Samuel, der Prophet (1. Samuel 1-7)

6. Die Wiederherstellung des Volkes (1. Sam 7)

„Und die Männer von Kirjat-Jearim kamen und führten die Lade des HERRN hinauf, und sie brachten sie in das Haus Abinadabs auf dem Hügel; und sie heiligten Eleasar, seinen Sohn, die Lade des HERRN zu hüten.

Und es geschah: Von dem Tag an, da die Lade in Kirjat-Jearim blieb, verging eine lange Zeit, und es wurden zwanzig Jahre. Und das ganze Haus Israel wehklagte dem HERRN nach. Da sprach Samuel zum ganzen Haus Israel und sagte: Wenn ihr mit eurem ganzen Herzen zu dem HERRN umkehrt, so tut die fremden Götter und die Astarot aus eurer Mitte weg, und richtet euer Herz auf den HERRN und dient ihm allein; und er wird euch aus der Hand der Philister erretten. Und die Kinder Israel taten die Baalim und die Astarot weg und dienten dem HERRN allein.

Und Samuel sprach: Versammelt ganz Israel nach Mizpa, und ich will den HERRN für euch bitten. Und sie versammelten sich nach Mizpa und schöpften Wasser und gossen es aus vor dem HERRN; und sie fasteten an diesem Tag und sprachen dort: Wir haben gegen den HERRN gesündigt! Und Samuel richtete die Kinder Israel in Mizpa.

Und die Philister hörten, dass die Kinder Israel sich nach Mizpa versammelt hatten, und die Fürsten der Philister zogen gegen Israel herauf. Und die Kinder Israel hörten es und fürchteten sich vor den Philistern; und die Kinder Israel sprachen zu Samuel: Lass nicht ab, für uns zu dem HERRN, unserem Gott, zu schreien, dass er uns aus der Hand der Philister rette! Und Samuel nahm ein Milchlamm und opferte es ganz als Brandopfer dem HERRN; und Samuel schrie zu dem HERRN für Israel, und der HERR erhörte ihn. Es geschah nämlich, während Samuel das Brandopfer opferte, da rückten die Philister heran zum Kampf gegen Israel. Und der HERR donnerte mit starkem Donner an jenem Tag über den Philistern und verwirrte sie, und sie wurden vor Israel geschlagen. Und die Männer von Israel zogen von Mizpa aus und verfolgten die Philister und schlugen sie bis unterhalb von Beth-Kar.

Und Samuel nahm einen Stein und stellte ihn auf zwischen Mizpa und Schen, und er gab ihm den Namen Eben-Eser und sprach: Bis hierher hat uns der HERR geholfen. So wurden die Philister gedemütigt, und sie kamen fortan nicht mehr in die Grenzen Israels; und die Hand des HERRN war gegen die Philister alle Tage Samuels. Und die Städte, die die Philister von Israel genommen hatten, kamen wieder an Israel, von Ekron bis Gat; auch ihr Gebiet errettete Israel aus der Hand der Philister. Und es wurde Frieden zwischen Israel und den Amoritern.

Und Samuel richtete Israel alle Tage seines Lebens. Und er ging Jahr für Jahr und zog umher nach Bethel und Gilgal und Mizpa und richtete Israel an allen diesen Orten; und er kehrte nach Rama zurück, denn dort war sein Haus, und dort richtete er Israel. Und er baute dem HERRN dort einen Altar“ (1. Sam 7).

Das siebte Kapitel stellt uns den Herrn in seiner souveränen Gnade vor. So stellt Er seine Beziehungen mit seinem Volk durch Samuel, seinen Propheten, wieder her. Und das Volk naht dem Herrn durch Samuel, den Priester.

Bevor der Herr jedoch seine Beziehungen zu seinem Volk erneuert, müssen sie durch bittere Erfahrung lernen, dass sie selbst den Herrn nötig haben. In der Vergangenheit haben sie seine Gegenwart so gering geschätzt, dass sie sich Götzen zuwandten. Nachdem Er sich dann aus ihrer Mitte zurückgezogen hat, fangen sie an zu bemerken, dass es ohne den Herrn keine Rettung von ihren Feinden gibt. 20 Jahre lang sind sie Knechte eines Feindes gewesen, der in ihren Grenzen wohnte. Als der Tage viel wurden, „wehklagte das ganze Haus Israel dem Herrn nach“ (Vers 2).

Gott kann dem Volk durch den Propheten wieder nahen

Nachdem dieses Bewusstsein der Not geweckt worden war, antwortet der Herr, der auch dem Ruf der Heiden (1. Sam 6,2) nicht gleichgültig gegenüber gestanden hatte, sofort auf die Wehklage seines Volkes. Samuel, von dem während einer Zeit von 20 Jahren keine Rede mehr war, erscheint wieder auf der Bildfläche. So naht der Herr durch den Propheten wieder dem Volk. Samuels letzte Äußerung hatte das Volk vor dem kommenden Unglück gewarnt, und „das Wort Samuels erging an ganz Israel“ (1. Sam 4,1). Dann gibt es von dem Herrn während einer Zeitdauer von 20 Jahren kein Wort durch den Propheten. Der Glaube kann auf die Zeit des Herrn warten.

Dann aber, nach vielen Tagen, kam die Zeit: Gott bewirkt eine Bewegung unter dem Volk, indem Er das Bewusstsein der Not erweckt – und wieder spricht „Samuel zu dem ganzen Haus Israel“ (1. Sam 7,3). Es ist bedeutsam, dass es nicht das Volk ist, das Samuel ruft. Es ist Samuel – der Mann, mit dem der Herr ist – der sich dem Volk naht. Das betont die Tatsache, dass jede wahre Wiederherstellung von der souveränen Gnade des Herrn abhängig ist. Wiederherstellung beginnt mit dem Herrn – unabhängig davon, ob sie persönlicher Natur ist oder das Volk Gottes als Ganzes betrifft. Nur der Herr kann sein umherirrendes Volk wiederherstellen.

Gott sucht Absonderung, zubereitete Herzen und Hingabe

Mit seiner neuen Botschaft an das Volk zeigt Samuel deutlich, dass bei der Umkehr zum Herrn alles von der Art und Weise abhängt, in der dieser große Schritt getan wird. Er sagt gewissermaßen: „Wenn ihr zum Segen zurückfinden wollt, dann kehrt mit eurem ganzen Herzen zu dem Herrn um.“ Eine halbherzige Umkehr ist vergebens. Es ist nutzlos für das Volk Gottes, zu dem Herrn umzukehren mit einer teilweisen Verurteilung der eigenen Wege, die durch Entschuldigungen begleitet wird. Wenn wir zu dem Herrn umkehren, kann es keinen Kompromiss in Bezug auf unsere Sünde und unsere Fehler geben. Wenn das Volk jedoch mit seinem ganzen Herzen zu dem Herrn umkehrt, wird es durch drei Dinge gekennzeichnet sein:

  1. Absonderung: Sie müssen sich von dem Bösen absondern, das zu ihrer Wegwendung vom Herrn geführt hat. Götzendienst muss gerichtet und „weggetan“ werden. Das ist mehr als nur ein Protestieren gegen das Böse; es erfordert auch, dass mit dem Bösen gehandelt wird. Wir sind oft willig, gegen das Böse zu protestieren, während wir davor zurückschrecken, es in der richtigen Weise zu behandeln. Wir mögen uns auf die Schwierigkeit berufen, wie mit Bösem zu handeln ist. Wir mögen die Folgen unseres Handelns mit dem Bösen fürchten. Wir mögen vor dem Makel zurückschrecken, der mit einem entsprechenden Handeln verbunden ist. Und so drücken wir uns mit dem einen oder anderen Argument davor, entsprechend unserer klaren Verantwortlichkeit zu handeln. Nichtsdestoweniger erklärt das Wort Gottes deutlich, dass das Böse hinweggetan werden muss.
  2. Zubereitung. Es ist nicht ausreichend, sich von dem Bösen zu trennen. Absonderung vom Bösen muss mit der Zubereitung des Herzens zusammengehen. Das Wort des Herrn durch Samuel lautet: „Richtet euer Herz auf den Herrn“ (Vers 3). Die Zubereitung des Herzens beinhaltet einen moralischen Zustand, der durch Selbstgericht herbeigeführt wird und führt zu einem demütigen und zerknirschten Geist – dem wahren Begleiter der Absonderung vom Bösen. Ohne eine solche Zubereitung des Herzens wird die Absonderung nur dem fleischlichen Stolz dienen. Auf der anderen Seite – nur auf eine Zubereitung des Herzens abzuzielen, ohne sich vom Bösen zu trennen, wird letztendlich zur Gleichgültigkeit gegenüber dem Bösen führen.
  3. Hingabe. Das wahre Ziel der Trennung vom Bösen und der Zubereitung des Herzens ist ein hingebungsvoller Dienst für den Herrn. Es geht darum, dass wir „ihm allein“ dienen (Vers 3). So ist es auch heutzutage noch. Denn die Absonderung von Gefäßen zur Unehre, zu der wir in 2. Timotheus 2,21 eindrücklich ermahnt werden, ist zugleich nötig, wie uns der Abschnitt in 2. Timotheus 2 lehrt, damit wir „nützlich dem Hausherrn, zu jedem guten Werk bereitet“ sind. Die speziellen Umstände mögen im Laufe der Jahre wechseln. Aber die großen Grundsätze Gottes bleiben ständig dieselben. So ist es immer noch wahr in unseren Tagen, dass „Absonderung“ und „Zubereitung“ für den Dienst des Meisters notwendig sind.

Jede echte Erweckung muss diese drei Kennzeichen tragen

Wenn es also diese Umkehr mit ungeteiltem Herzen gibt, wird sie durch Absonderung, Zubereitung und Hingabe gekennzeichnet sein. Und wenn es eine Bewegung unter Gottes Volk gibt, die dieses Kennzeichen trägt, dürfen wir auf die Rettung des Herrn für sein Volk aus der Hand der Feinde warten. Samuel sagt: „Wenn ihr mit eurem ganzen Herzen zu dem Herrn umkehrt“ und „die fremden Götter... aus eurer Mitte hinwegtut“ und „euer Herz auf den Herrn richtet und ihm allein dient“, wird Er „euch aus der Hand der Philister erretten“.

Das Ergebnis dieses Appells zeigt, dass Gott wirklich an seinem Volk gearbeitet hatte. Denn sie hören Samuel nicht nur zu, sondern gehorchen seinen Worten. Zunächst reinigen sie sich von ihren bösen Verbindungen (Vers 4). Sie geben sich nicht damit zufrieden, gegen das Böse zu protestieren, sondern handeln mit dem Bösen. Sie tun die Baalim und Astaroth hinweg. Ohne diesen ersten Schritt wäre alles weitere vergeblich gewesen. Gottes Reihenfolge ist: „Höre auf, das Böse zu tun“, bevor man lernen kann, das Gute zu tun.

Gott greift ein – wenn Er bei uns einen ersten Schritt sieht

Nachdem dieser erste Schritt getan war, spricht Samuel erneut, um das Volk zum zweiten Schritt zu führen, der Zubereitung der Herzen. Er treibt sie an, ganz Israel nach Mizpa zu versammeln. Und er fügt hinzu: „Ich will den Herrn für euch bitten“ (Vers 5). Der Platz, an dem sie sich versammeln sollen, ist bedeutsam. Denn die Bedeutung von Mizpa ist „Wachturm“. Das weist darauf hin, dass durch Mangel an Wachsamkeit der Feind unter dem Volk Gottes Fuß fasst, um es in Knechtschaft zu führen.

Anders war es auch nicht in der Versammlung (Gemeinde, Kirche) Gottes. Der Apostel warnt die frühe Kirche davor, dass „reißende Wölfe“ hineinkommen würden, die der Herde nicht schonen. Und er fügt hinzu, dass innerhalb des christlichen Bereichs Männer aufstehen würden, die verkehrte Dinge reden. Im Hinblick auf diese zweifache Gefahr sagt er: „Darum wacht“ (Apostelgeschichte 20,19–31). Die Führer in der Versammlung sollten – genauso wie die Führer im damaligen Israel – auf dem „Wachturm“ gestanden haben. Leider haben beide darin versagt zu wachen. Statt zu wachen, haben die Menschen geschlafen. Und der Feind benutzte diese Gelegenheit, um sein Werk zu vollbringen.

Zurück zum Ausgangspunkt des Abweichens!

In jeder Erweckung besteht die erste Notwendigkeit darin, zu dem Platz, von dem man abgewichen ist, zurückzukehren. Wir müssen zum „Wachturm“ zurückkehren. So finden wir es auch bei Israel: „Und sie versammelten sich nach Mizpa“ (Vers 6). Nachdem sie an dem richtigen Ort versammelt sind, geben sie ihre völlige Schwachheit und Hilflosigkeit zu. Und sie bekennen ihre Sünde. Sie „schöpften Wasser und gossen es aus vor dem Herrn“. Es konnte keinen größeren Ausdruck von Schwachheit geben als ausgeschüttetes Wasser. Denn selbst alle Weisheit und Macht des Menschen vereint reichte nicht aus, um auf die Erde ausgeschüttetes Wasser wieder zusammen zu sammeln (2. Sam 14,14).

Diese Tat war somit ein echtes Bekenntnis ihres Zustandes vor dem Herrn. Durch ihre eigene Torheit waren sie viel zu schwach und hilflos geworden, um sich selbst aus der Hand der Feinde zu retten. Zudem erkennt das Volk an, dass seine Schwachheit die Folge der eigenen Sünde war. Es sagt: „Wir haben gegen den Herrn gesündigt“ (Vers 6).

Nachdem sie sich von dem Bösen getrennt und die eigenen Herzen zubereitet haben, greift der Herr zur Rettung des Volkes ein. Sie haben sich von dem Bösen gereinigt, sie haben den „Wachturm“ bestiegen, ihre vollkommene Hilflosigkeit eingestanden und ihre Sünde bekannt. Indem sie so ihren wahren Platz „vor dem Herrn“ eingenommen haben, sind sie in einer Stellung und in einem Zustand, so dass der Herr sich freut, für sein Volk zu handeln.

Der Feind wird durch den Gehorsam des Volkes Gottes angestachelt

Als die Philister hörten, dass sich die Kinder Israel „nach Mizpa versammelten“, wird ihr Widerstand sofort wachgerufen. Nichts wird die Feindschaft des Teufels so sehr anstacheln wie das Volk Gottes auf der Hut vor dem Feind, im Gebet und mit einem Bekenntnis vor dem Herrn zu sehen.

Nachdem die Kinder Israel ihre eigene Schwachheit erkannt haben, fürchten sie sich zu Recht vor den Philistern (Vers 7). Bei ihrem letzten Zusammenstoß mit den Philistern 20 Jahre zuvor waren die Israeliten durch das Vertrauen auf das Fleisch weit von Gott entfernt gewesen. So ging das Volk nun in die Offensive und „zog aus, den Philistern entgegen zum Streit“ (1. Sam 4,1).

Nicht auf die Symbole, sondern auf Gott vertrauen!

Nachdem das Volk nun wiederhergestellt ist für den Herrn, lesen wir: „Die Fürsten der Philister zogen wider Israel herauf“. Bei der früheren Gelegenheit „jauchzte ganz Israel mit großem Jauchzer“ im Vertrauen auf sich selbst, während „sich die Philister fürchteten“ (1. Sam 4,5.7). Nun misstraut Israel sich und hat Furcht. Das fleischliche Vertrauen finden wir nun auf der Seite der Fürsten der Philister.

Am Tag ihres Selbstvertrauens vernachlässigte Israel Samuel, den Mann, mit dem Gott war. An dem Tag, an dem sie sich ihrer Schwachheit bewusst waren, gehen sie mit Freuden zu Samuel und sagen: „Lass nicht ab, für uns zu dem Herrn, unserem Gott, zu schreien, dass er uns von der Hand der Philister rette!“ (Vers 8). Sie erkennen an, dass der Mann, durch den der Herr sich seinem Volk nahte, derjenige ist, durch den das Volk dem Herrn nahen kann. So erkennen sie an, dass der Herr ihr Gott ist, und dass alleine Er sie vor ihren Feinden retten kann. Nun vertrauen sie nicht länger einfach der Lade Gottes, sondern vielmehr dem Gott der Bundeslade.

Die Grundlage von jedem Segen ist das Opfer Jesu

Sofort antwortet Samuel auf ihr Schreien. Der eine, den Gott als Propheten benutzt hatte, um seine Beziehungen mit seinem Volk wiederherzustellen, kommt nun als Priester zugunsten des Volkes zu Gott. Da er die Gedanken Gottes kennt, nimmt er ein „Milchlamm und opferte es ganz als Brandopfer dem Herrn“. Er naht Gott auf der Grundlage eines Opfers. Trennung vom Bösen, die Zubereitung des Herzens, Buße, wie tief sie auch sein mag, das Bekenntnis von Sünde, wie echt es auch sein mag, und wie notwendig und richtig das alles ist, bilden nicht die gerechte Grundlage, auf der Gott sein Volk segnen kann. Die feste und unwandelbare Basis für jedes Handeln Gottes in Gnaden muss immer Christus und sein Opfer am Kreuz sein.

Samuels „Milchlamm“ spricht von einem unschuldigen Opfer; das „Brandopfer“, das ganz für den Herrn war, spricht von dem Opfer, das der Herrlichkeit Gottes entspricht. Auf der Grundlage des Brandopfers „schrie Samuel zu dem Herrn für Israel“, und auf der Grundlage des Opfers „erhörte ihn der Herr“.

Gott verbindet sich mit einem gedemütigten Volk

So finden wir hier ein gedemütigtes Volk mit zerbrochenen Herzen, das vor seinen Feinden zitternd um ein Opfer bittet und zu Gott schreit. Mit einem solchen Volk hat Gott keine Auseinandersetzung, sondern kann dafür handeln. So ist es nicht länger eine Sache zwischen Israel und den Philistern, sondern es geht um den Herrn und die Philister. So lesen wir: „Während Samuel das Brandopfer opferte, da rückten die Philister heran zum Streit wider Israel. Und der Herr donnerte mit starkem Donner an selbigem Tag über den Philistern und verwirrte sie, und sie wurden vor Israel geschlagen“ (Vers 10).

Auf Samuels Opfer folgt sein Rufen zum Herrn. Aber das Eingreifen Gottes fand auf der Grundlage des Opfers statt und begann schon während der Opferung, vor dem Schreien. Das Schreien war richtig, und wir lesen, dass der Herr das Schreien erhörte. Dennoch liegt der Grund des Eingreifens im Opfer. Gott freut sich daran, Christus zu ehren. Und was wird Gott nicht um Christi willen tun, um sein Volk zu segnen? „Er, der doch seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat: wie wird er uns mit ihm nicht auch alles schenken?“ (Röm 8,32).

Auf Errettung sollte Lob und Dank folgen

Der Herr hat für sein Volk eingegriffen, indem Er sie aus der Hand ihrer Feinde errettete. Und Samuel, der in ihrer Not zum Herrn gebetet hatte, vergisst nicht, den Herrn aufgrund der Errettung zu loben. Er nimmt einen Stein, nennt ihn „Eben-Eser“ und sagt: „Bis hierher hat uns der Herr geholfen“ (Vers 12). Das war in Wirklichkeit ein Preisen – ein Anerkennen der Güte des Herrn.

Die Philister wurden dann unterworfen, und die Gegenden, die an sie verloren gegangen waren, zurückerobert. Alle Tage Samuels war die Hand des Herrn wider die Philister. Der Herr hatte seine Beziehungen zu Israel wiederhergestellt. Und nun wurde der Feind durch einen Mann festgehalten – und das während des ganzen Lebens dieses Mannes. Wie oft hat Gott auch seit den Tagen Samuels einen einzigen Mann benutzt, der in die Bresche gesprungen ist und die Feinde des Volkes Gottes zurückgehalten hat (Verse 13 und 14).

Eine „Rundreise“ für jeden Gläubigen

Das Kapitel schließt mit einem Bericht über die Rundreise, die Samuel von Jahr zu Jahr machte. Wenn wir deren geistliche Bedeutung erfassen, dann werden wir zugeben, dass es für uns alle gut ist, diese „Runde zu drehen“.

Zunächst ging Samuel nach Bethel, was übersetzt ist Haus Gottes. Hier offenbarte sich Gott in souveräner Gnade Jakob, dem Wanderer. Hier enthüllte Gott seinen festen Ratschluss, Jakob zu segnen. Und hier verhieß Gott, dass Jakob auf allen Wegen bewahrt bleiben und zurückgebracht werden würde zum Platz des Segens. Gott wird seinem eigenen Wort treu sein, wie Er zu Jakob sagte: „Ich werde dich nicht verlassen, bis ich getan, was ich zu dir geredet habe.“ Es ist gut für uns, Bethel zu besuchen, um uns an die souveräne Gnade zu erinnern, die uns den entgültigen Segen gesichert hat – gemäß der Treue Gottes zu seinem eigenen Wort (1. Mo 28,15–22).

Selbstgericht und Wachsamkeit stehen uns gut zu Gesicht

Zweitens sehen wir, dass Samuel von Bethel nach Gilgal geht. Das ist, wie wir ja alle wissen, der Platz der Beschneidung. Gilgal bedeutet „Abwälzung“, denn in Gilgal wurde, nachdem das Volk beschnitten worden war, die Schande Ägyptens von Israel abgewälzt. Wenn wir in Bethel gelernt haben, was Gott für uns in souveräner Gnade und gemäß seiner eigenen Treue ist, erkennen wir in Gilgal, dass Gott das Fleisch in seinem Volk nicht gutheißen kann. Wenn man das Gericht Gottes über das Fleisch anerkennt, dann wird die Schande Ägyptens abgewälzt (Jos 5,2.9)

Drittens reist Samuel von Gilgal nach Mizpa. Wenn Gilgal vom Richten des Fleisches in uns Gläubigen spricht, deutet Mizpa die Notwendigkeit an, gegenüber dem Feind von außen wachsam zu sein, denn Mizpa bedeutet Wachturm.

Christus will uns auf Höhen führen

Schließlich kehrt Samuel nach Rama zurück. Rama heißt übersetzt Höhe. Der Mann Gottes lebt oberhalb dieser Welt auf den Höhen. Für den Christen sind die Segnungen geistlicher Art, in den himmlischen Örtern. Das Heim seiner Zuneigungen ist droben. Bethel, Gilgal und Mizpa sind nur Etappen auf seinem Weg zu den Höhen von Rama. Der feste Ratschluss Gottes, das Richten des Fleisches und die Wachsamkeit gegenüber dem Feind werden uns für den himmlischen Boden vorbereiten.

Samuel mag Bethel, Gilgal und Mizpa besuchen, aber von Rama lesen wir: „Dort war sein Haus, und dort richtete er Israel. Und er baute daselbst dem Herrn einen Altar“ (Vers 16). Es ist auch für uns gut, wenn wir diese „Rundreise“ gemacht haben, zu den Höhen unserer Berufung zurückzukehren. Wenn wir unser Teil als ein himmlisches Volk annehmen – außerhalb dieses gegenwärtigen bösen Zeitlaufs und im Geist und mit unserer Zuneigung in einer anderen Welt – dann werden wir tatsächlich unsere Wohnung dort finden. Und dort, von dem Gipfel der Felsen aus, werden wir uns ein wahres Urteil über das Volk Gottes bilden können. Und dort werden unsere Herzen zur Anbetung geführt werden.

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