Botschafter des Heils in Christo 1861

Bist du deiner Errettung sicher? - Teil 1/2

Von der gegenwärtigen, unter den Christen so allgemein verbreiteten Ungewissheit in Betreff ihrer Errettung findet sich im Neuen Testamente keine Spur. Die Briefe der Apostel sind sämtlich an solche gerichtet, die da wussten, dass sie Christen und als solche erlöste Menschen waren; sie sind in der Absicht geschrieben, dieselben in der Gewissheit ihrer Errettung zu befestigen; und die darin enthaltenen Ermahnungen setzen stets diese Gewissheit voraus. Selbst die wenigen Schriftstellen, die scheinbar eine Unsicherheit der damaligen Christen durchblicken lassen und die mancher so gern zum Ruhekissen gebraucht, beweisen, im Zusammenhang gelesen, das Gegenteil. Ohne diese Gewissheit kann weder ein beständiger Friede, noch Macht über die Sünde, noch Kraft zur Verherrlichung Gottes, noch endlich Freude bei dem Gedanken an die nahe Ankunft des Herrn im Herzen sein. Und dennoch halten es viele für höchst gefährlich, eine wohlgegründete Gewissheit der Errettung. zu besitzen; wie wohl es feststeht, dass gerade diesem Mangel der Verfall des Christentums und der gegenwärtig so traurige Zustand der Versammlung Gottes zuzuschreiben ist.

Kaum hat der Herr Jesus eine Jüngerschar um sich versammelt, die von Gott dem Vater gelehrt in Ihm den Christus, den Sohn des lebendigen Gottes erkannte, so beginnt Er auch schon, ihren Herzen Licht, Freude und Trost darzureichen. „Fürchte dich nicht, kleine Herde! denn es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben“ (Lk 12,32). „Doch darin freut euch nicht, dass euch die Geister unterworfen sind; freut euch aber, dass eure Namen in den Himmeln geschrieben stehen“ (Lk 10,20). „Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, hat das ewige Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tod in das Leben hinübergegangen“ (Joh 5,24). So sprach der gepriesene Herr, als er kaum seinen Dienst begonnen hatte. Je näher aber sein Ende heranrückte, desto deutlicher wurden seine an die Jünger gerichteten Worte; denn, verheißend die Sendung des heiligen Geistes, sagt Er: „An jenem Tag werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin, und ihr in mir und ich in euch“ (Joh 14,20). – Das Herabkommen des Heiligen Geistes sollte nicht allein die Wirkung haben, in den Jüngern das Bewusstsein zu wecken, dass Christus in dem Vater war, sondern auch, dass sie in Christus waren und Er in ihnen war. Wie innig ist ihre Vereinigung mit Ihm nach seiner Auferstehung, wo Er seinen Platz vor Gottes Angesicht mit ihnen teilt und dieses in den Worten ausdrückt: „Gehe aber zu meinen Brüdern hin und sprich zu ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott!“ (Joh 20,17). – Sollten jene, welche diese Botschaft empfingen, wohl den mindesten Zweifel betreffs ihrer Errettung gehabt haben können? Wie wäre dieses möglich gewesen, da der auferstandene Erlöser sich nicht schämte, sie Brüder zu nennen, und da Er seinen Vater als den ihrigen, seinen Gott als den ihrigen bezeichnete? Ach! möchten doch diese köstlichen Offenbarungen gebraucht werden, um aus der Seele aller matten und schwachen Gläubigen, die diese Schriftstelle lesen, jede Spur von Ungewissheit gänzlich zu verbannen!

Wie schon bemerkt, sind die Briefe der Apostel an Solche gerichtet, die Christen waren und das Bewusstsein davon hatten. Schon zu Anfang des Römerbriefes sehen wir, dass der Apostel von sich selber, als von jemand spricht, der Gnade und Apostelamt zum Glaubensgehorsam unter allen Nationen empfangen habt, „unter welchen“ – sagt er – „auch ihr seid, Berufene Jesu Christi! allen Geliebten Gottes und berufenen Heiligen, die zu Rom sind“ (Röm 1,5–7). – Und welche waren es nun, die diesen Brief, als an sie gerichtet, empfangen durften? Welche anders als diejenigen, die das Bewusstsein hatten, von Jesu berufen und von Gott geliebt zu sein? Ebenso wird der erste Brief an die Korinther gerichtet, „an die Versammlung Gottes, welche in Korinth ist, den Geheiligten in Christus Jesus, den berufenen Heiligen, samt allen, die an allen Orten den Namen unseres Herrn Jesus Christus, ihres und unseres, anrufen“ (1. Kor 1,2). Die Aufschrift auf dem zweiten Brief lautet: „Der Versammlung Gottes, welche zu Korinth ist, samt allen Heiligen, die in ganz Achaja sind.“ – Ohne Zweifel waren dort solche Menschen, die da wussten, dass sie die Versammlung Gottes zu Korinth ausmachten, oder dass sie zu der Zahl der Heiligen gehörten, die sich in Achaja befanden, oder dass sie einen Teil derer bildeten, die an allen Orten den Namen unseres Herrn Jesu Christi anriefen. Jedoch ist es nicht nötig, bei einem einzelnen Fall zu verweilen. Der Brief an die Epheser ist geschrieben, „den Heiligen und Treuen, die zu Ephesus sind“, – der Brief an die Philipper: „allen Heiligen in Christus Jesus, die zu Philippi sind“; – der Brief an die Kolosser: „den heiligen und treuen Brüdern in Christus, welche in Kolossä sind“; – der Brief an die Thessalonicher: „der Versammlung der Thessalonicher in Gott dem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.“ – Diese Adressen zeigen klar und deutlich, dass die Empfänger der Briefe sich bewusst waren, dass sie unter den angeführten Bezeichnungen gemeint, oder mit anderen Worten, dass sie Christen waren.

Dass aber diese Briefe nicht an menschlich geordnete Christengemeinden, wie die Gegenwart sie uns zeigt, gerichtet sind, in denen ein jeder – ob persönlich von seiner Errettung überzeugt oder nicht – sich das Recht anmaßen könnte, die Aufschrift, als an ihn gerichtet, zu betrachten, zeigt der Inhalt derselben in der unzweideutigsten Weise, indem aus vielen Stellen klar hervorstrahlt, dass sowohl die Schreiber, als auch die Empfänger ihrer Errettung gewiss warm. Beispielsweise führen wir einige dieser Stellen an: „Gerechtfertigt also aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus.“ – „Die Hoffnung aber lässt uns nicht beschämt werden; denn die Liebe Gottes ist in unsere Herzen ausgegossen durch den Heiligen Geist, welcher uns gegeben ist“ (Röm 5). – „So ist nun keine Verdammnis mehr für die, welche in Christus Jesus sind.“ – „Denn ihr habt nicht den Geist –der Knechtschaft, wiederum zur Furcht, empfangen, sondern ihr habt den Geist der Kindschaft empfangen, in welchem wir rufen: Abba, Vater! Der Geist selbst zeugt mit unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind“ (Röm 8). – Beweisen nicht schon diese wenigen Stellen, dass sowohl der Apostel, als auch die Gläubigen zu Rom die bestimmteste Gewissheit in Betreff ihrer Errettung genossen?

Auch der Korintherbrief liefert Beweise dazu; denn Paulus schreibt an die korinthische Versammlung: „Wir haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott ist, auf dass wir die Dinge wissen, die uns von Gott aus Gnaden gegeben sind.“ – Und an welche Art von Menschen schreibt der Apostel diese Worte? An Solche, unter denen etliche weiland Hurer, Götzendiener, Trunkenbolde und dergleichen gewesen waren, denen er aber das Zeugnis gibt: „Aber ihr seid abgewaschen, aber ihr seid geheiligt, aber ihr seid gerechtfertigt in dem Namen unseres Herrn Jesus, und durch den Geist unseres Gottes“ (1.Kor 6,11). Würde er diejenigen, an welche er schrieb, also bezeichnet haben bei der Voraussetzung, dass sie nicht gewusst, ob sie der Zahl dieser Abgewichenen und Geheiligten angehörten? Und was würde in Betreff der Stelle: „Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist, welchen ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euer selbst seid?“ – die Meinung und die Kraft einer solchen Frage gewesen sein, wenn der Apostel es nicht für ausgemacht hielt, dass sie, an welche er sein Schreiben richtete, sich als einen Tempel Gottes erkannten?

Auch der zweite Brief liefert solche Beweise in Menge. Schon im ersten Kapitel lesen wir: „Gott aber ist es, der uns samt euch befestigt in Christus, und uns gesalbt hat; der uns auch versiegelt hat und das Pfand des Geistes in unsere Herzen gegeben.“ – Befestigt worden zu sein durch Gott in Christus, die Salbung zu haben, welche über alle Dinge lehrt, versiegelt zu sein und mithin das Merkmal zu besitzen, dass Gott uns als die Seinen anerkennt, und endlich den Geist nicht nur als Salbung und Siegel zu haben, sondern auch als Pfand und als gegenwärtigen Vorgeschmack der zukünftigen und ewigen Freude, – wie könnte bei jemand alles dieses vorhanden sein, ohne in Betreff der Errettung Gewissheit zu haben? Der Apostel sieht nicht allein sich, sondern alle, an welche er schreibt, im Besitz dieser Dinge; denn er sagt: „Der uns mit euch befestigt!“ – Und was finden wir zu Anfang des fünften Kapitels: „Denn wir wissen, dass, wenn unser irdisches Haus dieser Hütte zerstört wird, wir einen Bau aus Gott haben, ein Haus nicht mit Händen gemacht, das ewig ist in den Himmeln.“ – Siehst du, lieber Leser? Da ist keine Ungewissheit; sie ist gänzlich ausgeschlossen in den Worten: „Denn wir wissen.“ Wie verschieden ist diese Sprache von der, die man heutzutage so oft hört? Während die Christen in unserer Seit nicht selten sagen: „Ich hoffe, dass es sich noch einmal machen werde; ich bin nicht ganz ohne Hoffnung,“ – zeigt sich bei dem Apostel nicht eine Spur von Ungewissheit, sondern er bekennt frei und offen: „Wir wissen, dass wir einen Bau aus Gott haben.“

In Galater 4,6 finden wir die Worte: „Weil ihr aber Söhne. seid, so sandte Gott den Geist seines Sohnes aus in unsere Herzen, welcher Abba, Vater! ruft“ und in Epheser 1,13–14: „In welchem ihr auch, nachdem ihr in Ihm gläubig geworden, mit dem Heiligen Geist der Verheißung versiegelt worden seid, welcher das Pfand unseres Erbes ist, bis zur Erlösung des erworbenen Besitzes, zum Lob seiner Herrlichkeit.“ Beide Stellen beweisen aufs Deutlichste, dass die, an welche sie gerichtet, ihrer Errettung gewiss waren. In dem Brief an die Kolosser schreibt der Apostel Kapitel 1,3–6: „Wir danken dem Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus wegen der Hoffnung, welche für euch in den Himmeln aufbewahrt ist, wovon ihr zuvor in dem Wort der Wahrheit des Evangeliums gehört habt, welches zu euch gekommen ist, gleich wie in die ganze Welt, und fruchtbringend und wachsend ist, wie auch in euch von dem Tag an, da ihr die Gnade Gottes in Wahrheit gehört und erkannt habt.“ Mit welchem Vertrauen drückt sich hier der Apostel über die Gewissheit der Erkenntnis der Gnade Gottes aus! Wie strömt sein Herz über, wenn er in Vers 12 fortfährt: „Danksagend dem Vater, der uns zu dem Anteil des Erbes der Heiligen in dem Licht fähig gemacht hat, der uns aus der Gewalt der Finsternis errettet und in das Reich des Sohnes seiner Liebe versetzt hat, in welchem wir die Erlösung haben, die Vergebung der Sünden.“ – Da ist kein Schwanken; da ist kein Wenn und Aber, sondern eine bestimmte, unumstößliche Gewissheit. Da heißt es: Er hat uns fähig gemacht, hat uns gerettet, hat uns versetzt. O selige, süße Gewissheit! O möchte sie doch nie umdüstert sein sowohl in den Herzen der Leser, als auch in dem Herzen des Schreibers dieser Zeilen!

Ebenso deutlich und bestimmt spricht der Apostel im ersten Brief an die Thessalonicher. Er sagt: „Denn sie selbst verkündigen von uns, welchen Eingang wir zu euch hatten, und wie ihr euch von den Götzenbildern zu Gott bekehrt habt, zu dienen dem lebendigen und wahren Gott, und seinen Sohn aus den Himmeln zu erwarten, welchen Er aus den Toten auferweckt hat, – Jesus, der uns vor dem: kommenden Zorn errettet“ (1. Thes 1,9–10). „Denn Gott hat uns nicht zum Zorn gestellt, sondern zur Erlangung der Seligkeit durch unseren Herrn Jesus Christus“ (1. Thes 5,9). Auch im zweiten Briefe hören wir den Apostel sagen: „Wir aber sind schuldig, Gott allezeit für euch, vom Herrn geliebte Brüder, zu danken, weil Gott euch von Anfang zur Seligkeit erwählt hat, in Heiligkeit des Geistes und im Glauben an die Wahrheit, wozu Er euch durch unser Evangelium berufen hat, zur Erlangung der Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus“ (2. Thes 2,13–14). Wiederum sagt er: „Unser Herr Jesus Christus selbst aber, und unser Gott und Vater, der uns geliebt und ewigen Trost und gute Hoffnung durch die Gnade gegeben hat, tröste eure Herzen und befestige euch in allem guten Wort und Werke“ (2. Thes 2,16–17). Der Apostel sagt also von sich und allen seinen Mitgläubigen, dass Jesus sie vom kommenden Zorn errette, dass sie nicht zum Zorn, sondern zur Erlangung der Seligkeit gestellt seien und dass der Herr Jesus Christus und Gott, ihr Vater, sie geliebt und ihnen ewigen Trost und gute Hoffnung gegeben habe. Hier ist nicht der mindeste Schatten eines Vorwandes für die unendlichen Zweifel, die gegenwärtig bei den Christen vorherrschend sind, und die leider von etlichen derselben als Beweise von Demut und als gute Zeichen des Werkes der Gnade bezeichnet werden.

Wenn wir die Briefe weiterverfolgen, so finden wir, dass Paulus mit Vertrauen den Timotheus sein achtes Kind im Glauben nennt; und in Betreff seiner eigenen Bekehrung fügt er, nachdem er sich den vornehmsten der Sünder genannt, die Worte hinzu: „Deswegen aber habe ich Barmherzigkeit empfangen, auf dass an mir zuerst Jesus Christus die ganze Langmut erzeige, um ein Beispiel denen darzustellen, die an Ihn zum ewigen Leben glauben würden.“ Auch ermahnt er den Timotheus mit den Worten: „Leide Trübsal mit dem Evangelium, nach der Kraft Gottes, der uns gerettet und mit heiligem Ruf berufen hat.“ So völlig war der Apostel von seiner Errettung überzeugt, und er hält es für ausgemacht, dass auch Timotheus diese Überzeugung für sich habe. In demselben Vertrauen schreibt er an Titus: „Er errettete uns nicht aus Werken, die wir aus Gerechtigkeit getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit, durch das Waschen der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes, welchen Er auf uns reichlich durch Jesus Christus, unseren Heiland, ausgegossen hat, auf dass wir, gerechtfertigt durch seine Gnade, nach der Hoffnung des ewigen Lebens Erben würden.“

Wenden wir uns nun zu den Schriften eines anderen Apostels, und wir werden dieselben Zeugnisse finden. Der erste Brief des Petrus beginnt mit Worten voll Dank und Freude, die keinen Zweifel zurücklassen, dass die Empfänger derselben ihrer Errettung völlig gewiss waren. Der Apostel sagt: „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergezeugt hat zu lebendiger Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten, zu einem unverweslichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbteil, welches in den Himmeln für euch aufbewahrt ist, die ihr durch Gottes Macht durch Glauben bewahrt werdet zum Heil, welches bereit ist, in der letzten Zeit offenbart zu werden“ (1. Pet 1,3–5). So triumphierend war ihre Gewissheit, dass sie sich, obschon noch unter dem Druck mannigfacher Versuchungen, derselben erfreuen konnten. Der Apostel redet mit ihnen von Christus, als von Ihm, „welchen ihr“ – wie er sagt –; „obgleich ihr Ihn nicht gesehen, liebt, an welchen glaubend, obgleich ihr Ihn jetzt nicht seht, ihr mit unaussprechlicher und verherrlichter Freude frohlockt, indem ihr das Ende eures Glaubens, die Errettung der Seelen davontragt.“ Im zweiten Kapitel lesen wir in Vers 7 die Worte: „Für euch nun, die ihr glaubt, ist die Kostbarkeit, den Ungläubigen aber der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden, und ein Stein des Anstoßes, und ein Fels des Ärgernisses.“ Sollte es wohl zweifelhaft sein, dass die, an welche dieser Brief gerichtet war, sich ihrer Errettung gewiss waren?

Vor allen aber setzt der Apostel, den der Herr liebte, der Menge von Beweisen die Krone auf. Richten wir unsere Blicke auf die Anfangsworte seines ersten Briefes, so fühlen wir gleich die Gewissheit seiner eigenen Errettung heraus. Freilich hatte er weniger im Auge, uns darüber Versicherungen zu geben, als vielmehr von einem weit erhabenen Gegenstand, von Jesu selbst und seiner wunderbaren Offenbarung unter den Menschen, zu sprechen; jedoch würde er nicht also geschrieben haben, wenn er nicht in dem vollen Genuss seiner Erlösung gewesen wäre. Unzweideutig zeugen davon seine Worte, wenn er sagt: „Was von Anfang war, was wir gehört, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir betrachtet und unsere Hände betastet haben von dem Wort des Lebens; – und das Leben ist offenbart worden, und wir haben gesehen, und zeugen und verkündigen euch das ewige Leben, welches bei dem Vater war und uns offenbart worden ist“ (1. Joh 1,1). – „Ja, aber“ – wendet vielleicht der eine oder der andere Leser ein – dass ein Apostel, und namentlich einer, der in dem Schoß Jesu gelegen, also schreiben kann, und dass auch andere ausgezeichnete Christen eine solche Gewissheit erlangen können, will ich gern einräumen; allein ich bezweifle es, dass dieses ein allgemeines Vorrecht der Christen sein könne.“ – Gemach, mein Freund, der Apostel selbst gibt dir die Antwort, wenn er sagt: „Was wir gesehen und gehört haben, verkündigen wir euch.“ – Und warum? Etwa darum, damit man ihn und die anderen Apostel anstaunen sollte wegen eines Vorrechts, dessen sich nimmer ein gewöhnlicher Christ erfreuen könne? O nein, gerade das Gegenteil; denn er fügt hinzu: „Auf dass auch ihr mit uns Gemeinschaft habt.“ Und mm, um zu zeigen, was die Gemeinschaft wertvoll mache, lässt er die Worte folgen: „Und zwar ist unsere Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.“ – Wahrlich hier findet man mehr, als die Gewissheit der Errettung; denn diese würden wir haben können, ohne gerade noch von Gemeinschaft mit dem Vater und seinem Sohn Jesus Christus gehört zu haben. Aber Johannes und die übrigen Apostel hatten diese Gemeinschaft und was sie gesehen und gehört, das verkündigt er uns, damit auch wir mit ihm Gemeinschaft haben möchten, eine Gemeinschaft, die da ist mit dem Vater und dem Sohn. Und als ob er jeden Zweifel darüber, dass wir gleich ihm dasselbe Vorrecht haben, zu beseitigen gedachte, fügt er noch zum Schluss hinzu: „Und dieses schreiben wir euch, auf dass eure Freude völlig sei.“

Streng genommen behandelt Johannes erst im zweiten Kapitel die Frage betreffs der Gewissheit der Errettung. Und welche Christen werden uns als im Genüsse dieser Gewissheit vorgeführt? Etwa die bejahrten, geförderten Christen, die der Apostel unter dem Namen „Väter“ bezeichnet? – Nein. – Etwa die tätigen, eifrigen Christen, die in der Kraft des Lebens, in der Hitze des Streites und in dem Druck der Prüfungen sich befinden – die „Jünglinge?“ – Auch nicht; wiewohl ohne Zweifel diese beiden Arten von Christen in dem Genuss der Gewissheit ihrer Errettung waren, so schreibt er dennoch dieses ihnen nicht. – „Ich schreibe euch, Kinder,“ – sagt er – „weil euch die Sünden um seines Namens willen vergeben sind.“

Das dritte Kapitel beginnt mit dem Ausruf: „Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater gegeben, dass wir Gottes Kinder heißen sollen!“ Und was lässt der Apostel folgen? „Geliebte! Jetzt sind wir Gottes Kinder; und es ist noch nicht offenbart worden, was wir sein werden; wir wissen aber, dass, wenn Er offenbart ist, wir Ihm gleich sein werden; denn wir werden Ihn sehen, wie Er ist.“ Ist es möglich, sich deutlicher und bestimmter über die Gewissheit der Errettung auszudrücken?

In dem letzten Kapitel finden wir eine Stelle, die zwar mehr die Weise bezeichnet, auf welche der Gläubige sich seiner Errettung versichern kann, die wir aber dennoch hier anführen wollen. Der Apostel sagt: „Dies habe ich euch geschrieben, auf dass ihr wisst, dass ihr, die ihr an den Namen des Sohnes Gottes glaubt, das ewige Leben habt“ (1. Joh 5,13). Es war also die Absicht des Heiligen Geistes, die Gewissheit zu versiegeln, den Glauben derer zu stärken, die an den Namen des Sohnes Gottes glaubten, und das Bewusstsein zu wecken, dass sie das ewige Leben besäßen. Der Apostel fordert die, an welche er schreibt, nicht ans, an den Sohn Gottes zu glauben, als ob sie Ungläubige wären, sondern weil sie an diesen gesegneten Namen glaubten, sucht er sie in dem Glauben zu befestigen. Auch schrieb er ihnen nicht, weil ihnen die Gewissheit ihrer Errettung mangelte, sondern um sie in dieser Gewissheit zu befestigen und hatten sie diese Gewissheit auf dem Weg einer anderen göttlichen Mitteilung erlangt, so besaßen sie jetzt zur Befestigung das geschriebene Wort. Welch ein fester Grund für die Errettung und für das ewige Leben!

Werfen wir nun noch unseren Blick auf eine Stelle in diesem letzten Kapitel, eine Stelle, die geeignet ist, den Schluss zu unserer Betrachtung zu bilden. Sie heißt: „Wir wissen, dass wir aus Gott sind; und die ganze Welt liegt in dem Bösen. Und wir wissen, dass der Sohn Gottes gekommen ist und uns ein Verständnis gegeben hat, auf dass wir den Wahrhaftigen kennen; und wir sind in dem Wahrhaftigen, in seinem Sohn Jesus Christus. Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben“ (1. Joh 5,19–20). (Schluss folgt)

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