Ährenlese im Alten Testament (Habakuk)

Habakuk 1-3

Ährenlese im Alten Testament (Habakuk)

Habakuk 1,1-17

Dieses Buch, das uns an das Buch Jeremia erinnert, stellt uns gewissermaßen ein Zwiegespräch zwischen dem Propheten und seinem Gott vor. Angesichts der steigenden Flut des Bösen, schüttet der bedrängte Habakuk sein Herz vor Jehova aus. Jerusalem war nahe daran, unter den Angriffen des chaldäischen Heeres zu fallen. In einem Schreckensgesicht werden dem Propheten im voraus diese grausamen und blutgierigen Krieger gezeigt, Werkzeuge Jehovas, um die rebellischen Nationen zu bestrafen. Wie bestürzt werden dann alle ungläubigen und sorglosen Sünder sein! (Vers 5, in Apostelgeschichte 13,41 angeführt). Aber auch der Mann Gottes ist verwirrt! Wie kann Gott einer solchen Entfaltung der Ungerechtigkeit freien Lauf lassen? (Psalm 83; Offenbarung 10,7 nennt diese Frage „das Geheimnis Gottes“). Wie kann Er nur diesem Treiben zuschauen? „Mein Gott, mein Heiliger“, ruft der Prophet aus, indem er sich seiner Beziehung zu Dem, dessen Augen „zu rein sind, um Böses zu sehen“, bewusst ist. Ja, welch ständige Beleidigung für Ihn, zu sehen wie Verderbtheit und Gewalttat auf dieser Erde überhandnehmen! Die Blicke Gottes konnten wegen ihrer absoluten Reinheit nur auf einem einzigen Menschen mit Wohlgefallen ruhen. Aber aus dem gleichen Grund mussten sie sich von Ihm abwenden, als Er für uns zur Sünde gemacht wurde.

Habakuk 2,1-20

Wenn wir durch eine Prüfung irgendwelcher Art gehen, dann lasst es uns wie Habakuk machen: steigen wir auf diesen „Turm“ (vergleiche Sprüche 18,10), der uns schützt, uns vom Tumult fernhält und uns gestattet, alles von oben, vom Standpunkt Gottes aus, zu betrachten (Jesaja 55,8.9).

Der Diener Gottes erhält dort die Antwort auf seine bange Frage: der Gerechte, wird ihm gesagt, „wird durch seinen Glauben leben“. Hier war die Lösung zur gegenwärtigen Lage. Um ihn her ist nichts verändert: die Feinde sind immer noch da, und alle Formen der Ungerechtigkeit entfalten sich weiter. Aber der Glaube des Gerechten kann sich auf die Gewissheit des Wortes seines Gottes stützen. Seine ängstlichen Fragen hören auf. Er glaubt, er weiß, dass diese Erde, die heute von der Eitelkeit des Menschen erfüllt ist, bald „von der Erkenntnis der Herrlichkeit Jehovas voll werden wird“ (V. 14; Jes 11,9). Er wird über das Los der Gottlosen aufgeklärt, obwohl ihr Gericht noch aussteht (V. 6-20). Und beachten wir den krassen Gegensatz zwischen den Taten der Ungläubigen und der Gerechtigkeit und dem Leben des Glaubens - dieser Glaube ist sowohl zur Errettung als auch zum Durchschreiten dieser Welt nötig. Der 4. Vers wird in den Briefen dreimal angeführt (Röm 1,17; Gal 3,11; Heb 10,38). Es wird dort mit höchstem Nachdruck festgehalten, dass der Glaube das einzige Mittel ist, um die Gerechtigkeit und das ewige Leben zu erwerben.

Habakuk 3,1-19

Jehova hat der Stimme der Erde Schweigen auferlegt (Kapitel 2,20), aber der Gläubige kann sein Gebet vor Ihm aufsteigen lassen. Er erklärt, was er gesehen (Verse 3,7ff.), was er gehört (Verse 2,16) hat. Das Gesicht der chaldäischen Feinde ist ausgelöscht. Statt dessen betrachtet der Prophet die Majestät des sich rächenden Gottes. Von schrecklichen Zeichen begleitet, schreitet dieser Gott voran, um die Nationen zu richten und sein Volk zu erretten (Verse 12,13). Was sind die Gefühle des Propheten angesichts dieser eindrucksvollen Erscheinung? Zuerst einmal Angst; er verbirgt sie nicht. Aber er weiß, dass er sich an die Barmherzigkeit Gottes wenden darf, selbst in seinem gerechten Zorn (Vers 2; Psalm 78,38). Gott hört die Hilferufe der Seele immer. Dann kommt die Freude! (Vers 18). Obwohl die materiellen Segnungen fehlen (Vers 17), kann sich der Mann Gottes freuen, denn er findet seine Freude nicht in den Umständen, sondern in dem Gott seines Heils (vergleiche Philipper 4,4). „Der Herr ist meine Kraft... und lässt mich einherschreiten auf meinen Höhen“ (Vers 19; Psalm 18,32.33). Möchte der Herr uns die geistliche Kraft schenken, um diese Höhen zu erklimmen, von wo aus der Glaube die Welt beherrscht. Ihr Gericht ist nahe, und weil unsere Zeit derjenigen Habakuks gleicht, möchten auch wir unsererseits diesem Mann Gottes gleichen.

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