Er lehrte sie vieles in Gleichnissen (Band 2)

Das verlorene Schaf

Er lehrte sie vieles in Gleichnissen (Band 2)

Überblick

Es ist schon erstaunlich, in welcher Weise der Evangelist Lukas – unter der völligen Kontrolle und Leitung des Heiligen Geistes – die einzelnen Ereignisse und die Belehrungen aus dem Mund des Herrn in seinem Evangelium zusammenstellt. Sehr häufig lässt er die historische Reihenfolge vollständig außer Acht und stellt stattdessen sittliche Beziehungen her. Damit meine ich, er zeichnet Bilder, die uns nicht nur für sich genommen, sondern gerade auch in ihrer Aufeinanderfolge und Zusammenstellung wichtige Lektionen für Herz und Gewissen vermitteln. Auf diese Weise lernen wir auch Zusammenhänge sehen, die uns sonst verschlossen blieben.

Der Übergang von Kapitel 14 zu Kapitel 15 ist dafür ein besonders lehrreiches Beispiel. Im Gleichnis vom »großen Gast-mahl« (Kap. 14,16–24) zeigte der Herr Jesus, welche Antwort die Menschen (hier in erster Linie die Juden) auf die Einladung Gottes, zu Ihm zu kommen, gaben: Alle fingen ohne Ausnahme an, sich zu entschuldigen. Der eine hatte einen Acker gekauft, der andere fünf Joch Ochsen, und wieder ein anderer hatte eine Frau geheiratet. Und so kamen sie nicht. Dabei liegt das Böse nicht in den Dingen als solchen, die sie anführen, sondern darin, dass sie sie als Entschuldigungsgrund dafür benutzen, der gütigen Einladung nicht folgen zu können. Kurz, sie hatten weder Zeit noch Herz für die Gnade Gottes. „Ich bitte dich, halte mich für entschuldigt.“ Ist das nicht auch die Sprache vieler Menschen heute? „Keine Zeit!“ – jedenfalls nicht für Gott und dafür, das Angebot Seiner Gnade zu überdenken.

Der nächste Abschnitt in Lukas 14 (Verse 25–35) zeichnet ein gegensätzliches Bild: Große Volksmengen gingen mit Jesus. Nicht offener Ablehnung begegnete Er jetzt, sondern einem gewissen Interesse für Ihn. Die Menschen fühlten sich äußerlich von Ihm angezogen und gingen mit Ihm. Es schien ihnen eine einfache Sache, Ihm zu folgen. Doch wussten sie überhaupt, wohin Er ging, wohin Er sie führte? Der Herr ließ sie darüber nicht im Unklaren: Ihm zu folgen bedeutete, alles aufzugeben, was der natürliche Mensch hier wertschätzt. Deswegen musste jeder Einzelne von ihnen die Kosten überschlagen – die Kosten dafür, Sein Jünger zu sein, und dafür, es nicht zu sein. So waren Herzensentscheidungen nötig und das tiefe Bewusstsein davon, dass nur Gott die Gnade und Kraft geben kann, die Welt aufzugeben und Christus in Hingabe nachzufolgen. Wir haben das in Verbindung mit den beiden kleinen Gleichnissen vom »Turm« und den »zwei Königen« betrachtet.

Unmittelbar darauf folgt nun das 15. Kapitel mit seinen drei wunderbaren Gleichnissen: dem Gleichnis vom »verlorenen Schaf, von der »verlorenen Drachme« und vom »verlorenen Sohn«. Sie bilden die Antwort des Herrn auf das Murren der Pharisäer und Schriftgelehrten darüber, dass Er Sünder aufnahm und mit ihnen aß.

Ja, hier kamen tatsächlich Menschen zu Ihm, Zöllner und Sünder, „um ihn zu hören“ (Vers 1). Beim »großen Gastmahf kamen die Eingeladenen nicht. Und die Volksmengen gingen nur mit Ihm, ohne Ihn und sich selbst wirklich zu kennen. Hier aber kamen sündige Menschen, die um ihren Zustand wussten, sie kamen zum Heiland der Sünder. Ihre Herzen wurden von Seiner Person angezogen, und sie wollten Seine Worte hören, Worte der Gnade und Wahrheit. Ich habe oft gedacht: Welch eine Gnade muss der Herr hier auf der Erde offenbart haben, dass verderbte Menschen von Ihm so mächtig angezogen wurden, dass sie alle Scheu überwanden und sich „ihm näherten“!

Damit sind wir bereits bei dem großen Gegenstand dieses Kapitels: der Freude Gottes – Seiner Freude darüber, Gnade zu erweisen und verlorene Sünder aufzunehmen. Alle drei Gleichnisse reden von dieser Freude, und wir werden etwas Wunderbares feststellen: Jede Person der Gottheit ist tätig im Suchen dessen, was verloren ist. Im ersten Gleichnis sehen wir Gott, den Sohn; im zweiten Gleichnis Gott, den Heiligen Geist; und im dritten Gleichnis Gott, den Vater. In allen drei Gleichnissen ist es Gott, der sucht, nicht der Mensch; denn „da ist keiner, der Gott sucht“ (Röm 3,11).

Das Thema dieses Kapitels ist also nicht so sehr zu zeigen, wie der Mensch errettet wird, sondern warum er errettet wird. Die Pharisäer murrten, dass Jesus Sünder aufnahm. Aber der Herr rühmte sich gerade dieser Tatsache und zeigte, dass Er weit mehr tun würde und dass sogar die ganze Gottheit daran beteiligt war, sie, diese Sünder, zu suchen. Welch ein herrliches Feld tut sich uns hier auf: das Herz Gottes, die Liebe Gottes zu Verlorenen!

Wenn wir diese „Hauptlinie“ im Auge behalten, werden wir nicht so sehr darüber erstaunt sein, dass bestimmte Wahrheiten, die mit der Errettung der Seele zu tun haben, in diesen Gleichnissen nicht erwähnt werden. So reden sie zum Beispiel nicht vom Glauben, von Erlösung, von Sühnung, vom Erlöser, vom Blutvergießen. Wir müssen in Gleichnissen eben nicht alle Seiten der Wahrheit suchen. Hier geht es um die Offenbarung des Herzens Gottes, und das solchen gegenüber, die nichts anderes als „verloren“ sind!

Das erste Gleichnis

Die Pharisäer und Schriftgelehrten hatten ganz Recht mit dem, was sie von Jesus sagten: Er nahm Sünder auf und aß mit ihnen. Sie hätten freilich weder das eine noch das andere getan. Er tat indes beides. Ungewollt und unbeabsichtigt wurden sie so zu Verkündigern Seiner unumschränkten Gnade.

Der Herr Jesus antwortet auf ihre Vorhaltungen mit drei Bildern aus dem täglichen Leben. Das erste entstammt dem Leben eines Hirten, das zweite dem häuslichen und das dritte dem familiären Leben.

„Er sprach aber zu ihnen dieses Gleichnis und sagte: Welcher Mensch unter euch, der hundert Schafe hat und eins von ihnen verloren hat, lässt nicht die neunundneunzig in der Wüste zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, legt er es mit Freuden auf seine Schultern; und wenn er nach Hause kommt, ruft er die Freunde und die Nachbarn zusammen und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir, denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch: Ebenso wird Freude im Himmelsein übereinen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die die Buße nicht nötig haben (Lk 15, 3–7).

Auch dieses Gleichnis ist von großer Schlichtheit geprägt. Der Herr sagt den so stolzen und selbstgerechten Pharisäern und Schriftgelehrten, die noch stets die Güte Gottes verachtet haben, dass sie schließlich dasselbe tun würden, was Er tat. Dabei schließt Er von dem Geringeren auf das Größere, von einem Schaf auf einen Menschen. Wenn selbst einer von ihnen für ein verlorenes Schaf das tun würde, was hier skizziert wird, sollte dann der Herr nicht das Entsprechende tun für einen verlorenen Menschen?

Mit dieser Frage, die sie innerlich nur bejahen konnten, mit diesem einfachen Bild hatte der Herr sie bereits entwaffnet und die Angelegenheit für Sich entschieden. Fragen sind in Seiner Hand mächtige Werkzeuge, mit ihnen zielt und trifft Er direkt ins Herz und Gewissen Seiner Zuhörer. Sie offenbaren eine Weisheit, die ungleich mehr als menschlich ist. Der Herr braucht gleichsam nur den Finger zu erheben, und schon fallen Seine Widersacher, fallen unter ihr eigenes Urteil. Mit welch einer erhabenen Person haben wir es zu tun!

>Schafe«

Wenn wir dieses Gleichnis und die beiden folgenden recht verstehen wollen, müssen wir im Auge behalten, dass der Herr damit auf den Vorwurf der religiösen Führer des jüdischen Volkes antwortet. Hier vergleicht Er sie mit den neunundneunzig Schafen in der Wüste, während Er die Zöllner und Sünder unter dem Bild des verlorenen Schafes darstellt. »Schafe« waren also sowohl die einen wie die anderen. Wenn auch die Pharisäer und Schriftgelehrten auf die Zöllner und Sünder mit Verachtung herabsahen, sie alle waren Schafe derselben Herde. Denn das Volk Israel wird im Alten Testament oft als »Herde« betrachtet (lies Ps 77,20; 78,52; 95,7; Jes 40,11; 63,11; Jer 13,17–20).

Weder in diesem Gleichnis noch in den beiden weiteren dieses Kapitels wird Bezug genommen auf Unterschiede, wie sie nach den Gedanken Gottes damals zwischen Juden und Nationen bestanden.

Im nationalen Sinn waren die Zöllner und Sünder auf demselben Boden äußerer Vorrechte wie die Pharisäer und Schriftgelehrten. Hätte der Herr allerdings „Heiden“ aufgenommen und mit ihnen gegessen, so hätte in gewissem Sinn zu Recht ein Anklagegrund gegen Ihn bestanden. Doch so verhielt es sich nicht.

Wie wir sogleich sehen werden, spricht der Herr auch in Johannes 10 von »Schafen«; dort jedoch nicht in einem nationalen, sondern einem sittlichen Sinn. So betrachtet, waren die Pharisäer „nicht von Seinen Schafen“ (Vers 26). Nur solche aus Israel, die Ihm glaubten und folgten, waren in Wahrheit Seine Schafe. Ihnen gab Er ewiges Leben. Es ist wichtig, diese Unterschiede zu erkennen.

Wenn sich nun ein Schaf der Herde Israels verirrte; wenn solche, die vom Herrn angezogen wurden, tatsächlich Sünder waren – welchen Grund konnte es dafür geben, sich nicht mit ihnen abzugeben? Denn wenn ein Schaf von der Herde wegläuft, verwendet dann der Hirte nicht alle Energie, konzentriert er nicht alle seine Gedanken darauf, es zu finden? Das ist es, was der Herr in diesem Gleichnis vorstellt.

Natürlich ist das Bild des verlorenen Schafes auch auf jeden Sünder anzuwenden. Wir wissen ja: Verirrt sich ein Schaf, so ist es seiner Natur nach nicht in der Lage, den Weg zurück zu finden. Es muss ihm nachgegangen werden, wenn es nicht umkommen soll. So ist es um jeden Menschen von Natur bestellt, wie wenig er es auch wahrhaben will. Doch der Herr Jesus, der gute Hirte, ist bereit, das Verlorene zu suchen und zu erretten.

Die Liebe sucht

Einige Einzelheiten verdienen noch besondere Beachtung. In diesem Gleichnis ist es eines von hundert, und in diesem Verhältnis wird der Wert dessen gesehen, was verloren ist. Im nächsten Gleichnis ist es eines von zehn, der Wert steigt in diesem Verhältnis. Und schließlich ist es einer von zweien, der Wert erreicht seinen Höhepunkt. Aber selbst, wenn sich nur eines von hundert Schafen verläuft, geht ihm der Hirte nach. Das ist es ihm in jedem Fall wert.

Weil der Herr Seinen religiösen Widersachern antwortet und Sein Handeln mit dem vergleicht, was schließlich auch sie in solch einem Fall tun würden, sagt Er in Seiner Weisheit nicht: „Wenn Ich hundert Schafe hätte ...“ Ja, Er vermeidet sogar das Wort »Hirte«. Wir reden davon, wenn wir über das Gleichnis sprechen, und das mit Recht; aber Er nennt sich hier nicht so, obwohl Er natürlich der gute Hirte ist und von Sich selbst spricht.

Als der gute Hirte geht Er vor den Schafen her, und die Schafe folgen Ihm (Joh 10, 4). Wenn aber das Schaf Ihm nicht folgen will, ist Er genötigt, ihm nachzugehen. Wie groß ist der Unterschied zwischen den Schafen in Johannes 10 und Lukas 15! Im ersten Fall sind sie in Sicherheit, im zweiten besteht größte Gefahr. In Johannes stirbt der Hirte für die Schafe, in Lukas sucht Er das Schaf. So ergänzen sich die beiden Bilder auf wunderbare Weise.

Natürlich gehören die Schafe dem Hirten, wie auch die Drachmen der Frau gehören. Das aber stellt der Herr in diesem Gleichnis nicht in den Vordergrund. Vor allem zeigt Er den Charakter der überragenden Gnade und Liebe Gottes. Wenn sich eines Seiner Schafe durch eigene Torheit verloren hat, geht der Hirte dem verlorenen nach. Was auch die Kosten für Ihn sein mögen – Schmach und Verachtung, Spott und Hohn, Arbeit und Mühe, Selbstverleugnung und Entsagung –, Er hat die Gegenstände Seiner Liebe auf dem Herzen, und Er tut alles, um sie zu finden und zu retten. Dass das auch den Tod des guten Hirten einschließt, sagten wir schon. Dennoch, es waren nicht die Schafe der Pharisäer, sondern es sind Seine Schafe. Zuerst müssen wir dabei, wie soeben bemerkt, an die verlorenen Schafe des Hauses Israel denken. Aber Er hat auch „andere Schafe“, solche aus den Nationen (Mt 10,6; Joh 10,16).

Ja, die Liebe Gottes sucht. Das ist ihr Charakter in diesem und im nächsten Gleichnis. Dass sie auch aufnimmt, stellt der Herr dann im dritten Gleichnis vor.

Freude des Himmels

Hier redet alles von der Tätigkeit und dem Werk des Hirten, unseres Herrn. Er lässt die neunundneunzig Schafe in der Wüste zurück; Er geht dem verlorenen nach, bis Er es findet. Und wenn Er es gefunden hat, legt Er es mit Freuden auf seine Schultern und trägt es nach Hause. Das Schaf tat auch nicht einen einzigen Schritt auf den Hirten zu; alles ist allein Sein Werk.

Von dem Schaf hören wir nur, dass es weggelaufen war und sich verloren hatte. Was für Empfindungen es bewegten, als es gefunden wurde, wird uns mit keinem Wort mitgeteilt. Das ist nicht der Gegenstand dessen, was der Herr vorstellen will. Die Aufmerksamkeit wird einzig und allein auf die Freude des Hirten hingelenkt. Auch ist es eine Freude, die sich ausbreitet und die, soweit das Gleichnis geht, nie aufhört. Denn als er nach Hause kam, rief er die Nachbarn und Freunde zusammen und forderte sie auf, sich mit ihm zu freuen, „denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war“ (Vers 6).

Ist es nicht ein überwältigender Gedanke, dass sich der Herr Jesus über die Errettung Verlorener freut? Über jedes einzelne »Schaf«, das Er dem Verderben entreißen kann, empfindet Er Freude. Sie ist Teil jener Freude, von der im Brief an die Hebräer gesprochen wird: „... der, die Schande nicht achtend, für die vor ihm liegende Freude das Kreuz erduldete“ (Kap. 12,2). Die Pharisäer murrten, der Herr Jesus jedoch freut sich. „Von der Mühsal seiner Seele wird er Frucht sehen und sich sättigen“ (Jes 53,11). „Er freut sich über dich mit Wonne, er schweigt in seiner Liebe, frohlockt über dich mit Jubel“ (Zeph 3,17).

Wie schon angedeutet: Der Herr lässt auch andere an Seiner Freude teilhaben und teilt sie mit ihnen. Wer mit den »Freunden« und »Nachbarn« gemeint ist, machen die abschließenden Worte des Herrn in diesem wie auch im nächsten Gleichnis deutlich: die heiligen Engel, die in der Gegenwart Gottes wohnen. Sie atmen die Atmosphäre der Gegenwart Gottes und gehen in Seine Freude ein. Und so drückt sich hier der Herr aus: „Ich sage euch: Ebenso wird Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die die Buße nicht nötig haben“ (Lk 15,7).

Bedenken wir: Wenn ein Sünder auf der Erde Buße tut, sich vor Gott verurteilt, dann freuen sich die Engel Gottes im Himmel darüber! Hätten wir das gedacht? Doch das ist die Gesinnung oder der Geist des Himmels. Der Himmel nimmt Anteil daran, wenn ein einziger Mensch auf der Erde Gott den Ihm gebührenden Platz einräumt und sich selbst an den Platz stellt, den er verdient hat. Darüber ist Freude im Himmel. Murren gibt es dort nicht. Dass heute die Versammlung Gottes auf der Erde das „Lektionsbuch“ für die Engel ist, anhand dessen sie die mannigfaltige Weisheit Gottes kennen lernen, erfahren wir erst später im Neuen Testament (Eph 3,10). Aber die Worte des Herrn hier bereiten uns für diese große Wahrheit vor.

Und doch kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass unter dem Bild der »Freunde« und »Nachbarn« durchaus auch wir, die Erlösten des Herrn, mit eingeschlossen sind. Oft geht ja der Herr in Seinen Erklärungen über das im eigentlichen Gleichnis Gesagte hinaus. Wir haben das schon wiederholt gesehen. Und dann: Ist Christus nicht unser Leben? Gehören wir nicht schon zum Himmel, wenn wir auch noch auf der Erde sind? Ist die Gesinnung des Himmels nicht auch die unsere? Freuen nicht auch wir uns, wenn ein Sünder Buße tut? Ja, wir sind gewürdigt, schon heute Gemeinschaft mit unserem Herrn und Heiland zu haben, Gemeinschaft mit Seinen Freuden. Und diese Gemeinschaft wird uns zwangsläufig zur Anbetung Dessen führen, dessen suchende Liebe wir selbst erfahren haben.

Aber dann folgt noch der eigenartige Zusatz: „... mehr als über neunundneunzig Gerechte, die die Buße nicht nötig haben“ (Lk 15,7). Ach, über sie, die Pharisäer und Schriftgelehrten, die sich für gerecht hielten und deshalb meinten, Buße nicht nötig zu haben – über sie hatte es noch keine solche Freude im Himmel gegeben! Sollte einer meiner Leser auch noch der Meinung sein, er könne in seiner eigenen Gerechtigkeit vor Gott bestehen, dann bedenke er doch im Augenblick nur einmal dies eine: Nicht einer von den Myriaden heiliger Engel, die den Himmel bewohnen, hat sich je über einen „Gerechten“ dieser Art gefreut!

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