Im Paradies

Die Bedeutung des Baumes des Lebens und des Wassers des Lebens

„Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden ... Und Gott der HERR ließ aus dem Erdboden allerlei Bäume wachsen, lieblich anzusehen und gut zur Speise; und den Baum des Lebens in der Mitte des Gartens, und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Und ein Strom ging aus von Eden, um den Garten zu bewässern; und von dort aus teilte er sich und wurde zu vier Flüssen“.

1. Mose 2,8-10

Der Garten Eden

Irgendwo im Zweistromland, zwischen den beiden Strömen Euphrat und Tigris, lag nach 1. Mose 2 der Garten, in den Gott den ersten Menschen setzte, den Er gebildet hatte. Meistens sprechen wir vom „Paradies“. Dieses Wort ist persischen Ursprungs und bedeutet „Lustgarten“. Es kommt nur ein paar Mal im Alten Testament vor, u.a. in Hohelied 4,13. Diese Stelle hat auch für unser Thema Bedeutung, wie wir in Kapitel 2 noch sehen werden.

Es geht uns in diesem Büchlein vor allem um die geistliche und symbolische Bedeutung des Paradiesstromes und des Baumes des Lebens, ohne übrigens der buchstäblichen und historischen Bedeutung Abbruch tun zu wollen. Der Garten Eden, die beiden Bäume und die sprechende Schlange sind zweifellos sinnlich wahrnehmbare Dinge gewesen. Doch es ist auffallend, dass die Bibel nicht nur mit dem Paradies beginnt, sondern auch damit endet. Im letzten Bibelbuch finden wir sozusagen das Gegenstück zum Garten Eden: ein himmlisches Paradies, das Paradies Gottes (Off 2,7).

Im Buch der Offenbarung gibt es sowohl Parallelen als auch Gegensätze zum 1. Buch Mose. Es ist im Buch der Offenbarung ausdrücklich nicht das Paradies des Menschen oder für den Menschen, sondern das Paradies Gottes. Es ist sein Lustgarten, und es ist eine große Gnade, dass wir als Kinder Gottes an seiner eigenen Freude teilhaben dürfen. Ins Paradies Gottes kann die Sünde nicht mehr eindringen, und es gibt auch keinen Platz mehr für den Teufel und den Tod. Dies sind dann besiegte Feinde (1. Kor 15,26; Off 21,4). Nicht einmal der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen kommt dort noch vor (vgl. 1. Mo 2,9; 3,3 mit Off 2,7; 22,2.14). Das ist sehr bemerkenswert.

Die Schlussfolgerung ist daher, dass die Möglichkeit zum Sündigen dann nicht mehr vorhanden ist: Das Gewissen kann uns dann nicht mehr beschuldigen und anklagen. Der Stellung nach ist das jetzt schon so für uns Christen. Durch das vollbrachte Werk Christi sind wir jetzt schon vom Bewusstsein des Bösen gereinigt, das ist von einem bösen Gewissen (Heb 10,22). In Christus ist das unsere Stellung vor Gott, denn in dem verherrlichten Herrn sind wir vollkommen rein (vgl. Eph 1,4-6). Aber wir wissen nur allzu gut, dass die Praxis häufig anders ist, nämlich dass ein Gläubiger nach seiner Bekehrung doch noch sündigt und dass sein Gewissen ihn dann anklagt. Dann ist ein Bekenntnis der Schuld und Sünde nötig, um die praktische Gemeinschaft mit Gott wiederherzustellen. Im Paradies Gottes wird das endgültig vorbei sein.

Der wahre Baum des Lebens ist Christus

Die Beschreibung des Gartens Eden beginnt mit den Bäumen, die Gott der HERR aus dem Erdboden wachsen ließ (1. Mo 2,9). Der Baum des Lebens in der Mitte des Gartens wird dabei besonders erwähnt, so auch der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Danach folgen einige Mitteilungen über den Strom im Paradies (1. Mo 2,10). Im Garten selbst entsprang ein Strom, um ihn zu bewässern und fruchtbar zu machen. Er teilte sich dort in vier Ströme, und diese vier Flüsse brachten ebenfalls Fruchtbarkeit in die ganze damals bekannte Welt. Aus dem Garten floss ein Strom lebendigen Wassers in die umliegenden Länder.

Es ist möglicherweise nicht zufällig, dass der Baum des Lebens in 1. Mose 2 als erstes erwähnt wird und dann erst das Lebenswasser. Logisch argumentiert ist die Reihenfolge umgekehrt: Ohne Wasser kann durchaus keine Rede von Baumwuchs sein. Beide Dinge, beide Segnungen gehören in der Schöpfung gewöhnlich zusammen und sind nicht eins ohne das andere zu bekommen. Aber die Betonung liegt hier offensichtlich auf dem Baum des Lebens, der ein Bild von Christus ist. Er war der wahre Gerechte, der Mensch, der zu Recht gesegnet war, weil sein Vertrauen vollkommen auf Gott gerichtet war (Ps 1,3; Jer 17,7.8). Er war wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht zu seiner Zeit bringt.

Christus ist unserer Sünden wegen gestorben und unserer Rechtfertigung wegen auferweckt worden (Rö 4,25). Als der erhöhte Herr hat Er aus dem Himmel den Heiligen Geist hier auf die Erde ausgegossen. Der Geist konnte nicht kommen, bevor Jesus verherrlicht war (Joh 7,39).

Christus und das lebendige Wasser des Geistes

Christus und der Geist gehören daher zusammen und sind nicht voneinander zu trennen, wie auch der Baum des Lebens und das Wasser des Lebens zusammengehören. Aber der Nachdruck liegt in der Schrift zuallererst auf der Person Christi (wahrhaftig Mensch und wahrhaftig Gott) und auf dem Werk, das Er hier auf der Erde vollbracht hat. Das ist die Grundlage für das Ausgießen des Heiligen Geistes, der gekommen ist, um Christus zu verherrlichen (Joh 16,14).

Der Geist ist wie ein milder Regen, wie ein Strom des Lebenswassers auf die Erde herabgekommen. Wasser ist ein bekanntes biblisches Bild vom Geist. Jesaja sprach bereits darüber: „Denn ich werde Wasser gießen auf das Durstige und Bäche auf das Trockene; ich werde meinen Geist ausgießen auf deine Nachkommen und meinen Segen auf deine Sprösslinge. Und sie werden aufsprossen zwischen dem Gras wie Weidenbäume an Wasserbächen“ (Jes 44,3.4).

In Offenbarung 22 ist zuerst die Rede vom Strom des Wassers des Lebens, der dem Thron Gottes und des Lammes entspringt. Erst danach lesen wir vom Baum des Lebens: Dieser steht nicht nur an den beiden Seiten des Stromes, sondern auch in der Mitte der Straße, die das neue Jerusalem durchkreuzt. Der Ursprung des Stromes ist jedoch der Thron Gottes und des Lammes, das ist der gestorbene und auferstandene Herr (vgl. Off 5). Das Werk Christi wird hier also als die Grundlage des Segensstromes angedeutet. Der Strom entspringt dem Thron Gottes und des Lammes. Der Geist geht vom Vater und vom Sohn aus, der hier auf der Erde das Lamm Gottes geworden ist (Joh 14,26; 15,26; 16,7).

In Offenbarung 2,7 ist lediglich vom „Baum des Lebens, der in dem Paradies Gottes ist“ die Rede. Christus selbst verheißt in diesem Vers den Überwindern in der Versammlung in Ephesus, dass Er ihnen von diesem Baum zu essen geben wird. Hier fehlt also eine Beschreibung des Stromes; aller Nachdruck fällt auf den Baum des Lebens. Die Überwinder werden beim Herrn in der Herrlichkeit sein und werden sich von Ihm „ernähren“ dürfen. Er hat uns jetzt schon das ewige Leben geschenkt; wir besitzen es in Ihm. Aber dann wird Er selbst unser Erbteil sein, und wir werden frei von Ihm genießen können. Er, der das Zentrum aller Regierungswege Gottes ist (vgl. Off 5,6), ist auch der Mittelpunkt des Paradieses Gottes. Den Zugang zu Ihm kann uns niemand mehr verwehren. Es gibt keinen Cherub mit einem flammenden Schwert, der den Zugang versperrt. Bei Christus zu sein, bei Ihm im Paradies zu sein, ist weit besser (Phil 1,23).

So hat der Heiland selbst auch dem Übeltäter, der mit Ihm gekreuzigt war, verheißen: „Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lk 23,43). Der ungestörte Genuss vom Baum des Lebens sollte an demselben Tag noch sein Teil im Himmelsgarten sein. Was wird es sein, für immer bei dem Herrn zu sein! Der Glaube an den gekreuzigten Christus machte für diesen Mann den Zugang frei. Und das gilt für jeden, der sein Vertrauen auf den Herrn Jesus Christus setzt. Die Reinigung von Sünde und Schuld und das Bekleiden mit Kleidern des Heils öffnen den Zugang zum Paradies Gottes, so dass wir ein Recht auf den ewigen Genuss vom Baum des Lebens haben: „Glückselig die, die ihre Kleider waschen, damit sie ein Recht haben an dem Baum des Lebens und durch die Tore in die Stadt eingehen!“ (Off 22,14).

Das Wasser des Lebens ist für jeden, der Durst hat

Jetzt noch etwas, was das Wasser des Lebens betrifft. Aus 1. Mose 2 geht hervor, dass der Paradiesstrom nicht nur den Garten bewässerte, sondern auch die damalige Welt mit Wasser versorgte. Er teilte sich in vier Flüsse. Der Pison umfloss das Land Hawila, „wo das Gold ist“. Der Gihon umfloss das Land Kusch (Äthiopien). Und der Hiddekel (Tigris) und der Phrat (Euphrat) versorgten das ganze Zweistromland mit Wasser (1. Mo 2,10-13). Der Strom lebendigen Wassers bildete Erquickung für die ganze Erde.

So ist es auch in geistlicher Hinsicht. Das Wasser des Lebens entspricht nicht nur unseren eigenen Bedürfnissen als Gläubige, sondern es ergießt sich auch nach außen, um Segen zu verbreiten. Es ist nicht nur in uns selbst eine Quelle Wassers, das ins ewige Leben quillt, sondern der Strom lebendigen Wassers fließt auch aus unserem Innersten nach außen (Joh 4,14; 7,38). Es ist genug vorhanden, um eine durstige Welt zu laben, Gottes Gnadenangebot ist universell.

In Offenbarung 22 finden wir daher auch eine Einladung, die an jeden gerichtet ist, der Durst hat. Johannes schreibt: „Und wen da dürstet, der komme; wer da will, nehme das Wasser des Lebens umsonst“ (Off 22,17). Der Strom mit Lebenswasser fließt nicht nur in der Stadt selbst, dem neuen Jerusalem, damit die Bewohner sich daran laben können; der Segensstrom reicht weiter und ist für die verfügbar, die noch draußen sind. Das Heil in Christus ist umsonst zu bekommen. Alle Durstigen dürfen zu den Wassern kommen und trinken (Jes 55,1).

Die vier Ströme umspannen sozusagen die ganze Welt. Es sind große und schnellfließende Flüsse. Die Wasser bersten los und brausen; das kommt deutlich in den Namen der ersten drei Flüsse zum Ausdruck. Pison bedeutet „Strom“, Gihon heißt „der Brausende“ und Tigris (oder: Hiddekel) „pfeilschnell“. Der Name Euphrat bedeutet möglicherweise auch „fruchtbares Wasser“ - diese Bedeutung ist auch sehr passend, da das strömende Wasser Leben und Fruchtbarkeit bringt. Folglich bringt die Erde frisches Gras hervor, Gewächs, das Samen hervorbringt, und Fruchtbäume (1. Mo 1,11.12). 

Wenn wir Kinder Gottes geworden sind und in Gottes Garten „gepflanzt“ sind, dürfen wir für Ihn Frucht tragen (Rö 7,4). Wenn wir vom Baum des Lebens „gegessen“ haben, das ist Christus selbst, haben wir durch Ihn ewiges Leben bekommen. Dann können wir auch im Glauben wachsen und in geistlicher Hinsicht Fruchtbäume werden, die an Wasserbächen gepflanzt sind. Das Wasser des Lebens ist, wie gesagt, ein Bild des lebendig machenden Geistes, der in jedem wahren Gläubigen wohnt. Der Geist löscht nicht nur unseren eigenen Durst, sondern lässt uns auch Frucht bringen: Frucht für Gott und für den Nächsten. Die Frucht des Geistes ist nach dem Neuen Testament neunfacher Art: „Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit“ (Gal 5,22).

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