Das Wort der Wahrheit recht teilen

Gesetz und Gnade

Das Wort der Wahrheit recht teilen

Die klarste und am meisten ins Auge fallende Unterscheidung in der Bibel ist die zwischen Gesetz und Gnade. Tatsächlich kennzeichnen diese gegensätzlichen Prinzipien die zwei wichtigsten Haushaltungen: die jüdische und die christliche. „Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden“ (Joh 1,17).

Natürlich ist damit nicht gemeint, dass es vor Mose kein Gesetz gab und noch weniger, dass es vor Jesus Christus keine Gnade und Wahrheit gab. Das Verbot an Adam, nicht vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen zu essen (1. Mo 2,17), war Gesetz und die Gnade wurde sicherlich am schönsten sichtbar, als Gott der HERR nach seinen sündigen Geschöpfen suchte und ihnen Kleider aus Fell machte (1. Mo 3,21) – ein wunderschönes Bild von Christus, „der uns … Gerechtigkeit geworden ist“ (1. Kor 1,30). Das Gesetz im Sinn einer Offenbarung von Gottes Willen und die Gnade im Sinn einer Offenbarung von Gottes Güte gab es schon immer, was die Heilige Schrift an vielen Stellen bezeugt. Aber „das Gesetz“, dass am häufigsten in der Schrift erwähnt wird, wurde durch Mose gegeben und dominiert und charakterisiert die Zeit vom Sinai bis Golgatha; so wie die Gnade die Haushaltung dominiert und charakterisiert, die auf Golgatha beginnt und nach der Prophetie mit der Entrückung der Versammlung endet.

Dennoch ist es sehr wichtig, wahrzunehmen, dass die Schrift die beiden Prinzipien nie und in keiner Haushaltung miteinander vermischt. Das Gesetz nimmt immer einen völlig anderen Platz ein als die Gnade und hat auch eine ganz andere Aufgabe. Im Gesetz verbietet und fordert Gott, unter der Gnade bittet und schenkt Gott. Das Gesetz führt zur Verdammung, die Gnade zur Vergebung. Das Gesetz verflucht; die Gnade errettet von diesem Fluch. Das Gesetz tötet; die Gnade schenkt Leben. Das Gesetz bringt jeden Mund vor Gott zum Verstummen; die Gnade öffnet jeden Mund, um Ihn zu preisen. Das Gesetz stellt eine große und schuldbeladene Distanz zwischen Mensch und Gott auf; die Gnade bringt den schuldigen Menschen näher zu Gott. Das Gesetz sagt: „Auge um Auge, Zahn um Zahn.“ Die Gnade sagt: „Widersteht nicht dem Bösen sondern wer dich auf deine rechte Wange schlägt, dem halte auch die andere hin“ (Mt 5,39). Das Gesetz sagt: „Du sollst deinen Feind hassen.“ Die Gnade sagt: „Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen“ (Mt 5,44). Das Gesetz sagt: Tue und lebe. Die Gnade sagt: Glaube und lebe. Das Gesetz wurde nie missionarisch verkündet; die Gnade soll allen Geschöpfen gepredigt werden. Das Gesetz verdammt den besten Menschen völlig; die Gnade rechtfertigt den Schlimmsten umsonst (Lk 23,43; Röm 5,8; 1. Tim 1,15; 1. Kor 6,9–11). Das Gesetz ist ein System der Erprobung, die Gnade ein System der Gunst. Zu Zeiten des Gesetzes wurde eine Ehebrecherin gesteinigt; die Gnade sagt: „Auch ich verurteile dich nicht; geh hin und sündige nicht mehr“ (Joh 8,11). Unter Gesetz sterben die Schafe für den Hirten, unter der Gnade stirbt der Hirte für die Schafe.

Überall in der Schrift wird eine klare Trennung zwischen Gesetz und Gnade gezogen. In vielen der heutigen Lehren werden sie vermischt und somit werden beide verdorben, denn das Gesetz wird seines Schreckens beraubt und die Gnade ihrer Freiheit.

Der Leser sollte beachten, dass mit „Gesetz“ im Neuen Testament das Gesetz gemeint ist, dass durch Mose gegeben wurde (Römer 7,23 bildet eine Ausnahme). Manchmal ist das ganze Gesetz gemeint, manchmal nur die Gebote, manchmal nur das Zeremonialgesetz. Beispiele für Abschnitte, die zur ersten Bedeutung passen, sind Römer 6,14; Galater 2,16; 3,2. Zur zweiten Bedeutung passen Römer 3,19 und 7,7–12. Ein Beispiel für die dritte Bedeutung ist Kolosser 2,14–17.

Er sollte sich auch daran erinnern, dass in dem Zeremonialgesetz diese wunderbaren Bilder zu finden sind – die wunderschönen Vorschattungen auf die Person und das Werk des Herrn Jesus als Priester und Opfer, wie sie in der Stiftshütte (2. Mo 25–30) und in den levitischen Opfern zu sehen sind, die den Gläubigen immer in Erstaunen und in Freude versetzen sollten.

Auch einige Ausdrücke in den Psalmen, die unerklärbar wären, wenn sie nur als „Dienst des Todes, mit Buchstaben in Steine eingegraben“ (2. Kor 3,7) verstanden würden, werden klar verständlich, wenn man sie im Bezug auf Christus und die Erretteten betrachtet. „…sondern seine Lust hat am Gesetz des HERRN und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht“ (Ps 1,2). „Wie liebe ich dein Gesetz! Es ist mein Sinnen den ganzen Tag“ (Ps 119,97).

Die Kirche hat Probleme mit drei falschen Ansichten im Bezug auf die richtige Beziehung zwischen Gesetz und Gnade:

1. Antinomianismus: die Ablehnung jeglicher Herrschaft über das Leben der Gläubigen; das Bekenntnis, dass die Menschen kein heiliges Leben führen müssen, weil sie durch Gottes freie Gnade errettet sind. „Sie geben vor, Gott zu kennen, aber in den Werken verleugnen sie ihn und sind abscheulich und ungehorsam und zu jedem gutem Werk unbewährt“ (Tit 1,6).

„Denn gewisse Menschen haben sich nebeneingeschlichen, die schon längst zu diesem Gericht zuvor aufgezeichnet waren, Gottlose, die die Gnade unseres Gottes in Ausschweifung verkehren und unseren alleinigen Gebieter und Herrn Jesus Christus verleugnen“ (Jud 4).

2. Zeremonialismus: die Forderung, dass die Gläubigen sich an die levitischen Anordnungen halten sollen. Die moderne Form dieser Irrlehre ist die Lehre, dass christliche Anordnungen zur Errettung notwendig sind.

„Und einige kamen von Judäa herab und lehrten die Brüder: Wenn ihr nicht beschnitten werdet nach der Weise Moses, so könnt ihr nicht errettet werden“ (Apg 15,1).

3. Die Irrlehre der Galater die Vermischung von Gesetz und Gnade; die Lehre, dass die Rechtfertigung teilweise auf Gnade, teilweise auf dem Gesetz basiert oder dass die Gnade gegeben wurde, um den sonst hilflosen Sünder zu befähigen, das Gesetz zu halten. Dieser am weitesten verbreiteten Irrlehre stehen die ernsten Warnungen, die unwiderlegbare Logik und die eindringlichen Erklärungen im Brief an die Galater als abschließende Antwort Gottes gegenüber.

„Dies allein will ich von euch lernen: Habt ihr den Geist aus Gesetzeswerken empfangen oder aus der Kunde des Glaubens? Seid ihr so unverständig? Nachdem ihr im Geist angefangen habt, wollt ihr jetzt im Fleisch vollenden?“ (Gal 3,2–3).

„Ich wundere mich, dass ihr euch so schnell von dem, der euch in der Gnade Christi berufen hat, zu einem anderen Evangelium umwendet, das kein anderes ist; nur dass einige da sind, die euch verwirren und das Evangelium des Christus verdrehen wollen. Aber wenn auch wir oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas als Evangelium verkündigte außer dem, was wir euch als Evangelium verkündigt haben: Er sei verflucht!“ (Gal 1,6–8).

Die folgenden Gedanken werden als Überblick über die Lehre der Schrift zu diesem wichtigen Thema hilfreich sein. In den zitierten Abschnitten wird sich ausschließlich auf das moralische Gesetz bezogen.

WAS DAS GESETZ IST

„Also ist das Gesetz heilig und das Gebot heilig und gerecht und gut“ (Röm 7,12).

„Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist, ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft“ (Röm 7,14).

„Denn ich habe Wohlgefallen an dem Gesetz Gottes nach dem inneren Menschen“ (Röm 7,22).

„Wir wissen aber, dass das Gesetz gut ist, wenn jemand es gesetzmäßig gebraucht“ (1. Tim 1,8).

„Das Gesetz aber ist nicht aus Glauben“ (Gal 3,12).

Der gesetzmäßige Gebrauch des Gesetzes

„Was sollen wir nun sagen? Ist das Gesetz Sünde? Das sei ferne! Aber die Sünde hätte ich nicht erkannt als nur durch Gesetz. Denn auch von der Begierde hätte ich nichts gewusst, wenn nicht das Gesetz gesagt hätte: „Du sollst nicht begehren“ (Röm 7,7; lies auch Vers 13).

„Darum, aus Gesetzeswerken wird kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden; denn durch Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde“ (Röm 3,20).

„Warum nun das Gesetz? Es wurde der Übertretungen wegen hinzugefügt“ (Gal 3,19).

„Wir wissen aber, dass alles was das Gesetz sagt, es zu denen redet, die unter dem Gesetz sind, damit jeder Mund verstopft werde und die ganze Welt dem Gericht Gottes verfallen sei“ (Röm 3,19). Das Gesetz kennt nur eine Sprache: „alles, was das Gesetz sagt“. Es spricht nur, um zu verdammen.

„Denn so viele aus Gesetzeswerken sind, sind unter dem Fluch; denn es steht geschrieben: „Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben ist, um es zu tun!“ (Gal 3,10).

„Denn wer irgend das ganze Gesetz hält, aber in einem strauchelt, ist aller Gebote schuldig geworden“ (Jak 2,10).

„…der Dienst des Todes, mit Buchstaben in Steine eingegraben…“ (2. Kor 3,7).

„…der Dienst der Verdammnis…“ (2. Kor 3,9).

Ich aber lebte einst ohne Gesetz; als aber das Gebot kam, lebte die Sünde auf; ich aber starb“ (Röm 7,9).

„…die Kraft der Sünde aber das Gesetz“ (1. Kor 15, 56).

Dadurch wird klar, dass es Gottes Ziel mit der Gesetzgebung war, nachdem die Menschheit 2.500 Jahre ohne sie existiert hatte, dem schuldigen Menschen zuerst seine Sündhaftigkeit bewusst zu machen und dann seine ganze Hilflosigkeit im Hinblick auf Gottes gerechte Forderungen. Es ist ausschließlich ein Dienst der Verdammnis und des Todes.

WAS DAS GESETZ NICHT TUN KANN

„Darum, aus Gesetzeswerken wird kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden; denn durch Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde“ (Röm 3,20).

„…aber wissend, dass der Mensch nicht aus Gesetzeswerken gerechtfertigt wird, sondern nur durch den Glauben an Jesus Christus, auch wir haben an Christus Jesus geglaubt, damit wir aus Glauben an Christus gerechtfertigt würden und nicht aus Gesetzeswerken, weil aus Gesetzeswerken kein Fleisch gerechtfertigt werden wird“ (Gal 2,16).

„Ich mache die Gnade Gottes nicht ungültig; denn wenn Gerechtigkeit durch Gesetz kommt, dann ist Christus umsonst gestorben“ (Gal 2,21).

„Dass aber durch Gesetz niemand vor Gott gerechtfertigt wird, ist offenbar, denn „der Gerechte wird aus Glauben leben“ (Gal 3,11).

„Denn das dem Gesetz Unmögliche, weil es durch das Fleisch kraftlos war, tat Gott, indem er, seinen eigenen Sohn in Gleichgestalt des Fleisches der Sünde und für die Sünde sendend, die Sünde im Fleisch verurteilte“ (Röm 8,3).

„…und von allem, wovon ihr durch das Gesetz Moses nicht gerechtfertigt werden konntet, wird durch diesen jeder Glaubende gerechtfertigt“ (Apg 13,39).

„…(denn das Gesetz hat nichts zur Vollendung gebracht) und die Einführung einer besseren Hoffnung, durch die wir Gott nahen“ (Heb 7,19).

DER GLÄUBIGE STEHT NICHT UNTER GESETZ

Römer 6 beginnt in Vers 11, nachdem die Lehre von der Einsmachung des Gläubigen mit Christus in Seinem Tod erklärt wurde, für die die Taufe ein Symbol ist (Verse 1–10), mit den Erklärungen der Prinzipien, die den Weg eines Gläubigen bestimmen und seine Lebensregel sein sollten. Das ist das Thema der restlichen zwölf Verse. Vers 14 zeigt das große Prinzip seiner Befreiung, nicht von der Sündenschuld, sondern von der Herrschaft der Sünde. „Denn die Sünde wird nicht über euch herrschen, denn ihr seid nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade.“

Für den Fall, dass das die Anhänger des schrecklichen Antinomianismus dazu bringen sollte, zu behaupten, dass deshalb ein göttliches Leben nicht wichtig ist, fügt der Geist sofort hinzu: „Was nun, sollten wir sündigen, weil wir nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade sind? Das sei ferne!“ (Röm 6,15). Sicherlich sagt jedes wiedergeborene Herz „Amen“ dazu.

Dann wird in Römer 7 ein anderes Prinzip der Befreiung vom Gesetz eingeführt. „Also seid auch ihr, meine Brüder, dem Gesetz getötet worden, durch den Leib des Christus um eines anderen zu werden, des aus den Toten Auferweckten, damit wir Gott Frucht brächten. Denn als wir im Fleisch waren, wirkten die Leidenschaften der Sünde, die durch das Gesetz sind, in unseren Gliedern, um dem Tod Frucht zu bringen. Jetzt aber sind wir von dem Gesetz losgemacht, da wir dem gestorben sind, in dem wir festgehalten wurden, so dass wir in dem Neuen des Geistes dienen und nicht in dem Alten des Buchstabens“ (Röm 7,4–6). (Das bezieht sich nicht auf das Zeremonialgesetz; lies Vers 7).

„Denn ich bin durch das Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich Gott lebe“ (Gal 2,19).

„Bevor aber der Glaube kam, wurden wir unter dem Gesetz verwahrt, eingeschlossen auf den Glauben hin, der offenbart werden sollte. Also ist das Gesetz unser Erzieher gewesen auf Christus hin, damit wir aus Glauben gerechtfertigt würden. Da aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter einem Erzieher“ (Gal 3,23–25).

„Wir wissen aber, dass das Gesetz gut ist, wenn es jemand gesetzmäßig gebraucht, indem er dies weiß, dass für einen Gerechten das Gesetz nicht bestimmt ist“ (1. Tim 1,8–9).

WAS IST DIE LEBENSREGEL DES GLÄUBIGEN?

„Wer sagt, dass er in ihm bleibt, ist schuldig, selbst auch so zu wandeln, wie er gewandelt ist“ (1. Joh 2,6).

„Hieran haben wir die Liebe erkannt, dass er für uns sein Leben hingegeben hat; auch wir sind schuldig, für die Brüder das Leben hinzugeben“ (1. Joh 3,16).

„Geliebte, ich ermahne euch als Fremdlinge und als solche, die ohne Bürgerrecht sind, euch der fleischlichen Begierden zu enthalten, die gegen die Seele streiten“ (1. Pet 2,11; lies auch die Verse 12–23).

„Ich ermahne euch nun, ich der Gefangene im Herrn, dass ihr würdig wandelt der Berufung, mit der ihr berufen worden seid, mit aller Demut und Sanftmut, mit Langmut, einander ertragend in Liebe“ (Eph 4,1–2).

„Seid nun Nachahmer Gottes, als geliebte Kinder, und wandelt in Liebe, wie auch der Christus uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben hat“ (Eph 5,1–2).

„Denn einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht in dem Herrn; wandelt als Kinder des Lichts“ (Eph 5,8).

„Gebt nun Acht, wie ihr sorgfältig wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise, die die gelegene Zeit auskaufen, denn die Tage sind böse“ (Eph 5,15–16).

„Ich sage aber: Wandelt im Geist, und ihr werdet die Lust des Fleisches nicht vollbringen“ (Gal 5,16).

„Denn ich habe euch ein Beispiel hinterlassen, damit wie ich euch getan habe, auch ihr tut“ (Joh 13,15).

„Wenn ihr meine Gebote haltet, so werdet ihr in meiner Liebe bleiben, wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe“ (Joh 15,10).

„Dies ist mein Gebot, dass ihr einander liebet, wie ich euch geliebt habe“ (Joh 15,12).

„Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt“ (Joh 14,21).

„… und was irgend wir erbitten, empfangen wir von ihm, weil wir seine Gebote halten und das vor ihm Wohlgefällige tun. Und dies ist sein Gebot, dass wir an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben und einander lieben, wie er uns ein Gebot gegeben hat“ (1. Joh 3,22–23).

„Dies ist der Bund, den ich ihnen errichten werde nach jenen Tagen, spricht der Herr: Indem ich meine Gesetze in ihre Herzen gebe, werde ich sie auch auf ihren Sinn schreiben“ (Heb 10,16).

Die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind ist eine wunderschöne Darstellung dieses Prinzips. Das Gesetz fordert die Eltern dazu auf, für ihre Nachkommen zu sorgen und droht Strafen an, wenn sie absichtlich vernachlässigt werden; aber das Land ist voll von glücklichen Müttern, die sich liebevoll um ihre Kinder kümmern, obwohl sie gar nichts von der Existenz eines solchen Gesetzes wissen. Das Gesetz ist in ihren Herzen.

In diesem Zusammenhang ist es lehrreich, sich daran zu erinnern, dass Gott bestimmt hatte, dass die Gesetzestafeln in der Bundeslade liegen sollten, „…in der der goldene Krug war, der das Manna enthielt, und der Stab Aarons, der gesprosst hatte“ (Bilder: das eine von Christus, unserem Brot in der Wüste; das andere von der Auferstehung; und beide sprechen von der Gnade), die mit einem goldenen „Gnadenstuhl“ bedeckt war, worauf das Sühnungsblut gesprengt worden war. Das Auge Gottes konnte Sein gebrochenes Gesetz nur durch das Blut sehen, dass seiner Gerechtigkeit völlig entsprach und Seinen Zorn stillte (Heb 9,4–5).

Es war den modernen Menschen vorbehalten, diese heiligen und gerechten, aber tödlichen Tafeln dem Sühndeckel und dem Sühnungsblut zu entwinden und sie in christlichen Kirchen als Lebensregeln aufzustellen.

WAS IST GNADE?

„Als aber die Güte und die Menschenliebe unseres Heiland-Gottes erschien…errettete er uns durch seine Gnade“ (Tit 3,4–5). „…damit er in den kommenden Zeitaltern den überragenden Reichtum seiner Gnade in Güte an uns erwiese in Christus Jesus“ (Eph 2,7).

„Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus, da wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist“ (Röm 5,8).

WAS IST GOTTES ABSICHT MIT DER GNADE?

„Denn durch die Gnade seid ihr errettet, mittels des Glaubens; und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme“ (Eph 2,8–9).

„Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend für alle Menschen, und unterweist uns, damit wir, die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnend, besonnen und gottselig leben in dem jetzigen Zeitlauf, indem wir erwarten die glückselige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Heilandes Jesus Christus“ (Tit 2,11–13).

„…damit wir gerechtfertigt werden durch seine Gnade, Erben würden nach der Hoffnung des ewigen Lebens“ (Tit 3,7).

„…und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist“ (Röm 3,24).

„…durch den wir mittels des Glaubens auch den Zugang haben zu dieser Gnade, in der wir stehen“ (Röm 3,24).

„Und nun befehle ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade an, das vermag, aufzuerbauen und das Erbe zu geben unter allen Geheiligten“ (Apg 20,32).

„…zum Preise der Herrlichkeit seiner Gnade, womit er uns begnadigt hat in dem Geliebten; indem wir die Erlösung haben durch sein Blut, die Vergebung der Vergehungen, nach dem Reichtum seiner Gnade“ (Eph 1,6–7).

„Lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu rechtzeitiger Hilfe“ (Heb 4,16).

Wie vollständig, wie allumfassend! Die Gnade errettet, rechtfertigt, baut auf, macht uns annehmbar, errettet, vergibt, macht uns zu Erben, gibt uns eine Stellung vor Gott, gibt uns Zutritt zum Thron der Gnade, zu dem wir freimütig kommen dürfen, um Gnade und Hilfe zu bekommen; sie bringt uns bei, wie wir leben sollen und gibt uns eine gesegnete Hoffnung! Trotzdem sollten wir bemerken, dass diese verschiedenen Prinzipien nicht vermischt werden können.

„Wenn aber durch Gnade, so nicht mehr aus Werken; sonst ist die Gnade nicht mehr Gnade“ (Röm 11,6).

„Dem aber, der wirkt, wird der Lohn nicht nach Gnade zugerechnet, sondern nach Schuldigkeit. Dem aber, der nicht wirkt, sondern an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet“ (Röm 4,4–5; lies auch Galater 3,16–18; 4,21–23).

„Deshalb, Brüder, sind wir nicht Kinder der Magd, sondern der Freien“ (Gal 4,31).

„Denn ihr seid nicht gekommen zu dem Berg, der betastet werden konnte, und zu dem entzündeten Feuer und dem Dunkel und der Finsternis und dem Sturm und dem Posaunenschall und der Stimme der Worte, deren Hörer baten, dass das Wort nicht mehr an sie gerichtet würde (denn sie konnten nicht ertragen, was angeordnet wurde: „Und wenn ein Tier den Berg berührt, soll es gesteinigt werden.“ Und so furchtbar war die Erscheinung, dass Mose sagte: „Ich bin voll Furcht und Zittern.“), sondern ihr seid gekommen zum Berg Zion und Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem; und zu Myriaden von Engeln, der allgemeinen Versammlung; und zu der Versammlung der Erstgeborenen, die in den Himmeln angeschrieben sind; und zu Gott, dem Richter aller; und zu den Geistern der vollendeten Gerechten; und zu Jesus, dem Mittler eines neuen Bundes; und zu dem Blut der Besprengung, das besser redet als Abel“ (Heb 12,18–24).

Es ist dann nicht die Frage, ob man das, was Gott am Sinai gesprochen hat, in das moralische Gesetz oder das Zeremonialgesetz einteilt – der Gläubige kommt überhaupt nicht zu diesem Berg.

Wie es der gute, alte Bunyan sagte: „Der Gläubige ist nun durch den Glauben an den Herrn Jesus unter so einer vollkommenen und gesegneten Gerechtigkeit verborgen, dass dieses donnernde Gesetz vom Berg Sinai nicht den kleinsten Fehler oder Makel darin finden kann. Das ist die Gerechtigkeit Gottes ohne das Gesetz.“

Sollte das ein Ungläubiger lesen, wird er liebevoll ermahnt, dass wahre Urteil dieses heiligen und gerechten Gesetzes anzuerkennen, dass er gebrochen hat. „Denn es ist kein Unterschied, denn alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes“ (Röm 3,22–23). In Christus wird derjenige eine vollständige und ewige Errettung finden, wie es in der Schrift steht: „…dass, wenn du mit deinem Mund Jesus als Herrn bekennst und in deinem Herzen glaubst, dass Gott ihn aus den Toten auferweckt hat, du errettet werden wirst“ (Röm 10,9); „denn Christus ist das Ende des Gesetzes, jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit“ (Röm 10,4).

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