Auf dass Er uns zu Gott führe

Buße und neue Geburt

Denn euch gilt die Verheißung und euren Kindern und allen, die in der Ferne sind, so viele irgend der Herr, unser Gott, herzurufen wird. Und mit vielen anderen Worten beschwor und ermahnte er sie, indem er sagte: Lasst euch retten von diesem verkehrten Geschlecht! Die nun sein Wort aufnahmen, wurden getauft; und es wurden an jenem Tag etwa dreitausend Seelen hinzugetan.
(Apg. 2,39–41)

Nachdem nun Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat, gebietet er jetzt den Menschen, dass sie alle überall Buße tun sollen, weil er einen Tag festgesetzt hat, an dem er den Erdkreis richten wird in Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und er hat allen den Beweis davon gegeben, indem er ihn aus den Toten auferweckt hat. (Apg 17, 30–31)

Wir haben gestern Abend ein wenig betrachtet, wer Gott ist und auch, wer der Mensch ist, sowohl wer der Mensch war als von Gott erschaffen, und auch, wer er durch die Sünde geworden ist.

Nun haben wir soeben in Apostelgeschichte 17 gelesen, dass es „Zeiten der Unwissenheit“ gegeben hat. Das waren die Zeiten, in denen noch nicht vollständig klar ans Licht gekommen war, dass der Mensch durch und durch ein Sünder geworden ist. Gott wusste das allerdings schon von Anfang an. Bereits in 1. Mose 6,5 lesen wir: „Und der HERR sah, dass des Menschen Bosheit groß war auf Erden, und alles Gebilde der Gedanken seines Herzens nur böse den ganzen Tag.“ Gott wusste unmittelbar nach dem Sündenfall, was der Mensch geworden war. Doch der Mensch selbst wusste es noch nicht. Gott ist so gerecht, dass er unbedingt will, dass auch der Mensch selbst erkennen muss, dass Gott gerecht ist, wenn er den Menschen richtet. Er wird jedem Menschen einen überwältigenden Beweis seiner Schuld und Sündigkeit geben. Das wird uns sehr deutlich in Offenbarung 20,12 gezeigt, wo die Toten vor dem großen weißen Thron stehen. Dort werden Bücher geöffnet, und die Menschen werden nach ihren Werken gerichtet, die in diesen Büchern Gottes stehen. Zusätzlich wird dann das Buch des Lebens geöffnet und gezeigt, dass die Namen derer, die dann vor dem Thron Gottes stehen, nicht in dem Buch des Lebens verzeichnet sind. Das ist sozusagen der Gegenbeweis. Erst dann empfangen diese Menschen ihr Gericht, die Strafe für ihre Sünden. Gott braucht diese Bücher nicht, um sich der Sünden dieser Menschen zu erinnern, sondern um den Menschen zu zeigen, dass sie schuldig sind und dass sie anerkennen müssen, dass Gott vollkommen gerecht ist, wenn Er diese Menschen der ewigen Verdammnis im Feuersee übergibt.

Unter diesen Toten vor dem großen weißen Thron werden sich auch solche befinden, die bereits tausend Jahre zuvor als Lebendige auf dieser Erde von dem Herrn Jesus gerichtet wurden. In Matthäus 25 lesen wir, wie der Herr Jesus zu Beginn des 1000-jährigen Reiches auf diese Erde kommt und dann alle Nationen vor Ihm versammelt werden (V. 31.32). Sie werden dort im Blick auf ihr Verhältnis zu den „Brüdern“ des Herrn (V. 40), die während der großen Drangsalszeit das Evangelium des Reiches (Kap. 24,14) gepredigt haben, gerichtet. Diejenigen, die diese Boten aufnahmen und damit das Gute taten, werden in das Reich eingehen, die anderen hingegen werden gerichtet und getötet. Der Herr sagt zu ihnen: „Geht von mir, Verfluchte, in das ewige Feuer“ (V. 41). Und doch werden sie erst tausend Jahre später vor dem großen weißen Thron endgültig gerichtet. Gott kennt bereits in dem Augenblick, wo jemand diese Erde verlässt, dessen ewigen Zustand. In Prediger 11,3 heißt es: „Wo der Baum fällt, da bleibt er liegen.“ Es gibt also nach dem Tod keine Veränderung mehr. Wer nicht von neuem geboren ist, also nicht den Herrn Jesus im Glauben als seinen Heiland angenommen hat, wenn er diese Erde verlässt, ist für ewig verloren. Er steht von dem Augenblick an unter dem Gericht Gottes. In Lukas 16, in der Begebenheit von dem reichen Mann und dem armen Lazarus, sehen wir, wie der reiche Mann unmittelbar nach seinem Abscheiden seine Augen in dem Hades aufschlägt und dort in Qualen ist, ja, dass er, wie er selbst sagt, Pein leidet in dieser Flamme. Er befindet sich nun schon zweitausend Jahre dort im Hades und wird noch mindestens tausend Jahre dort sein, bevor er vor dem großen weißen Thron stehen wird, um für seine Taten endgültig gerichtet zu werden. Dann wird er sehen und anerkennen, dass Gott gerecht ist, wenn Er ihn in die Hölle wirft.

Gott hat vor dem Werk des Herrn Jesus auf dem Kreuz den Menschen viertausend Jahre lang Gelegenheit gegeben zu beweisen, dass sie nicht unverbesserlich wären und dass noch etwas Gutes in ihnen wäre. Er hat ihnen immer wieder neue Möglichkeiten gewährt, Ihm zu dienen. Doch der Mensch bewies, dass er unverbesserlich und dass nichts Gutes in ihm ist. Schließlich geschah das, was wir in 2. Korinther 5,19 lesen, „nämlich dass Gott in Christo war, die Welt mit sich selbst versöhnend, ihnen ihre Übertretungen nicht zurechnend.“ Gott selbst, Gott, der Sohn, der Schöpfer von Himmel und Erde, kam in Gnade auf diese Erde. Und Er ist es auch, der einmal das Gericht ausüben wird. Der Vater hat dem Sohn das ganze Gericht übergeben (Joh 5,22), und der Sohn wird das Gericht ausüben, weil Er des Menschen Sohn ist (5,27). Diese Tatsache ist wieder ein Beweis der Gerechtigkeit Gottes. Die Menschen werden von einem Menschen gerichtet. Dieser Mensch, Jesus Christus, wird nach dem Maßstab seines eigenen Lebens, so wie Er als Mensch hier auf der Erde gelebt hat, die Menschen richten. Kein Mensch wird sagen können: Was Gott verlangt, ist unmöglich, das kann niemand erfüllen. Der Richter würde antworten: Ich selbst bin ein Mensch. Ich habe dreiunddreißig Jahre auf der Erde gelebt und dort unter den denkbar schwierigsten Umständen den Willen Gottes getan, unter Umständen, die schwieriger waren als diejenigen, unter denen ihr jemals gelebt habt.

So hat Gott viertausend Jahre lang den Menschen Gelegenheit gegeben zu zeigen, ob sie bereit waren, Ihm zu dienen. Äußerlich hatten einige Menschen tatsächlich gesagt: Wir dienen Gott. Als der Herr Jesus auf diese Erde kam, berief sich das Volk darauf, das Volk Gottes zu sein und Gott zu dienen. Doch dann stellte sich heraus, wer der Mensch wirklich war. Gott selbst, der Schöpfer, der Höchste, kam auf diese Erde. Er kam nicht in seiner Herrlichkeit als Richter, wie sie in Offenbarung 1 und auch in 2. Thessalonicher 1 beschrieben wird, in flammendem Feuer, auch nicht wie Ihn Offenbarung 19 uns vorstellt, wo Er auf diese Erde kommt, um die westeuropäischen Armeen durch sein Wort zu vernichten; Er wurde als kleines Kind hier auf der Erde geboren, so dass niemand sich vor Ihm zu fürchten brauchte. Doch dieses kleine Kind war der Schöpfer! – Ist das nicht der Beweis, dass Gott den Menschen segnen wollte und dass Er kein harter Herr ist, wie der Knecht Ihn fälschlicherweise in Matthäus 25,24 nennt: „Herr, ich kannte dich, dass du ein harter Mann bist: du erntest, wo du nicht gesät, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast.“ Hier wurde offenbar, dass Gott in Güte und Gnade zu den Menschen kam: „Gott [war] in Christo ..., die Welt mit sich selbst versöhnend“ (2. Kor 5,19). Der Herr Jesus kam so auf die Erde, dass es vollkommen offenbar wurde, dass Er nicht kam, um zu richten, sondern um zu retten und die Menschen wieder mit Gott in Verbindung zu bringen. Was aber war die Antwort des Volkes, das sich rühmte, das Volk Gottes zu sein? Es brachte Ihn ans Kreuz, und die Führer dieses Volkes stachelten die Volksmenge auf, so dass sie riefen: Kreuzige ihn! Sie ermordeten ihren Schöpfer auf grauenhafte Weise. In seinen letzten Stunden dort auf dem Kreuz lästerten sie Ihn. Die Priester, die Er selbst eingesetzt hatte, damit sie als Mittler zwischen Gott und Menschen von Gott Gnade erbitten sollten für das Volk, brachten Ihn ans Kreuz. Und die Pharisäer waren es, die das Volk aufstachelten, den Herrn an das Kreuz zu schlagen. Gerade die, die sich rühmten, Lehrer des Gesetzes zu sein, hatten sich inmitten des Volkes Gottes, das Gott doch aus allen Nationen der Erde herausgenommen hatte, wiederum abgesondert, um mehr als das übrige Volk in Übereinstimmung mit Gottes Wort zu leben (Der Name „Pharisäer“ bedeutet: die Abgesonderten). Sie hielten sich für die Treuen, die das Gesetz genau beobachteten und Gott dienten. Mit ihnen verband sich die politische Macht. Sie erhöhten den Sohn Gottes von dieser Erde und erklärten damit: Gehe dorthin zurück, woher du gekommen bist. Wir wollen dich nicht. Damit verhielten sie sich wie die Weingärtner in dem Gleichnis in Matthäus 21, die zueinander sagten: „Dieser ist der Erbe; kommt, lasst uns ihn töten und sein Erbe in Besitz nehmen!“ (V. 38).

Bei dem Kreuz stellte sich heraus, wer der Mensch wirklich war. Es wurde nicht nur die Feindschaft der Menschen offenbar, sondern auch, dass ihre Feindschaft sich gegen das Gute richtete, das von Gott kam. Der Herr Jesus war „Gott, offenbart im Fleisch“ (1. Tim 3,16), und jeder, der Ihn sah, sah also Gott. Der Herr tat niemals etwas Böses. Er heilte Kranke, weckte Tote auf, reinigte Aussätzige, speiste Hungrige, tröstete Traurige und gab Blinden das Augenlicht wieder. Was war die Antwort der Menschen darauf? Sie hassten Ihn, und das einfach deshalb, weil Er gut war und die Gnade Gottes offenbarte. Dadurch zeigte sich der ganze Zustand des Menschen, nämlich dass er ein Feind Gottes ist, indem er es wagte, seinen Schöpfer zu verwerfen und, soweit das möglich war, Ihn zu ermorden.

Mit dem Kreuz sind die Zeiten der Unwissenheit zu Ende. Das Kreuz hat klar erwiesen, dass in keinem Menschen etwas Gutes ist. „Da ist keiner, der Gutes tue, da ist auch nicht einer“ (Röm 3,12). Und doch wollte Gott Menschen erretten. Ja, Gott ist Liebe, und seine Liebe möchte, dass Sünder errettet werden. Mit Ehrfurcht gesagt – Gottes Ehre forderte es sogar. Wir lesen in 1. Mose 1 und 2, dass, als Gott die Erde und den Menschen erschaffen hatte, alles gut war. Kurze Zeit später jedoch, wahrscheinlich nur einige Tage, lag der Fluch auf dieser Erde. Gottes gute Schöpfung war befleckt und hatte sich gegen Gott aufgelehnt. Scheinbar hatte Satan den Sieg über Gott errungen, indem er das, was Gott erschaffen hatte, zu seinem Sklaven gemacht und in Aufruhr gegen den Schöpfer gebracht hatte. Gott hätte alles sofort vernichten und in die Hölle werfen können, doch dann wäre erstens für alle Zeit die Frage offen geblieben, ob Gott wirklich Liebe ist, und zweitens hätte Satan sich rühmen können, Gott besiegt zu haben. Nein, Gott muss immer den Sieg behalten. So hat Gott in seiner Weisheit einen Weg gefunden, auf dem Er den Menschen erretten konnte, einen Weg, auf dem sowohl seine Liebe befriedigt wurde, auf dem Er aber zugleich gerecht blieb und einen moralischen Sieg über Satan davontrug. Wenn Gott nur durch seine Macht diesen Sieg errungen hätte – was Gott ohne weiteres hätte tun können –, hätte Satan immer noch sagen können: Ja, wenn ich allmächtig wäre, hätte ich das auch gekonnt. So musste Gott einen moralischen Sieg erringen.

Und das war nur möglich durch das Kreuz. Einerseits machte das Kreuz, wie gesagt, vollkommen offenbar, dass tatsächlich nichts Gutes in dem Menschen war, dass er ein Feind Gottes war und nicht vor dem Gipfel des Bösen zurückschreckte, indem er Hand an den Schöpfer legte und Ihn auf grausame Weise ermordete, was seine Verantwortlichkeit betrifft. In Wirklichkeit konnten sie Ihn nicht ermorden, denn Er selbst war es, der sein Leben ablegte (Joh 10,17+18). Doch was die Verantwortlichkeit des Menschen betrifft, so haben sie Ihn ermordet. Nun hat andererseits Gott gerade diese Tat zum Anlass genommen, Sich vollkommen zu offenbaren. Gerade durch das Kreuz hat Er bewiesen, dass Er gerecht ist, dass Er heilig ist und keinerlei Gemeinschaft mit der Sünde haben kann. Gott hat bewiesen, dass Er Liebe ist. Gott hat auf moralische Weise Satan besiegt, indem Er Sklaven Satans dazu brachte, seine Rechte anzuerkennen, sich zu bekehren und seine angebotene Gnade anzunehmen. Von den Thessalonichern wird gesagt, dass sie sich von den Götzenbildern zu Gott bekehrt hatten, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen und seinen Sohn aus den Himmeln zu erwarten (1.Thess 1,9+10). Gott bringt Menschen dazu, sich zu bekehren, ja, Er gebietet ihnen sogar seit dem Kreuz, Buße zu tun, wie wir in Apostelgeschichte 17 gelesen haben.

Ich habe nun zwei Begriffe gebraucht: Buße und Bekehrung, die ich etwas näher erklären möchte. Das Wort Bekehrung finden wir als Hauptwort nur in Apostelgeschichte 15,3. Das entsprechende griechische Wort epistrophä bedeutet soviel wie „sich herumdrehen und in eine andere Richtung gehen“. Das entsprechende Tätigkeitswort kommt z. B. vor in Matthäus 13,15 und Markus 4,12 und wird übersetzt mit „bekehren“. In Lukas 22,32 ist dasselbe Wort übersetzt mit „zurückkehren“. Das Wort Bekehrung bedeutet also eine Umkehr von einem falschen Weg. Das griechische Wort für Buße ist metanoia, was gut mit „Sinnesänderung“ wiedergegeben werden könnte. Beide Worte machen also klar, dass es um eine völlige Kehrtwendung des Menschen geht, sowohl seines Weges als auch seines Sinnes oder Denkens. Bis zum Zeitpunkt der Bekehrung sind alle Gedanken des Menschen böse. Er tut nur Böses, nicht ein einziges gutes Werk, und sucht auch Gott nicht. Wenn dieser Mensch nun als ein verlorener Sünder zu Gott kommt, um Gnade zu empfangen, hat bereits eine völlige Sinnesänderung stattgefunden. Diese Sinnesänderung beinhaltet auch, dass dieser Mensch Reue über das empfindet, was er getan hat und das auch vor Gott zum Ausdruck bringt.

Es geht bei der Bekehrung um zwei Dinge: erstens muss ein Mensch eine Kehrtwendung machen zu Gott. Bis dahin war, um im Bild zu sprechen, das Gesicht des Menschen Satan zugewandt, oder, wie es im 1. Thessalonicherbrief heißt, den Götzen; doch der Mensch muss umkehren und sich zu Gott wenden. Das kann allein das Ergebnis einer wirklichen Sinnesänderung sein, denn der natürliche Mensch sucht Gott nicht. Zweitens geht es darum, dass der Mensch mit dem Bekenntnis dessen, was er getan hat und was er ist, zu Gott geht. Gott ist Licht, und gar keine Finsternis ist in Ihm (1. Joh 1,5). Gottes Gnade ist unendlich groß, aber diese Gnade muss mit seiner Gerechtigkeit in Einklang stehen. Bei Gott gilt der Grundsatz, dass Er nur dann Sünde vergibt, wenn sie bekannt wird: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit“ (1. Joh 1,9). Deshalb gebietet Gott den Menschen, Buße zu tun, also ihren Sinn zu ändern und zu Ihm zu kommen, um ihre Sünde und Schuld zu bekennen, sie zu bereuen und sich selbst bei Gott anzuklagen. Gott hat das Recht, das zu fordern. Er hat den Menschen in den Jahrtausenden vor dem Kreuz Gelegenheit gegeben, zu zeigen, ob irgendetwas Gutes in ihnen war, doch sie bewiesen nur, dass nichts Gutes vorhanden war. Dann gab Er ihnen ein Beispiel, wie der Mensch sein sollte: Da war ein Mensch, dessen ganzes Leben die Erfüllung dessen war, was Gottes Wort von einem Menschen erwartet. Dieser Mensch erfüllte vollkommen die Rechte des Schöpfers, wie sie in 5. Mose 6,5 beschrieben werden: „Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft.“ Dieser eine Mensch hat das vollkommen erfüllt. Er war gehorsam bis zum Tode, ja, zum Tode am Kreuz, gehorsam in den schrecklichsten Umständen. So können nun alle Menschen an dem Beispiel dieses Menschen sehen, wie sie leben sollen. Sie haben keine Entschuldigung mehr, sie können nicht mehr sagen: Wir wussten nicht, wie wir Gott dienen und wie wir uns betragen sollten. Das Beispiel, das Gott selbst gegeben hat, ist der Mensch Christus Jesus. Nun haben wir gelesen, dass Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat und jetzt den Menschen gebietet, „dass sie alle allenthalben Buße tun sollen, weil er einen Tag gesetzt hat, an dem er den Erdkreis richten wird in Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat allen den Beweis davon gegeben, indem er ihn auferweckt hat aus den Toten“, und dieser Mensch, der hier auf der Erde vollkommen zeigte, was der Mensch nach den Gedanken Gottes sein sollte, wird auch einmal der Richter aller Menschen sein.

Die Bekehrung ist der einzige Weg, auf dem ein Mensch zu Gott kommen kann. Gott hat das Recht, diesen Weg zu bestimmen. Andererseits kann natürlich die Frage gestellt werden: Ist der Mensch überhaupt in der Lage, diesen Weg zu beschreiten? Dazu eine kurze Begebenheit: Ich hatte auf einer kleinen Insel in Holland das Evangelium verkündigt. Anschließend kam ein Mann auf mich zu und wendete ein: Ja, so einfach ist das nicht. Man kann sich nicht selbst bekehren, man hat gar nicht die Kraft dazu. Die muss einem gegeben werden. Der Mann hatte Recht. Nur die Schlussfolgerungen, die er daraus zog, waren falsch. Ich lud ihn zu einer Tasse Kaffee ein. Als der Kaffee vor uns stand, nahm er seine Tasse und trank. Ich sah ihn ganz erstaunt an und fragte: Wie können Sie die Tasse so einfach nehmen und trinken? Darauf antwortete er: Ja, warum denn nicht? Ich entgegnete: Muss Ihnen denn nicht erst die Kraft gegeben werden, die Tasse zu nehmen und zum Mund zu führen? Haben Sie selbst die Kraft, oder müssen Sie diese von Gott bekommen? Ja, natürlich, stimmte er zu, die muss ich von Gott bekommen. Ich fragte weiter: Sie haben also nicht gewartet, bis Ihnen diese Kraft gegeben würde, sondern die Tasse gleich genommen, nicht wahr? Dass die Tasse Kaffee dort stand, dass Gott sie gab, war für Sie schon der Beweis, dass Gott auch die Kraft geben würde, zu trinken – sonst hätte Er die Tasse Kaffee nicht gegeben. So ist es auch, wenn Gott einem Menschen befiehlt, sich zu bekehren: dann gibt Er auch die Kraft, das zu tun. Gott verlangt niemals etwas, was unmöglich ist, sonst wäre diese Forderung eine Ungerechtigkeit. Wenn Gott etwas verlangt oder gebietet, gibt Er auch die Kraft, das zu tun. Deshalb steht am Ende der Offenbarung, im letzten Kapitel des Wortes Gottes, noch einmal: „Und wen da dürstet, der komme; wer da will, nehme das Wasser des Lebens umsonst.“

Hier in Apostelgeschichte 17 haben wir also gelesen, dass Gott nun den Menschen befiehlt, Buße zu tun. Das ist der einzige Weg, auf dem ein Mensch zu Gott kommen kann: Es muss eine Sinnesänderung bei ihm stattfinden, er muss Buße tun über seine Sünden. Ein Beispiel dafür finden wir in Lukas 15, als der verlorene Sohn sich seines Elends bewusst wurde und schließlich zu sich selbst kam und sagte: „Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen, und will zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir ... Und er machte sich auf und ging zu seinem Vater“ (V. 18.20). In diesem Augenblick hatte eine Sinnesänderung bei ihm stattgefunden. Zu Beginn dieser Geschichte war der Sohn von seinem Vater fortgegangen und hatte ihm den Rücken zugewandt. Nun stand er auf, machte eine Kehrtwendung und ging in die entgegengesetzte Richtung. Er sagte: „Ich will zu meinem Vater gehen.“ Und wie wollte er vor den Vater treten? Mit den Worten: „Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir.“ Er wollte also bekennen, dass er ein verlorener Sünder war. Das ist der einzig mögliche Weg, auf dem Gott Sünden vergeben kann: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit“ (1. Joh 1,9). Es hätte nicht ausgereicht, wenn der verlorene Sohn das alles nur gesagt hätte – er musste aufstehen und wirklich zu seinem Vater gehen. So ist es auch nicht genug, wenn ein Mensch sagt: Ich bin ein Sünder. Er muss auch zu Gott gehen, um sich selbst bei Gott anzuklagen. Das ist der Beweis dafür, dass wirklich eine Sinnesänderung stattgefunden hat. Viele Menschen sind leicht bereit, anzuerkennen, dass alle Menschen Sünder sind. Das ist jedoch nicht dasselbe, wie zu Gott zu sagen: Ich bin ein verlorener Sünder, und wenn Du gerecht bist, musst Du mich in die Hölle werfen. Aber das ist die unbedingte Voraussetzung, dass Gott Sünden vergeben kann. Das ist in dem Ausdruck „Buße tun“ eingeschlossen.

Gott lädt also die Menschen ein, zu kommen und das Wasser des Lebens umsonst zu nehmen, und andererseits befiehlt Er ihnen, Buße zu tun, sich zu bekehren. Dieser Befehl gilt auch heute noch. Er gilt für jeden Menschen auf der Erde. Der Mensch ist verantwortlich, diesem Befehl zu entsprechen. Wenn Gott etwas befiehlt, gibt Er auch die Kraft, den Befehl auszuführen, wie ich soeben an dem Beispiel deutlich zu machen versucht habe. Wenn ein Sünder sich bekehren will, gibt Gott ihm auch sofort die Kraft dazu. Doch das Furchtbare ist, dass der Mensch gar nicht will. Römer 3,11+12 sagt ja: „Da ist keiner, der Gott suche“, und weiter: „Da ist keiner, der Gutes tue, da ist auch nicht einer.“ Es gibt auch nicht einen einzigen Menschen, der zu Gott kommen will, um Gnade anzunehmen. Vor einigen Jahren schrieb ein Theologieprofessor in Holland (ich zitiere frei aus dem Gedächtnis): Ich will keine Gnade. Wenn schon jemand für mich sterben musste, dann kann ja mein Hund das haben, was für mich dabei herauskommt. Ich will selbst für mich verantwortlich sein. Das ist die Sprache eines Theologen, der bekennt, ein Christ zu sein. Das ist der Zustand des natürlichen Menschen.

Von Natur aus will der Mensch sich überhaupt nicht bekehren. Dabei hat ein Mensch noch nicht einmal das Recht auf einen eigenen Willen. Er darf nicht sagen: Ich will Gott nicht dienen, oder: Ich will einmal in die Hölle und nicht in den Himmel. In diesem Sinn hat der Mensch keinen freien Willen. Er hat zwar die Möglichkeit, sich so oder so zu entscheiden, aber er ist nicht frei in dieser Entscheidung: als Geschöpf ist er verpflichtet, Gott zu gehorchen. Alles andere ist Sünde. Und was Sünde ist, wird in 1. Johannes 3,4 sehr klar definiert: „Die Sünde ist die Gesetzlosigkeit.“ Gesetzlosigkeit ist das Außerachtlassen oder das Nicht-Anerkennen einer Autorität über mir, der ich mich zu unterwerfen habe. Als Geschöpf habe ich nur das zu tun, was der Schöpfer mir aufträgt. In Kolosser 1,16 lesen wir, dass der Herr Jesus alle Dinge für Sich selbst erschaffen hat, das heißt zu seinem eigenen Nutzen. Das Geschöpf hat deshalb nur die Aufgabe, seinem Schöpfer mit allen seinen Fähigkeiten und Kräften zu dienen. Wie vollkommen hat der Herr Jesus diesen Platz als Mensch eingenommen; Er konnte von Sich selbst sagen: „Meine Speise ist, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat“ (Joh 4,34), und: „Siehe, ich komme, um deinen Willen zu tun“ (Hebr 10,9).

Der Mensch ist also in der Lage zu wählen – und er hat gewählt. Es gab keine Notwendigkeit für Adam und Eva, zu sündigen, doch sie hatten die Möglichkeit – wenn auch nicht das Recht – zu wählen, ob sie Gott oder Satan dienen wollten. Sie haben das Letztere gewählt und sind in Sünde gefallen. Das ist der Zustand jedes natürlichen Menschen, er ist ein Sünder. Und das Schreckliche dabei ist, dass der Mensch nicht in der Lage ist, irgendetwas Gutes zu tun, nicht, weil Gott ihm nicht die Kraft dazu geben würde, sondern weil er selbst es nicht will. „Da ist keiner, der Gott suche“ (Röm 3,11), und: „Alles Gebilde der Gedanken seines Herzens (ist) nur böse den ganzen Tag“ (1. Mo 6,5). Wenn die Gedanken eines Menschen nur böse sind, wird er niemals den Wunsch haben, etwas Gutes zu tun. Das erste Gute, das ein Mensch tun kann, ist, dass er zu Gott geht und sagt: Ich bin ein verlorener Sünder. Dann antwortet Gott: Das habe ich immer gesagt. Jetzt gibst du zum ersten Mal zu, dass ich die Wahrheit sage. Das ist der erste gute Gedanke, den du in deinem Leben gehabt hast. Und wenn der Mensch sagt: Wenn Du gerecht bist, musst Du mich in die Hölle werfen, dann sagt Gott: Das ist richtig. Aber der natürliche Mensch sagt das nicht. Er geht nicht als Sünder zu Gott, denn er hasst Gott. Seine Natur ist so verderbt, dass er das nicht will. Auch, wenn Gott bereit ist, ihm die nötige Kraft zu geben – der Mensch will trotzdem nicht. Der Zustand des natürlichen Menschen ist einfach hoffnungslos, und wenn Gott nicht in seiner Gnade eingegriffen hätte, wäre kein Mensch errettet worden. Alle Menschen wären verloren gegangen, weil sie die Gnade nicht annehmen wollen. In welcher Weise wirkt Gott nun, um Menschen zur Buße und zur Bekehrung zu bringen und sie zu erretten? Durch die neue Geburt.

Wir finden die neue Geburt in Johannes 3. Des Zusammenhangs wegen lesen wir ab Kapitel 2,23: „Als er aber in Jerusalem war, am Passah, auf dem Fest, glaubten viele an seinen Namen, als sie seine Zeichen sahen, die er tat.“ Wenn man diese Verse oberflächlich liest, könnte man den Eindruck haben, als handle es sich hier um Gläubige, um Kinder Gottes. In Kapitel 1,12 lesen wir nämlich: „So viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben.“ Hier steht ja, dass sie an seinen Namen glaubten. Trotzdem folgt in Vers 24: „Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an, weil er alle kannte und nicht bedurfte, dass jemand Zeugnis gebe von dem Menschen; denn er selbst wusste, was in dem Menschen war.“ Sie glaubten nämlich an seinen Namen, als sie die Zeichen sahen, die Er tat. Es können hier auf der Erde Dinge geschehen, die selbst Gottesleugner zu der Erkenntnis zwingen: Das ist die Stimme Gottes. Als Aaron auf den Staub der Erde schlug und dieser zu Stechmücken wurde, mussten die Schriftgelehrten des Pharao, die Zauberer, anerkennen: Das ist Gottes Finger (2.Mo 8,16–19). Sie konnten das nicht leugnen. Und als der Herr Jesus hier diese Zeichen tat, mussten viele anerkennen: Das sind Zeichen von Gott. Wer diese Zeichen tut, muss ein Prophet sein, einer, der übernatürliche Kräfte hat. Doch das hat nichts mit einer Bekehrung zu tun. Satan zweifelt keinen Augenblick daran, dass der Herr Jesus der Sohn Gottes, der Schöpfer des Himmels und der Erde ist. Er zweifelt keinen Augenblick daran, dass der Herr Jesus wiederkommen wird zum Gericht und dass er ihn und alle seine Dämonen und alle Menschen richten wird. Er zweifelt auch nicht daran, dass die Bibel Gottes Wort ist. Er übt keine Bibelkritik. Er weiß, dass jeder Buchstabe der Bibel das lebendige Wort Gottes ist. Und doch werden Satan und seine Dämonen ewig in der Hölle sein. Sie wissen es jetzt schon. Sie sagten zu dem Herrn Jesus, als Er hier auf der Erde war: „Bist du hierher gekommen, vor der Zeit uns zu quälen?“ (Mt 8,29).

Erkenntnis allein rettet einen Menschen nicht. Es reicht nicht aus, dass man anerkennt, dass es einen Gott gibt und dass der Herr Jesus der Sohn Gottes ist. Die verstandesmäßige oder selbst die gefühlsmäßige Überzeugung, dass der Herr Jesus der Sohn Gottes Ist, reicht nicht aus, ebenso wenig wie die Überzeugung, dass der Mensch ein Sünder ist. Vor einigen Jahren besuchte ich ein Ehepaar in Winschoten. Eine Schwester aus einem anderen Ort hatte mir geschrieben und mich um diesen Besuch gebeten. Sie hatte die Frau kennen gelernt und den Eindruck gewonnen, dass sie für das Wort Gottes empfänglich sei. Ich sprach also mit dem Ehepaar und fragte, ob sie glaubten, dass sie Sünder seien. Beide bejahten diese Frage. Daraufhin fragte ich weiter: Glauben Sie, dass der Herr Jesus gekommen ist, Sünder zu erretten? Wiederum stimmten sie zu. Darauf war ich so unweise zu sagen: Lasst uns niederknien und beten. Ich selbst betete und auch das Ehepaar. Sie beteten, dass der Herr ihnen gnädig sein möge, und bekannten, dass sie Sünder waren. Doch als ich aufstand, wusste ich, dass ich mich gründlich geirrt hatte und dass sie keineswegs bekehrt waren. Die spätere Erfahrung hat das bestätigt. Sie blieben genau dieselben, die sie auch vorher waren. Ihr Verstand wusste, dass sie gesündigt hatten, und sie zweifelten auch nicht daran, dass der Herr Jesus der Sohn Gottes ist und dass Er für Sünder gekommen war. Aber ihr Gewissen war niemals im Licht Gottes gewesen. Ihr Gewissen wusste nichts davon, dass sie Sünder waren. Sie waren nicht wirklich bekehrt, sie hatten keine wirkliche Buße getan – es war nur eine verstandesmäßige oder gefühlsmäßige Kenntnis gewesen. Dadurch aber kann ein Mensch nicht errettet werden.

So lesen wir auch hier am Ende von Johannes 2, dass die Menschen an den Herrn Jesus um der Zeichen willen glaubten, die Er getan hatte. Sie wollten und konnten nicht leugnen, dass Er mehr war als ein Mensch. Doch der Herr vertraute sich ihnen nicht an. Äußerlich mochte es den Anschein haben, dass sie Kinder Gottes waren. Aber es traf auf sie nicht zu, was wir in Johannes 1,12 von den Kindern Gottes lesen, dass sie „nicht aus Geblüt, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.“

Unter diesen Menschen nun war einer, der zu dem Herrn kam. Hier steht: „Es war aber ein Mensch ...“ Es war zwar einer von diesen Menschen, doch einer, in dem Gott ein Werk begonnen hatte. Die anderen glaubten, Jesus sei der Messias. Doch dieser Glaube, der nicht weiterging als ein Fürwahrhalten, weckte in ihnen nicht den Wunsch, zu Ihm zu gehen und mit Ihm in Verbindung zu treten. Bis auf Nikodemus, der fühlte, dass er ein verlorener Mensch war und auch, dass das, was ihm fehlte, nur bei dem Herrn Jesus zu finden war. Er wusste noch nicht, was er brauchte. Er dachte, dass ihm Erkenntnis fehle. Das war es nicht. Er kannte sich selbst nicht, wie die meisten Menschen sich nicht selbst kennen. Aber es drängte ihn, zu dem Herrn Jesus zu gehen. Und der Herr zeigte ihm, was ihm fehlte. Hier sehen wir, was Gott in seiner Gnade in den Menschen wirkt. Wir sehen, auf welche Weise jeder von uns, der nun ein Kind Gottes ist, zur Bekehrung und zu Gott gekommen ist. Bekehrung und Errettung sind nicht dasselbe. Bekehrung ist der Anfang auf dem Weg zur Errettung, und nur, wenn man diesen Weg geht, kann man errettet werden.

Das sehen wir auch hier bei Nikodemus. Wer war dieser Mann, der hier kam? Erstens gehörte er zu dem auserwählten Volk Gottes, das das Wort Gottes hatte und sich rühmte, das Volk Gottes zu sein. Zweitens war er darüber hinaus ein Pharisäer und nahm dadurch innerhalb dieses Volkes noch einen abgesonderten Platz ein, um besonders für Gott geheiligt zu sein. Drittens war er ein Oberster der Juden und gehörte dem Synedrium an, er war also einer der siebzig Männer, die die Führung über das Volk innehatten und darauf achteten, dass das Gesetz beobachtet wurde. Viertens lesen wir in Vers 10, dass der Herr Jesus zu ihm sagt: „Du bist der [nicht: ein] Lehrer Israels.“ Er war also derjenige, der das Volk unterwies, wer Gott ist und was das Wort Gottes beinhaltet. Dieser Mann nun kam zu dem Herrn Jesus und erwies Ihm die höchste Ehre, die man einem Menschen erweisen kann, indem er sagte: „Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, von Gott gekommen, denn niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm“ (V. 2). Nikodemus sagte gleichsam: Du bist mehr als ein Mensch. Normalerweise ist ein Prophet von Gott gesandt, doch Nikodemus sagt: „ ... von Gott gekommen“. Als Antwort hierauf sagt der Herr Jesus: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen“ (V. 3). Der Herr Jesus wusste, dass es Nikodemus nicht an Erkenntnis mangelte, sondern dass er etwas ganz anderes brauchte, eine neue Natur; eine Natur, die Gott nicht feindlich gesinnt ist, die nicht böse ist, sondern die Gott gehorchen und das tun will, was Er verlangt; eine Natur, die bereit ist, alles zu bekennen, was böse ist, die bereit ist, die Gedanken Gottes und sein Urteil über den Menschen anzunehmen – ja, durch die der Mensch sich so sieht, wie Gott ihn sieht.

Das war es, was Nikodemus fehlte, nicht Erkenntnis. Ich habe bereits gesagt, dass Satan viel Erkenntnis über Gott und auch den Herrn Jesus hat. Trotzdem wird er niemals errettet werden. Ein Mensch mag glauben, dass es einen Gott gibt, dass der Herr Jesus der Sohn Gottes ist, dass die Bibel das Wort Gottes ist. Er wird trotzdem verloren gehen, wenn nicht diese beiden Dinge in seinem Leben stattfinden: die Bekehrung und die neue Geburt. Wir sprechen häufig im Blick auf die neue Geburt von der „Wiedergeburt“, doch dieser Ausdruck ist nicht ganz richtig. Die Wiedergeburt ist nicht dasselbe wie die neue Geburt, von der der Herr Jesus hier spricht 1. Das Wort, das der Herr hier benutzt, weist darauf hin, dass jemand ganz und gar von neuem geboren wird. Die Fußnote sagt zwar: „von oben her“, und das kann auch grundsätzlich die Bedeutung des griechischen Wortes sein, doch ich glaube nicht, dass das hier gemeint ist. Es bedeutet einfach: geboren aus einer ganz neuen Quelle, auf eine ganz neue Weise, also völlig anders als der natürliche Mensch. Es hätte Nikodemus nichts genützt, auch wenn er zehnmal auf dieselbe Weise geboren wäre wie bei seiner ersten Geburt.

In 1.Mose 5,3 lesen wir, dass Adam einen Sohn in seinem Gleichnis zeugte, d. h. dass Seth seinem Vater moralisch gleich war. Weil Adam ein Sünder war, war auch Seth ein Sünder. Seth hatte die Natur seines Vaters Adam. Von dem Herrn Jesus sagt Gottes Wort, dass Er der zweite Mensch ist (1.Kor 15,47). Obwohl es nach Seth Milliarden von Menschen gegeben hat, sagt Gott doch nur in Bezug auf den Herrn Jesus, als Er auf die Erde kam und Mensch wurde: Er ist der zweite Mensch, der letzte Adam. Es wäre zwar nicht falsch, Ihn den zweiten Adam zu nennen, doch Gottes Wort sagt: „der letzte Adam“, weil es keinen dritten Adam mehr geben wird. Alle Nachkommen Adams werden in dem ersten Adam gesehen, weil sie aus ihm geboren sind und dieselbe Natur und dasselbe Leben haben: ein Leben des Widerstandes gegen Gott als gefallene Sünder, als Feinde Gottes. Deshalb sagt der Herr Jesus zu Nikodemus: Wer du auch bist, du musst in ganz neuer Weise, aus einer ganz neuen Quelle geboren werden. Er musste aus Gott geboren werden (Joh 1,13). War jemand, menschlich gesprochen, frommer als Nikodemus? Nahm jemand einen bevorrechtigteren Platz ein? War jemand, nach menschlicher Sicht, besser für den Himmel geeignet als er? Nein, sagt der Herr Jesus: „Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen“ (V. 3). Als Nikodemus durch seine Frage zu erkennen gibt, dass er das nicht versteht, fügt der Herr Jesus hinzu: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand aus Wasser und Geist geboren werde, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen“ (V. 5).

Dieser große Lehrer Israels musste hören, dass er das Reich Gottes nicht einmal sehen, geschweige denn in dieses Reich eingehen konnte. Der Herr Jesus spricht hier über das 1000-jährige Reich, das aus dem Alten Testament als die herrliche Zukunft des Volkes Israel bekannt war. Nikodemus kannte die Stellen, die davon sprachen (vgl. Jes 44,3; Jer 31,33; Hes 36,25.26). Er war ein Pharisäer und Lehrer. Er hatte das Wort Gottes studiert. Wir können überzeugt sein, dass er das Alte Testament besser kannte als irgendjemand von uns, d. h. dass er den Wortlaut in sich aufgenommen und darüber nachgedacht hatte. Er verstand selbstverständlich nicht die geistliche Bedeutung des Alten Testamentes, denn dazu ist es nötig, dass jemand von neuem geboren ist und den Heiligen Geist in sich wohnend hat. Außerdem kennen auch wir die geistliche Bedeutung des Alten Testamentes nur, weil jetzt das Licht des Neuen Testamentes darauf fällt. Doch dem Wortlaut nach kannte Nikodemus das Alte Testament sehr gut. Und nun sagt der Herr zu ihm, der glaubte, alles über dieses Reich zu wissen: Du kannst dieses Reich weder sehen noch hineingehen. Das ist der natürliche Zustand selbst des frömmsten Menschen hier auf der Erde. Er ist unfähig, die geistlichen Dinge zu sehen und zu verstehen. Nikodemus' eigene Worte bewiesen, dass der Herr Jesus Recht hatte. Er zollte dem Herrn die größte Ehre, die einem Menschen gegeben werden kann, indem er eigentlich sagte, dass der Herr mehr war als ein Mensch: doch war das nicht gerade der Beweis, dass er durchaus nicht wusste, wer vor ihm stand? Wird jemand, der den Herrn Jesus als Gott, den Sohn, als den Schöpfer des Himmels und der Erde kennt, zu Ihm sagen: Du bist ein Lehrer, von Gott gekommen? In Hebräer 1 lesen wir, dass Gott früher in den Propheten zu den Vätern geredet hatte, dass Er aber nun im Sohn sprach. Dieser Ausdruck im Sohn bedeutet im Griechischen beinahe soviel wie „als Sohn“. Gott sprach als Sohn. Der HERR selbst, der König des Reiches, stand hier vor Nikodemus. Und Nikodemus erkannte Ihn nicht, sah nicht, wer Er war. Das war der Beweis, dass Nikodemus das Reich Gottes nicht sehen konnte. Die Antwort des Herrn Jesus war ja: „Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ Es können also nur die das Reich Gottes sehen und in dieses Reich eingehen, die Ihn kennen als Den, der Er wirklich ist: Gott, der Sohn, der auf diese Erde kam, um das Reich Gottes zu errichten. Dazu ist es also nötig, von neuem geboren zu sein, aus einer völlig neuen Quelle, in einer völlig neuen Weise, nämlich wie wir in Vers 5 lesen, „aus Wasser und Geist“.

Hier haben wir die Lehre des Herrn Jesus selbst, des großen Lehrers, des Sohnes Gottes, der aus dem Himmel gekommen ist, um klarzumachen, wie ein verlorener Sünder errettet werden kann und wie ein Mensch, der durch und durch verdorben ist, dennoch mit Gott in Verbindung kommen kann, nämlich durch die neue Geburt. Das, was der Mensch tun muss – sich bekehren und Buße tun –, reicht nicht aus, sondern Gott bewirkt zugleich in einem Menschen durch ein Werk der Gnade die neue Geburt.

Nehmen wir einmal an, ich wäre zu Gott gekommen, hätte meine Sünden vor Ihm bekannt, und es wäre weiter nichts geschehen. Was wäre dann mit mir? Ich hätte immer noch die alte Natur des Menschen, von dem Gott sagt, dass das Gebilde der Gedanken seines Herzens nur böse ist den ganzen Tag (1. Mo 6,5). Könnte Gott eine solche Natur in seiner Nähe ertragen und in seine Herrlichkeit aufnehmen? Nein, das ist unmöglich, denn diese Natur kann nicht verändert werden. Gott hat von Adam an bis zu dem Werk des Herrn Jesus dem Menschen immer wieder Gelegenheit gegeben, sich zu ändern, und hat ihn dazu in alle möglichen Umstände gebracht und ihm alle Hilfsmittel gegeben. Doch es stellte sich heraus, dass der Mensch das nicht konnte. Ein Mensch kann seine Natur genauso wenig ändern, wie ein Tier eine menschliche Natur annehmen kann. Ich kann einem Tier die Möglichkeit geben, meine Wohnung mit mir zu teilen, das Tier würde sich jedoch niemals ändern. So kann auch Gott einen Menschen, wie er von Natur ist, nicht in seiner Gegenwart haben, selbst wenn der Mensch nicht einmal Schuld daran hätte, dass er die sündige Natur hat. Selbst ein kleines Kind, das gerade geboren ist, noch keine sündige Tat getan und also noch keine Schuld auf sich geladen hat, kann nicht in die Gegenwart Gottes kommen. Gott ist Licht, und gar keine Finsternis ist in Ihm, Er kann nichts in seiner Gegenwart dulden, was eine sündige, böse Natur hat. Der frömmste Mensch, der äußerlich die höchsten Vorrechte genießt und vielleicht wenig gesündigt hat, braucht doch eine neue Natur. Selbst der Apostel Paulus, der von sich sagen konnte, dass er, was die Gerechtigkeit nach dem Gesetz betrifft, tadellos war (Phil 3,6), hatte eine gottfeindliche Natur. Bevor ein Mensch in Gottes Gegenwart treten kann, muss er eine neue Natur haben, die eine gänzlich andere Quelle hat als die alte Natur. Er braucht eine Natur, die völlig in Übereinstimmung mit Gott ist.

Vielleicht klingt es für manche befremdend, dass im Johannesevangelium nicht von Vergebung der Sünden die Rede ist. Denn es geht in diesem Evangelium nicht um die Sünden, sondern um die sündige Natur des Menschen. Selbst Johannes 20,23 ist darin keine Ausnahme. Hier handelt es nämlich darum, dass die Jünger Sünden vergeben sollten, doch das hat nichts mit Vergebung von Sünden für die Ewigkeit zu tun, sondern wir könnten sagen, mit „administrativer Vergebung“. Es ist eine „verwaltungsmäßige“ Vergebung für diese Erde, die die Versammlung Gottes oder ein Evangelist jemandem geben kann, der seine Sünden vor Gott bekannt hat und aufrichtig Buße getan hat. Ein Beispiel hierfür wäre: Wenn die Versammlung jemanden zum Tisch des Herrn zulässt, so anerkennt sie ihn als einen Gläubigen, dessen Sünden vergeben sind, und sagt somit gleichsam: Bruder, du darfst nun deinen Platz am Tisch des Herrn einnehmen, du bist kein Sünder mehr. Wir vergeben dir deine Sünden. Das hat selbstverständlich nichts mit der Ewigkeit zu tun, sondern nur mit der Stellung eines Menschen hier auf der Erde.

Wie gesagt, geht es also im Johannesevangelium darum, dass ein Mensch eine neue Natur empfangen muss, um in die Gegenwart Gottes kommen zu können. Das ist auch in dem Ausdruck „ewiges Leben“ enthalten (Joh 3,15.16). Dieser Ausdruck geht noch viel weiter als das, was wir bisher gelesen haben (V. 3.7). Der Herr Jesus sprach dort über das, was grundsätzlich nötig ist; und weil es dort um das Reich Gottes ging, im Hinblick auf das, woran Nikodemus dachte (nämlich das 1000-jährige Reich), sagte der Herr dort nichts über die besondere Art und Weise, wie wir von neuem geboren werden, und über das, was wir empfangen haben in dem Augenblick, als wir die neue Geburt empfingen.

Ewiges Leben ist weitaus mehr als von neuem geboren zu sein. Es geht bei diesem Ausdruck um das Wesen dieses neuen Lebens, das wir empfangen. Mit wir meine ich alle, die nach der Auferstehung des Herrn Jesus bis zur Entrückung der Versammlung das neue Leben erhalten haben bzw. noch erhalten werden. Das ewige Leben ist das besondere Teil, das wir Christen erhalten und das mit dem Himmel in Verbindung steht, nicht mit dieser Erde. Auch alle alttestamentlich Gläubigen waren von neuem geboren, so wie auch alle Gläubigen in der Zeit nach der Entrückung der Versammlung von neuem geboren sein werden. Kein Jude, der nicht von neuem geboren ist, wird in das 1000-jährige Reich eingehen (Jes 60,21). Das ist aber nicht dasselbe wie das Empfangen des ewigen Lebens. Bei der neuen Geburt geht es um den Ursprung des neuen Lebens, nämlich aus Wasser und Geist. Es ist die göttliche Natur. Das ewige Leben ist die reichste Form dieses neuen Lebens. Der Herr Jesus sagt im Blick auf dieses Leben in Johannes 10,10: „Ich bin gekommen, damit sie Leben haben und es in Überfluss haben.“ Und in Johannes 17,3 sagt der Herr: „Dies aber ist das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen.“ Das sind unsere Vorrechte heute, dass wir durch das ewige Leben den Vater und den Sohn kennen. Das sind Segnungen, die weit über die Segnungen des Alten Testamentes hinausgehen. Auch die alttestamentlich Gläubigen hatten neues Leben, doch wir erfahren die besondere Gnade, dass wir Leben in Überfluss haben, ein Leben, das in Verbindung mit dem Himmel steht. Es ist das Auferstehungsleben des Herrn Jesus. Das wird uns schon sehr klar in Johannes 3,14+15 vorgestellt, wo wir lesen, dass der Sohn des Menschen (auf dem Kreuz) erhöht werden musste, also sterben musste, damit wir das ewige Leben empfangen konnten. Wir hoffen, uns an einem der nächsten Abende ausführlicher mit dem ewigen Leben zu beschäftigen.

Nun, in Johannes 3,5 wird uns deutlich mitgeteilt, wie das neue Leben zustande kommt: geboren aus Wasser und Geist. Das Wasser ist ein Bild des Wortes Gottes. Das wissen wir aus anderen Stellen der Schrift. Wir lesen z.B. in Epheser 5,25+26, dass „der Christus die Versammlung geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat, damit er sie heiligte, sie reinigend durch die Waschung mit Wasser durch das Wort.“ Wir finden in der Schrift auch andere Bilder von dem Wort Gottes, z. B. wird das Wort verglichen mit einem Hammer, der Felsen zerschmettert (Jer 23,29), oder auch mit einem Schwert (Eph 6,17; Offb 1,16). Doch hier in Johannes 3 wird das Wort im Bild des Wassers gesehen, nämlich das Wort Gottes in seiner reinigenden Kraft. Die neue Geburt findet statt durch Wasser und Geist. Das bedeutet, dass der Heilige Geist das Wort Gottes auf Herz und Gewissen anwendet und dass der Mensch dadurch zur Erkenntnis seiner Sünde kommt, zu aufrichtiger Buße und Selbstgericht. Der Geist Gottes führt einen Menschen zum Bekenntnis seiner Sünde, so dass der Wunsch in dem Herzen eines Menschen aufkommt, wie bei dem verlorenen Sohn: „Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen, und will zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir“ (Lk 15,18). Das ist Selbstgericht. Nach menschlichen Vorstellungen ist das das Dümmste, was man tun kann: zu seinem Richter gehen und zu ihm sagen: Wenn du gerecht bist, musst du mich verurteilen; wenn du mich nicht verurteilen würdest, wärest du nicht gerecht. Genau das tut jemand, der sich bekehrt und Buße tut: Er geht zu Gott und klagt sich an mit den Worten: Ich habe das ewige Gericht verdient; wenn Du gerecht bist, musst Du mich in die Hölle werfen.

Die neue Geburt ist ein Werk des Heiligen Geistes mittels des Wortes Gottes. Wir finden diese Wahrheit bestätigt in Jakobus 1,18 und auch in 1. Petrus 1,22+23. In beiden Stellen ist es das Wort Gottes als der Same dieser neuen Geburt. Einerseits zeigt der Heilige Geist einem Menschen durch das Wort Gottes seinen verlorenen Zustand, doch im gleichen Augenblick wirkt derselbe Geist durch dasselbe Wort ein neues Leben in ihm.

Das sind also die beiden Seiten: die Bekehrung und die neue Geburt. Beide geschehen in demselben Augenblick, und beide sind das Werk des Heiligen Geistes. Der Unterschied ist der, dass die Bekehrung die Seite der Verantwortung des Menschen ist, denn er wird aufgefordert, sich zu bekehren. Doch in Wirklichkeit ist auch das das Werk des Heiligen Geistes, der uns zum Bekenntnis unserer Sünde führt. Die andere Seite ist die neue Geburt, die uns das souveräne Wirken Gottes in Gnade vorstellt. Im Augenblick unserer Bekehrung wissen wir nichts von diesem Werk Gottes in uns, doch später, wenn wir das Wort Gottes kennen lernen, lernen wir auch das verstehen. Von der Praxis her könnten wir, sobald wir uns bekehrt haben, wissen, dass wir von neuem geboren sind, denn von diesem Augenblick an wünschen wir Gott zu dienen, hassen im Grunde die Sünde und möchten die Ehre Gottes suchen, selbst wenn es uns oft nicht gelingt. Gerade die Tatsache, dass der Wunsch in uns vorhanden ist, Gott zu dienen, beweist, dass wir von neuem geboren sind. Vorher wünschten wir das durchaus nicht. Wir sehen also hier, wie beides zusammengehört: Der Heilige Geist wendet das Wort auf Herz und Gewissen an, und wir erkennen dadurch, dass wir verlorene Sünder sind und klagen uns vor Gott an. Auf der anderen Seite wirkt der Heilige Geist in uns durch das Wort das neue Leben. Dieses Leben hat den Charakter des Geistes, wie der Herr selbst sagt: „Was aus dem Geist geboren ist, ist Geist.“ Es hat den Charakter des Heiligen Geistes, d. h. dass dieses Leben abgesondert von allem Bösen und in vollkommener Übereinstimmung mit Gott ist. Gott, der Heilige Geist, hat es gewirkt, so dass es göttliches Leben ist. Für uns hat es zudem noch den Charakter des ewigen Lebens.

Abschließend möchte ich noch einmal zusammenfassen, was wir gesehen haben. Die Bekehrung und die Buße bedeuten eine vollständige Sinnesänderung: Dort, wo vorher Feindschaft gegen Gott herrschte, befinden sich nun Zuneigungen zu Gott. Ein Mensch befindet sich nicht mehr auf dem Weg, weg von Gott, sondern geht auf Ihn zu. Buße hat nicht die Bedeutung von Strafe erleiden, sondern von Reue haben. Das kommt zum Ausdruck, indem wir vor Gott bekennen, dass wir Sünder sind und uns vor Gott nicht nur äußerlich mit frommen Worten, sondern wirklich mit „Wahrheit im Innern“ (Ps 51,6) anklagen. Der Zöllner in Lukas 18 sagte einfach: „O Gott, sei mir, dem Sünder, gnädig!“ (V. 13). Das war genug. Gott sah auf den Grund seines Herzens.

Unzertrennbar verbunden mit der Bekehrung ist das neue Leben. Jemand kann nicht wirklich zur Buße kommen, wenn der Heilige Geist kein neues Leben in ihm wirkt. Nur das neue Leben wünscht, Gutes zu tun. Der Heilige Geist bewirkt dieses neue Leben in uns in demselben Augenblick, in dem er uns auch zur Erkenntnis unserer Sünden vor Gott bringt. Die Voraussetzung zu alledem ist das Werk des Herrn Jesus auf dem Kreuz, wie wir in Johannes 3,14+15 gelesen haben. Der Heilige Geist kann das neue Leben nur deshalb in uns wirken, und Gott kann uns nur deshalb unsere Sünden vergeben, weil der Herr Jesus das Werk auf dem Kreuz vollbracht und dabei Gott so verherrlicht hat, dass Gott im Blick auf den Menschen vollkommen befriedigt ist. Aufgrund dieses Werkes kann Gott allen Menschen, die mit dem aufrichtigen Bekenntnis ihrer Sünden zu Ihm kommen, diese Sünden vergeben. So Gott will, wollen wir uns morgen damit beschäftigen, wie Gott solche Menschen, die ihre Sünden bekannt haben, rechtfertigt und ihnen Frieden mit sich schenkt.

Fußnoten

  • 1 Wiedergeburt (palingenesia) kommt im Neuen Testament nur vor in Matthäus 19,28 und Titus 3,5. Die Wiedergeburt deutet auf geänderte Umstände, auf eine neue Stellung, hin. In Matthäus 19,28 geht es um die „Wiedergeburt der Schöpfung“ im 1000-jährigen Reich (vgl. Röm 8,20–22) und in Titus 3,5 um die individuelle Erneuerung, das Versetzen in ein neues Bestehen eines einzelnen Menschen.
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