Die Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus

Das Kommen des Herrn zur Aufnahme der Kirche

Als der Herr im Begriff stand, diese Erde zu verlassen, sagte Er zu seinen Jüngern: „Kinder, noch eine kleine Zeit bin ich bei euch; ihr werdet mich suchen, und wie ich den Juden sagte: Wohin ich gehe, dahin könnt ihr nicht kommen, so sage ich jetzt auch euch“ (Joh 13, 33). Kein Wunder, dass die Jünger beim Vernehmen dieser Worte betrübt und bestürzt wurden. Ihr geliebter Lehrer, ihr treuer Leiter und Freund, der sie mit so viel Geduld getragen, mit so viel Liebe zurechtgewiesen, mit so viel Treue für sie gesorgt hatte, wollte sie verlassen. Sie sollten in dieser Welt voll Sünde und Schmerz allein zurückbleiben. Sie sollten Ihn, den sie so innig liebten, nicht mehr sehen. Er hatte ihnen gesagt, dass Er zum Vater gehe, und dass sie Ihm jetzt nicht folgen könnten. Furcht und Bestürzung erfüllten ihr Herz. Wer sollte sie trösten, wer sie beruhigen? Nun, derselbe Herr, der sie verlassen wollte. Er verstand ihren Schmerz, Er kannte ihr Leid, Er begriff ihre Furcht und Bestürzung, und, seine eigenen Leiden vergessend, rief Er ihnen in unendlicher Liebe zu: „Euer Herz werde nicht bestürzt. Ihr glaubt an Gott, glaubt auch an mich! In dem Haus meines Vaters sind viele Wohnungen; wenn es nicht so wäre, hätte ich es euch gesagt; denn ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit, wo ich bin, auch ihr seit.“ (Joh 14, 1–3).

Welch eine köstliche Verheißung! Welch ein Trost für das Herz der betrübten Jünger! Und wir dürfen hinzufügen: Welch ein Trost auch für uns! Der Weggang des Herrn Jesus hat nur zu unserem Besten gedient. Er kehrte in den Himmel zurück, um uns dort, in dem Haus des Vaters, eine Stätte zu bereiten, und Er will wiederkommen, um uns zu sich zu nehmen, damit wir für immer bei Ihm seien, da wo Er jetzt ist. Die Stellung der Jünger wurde allerdings von jenem Augenblick an eine ganz andere. Sie hatten bis dahin den Herrn in ihrer Mitte gehabt, sie hatten Ihn sehen, hören und betasten können. Jetzt aber sollte Er für ihr natürliches Auge unsichtbar werden, wie Gott unsichtbar ist. Darum mussten sie so, wie sie an Gott geglaubt hatten, ohne Ihn zu sehen, nun auch an Jesus glauben. Jesus wurde im Himmel der Gegenstand ihres Glaubens. Durch den Glauben konnten sie Ihn zur Rechten Gottes im Himmel schauen. Doch nicht allein das. Das Vaterhaus, in das Er ging, sollte nun auch ihre Wohnung werden. Der Herr ging dorthin, um für sie eine Stätte zu bereiten. Er hatte das Vaterhaus verlassen, um eine ewige Erlösung für uns zustande zu bringen. Nachdem dies geschehen war, kehrte Er ins Vaterhaus zurück, um auch uns dort eine Stätte zu bereiten. Als Sohn Gottes war Er dort von Ewigkeit her gewesen. Jetzt ist er dort als unser Vorläufer, als der Erstgeborene vieler Brüder, als das Haupt der neuen Schöpfung. Er selbst sagt: „Vater, ich will, dass die, die du mir gegeben hast, auch bei mir seien, wo ich bin“. Ja, wir können unseren Blick jetzt nach oben erheben und durch den Glauben unseren Herrn und Heiland zur Rechten Gottes anschauen, und indem wir das tun, dürfen wir voll Freude ausrufen: Da wo Er ist, werden auch wir bald sein!

Nichts steht zwischen dem Hingang des Herrn und seiner Wiederkunft. Der Herr hat keine Zeit bestimmt, denn das würde die Erwartung seines Kommens in den Herzen der seinen geschwächt haben. Er will, dass wir, wie die Knechte in dem Gleichnis, auf Ihn warten und uns durch nichts und durch niemand von dieser Erwartung abbewegen lassen. Ob Er um Mitternacht oder um die erste oder zweite Nachtwache kommt, wissen wir nicht. Wir wissen nur, dass Er nahe ist, und wir sollten deshalb stets bereit sein, Ihn kommen zu sehen und Ihm entgegen zu eilen. Nachdem nun schon mehr als 1800 Jahre seit jenem letzten Zusammensein des Herrn mit seinen Jüngern verflossen sind, ruft er uns jetzt (in dem Sendschreiben an Philadelphia) zu: „Ich komme bald; halte fest was du hast, damit niemand deine Krone nehme!“ Vergessen wir auch nicht, dass tausend Jahre bei dem Herrn sind wie ein Tag, und ein Tag wie tausend Jahre. Sein Verheißungswort lautet: „Ich komme wieder und werde euch zu mir nehmen, damit, wo ich bin, auch ihr seit“. – „Siehe, ich komme bald!“

Die Wiederkunft des Herrn ist daher die charakteristische Hoffnung der Kirche. Der Herr selbst hat ihr diese Hoffnung gegeben. Wir erwarten nicht den Tod, sondern unseren Herrn. Durch seine Wiederkunft werden wir dorthin gelangen, wo Er ist. „Ich komme wieder und werde euch zu mir nehmen.“ Diese Verheißung allein kann auch ein Herz, das Jesus liebt, befriedigen. Er selbst wird wiederkommen, um uns abzuholen. Er wird nicht einen Engel oder einen Engelfürsten senden. Nein, der Bräutigam selbst wird seine geliebte Braut heimholen, und so sehnen wir uns danach, Ihn zu sehen, wie er ist, und Ihm gleichförmig zu sein. Unser Herz verlangt danach, bei Ihm zu sein und seine Herrlichkeit zu schauen. Ja, der Freund unserer Seelen, unser geliebter himmlischer Bräutigam, wird zurückkehren, und zwar nicht, um auf dieser Erde bei uns zu bleiben, sondern um uns von der Erde zu sich zu nehmen und uns ins Vaterhaus droben zu bringen.

Doch auf welche Weise wird diese Aufnahme der Kirche stattfinden? Die Schrift gibt uns auf diese Frage eine Antwort, die ebenso deutlich und bestimmt ist wie die Verheißung, die der Herr Jesus gegeben hat. Wir lesen in 1. Korinther 15, 51–54: „Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden zwar nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, in einem Nu, in einem Augenblick, bei der letzten Posaune; denn posaunen wird es, und die Toten werden auferweckt werden unverweslich, und wir werden verwandelt werden. Denn dieses Verwesliche muss Unverweslichkeit anziehen, und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen. Wenn aber dieses Verwesliche Unverweslichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen wird, dann wird das Wort erfüllt werden, das geschrieben steht: „Verschlungen ist der Tod in Sieg“.“

Und ferner in 1. Thessalonicher 4, 13–18: „Wir wollen aber nicht, Brüder, dass ihr, was die Entschlafenen betrifft, unwissend seid, damit ihr nicht betrübt seid wie auch die Übrigen, die keine Hoffnung haben. Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird auch Gott die durch Jesus Entschlafenen mit ihm bringen. (Denn dieses sagen wir euch im Wort des Herrn, dass wir, die Lebenden, die übrig bleiben bis zur Ankunft des Herrn, den Entschlafenen keineswegs zuvorkommen werden. Denn der Herr selbst wird mit gebietendem Zuruf, mit der Stimme eines Erzengels und mit der Posaune Gottes vom Himmel herabkommen, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen; danach werden wir, die Lebenden, die übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit bei dem Herrn sein. So ermuntert nun einander mit Worten.)“ 1

Aus diesen herrlichen Offenbarungen über die Art und Weise der Aufnahme der Kirche ersehen wir zunächst, dass die entschlafenen Gläubigen auferstehen und einen neuen, verherrlichten Leib empfangen werden. Ohne diesen neuen Leib ist der Gläubige noch nicht zur Vollendung gelangt. In jeder Beziehung vollkommen gemacht sind wir erst dann, wenn wir Christus gleichgestaltet sein werden, wenn die Verheißung sich erfüllen wird: „Wie wir das Bild dessen von Staub getragen haben, so werden wir auch das Bild des Himmlischen tragen“ (1. Kor 15, 49). Und das wird erst bei der Ankunft des Herrn geschehen. Paulus sagt: „Denn unser Bürgertum ist in den Himmeln, von woher wir auch den Herrn Jesus Christus als Heiland erwarten, der unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird zur Gleichförmigkeit mit seinem Leib der Herrlichkeit, nach der wirksamen Kraft, mit der er vermag, auch alle Dinge sich zu unterwerfen“ (Phil 3, 20.21). Und Johannes: „Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes, und es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen, dass wir, wenn es offenbar werden wird, ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist“ (1. Joh 3, 2).

Hieraus geht also hervor, dass die im Herrn entschlafenden Gläubigen nicht sogleich ins Vaterhaus gehen. Wenigstens stellt es die Schrift nicht so dar. Erst bei der Ankunft des Herrn werden die „Toten in Christus“ aus ihren Gräbern hervorkommen, erst dann werden sie einen neuen Leib empfangen und durch den Herrn Jesus in das Haus des Vaters geführt werden. Bis dahin sind sie im Paradies und warten dort, gerade so wie wir auf Erden, auf die Ankunft des Herrn. Es wird uns im Neuen Testament nicht viel über den Zustand derer, die durch Jesus entschlafen sind, gesagt, doch wird uns genug mitgeteilt, um uns zu zeigen, dass sie völlig glücklich, allem Leid enthoben und in vollkommener Ruhe bei dem Herrn sind. Jesus selbst sagte einst zu dem Räuber am Kreuz: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lk 23, 43). Stephanus bat den Herrn, den er zur Rechten Gottes stehen sah, seinen Geist aufzunehmen (Apg 7, 59.60). Paulus sagt in 2. Korinther 5, 8: „Wir möchten lieber ausheimisch von dem Leib und einheimisch bei dem Herrn sein“, und in Philipper 1, 23: „Ich habe Lust, abzuscheiden und bei Christus zu sein, denn es ist weit besser“; und: „das Sterben ist für mich Gewinn“. Aus allen diesen Stellen ersehen wir, dass der heimgehende Gläubige einen herrlichen Tausch macht. Er verlässt diese arme Erde, den Schauplatz der Sünde und des Todes, um im Paradies zu sein, er scheidet ab, um zu Jesus zu gehen. Ein begehrenswertes Leben, ein unendlich besseres Leben als das Leben auf dieser Erde, ist sein Teil. Das Sterben ist für ihn Gewinn. Dort bei Jesus, im Paradies Gottes, kennt er keine Sünde, keine Schwachheit, kein Gebrechen mehr, er wird nicht mehr durch allerlei hindernde Einflüsse und Umstände gestört, sondern genießt eine ungetrübte, selige Gemeinschaft mit Jesus. Sein Geist befindet sich auch nicht etwa in einem Zustand des Schlafens oder des Träumens, wie manche meinen, sondern bei völligem Bewusstsein. Der Gedanke, vielleicht Hunderte von Jahren in einem bewusstlosen, traumartigen Zustande zu verbringen, wäre wahrlich nicht trostreich. Das wäre kein Gewinn! Dann wäre es noch besser, hier auf Erden zu bleiben und, wenn auch in Schwachheit, die köstliche Gemeinschaft Jesu zu genießen. Doch, Gott sei Dank! Sein Wort sagt uns genug, um jene Meinung als ganz und gar falsch zu erkennen. Die uns vorangegangenen Lieben sind bei Jesus, im Paradies, von ihrem sündigen und schwachen Leib getrennt, in ungestörtem Genuss und ungetrübtem Glück.

Doch wie glücklich und begehrenswert das Weilen im Paradies auch sein mag, so ist es doch nicht, wie bereits bemerkt, die Vollkommenheit. Es ist vielmehr ein vorübergehender Zwischenzustand. Die Vollkommenheit wird erst dann da sein, wenn der Herr Jesus kommen wird, um die Seinen heimzuholen. „Denn der Herr selbst wird mit gebietendem Zuruf, mit der Stimme eines Erzengels und mit der Posaune Gottes vom Himmel herabkommen, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen.“ Nach diesem Augenblick verlangte Paulus, als er sagte: „ob ich auf irgendeine Weise hingelangen möge zur Auferstehung aus den Toten“ (Phil 3, 11). Welch ein herrlicher Augenblick wird das für alle durch Jesus Entschlafenen sein! Denn wie gesegnet auch ihr Teil im Paradies gewesen sein mag, so wird es doch noch weit herrlicher für sie sein, bei der Ankunft des Herrn Ihm völlig gleichgestaltet und nach Geist, Seele und Leib tadellos und mit Frohlocken vor Ihm dargestellt zu werden. Die Wiedervereinigung des Geistes mit dem auferstandenen, verklärten Leib wird stattfinden, die Zeit des Wartens wird vorüber sein, und jubelnd werden alle mit ihrem geliebten Herrn in die vielen Wohnungen des Vaterhauses einziehen. Der Zwischenzustand ist dann vorüber, das Vollkommene ist gekommen.

Doch wenn die Ankunft Jesu für die entschlafenen Heiligen herrlich ist, so ist sie nicht weniger herrlich und begehrenswert für diejenigen, die bis zu jenem Augenblick hier auf der Erde in ihrem Leib sind. Die vielfach unter den Christen verbreitete Meinung, dass alle Gläubigen sterben müssten, ist ganz und gar unrichtig. „Ich sage euch ein Geheimnis: wir werden nicht alle entschlafen.“ Es gibt also Gläubige, die nicht sterben werden. Sie „bleiben übrig bis zur Ankunft des Herrn“. Die Worte des Heiligen Geistes sind so klar und bestimmt, dass sie keinen Widerspruch zulassen. Er sagt uns ausdrücklich, dass der Herr bei seiner Wiederkunft einen Teil der Gläubigen entschlafen und einen Teil noch auf Erden lebend finden wird.

Aber was wird mit den bis dahin am Leben Gebliebenen geschehen? Werden sie, so wie sie sind, in den Himmel aufgenommen werden? O nein, unmöglich könnten wir mit diesem sterblichen und verweslichen Leib ins Vaterhaus gehen. „Dies aber sage ich, Brüder, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht erben können, auch die Verwesung nicht die Unverweslichkeit erbt.“ (1. Kor 15, 50). Unser Leib muss also verwandelt werden, er muss das Sterbliche und Verwesliche ausziehen und Unsterblichkeit und Unverweslichkeit anziehen. Und gerade das ist es, was der Geist uns sagen lässt: „Wir werden zwar nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, in einem Nu, in einem Augenblick, bei der letzten Posaune; denn posaunen wird es, und die Toten werden auferweckt werden unverweslich, und wir werden verwandelt werden“. „Wir, die Lebenden, die übrig bleiben bis zur Ankunft des Herrn“, werden also nicht sterben, sondern in einem Nu, in einem Augenblick, verwandelt werden, d. h. dieser unser sterblicher und verweslicher Leib wird, ohne den Tod zu sehen, in einem Augenblick in einen unsterblichen und unverweslichen Leib umgestaltet werden.

Welch eine Aussicht! Welch ein Trost und was für eine Freude für unsere Herzen! Denn wenn auch der Tod für den Christen seinen eigentlichen Charakter, seinen Stachel, verloren hat (vgl. 1. Kor 15,55.56), wenn er auch für ihn nichts anderes ist, als der Übergang aus einem Zustand der Schwachheit und des Leidens in ein besseres, herrlicheres Leben, so bleibt das Sterben doch immer unserer Natur und allem, was in uns ist, zuwider. Es zerreißt die zartesten Bande und trennt die innigsten Beziehungen auf Erden. Welch ein herrlicher Gedanke ist es daher, vielleicht zu denen zu gehören, die nicht sterben, sondern verwandelt werden sollen! Wenn der Herr heute kommt, so werden wir den Tod nicht sehen, brauchen nicht Abschied zu nehmen von unseren geliebten Verwandten und Freunden, sondern werden mit allen, die an Jesus glauben, unmittelbar in den Himmel aufgenommen werden. Und der Herr kann heute kommen. Nichts steht seinem Kommen im Weg. Wenn mein Herz das glaubt, so werde ich nicht mehr an den Tod denken, der nichts Angenehmes für mich hat, sondern an die Ankunft des Herrn, die mich in jeder Hinsicht mit unaussprechlicher Freude erfüllt. O was wird es sein, geliebter Leser, wenn unsere, den Keim des Todes und der Verwesung in sich tragenden Leiber in unsterbliche und unverwesliche Leiber verwandelt werden! Wenn unser niedriger, gebrechlicher, kränklicher, dem Tod unterworfene Körper auf einmal in einen geistigen und himmlischen Leib umgestaltet werden wird – in einen Leib, der dem Leib Jesu, des Herrn vom Himmel, gleichförmig sein wird! Und diese Verwandlung wird nicht langsam vor sich gehen, nicht allmählich geschehen, nein, sie wird in einem Augenblick, in einem Nu, stattfinden. Schneller als wir es zu fassen vermögen, wird das Wunderbare sich ereignet haben. Vielleicht wird uns die Ankunft des Herrn bei unserer Arbeit finden, vielleicht wenn wir gerade in dem kostbaren Namen Jesu versammelt sind. Doch wann und wo sie uns auch finden mag, wir werden mit einem Mal Jesus erblicken und in einem neuen, dieser Schöpfung nicht angehörenden Leib dem Herrn entgegen gerückt werden in die Luft.

Sobald das letzte Glied des Leibes Christi aus der Welt herausgeholt und der Versammlung hinzugefügt ist, wird der Herr seinen Platz zur Rechten des Vaters verlassen und „mit gebietendem Zuruf, mit der Stimme eines Erzengels und mit der Posaune Gottes vom Himmel herabkommen“, um alle die Seinen zu sich aufzunehmen. Die letzte Posaune wird geblasen werden, und auf den Schall dieser Posaune hin werden die Gräber sich öffnen, und in einem Augenblick werden alle die Millionen, die durch Jesus entschlafen sind, aus den Gräbern hervorkommen, nicht mehr bekleidet mit einem irdischen, vergänglichen Leib, sondern strahlend in himmlischer, unvergänglicher Herrlichkeit und Schönheit. In unmittelbarer Verbindung damit werden die vielen Tausende von Gläubigen, die dann noch auf der Erde leben, verwandelt werden. Das Verwesliche wird Unverweslichkeit und das Sterbliche Unsterblichkeit anziehen. Alles, was an Staub und Tod erinnert, wird für immer beseitigt sein. Himmlische Herrlichkeit erglänzt dann auf jedem Antlitz, selige Freude strahlt aus jedem Blick. Alle Trennung hat aufgehört, nicht ein Glied fehlt. Die Bewohner des Paradieses sind mit den Gläubigen, die noch auf Erden waren, vereinigt. Alle die Lieben, von denen man eine Zeitlang geschieden war, findet man dann wieder, und eine große, schier unzählige Schar von Gläubigen, die man nie gesehen und nie gekannt hat, wird man dann sehen und kennen. Alle Tränen sind abgewischt. Trauer, Schmerz und Leid sind vergessen. Der raue, beschwerliche Wüstenpfad ist zurückgelegt, der Kampf ist ausgestritten, und die ewige Herrlichkeit tut den seligen Streitern ihre Pforten auf.

O geliebter gläubiger Leser, wie wird uns sein! Welche Szenen des Wiedersehens und Wiederfindens werden wir erleben! Welch ein Jubeln und Frohlocken wird ertönen! Aber vor allem, wie wird jedes Auge auf einen Punkt gerichtet sein, auf Ihn, den geliebten Bräutigam, den Schönsten unter den Menschenkindern, der allen sichtbar in der Luft erscheint! Jedes Herz wird Ihm entgegenschlagen, an den wir geglaubt und den wir geliebt haben, ohne Ihn zu sehen. Wonnetrunken wird unser Auge an seinem Antlitz hangen, und unser Ohr auf seine Stimme lauschen, und in unabsehbarem Zug wird die ganze Schar der Erlösten in einem Augenblick von der Erde hinauffahren, und unter den Lobgesängen der vielen Myriaden von Engeln mit Ihm einziehen in ihre ewige Heimat, in die vielen Wohnungen des Vaterhauses droben. Dort werden sie mit Ihm wohnen und zur Verherrlichung seiner nie genug zu preisenden Liebe das neue Lied, das Lied der Erlösung singen.

Es wird also nicht nur ein Teil der Versammlung oder Gemeinde, sondern die ganze Versammlung durch den Herrn aufgenommen werden. Alle, die durch Jesus entschlafen sind, werden auferweckt, und alle die lebend übrig gebliebenen Gläubigen werden verwandelt werden. Die ganze Gemeinde, der ganze Leib wird dem Herrn in die Luft entgegengehen. Die Meinung einiger, dass eine Auswahl stattfinden und nur die mit aufgenommen werden würden, die an diese Aufnahme glauben und den Herrn erwarten, oder die in der praktischen Heiligung eine gewisse Stufe erreicht haben, steht mit der Schrift in unmittelbarem Widerspruch. Wie könnte das überhaupt möglich sein? Sollte der Herr mit einem Teil der Versammlung das Hochzeitsmahl im Himmel feiern, während der andere Teil für seine mangelhafte Erkenntnis oder seine Untreue und seinen Unglauben betreffs der Aufnahme durch die Gerichte gestraft würde? In Offenbarung 19 (also vor dem zweiten Erscheinen Christi auf dieser Erde und der Ausführung des Gerichts über die Lebendigen) lesen wir: „Die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Frau hat sich bereitet“. Wer ist die Frau des Lammes? Niemand wird leugnen, dass es die Versammlung oder die Kirche Christi ist. Und wer gehört zu der Kirche Christi? Alle, die von der Gründung der Kirche Christi am Pfingsttag an bis zu ihrer Aufnahme in den Himmel an Jesus geglaubt haben und mit dem Heiligen Geist getauft sind.

Aber, wird man vielleicht einwenden, was bedeutet dann das Gleichnis von den zehn Jungfrauen? Nun, es beweist gerade das, was ich gesagt habe. Glaubten die fünf törichten Jungfrauen etwa nicht an das Kommen des Herrn? Das Gleichnis sagt das Gegenteil. Zehn Jungfrauen nahmen ihre Lampen und gingen aus, dem Bräutigam entgegen. Als der Bräutigam verzog, wurden sie alle schläfrig. Aber um Mitternacht entstand ein Geschrei: „Siehe, der Bräutigam! Geht aus, ihm entgegen!“ Da standen alle auf und schmückten ihre Lampen. Alle hörten den Ruf, und alle glaubten, dass der Bräutigam komme, denn sonst würden sie ihre Lampen nicht geschmückt haben. Der Unterschied besteht also nicht darin, dass die klugen Jungfrauen an das Kommen des Bräutigams glaubten und die törichten nicht, oder dass die einen in einem besseren praktischen Zustand waren als die anderen, sondern darin, dass die törichten kein Öl in ihren Gefäßen hatten. Nun ist aber das Öl in der ganzen Schrift das Symbol des Heiligen Geistes. Niemand ist deshalb berechtigt, das Öl hier als ein Symbol des Glaubens an das Kommen des Herrn zu erklären, was ja auch mit dem Gleichnis selbst im Widerspruch wäre, da die törichten Jungfrauen ebenso gut an die Ankunft des Bräutigams glaubten wie die klugen. Diejenigen, die Öl, d. h. den Heiligen Geist, hatten, gingen ein zur Hochzeit; die kein Öl, d. h. die den Heiligen Geist nicht hatten, blieben draußen und wurden abgewiesen.

Die Erklärung des Gleichnisses ist einfach folgende: Die Christen haben im Anfang an das Kommen des Herrn geglaubt und sind ausgegangen, dem Bräutigam entgegen. Danach sind alle, sowohl die wahren Christen, als auch die bloßen Bekenner, eingeschlafen. Jahrhunderte sind dahingegangen, in welchen niemand, was diese Wahrheit betrifft, wach war. Erst um Mitternacht – wir können heute sagen: etwa seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts – wurde der Ruf wieder vernommen: „Siehe, der Bräutigam! Geht aus, Ihm entgegen!“ Dieser Ruf wird in der christlichen Kirche von Jahr zu Jahr lauter. Tausende und Hunderttausende sind aus ihrem Schlaf aufgewacht. Überall wird von der nahen Ankunft des Herrn geredet und geschrieben, und die Annahme dieser Wahrheit wird immer allgemeiner. Es beweist, dass wir nahe, ganz nahe am Ziel stehen. Bald, sehr bald wird der Herr kommen, und dann werden alle wahren Gläubigen mit Ihm eingehen zur Hochzeit, während die Namenchristen, obwohl sie jene Wahrheit kennen und bekennen, davon ausgeschlossen sind und später gerichtet werden.

Alle, die wahrhaft an Jesus glauben und mit dem heiligen Geist getauft sind, mögen sie noch so verschieden über die Lehre betreffs der zukünftigen Dinge denken, werden also bei dem Kommen des Herrn Jesus in die Luft aufgenommen und Ihm entgegengerückt werden, um für ewig bei Ihm zu sein. Wenn sie auch nicht alle an die Aufnahme der Kirche glauben, so erwarten sie doch alle Jesus in der einen oder anderen Weise und haben seine Erscheinung lieb (Heb 9, 28; 2. Tim 4, 8), und alle werden sich herzlich darüber freuen, wenn sich seine Verheißung heute erfüllen sollte.

Lasst uns nun untersuchen, was uns über diese Erfüllung der Verheißung Jesu noch weiter mitgeteilt wird. Wenden wir uns zunächst zu Offenbarung 4 und 5. Dort werden uns die Erlösten verherrlicht in dem Himmel gezeigt. „Nach diesem sah ich: und siehe, eine Tür war geöffnet in dem Himmel, und die erste Stimme, die ich wie die einer Posaune mit mir hatte reden hören, sprach: Komm hier herauf, und ich werde dir zeigen, was nach diesem geschehen muss.“ So spricht der Prophet, und sogleich war er im Geist und sah im Himmel einen Thron, auf dem der Herr, Gott, der Allmächtige, saß, und rings um diesen Thron vierundzwanzig Throne, und auf diesen Thronen vierundzwanzig Älteste, bekleidet mit weißen Kleidern und mit goldenen Kronen auf ihren Häuptern. Es kann wohl keinem Zweifel unterliegen, dass diese vierundzwanzig Ältesten die himmlischen Heiligen darstellen; denn im nächsten Kapitel (Verse 9 und 10) singen sie ein neues Lied: „Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen; denn du bist geschlachtet worden und hast für Gott erkauft, durch dein  Blut, aus jedem Stamm und jeder Sprache und jedem Volk und jeder Nation, und hast sie unserem Gott zu einem Königtum und zu Priestern gemacht, und sie werden über die Erde herrschen!“ Aus diesen Worten geht unzweideutig hervor, dass diese vierundzwanzig Sänger die große Schar von Erlösten bildlich darstellen, die durch das Blut des Lammes aus jedem Stamm und Sprache und Volk und Nation für Gott erkauft und zu Königen und Priestern gemacht sind (vgl. 1. Pet 2,5.9 und Off 1,6). Das Lied stimmt auch völlig mit dem Charakter überein, in dem die Ältesten uns gezeigt werden. Sie sind bekleidet mit weißen Kleidern, dem Zeichen ihrer priesterlichen Würde, und sie tragen goldene Kronen auf ihren Häuptern, wodurch ihre königliche Macht dargestellt wird. Die Zahl vierundzwanzig (zweimal zwölf) ist selbstredend eine symbolische. Sie erinnert an die vierundzwanzig Priesterordnungen, die einst in Israel bestanden (vgl. 1. Chr 24), und die von David errichtet wurden, ehe Salomo den Königsthron bestieg. So werden sie auch hier gesehen, bevor der wahre Salomo seine Herrschaft antritt.

Manche haben gemeint, dass unter diesen vierundzwanzig Ältesten die entschlafenen, noch nicht vollendeten Heiligen zu verstehen seien. Aus dem weiter oben über die Entschlafenen Gesagten wird es aber für jeden klar sein, dass diese Meinung unmöglich richtig sein kann. Denn die Ältesten erscheinen nicht etwa als Geister, sondern besitzen schon ihren neuen, verherrlichten Leib. Sie sind bekleidet mit weißen Kleidern und mit goldenen Kronen gekrönt. Sie müssen also schon aus den Toten auferstanden sein. Auch weist gerade die Zahl vierundzwanzig darauf hin, dass wir es hier nicht nur mit einem Teil, sondern mit der Gesamtheit der verherrlichten Erlösten, der himmlischen Heiligen, zu tun haben. Dies stimmt auch genau mit dem, was wir bisher betrachteten, überein. Wir haben gesehen, dass bei der Ankunft des Herrn sowohl die Toten in Christus auferstehen, als auch die bis dahin am Leben gebliebenen Heiligen verwandelt werden, und dass beide Klassen von Gläubigen zusammen aufgenommen werden, dem Herrn entgegen in die Luft, um dann miteinander ins Vaterhaus zu gehen. Dass ferner die vierundzwanzig Ältesten keine Engel sein können, geht schon aus der Tatsache hervor, dass diese später besonders erscheinen.

Ich wiederhole also, dass uns in den beiden genannten Kapiteln der Offenbarung die Gesamtheit der Erlösten, verherrlicht in dem Himmel, gezeigt wird. Während das 2. und 3. Kapitel die Geschichte der Kirche in ihrer Verantwortlichkeit auf dieser Erde beschreiben, erblicken wir im vierten die Könige und Priester, die in Kapitel 1, 5.6 den Gruß ihres verherrlichten Herrn erwidern, im Himmel. Es muss also das in dem Sendschreiben an Philadelphia angekündigte Kommen des Herrn inzwischen eingetreten sein (Johannes redet nicht von der Aufnahme der Gläubigen, da sein Gegenstand nicht die Erfüllung der Gnadenratschlüsse Gottes ist, sondern vielmehr die Ausführung seiner gerechten Gerichte.). Nichts könnte herrlicher und schöner sein, als der Platz, den die Erlösten hier einnehmen. Der allmächtige Gott sitzt hier auf dem Thron seiner Herrlichkeit. Aus diesem Thron gehen hervor Blitze und Stimmen und Donner, die Symbole der Gerichte (Kapitel 6–19), die im Begriff stehen, über die Welt hereinzubrechen. Der auf dem Thron sitzt hat in seiner Rechten ein Buch, inwendig und auswendig beschrieben und mit sieben Siegeln versiegelt. Es ist das Buch der Gerichte (vgl. Kapitel 6). Niemand im Himmel und auf Erden ist würdig, das Buch zu öffnen und seine Siegel zu brechen. Niemand vermag es nur anzublicken, bis das Lamm erscheint, das geschlachtet ist. Es nimmt das Buch aus der Rechten Dessen, der auf dem Thron sitzt. Und wie verhalten sich bei dem allen die vierundzwanzig Ältesten? Sie sitzen ruhig auf ihren Thronen und umgeben Gott und das Lamm. Blitze, Stimmen und Donner gehen aus dem Thron hervor, das Buch der Gerichte wird gezeigt und geöffnet – aber anstatt sich zu fürchten, singen sie das neue Lied, das Lied der Erlösung. Und kein Wunder! Durch Jesus von der Erde aufgenommen und mit neuen, verherrlichten Leibern bekleidet, ist kein  Flecken an diesen himmlischen Heiligen mehr zu sehen. Alles was an ihren Aufenthalt auf dieser armen, sündigen Erde erinnern könnte, ist vollständig und für immer verschwunden. Da sie Jesus gleichgestaltet sind, können die hellen Strahlen des Lichtes Gottes nichts als makellose Reinheit an ihnen offenbaren. Allem Kampf, allen Leiden entrückt und vor jedem Gericht sicher gestellt, ruhen sie droben aus und bringen Dem ihre Anbetung dar, der da lebt in die Zeitalter der Zeitalter.

Das ist also unsere herrliche Hoffnung, geliebter Leser. Wie einst Elieser, der treue Knecht Abrahams, den Auftrag hatte, Rebekka aus Mesopotamien zu holen und sie Isaak, ihrem Bräutigam, zuzuführen, so ist jetzt der Heilige Geist auf die Erde gesandt, um die himmlische Braut aus der Welt herauszuholen, sie auf ihrem Pilgerpfad durch die Wüste zu geleiten, sie mit allerlei geistlichen Segnungen, den Gütern des Vaterhauses zu erquicken und sie dem wartenden Bräutigam entgegen zu führen. Und wie einst Isaak seiner Braut persönlich entgegen ging und sie in das Zelt seiner Mutter führte, so wird auch Jesus seiner geliebten Braut gleichsam auf halbem Weg entgegenkommen und sie voll Freude in das Haus des Vaters geleiten. Ohne Zweifel wird dies selige Ereignis der Welt verborgen bleiben, denn die Welt, die nur in den irdischen Dingen lebt, hat kein Auge für etwas, was nur Jesus und die Seinen angeht. Bei der Himmelfahrt des Herrn waren nur seine Jünger zugegen. Die Entrückung Henochs blieb seinen Zeitgenossen verborgen. Und die Himmelfahrt des Elia wurde nur von Elisa gesehen. So wird sicherlich auch Christus der Welt nicht eher offenbart werden, als bis wir mit Ihm in Herrlichkeit erscheinen (Kol 3,4). Wie eine Wolke den Herrn vor den Augen seiner Jünger aufnahm, so wird auch die Versammlung oder Gemeinde in Wolken dem Herrn entgegengerückt werden in die Luft.

Doch wann wird dies geschehen? Niemand kann einen bestimmten Zeitpunkt angeben, aber weil diese Aufnahme nicht abhängig ist von den Zeichen der Zeit, noch von der Erfüllung der Prophezeiungen, so kann sie ebenso gut heute wie morgen stattfinden. Wenn heute das letzte Glied der Versammlung hinzugefügt werden sollte, so wird der Herr kommen, um uns in den Himmel aufzunehmen. Darum wartete schon Paulus auf das Kommen Jesu. Er wünschte nicht entkleidet, sondern überkleidet zu werden (2. Kor 5, 4). Er hoffte zu denen zu gehören, die den Tod nicht sehen, sondern lebend übrig bleiben würden bis zur Ankunft des Herrn (1. Thes 4). Diese köstliche Hoffnung erfüllte sein Herz mit dankbarer Freude, machte ihn geduldig im Leiden, ausharrend im Kampf und eifrig im Dienst.

Auch wir kennen den mächtigen Einfluss, den die beständige Erwartung des Herrn auf den Wandel der Gläubigen ausübt. „Und jeder, der diese Hoffnung zu ihm hat“, sagt Johannes, „reinigt sich selbst, wie er rein ist.“ (1. Joh 3, 3). Diese Hoffnung hält uns getrennt von dem, was hienieden ist, und richtet unseren Blick auf das, was droben ist. Das Bewusstsein der baldigen Ankunft des Bräutigams erhält unsere Seelen nüchtern und wach. Und, Gott sei Dank!, die Mitternacht ist vorüber. Der Morgen dämmert. Das Kommen des Herrn wird aufs Neue allerwärts verkündigt. Der Ruf: „Siehe, der Bräutigam kommt!“ hat in vielen Herzen ein Echo gefunden. Bald, bald wird unser Herr kommen, um unserer Fremdlingschaft in dieser feindseligen, gottlosen Welt ein Ende zu machen.

Hat dieser Ruf auch in deinem Herzen bereits ein Echo gefunden, mein Leser? Hast du erkannt, „dass die Stunde schon da ist, dass wir aus dem Schlaf aufwachen sollen? Denn jetzt ist unsere Errettung näher, als damals, als wir gläubig wurden: Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe.“ (Röm 13, 11.12). Glaubst du an die herrliche Hoffnung der Kirche? Sehnst du dich nach dem Kommen des Herrn? Lebst du in der beständigen Erwartung, dem himmlischen Bräutigam in der Luft zu begegnen? Wenn nicht, so kommt der Ruf: „Siehe, der Bräutigam! Geht aus, Ihm entgegen!“ durch diese Zeilen auch zu dir. Wenn du wirklich an den Herrn Jesus glaubst, o glaube dann auch an seine baldige Ankunft! Mache dann diese Ankunft zur beständigen Hoffnung deines Herzens, und geh Ihm fröhlich entgegen! Betrübe deinen Herrn nicht länger durch Gleichgültigkeit betreffs seiner Wiederkunft. Glaube seinem Wort! Erwarte, wie die Thessalonicher, den Sohn Gottes aus den Himmeln, und rufe mit innigem Verlangen: „Amen, komm, Herr Jesus!“

Fußnoten

  • 1 „Durch Jesus entschlafen“ will sagen, dass das Sterben der Gläubigen nicht ein Sterben im gewöhnlichen Sinn des Wortes ist, nicht ein Sterben wie das der Ungläubigen. Nein, der Gläubige schläft ein. Er entschläft in Frieden, um am Auferstehungsmorgen von Jesu wieder aufgeweckt zu werden. So wird Jesus selbst der Erstling der Entschlafenen (1. Kor 15, 20) genannt, und alle, die im Glauben an Ihn sterben, sind durch Ihn, den Sieger über Tod und Grab, nicht einfach Gestorbene, sondern Entschlafene.
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