Philippus, der Evangelist
Eine Bibelarbeit zu Apostelgeschichte 8

Teil 1: Philippus Dienst in Samaria (Apg 8,5-25)

1. Philippus in Samaria (Verse 5–8)

„Philippus aber ging hinab in eine Stadt Samarias und predigte ihnen den Christus. Die Volksmengen aber achteten einmütig auf das, was von Philippus geredet wurde, indem sie zuhörten und die Zeichen sahen, die er tat. Denn von vielen, die unreine Geister hatten, fuhren sie aus, mit lauter Stimme schreiend; und viele Gelähmte und Verkrüppelte wurden geheilt. Es entstand aber große Freude in jener Stadt.“

Philippus ging

Wir fragen uns: Wer oder was hat Philippus veranlasst, in eine Stadt Samarias zu gehen? Der Text gibt darauf keine Antwort. Äußerlich war es eine Folge der Verfolgung, die in Jerusalem eingesetzt hatte. Gott benutzt dieses – auf den ersten Blick – negative Ereignis, um daraus großen Segen hervorkommen zu lassen. Er schließt die Tür und Jerusalem und öffnet eine neue Tür in Samaria.

  • Gott lässt aus Schlechtem oft etwas Gutes hervorkommen (vgl. 1. Mo 50,20; Ri 14,14). Wir müssen nur offene Augen für neue Türen haben, die Er öffnet, wenn Er eine andere schließt.

Ein Weg hinab

Der Weg, der von Jerusalem wegführt, ist geographisch immer ein Weg „hinab“, denn die Stadt liegt auf einem Berg. Viele Bibelleser sind mit dem Gedanken vertraut, dass ein Weg „hinab“ typologisch gesehen meistens kein guter Weg ist. In der Tat gibt es viele Beispiele dafür (zum ersten Mal Abraham in 1. Mose 12,10). Hier jedoch haben wir eine von mehreren Ausnahmen. Es war gut, dass Philippus diesen Weg nahm. Er ging hinab zu den Menschen, die sich „unten“ befanden, um ihnen den Christus zu predigen. So kam unser Herr vom Himmel auf diese Erde „herab“ zu Menschen, die in Finsternis und Todesschatten saßen (Lk 1,79), um ihnen das Heil zu bringen.

Es fällt auf, dass der Herr während seines Lebens bei einer Gelegenheit nicht erlaubt hat, dass seine Jünger nach Samaria gingen (Mt 10,5). Sie sollten sich auf die „verlorenen Schafe des Hauses Israel“ konzentrieren (Mt 15,24). Er selbst allerdings nahm diesen Weg nach Samaria mehrfach (z.B. in Joh 4). Hier jedoch war es anders. Es gab sogar eine grundsätzliche Anweisung, Zeugen des Herrn in Samaria zu sein (Apg 1,8).

  • Wir dürfen nicht erwarten, dass die Menschen zu uns kommen. Es ist vielmehr unsere Aufgabe, in diesem Sinn „hinab“ zu gehen, um Menschen für Christus zu gewinnen. Oft ist das mit Selbstverleugnung verbunden. Vom „hohen Ross“ herab können wir jedenfalls keine Menschen erreichen.

Samaria

Werfen wir einen kurzen Blick auf den Ort des Geschehens. Samaria lag nördlich von Judäa und südlich von Galiläa. Die kürzeste Strecke, um von Galiläa nach Judäa (und damit nach Jerusalem) zu reisen, führt über diesen Landstrich. Dennoch mieden die meisten Juden Samaria, weil sie mit den Samaritern nichts zu tun haben wollten (Joh 4,9). Diese Abneigung hatte historische, ethnische und religiöse Gründe.

Der Ursprung der Samariter wird in 2. Könige 17,24–41 berichtet. Nach der Deportation der 10 Stämme durch den König der Assyrer wurden Menschen in diesem Landstrich angesiedelt, die keine Israeliten waren. Es waren Heiden mit fremden Göttern. Sehr bald jedoch nahmen sie eine Mischreligion an, d.h. sie dienten weiter ihren Göttern, daneben jedoch auch dem Gott Israels. Die wesentlichen Gründe, warum die Juden die Samariter hassten, waren deshalb die Folgenden:

  1. Sie stammen nicht von Abraham ab, sondern waren Heiden (und das, obwohl sie äußerlich Jakob ihren Vater nannten (Joh 4,12)
  2. Sie praktizierten ihren eigenartigen Mischgottesdienst (seit der Zeit Nehemias mit einem eigenen Tempel auf dem Berg Gerisim (Joh 4,20)
  3. Sie erkannten lediglich die 5 Bücher Mose an, nicht jedoch den übrigen Teil des Alten Testamentes
  • Die Predigt des Evangeliums sollte immer ohne Ansehen der Person geschehen. Gott ist ein Heiland-Gott, der alle Menschen erretten will – unabhängig davon, wer und was sie sind und auch unabhängig von eventuell bestehenden persönlichen Ressentiments.

Philippus predigt

Die erste Aktivität, die berichtet wird, ist die Tatsache, dass Philippus den Christus predigte. Später lernen wir, dass Philippus das Evangelium auch verkündigte (Vers 12). „Verkündigen“ bedeutet „evangelisieren“, d.h. die gute Botschaft weitersagen. „Predigen“ bedeutet, dass etwas ausgerufen oder bekannt gemacht wird. Philippus übernimmt – wie später Paulus – die Aufgabe eines Heroldes, der im Auftrag eines Königs eine Botschaft weitersagt (vgl. 1. Tim 2,7). Ein Herold wird dabei sehr darauf geachtet haben, der Botschaft seines Königs nichts hinzuzufügen, nichts wegzunehmen und nichts zu verändern.

  • Ohne Prediger ist es nicht möglich, dass jemand zum Glauben kommt (Röm 10,14). Jeder von uns hat die Aufgabe, die gute Botschaft weiterzusagen- und das unabhängig davon, ob man die Gabe eines Evangelisten hat oder nicht.

Philippus predigt den Christus

Der Evangelist hat eine Botschaft. Es fällt auf, dass in diesem Kapitel wiederholt von der Predigt dieser Botschaft bzw. deren Annahme die Rede ist:

  • Vers 5: das Wort verkündigen
  • Vers 5: den Christus predigen
  • Vers 12: das Evangelium des Reiches Gottes verkündigen
  • Vers 12: das Evangelium von dem Namen Jesu Christi verkündigen
  • Vers 14: das Wort Gottes annehmen
  • Vers 25: Das Wort des Herrn bezeugen
  • Vers 35: Das Evangelium von Jesus verkündigen
  • Vers 40: Das Evangelium verkündigen

Es handelt sich nicht um prinzipiell unterschiedliche Botschaften, sondern je nach Ausdruck liegt der Schwerpunkt etwas anders und betont entweder den Inhalt oder den Ursprung dessen, was gepredigt wird.

Philippus predigt also zunächst „den Christus“. Die Samariter kannten den historischen Jesus. Er war selbst bei ihnen gewesen und sie hatten erkannt, dass Er der „Heiland der Welt“ ist (Joh 4,42). Sie warteten sogar auf den Messias. Was Philippus ihnen jetzt erklärt ist die Tatsache, dass Jesus Christus nicht nur gelebt hat und gestorben ist, sondern dass Gott Ihn zum „Herrn und Christus“ gemacht hat. Er ist verherrlicht zur Rechten Gottes – so wie Stephanus Ihn gesehen hatte. „Christus“ zu verkündigen geht sehr weit und umfasst gewaltige Heilstatsachen.

Bis heute wird „der Christus“ gepredigt. Das Evangelium zu verkündigen bedeutet nicht für eine Religion oder für Menschen zu werben, die Christen genannt werden. Es geht nicht um Lehre, um Moral, um Philosophie, sondern es geht um eine Person. Wir predigen den, der im Wort Gottes offenbart wird.

  • Philippus richtet die Blicke nicht auf sich selbst, sondern auf Christus. Das ist es, was ein guter Prediger immer tun wird. Er fokussiert die Herzen auf Christus, der einst am Kreuz starb, der auferstanden ist und jetzt zur Rechten Gottes sitzt.

Philippus predigte ihnen

Es fällt auf, dass die Predigt eine sehr persönliche Ansprache hat. Es heißt nicht nur, dass Philippus den Christus predigte, sondern dass er ihnen den Christus predigte (vgl. Vers 35: er verkündige ihm das Evangelium). Die Botschaft hat immer eine persönliche Note. Wir müssen die Menschen direkt ansprechen und nicht nur allgemein.

  • Es genügt nicht, den Menschen zu sagen, dass wir „alle allzumal Sünder sind“ und dass Christus ein Retter ist, sondern dass jeder ganz persönlich einen Retter nötig hat. Menschen müssen persönlich in Kontakt mit Ihm gebracht werden.

Die Reaktion der Volksmengen

Die Reaktion der Samariter überrascht uns. Sie hören zu und achten einmütig auf das, was Philippus ihnen sagt. Philippus erntet hier, was der Herr Jesus selbst in Samaria gesät hatte. Die Aussage des Heilands aus Johannes 4,37.38 bewahrheitet sich hier. Die Felder waren weiß zur Ernte. Schon damals glaubten viele an ihn (Joh 4,42). Jetzt achten sie einmütig auf das Wort.

Zuerst hören sie zu. Damit beginnt es. Das Wort dringt an das Ohr (oder wird gelesen). Doch das genügt nicht. Man muss auch darauf achten, d.h. sein Augenmerk und seinen Sinn darauf richten. Wer auf das Wort achtet, wird das nicht flüchtig tun, sondern das Wort zu Herzen nehmen. Genau das taten die Samariter.

  • Es ist wichtig, dass das Wort nicht nur gepredigt wird, damit es akustisch gehört wird, sondern dass es so vor die Menschen gebracht wird, dass sie es ins Herz fassen.

Begleitende Zeichen

Die Predigt von Philippus wurde von Zeichen begleitet. Davon hatte der Herr kurz vor seiner Himmelfahrt gesprochen, als Er seinen Jüngern den sogenannten Missionsauftrag gab: „Diese Zeichen aber werden denen folgen, die glauben: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden und werden Schlangen aufnehmen, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nicht schaden; Kranken werden sie die Hände auflegen, und sie werden sich wohl befinden“ (Mk 16,17.18). Welche Zeichen genau hier geschahen, wird uns nicht gesagt.

Diese Zeichen waren Wunder. Sie werden allerdings weder in Markus 16 noch hier so genannt. Zeichen weisen auf etwas hin. Sie dienen besonders dazu, die Botschaft zu begleiten und zu bestätigen. Wir sehen das wiederholt in der Apostelgeschichte. Philippus ist gemeinsam mit Stephanus der einzige Nicht-Apostel, der solche Zeichen tat.

Die Frage wird immer wieder gestellt, ob es solche Zeichen heute noch gibt bzw. warum es sie nicht mehr gibt. Nun kann man nicht generell ausschließen, dass heute noch im Einzelfall besondere „Zeichen“ geschehen. Im Allgemeinen ist unsere Zeit jedoch nicht davon geprägt. Das lässt sich auch biblisch belegen. Zum einen werden die Zeichen „Zeichen des Apostels“ genannt (2. Kor 12,12), d.h. sie prägten die Zeit der Apostel. Zum anderen – und dieses Argument wirkt noch stärker – sagt uns der Hebräerbrief, dass Gott am Anfang durch Zeichen, Wunder und Austeilungen des Heiligen Geistes mitwirkte (Heb 2,4). Man beachte die Vergangenheitsform, die der Schreiber benutzt. In Hebräer 6,5 werden sie dann „Wunderwerke des zukünftigen Zeitalters“ genannt, d.h. sie sind nicht prägend für die gegenwärtige Zeit, sondern für eine zukünftige Zeit. In einer Zeit, in der wir das Wort Gottes vollständig besitzen und der Heilige Geist direkt auf der Erde wirkt, benötigen wir keine Zeichen mehr. Wir denken daran, was der Herr dem reichen Mann sagt, der seinen Brüdern ein Zeichen zukommen lassen wollte: „Er sprach aber zu ihm: Wenn sie nicht auf Mose und die Propheten hören, werden sie auch nicht überzeugt werden, wenn jemand aus den Toten aufersteht“ (Lk 16,31). Wer dem Wort Gottes nicht glaubt, wird auch nicht glauben, wenn Zeichen geschehen.

Auch in Samaria waren die Zeichen nicht das Wesentliche. Die Samariter achteten nicht auf die Zeichen, sondern auf die Worte, die Philippus zu ihnen redete. Interessant ist es, dass der Herr Jesus selbst in Johannes 4 in Samaria keine Wunder getan hatte und Menschen ausdrücklich wegen seiner Worte glaubten (Joh 4, 41). Der Glaube basiert niemals auf einer anderen Grundlage als dem Wort Gottes.

  • Bis heute ist es wichtig, dass Menschen auf das Wort Gottes achten und nicht von dem „Rahmenprogramm“ beeindruckt werden (das niemals zum Mittelpunkt werden darf).

Unreine Geister, Gelähmte und Krüppel

Die Macht der Finsternis gibt ihre Beute nur ungern los. In Samaria gab es damals – ebenso wie in Galiläa und Judäa – viele Menschen, die okkult besessen waren. Doch die bösen Mächte müssen erkennen, dass die Macht Gottes größer ist als ihre Macht. Sie schreien – und doch müssen sie ausfahren. Jeder Mensch von Natur befindet sich in der Macht des Teufels. Er möchte seine Beute festhalten, doch wenn Christus heilt und befreit, dann muss er sie loslassen.

Gelähmte sind solche, die kraftlos und schwach sind und keine Möglichkeit haben, sich selbst zu helfen. Verkrüppelte sind solche, die lahm sind und damit unfähig, zur Ehre Gottes zu leben.

  • Die drei genannten Missstände kennzeichnen jeden Menschen von Natur. Er ist eine Beute Satans, kann sich selbst nicht helfen und ist unfähig, zur Ehre Gottes zu leben. Dieser Missstand kann nur dadurch abgestellt werden, indem ein Mensch zum lebendigen Glauben an Jesus Christus kommt.

Große Freude

Wo auch immer das Evangelium aufgenommen wird, ist Freude das Ergebnis. Das Evangelium selbst ist die „gute Botschaft“. Das erste Ergebnis, das es hervorbringt, ist Trauer über den eigenen Zustand und dementsprechend Buße (2. Kor 7,10). Wenn ein Mensch akzeptiert, dass er ein Sünder ist und sich zu dem Retter wendet, folgt die Freude des Heils (1. Thes 1,6). Freude ist ein Teil der Frucht des Geistes (Gal 5,22) und eines der drei großen Kennzeichen des Reiches Gottes (Röm 14,17). Hier ist es nicht nur Freude, sondern „große Freude“. Sie ist auch nicht auf Einzelpersonen beschränkt, sondern sie war „in der ganzen Stadt“.

  • Kennen wir noch etwas von der „Freude des Heils“? Wir können diese Freude nur erhalten, wenn wir täglich dankbar sind für die große Rettung, die unser Herr uns geschenkt hat.

2. Simon, der Zauberer (Verse 9–13)

„Ein gewisser Mann aber, mit Namen Simon, befand sich vorher in der Stadt, der Zauberei trieb und das Volk von Samaria außer sich brachte und von sich selbst sagte, dass er jemand Großes sei; dem alle, vom Kleinen bis zum Großen, anhingen und sagten: Dieser ist die Kraft Gottes, die „die Große“ genannt wird. Sie hingen ihm aber an, weil er sie lange Zeit mit den Zaubereien außer sich gebracht hatte. Als sie aber Philippus glaubten, der das Evangelium von dem Reich Gottes und dem Namen Jesu Christi verkündigte, wurden sie getauft, sowohl Männer als Frauen. Aber auch Simon selbst glaubte, und als er getauft war, hielt er sich zu Philippus; und als er die Zeichen und großen Wunderwerke sah, die geschahen, geriet er außer sich.“

Ein gewisser Mann mit Namen Simon

Nun tritt ein Mann mit Namen Simon auf, der in der Kirchengeschichte als „Simon Magus“ (Magus = der Zauberer) bekannt ist. Er wird mit einer bestimmten Distanz ein „gewisser Mann“ genannt und das Wort „aber“ lässt bereits einen Gegensatz erkennen. Er war ein Zauberer und schien in der Stadt großes Ansehen zu haben.

Die nicht mit Namen genannte Stadt ist sehr wahrscheinlich Sichar (oder Sichem), das religiöse Zentrum der Samariter. In der Nähe dieser Stadt hatte der Herr Jesus eine sündige Frau getroffen (Joh 4). Dort gab es eine Vielfalt von orientalischem Okkultismus. Menschen wie Simon hatten damals im Orient Hochkultur und beeinflussten – wie auch heute – viele Menschen. Wer genau dieser Simon war, wissen wir nicht. Es hat über ihn der Kirchengeschichte unter den Kirchenvätern viele Spekulationen über diesen „Simon Magus“ gegeben. Wir bleiben bei dem, was die Bibel über ihn sagt.

Simon übte offensichtlich einen großen Einfluss auf die Menschen in Samaria aus. Er war ein Scharlatan, der durch okkulte Praktiken andere verführte. Offensichtlich ließ er die Leute über seine Identität einigermaßen im Dunkeln, so dass man nur mutmaßen konnte. Er war, wie später Elymas (Apg 13,8–10) ein „Sohn des Teufels“ und weist auf den großen Verführer (den Antichristen, den Menschen der Sünde) hin, der es noch weitaus schlimmer treiben wird (2. Thes 2,9.10). Die Vorboten davon sehen wir heute schon in unseren ehemals christlichen Ländern.

Einige Details werden genannt:

  • Er trieb Zauberei: Gemeint ist wahrscheinlich das Beschwören von Dämonen, die Beschäftigung mit Toten, Krankenheilungen, Wahrsagerei, Sterndeutung usw. Derartige Zaubereien sind „Wunder der Lüge“ (2. Thes 2,9). Wir finden solche Zauberer und Wahrsager auch an anderen Orten, z.B. auf Zypern (Apg 13,6), in Philippi (Apg 16,6,) und in Ephesus (Apg 19,15).
  • Er brachte die Menschen außer sich, d.h. er brachte sie unter seinen Bann. Sie verfielen seinem Zauber. Alle Altersgruppen und sozialen Klassen – vom Kleinen bis zum Großen – hingen ihm an.
  • Er hielt sich für etwas Großes: Simon fokussierte die Menschen auf sich. Das Ziel vieler Menschen ist, groß vor anderen zu sein.
  • Die Menschen glaubten, dass er göttliche Kraft habe. Simon war ein Meister der Imitation. Der Antichrist wird das noch besser beherrschen. Er wird sich über alles erhöhen, „was Gott heißt oder verehrungswürdig ist, so dass er sich in den Tempel Gottes setzt und sich selbst darstellt, dass er Gott sei“ (2. Thes 2,4).
  • Er tat es eine „lange Zeit“, der dann Gott selbst ein Ende machte. Das Böse ist begrenzt, das Evangelium allein bietet Ewigkeitswert. Es hat bleibende Folgen.

   

  • Wir sollten die Macht der Finsternis und den Einfluss okkulter Aktivitäten nicht unterschätzen. Allerdings wissen wir, dass Gottes Macht stärker ist. Deshalb müssen wir keine Angst haben.

Dem Philippus glauben

Der Wechsel war deutlich. Die Menschen, die vorher an Simon geglaubt hatten und sich von ihm beeindrucken ließen, glauben nun dem Philippus. Dieser Glaube war kein emotionaler Wechsel und keine Gefühlsduselei, sondern ein echter und fundierter Glaube. Sie merken offensichtlich den großen Unterschied zwischen „Stroh“ und „Korn“ (vgl. Jer 23,28), zwischen dem, was echt und unecht ist. Die Botschaft von Philippus – begleitet von den Zeichen, die er tat – wurde als authentisch erkannt. Sie standen im Gegensatz zu den Zaubereien von Simon.

Es ist nicht nur wichtig, dass man glaubt (das tun viele Menschen), sondern entscheidend ist, was man glaubt und wem man glaubt. Der christliche Glaube ist der Glaube an eine Person (an Christus) und er hat einen Gegenstand (ebenfalls Christus). Das Neue Testament spricht von dem Glauben an Ihn (z.B. Apg 16,31) und den Glauben in ihn. An Christus zu glauben bedeutet, durch die Tür des Glaubens zu gehen, indem man Ihn als Retter annimmt. In Christus zu glauben (z.B. Eph 1,15 Fußnote) bedeutet, sich im Glauben in Ihm zu bewegen, so wie man sich in einem Raum bewegt, den man vorher durch die Tür betreten hat.

Hier heißt es jedoch, dass sie dem Philippus glaubten. Sie glaubten nicht an Philippus, sondern sie glauben dem, was er ihnen sagte. Seine Botschaft war glaubhaft, denn sie wies auf den einzigen Gegenstand des wirklichen Glaubens hin. Wer aufmerksam zuhört und auf die Botschaft achtgibt, kommt zum richtigen Glauben. Glauben bedeutet, das anzunehmen und für wahr halten, was Gott sagt, selbst wenn man es nicht sieht. Glaube ist eine unabdingbare Voraussetzung, um für den Himmel gerettet zu werden.

  • Es genügt nicht zu glauben. Wir müssen wissen, wem wir geglaubt haben und was wir geglaubt haben. Unser Glaube richtet sich auf eine Person und in eine Person. Einen besseren Glauben gibt es nicht.

Das Evangelium von dem Reich Gottes

Zum ersten Mal wird jetzt ausdrücklich davon gesprochen, dass das Evangelium verkündigt (oder evangelisiert) wird. Das Wort Evangelium bedeutet „gute Botschaft“. Oft wird es „frohe Botschaft“ genannt und natürlich ist das nicht falsch. Dennoch ist der erste Effekt der „guten Botschaft“ nicht Freude, sondern Trauer über die Sünde und Zielverfehlung. Erst nachdem ein Mensch Buße getan und Jesus als Retter angenommen hat, erfüllt ihn die Freude des Heils.

Das Evangelium ist das „Evangelium Gottes“ (z.B. Röm 1,1), weil Er der Ursprung ist. Es ist das „Evangelium des Christus“ (z.B. Röm 15,19), weil Er der Inhalt der Botschaft Gottes an uns Menschen ist. Paulus konnte es später „mein Evangelium“ (z.B. Röm 2,16) nennen, weil ihm die Predigt dieser Botschaft ganz besonders anvertraut war.

Hier wird es das Evangelium von dem Reich Gottes genannt, d.h. die gute Botschaft, die das Reich Gottes betrifft. Das Reich ist das „Königreich“, d.h. es geht um den Machtbereit des Christus, wo Er regiert und seine Herrschaft anerkannt wird. Allgemein ausgedrückt ist das Reich Gottes der Bereich, wo Gottes Herrschaft durch Christus anerkannt wird. Das wird in dem kommenden Friedensreich auf der Erde sichtbar sein. Jetzt – in der Gegenwart – ist das Reich Gottes vor den Menschen verborgen. Dennoch gibt es solche, die seinen Regierungsanspruch jetzt schon in ihrem Leben anerkennen. Das Reich Gottes wird hier gerade deshalb betont, weil es im Kontrast zu Simon steht, der mit der „Gewalt der Finsternis“ verbunden war und sich weit weg von dem Licht Gottes befand. Er war weit davon entfernt, die Autorität des Herrn anzuerkennen, obwohl er ihn „Herr“ nannte (vgl. die Warnung des Herrn in Matthäus 7,21).

Das Reich Gottes wird in der Apostelgeschichte insgesamt acht Mal erwähnt. An fünf Stellen wird es ausdrücklich gepredigt (Apg (8,12; 19,8; 20,25; 28,23.31). Die Adressaten dieser Predigt sind Gläubige und Ungläubige. Es geht im Evangelium eben nicht nur um den Retter, sondern es geht ebenfalls um den Herrn. Der Retter ist zugleich der Herr.

  • Wir sollten das Evangelium von dem Reich Gottes nicht geringschätzen. Es hat bis heute eine hohe praktische Relevanz für jeden, der Christus als Retter angenommen hat.

Das Evangelium von dem Namen Jesu Christi

Anders als Simon stellte Philippus sich nicht selbst in den Vordergrund, sondern wies auf die Person von Jesus Christus hin. Der Name steht für das, was eine Person ist und von sich offenbart hat. Der Name Jesus Christus überragt alles. Sein Name ist ein ausgegossenes Salböl (Hld 1,3). Alles, was wir in Ihm finden, ist lieblich und wohlgefällig (vor allem vor Gott). Petrus sagt: „Und es ist in keinem anderen das Heil, denn es ist auch kein anderer Name unter dem Himmel, der unter den Menschen gegeben ist, in dem wir errettet werden müssen“ (Apg 4,12).

  • Jesus ist der Name seiner Menschheit (Mt 1,21). Jesus ist der Name, der über seinem Kreuz stand. Er ist der „Retter der Welt“, in dem den Menschen bis heute Rettung angeboten wird. Sein Name bedeutet „Der Herr ist Rettung“. Allerdings dürfen wir auch nicht verschweigen, dass sich einmal in dem Namen Jesu jedes Knie beugen muss (Phil 2,10). Wer Ihn als Retter ablehnt, wird Ihn einmal als Richter erleben.
  • Christus ist der Name, den Er jetzt als verherrlichter Mensch im Himmel trägt. Es ist wahr, dass der hebräische Name Messias auf Griechisch Christus heißt (die Bedeutung beider Worte ist: der Gesalbte). So erwarteten die Juden ihn. Doch es ist ebenso wahr, dass Gott Ihn zum „Herrn und Christus“ gemacht hat (Apg 2,36). Somit weist der Name Christus für uns auf den verherrlichten Sohn des Menschen im Himmel hin, der den ganzen Ratschluss Gottes erfüllt hat.
  • Wer die gute Botschaft über „Jesus Christus“ verkündigt, verkündigt die beste Botschaft, die es gibt. Sie überragt jede andere Botschaft, weil sie den zum Inhalt hat, der am Kreuz für uns starb und jetzt im Himmel hoch erhoben ist.

Sie wurden getauft

Die „normale“ Reaktion auf den Glauben ist die Taufe. Für einen zum Glauben gekommenen Menschen sollte es kein Hindernis geben, sich taufen zu lassen bzw. getauft zu werden. Wer getauft wird, stellt sich öffentlich auf die Seite dessen, der für ihn sein Leben gelassen hat.

Wörtlich heißt es im Text: „sie wurden immer wieder getauft“. Das bedeutet nicht, dass sie mehrmals getauft wurden (man wird nur einmal getauft), sondern dass die Menschen, sobald sie glaubten, getauft wurden. Wir wissen nicht, wie lange das ging, doch es wird über eine gewisse Zeit so gewesen sein.

Der Text belehrt uns nicht über die Bedeutung der Taufe. Darüber hatte der Herr Jesus schon gesprochen (Mt 28,10; Mk 16) und Paulus tut das im Römer- und Kolosserbrief. Dennoch lassen sich aus dem Zusammenhang unseres Kapitels ein paar praktische Lektionen über die Taufe ableiten:

  1. a) Es waren Männer und Frauen, die getauft wurden. Gemeint sind Erwachsene bzw. Personen, die eine bewusste Entscheidung für Jesus Christus getroffen hatten. Die Bibel spricht an keiner Stelle davon, dass kleine – d.h. unmündige – Kinder getauft worden wären.
  2. In der Taufe gibt es keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Für uns ist das normal, für einen Juden war das ungewöhnlich, denn das äußere Zeichen der Zugehörigkeit im Judentum – die Beschneidung – wurde ausschließlich an Männern vollzogen.
  3. Die Taufe ist keine Handlung einer örtlichen Versammlung. Davon ist in unserem Kapitel überhaupt nicht die Rede. Die Versammlung tauft nicht und lässt auch nicht taufen. Niemand wird durch die Taufe „in die Gemeinde“ oder „in die Gemeinschaft der Gemeinde“ aufgenommen.
  4. Es spielt keine besondere Rolle, wer die Taufe durchführt. Es war mit ziemlicher Sicherheit Philippus, der das tat (wer auch sonst?), aber der Text erwähnt es nicht. Es wird lediglich gesagt, dass sie getauft wurden. Es ist nicht wichtig, wer tauft, sondern auf wen wir getauft werden. Paulus legte nicht ohne Grund Wert darauf, möglichst wenig zu taufen (1. Kor 1,14.15).
  5. Der Zusammenhang zeigt, dass die Taufe mit dem Reich Gottes verbunden ist. Es geht nicht um die Rettung für den Himmel, sondern um die Nachfolge hinter dem her, dessen Herrschaftsanspruch auf der Erde heute abgelehnt wird.

  

  • Obwohl die Taufe ein äußeres Zeichen ist, sollten wir sie nicht geringschätzen. Gott möchte, dass wir uns öffentlich auf die Seite des Herrn Jesus stellen und durch die Taufe „Flagge zeigen“. Gott möchte keine „U-Boot“-Christen haben, die nur am Sonntag auftauchen und ansonsten verborgene Christen sind.

Der Glaube Simons

„Aber auch Simon selbst glaubte“. Auf den ersten Blick scheint das eine positive Nachricht zu sein. Auf den zweiten Blick allerdings nicht. Wir lernen jetzt, dass man auch einen falschen – unechten Glauben – haben kann. Sein Glaube war ein vergeblicher Glaube. Er glaubte nicht der Botschaft von Philippus und damit glaubte er nicht an Christus. Sein Verhalten und vor allem seine Worte, die er später gesprochen hat, bewiesen das. Der Jakobusbrief lehrt uns nachhaltig, dass man echten Glauben sehen kann. Wer seinen Glauben nicht zeigen (beweisen) kann, hat keinen echten Glauben, sondern nur einen toten Glauben (Jak 2,17.20.26).

Simon anerkannte die Macht Gottes – es blieb ihm nichts anderes übrig (vgl. die Zauberer Ägyptens in 2. Mose 8,14.15). Sein Glaube war ein verstandesmäßiger Glaube. Es gibt auch gefühlsmäßigen Glauben, der nicht auf Fakten basiert. Es gibt vergeblichen Glauben, der keinen Inhalt und keine Grundlage hat. Es gibt einen nichtigen Glauben. Es gibt einen toten Glauben. Im Gegensatz dazu gibt es den wahren (echten) Glauben. Echter Glaube kommt aus der Verkündigung des Wortes Gottes (Röm 10,17). Das fehlt bei Simon vollständig.

  • Gott will uns nicht unsicher machen und doch fordert Er uns heraus, unseren Glauben aus unseren Taten zu zeigen. Glaube zeigt sich in Werken (vgl. 1. Thes 1,3 „Werke des Glaubens“).

Simon wurde getauft

Es ist ein tragischer Moment in der Geschichte der Christen. Der erste „unechte Bekenner“ wird getauft. Seit Apostelgeschichte 8 sind „Gemeinde Gottes“ und „Reich Gottes“ nicht mehr deckungsgleich. Zur Gemeinde Gottes gehören alle wiedergeborenen Christen, die neues Leben aus Gott haben. Zum Reich Gottes gehören alle, die getauft worden sind. Sie bekennen, dass Jesus Christus ihr Herr ist. Hier tut es zum ersten Mal jemand, der kein neues Leben hatte.

Einige Ausleger werfen Philippus vor, er habe nicht die Gabe der „Unterscheidung der Geister“ (1. Kor 12,10) gehabt und auch nicht die Geister geprüft, ob sie aus Gott seien (1. Joh 4,1). Wir sollten mit diesem „Vorwurf“ vorsichtig sein, denn es ist fraglich, ob er es überhaupt hätte erkennen können. Es ist wahr, dass Simon später durch die beiden Apostel entlarft wird. Allerdings hat er sich in diesem Moment selbst durch seine Worte offenbart, d.h. es war keine besondere Weisheit erforderlich, Simon zu diesem Zeitpunkt als einen falschen Jünger zu erkennen. Der Fall ist anders als bei Ananias und Sapphira. Dort beweist Petrus in der Tat, dass er die Fähigkeit der Unterscheidung der Geister hatte (Apg 5,1–5).

  • Die Lehre der Bibel ist eindeutig. Die Taufe rettet nicht für den Himmel, sondern sie verbindet uns hier auf der Erde mit dem Herrn Jesus. Taufe, Mahl des Herrn, gute Werke, der Besuch der Zusammenkünfte etc. haben ihren Platz, aber sie retten nicht. Um in den Himmel zu kommen, ist der richtige Glaube – der Glaube an Jesus Christus – unabdingbar.

Simon hielt sich zu Philippus

Die Taufe ist auf den Herrn Jesus. Getaufte Menschen halten sich zu Ihm. Doch Simon tut etwas anderes. Er orientierte sich an Menschen, weil er keine Lebensbeziehung zu Christus hatte. Er suchte Halt bei Menschen und nicht bei Jesus. Vielleicht hätte das Philippus stutzig machen sollen.

  • Wir sollen nicht Menschen nachlaufen, sondern Christus orientiert leben. Wir hängen uns nicht an den, der uns getauft hat, sondern an den, auf den wir getauft sind.

Simon sah die Zeichen

Simons Welt war das Äußere und Sichtbare. Die Zeichen waren ihm wichtig und davon ließ er sich beeindrucken. Das Wesentliche (die innere Hinwendung zu Christus) fehlte ihm. Zuerst gerieten Menschen außer sich über Simon. Jetzt gerät er außer sich, doch es nützte ihm nichts. Von den wahren Gläubigen wird nicht gesagt, dass sie außer sich gerieten durch die Zeichen. Sie glaubten dem Wort.

  • Wem oder was glauben wir? Wovon lassen wir uns beeindrucken? Zeichen und Wunder geschehen heute im Allgemeinen nicht mehr. Dennoch gibt es ein breites christliches „Rahmenprogramm“. Es mag seinen Platz haben, ist aber nicht entscheidend. Letztlich geht es um das Wort Gottes und um unseren Herrn und Retter.

3. Der Besuch der Apostel in Samaria (Verse 14–17)

„Als aber die Apostel in Jerusalem gehört hatten, dass Samaria das Wort Gottes angenommen habe, sandten sie Petrus und Johannes zu ihnen; die, als sie hinabgekommen waren, für sie beteten, damit sie den Heiligen Geist empfingen; denn er war noch auf keinen von ihnen gefallen, sondern sie waren nur getauft auf den Namen des Herrn Jesus. Dann legten sie ihnen die Hände auf, und sie empfingen den Heiligen Geist.“

Die Apostel in Jerusalem hören

Die Apostel waren trotz der allgemeinen Christenverfolgung nicht aus Jerusalem vertrieben worden, sondern dort geblieben. Ob das richtig war oder nicht, sei dahingestellt. Einige Ausleger sehen das positiv, andere eher kritisch1. Sie hören jedenfalls, was in Samaria passiert ist und interessieren sich dafür. Samaria steht hier im Gegensatz zu Jerusalem. Gemäß Apostelgeschichte 1,8 sollten die Apostel das Evangelium nach Samaria tragen. Nun hatte Gott Philippus dazu gebraucht. Allerdings sollte es doch nicht ganz ohne die Apostel geschehen. Zwei von ihnen machen sich jetzt auf den Weg.

  • Niemand von uns wird sich mit den Aposteln vergleichen wollen. Dennoch lernen wir hier, dass es gut ist, wenn wir offene Ohren für das haben, was der Herr an anderen Orten geschehen lässt.

Das Wort angenommen

Philippus hatte das Wort (die Kunde Gottes) gepredigt und die Samariter hatten es angenommen. Die Tatsache, dass „Samaria“ das Wort angenommen hatte, bedeutet nicht, dass alle Samariter das getan hatten, aber offensichtlich doch so viele, dass es so formuliert werden kann. Es muss eine gewaltige Erweckung gewesen sein.

Damit das Wort angenommen werden kann, muss es zunächst gepredigt werden. Das ist die Verantwortung des Predigers. Philippus war ihr nachgekommen. Die Verantwortung der Zuhörer ist es, das Wort anzunehmen. Es gibt immer diese zwei Seiten. Paulus schreibt den Thessalonichern: „Und darum danken auch wir Gott unablässig dafür, dass ihr, als ihr von uns das Wort der Kunde Gottes empfingt, es nicht als Menschenwort aufnahmt, sondern, wie es wahrhaftig ist, als Gottes Wort, das auch in euch, den Glaubenden, wirkt“ (1. Thes 2,13). Wenn das Wort so aufgenommen wird – nämlich als Gottes Wort – dann wird es ausrichten, wozu Gott es gegeben hat. Der Prediger ist nicht mehr als ein Kanal. Die eigentliche Wirksamkeit hat das Wort. Das „Aufnehmen“ des Wortes geschieht nicht äußerlich (akustisch oder visuell), sondern im Herzen. Das Wort bedeutet eigentlich, die Hände hinhalten und etwas nehmen.

  • Die Aussage bezieht sich hier auf den Sünder, der das Evangelium annimmt. Sie gilt ebenso für den Gläubigen, der das Wort Gottes hört. Wir sollen es nicht von Menschen annehmen, sondern von Gott. Es ist sein Wort.

Petrus und Johannes werden gesandt

Wir fragen uns, wer sie gesandt hat. Es wird nicht gesagt. Offensichtlich geschah diese Sendung unter der Leitung des Heiligen Geistes. Die übrigen zehn Apostel werden daran jedoch nicht unbeteiligt gewesen sein. Und obwohl Petrus und Johannes die herausragenden Apostel waren, unterstellen sie sich dem Urteil der anderen und lassen sich senden. Wir erkennen unter den Aposteln keinerlei Rivalität oder eigenmächtige Handlungen.

Aber es gibt auch keine Rivalität im Blick auf Philippus. Die Diener Gottes handeln hier Hand in Hand. Der Besuch der Apostel war kein „Kontrollbesuch“. Philippus war kein Apostel und doch werden sein Dienst und sein Werk anerkannt. Andererseits lesen wir nicht, dass Philippus nicht damit einverstanden gewesen wäre, dass die beiden nun plötzlich in Samaria auftauchen.

  • Rivalität im Werk des Herrn ist eine fatale Sache. Gott möchte, dass seine Diener „Hand in Hand“ arbeiten und sich gegenseitig unterstützen – so wie Paulus und Apollos es taten (vgl. 1. Kor 3,6).

Nach Samaria hinabkommen

Es hatte einen handfesten Grund, warum die Apostel nach Samaria hinabkamen. Es sollte nicht nur keine Rivalität zwischen Dienern Gottes geben, sondern auch keine Rivalität im Volk Gottes. Wir können annehmen, dass die Apostel wussten, dass die Glaubenden den Heiligen Geist noch nicht empfangen hatten und dass diese Tatsache der eigentliche Grund für die Reise war. Die Versammlung sollte eine Einheit sein. Obwohl die Wahrheit von dem „einen Leib“ noch nicht bekannt war, wird sie doch intuitiv ausgelebt.

Zwischen Jerusalem und Samaria bestand eine Jahrhunderte alte Rivalität. Diese Rivalität sollte sich nun auf keinen Fall auf die junge Gemeinde übertragen. Gott sorgte dafür, dass die Samariter den Heiligen Geist bisher noch nicht empfangen hatten, damit der ethnische und religiöse Zwiespalt nicht von Anfang an die junge Gemeinde auf der Erde vergiftete und für Spaltung sorgte. Petrus und Johannes sollten durch ihre Anwesenheit dazu beitragen, dass die Glaubenden in Samaria ebenfalls den Heiligen Geist empfingen.2 Es sollte keine unabhängige Gemeinde in Samaria entstehen, sondern es sollte in Harmonie und Verbundenheit mit der Versammlung in Jerusalem gehandelt werden. Gott führt es so, dass in Einheit gehandelt wird und die „Einheit des Geistes bewahrt wird im Band des Friedens“ (Eph 4,2).

Dass es ein Weg „hinab“ war, scheint mehr als ein geographischer Hinweis zu sein. Die Anwendung erscheint legitim, dass die Apostel nicht aus einer „erhabenen Stellung“ ihre Zustimmung geben sollten, sondern sich mit dem Werk in Samaria fest verbinden sollten.

  • Voneinander unabhängige Gemeinden sind dem Wort Gottes völlig fremd. Sie entstehen im geistlichen Miteinander und in Einheit und sie existieren im geistlichen Miteinander und in Einheit. Gemeinsam sind sie von dem einen Herrn – dem Haupt seiner Versammlung – abhängig.

Gebet um den Heiligen Geist

Wenn Petrus und Johannes es nicht vorher schon gewusst haben, dann erkannten sie jedenfalls sofort, dass den Gläubigen in Samaria etwas sehr Wesentliches fehlte, nämlich der Heilige Geist. In Kapitel 2,38 hatte Petrus den Juden erklärt: „Ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen“. Das war die Zusage des Herrn gewesen. Es geschah ohne Gebet und ohne Auflegen der Hände.

Die Gabe des Heiligen Geistes ist eine gewaltige christliche Segnung, von der sehr viel abhängt. Der Herr Jesus selbst hatte darüber in Johannes 13–16 ausführlich mit seinen Jüngern gesprochen und auch in den Briefen ist davon mehrfach die Rede. Diese Segnung durfte also auf keinen Fall fehlen. Was also tun? Die Apostel handeln nicht einfach unabhängig von ihrem Herrn, sondern sie beten. Das war der erste Schritt, damit der Heilige Geist auf die Glaubenden in Samaria kommen konnte.

  • Der Gebetsgegenstand ist hier ein Sonderfall. Wir beten nicht dafür, dass ein Gläubiger den Heiligen Geist empfängt, denn jeder Glaubende der Gnadenzeit besitzt den Geist als Siegel, als Unterpfand und als Salbung (wir können wohl dafür beten, mit dem Geist erfüllt zu werden). Wir lernen dennoch aus dem Verhalten der Apostel, dass wir zuerst beten sollten, wenn wir einen geistlichen Mangel bei anderen (oder bei uns selbst) erkennen. Wenn schon die Apostel das taten, wieviel mehr sollten wir es tun.

Taufe auf den Namen des Herrn Jesus

Der Text macht hier einen deutlichen Unterschied zwischen dem Empfang des Heiligen Geistes einerseits und der Taufe (der Wassertaufe) andererseits. Beides muss voneinander unterschieden werden. Die Samariter hatten geglaubt und waren getauft. Was diese Taufe beinhaltete, haben wir bereits gesehen. Sie traten in das Reich Gottes ein und bekannten sich öffentlich zu Christus als ihrem Herrn. Hier wird nur hinzugefügt, dass sie auf „auf den Namen des Herrn Jesus“ getauft waren. Damit ist keine „Taufformel“ gemeint, sondern dass sie durch die Taufe mit dem Herrn Jesus verbunden wurden und sich damit zu diesem verachteten Namen bekannten. Der Ausdruck „im Namen des Herrn Jesus“ schließt hier außerdem ein, dass die Taufe „in der Vollmacht oder Autorität des Herrn Jesus“ geschah.

  • Es ist wichtig, dass wir festhalten, dass die Taufe mit einem auf der Erde abgelehnten Christus verbunden ist, dem gleichwohl alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben ist.

Die Hände auflegen

Neben dem Gebet wird eine zweite Bedingung genannt, die erfüllt sein musste, bevor die Samariter den Heiligen Geist empfingen. Petrus und Johannes legten ihnen die Hände auf. Das äußere Zeichen des Auflegens der Hände symbolisiert inneres Einverständnis. Das war Juden und Samaritern aus dem Alten Testament gut bekannt. Petrus und Johannes signalisierten damit, dass sie sich mit den Gläubigen aus Samaria praktisch verbanden (eins machten) und dass es keine Rivalität zwischen Gläubigen aus Juden und Samaritern geben sollte. Insofern war die äußere Handlung hier von großer Bedeutung.

  • In den Briefen lesen wir wenig vom „Auflegen der Hände“. Timotheus waren die Hände aufgelegt worden (1. Tim 4,14; 2. Tim 1,6) und er ist es auch, der davor gewarnt wird, jemanden die Hände schnell aufzulegen (1. Tim 5,22). Ansonsten finden wir keine Hinweise, dass wir die äußere Handlung heute noch praktizieren sollten. Hebräer 6,2 ist eher eine Warnung, es zu tun.

Den Heiligen Geist empfangen

Der Text spricht mehrfach von dem Heiligen Geist. Dabei geht es eindeutig um die Person des Heiligen Geistes und nicht um eine geistliche Gabe oder Kraft3 (von Äußerungen des Geistes wie dem Reden in Sprachen ist hier überhaupt nicht die Rede). Es geht auch nicht um den Empfang des ewigen Lebens (wie in Joh 20,22). Es gilt, zwischen diesen Dingen zu unterscheiden.

Des Weiteren ist hier nicht von einer erneuten Taufe mit dem Heiligen Geist die Rede. Der Text spricht vom „Empfangen“ und vom „Fallen“ des Geistes. Die Taufe mit dem Heiligen Geist ist eine einmalige Sache (1. Kor 12,13), die sich nicht wiederholt hat und sich nicht wiederholen kann. Sie fand statt, als sich das Pfingstfest erfüllte (Apg 2,1–4). Wenn der Geist später auf Gläubige kam, ist nicht mehr von einer Taufe mit dem Heiligen Geist die Rede. Die Taufe mit dem Heiligen Geist war die Geburtsstunde der Versammlung und diese wiederholt sich nicht (man wird nur einmal geboren).

Exkurs: Wie empfängt ein Mensch den Heiligen Geist?

Unser Text wirft Licht auf die wichtige Frage, wie und wann ein Mensch den Heiligen Geist empfängt. Im Fall der Samariter waren es fünf Schritte, die gezeigt werden:

  1. Die Annahme des Wortes im Glauben
  2. Die christliche Taufe
  3. Das Gebet der Apostel
  4. Das Händeauflegen der Apostel
  5. Der Empfang des Heiligen Geistes

Wenn wir nur diesen einen Text hätten, könnten wir annehmen, dass diese Schritte bis heute gegangen werden müssten. Doch dem ist nicht so. Wir vergleichen unseren Text jetzt mit anderen Situationen, in denen Menschen den Heiligen Geist empfingen, um die Sache klarer zu erkennen:

In Apostelgeschichte 2, 38–39 empfangen zum Glauben an den Herrn Jesus gekommene Juden den Heiligen Geist. Hier werden drei Schritte gezeigt:

  1. Buße tun, d.h. den Sinn ändern
  2. Die christliche Taufe
  3. Der Empfang des Heiligen Geistes

In Apostelgeschichte 10, 44–48 empfangen zum Glauben an den Herrn Jesus gekommene Heiden den Heiligen Geist. Erneut werden drei Schritte gezeigt:

  1. Glaube an den Herrn Jesus
  2. Der Empfang des Heiligen Geistes
  3. Die christliche Taufe

Ein vierter Fall wird in Apostelgeschichte 19,1–6 beschrieben. Dort ist Paulus, der Jünger fand, die nur die Taufe des Johannes (eine Taufe zur Buße) kannten. Hier sind es vier Schritte, die gegangen wurden:

  1. Der Glaube
  2. Die christliche Taufe
  3. Das Auflegen der Hände durch Paulus
  4. Der Empfang des Heiligen Geistes

Wir fragen uns, warum es diese Unterschiede gibt und welche Reihenfolge für uns heute bindend ist.

Wir beginnen mit der zweiten Frage. Paulus beantwortet sie in Epheser 1,12–14: „... damit wir zum Preise seiner Herrlichkeit seien, die wir zuvor auf den Christus gehofft haben; in dem auch ihr, nachdem ihr gehört habt das Wort der Wahrheit, das Evangelium eures Heils – in dem ihr auch, nachdem ihr geglaubt habt, versiegelt worden seid mit dem Heiligen Geist der Verheißung, der das Unterpfand unseres Erbes ist, zur Erlösung des erworbenen Besitzes, zum Preise seiner Herrlichkeit“. Das deckt sich mit dem, was wir in Apostelgeschichte 10 gefunden haben. Damit ist klar, dass diese für uns anzuwenden ist. Die Epheser hatten das Wort der Wahrheit, das Evangelium des Heils gehört und geglaubt. Daraufhin hatten sie den Heiligen Geist empfangen (von der Taufe ist nicht die Rede). Das ist insofern einleuchtend, weil die meisten Gläubigen in der Zeit der Gnade ursprünglich aus den Heiden stammten (und selbst, wenn es Juden sind, ist die Reihenfolge heute nicht anders). Wer das volle Evangelium Gottes hört und glaubt, wird mit dem Heiligen Geist versiegelt, d.h. er empfängt Ihn und kann deshalb sein Heil nie wieder verlieren. Es ist ein Irrtum anzunehmen, dass zwischen dem Akt des Glaubens an das Evangelium (und der damit verbundenen neuen Geburt) und dem Empfang des Heiligen Geistes in der gegenwärtigen Haushaltung der Gnade eine kürzere oder längere Zeitspanne liegen könnte.

Bleibt die zweite Frage, warum es die Unterschiede zwischen diesen vier Stellen in der Apostelgeschichte gibt. Auch diese Frage ist im Kontext der Stellen nicht schwierig zu beantworten:

  1. In Apostelgeschichte 2 geht es um Juden in Jerusalem, die an dem Tod des Herrn Jesus schuldig geworden waren. Deshalb wird bei ihnen zuerst die Buße betont. Sie mussten sich von ihrem bösen Tun distanzieren. Zweitens wird die Taufe gefordert. Sie mussten sich bewusst auf die Seite dessen stellen, dessen Tod sie wenige Wochen vorher noch vehement gefordert hatten. Buße und Taufe waren notwendig, um sich von dem Volk der Juden zu trennen (Apg 2,40). Erst danach empfingen sie den Heiligen Geist. Es handelt sich somit um einen erklärbaren Sonderfall.
  2. In Apostelgeschichte 8 geht es um die Samariter, die bis dahin in ethnischer und religiöser Feindschaft zu den Juden standen. Hier wird Wert darauf gelegt, dass sie den Heiligen Geist nicht empfingen, ohne dass die Apostel aus Jerusalem daran beteiligt waren. Deshalb erfolgte nach dem Glauben und der Taufe das Gebet der Apostel, die ihnen dann noch die Hände auflegten. Es handelt sich erneut um einen nachvollziehbaren Sonderfall.
  3. In Apostelgeschichte 10 sind es – wie bereits erläutert – Menschen aus den Heiden. Sie glauben an den Herrn Jesus und empfangen den Heiligen Geist. Wenig später werden sie getauft. Was sich innerlich vollzogen hatte (Glaube und Heiliger Geist) wird nun äußerlich durch die Taufe bestätigt. Sie stellen sich auf die Seite des Herrn Jesus. Das ist die Abfolge, wie wir sie heute noch kennen.
  4. Apostelgeschichte 19 behandelt einen dritten Sonderfall. Hier sind es Menschen, die bisher nur die Taufe des Johannes kannten, d.h. sie waren nicht mit der christlichen Wahrheit bekannt und hatten das volle Evangelium weder gehört noch geglaubt. Sie mussten sich, nachdem sie glaubend gehört hatten, zunächst taufen lassen und auf die Seite des Herrn Jesus stellen. Dann legte Paulus ihnen die Hände auf, d.h. er wird als Apostel legitimiert. Erst danach empfangen sie den Heiligen Geist.

Für uns heute gilt: Niemand empfängt durch das Gebet eines anderen oder durch das Auflegen der Hände den Heiligen Geist. Beide Fälle in der Apostelgeschichte, in denen die Hände aufgelegt wurden, sind Sonderfälle. Für uns gilt Epheser 1,13: Wer dem Evangelium des Heils glaubt, empfängt den Heiligen Geist. Da sind kein Gebet, kein Händeauflegen und keine Taufe erforderlich. Wer sollte auch die Hände auflegen, wo es keine Apostel mehr gibt? Paulus bestätigt die Voraussetzung des Glaubens in seinem Brief an die Galater. Er schreibt dort, dass die Gläubigen den Geist „aus der Kunde des Glaubens“ empfangen haben (Gal 3,2).

4. Simon wird entlarvt (Verse 18 – 24)

„Als aber Simon sah, dass durch das Auflegen der Hände der Apostel der Heilige Geist gegeben wurde, bot er ihnen Geld an und sagte: Gebt auch mir diese Gewalt, damit jeder, dem irgend ich die Hände auflege, den Heiligen Geist empfange. Petrus aber sprach zu ihm: Dein Geld fahre samt dir ins Verderben, weil du gemeint hast, dass die Gabe Gottes durch Geld zu erwerben sei! Du hast weder Teil noch Anrecht an dieser Sache, denn dein Herz ist nicht aufrichtig vor Gott. Tu nun Buße über diese deine Bosheit und bitte den Herrn, ob dir etwa der Anschlag deines Herzens vergeben werde; denn ich sehe, dass du in Galle der Bitterkeit und in Fesseln der Ungerechtigkeit bist. Simon aber antwortete und sprach: Betet ihr für mich zum Herrn, damit nichts über mich komme von dem, was ihr gesagt habt.“

Eine Trennungslinie

Bisher galt Simon als einer derjenigen, „die des Weges waren“, d.h. als Christ. Doch nachdem nun der Heilige Geist gegeben war, wird eine klare Trennungslinie zwischen dem Echten und Unechten gezogen. Simon kann nicht länger verborgen bleiben. Er war zwar getauft, aber er erwies sich als jemand, der den Heiligen Geist nicht empfangen hat. Er wird nun offenbart bzw. Gott sorgt dafür, dass er sich selbst durch seine Worte entlarvt.

Getauft zu sein bedeutet, dem Bekenntnis nach Eintritt in das Reich Gottes auf der Erde zu haben. Es bedeutet nicht, für den Himmel gerettet zu sein. Simon zählte zu den Christen, ohne wirklich im Herzen ein Christ zu sein. Er ist mit den Israeliten zu vergleichen, die auf Mose getauft waren, an denen Gott allerdings kein Wohlgefallen hatte (1. Kor 10,2–5).

Menschen, die die Taufwiedergeburt lehren, haben große Mühe, diese Stelle zu erklären. Sie ist ein Beweis von vielen, dass diese Lehre nicht dem Wort Gottes entspricht.

  • Es ist ein überaus ernster Gedanke, sich äußerlich zu den Christen zu zählen, aber kein neues Leben aus Gott zu haben.

Simon sieht

Statt zu hören und zu glauben, sieht Simon. Er ist beeindruckt. Obwohl der Text nicht ausdrücklich von Zeichen und Wundern und Reden in Sprachen spricht, wird wohl genau das die Folge des Empfangens des Heiligen Geistes gewesen sein. Was Simon sah, muss ihn fasziniert haben. Diejenigen, die er früher in seinem Bann hielt, besaßen nun eine Kraft, gegen die seine „Zauberkünste“ wie nichts erschienen. Sie besaßen den Heiligen Geist und er besaß ihn nicht. Das scheint das eigentliche Motiv für seine Worte gewesen zu sein.

Der Hebräerbrief spricht von solchen, die „einmal erleuchtet worden sind und die himmlische Gabe geschmeckt haben und des Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind“ (Heb 6,4). Auch diese Menschen waren nicht echt, sondern hatten nur einen äußeren Anteil an dem Segen, der durch die christliche Botschaft unter die Menschen gebracht wurde. Ähnlich war es bei Simon.

Simon macht ein Angebot

Simon macht nun ein Angebot. Sein Vorschlag zeigt, dass er nicht unbedingt daran interessiert war, den Heiligen Geist zu bekommen, sondern er wollte vielmehr die Autorität der Apostel haben, um anderen durch das Auflegen der Hände diese Gabe Gottes zu vermitteln. Er erkannte unmittelbar, dass er daraus persönlichen Gewinn ziehen könnte – sei es finanziell oder an Ansehen. Seine Worte zeigen sein Inneres und seine Gedanken. Wie wahr sind die Worte unseres Herrn: „ Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz des Herzens das Gute hervor, und der böse bringt aus dem bösen das Böse hervor; denn aus der Fülle des Herzens redet sein Mund“ (Lk 6,45). Aus seinem eigenen Mund würde er wenig später gerichtet (verurteilt) werden (Lk 19,22). Für ihn war die Gottseligkeit nicht mehr als ein Mittel zum Gewinn (1. Tim 6,5). Ein Werk des Geistes in seinem Inneren gab es nicht.

Aus dem Verhalten von Simon leitet sich das Wort „Simonie“ ab, das bis heute dafür benutzt wird, um jemanden zu beschreiben, der sich in geistlichen Dingen einen Vorteil oder ein Amt erkaufen möchte. Es geht letztlich um jede Form von „Handel“ in geistlichen Fragen und das Bestreben, den Glauben an Christus in eine am Geld orientierte Religion umzuwandeln. Heute sind weite Teile des Christentums von dieser Haltung geprägt.

Þ Wer meint, geistliche Gaben und Fähigkeiten durch Geld erlangen zu können, diskreditiert damit in letzter Konsequenz das Werk Christi. Er tut damit das Werk des Teufels, der immer bestrebt ist, Gott und seinen Sohn zu verunehren.

Petrus Antwort

Petrus erkennt an den Worten Simons sofort, dass er nicht „echt“ sein kann und den Heiligen Geist nicht besitzt. Seine Antwort („Petrus aber“) ist sehr klar und deutlich und offenbart den Herzenszustand Simons. Seine Worte zeigen wichtige Dinge:

  1. Er kündigt Simon das Gericht an. Er ist zusammen mit seinem Geld auf dem Weg in das Verderben (den Ruin, den Untergang). Gemeint ist nicht ein zeitliches Gericht, sondern das ewige Verderben. So wie Paulus anhand des Verhaltens der Thessalonicher ihre Auserwählung sehen konnte (1. Thes 1,4), sah Petrus hier, dass Simon auf dem Weg ins Verderben war. Worte und Taten offenbaren, wes Geistes Kind ein Mensch ist. Noch einmal: Getauft zu sein, bedeutet nicht, gerettet zu sein für den Himmel. Die Taufe bringt kein neues Leben. Selbst das Bild der Taufe (das Untertauchen) spricht nicht von Leben, sondern vom Tod. Von einem echten Kind Gottes kann nie gesagt werden, dass es ins Verderben fährt. Ein Gotteskind geht nicht verloren (Joh 5,24; 10,27–29).
  2. Er macht deutlich, dass man die Gabe Gottes nicht mit Geld erwerben kann. Die „Gabe Gottes“ ist hier der Heilige Geist und die damit verbundenen Wunderwerke. In 2. Korinther 9,15 ist es der Herr Jesus selbst („Gott sei Dank für seine unaussprechliche Gabe“). Gott gibt gerne und seine Gaben sind immer Gaben der Gnade. Mit Geld kann man Gottes Gaben nicht erwerben. Wenn man dafür bezahlen könnte, wäre es keine Gabe der Gnade mehr, sondern Verdienst. Man würde damit die Gnade Gottes mit Füßen treten.
  3. Er zeigt, dass Simon weder Teil von Anrecht an der Gabe des Heiligen Geistes und den damit verbundenen Folgen hat. Er ist ein Heuchler, denn sein Herz ist nicht aufrichtig. Menschen konnte er eine Zeitlang etwas vormachen, Gott hingegen nicht. Gott ist ein Beurteiler der Gedanken und Überlegungen des Menschen. Vor Ihm ist kein Geschöpf unsichtbar, sondern alles ist bloß und aufgedeckt vor seinen Augen (Heb 4,13). Simon erweckt den Eindruck, ein Teil (d.h. ein Stück vom Ganzen) und ein Anrecht (d.h. ein Los, Erbe, Anteil) zu haben, hat es aber nicht. Es bleibt offen, worauf genau Petrus sich bezieht. Einige Ausleger denken an das ewige Leben. Der Zusammenhang scheint eher anzudeuten, dass es um den Heiligen Geist geht.
  4. Er sieht, dass Simon in „Galle der Bitterkeit“ und in „Fesseln der Ungerechtigkeit“ ist. Das zeigt, in welch einem durch und durch elenden und bedauernswerten Zustand sich Simon befand. „Galle der Bitterkeit“ ist eine Doppelung und zeigt, wie verbittert und voller Hass Simon war. Das zeigt seinen inneren verdorbenen Zustand. „Fesseln der Ungerechtigkeit“ zeigt, dass Simon letztlich ein Gebundener seiner eigenen Ungerechtigkeit – und damit ein Gefangener Satans war.
  5. Er zeigt ihm die Lösung: Obwohl Petrus Simon selbst und seine Sünde einerseits schonungslos offenbart, hat er anderseits Mitleid mit ihm und fordert ihn zur Buße auf. Buße ist die innere Änderung der Gesinnung und Denkweise des Menschen, die mit entsprechenden Früchten verbunden ist. Buße ist sehr konkret und nicht pauschal. Simon soll „über diese Sache“ Buße tun. „Diese Sache“ ist der „Anschlag deines Herzens“. Petrus geht auf den Grund der Sache – das verdorbene Herz. Simon musste lernen, nicht nur Taten zu verurteilen, sondern die Motive des Herzens. Böses beginnt immer im Herzen und in den Gedanken des Menschen. Der Anschlag seines Herzens wird hier als Bosheit bezeichnet (ohne dass Petrus direkt auf seine Worte Bezug nimmt). Das zeigt, wie Recht Salomo hatte, der schreibt: „Das Vorhaben der Narrheit ist die Sünde“ (Spr 24,9). Der Lösungsweg ist das Gebet zum Herrn. Zu Ihm hatte Simon sich in der Taufe bekannt, ohne Ihn jedoch je angerufen zu haben. Ohne Buße und Gebet zum Herrn gab es für ihn keine Vergebung. Vielleicht hat Petrus an die Worte durch den Propheten Jesaja gedacht: „Der Gottlose verlasse seinen Weg und der Mann des Frevels seine Gedanken; und er kehre um zu dem Herrn, so wird er sich seiner erbarmen, und zu unserem Gott, denn er ist reich an Vergebung“ (Jes 55,7).

   

  • Gott zeigt durch sein Wort jedem Menschen seinen verdorbenen Zustand und sein böses Tun. Er zeigt klar, wo der Weg des Sünders enden wird (im ewigen Verderben). Aber bis heute bietet er jedem Menschen Vergebung der Sünden an, der im Bekenntnis seiner Schuld zu Ihm kommt. Es liegt an uns, das Angebot Gottes in seinem Sohn anzunehmen.

Simons letzte Worte

Simons Antwort ist das Letzte, was wir von ihm in der Bibel lesen (die Kirchengeschichte berichtet noch anderes von ihm. Er soll ein Feind der Christen geworden sein und eine sehr üble Rolle gespielt haben. Ob das tatsächlich so ist, wissen wir nicht). Die Mahnung des Apostels schlägt er allerdings in den Wind. Er gebraucht fromme Worte. Er spricht von dem Herrn, aber nicht zu dem Herrn. Damit wird erneut deutlich, was in seinem Herzen ist.

  1. Betet ihr für mich zum Herrn: Simon ist der erste, der einen Mittler sucht, um zu dem Herrn zu kommen. Es gibt aber keinen menschlichen Mittler. Bis heute ist es ein Irrweg, auf dem viele Menschen sich befinden. Es gibt nur einen Namen, in dem Gott den Menschen das Heil anbietet. Es gibt nur einen Weg und nur einen Mittler. Paulus schreibt das klar und unmissverständlich: „Denn Gott ist einer, und einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gab als Lösegeld für alle“ (1. Tim 2,5.6). Simon dokumentiert damit, dass er kein wirkliches Vertrauen (und damit keinen Glauben) auf den Herrn hat. Wer als Sünder dem Herrn vertraut, wird sein Vertrauen nicht gleichzeitig auf Menschen setzen. Simons Hoffnung basierte jedoch auf Vertrauen zu Menschen.
  2. Simon verwechselt innere Buße und oberflächliche Reue. Seine Worte beweisen, dass er Angst vor den Folgen hat. Er will aber ihre Ursache nicht richten und bekennen. Sein Glaube gleicht dem der Dämonen, die glauben und zittern (Jak 2,19). Ein solcher Glaube ist völlig wertlos und tot. Darin gleich er dem Pharao von Ägypten, der Moses bat, für ihn zu beten, damit die Plagen aufhören würden, dann jedoch unmittelbar danach sein Herz erneut verhärtete (2. Mo 8,8.15). Er wollte nur das Ende der Plagen – nicht mehr und nicht weniger.

  

  • Wir müssen davon ausgehen, dass am Ende genau das passiert ist, was Petrus gesagt hat. Simon ist samt seinem Geld ins Verderben gefahren. Sein Beispiel ist eine ernste Warnung für jeden, der nur „eine Form der Gottseligkeit“ hat, ihre Kraft jedoch verleugnet (2. Tim 3,5).

5. Das Evangelium in vielen Dörfern Samarias (Vers 25)

„Nachdem sie nun das Wort des Herrn bezeugt und geredet hatten, kehrten sie nach Jerusalem zurück und verkündigten das Evangelium vielen Dörfern der Samariter.“

Ausgehen und zurückkehren

Die beiden Apostel blieben nicht in Samaria. Sie hatten einen konkreten Auftrag zu erfüllen und nachdem sie ausgerichtet hatten, wozu sie gerufen waren, kehrten sie zurück. Beides hat seinen Wert und seine Zeit. Wichtig ist, dass ein Werk (eine Aufgabe) vollendet und nicht nur halb getan wird. Paulus konnte rückblickend auf sein Leben sagen, dass er „den Lauf vollendet“ hatte (2. Tim 4,7). Was für das ganze Leben des Christen gilt, sollte auch für einzelne Etappen und Aufgaben gelten.

  • Weisheit ist nötig, um zu erkennen, wann Gott uns für eine bestimmte Aufgabe ruft. Weisheit ist ebenfalls nötig zu erkennen, wann sie beendet ist.

Das Wort des Herrn bezeugen

Das „Wort des Herrn“ kann zweierlei bedeuten. Wenn es das Wort ist, das vom Herrn kommt, dann wird die Autorität des Wortes betont. Wenn es das Wort über den Herrn ist, dann geht es um den Inhalt der Botschaft. Beides trifft hier zu. Die Apostel bezeugten ein Wort, das die höchste Autorität überhaupt hat. Zum anderen haben sie nicht nur „Jesus“ verkündigt, sondern den „Herrn“. Wer Ihn annimmt, verlässt den Machtbereich Satans und untersteht nun der Gnadenherrschaft des Herrn Jesus.

  • Kein Bote des Herrn sollte je vergessen, welch eine großartige Botschaft er hat und welche Autorität das Wort hat, das er verkündigt, weil es das „Wort des Herrn“ ist.

Bezeugen, reden, verkündigen

Bezeugen und Reden gehört zusammen. Die Apostel haben nicht zuerst Zeugnis abgelegt und dann geredet. Sondern sie haben bezeugt, indem sie geredet haben. Bezeugen meint beschwören, ernstlich bezeugen oder dringend warnen (vgl. z.B. Apg 10,42). Reden ist sprechen oder sagen. Damit wird betont, dass sie eben nicht geschwiegen haben (vgl. 2. Kön 7,9).

Das Wort „verkündigen“ ist hier wieder „evangelisieren“, d.h. die gute Botschaft von dem Heiland Gott predigen. Die Verbform zeigt ein laufendes und fortschreitendes Werk, d.h. Petrus und Johannes haben es nicht nur einmal getan, sondern sie haben jede Gelegenheit genutzt, von ihrem Herrn zu sprechen und Ihn zu bezeugen. Das Evangelium zu verkündigen ist eine großartige Botschaft. Es ist die beste Botschaft, die es gibt. In der Welt gilt: „bad news = good news“. Für Christen gilt das ganz sicher nicht.

  • Es ist fatal, wenn Menschen, die die beste Botschaft haben, schweigen und nicht reden. Gott möchte, dass wir von dem reden, was wir selbst erfahren. Dabei steht nicht das eigene Erleben, sondern die Person des Herrn im Vordergrund.

Viele Dörfer der Samariter

Es fällt auf, dass wir in der Apostelgeschichte häufig von Städten lesen, in denen das Wort geredet wurde. Die Apostel suchten Orte auf, an denen sich viele Menschen befanden. In dieser Stelle wird zum einzigen Mal von Dörfern gesprochen. Auch in den Briefen kommt das Wort „Dorf“ nicht vor. Allerdings lesen wir in den Evangelien wiederholt von „Dörfern“. Der Herr Jesus hat die Menschen in den kleineren Ortschaften nicht links liegen gelassen, sondern sie ebenso beachtet wie die Menschen in den Städten. Die Apostel befinden sich hier somit auf der Spur ihres Meisters.

In Lukas 9,52.53 lesen wir, dass die Samariter den Messias nicht aufnehmen wollten. Petrus und Johannes haben das erlebt. Johannes wollte als Antwort auf ihre Ablehnung sogar Feuer vom Himmel herabkommen lassen, um die Samariter zu strafen (Lk 9,54). Zum Glück hat der Herr das verhindert. Jetzt kommt Johannes mit Petrus zurück – und das in einer ganz anderen Gesinnung. Jetzt geht es nicht mehr um Zorn und Rache, sondern um Barmherzigkeit und Gnade.

  • Wir brauchen die richtige innere Einstellung zu den Menschen, denen wir die gute Botschaft weitersagen. Dann kann Gott das Zeugnis segnen, weil es glaubhaft ist.

Fußnoten

  • 1 J.N. Darby schreibt dazu: „Es ist auch fraglich, ob die Apostel richtig handelten, in Jerusalem zu bleiben, und ob ein einfacher Glaube sie nicht hätte weggehen lassen und auf diese Weise der Kirche mancher Kampf und manche Schwierigkeit erspart worden sei, die mit der Tatsache, dass Jerusalem fortdauernd ein Mittelpunkt von Autorität blieb, in Verbindung standen“ (J.N. Darby: Synopsis of the books of the Bible).
  • 2 Viele Ausleger betonen an dieser Stelle, dass Petrus in diesem Kapitel die Schlüssel des Reiches benutzte, um den Samaritern die Tür zu diesem Reich zu öffnen. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass die Wassertaufe der eigentliche Eintritt zu dem Reich ist und dass es Philippus war, der ihnen das Reich Gottes verkündigt hatte. Petrus und Johannes handeln im Blick auf den Heiligen Geist und die Versammlung, die im Begriff war, in Samaria zu entstehen. Ihr Dienst ist nicht mit dem Reich verbunden und auch nicht mit der Taufe. Insofern scheint mir diese Aussage im Blick auf die Schlüssel des Reiches in Kapitel 8 fraglich zu sein (dass Petrus diesen Schlüssel in Apostelgeschichte 2 im Blick auf die Juden und in Apostelgeschichte 10 im Blick auf die Heiden benutzt, ist eindeutig belegt. In beiden Kapiteln ist von der Wassertaufe die Rede).
  • 3 W. Kelly schreibt in seiner ausgezeichneten Auslegung über den Heiligen Geist dazu folgendes: „Das Herniederkommen des Heiligen Geistes ist etwas ganz anderes, obwohl sie von diesen äußeren Zeichen seiner Kraft begleitet wurde. Niemals dürfen diese beiden Dinge miteinander vermengt werden als seien sie dasselbe. Durch eine derartige Verwirrung würde die fundamental wichtige Wahrheit von der Anwesenheit des Heiligen Geistes auf der Erde stark beeinträchtigt werden. Wenn das so wäre, dann wäre der Heilige Geist heute nicht mehr anwesend, weil solche Kraftentfaltungen heute nicht mehr gefunden werden. Daraus ist ersichtlich, welch ein Schritt zum Unglauben hin es ist, solche Zeichen und Merkmale des Heiligen Geistes mit dem Heiligen Geist selbst zu verwechseln“ (W. Kelly: Der Heilige Geist). C. Briem geht auf die Frage ein, warum vor dem Heiligen Geist im Text nicht immer der Artikel steht. Er schreibt: „Grundsätzlich gilt die Regel: Wenn der Heilige Geist den Artikel vor sich hat, wird Er als besonderer Gegenstand vor dem geistigen Auge des Verfassers gesehen; fehlt er jedoch, wird nur auf das, was charakteristisch ist, hingewiesen“ (C. Briem: Ein Volk für seinen Namen, Apostelgeschichte 8–10).
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