; „denn gleich wie Er ist, so sind auch wir in dieser Welt.“ Sein Gott ist unser Gott und sein Vater unser Vater, und wir sind geliebt, wie Er. Die Fülle Christi ist das Maß der Gnade, in welcher wir stehen, und die Erkenntnis dieser Fülle ist das Maß des Genusses dieser Gnade. Wir sind auch durch dieselbe in die Gegenwart Gottes gebracht, als geliebte Kinder, und rufen durch den empfangenen Geist der Kindschaft das „Abba, lieber Vater!“ Unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und seinem Sohn Jesus Christus. In dieser Gemeinschaft lernen wir erst recht den Reichtum der Gnade verstehen und genießen. Wir sind in Christus immerdar in der Gegenwart Gottes, und sind kraft seines Blutes stets ohne Sünde darin. Wandeln wir auch hienieden in einer Wüste, unser Herz lebt schon in der himmlischen Heimat droben; sind wir auch Fremdlinge auf dieser Erde, so sind wir doch Bürger und Hausgenossen Gottes droben; werden wir hier auch verkannt und gehasst, – von Gott, dem Vater in Christus Jesus, sind wir völlig gekannt und geliebt; wandeln wir auch durch mancherlei Trübsale, – wir finden in allen die Liebe Gottes; leiden wir in den Versuchungen, – Jesus der treue und barmherzige Hohepriester, der selbst in allen Versuchungen gelitten hat, vertritt uns immerdar und bittet für uns; Er ist unsere Stärke im Kampf, unser Trost und unsere Freude in der Traurigkeit, unsere Kraft in Schwachheit; Er leitet und bewahrt uns auf unserem Wege, ja Er ist durch die unter und in uns wohnende persönliche Gegenwart des Heiligen Geistes stets um uns beschäftigt; „durch Ihn haben wir mittelst des Glaubens Zugang zu dieser Gnade, in welcher wir stehen.“

Wie segensreich und köstlich ist für uns die Gewissheit, in dieser Gnade zu stehen. Ihr Reichtum entspricht allen unseren Bedürfnissen und ihre Herrlichkeit lässt uns die größten und lieblichsten Vorrechte verstehen und genießen. In der Gnade stehen, heißt nichts weniger als in Christus, in Gott stehen und ruhen. Hier findet die Seele alles, was sie völlig befriedigt und glückselig macht. – Und was ist jetzt unser Teil? „Wir rühmen uns in Hoffnung der Herrlichkeit Gottes.“ Was wir durch alle eigene Anstrengung nie erlangen konnten, haben wir durch Christus umsonst gefunden. Der Sünder hatte nichts zu erwarten, als die Verdammnis, aber in Christus ist er von der seligsten und überschwänglichsten Hoffnung erfüllt. „Er rühmt sich in Hoffnung der Herrlichkeit Gottes.“ Es gibt keine höhere und vollkommenere Herrlichkeit, als die Herrlichkeit Gottes. Diese ist in Christus unser Teil geworden. Wir sind Kinder und Erben Gottes und Miterben Christi. Wie süß ist dies Bewusstsein und wie selig dies Rühmen! Gott hat denen, die Ihn lieben, eine Herrlichkeit bereitet, die kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, und die in keines Menschen Herz gekommen ist. Wir sind die, welche Nichts inne haben, und doch alles haben. Wir haben in Christus die Gerechtigkeit und werden mit Ihm die Herrlichkeit Gottes haben; jene besitzen wir durch den Glauben, diese in Hoffnung und unsere Teilnahme an beiden ist nur das Ergebnis des Werkes Christi und nicht unseres Wandels. Dieses gibt aber unserem Glauben, wie unserer Hoffnung einen festen Grund. Wir rühmen uns dessen, was wir wirklich und vollkommen besitzen werden. Wir sind mit Christus eins gemacht; wir sind Glieder seines Leibes und also ein Teil von Ihm, und werden darum alles mit Ihm genießen. Er ist zur Rechten der Majestät Gottes erhöht und jetzt schon mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt worden. Stephanus sah bei seiner Steinigung die Herrlichkeit Gottes und den Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehend. Dies bestätigt die Gewissheit unserer Hoffnung, weil wir sein Leib sind. Aber wir haben auch den Geist Gottes, der uns in Betreff unserer Kindschaft versiegelt hat, bis zur Besitznahme unseres Erbteils, als Unterpfand empfangen. So ist denn die Herrlichkeit Gottes das Ziel unserer Berufung; sie ist unser Teil geworden durch das vollkommene Werk Christi; wir haben in Hoffnung die Bestätigung ihres Besitztums in seiner Verherrlichung zur Rechten Gottes, und durch das Pfand des Heiligen Geistes. Dies alles lässt uns erkennen, wie sicher und gewiss der Ruhm unserer Hoffnung ist, und wie sehr wir Ursache haben, diesen Ruhm der Hoffnung bis ans Ende festzuhalten. Wir erwarten die Ankunft Christi zu unserer Aufnahme in seine Herrlichkeit. Solange dieses Warten und dieser Ruhm unser Herz erfüllt, werden wir alles Irdische, weil es unser Teil nicht ist, stets ausschlagen, um mit Christus alles zu genießen.

Dieser erste Vers des oben angeführten Kapitels enthält eigentlich in wenigen Worten das ganze Evangelium. Gerechtfertigt aus Glauben haben wir Frieden mit Gott; unser Leben und Wandel ist in der Fülle der Gnade und wir rühmen uns in Hoffnung der Herrlichkeit Gottes. Das ist das herrliche Ergebnis des Werkes Christi. Doch der Apostel hat noch mehr zu rühmen. Er sagt: „Und nicht allein das, sondern wir rühmen uns auch der Trübsal, wissend, dass die Trübsal Ausharren wirkt; das Ausharren aber Erfahrung, die Erfahrung aber Hoffnung; die Hoffnung aber lässt uns nicht beschämt werden; denn die Liebe Gottes ist in unsere Herzen ausgegossen durch den Heiligen Geist, welcher uns gegeben ist“ (V 3–5). Haben wir die Vollkommenheit und das Ergebnis des Werkes Christi verstanden, so rühmen wir uns in Hoffnung der Herrlichkeit Gottes; doch um sich der Trübsal rühmen zu können, muss man die Liebe Gottes erkannt haben. Solange wir in unseren Trübsalen nicht die Liebe Gottes finden, werden sie uns immer in Unruhe und Unzufriedenheit bringen. Wir können Gott nur vermöge der Liebe, welche durch die Innwohnung des Heiligen Geistes in unsere Herzen ausgegossen ist, erkennen. „Wer lieb hat, kennt Gott; denn Gott ist die Liebe; wer nicht lieb hat, der kennt Gott nicht.“ –

Der Apostel stellt uns hier vor, wie die Liebe Gottes in unseren Trübsalen stets wirksam ist. Der nächste Segen derselben ist das Ausharren. Die Befreiung durch die Erkenntnis des Werkes Christi wird gewiss große Seligkeit und Freude, und einen tiefen Zug der Liebe zu Jesu in der Seele erwecken, aber dies alles ist mit einer gewissen Unruhe vermengt; nicht eine Unruhe der Furcht, sondern eine Unruhe in dem, was jetzt die Seele fühlt und genießt. Ihre Freude hat mehr ihren Grund in dem Bewusstsein ihrer Befreiung, als in der Erkenntnis Gottes; sie ist mehr über das glücklich, was sie empfangen, als über den, welcher gegeben hat. Diese Freude aber kann nicht beständig und völlig bleiben, weil sie mehr oder weniger mit unserem Gefühl zusammenhängt. Die Trübsale stehen aber auch mit unserem Gefühl in Verbindung, und so hat die Freude ein Gegengewicht und ist oft geschwächt. Wir müssen aber, wenn wir uns allewege freuen wollen, eine Freude haben, die von allem Sichtbaren und Menschlichen unabhängig ist, und das ist nur die Freude am Herrn. Unsere Beziehung zu Ihm ist so unveränderlich, als Er es selbst ist. Gott ist Liebe, und wenn Er der alleinige Gegenstand meiner Freude ist, so werde ich mich allewege freuen. Die Freude am Herrn ist unsere Stärke. Wir werden jene aber nur nach dem Maß genießen, nach dem wir den Herrn kennen, und zu dieser Erkenntnis sollen uns die Trübsale leiten. Durch sie werden unsere Herzen geläutert und gereinigt; alles Harte und Eigenwillige wird gebrochen; wir werden stille und hingebend, und das Bild Christi wird sich immer mehr in unserem ganzen Wesen ausprägen. Wenn unser Glaube wirksam ist, so werden wir in unseren Trübsalen stets Gott selbst finden, und werden seine Liebe, Langmut, Treue und Bewahrung darin kennen lernen; die Kinder der Welt aber sind in ihren Trübsalen mutlos und verzagt; sie sind allein darin, weil sie den Herrn nicht kennen. Unsere Herzen aber werden in denselben durch den Herrn befestigt und ausharrend gemacht. Was für jene ein Unsegen ist, ist für uns ein großer Segen; worin jene zittern, darin können wir uns rühmen und freuen.

Je stiller die Seele durch die Trübsale geworden, je inniger und völliger sie mit dem Herrn darin verkehrt hat, desto besser wird sie die Fülle seiner Liebe verstehen und in der Erkenntnis seiner selbst wachsen. Ist sie in allen Dingen recht nüchtern geworden, so ist sie auf den guten, wohlgefälligen und vollkommenen Willen Gottes gerichtet und weiß ihn zu unterscheiden. Sie ist nicht allein ausharrend und befestigt worden, sondern auch reich gemacht in allerlei Erfahrung. Eingekehrt in Gott selbst, hat sie erkannt, wie Er ist, und was Er für uns ist. Diese Erfahrung aber wirkt Hoffnung. Unser Vertrauen auf den Herrn wird immer fester; wir lernen selbst in den schwierigsten Lagen unsere Hoffnung auf Ihn setzen; weil wir erkannt haben, dass Er stets genug war. Er ist immer mit uns und für uns, und in dieser Hoffnung wandeln wir getrost und kämpfen in Kraft, Wir werden in jeder Trübsal mit dem Psalmisten singen können: „Ja, auf Gott hofft still meine Seele; von Ihm kommt meine Hilfe! Ja, Er ist mein Fels und meine Hilfe, meine Burg; ich werde nicht Wanken“ (Ps 62,2–3). Diese Hoffnung beschämt uns nicht, denn wir kennen Gott und wissen, dass Er die Liebe ist; – darum rühmen wir uns auch der Trübsal.

In den folgenden Versen wird uns der vollkommene Beweis dieser Liebe, außer uns in Christus Jesus, dargestellt. „Denn Christus, da wir noch schwach waren, ist zu seiner Zeit für Gottlose gestorben. Denn kaum wird jemand für einen Gerechten sterben; (denn für einen Gütigen möchte vielleicht jemand zu sterben wagen) Gott aber erweist seine eigene Liebe gegen uns, indem Christus, da wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist. Vielmehr denn, da wir jetzt durch sein Blut gerechtfertigt sind, werden wir durch Ihn von dem Zorn errettet werden. Denn wenn wir, da wir Feinde waren, Gott durch den Tod seines Sohnes versöhnt wurden, vielmehr werden wir, da wir versöhnt sind, durch sein Leben errettet werden.“ – Will jemand einen äußeren Beweis der Liebe Gottes, so richte er seinen Blick nach Golgatha; hier sieht er den eingeborenen und geliebten Sohn Gottes am Kreuze, am Fluchholz unter den Missetätern, als ein freiwilliges Opfer für Gottes Feinde, für Sünder und Gottlose. Dies ist der höchste und vollkommene Beweis der Liebe Gottes. Diese fand in uns keinen Beweggrund, um sich also wirksam zu erweisen; im Gegenteil, was in uns war, hasste diese Liebe und stieß sie feindselig von sich. Jesus, der vollkommene Ausdruck des Wesens Gottes wurde verachtet, verworfen und getötet. Sie konnte den Beweggrund, um sich für uns so reichlich wirksam zu erweisen, nur in sich selber, in Gott, der die Liebe ist, finden, und wir sehen auch, dass sie keinen Beweggrund außer sich bedurfte, um in ihrer Fülle auszuströmen und zu wirken; ihr Wesen und ihre Kraft ist in sich selbst vollkommen. Das ist also die Liebe Gottes, zu welcher wir gekommen sind. Diese Liebe gab uns Jesus, und durch seinen Tod wurden wir versöhnt, durch sein Blut gerechtfertigt. Jetzt sind wir ganz und gar ein teurer Gegenstand der Liebe Gottes geworden, wie Christus selbst, welcher sagt: „Auf dass die Welt erkenne, dass du sie liebst, wie du mich liebst:“ jetzt heißt es: „Auserwählte, Heilige und Geliebte Gottes.“ Wie tief muss es unsere Herzen beruhigen und beseligen, wie sehr uns in jeder Lage trösten und mit Zuversicht aufblicken lassen, wenn wir das Wesen und die Tragweite seiner Liebe in Wahrheit erkannt haben.

Der Apostel sagt nun in Vers 11 noch einmal: „Nicht allein aber das,“ und fügt hinzu: „sondern wir rühmen uns auch Gottes durch unseren Herrn Jesus Christus, durch welchen wir nun die Versöhnung empfangen haben.“ Dies ist das höchste und köstlichste Rühmen. Es hat nicht die Herrlichkeit, noch unsere Zubereitung, noch die Beweise der Liebe zum Gegenstand, sondern Gott selbst. Wenn wir Ihn in seinem Wesen erkannt haben, erkannt, wie Er ist und was Er für uns ist, so gibt es nichts Erhabeneres und Köstlicheres für unsere Herzen, als hinzufügen zu können: „Das ist mein Gott und mein Vater in Christus Jesus.“ So wertvoll für den Abraham auch alle Verheißungen Gottes waren, so gab es doch für sein Herz nichts Süßeres, als das Wort: „Ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn!“ Gott selbst als sein völliges Teil zu haben und zu genießen, ist das Höchste und Herrlichste, was uns durch Jesus Christus geworden ist. Dieses Rühmen wird in der Herrlichkeit selbst nicht aufhören, wo Gott und das Lamm der einzige Gegenstand unseres Lobes und unserer Anbetung sein werden; und hier in der Wüste wird dieses Rühmen uns über alles erheben.

In diesem dreifachen Rühmen offenbart sich der innere Standpunkt eines Christen. Zuerst rühmt er sich in Hoffnung der Herrlichkeit Gottes. Er freut sich des unermesslichen Reichtums, der ihm in Christus Jesus zugefallen ist, und gewiss, er hat vollkommen Ursache dazu. Sobald aber seine Seele ruhiger wird, sobald er die Liebe und Gnade Gottes in allen seinen Wegen wirksam findet, um ihn zu erziehen und um ihn dem Bild Christi gleichförmiger zu machen, rühmt er sich auch der Trübsal, deren Ergebnis so gesegnet für ihn ist; und endlich, wenn er tiefer in Gott selbst hineingezogen wird, wenn er anfängt, Gott in der Fülle seines Wesens zu erkennen, so gibt es für ihn nichts Beseligenderes, als sich Gottes selbst zu rühmen.

Der Herr gebe, dass unsere Herzen dies dreifache Rühmen durch die Wirksamkeit des Heiligen Geistes kennen lernen, und dass wir vor allen Dingen lernen, uns Gottes zu rühmen durch unseren Herrn Jesus Christus.

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