Der Brief an die Römer

2. Christus – das Haupt einer neuen Rasse (Kapitel 5,12-21)

Der Brief an die Römer

Dieser neue Teil des Briefes zeigt uns die Stellung und den Segen, der dem Gläubigen geschenkt worden ist als vor Gott „in Christus“ stehend. Daher beginnt dieser Abschnitt natürlich damit, dass uns Christus als das Haupt einer neuen Rasse vorgestellt wird. Wir lernen aus diesen Versen, dass so, wie wir mit Adam und den traurigen Konsequenzen seines Sündenfalls identifiziert werden, die für alle seine Nachkommen gelten, wir ebenfalls mit Christus identifiziert werden und Anteil haben an den Segnungen, die das Teil derer sind, die zu seiner Linie gehören.

Wir werden lernen, dass wir mit Christus in seinem Tod einsgemacht worden sind, um unsere Verbindung mit Adam und seinem Geschlecht zu beenden. Wir sind auch mit Christus in seiner Auferstehung einsgemacht worden, um Anteil zu bekommen an allen Segnungen, die zu seinem Geschlecht gehören.

Der Tod ist zu allen durchgedrungen (5,12)

„Darum, so wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod und so der Tod zu allen Menschen durchgedrungen ist, weil sie alle gesündigt haben …“ (5,12).

Dieser Abschnitt beginnt damit, alle Leiden, die in diese Welt gekommen sind, bis zu einem Menschen zurückzuverfolgen: Adam. Durch Adams Handlung des Ungehorsams kam die Sünde in diese Welt, und durch die Sünde der Tod. So ist der Tod zum gesamten Geschlecht Adams durchgedrungen. Das Ergebnis von „Sünde“ kann nur eines sein: Sünden. Aber der Apostel spricht in diesem Abschnitt des Briefs besonders von „Sünde“. In den Kapiteln 1–5,11 kommt das Wort „Sünde“ nur zweimal vor. In diesem Abschnitt von Kapitel 5,12–8,39 kommt es 34-mal vor.

„Sünde“ ist das böse Prinzip der „Gesetzlosigkeit“, man könnte auch sagen: Das Geschöpf tut seinen eigenen Willen. Dieses böse Prinzip kam durch Adams Handlung des Ungehorsams in diese Welt hinein. Der Tod folgte als Strafe der Sünde. Sünden können vergeben werden; aber der „Sünde“, dem bösen Prinzip, das zu Sünden führt, kann nur durch den Tod begegnet werden, der das Leben, das durch Sünde regiert wird, beendet. Daher ist die Strafe der Sünde der Tod.

Die Todesstrafe ist nun zum gesamten Geschlecht Adams durchgedrungen. Dass wirklich alle Menschen unter das böse Prinzip der Sünde gekommen sind, wird durch die Tatsache bewiesen, dass alle gesündigt haben. Die schlechte Frucht zeigt den Charakter des Baums. So sagt der Apostel: „Der Tod ist zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben.“

In Vers 18 fährt der Apostel mit seiner Belehrung fort. Er zeigt die Segnungen, die denjenigen geschenkt werden, die zu Christi Geschlecht gehören. Zunächst jedoch betont er in den Versen 13–17, die eine Einschaltung darstellen, folgende drei Wahrheiten:

  1. Das böse Prinzip der Sünde gab es auch schon, als es noch kein Gesetz gab. Es hat also mit dem Gesetz selbst nichts zu tun.
  2. Adam ist ein Vorbild auf Christus, das Haupt eines neuen Geschlechts.
  3. Genauso, wie Adams Sünde sein gesamtes Geschlechts in Mitleidenschaft zog, ja noch viel mehr profitiert das ganze Geschlecht Christi von dem, was Er getan hat.

Sünde und Tod gibt es unabhängig vom Gesetz (5,13.14)

„… denn bis zu dem Gesetz war Sünde in der Welt; Sünde aber wird nicht zugerechnet, wenn kein Gesetz da ist. Aber der Tod herrschte von Adam bis auf Mose, selbst über die, die nicht gesündigt hatten in der Gleichheit der Übertretung Adams, der ein Vorbild des Zukünftigen ist“ (5,13.14).

Was das Gesetz betrifft, ist es offenbar, dass Adam unter ein Gesetz gestellt wurde. In seinem Fall war es ein ganz einfaches Gesetz, denn ihm war verboten worden, von einem bestimmten Baum zu essen. 2500 Jahre später wurde dem Volk Israel das Gesetz durch Mose gegeben. Aber zwischen Adam und Mose gab es kein spezielles Gesetz, dass dieses oder jenes verboten hätte. Dadurch kommt die Frage auf: Kann der Mensch dafür verurteilt werden, dass er das tut, was nicht verboten ist?

Die Antwort liegt darin, dass die Sünde nicht zugerechnet wird, gewissermaßen nicht zulasten des Kontos des Menschen geht, also nicht als tatsächliche Übertretung eines bekannten Gesetzes gewertet wird, wenn es kein Gesetz gibt. Dennoch ist klar, auch wenn der Mensch ohne Gesetz nicht einer Übertretung desselben angeklagt wird, dass der Mensch seinen eigenen Willen tut und folglich die Strafe des Todes erleiden muss. Das wird bewiesen durch die Tatsache, dass der Tod von Adam an bis Mose herrschte. So beweist der Apostel, dass das gesamte Geschlecht Adams unter der Sünde und der Strafe des Todes steht, total unabhängig davon, ob ein Gesetz existierte bzw. eingesetzt und übertreten wurde.

Darüber hinaus lernen wir in dieser Einschaltung, dass es ein anderes Haupt eines anderen Geschlechts gibt, von dem Adam lediglich ein „Vorbild“ war. Christus wird uns als das Haupt einer neuen Rasse vorgestellt. Das Bedenken alles dessen, was durch Adam gekommen ist, hilft uns den Segen zu erfassen, der durch Christus zu uns gekommen ist.

Die Folgen der Gnade übersteigen die Folgen der Sünde Adams (5,15–17)

„Ist nicht aber wie die Übertretung so auch die Gnadengabe? Denn wenn durch die Übertretung des einen die vielen gestorben sind, so ist viel mehr die Gnade Gottes und die Gabe in Gnade, die durch den einen Menschen, Jesus Christus, ist, zu den vielen überströmend geworden. Und ist nicht wie durch einen, der gesündigt hat, so auch die Gabe? Denn das Urteil war von einem zur Verdammnis, die Gnadengabe aber von vielen Übertretungen zur Gerechtigkeit. Denn wenn durch die Übertretung des einen der Tod durch den einen geherrscht hat, so werden viel mehr die, welche die Überfülle der Gnade und der Gabe der Gerechtigkeit empfangen, im Leben herrschen durch den einen, Jesus Christus“ (5,15–17).

Die Folge der Gnade durch Christus übersteigt bei weitem die Folge der Sünde Adams. Der unvergleichliche Charakter dieser Gnade wird in einer dreifachen Weise sichtbar gemacht:

  1. In Vers 15 lernen wir, dass die Gnade Gottes das Vergehen Adams übertrifft. Wenn das Vergehen eines Menschen, Adam, den Tod für sein ganzes Geschlecht mit sich bringt, wie vielmehr bringt die Gnade Gottes die Gabe des Lebens in Gnade durch einen Menschen, Jesus Christus, für sein gesamtes Geschlecht.
  2. In Vers 16 lernen wir, dass die Gerechtigkeit Gottes das Urteil bzw. Gericht Gottes übertrifft. Das Urteil des Gerichts, das auf die Menschen wegen der einen Sünde kam, hat alle unter dem Gericht eingeschlossen. Die Gnade Gottes rechnet die „vielen Übertretungen“ an, aber nicht zum Gericht, sondern zur Gerechtigkeit.
  3. In Vers 17 lernen wir dann, dass das Leben über den Tod triumphiert. Der Apostel sagt: „Wenn durch die Übertretung des einen der Tod durch den einen geherrscht hat, so werden viel mehr die, welche die Überfülle der Gnade und der Gabe der Gerechtigkeit empfangen, im Leben herrschen durch den einen, Jesus Christus.“ Vielleicht haben wir gedacht, dass der Gegensatz dazu, das „der Tod geherrscht hat“ darin besteht, dass „das Leben regiert“.
    Paulus geht aber darüber hinaus. Denn wir lesen: „Sie werden im Leben herrschen“. Das öffnet dem Gläubigen einen wundervollen Blick des Segens. Es wird die Zeit kommen, wenn die Heiligen mit Christus regieren werden. Schon jetzt aber macht die Gnade es möglich für die Heiligen, im Leben durch Christus zu herrschen. Es ist der Gedanke Gottes, dass wir durch Christus die Macht der Sünde, der Gesetzlosigkeit und des eigenen Willens vollständig überwinden. Er will, dass wir in der Kraft eines Lebens, das durch Christus genährt und gestützt wird, alles Böse – sei es im Fleisch oder in der Welt – überwinden.

Was für ein siegreiches Leben eröffnet das dem Gläubigen! Anstatt ständig durch das böse Prinzip der Sünde überwunden zu werden, in dem die Sünde über uns regiert, wird uns die gesegnete Möglichkeit gezeigt, dass der Gläubige über die Sünde durch Jesus Christus herrscht. Wie das praktischerweise verwirklicht werden kann, werden wir in den Kapiteln 6–8 sehen, in denen wir Gottes Wege der Befreiung von Sünde, Gesetz und Fleisch entfaltet finden. Bevor wir aber zu der Erfahrung und der Wahrheit kommen, die zu dieser Befreiung führt, stellt uns Gott das gesegnete Ziel vor die Herzen, zu dem es führt. In der Zukunft werden Gläubige in einer Welt des Segens mit Christus herrschen. Schon jetzt aber ist es in einer Welt der Sünde und des Todes für Sie möglich, im Leben zu herrschen durch Jesus Christus. Dadurch werden sie nicht durch die Sünde überwunden, sondern der Gläubige selbst wird zu einem Überwinder.

Die Tragweite der Gerechtigkeit Christi (5,18)

„… also nun, wie es durch eine Übertretung gegen alle Menschen zur Verdammnis gereichte, so auch durch eine Gerechtigkeit gegen alle Menschen zur Rechtfertigung des Lebens“ (5,18).

Nachdem wir in dieser Einschaltung Christus als das Haupt seines Geschlechts gesehen haben, fährt der Apostel in seiner Argumentation des Verses 12 fort. Dort hatte er gezeigt, dass die Sünde durch einen Menschen in die Welt gekommen ist und dadurch der Tod zu allen Menschen durchgedrungen ist.

Nun zeigt Paulus, dass die Tragweite der einen Handlung der Gerechtigkeit Christi genauso weit gehend ist wie Adams eine Handlung des Ungehorsams. Wenn Adams Ungehorsam zu allen Menschen durchgedrungen ist zur Verdammnis, so reicht der Gehorsam Christi im Blick auf alle Menschen zur Rechtfertigung des Lebens. Der Unglaube mag verhindern, dass diese Handlung des Gehorsams allen zugerechnet wird. Dennoch gilt der Segen dieser Handlung des Gehorsams im Blick auf alle Menschen.

Die Rechtfertigung des Lebens steht im Gegensatz zu der Verdammnis des Todes. So kommt der Gläubige, anstatt unter der Verdammnis des Todes als Folge der Sünde zu stehen, unter die Rechtfertigung eines Lebens, das vollständig frei ist von Sünde. Anstatt ein Leben zu führen, das durch Sünde beherrscht wird und unter der Verdammnis des Todes steht, führt er ein Leben, das gerechtfertigt ist und daher frei von der Macht der Sünde und der Strafe des Todes.

Die Gnade führt zum ewigen Leben durch Jesus Christus (5,19–21)

„Denn so wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen in die Stellung von Sündern gesetzt worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen in die Stellung von Gerechten gesetzt werden. Das Gesetz aber kam daneben ein, damit die Übertretung überströmend würde. Wo aber die Sünde überströmend geworden ist, ist die Gnade noch überreichlicher geworden, damit, wie die Sünde geherrscht hat im Tod, so auch die Gnade herrsche durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben durch Jesus Christus, unseren Herrn“ (5,19-21).

Wenn der vorhergehende Vers zeigt, dass die Tragweite des Gehorsams Christi im Blick auf alle ist, zeigt uns dieser Vers, dass die tatsächliche Anwendung sich auf diejenigen beschränkt, die eine echte Beziehung zu Christus besitzen. Durch Adams Ungehorsam werden die vielen (d.h. alle Menschen) mit ihm versetzt in die Stellung von Sündern. Durch den Gehorsam Christi am Kreuz werden die vielen (das sind alle Gläubigen) in die Stellung von Gerechten gesetzt.

Zudem machte das Gesetz die Übertretung überströmend. Indem es verbot zu sündigen, regte es die Sünde geradezu an. Darüber hinaus fügte es zu dem Bösen der Sünde noch hinzu, dass die Sünde zu einer Übertretung wurde. In gleicher Weise finden wir, dass dort, wo die Sünde überströmend wurde, die Gnade noch überreichlicher geworden ist. Die Sünde führt durch ihre Herrschaft der Gesetzlosigkeit zum Tod. Die Gnade dagegen führt, indem sie durch Gerechtigkeit oder das Tun des Willens Gottes herrscht, zum ewigen Leben. Hier wird das ewige Leben in seiner Fülle in Herrlichkeit gesehen als das Ziel des Weges der Gerechtigkeit, im Gegensatz zu dem Tod, der am Ende eines Weges der Sünde oder Gesetzlosigkeit steht.

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