Betrachtung über 1.Timotheus (Synopsis)

Kapitel 4

Betrachtung über 1.Timotheus (Synopsis)

Es würden jedoch etliche vom Glauben, von der Erkenntnis des einen Gottes, des Schöpfers und Heilandes, des Gottes, der im Fleisch offenbart war, abfallen. Sie würden gerade die Wahrheiten angreifen, von denen wir gesprochen haben. Vielleicht würden sie vorgeben, den Gedanken christlicher Vorrechte, wie auch einer tiefen Erkenntnis Gottes weiter durchzuführen als alle anderen; aber sie würden sündigen gegen die ersten Grundsätze, gegen den Glauben, der den im Christentum geoffenbarten Heiland-Gott mit dem einen und alleinigen Schöpfer-Gott verband. Das Christentum lehrte, dass der ewige Gott nicht nur die Welt geschaffen, sondern sich auch in Christus offenbart hatte. Jene Abtrünnigen würden, indem sie Lehren der Dämonen einführten, zu leugnen suchen, dass es der eine und alleinige Gott der Natur war, der sich in Gnade offenbart hatte. Verführt durch die Dämonen und betreffs des eigenen Gewissens verhärtet, würden sie das verbieten, was Gott bei der Schöpfung eingesetzt, und das, was Er dem Menschen nach der Flut als sein Recht gegeben hatte; als ob diese Dinge sich mit der von ihnen gepredigten höheren Heiligkeit und mit den Beziehungen zu einem erhabeneren Gott nicht vertrügen. Die wirkliche und praktische Heiligkeit der Gemeinschaft mit Gott und seiner durch Christus gegebenen Gebote verlassend, würden sie sich eine falsche Heiligkeit bilden, die das, was Gott von Anfang verordnet hatte, leugnete, und würden sich so gegen die Autorität Dessen erheben, der das angeordnet hatte, was sie verboten, als ob Er ein unvollkommenes oder vielleicht gar böses Wesen wäre.

Auf diese Weise würde die in der Gottesfurcht gegebene Schranke verloren gehen und der Zügellosigkeit und Ausschweifung die Tür geöffnet werden. Der Geist Gottes warnt die Versammlung davor, und der treue Apostel kündigt dem Timotheus die Gefahr an und stellt durch ihn die Gläubigen auf ihre Hut. Er spricht also hier nicht von Vorrechten, sondern getreu der Herrlichkeit Gottes, kommt er auf die ersten Grundsätze dieser Herrlichkeit zurück und hält die unbestreitbaren Rechte des einen und alleinigen Gottes aufrecht. In seiner Treue gegen Gott rühmt er sich nicht seiner Erkenntnis, sondern sucht in Liebe die Versammlung vor jeglicher Abweichung von Gott zu bewahren.

Wir dürfen hier den Abfall „etlicher“ vom Glauben nicht mit dem im zweiten Thessalonicherbrief erwähnten allgemeinen Abfall verwechseln. Hier sind es „etliche“, die, durch Dämonen verführt, von der Wahrheit abweichen, und die Versammlung ist noch auf der Erde und bedarf der Bewahrung vor dem Eindringen dieser verderblichen Grundsätze. Der allgemeine Abfall und die Offenbarung des Menschen der Sünde ist etwas ganz anderes; davon ist hier gar nicht die Rede. Hier handelt es sich um die Treue, die dem Irrtum mit der Wahrheit entgegentritt und die Brüder an letztere erinnert, damit sie nicht verführt werden. In dem zweiten Thessalonicherbrief dagegen haben wir das Offenbarwerden dessen, der sich in den Tempel Gottes setzt und durch die Erscheinung der Gegenwart des Herrn vernichtet wird.

Hier war nichts anderes nötig, als die Gläubigen in Einfalt an die Güte des Schöpfers zu erinnern sowie daran, dass seine Gaben, wenn sie mit Danksagung empfangen werden, immer gut und nicht verwerflich sind. Sicherlich sollten die Gläubigen diese Gaben nicht zur Befriedigung ihrer Lüste gebrauchen, sondern sie genießen, als geheiligt durch das Wort Gottes, das sie uns als Gottes Gaben darreicht, und durch Gebet, das uns beim Genuss derselben mit Gott in Verbindung bringt. Sie sollten als von Ihm kommend, als die Gaben seiner Hand entgegengenommen werden; sie sind geheiligt, wie dies mit allem der Fall ist, was von Ihm kommt und den Stempel seines Willens und seiner Güte trägt. Der Mensch hatte alles verdorben, indem er Gott aufgab: was er besaß, besaß er jetzt nicht mehr in Verbindung mit Gott; er aß nur noch wie ein Tier, ja, noch schlimmer, weil er Gott verlassen hatte. Das Wort Gottes stellte die Verbindung in Gnade wieder her, und das Gebet benutzte sie auf diesem Boden. Der Grundsatz des Mönchtums (der unter anderen Umständen freilich noch viel weiter gegangen ist) wird hier, im Herzen und in der äußeren Form, völlig verurteilt, so aufrichtig jemand auch sein mag, der in der Befolgung desselben Gott zu ehren meint. Gott entzieht nicht die Gaben, auf die der Mensch sozusagen eigenwillig Beschlag gelegt hat; aber er soll sie jetzt, anstatt sie zur Befriedigung seines Willens und seiner Lüste zu gebrauchen, als Gaben, die er von Gott durch dessen Willen empfangen hat, mit Danksagung und mit Anerkennung Gottes genießen.

In den folgenden Versen entwickelt der Apostel das tatsächlich noch weiter. Wenn Timotheus so lehrte, wie Paulus soeben gesprochen hatte, würde er ein guter Diener Christi Jesu sein, auferzogen in der Wahrheit. Die leibliche Übung nützte wenig, aber die Gottseligkeit viel, sowohl für das Leben hienieden als auch für die Ewigkeit. Zugleich warnt der Apostel ihn aufs Neue vor den eitlen und nutzlosen Spekulationen des menschlichen Geistes, einer Gefahr, auf die er beständig zurückkommt. Für diese Lehre Gottes, die wahr und aller Annahme wert ist, arbeitete der Apostel und erduldete Schmach, weil er an den lebendigen Gott glaubte, der durch seine Vorsehung und seine über alles erhabene Macht 1 alle Menschen regiert, bewahrt und versorgt, besonders aber die Gläubigen (V. 9+10). Dieser alleinige Gott, Schöpfer und Heiland, war es, auf den der Apostel vertraute, während er für den Herrn arbeitete. Dies sollte Timotheus lehren und mit Autorität gebieten.

In Verbindung mit dieser mit Autorität gegebenen Unterweisung redet der Apostel dann von der Person und der Stellung des Timotheus selbst. Obgleich dieser noch jung war, sollte er doch seinen Platz behaupten und durch sein Verhalten sich das Gewicht verschaffen, das ihm die Jahre noch nicht gaben. Er sollte den Gläubigen ein Vorbild sein und sich, bis Paulus kommen würde, mit Vorlesen, Ermahnen und Lehren beschäftigen. Überdies hatte Gott ihn in besonderer Weise für seine Arbeit vorbereitet, und dies sollte er nicht vergessen, noch das, was ihm gegeben war, vernachlässigen. Es war ihm eine Gabe verliehen worden. Gott hatte ihn durch Weissagung dazu näher bestimmt; und dieses unmittelbare Zeugnis von Gott, verbunden mit der Wirksamkeit seiner Macht war begleitet worden von dem Siegel eines Zeugnisses von Menschen, das heißt der Ältesten, in deren Mitte Timotheus sich zur Zeit seiner Berufung befand (vgl. Apg 13,1–3).

So wirkte alles zusammen, um ihn in seinem Dienst zu stärken sowie in der Autorität, die er zu jener Zeit in Ephesus an des Apostels Statt auszuüben hatte. Er sollte handeln mit dem Gewicht, das ein untadeliger Wandel ihm verleihen würde; ein solcher Wandel würde auch seinen Einfluss auf Herzen und Gewissen nicht verfehlen. Doch innerlich wurde Timotheus durch das Bewusstsein gestärkt, dass er in förmlicher Weise durch Gott für das Werk bezeichnet worden war. Die Gabe war ihm von Gott verliehen worden, und die Bestätigung seitens derer, die in der Versammlung von Gewicht waren, hatte gleichsam ihr Siegel auf ihn gedrückt. Also gestärkt, sollte er sich der Sache des Herrn so widmen, dass seine Fortschritte (ein Beweis seiner Gemeinschaft mit dem Herrn) allen Menschen offenbar würden. Er sollte zugleich, und zwar unablässig, Acht haben auf sich selbst und auf die Lehre, und das würde das Mittel zur Errettung sein, sowohl für ihn selbst als auch für seine Zuhörer.

Fußnoten

  • 1 Vergleiche Mt 10,29
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