Das Buch Esther

Die große Wendung

Noch während man im Haus Hamans verweilte, wurde Haman zum zweiten Gastmahl der Königin geholt. Der König wiederholt sein Versprechen gegen Esther. Jetzt, nach der Erhöhung Mordokais und angesichts der dreifachen, somit gesicherten Verheißung des Königs kann Esther mit dem Bekenntnis zu ihrem Volk hervortreten und des Königs Schutz in Gewissheit der Gewährung erbitten. Gerade als Haman auf seinem Höhepunkt angelangt war, gewährt Ahasveros der Esther die Bitte, welche den Sturz und Tod des Widersachers bedeutete. Esther ist auch hierin ein Vorbild des gläubigen Überrestes aus Israel, der verborgen bleiben muss, sogar vor dem eigenen abtrünnigen Volk, bis für ihn die Stunde der Erfüllung, der Verheißung geschlagen hat. Dieser Augenblick wird dann gekommen sein, wenn dieser Überrest die Unerschütterlichkeit und Notwendigkeit der Erfüllung der alten göttlichen Verheißungen im Messias wieder erkannt haben wird. Längst waren dieselben aus dem Bewusstsein des Volkes geschwunden; jetzt aber, nachdem es sein Abirren erkannt hat, kann Sein Gott sich wieder mit ihm beschäftigen. Es mag sich dies gleichzeitig mit dem Auftreten der beiden mächtigen Zeugen in Offenbarung 11 vollziehen, wenn der treue Überrest sich um diese scharen wird. Dieses Zeugnis wird ohne Zweifel in die Zeit der größten Drangsal fallen, als eine Art Gegengewicht gegen die überbordende Macht des Bösen, denn ohne besonderen Schutz wird Gott die Seinen niemals in solchen Gefahren lassen. Der Herr, der Messias, ist zwar erhöht und gekrönt, aber er kann noch nicht offenbarlich für Sein Volk eintreten, bis das Maß der Bosheit voll und die Stunde des Gerichts gekommen sein wird. Bis dahin gibt Er, wie Mordokai seiner Cousine, Kraft und Mut, Seinem getreuen Überrest Rat und Beistand.

Es ist für uns übrigens sehr lehrreich zu sehen, wie Esther ihre Bitte anbringt; eine wertvolle Unterweisung darüber, wie wir beten sollen. Obgleich sie ja der Erfüllung ihrer Bitte durchaus sicher sein konnte, sagte sie jedes Mal, auch jetzt und nachher noch: „Wenn ich Gnade gefunden habe in deinen Augen, o König, und wenn es der König für gut hält...“. Sie fordert nicht, als ob es ihr Recht sei, obgleich sie ja zu ihrer Bitte berechtigt gewesen wäre, appelliert auch nicht an seine Gefühle für sie als ihr Gemahl, sondern sie stellt sich auch jetzt, völlig auf das Wort Ahasveros' vertrauend dennoch ganz unter die Gnade des königlichen Willens. Dies ist wichtig zu beachten. Viele glauben, im Vertrauen auf irgendein Verheißungswort in der Heiligen Schrift pochend, die Erhörung ihrer Bitte als ihr gutes Recht erwarten und oft sogar fordern zu dürfen, als ob Gott verpflichtet wäre, ihre Bitte zu gewähren. O nein, nicht so; wir dürfen nicht Gott zu unserem Diener machen. Auch dann, wenn wir der Erhörung gewiss sein dürfen, geziemt es sich für uns, dass wir die Haltung des Knechtes gegenüber dem Herrn beibehalten und unsere Anliegen restlos in die Hände des Herrn legen, Ihm das „Wie“ der Erfüllung ganz und gar überlassen. Wir wissen, dass die Wege des Herrn mit uns mannigfaltig und nach höheren Gedanken gelenkt werden, als wie wir es zu fassen vermögen.

Sodann macht sich Esther völlig eins mit ihrem Volk: „ich und mein Volk!“, sagt sie. Wie schön und lieblich! Aber welche Folgen hatte dieser Entschluss? Sie stellt sich damit unter das Todesurteil, das über dem ganzen Volk lag. Es war ein Augenblick größter Gefahr. Doch denkt sie nicht an ihre eigene Sicherheit, noch an ihren persönlichen Wert für den König, sondern vor allem an ihr Volk. Sollte nicht auch unser Denken und Bitten, unser Schätzen und Lieben nicht nur unseren engeren Kreis umfassen, sondern vielmehr alle Gläubigen, welche wie wir dem Herrn dienen und Ihn zu unserer Entrückung erwarten.

Bedeutsam ist auch, dass Esther sich nicht geweigert haben würde, wenn sie mit ihrem Volk in die Knechtschaft verkauft worden wäre, denn sie verstand, dass Israel wegen seiner Untreue gegen seinen Gott in Unfreiheit unter den Nationen weilte, weshalb sie sich mit unter diese Tatsache beugte. Aber dass Israel untergehen sollte, das durfte und konnte nicht sein, denn Gottes Ratschluss bestand und Seine Verheißungen mussten erfüllt werden. Denn wenn Israel als Gottes Volk keine Zukunft mehr hätte – wie manche denken – ja, wenn eine einzige von den unzähligen Verheißungen im Wort nicht erfüllt würde, was bedeutete dies für Gott, den Heiligen und Wahrhaftigen? Nicht, dass Er zum Lügner und Sein Wort zu nichtigem Menschenwort gemacht würde?

Als der König diese Bitte hörte und vernahm, dass Haman dieser Widersacher seiner Königin, die er sehr liebte, sei, stand er ergrimmt auf. Jetzt ist auch ihm ein Licht aufgegangen, was Haman mit seinem teuflischen Vorschlag bezweckt hatte, wozu er ihn, Ahasveros, missbraucht hatte. Er musste hinausgehen, um seine Erregung zu verbergen. Haman, zu Tode erschrocken, war aufs Polster gesunken, um Esther um Gnade zu bitten, er, der noch vor ein paar Stunden zum tödlichen Schlag gegen ihren Vetter Mordokai und damit auch gegen sie ausgeholt hatte; er, dessen Hass keine Gnade kannte, er muss jetzt sein Opfer um Gnade anflehen. Aber es war zu spät, um Gnade zu erwarten, des Königs Zorn war wider ihn entbrannt. Als der König zurückgekehrt und Haman vor der Königin liegen sah, deutete er es in seinem Grimm anders und ließ Haman kurzerhand zum Tod führen, ja, als ein Kämmerer Andeutung vom Baumstamm in Hamans Garten machte, überlieferte Ahasveros Haman ausgerechnet dem Tod der Schande, den Tod, den er in blindem Hass für Mordokai ausgeheckt hatte. Da hat sich für Haman das Wort Jehovas in Sacharja 2,12 erwahrt: „wer euch antastet, tastet seinen Augapfel an“. Damit sagt Gott, was Er von Seinen Geliebten halte und dass Er dem, der sie antastet, auf die empfindlichste Art vergelten werde; denn der Augapfel ist das feinste und empfindlichste Organ am Leib, wahrlich ein sehr vielsagendes Symbol der Liebe Gottes für Sein Volk. Ganz ebenso wird auch die Rache des Königs der Herrlichkeit an Seinen Feinden ausfallen, wenn Er erscheint, um Gericht auszuüben. Noch rascher als Haman werden dann Seine großen Widersacher, der Römische Kaiser und der Antichrist (Off 19), wie auch „der König des Nordens“ (Dan 11,45) durch den Hauch Seines Mundes weggefegt werden. Satan selbst wird zwar vorerst für tausend Jahre in Ketten im Abgrund verwahrt, um dem gesegneten Reich des Messias Raum zu geben, dann nochmals losgelassen und endlich, nachdem er wieder die Menschen verführt haben wird, auch endlich in den Feuersee geschleudert werden.

Noch etwas Ernstes können wir aus Kapitel 7,7 entnehmen: „Als Haman sah, dass das Unglück gegen ihn beschlossen war“. „Er sah“, ja jetzt, da er die schreckliche Wahrheit sah, da wollte er um Gnade betteln, weil alles zu Ende war. Es war wahr geworden, was seine Leute (Kapitel 6,13) voraussagten. Vorher wollte sein Hochmut nichts von Gnade wissen, noch von Abkehr von seinem bösen Weg, obwohl er durch seine eigenen Leute gewarnt war. Aber jetzt war es zu spät! So ist die gottlose Welt; sie will nicht hören, ihr Unglaube hat alle Ausreden: „Ich glaube nur, was ich sehe“, oder „Es wird schon alles gut werden“ usw. Aber so urplötzlich wie für Haman wird auch für die ungläubige Welt das schreckliche Ende kommen, das Gericht, dem man nicht mehr entrinnen kann. „Wie ein Dieb in der Nacht“ wird Er kommen, und dann wird jede Möglichkeit, gerettet zu werden, abgeschnitten sein. „In einer Stunde, in der ihr es nicht meint, kommt der Sohn des Menschen“ (Mt 24,44), dem alles Gericht übergeben ist; geradeso wie es Haman erging, als er die höchste Stufe seines Strebertums erreicht hatte. So wird die ungläubige Welt zerschmettert werden.

Mit dem Vollzug des Gerichts an Haman „legte sich der Grimm des Königs“. Dies ist wiederum im Blick auf Ahasveros als Vorbild gesagt. Er ist allerdings, als Mensch betrachtet, eine der traurigsten Figuren der altpersischen Geschichte. Er ist lediglich in seiner Eigenschaft als Träger einer gewaltigen Macht und eines Herrscherwillens, der weder Widerspruch, noch Einspruch, noch Rückruf duldet, ein Vorbild des Zornes und Grimmes des heiligen Gottes über Seine Feinde und das Böse. Dieser Zorn gehört nicht zum ureigensten Wesen Gottes, sondern er musste um der Heiligkeit und Gerechtigkeit willen wegen der Sünde, der Auflehnung der Menschen und der Verachtung Seiner so großen Liebe entbrennen, um das Böse und seine Täter zu richten und hinwegzuschaffen. Wenn aber alles Böse seine Sühne gefunden haben wird, wird Sein Zorn keinen Raum mehr haben, er wird völlig Seiner Liebe, Seinem eigentlichen Wesen, Platz machen.

Jetzt, nachdem der Erzfeind gerichtet und beseitigt ist, kann sich Esther offen zu ihrem Vetter bekennen, und dieser, Mordokai, bleibt nicht mehr „im Tor des Königs“, sondern tritt jetzt vor den König und wird von diesem in alle Macht und Ehren, ja in die Verfügungsmacht eingesetzt, welche sich vorher Haman erschlichen hatte. Dabei wird ihm im Besonderen die Verfügung über Hamans Haus gegeben. Auch wird Mordokai mit der amtlichen königlichen Herrlichkeit, samt der Krone und dem Siegelring ausgestattet, die ihm von nun an bleibend gehören. Alles dies ist eine Vorschattung des großen Augenblicks für den treuen jüdischen Überrest der Endzeit, wo er endlich den längst verheißenen und nun sehnlichst erwarteten Messias, Jesus Christus, erkennt und anerkennt und endlich in Seiner königlichen und himmlischen Herrlichkeit schauen darf. Darauf deuten ja auch die in Kapitel 8,15 erwähnten Stoffe und Farben hin. Wir kennen sie von der Stiftshütte her als die Symbole und Attribute der Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus, die ja erst dann, wenn Er als König Seinen Thron im Tausendjährigen Reich einnimmt, hervorstrahlen wird: Gold = göttliche Gerechtigkeit und Herrlichkeit; blau = himmlische Herrlichkeit, Purpur = königliche Herrlichkeit, und weißer Byssus = vollkommene Reinheit und Heiligkeit. Eine für die Stiftshütte charakteristische Farbe fehlt dabei: Scharlach, die Farbe des Leidens und des Todes, mit Recht; denn in dem Reich der ungehemmten Herrlichkeit des Messias und des ungehemmten Segens auf einem erneuerten Volk gehört diese Frage der Vergangenheit an. Freilich wird dies in noch vollkommenerem Masse im ewigen Zustand der Fall sein, wo überhaupt nur noch die Herrlichkeit des Herrn alles in allem sein und auch die Herzen der verherrlichten Heiligen erfüllen wird. Wir hören nur noch das „neue Lied“, das keinen Bezug mehr auf das Vergangene nehmen wird.

Für den gläubigen Überrest der Endzeit wird dies erst Raum finden, nachdem Israel in tiefer Buße zuerst im „Sohn des Menschen“ den erkannt hat, den es verworfen und gekreuzigt hatte und Ihn so als seinen Messias anerkannt haben wird (Sach 12,10–14). In dieser Stelle heißt es, dass jenem dann ein „Geist der Gnade und des Flehens“ gegeben sein wird; tief beschämt wird es in Dankbarkeit seinem Messias zujubeln. Dadurch kann dann der Messias und König Israels endlich in dieser verheißenen Herrlichkeit hervortreten und wird dann samt allen Seinen verherrlichten Heiligen allgemein geschaut werden (Sach 14,5; Jud 14.15; Kol 3,4; 2. Thes 1,10; Off 19,11–16).

Der erste Gerichtsakt des Messias wird die Beseitigung des Antichristen und des römischen Kaisers sein, welche unrechtmäßigerweise durch die Macht Satans den Platz der Herrschaft über Israel und die Welt einnehmen werden (Off 19,11–21), indem Er sie mit dem Hauch Seines Mundes, mit Seinem Machtwort lebend in den Feuersee schleudern wird. Doch ist damit die Drangsal Israels noch nicht zu Ende, denn die Prophezeiung geht dahin, dass alle Nationen der Erde im Land der Juden ihr Gericht finden, demnach auf dasselbe losstürmen werden (vergl. Joel 3,2.9–10; Sach 12,2.3; 14,2), sogar die fernen Könige des Ostens werden dabei sein (Off 9 und 16). Noch sind damit nicht alle Feinde der Juden überwunden, vor allem nicht die furchtbarsten, der König des Nordens, der Assyrer und die Araber, die Nachkommen der alten biblischen Feindvölker, deren Gericht auch noch bevorsteht (siehe Dan 11,40–45; Joel 3; Mich 5; Sach 14,1–5).

In unserem Buch war ja auch mit Hamans Tod und der Erhebung Mordokais und Esthers das Todesurteil über ihr Volk noch nicht aufgehoben. Daher kniet Esther nochmals vor dem König, um für ihr Volk zu bitten, und sie tut es auch jetzt noch – beachten wir dies wohl – indem sie demütig alles in die Gnade des Königs übergibt. Dies tut sie, trotzdem sie jetzt nicht mehr nötig hat zu knien, sozusagen in Furcht zu bitten, sondern jetzt wie Mordokai vor dem König stehen kann. Sie kann sich jetzt zu diesem zählen als Teilhaberin Seiner Ehre. So werden dann, wenn Christus auf Erden erscheint, die verherrlichten Heiligen Seine Genossen und Begleiter sein und auch der gläubige Überrest aus Israel darf sich dann mit Recht erhobenen Hauptes als Sein geliebtes Volk betrachten und Ihm folgen. Es wird von da an wirklich, wie schon Mose (5. Mo 28) angedeutet hat, das Haupt der Nationen sein, nachdem es Jahrtausende lang seiner Untreue wegen der Schwanz derselben gewesen sein wird.

Esther bittet den König naturgemäß um Widerruf des Hamanschen Ediktes. Aber eine mit dem königlichen Siegel unterfertigte Kundmachung kann nicht einfach widerrufen werden. Hierin ist Ahasveros wieder ein Symbol Gottes, der nicht Ja und Nein sein kann. Bei Ihm ist Ja ja, und Nein nein; Er ist das Ja und das Amen. Darum ist auch Sein Gesetz vollkommen und unerschütterlich und Sein Fluch muss und wird den Übertreter treffen um der Heiligkeit Gottes willen. Darum wird Gottes Gericht unbedingt und unfehlbar auch die Abtrünnigen Israels treffen und dies kann auch nicht um des Überrestes willen aufgehoben werden. Somit können wir mit Bestimmtheit sagen, dass alle diese Juden, Zionisten und Terroristen, welche sich ohne Gott mit Gewalt und sogar mit gesetzlosen Akten in den Besitz des Landes setzen wollen, umkommen müssen, ohne ihr Ziel erreicht zu haben. Denn Israel muss sein Land aus der Hand seines Messias Jesus Christus empfangen, von dessen Anerkennung sie im Grossen und Ganzen noch weit entfernt sind. Es ist dies ja auch oft genug von den Propheten vorausgesagt worden, dass nur ein gläubiger Überrest errettet und in den Besitz des Reiches kommen werde (siehe Jes 10,20–23 und Sach 13,5–9). Wir begegnen überall demselben Grundsatz: Niemand kann errettet werden, als nur durch den stellvertretenden Tod des Herrn Jesus Christus am Kreuz.

Auch hier im Buch Esther finden wir Ähnliches: Da Esther Gnade gefunden hat bei Ahasveros, legt dieser in ihre und Mordokais Hand die Vollmacht, jenem Gesetz des Todes durch einen Weg der Gnade zu begegnen. Seitdem Mordokai mit der königlichen Vollmacht bekleidet ist, ist alle Gewalt in seine Hand gegeben und fortan ist er es, der mit Esther handelt und gebietet. Der König Ahasveros tritt von da an völlig in den Hintergrund. Wir möchten hier nochmals betonen, dass wir Mordokai lediglich als Vorbild des Christus als Messias Israels, als dessen Befreier und Segenbringer betrachten dürfen und dass dieses nicht darüber hinausgeht.

Eben dieses Vorbild von Christus als der offenbarte und handelnde König Israels tritt uns in Mordokai gegen Schluss des Buches immer schöner entgegen. Wie jetzt Mordokai mit Esther Herr der Situation ist, so wird der Messias Jesus Christus, wenn Er sich als König aufgemacht haben wird – in völliger Übereinstimmung mit dem Willen Gottes des Vaters – der alleinige Beherrscher des Geschehens auf Erden sein. Er ist es, der dann zum Krieg wider Seine und Seines Volkes Feinde auszieht, diese schlägt und vernichtet, Sein Volk befreit und diesem das verheißene Land zum gesegneten Eigentum übergibt; ihm (Israel) müssen sich jetzt alle Nationen unterwerfen. Jetzt ist dann der Augenblick gekommen, von dem schon Johannes der Täufer prophezeit hat, wo der nach ihm Kommende die Tenne fegen und die Menschen worfeln, sieben und die Spreu verbrennen, d. h. die Erde vom Bösen rein fegen wird (vergI. Mt 3).

Was tut nun Mordokai, um Hamans Todesgesetz unwirksam zu machen? Er erlässt, im Verein mit der Königin Esther, ein neues Edikt, welches den Juden erlaubt, ihren Feinden zuvorzukommen und sich ihnen gerüstet zur Wehr entgegenzusetzen und sie zu töten. Dies haben sie auch an dem zuvor bestimmten Tag in reichem Maß getan. Ähnliches wird auch dem gläubigen Überrest der letzten Tage unter Führung ihres Messias gewährt werden; auch dieser darf dann am Kampf teilnehmen und seinerseits an seinen Feinden gründliche Rache nehmen. Er wird jenen vergelten nach allem, was sie ihm angetan haben (vergl. Jes 51,22.23; Jer 25,15–29; Mich 5,4–8; Sach 9,13–17; 12,1–9.) Ja, dies wird so gründlich geschehen, dass nach Sacharja 14,21 „kein Kanaaniter mehr übrig sein wird im Land“, dass also Israel sein Land ungeteilt besitzen wird. Dies ist bis dahin niemals der Fall gewesen infolge Israels Untreue, ja es hat sogar niemals das ganze ihm verheißene Gebiet in Besitz genommen, das vom Strom Euphrat bis zum Grenzfluss Ägyptens reichen sollte (1. Mose 15 und Josua 1). In diesem Schlusswort Sacharjas haben wir somit Gottes Entscheid in der heute brennenden Palästinafrage zwischen Juden und Arabern: Kein Araber soll im Land bleiben, das Israel gehört, freilich erst dann, wenn Gottes, wenn des Messias Stunde gekommen sein wird.

Ein besonders wichtiger Punkt im Buch Esther ist das Haus Hamans, das in die Hand Mordokais und Esthers gegeben und völlig ausgerottet worden ist (Kapitel 9,6–10 und 12–14). Auch dies gehört zur göttlichen Prophezeiung. Keine der feindlichen Nationen wird völlig ausgerottet werden, von allen wird ein Überrest übrig bleiben, um in Unterwerfung unter Israels Herrschaft an den Segnungen des messianischen Königreiches teil zu haben (vergl. Jes 19,19–25; Mich 7,11–13). Eine einzige Ausnahme wird Edom bilden, aus dem Haman hervorgegangen ist, dem Brudervolk Israels, von diesem soll kein Übriggebliebener das herrliche Reich des Messias erleben (vergl. Obad 17–21).

Welch eine Veränderung wird dies sein (vergl. Est 8,16–17)! Ein Jahr lang war es wolkendunkel für die Juden gewesen, nun aber ist es für sie licht geworden. Davon finden wir Ähnliches für den letzten Tag der „großen Drangsal“ (vergI. Sach 14,6–11). Ganz natürlich war es damals auch nach dem Edikt Mordokais, dessen Person durch Gottes Gunst immer mehr im Ansehen stieg, dass ein Schrecken auf die Nationen fiel, so dass viele sich durch Annahme des Judentums vor dem drohenden Schicksal zu sichern suchten. Ähnliches wird auch am Ende stattfinden (vergl. Sach 8,23).

Nach Esther 9,13–15 konnten die Juden in Susan auf Esthers Begehr auch am zweiten Tag weiter gegen die Feinde vorgehen, von denen viele getötet wurden. Es ist dies vielleicht eine Andeutung auf Daniel 12,11–12, wo noch zwei weitergehende Zeitzahlen, 1290 und 1335 Tage, angegeben sind. Diese bedeuten wohl, dass mit der endgültigen Besitznahme des Landes durch Israel doch noch nicht alle Feinde Israels überwunden sind und noch nicht völlige Ruhe eingekehrt ist. Wir denken dabei an den Einbruch Gogs und Magogs (Russlands) in das bereits im Frieden wohnende Land (siehe Hes 38 – 39).

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