Im Paradies

Mit Christus im Paradies

„Einer aber der gehängten Übeltäter lästerte ihn ...Der andere aber antwortete und ... sprach zu Jesus: Gedenke meiner, Herr, wenn du in deinem Reich kommst! Und er sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein“.

Lukas 23,39-43

Das Testament unseres Herrn

Soweit dies aus den Evangelien hervorgeht, hat Christus siebenmal etwas gerufen, während Er am Kreuz hing. Drei dieser Kreuzesworte sind vor den drei Stunden der Finsternis ausgesprochen worden und drei danach. Während der drei Stunden der Finsternis - beinahe an ihrem Ende - hören wir lediglich ein Wort, und zwar den Herzensschrei aus Psalm 22: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mt 27,46; Mk 15,34). Damit gab der Herr seinem unergründlichen Leiden durch das Verlassenwerden von Gott Ausdruck, das wegen unserer Sünden über Ihn kam.

In gewissem Sinn bilden diese sieben Aussprüche den letzten Willen, das geistliche Testament des sterbenden Heilandes. Die ersten drei Kreuzesworte bilden ein besonderes Zeugnis des Wertes und der Kraft des Werkes Christi. Wir dürfen hier bereits hören, was die Folgen des Kreuzesleidens sein würden. Wir sehen hierin die geistlichen Reichtümer, die Er uns aufgrund seines vollbrachten Werkes hinterlassen hat. Hierbei geht es um drei Segnungen, die uns aufgrund seines Todes geschenkt sind:

  1. Die Vergebung der Sünden entsprechend dem Gebet des Herrn zu seinem Vater in Lukas 23,34.
  2. Ein Platz im Paradies entsprechend der Verheißung in Lukas 23,43.
  3. Ein Ort der fürsorglichen Liebe inmitten der „Familie“ Gottes hier auf der Erde nach den Anweisungen in Johannes 19,26.27.

In dieser letztwilligen Verfügung des Heilandes ist also die Rede von den geistlichen Gütern, die die Seinen durch sein Sterben empfangen. Er ist der Erblasser und sorgt für die Vergangenheit, das Heute und die Zukunft. So sehen wir in einer etwas anderen Reihenfolge:

  1. Was die Vergangenheit betrifft: Unsere Sünden sind durch sein kostbares Blut abgewaschen. Wir haben die Vergebung der Sünden.
  2. Was das Heute betrifft: Er schenkt uns einen Ort der Geborgenheit inmitten der Familie der Kinder Gottes.
  3. Was die Zukunft betrifft: Das Paradies Gottes im Himmel steht uns offen. Was könnten wir noch mehr verlangen?

Heute wirst du mit mir im Paradies sein

Es geht uns jetzt um das zweite Kreuzeswort, das die Verheißung von einem Platz im himmlischen Paradies umfasst: „Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ Der Herr spricht mit göttlicher Autorität. Das Wort „wahrlich“ bedeutet „Amen“. Kein einziger Zweifel ist im Blick auf die Erfüllung dieser Verheißung möglich. Obwohl Er in Schwachheit gekreuzigt ist, lebt Er nun durch die Kraft Gottes. Was Er verheißt, macht Er auch wahr.

Aus diesem Vers sind vier Schlussfolgerungen zu ziehen:

  1. Es ist keine Zwischenzeit (der Läuterung und Reinigung) erforderlich, bevor ein entschlafener Gläubiger die Glückseligkeit erreicht. Der Herr sagt ja dem Übeltäter, dass er heute noch mit Ihm im Paradies sein würde. Weiterhin betrifft der Todesschlaf nur den Leib, der bis zum Auferstehungstag im Grab ruht. Dies widerlegt daher auch indirekt die Lehre vom Seelenschlaf, die behauptet, dass sich die gestorbenen Heiligen in einer Art „Schlafzustand“ bis zum Auferstehungstag befinden.
  2. Im Gegenteil, die, die in Christus entschlafen sind, befinden sich bereits jetzt in seiner unmittelbaren Gegenwart und sind sich dessen bewusst. „Heute wirst du mit mir im Paradies sein“, so lautete die Verheißung des Herrn für den Übeltäter, der an Ihn glaubte. Dieser Mann erwartete das messianische Reich. Er glaubte, dass der Herr der König der Juden war und dass Er zur Zeit Gottes sein Königreich empfangen würde: ein Reich, worin auch die auferstandenen Heiligen einen Platz haben würden. Dann hoffte er mit der Gunst des Königs rechnen zu dürfen. Doch er bekam etwas viel Besseres: einen Platz im Paradies Gottes, wo er unmittelbar schon in der Gegenwart des Herrn zu Tische liegen durfte.
  3. In Lukas 16 wird dieser Platz noch als „Schoß Abrahams“ bezeichnet, doch das geschah, als der Herr das Werk noch nicht vollbracht hatte. Seitdem Er auferstanden und zur Rechten Gottes verherrlicht ist, steht Abraham, der Vater der Gläubigen, nicht mehr im Zentrum der Aufmerksamkeit. Bei Christus und mit Christus zu sein, das ist jetzt das beste Teil. Das gilt übrigens nicht nur für den Zwischenzustand, also für die Zeit zwischen dem Sterben und der Auferstehung. Für die Auferstehung der Entschlafenen und die Verwandlung der noch auf der Erde lebenden Gläubigen - bei der Aufnahme der Versammlung - gilt dieselbe Verheißung: „und so werden wir allezeit bei dem Herrn sein“ (1. Thes 4,17).
  4. Dieser Platz heißt fortan „das Paradies“ als himmlisches Gegenstück zum Garten Eden. Christus ist dort als der wahre Baum des Lebens und der Heilige Geist ist dort als Quelle lebendigen Wassers. Dem Durst und dem Hunger des Herzens wird in jeder Hinsicht entsprochen. Die durch Jesus Entschlafenen sind also bereits jetzt unaussprechlich glücklich.
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