Der Brief des Jakobus im Überblick

Kapitel 3 und 4: Sieben Formen des Bösen

Kapitel 3 und 4 zeigen sieben Formen des Bösen1, die für reine Bekenner „typisch“ und für Gläubige eine Gefahr sind:

  • die Zunge und ihr Werk (Kap 3,1–12)
  • Neid und Streitsucht (Kap 3,13–18)
  • böse Begierden (Kap 4,1–3)
  • Freundschaft mit der Welt (Kap 4,4)
  • der Hochmut des Fleisches (Kap 4, 5–10)
  • schlechtes Reden und Richten (Kap 4,11.12)
  • Eigenwille und Selbstvertrauen (Kap 4,13–17)

Kapitel 3, Verse 1–12: Die Zunge und ihr Werk (erste Form des Bösen)

„Seid nicht viele Lehrer, meine Brüder, da ihr wisst, dass wir ein schwereres Urteil empfangen werden; denn wir alle straucheln oft. Wenn jemand nicht im Wort strauchelt, der ist ein vollkommener Mann, fähig, auch den ganzen Leib zu zügeln. Siehe, den Pferden legen wir die Gebisse in die Mäuler, damit sie uns gehorchen, und lenken ihren ganzen Leib. Siehe, auch die Schiffe, die so groß sind und von heftigen Winden getrieben werden, werden durch ein sehr kleines Steuerruder gelenkt, wohin irgend die Absicht des Steuermanns will. So ist auch die Zunge ein kleines Glied und rühmt sich großer Dinge. Siehe, ein kleines Feuer, welch einen großen Wald zündet es an! Und die Zunge ist ein Feuer, die Welt der Ungerechtigkeit. Die Zunge erweist sich unter unseren Gliedern als die, die den ganzen Leib befleckt und den Lauf der Natur anzündet und von der Hölle angezündet wird. Denn jede Natur, sowohl die der wilden Tiere als auch die der Vögel, sowohl die der kriechenden als die der Meerestiere, wird gebändigt und ist gebändigt worden durch die menschliche Natur; die Zunge aber kann keiner der Menschen bändigen: Sie ist ein unstetes Übel, voll von tödlichem Gift. Mit ihr preisen wir den Herrn und Vater, und mit ihr fluchen wir den Menschen, die nach dem Gleichnis Gottes geworden sind. Aus demselben Mund geht Segen und Fluch hervor. Dies, meine Brüder, sollte nicht so sein. Die Quelle sprudelt doch nicht aus derselben Öffnung das Süße und das Bittere? Kann etwa, meine Brüder, ein Feigenbaum Oliven hervorbringen oder ein Weinstock Feigen? Auch kann Salziges nicht süßes Wasser hervorbringen“ (Jak 3,1–12).

  • Es geht hier nicht um den richtigen Gebrauch einer „Lehrgabe“ (Röm 12,7), sondern darum, dass wir unnötig viel reden (und damit andere „belehren wollen“) und dabei selbst nicht das tun, was wir sagen (gilt in den Zusammenkünften, in der Familie und darüber hinaus).
  • Wer viel redet:
    • steht unter größerer Verantwortung (wir werden an dem gemessen, was wir sagen)
    • wird öfter fallen (weil er Dinge sagt, die er nicht tut)
  • Wer in seiner Rede nicht „strauchelt“ (d. h. Worte und Taten stimmen überein), ist ein erwachsener (vollkommener) Christ. Das große Beispiel ist der Herr Jesus (Er war „mächtig in Werk und Wort vor Gott und dem ganzen Volk“; Lukas 24,19).

Jakobus nennt zwei Beispiele dafür, dass kleine Dinge große Dinge „kontrollieren“ oder „bewegen“:

  • Das Gebiss (Zaumzeug) eines Pferdes dient dazu, das ganze Pferd zu lenken und zu kontrollieren. Im Verhältnis zu dem Körper eines Pferdes ist das Zaumzeug nur von geringer Größe.
  • Das Steuerruder eines Schiffes bestimmt den Kurs, den es nimmt. Trotz der Größe des Schiffes und der Winde, die wehen, bestimmt der Steuermann mit dem verhältnismäßig kleinen Ruder, wohin die Reise geht.

Ein kleiner Teil kann also entscheidende Auswirkungen auf ein großes Ganzes haben. Die Zunge ist ein kleines Körperglied. Mit keinem anderen Körperglied können wir uns jedoch schneller „offenbaren“ (Lk 6,45). Sie zeigt, was im Herzen ist. Sie kann das komplette Benehmen eines Menschen beeinflussen und steuern -positiv wie negativ.

  • Die Zunge kann gewaltigen Schaden anrichten (einen großen Wald anzünden). Die verheerenden Wirkungen von Waldbränden sind bekannt. Ein einziges Streichholz reicht aus, um ein solches Feuer in Gang zu bringen. So kann ein einziges falsches (unbedachtes) Wort Beziehungen unter Menschen (auch unter Gläubigen) nachhaltig beschädigen oder ganz zerstören.
  • Der Teufel (die Hölle) findet in der Zunge einen idealen „Kooperationspartner“, um großen Schaden anzurichten. Der „Lauf der Natur“ (des Lebens) wird angezündet, und das Übel weitet sich wie eine Feuerwalze aus.
  • Als Menschen sind wir von Gott in die Lage versetzt worden, Tiere zu zähmen. Doch unsere Zunge können wir scheinbar nicht beherrschen. Sie ist ein dauerhaftes Übel, ein Brandherd, der nicht gelöscht werden kann. Wir können es nur mit Gottes Kraft.
  • Die Zunge ist voll tödlichem Gift, d. h., sie lähmt uns und führt zum Tod. Sie ist unstet, d. h. wechselhaft. Mit ihr bringen wir es fertig, den Herrn Jesus und Gott, denVater zu preisen und zugleich Menschen, die Gott geschaffen hat, zu fluchen (zu verwünschen: gemeint ist der Wunsch, dass die betreffenden Menschen Unheil trifft). Wer Menschen verflucht, verflucht damit Gott, den Schöpfer! Segen (Lobpreis) und Fluch stehen einander konträr gegenüber. Deshalb soll nicht beides aus demselben Mund hervorkommen.
  • Die Zunge handelt gegen die neue Natur. Sie schafft bei uns Christen das, was eine natürliche Quelle nicht schafft.

Drei Beispiele:

  • süß und bitter kommt nicht aus einer Quelle
  • der Baum bringt keine Früchte, die nicht seiner Natur entsprechen
  • Salziges bringt kein süßes Wasser hervor

Jakobus zeigt, dass wir nur Chaos und Zerstörung anrichten, wenn wir der Zunge freien Lauf lassen. Wir benötigen Gottes Weisheit, die „von oben“ (und nicht von unten) ist. Sie kommt aus einer göttlichen Quelle. Nur so können Christen gegen die alte Natur und übereinstimmend mit der neuen Natur handeln. Wir sollen unsere Zunge in der Kraft des Heiligen Geistes kontrollieren und zurückhalten.

„Jeder Ausbruch des Fleisches, ob durch die Zunge oder auf andere Weise, ist praktisch eine Leugnung der Tatsache, dass die Sünde im Fleisch im Kreuz Christi verurteilt wurde“ (F. B. Hole).2

Impuls für die Praxis: Kennen wir den Wunsch: „Lass die Reden meines Mundes und das Sinnen meines Herzens wohlgefällig vor dir sein, Herr, mein Fels und mein Erlöser“ (Ps 19,15)?

„Setze, Herr, meinem Mund eine Wache, behüte die Tür meiner Lippen“ (Ps 141,3)!

Kapitel 3, Verse 13–18: Neid und Streitsucht (zweite Form des Bösen)

„Wer ist weise und verständig unter euch? Er zeige aus dem guten Wandel seine Werke in Sanftmut der Weisheit. Wenn ihr aber bitteren Neid und Streitsucht in eurem Herzen habt, so rühmt euch nicht und lügt nicht gegen die Wahrheit. Dies ist nicht die Weisheit, die von oben herabkommt, sondern eine irdische, sinnliche, teuflische. Denn wo Neid und Streitsucht ist, da ist Zerrüttung und jede schlechte Tat. Die Weisheit von oben aber ist erstens rein, dann friedsam, milde, folgsam, voll Barmherzigkeit und guter Früchte, unparteiisch, ungeheuchelt. Die Frucht der Gerechtigkeit in Frieden aber wird denen gesät, die Frieden stiften“ (Jak 3,13–18).

Jakobus verbindet die zweite Form des Bösen mit dem Heilmittel, der göttlichen Weisheit. Nur so können zwischenmenschliche Probleme (auch unter Glaubensgeschwistern) gelöst werden. Jakobus will uns vor Streit und kaputten Beziehungen bewahren. Dazu brauchen wir Weisheit von oben.

  • Jakobus verbindet den Glauben wieder mit den Werken. Sie zeigen sich in einem guten und einsichtsvollen Verhalten.
  • Wer weise ist, hat Einsicht in die Gedanken Gottes. Er „glänzt“ nicht mit Worten, sondern zeigt aus einem guten Verhalten heraus seine Werke.
  • Das Gegenteil von Werken in „Sanftmut und Weisheit“ sind „Neid (Eifersucht) und Streitsucht“, die im Herzen sind (da fängt es immer an; Spr 4,23) und sich in Taten zeigen.
    • Wer neidisch (eifersüchtig) ist, macht sich selbst groß und rühmt sich. Gleichzeitig missgönnt er seinem Nächsten das, was er selbst gerne hätte. „... wer aber kann bestehen vor der Eifersucht!“ (Spr 27,4).
    • Streitsucht will dem anderen Schaden zufügen.
  • Neid und Streit zeigen, dass wir „fleischlich“ (der alten Natur entsprechend) leben und uns so verhalten, wie es für ungläubige Menschen typisch ist (1. Kor 3,3).
  • Neid und Streit sind nie von „oben“ (von Gott), sondern immer von „unten“ (vom Teufel):
    • irdisch: von der Erde (d. h. von unten und nicht von oben)
    • sinnlich: natürlich und menschlich (und nicht geistlich)
    • teuflisch: dämonisch/aus der Hölle (und ganz sicher nicht von Gott)
  • Neid und Streit zu Zerrüttung (Unordnung, Verwirrung) und zu jeder möglichen schlechten und bösen Tat (der Brudermord Kains und die schlechteste Tat überhaupt – die Kreuzigung Jesu – hatten Neid als Ursache)
  • Neid und Streit sind bis heute die Wurzel für jede Unordnung in der Gesellschaft und im Volk Gottes (Familie, Versammlung) und führen zu „jeder schlechten Tat“.

Die Weisheit von oben ist anders. Sie „produziert“ Früchte der neuen Natur, die sich im Miteinander zeigen:

  • rein: wir richten jeden bösen Gedanken im Herzen
  • friedsam: wir streiten nicht mit anderen, sondern suchen Frieden
  • milde: wir sind nicht hart gegeneinander und bestehen auf eigenen Rechten, sondern können nachgeben
  • folgsam: wir sind nicht aggressiv, sondern können anderen folgen und uns unterordnen
  • voll Barmherzigkeit und guter Früchte: wir haben Mitleid mit anderen
  • unparteiisch: wir stellen uns nicht einseitig auf eine Meinung ein
  • ungeheuchelt: wir schauspielern nicht, sondern sind authentisch

Vollkommen finden wir das im Leben des Herrn Jesus. Er ist die personifizierte Weisheit im Buch der Sprüche (z. B. Spr 8,12). Er wird durch sie „beschrieben“.

Die Auswirkungen der Weisheit von oben, nämlich praktische Gerechtigkeit im Befolgen des Wortes Gottes und dem Bemühen, Frieden zu stiften, bringen eine herrliche Frucht, nämlich Frieden in Ehe, Familie und im Volk Gottes. Ein Beispiel dafür ist Mordokai, der zum Frieden seines ganzen Geschlechts redete (Est 10,3).

Das stimmt nachdenklich: „Trug ist im Herzen derer, die Böses schmieden; bei denen aber, die Frieden planen, ist Freude“ (Spr 12,20)

Impuls für die Praxis:

  • Welche Weisheit kennzeichnet uns – die von oben oder die von unten?
  • Werden die Früchte des neuen Lebens im Umgang miteinander sichtbar?
  • Sind wir tatsächlich Friedensstifter?

Kapitel 4, Verse 1–3: Böse Begierden (dritte Form des Bösen)

„Woher kommen Kriege und woher Streitigkeiten unter euch? Nicht daher: aus euren Begierden, die in euren Gliedern streiten? Ihr begehrt und habt nichts; ihr mordet und neidet und könnt nichts erlangen; ihr streitet und führt Krieg; ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet; ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr übel bittet, damit ihr es in euren Begierden vergeudet“ (Jak 4,1–3).

Böse Begierden im Herzen führen (irgendwann) unweigerlich zu bösen Taten (deshalb: Bewahre deine Gedanken, sie sind der Anfang deiner Taten!). Sie kommen aus der alten Natur! Der Ungläubige kann sie nicht zügeln. Der Gläubige kann es in der Kraft des Heiligen Geistes!

  • Die Frage führt zu einer ärztlichen Diagnose. Es ist wichtig, solche Fragen zu stellen. Gott legt den Finger auf den wunden Punkt.
  • Krieg (Kampf gegeneinander), Zank und Streit gibt es auch unter Christen. Am Ende stehen wir immer mit leeren Händen da. Solche „Kriege“ können wir nie gewinnen. Wenn unsere Wünsche berechtigt sind, brauchen wir nicht zu kämpfen, um sie zu realisieren. Wir bitten Gott darum.
  • Die Ursache liegt in uns selbst: Es sind die Begierden (Lüste) in uns.
    • wir sind unzufrieden (begehren und nichts haben)
    • wir sind neidisch und eifersüchtig (morden – vielleicht mit Worten oder in Gedanken? – und neiden) (vgl. Jak 3,16)
    • wir wollen Recht behalten und gewinnen (Kriege führen)
    • wir leben im Selbstvertrauen (nicht haben, weil wir nichts bitten)
    • wir leben egoistisch (wir vergeuden das Erbetene in unseren Begierden)

Impuls für die Praxis: Leben wir (noch) fleischlich oder in der Kraft des Geistes?
„So denn, Brüder, sind wir Schuldner, nicht dem Fleisch, um nach dem Fleisch zu leben, denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben; wenn ihr aber durch den Geist die Handlungen des Leibes tötet, so werdet ihr leben. Denn so viele durch den Geist Gottes geleitet werden, diese sind Söhne Gottes“ (Röm 8,12–14).

Vers 4: Freundschaft mit der Welt (vierte Form des Bösen)

„Ihr Ehebrecherinnen, wisst ihr nicht, dass die Freundschaft der Welt Feindschaft gegen Gott ist? Wer nun irgend ein Freund der Welt sein will, erweist sich als Feind Gottes“ (Jak 4,4).

Das Thema „Ehebruch“ ist uralt und (leider) immer aktuell. Hier wird es geistlich angewandt. Die ursprünglichen Leser kannten dies aus dem Alten Testament (z. B. Jer 3,2.9; Hes 16,25; Hos 4,18; 5,3). Götzendienst ist eine Form der geistlichen Hurerei. Hier wird es auf die Welt angewandt.

  • Die Begierde in uns (das Fleisch) kooperiert gerne mit der Welt. Die Welt ist gekennzeichnet von „Lust des Fleisches“, „Lust der Augen“ und „Hochmut des Lebens“ (1. Joh 2,16). Sie steht Gott feindlich gegenüber. Der Beweis ist das Kreuz.
  • Man kann nur „Freund“ oder „Feind“ der Welt sein. Einen Mittelweg gibt es nicht (schon gar keinen „goldenen“).
  • Freundschaft mit der Welt ist ein „Ehebruch“ an Christus. Entweder sind wir mit Ihm verbunden oder mit der Welt.
  • Freundschaft mit der Welt kommt nicht von heute auf morgen. Es beginnt damit, dass wir der Welt „gleichförmig“ werden und uns von ihr prägen lassen (Röm 12,2) und dass wir die Welt „lieben“ (1. Joh 2,15). Danach „vereinigen“ wir uns mit ihr (Ehebruch).

Freundschaft mit der Welt macht unser Zeugnis unmöglich. Nur in der Trennung von der Welt können wir unser Licht scheinen lassen (Phil 2,15).

Impuls für die Praxis: Setzen wir das um, was Paulus schreibt: „Von mir aber sei es fern, mich zu rühmen, als nur des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, durch den mir die Welt gekreuzigt ist, und ich der Welt“ (Gal 6,14)?

Verse 5–10: Der Hochmut des Fleisches (fünfte Form des Bösen)

„Oder meint ihr, dass die Schrift vergeblich rede? Begehrt der Geist, der in uns wohnt, mit Neid? Er gibt aber größere Gnade; deshalb spricht er: ‚Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade.‘ Unterwerft euch nun Gott. Widersteht aber dem Teufel, und er wird von euch fliehen. Naht euch Gott, und er wird sich euch nahen. Säubert die Hände, ihr Sünder, und reinigt die Herzen, ihr Wankelmütigen. Seid niedergebeugt und trauert und weint; euer Lachen verwandle sich in Traurigkeit, und eure Freude in Niedergeschlagenheit. Demütigt euch vor dem Herrn, und er wird euch erhöhen“ (Jak 4,5–10).

Hochmut (oder Überheblichkeit) ist ein unausrottbares Übel, das uns Menschen seit dem Sündenfall prägt (der Wunsch, wie Gott zu sein). Im negativen Sinn kommt das Wort zu ersten Mal in 3. Mose 26,19 vor. Für den Gläubigen gibt es dennoch durch die Gnade ein Heilmittel.

  • Gottes Geist wohnt in uns. Er bringt die Wesenszüge der neuen Natur (von Christus) in uns hervor. Dazu passt keine Haltung von Neid und Hochmut, sondern Demut.
  • Neid, Hochmut (sich über andere stellen) und Stolz sind eine Form der Weltlichkeit. Sie passt nicht zum Christen. Hochmut kommt immer aus dem Fleisch. Gott widersteht dem Hochmütigen. Dem Demütigen (Niedrigen) gibt er Gnade (Spr 3,34; 1. Pet 5,5).
  • Wie begegnen wir dem Hochmut in uns und wie lautet das Heilmittel?
    Es folgen eine Reihe von Imperativen:
    • Wir unterwerfen uns Gott (wir ordnen uns unter): wir setzen nicht unseren Willen durch, sondern anerkennen Gottes Autorität und hören auf Ihn.
    • Wir widerstehen dem Teufel: wir geben ihm nicht nach, wenn er kommt (was Eva nicht tat). Dann wird er fliehen.
    • Wir nahen (nähern) uns Gott: Wir haben (Gebets)Gemeinschaft mit unserem Gott, und Er hat Gemeinschaft mit uns.
    • Wir säubern (reinigen) die Hände: Wir prüfen unsere Taten (Hände). Nur „heilige Hände“ können beten (1. Tim 2,8).
    • Wir reinigen die Herzen: Wir prüfen die inneren Motive. Die Pharisäer reinigten die Hände, aber nicht die Herzen (Mk 7,3.6). Psalm 24,3.4! Ungereinigte Herzen führen zu einem Hinken „auf beiden Seiten“ (1. Kön 18,21).
    • Wir sind niedergebeugt (elend), traurig (tragen Leid) und weinen: Wenn die alte Natur „Hochmut“ in uns hervorbringen will, können wir uns nicht freuen (das meint nicht, dass Christen ein „freudeloses Leben“ führen müssen).
    • Wir demütigen (erniedrigen) uns: Wir erkennen an, dass wir nichts sind.

Als Folge erhöht uns Gott und nicht wir selbst (Lk 14,11; 18,14).

Es liegt in uns Menschen, uns selbst zu erhöhen. Wer das tut, wird von Gott erniedrigt.

Impuls für die Praxis: Lernen wir von Christus? „Diese Gesinnung sei in euch, die auch in Christus Jesus war, der, da er in Gestalt Gottes war, es nicht für einen Raub achtete, Gott gleich zu sein, sondern sich selbst zu nichts machte“ (Phil 2,5.6).

Verse 11.12: Schlechtes Reden und Richten (sechste Form des Bösen)

„Redet nicht gegeneinander, Brüder. Wer gegen seinen Bruder redet oder seinen Bruder richtet, redet gegen das Gesetz und richtet das Gesetz. Wenn du aber das Gesetz richtest, so bist du nicht ein Täter des Gesetzes, sondern ein Richter. Einer ist der Gesetzgeber und Richter, der zu erretten und zu verderben vermag. Du aber, wer bist du, der du den Nächsten richtest?“ (Jak 4,11–12).

Es folgt ein weiterer Imperativ, der das Thema „Schlechtes Reden und Richten“ einleitet:

  • Wer gegen seinen Bruder redet:
    • handelt gegen das „Gesetz vom Sinai“
    • handelt gegen das „königliche Gesetz“ der Liebe
    • stellt sich über das Gesetz (er beurteilt das Gesetz, statt sich vom Gesetz beurteilen zu lassen)
    • beleidigt den, der das Gesetz gegeben hat
  • Wer gegen seinen Bruder spricht, behandelt nicht das Böse, sondern spricht einfach übel, um den Bruder herabzuwürdigen.
  • Es gibt nur einen, dem das „Richten“ (Beurteilen) zusteht – Gott. Deshalb sollen wir wohl unseren Nächsten lieben, ihn aber nicht richten (vgl. auch Röm 14,4).

Impuls für die Praxis: Unser Verhalten gegeneinander soll nicht von schlechtem Reden und Kritik gekennzeichnet sein, sondern vielmehr so: „Seid gleich gesinnt gegeneinander; sinnt nicht auf hohe Dinge, sondern haltet euch zu den Niedrigen; seid nicht klug bei euch selbst“ (Röm 12,16).

Verse 13–17: Eigenwille und Selbstvertrauen (siebte Form des Bösen)

„Wohlan nun, ihr, die ihr sagt: Heute oder morgen wollen wir in die und die Stadt gehen und dort ein Jahr zubringen und Handel treiben und Gewinn machen (die ihr nicht wisst, was der morgige Tag bringen wird; denn was ist euer Leben? Ein Dampf ist es ja, der für eine kurze Zeit sichtbar ist und dann verschwindet); statt dass ihr sagt: Wenn der Herr will und wir leben, so werden wir auch dieses oder jenes tun. Nun aber rühmt ihr euch in euren Großtuereien. Alles solches Rühmen ist böse. Wer nun weiß, Gutes zu tun, und tut es nicht, dem ist es Sünde“ (Jak 4,13–17).

Jakobus schließt die Behandlung des Bösen mit einer letzten Form, die auf den ersten Blick weniger gravierend erscheint, in Wirklichkeit aber ein ebenso großes Übel ist. Sie gilt nicht nur den Kaufleuten und Handeltreibenden (was die Juden immer gekennzeichnet hat), sondern uns allen.

  • Eigenwille bedeutet, dass wir Gott aus den Lebensumständen heraushalten wollen und selbst planen („wir wollen“). Wer eigenwillig lebt, lebt ohne Gott. Man denkt, das Leben steht zur eigenen Verfügung und vergisst, dass es „endlich“ und „kurz“ ist. Man weiß, Gutes zu tun und tut es nicht, weil man es nicht will.
  • Es ist gut, uns bewusst zu machen, wie vergänglich das Leben ist (Hiob 7,7; Ps 39,6). Womit füllen wir dieses kurze Leben? Ist es von Christus geprägt? (Phi 1,21)
  • Selbstvertrauen: Wer sich selbst rühmt und großtut (eine der Formen des Hochmuts), hat Vertrauen in sich selbst, statt sein Vertrauen auf Gott zu setzen. Auch das ist „böse“.

Jakobus schließt diesen Teil mit dem wichtigen Prinzip: „Wer nun weiß, Gutes zu tun, und tut es nicht, dem ist es Sünde“. Nicht nur das aktive böse Handeln ist Sünde, sondern auch das Unterlassen des Guten.

Impuls für die Praxis: „Werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist“ (Röm 12,2).

Jakobus genoss großes Ansehen unter den zerstreuten Israeliten, an die er schrieb, und wir können davon ausgehen, dass seine Hinweise ernst genommen wurden. Dennoch musste (und muss) sich jeder Leser selbst entscheiden, ob er diesen Anweisungen folgt oder nicht. Die persönliche Entscheidung zur Hingabe kann uns niemand abnehmen. Wir sind gefragt, im Glauben zu handeln.

Das stimmt nachdenklich:

  • Sind wir bereit, uns der Diagnose des Geistes Gottes zu stellen und Schwachstellen in unserem persönlichen und gemeinschaftlichen Leben aufdecken zu lassen – selbst dann, wenn Er Menschen dazu benutzt?
  • Sind wir zu einem Bekenntnis und zur Korrektur bereit? Wollen wir uns verändern lassen und unsere Beziehung zu Gott, den Mitgläubigen und Mitmenschen neu mit Leben füllen?

Fußnoten

  • 1 In Anlehnung an H. Smith: Der Brief des Jakobus
  • 2 F.B. Hole: Der Brief des Jakobus
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