Briefe an junge Menschen

Der Tisch des Herrn

Liebe Freunde!

In meinem vorigen Brief haben wir gesehen, was Gottes Wort in den Evangelien und in 1. Korinther 11 über das Abendmahl des Herrn sagt. Wir haben gesehen, dass es ein Mahl zum Gedächtnis des Todes des Herrn Jesus ist. Nun möchte ich gern über eine andere Seite des Abendmahls sprechen, die wir in 1. Korinther 10 finden – die Gemeinschaft.

Der Apostel Paulus gibt im 1. Korintherbrief Antwort auf verschiedene Fragen, die an ihn gerichtet worden waren. So hatte man ihn gefragt, ob ein Christ wohl Fleisch essen dürfe, und zwar von Tieren, die den Götzen geopfert waren. Auf diese Frage gibt er in Kapitel 8 eine Antwort, die er in Kapitel 10 fortsetzt.

Es waren Gläubige in Korinth, die der Meinung waren: Ein Götze ist nichts als ein Stück Holz oder Stein, und darum können wir ruhig Götzenopfer essen. Ja, wir können auch ruhig in den Götzentempel gehen und dort essen; es gibt ja nur einen Gott, folglich kann es keine Götzen geben. Es handelt sich dabei nur um eine Formsache ohne jede Bedeutung, die wir tun können, um den Heiden kein Ärgernis zu geben. Der Apostel weiß wohl, dass ein Götze nichts ist. Aber er weist sie darauf hin, dass hinter den Götzen die Dämonen verborgen sind, wie Gott es schon in 5. Mose 32,17 gesagt hat. In Wirklichkeit werden die Opfer also den Dämonen dargebracht. Nun ist es bei den heidnischen und auch bei den israelitischen Opfern so, dass ein Mensch Gemeinschaft hat mit dem Altar, auf dem er opfert oder von dem das kommt, was er isst. Man kann teilhaben an Bösem, das man selbst nicht ausübt. Die wahre Weisheit in solchen Fällen besteht darin, wegzubleiben. Es ist ein Missbrauch der Erkenntnis, an Dingen teilzunehmen – oder sich auch nur den Schein zu geben, als ob man daran teilnähme – die im gottesdienstlichen Bereich falsch sind. Man sollte nicht argumentieren, das Herz sei ja nicht beteiligt an dem, was der Mensch äußerlich tut. Das wäre nicht nur aus moralischen Gründen verwerflich, sondern weil auch Christus gering geschätzt wird und die Listen Satans nicht ernst genommen werden. Ist der Christ nicht dazu von der Macht Satans befreit, dass er dem lebendigen und wahrhaftigen Gott dient? Ist er nicht um einen Preis erkauft, um Gott zu verherrlichen?

Dies nimmt der Heilige Geist zum Anlass, um über das Abendmahl zu sprechen und davon eine Seite vorzustellen, die wir in den Evangelien nicht finden. Sie konnte dort auch nicht vorgestellt werden, weil die Versammlung noch nicht bestand und die Lehre von der Versammlung noch nicht offenbart worden war.

Wie wichtig diese Angelegenheit aber ist, beweist die Tatsache, dass zuerst dieses Thema behandelt worden ist und erst danach (Kapitel 11) die Feier des Abendmahls.

Die Reihenfolge, in der die Schrift die Gegenstände behandelt, ist in jedem Fall von großer Bedeutung. Wenn man die Lehre von 1. Korinther 10,15–22 nicht kennt, kann man unmöglich das Abendmahl in der rechten Weise feiern.

Die Gemeinschaft des Blutes und des Leibes Christi

„Ich rede als zu Verständigen; beurteilt ihr, was ich sage. Der Kelch der Segnung, den wir segnen, ist er nicht die Gemeinschaft des Blutes des Christus? Das Brot, das wir brechen, ist es nicht die Gemeinschaft des Leibes des Christus?“ (1. Kor 10,15.16).

Die Schrift appelliert zuerst an unser geistliches Verständnis. Wir haben ein neues Leben empfangen und die Salbung von dem Heiligen (1. Joh 2,20): den Heiligen Geist, der uns in die ganze Wahrheit leiten wird (Joh 16,13; 1. Kor 2,9–15). Gottes Wort setzt voraus, dass jeder Christ mit Einsicht handelt, dass er weiß, was er tut. Es ist in völligem Widerspruch zum Geist des Christentums, wenn ein Christ tut, was er nicht versteht oder auf blinde Antriebe hin handelt.

Nun, jeder, der am Abendmahl teilnimmt, erklärt damit, dass er an dem teil hat, wovon Brot und Wein ein Zeichen sind: an dem Leib und dem Blut des Herrn Jesus. Aber das ist nicht alles. Er ist zugleich mit allen verbunden, die dasselbe Teil besitzen. In diesen Versen bedeutet Gemeinschaft Teilhaberschaft, somit teilzuhaben an allen Rechten und Pflichten der betreffenden Angelegenheit.

Das Blut und der Leib sind voneinander getrennt. Hier wird uns also der gestorbene Heiland vorgestellt. An dieser Stelle wird das Blut zuerst genannt, abweichend von der Reihenfolge, in der das Abendmahl gefeiert wird, und das deshalb, weil das Blut des Herrn Jesus die Grundlage von allem ist.

Es gibt also eine Gemeinschaft, die aus Menschen besteht, die teilhaben an dem gestorbenen Heiland. Sie haben teil an seinem Blut. Welch ein Vorrecht! Wir sind gewaschen in seinem Blut (Off 1,5), erlöst (Eph 1,7; 1. Pet 1,19), gerechtfertigt (Röm 5,9), geheiligt (Heb 13,12), für Gott erkauft (Off 5,9) und nahe gebracht durch sein Blut (Eph 2,13). Sein Blut reinigt uns von aller Sünde (1. Joh 1,7), und durch sein Blut haben wir Freimütigkeit, in das Heiligtum einzutreten (Heb 10,19); durch sein Blut hat Gott sich die Versammlung erworben (Apg 20,28).

Der Ausdruck „Leib des Christus“ kommt in 1. Korinther 10,16; 12,27 und Epheser 4,12 vor als Bezeichnung der Versammlung. Weiter kommt er noch in Römer 7,4 und Hebräer 10,10 vor. In diesen zuletzt genannten Stellen steht er in Verbindung mit unserem Gestorbensein mit Christus und der Tatsache, dass am Kreuz der Mensch dem Fleisch nach ein Ende gefunden hat. Alles, was wir von Natur waren, hat in Christi Tod ein Ende gefunden, wie es auch in Kolosser 1,21.22 heißt: „Und euch, die ihr einst entfremdet und Feinde wart nach der Gesinnung in den bösen Werken, hat er aber nun versöhnt in dem Leib seines Fleisches durch den Tod“.

Es handelt sich also um die Gemeinschaft von Menschen, die alle teilhaben an den herrlichen Folgen des Werkes des Herrn Jesus, die aber auch mit Christus gestorben sind und nun als neue Menschen miteinander verbunden sind. Obwohl diese Gemeinschaft auf Erden ist, hat der „alte Mensch“, das, was wir von Natur sind, darin gar keinen Platz.

Der sinnbildliche Leib Christi, die Versammlung

„Denn ein Brot, ein Leib sind wir, die Vielen, denn wir alle nehmen teil an dem einen Brot“, oder, wie auch übersetzt werden kann, „Weil das Brot eins ist, sind wir, die Vielen, ein Leib, denn wir nehmen teil an einem Brot“ (1. Kor 10,17).

Hier wird also ausdrücklich festgestellt, was wir schon in Vers 16 gefunden haben. Alle, die an dem Blut des Herrn Jesus und an seinem für uns dahin gegebenen Leib teilhaben, bilden eine Gemeinschaft, einen Leib. In diesem Abschnitt wird die Lehre von diesem einen Leib nicht weiter behandelt, weil der Gegenstand hier die Gemeinschaft und ihr ausschließlicher Charakter ist. In Kapitel 12, im Epheserbrief und an anderen Stellen wird ausführlich darüber gesprochen.

In 1. Korinther 12,13 wird uns gezeigt, wie diese Gemeinschaft entstanden ist. Die Grundlage, das Fundament, ist das vollbrachte Werk des Herrn Jesus am Kreuz. Aber sie ist gebildet durch die Taufe mit dem Heiligen Geist. Die Schrift sagt deutlich, wann das gewesen ist. Johannes der Täufer hatte angekündigt, dass der Herr Jesus mit dem Heiligen Geist taufen werde. Und in Apostelgeschichte 1,4.5 sagt der Herr Jesus den Aposteln, dass sie diese Taufe nicht viele Tage danach empfangen sollten, und zwar wenn der Heilige Geist ausgegossen werden würde.

Die Schrift spricht auf zweierlei Weise über die Versammlung als den Leib Christi; manchmal, wie sie nach dem Ratschluss Gottes besteht, also so, wie sie einmal im Himmel sein wird (Eph 1,22). So besteht sie aus allen Gläubigen, die am Pfingsttag (Apg 2) zu dem einen Leib getauft worden sind, und aus allen, die später hinzugefügt werden (Apg 2,47), bis zu dem Augenblick, da sie in die Herrlichkeit aufgenommen werden wird. Zu dem Zeitpunkt wird einen Augenblick lang die gesamte Versammlung vollzählig auf Erden sein. Die Toten in Christus werden auferweckt werden, und wir, die Lebenden, werden verwandelt werden. Aber das ist nur ein einziger Augenblick. Siehe hierzu 1. Thessalonicher 4,15–17 und 1. Korinther 15,51–54. Im Allgemeinen – und immer, wenn es um unsere Verantwortlichkeit, um unseren Wandel auf der Erde geht – sieht die Schrift die Versammlung als die Gesamtheit der zu einem bestimmten Augenblick auf Erden lebenden Gläubigen. Diejenigen, die abgeschieden sind, die im Herrn entschlafen sind, bedürfen keiner Ermahnung mehr. Sie sind nicht mehr auf der Erde.

In 1. Korinther 12,27 finden wir den Charakter des Leibes Christi, von dieser Seite aus gesehen, in aller Deutlichkeit vorgestellt. Zu den Korinthern wurde gesagt: „Ihr aber seid Christi Leib und Glieder im Einzelnen“. Daraus wäre abzuleiten, dass also die Gläubigen an einem Ort jeweils den Leib Christi bildeten. Dann gäbe es so viele Leiber Christi, wie es Orte gibt, an denen Gläubige wohnen. Aus dem, was wir in 1. Korinther 10,16.17 gesehen haben, ist aber klar ersichtlich, dass das nicht der Fall sein kann, Auch in Vers 28 wird das deutlich. Wenn da gesagt wird, welche Gaben Gott der Versammlung gegeben hat, werden als erste Apostel genannt, von denen wir doch wissen, dass sie nicht in Korinth waren. Die Versammlung Gottes in Korinth war also nichts anderes als ein örtlicher Ausdruck des einen Leibes, das, was gerade nun in Korinth davon sichtbar war von der einen Versammlung, dem Leib Christi. Aber lasst uns nun auf 1. Korinther 10,16 zurückkommen.

Das Abendmahl ist der Ausdruck der Einheit des Leibes Christi

Wir haben gesehen, dass die Einheit des Leibes durch die Taufe mit dem Heiligen Geist gebildet ist, also nicht durch die Teilnahme am Abendmahl. Wäre es anders, dann bildeten ausschließlich diejenigen die Versammlung, die am Abendmahl des Herrn teilnehmen. Das aber stünde völlig im Widerspruch zu der gesamten Lehre der Schrift; unser Vers sagt das aber auch nicht. So wie der Herr Jesus, als er ihnen das Brot gab, sagte: „Dies ist mein Leib“, und damit ein sichtbares Zeichen, eine sichtbare Vorstellung von seinem für uns dahin gegebenen Leib gab, so fügt die Schrift hier hinzu, dass das Brot und der Wein sichtbare Zeichen, Ausdruck sind von dem verborgenen Leib Christi, der Versammlung. Jeder, der von dem Wein trinkt und von dem Brot isst, drückt damit aus, dass er zu der Gemeinschaft derer gehört, die teilnehmen an all den herrlichen Folgen seines Blutvergießens und seines Opfertodes am Kreuz. Er ist ein Glied am Leib Christi.

Hier lehrt uns die Schrift in Verbindung mit dem Abendmahl, was wir sind, während wir in Kapitel 11 und in den Evangelien finden, was wir tun.

Wir feiern das Abendmahl also nicht für uns allein, sondern gemeinschaftlich, nämlich als Glieder des einen Leibes. Es heißt immer „wir“, obwohl in dem Zusammenhang jedes Mal von „ich“ gesprochen wird. Wir drücken ja gerade durch das Brechen des Brotes unsere Einheit aus mit allen Gliedern des Leibes Christi. Es ist deutlich, dass alle Glieder das Abendmahl mitfeiern können, aber auch nur sie. Wo Ungläubige zugelassen werden, wo also grundsätzlich Menschen zugelassen werden, bei denen man nicht überzeugt ist, dass sie Glieder des Leibes Christi sind, dann handelt es sich nicht um das Abendmahl des Herrn, sondern um das Abendmahl jener Gruppe von Menschen, die das Abendmahl eingerichtet haben. Genauso ist es, wenn man Gläubigen die Teilnahme verweigert, die zu dem Leib Christi gehören und denen man keine Dinge nachsagen kann, die Gott selbst als Hinderungsgründe nennt, z.B. einen bösen Wandel, Irrlehre, Verbindung mit unreinen Dingen. Sobald aber auch andere Bedingungen gestellt werden (z.B. Übereinstimmung in bestimmten Wahrheiten, die nicht grundlegend sind), macht man das Abendmahl zu seinem eigenen Abendmahl und beraubt es seines Charakters als das Abendmahl des Herrn, wie die Schrift es kennt.

Dem steht gegenüber, dass die Schrift ganz deutlich das Wesen des Abendmahls aufzeigt, wie wir gesehen haben, dass es das Gemeinschaftsmahl des Herrn mit den Seinen ist. Die Teilhaber dieser Gemeinschaft sind alle mit Christus gestorben. Sie sind neue Menschen, die neues Leben empfangen haben, das die Schrift „Geist“ nennt (Joh 3,6), und in denen der Heilige Geist wohnt. „Daher, wenn jemand in Christus ist, da ist eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist  geworden“ (2. Kor 5,17).

Das Abendmahl des Herrn wird also nicht mit den Formen des „alten“ Menschen gefeiert. Es ist das Abendmahl des Herrn, der gestorben und auferstanden ist, und den Gott zum Herrn und Christus gemacht hat (Apg 2,36). Der auferstandene Herr lädt die Seinen ein, als seine Gäste sein Abendmahl zu feiern. ER ist der Gastgeber, und also auch der einzige, der da etwas zu sagen hat, der alle Autorität hat. Sollte wohl ein Abendmahl, bei dem ihm dieser Platz nicht eingeräumt wird, wo vielmehr die Menschen auch grundsätzlich alles nach eigenen Gedanken handhaben, sollte ein solches Abendmahl das Abendmahl des Herrn sein?

Die Ausschließlichkeit des Abendmahls

Wir haben gesehen, dass nur wahre Gläubige am Abendmahl teilhaben können. An anderen Stellen, wie in 1. Korinther 5 und im 2. Johannesbrief werden Dinge aufgezeigt, durch die Menschen, die als wahre Gläubige bekannt sind, verhindert werden, teilzunehmen. In 1. Korinther 10 legt der Heilige Geist in den Versen 18–22 den Nachdruck auf die Tatsache, dass unheilige Verbindungen eine absolute Verhinderung darstellen, selbst dann, wenn man persönlich nicht einmal an dem Bösen teil hat.

Wir haben gesehen, dass einige Brüder in Korinth der Meinung waren: Die Götzen sind nichts als Holz- und Metallstücke, weil es ja nur einen Gott gibt. Also schadet es nichts, wenn wir Götzenopfer essen oder im Götzentempel ein Mahl einnehmen.

Die Schrift weist aber mit allem Ernst darauf hin, dass solche Schlussfolgerungen völlig falsch sind. Anbeter haben im Allgemeinen an dem teil, was sie von allen anderen unterscheidet. Für die Versammlung ist es das Blut und der Leib Christi; und das ist unvereinbar mit der Gemeinschaft mit etwas, das dazu im Widerspruch steht. Die Schrift macht das dann anhand der israelitischen und heidnischen Opfer deutlich. Nun aber ist das Dankopfer von 3. Mose 3 und 7 das einzige Opfer, von dem der gewöhnliche Israelit essen durfte. Dieses Opfer meint also die Schrift in diesem Zusammenhang, und es ist sehr bemerkenswert, dass gerade dieses Opfer das vollkommenste Bild vom Abendmahl und dem damit verbundenen Gottesdienst der Versammlung darstellt.

Es war ein freiwilliges Opfer; niemand war verpflichtet, es darzubringen. Wenn aber ein Israelit Lob und Dank in seinem Herzen hatte (3. Mo 7,11 usw.) und ein Opfer bringen wollte, dann galten für ihn göttliche Anweisungen in Bezug auf das, was er darbringen musste, um Gott wohlgefällig zu sein. Überdies war zwingend vorgeschrieben, wo er es darbringen musste, nämlich vor dem Angesicht des Herrn, an dem Eingang des Zeltes der Zusammenkunft, wo Gott wohnte und das Volk ihm begegnen konnte, bei dem Altar. Wir sehen, wie der Dienst nicht vom Altar zu trennen ist, ja, eins mit ihm ist. Das Blut wurde rings um den Altar gesprengt (3. Mo 3,2). Das Fett mit den Nieren wurde, nachdem der Opfernde die Brust als ein Webopfer vor Gott gewoben hatte, auf dem Altar geopfert, und Gott nennt das: Mein Brot (4. Mo 28,2; 3. Mo 3,3–5.11.16). Der Priester, der den Dienst bei dem Opfer ausübte, bekam den rechten Schenkel. Aaron und seine Söhne bekamen die Brust. Der Opfernde selbst durfte das übrige Fleisch essen mit allen aus dem Volk, die rein waren.

In 3. Mose 7,18–21 finden wir wichtige Anweisungen über das Unreinsein. Fleisch, das mit etwas Unreinem in Berührung gekommen war, musste verbrannt werden. Es kann auch an dem Ort, an dem wir unser Opfer darbringen, etwas Unreines sein, wodurch selbst das an sich reine Opfer verunreinigt wird und nicht mehr gegessen werden darf. Aber auch der Person, an der persönlich Unreinheit haftet, ist es absolut verboten, von dem Opfer zu essen (daran teilzuhaben); das gilt auch für solche, die persönlich keine Unreinheit haben, aber – bewusst oder unbewusst – die Unreinheit anderer berührt haben (4. Mo 19 und 3. Mo 5,17). Das Urteil über beide ist dasselbe, als hätten sie selbst Unreinheit an sich. „Diese Seele soll ausgerottet werden aus ihren Völkern!“ Welch vernichtendes Urteil Gottes über die menschliche Behauptung: „Verbindung mit falscher Lehre oder mit sittlich Bösem verunreinigt nicht, wenn man selbst diese Lehre oder das Böse nicht hat“.

Über die Verbindung mit dem Altar finden wir noch mehr. In 3. Mose 7,15–18 steht, dass das Fleisch des Dankopfers nur an dem Tag gegessen werden durfte, an dem es als Opfer Gott (auf dem Altar) dargebracht worden war. Die Verbindung mit dem Altar durfte nicht unterbrochen werden, weil sonst der Charakter als Opfer verloren ging. Das freiwillige Opfer oder das Opfer eines Gelübdes durfte auch noch am folgenden Tag gegessen werden, weil es sich da um eine größere Energie und Hingabe des Herzens handelt, so dass die Verbindung mit dem Altar länger anhält. In 3. Mose 17 finden wir das ausdrückliche Verbot, ein Dankopfer darzubringen, als nur bei dem Zelt der Zusammenkunft, um das Blut an den Altar zu sprengen und das Fett darauf zu verbrennen. Jeder, der es irgendwo anders schlachtete, sollte ausgerottet werden.

Im Neuen Testament finden wir eine noch deutlichere Sprache. Der Herr Jesus sagt in Matthäus 23,19, dass der Altar die Gabe heiligt. Also nicht nur ist der Altar wichtiger als die Gabe, sondern die Gabe bekommt ihren Charakter erst dadurch, dass sie mit dem Altar in Verbindung kommt.

Der Tisch des Herrn

Der Altar, auf dem das Dankopfer dargebracht wurde, wird in Maleachi 1,7 und ebenso in Hesekiel 41,22 der „Tisch des Herrn“ genannt. Aus beiden Stellen sehen wir, dass „Tisch“ und „Altar“ dasselbe andeuten. Der Ausdruck „Altar“ deutet auf das Opfer hin, das darauf kommt, während der Ausdruck „Tisch“ in Verbindung steht mit dem Mahl und der Gemeinschaft, die damit verbunden ist. Das Dankopfer war ein gemeinschaftliches Mahl Gottes mit seinem Volk. Gott erhielt sein Teil, Aaron und sein Haus (stets ein Bild von Christus und der Versammlung, gesehen als priesterliche Familie) bekamen ihr Teil und jeder vom Volk, der rein war, bekam sein Teil.

So finden wir es auch im Neuen Testament. Hebräer 13,10 sagt: „Wir haben einen Altar, von dem zu essen die kein Recht haben, die der Hütte dienen“ (das sind die, die zum Judentum gehören). Auch in 1. Korinther 10,18–21 werden die Worte „Tisch“ und „Altar“ abwechselnd gebraucht.

Der Heilige Geist übernimmt den Ausdruck, den er selbst im Alten Testament dem Altar des Dankopfers gegeben hat und verbindet ihn mit dem Abendmahl des Herrn und mit dem Gemeinschaftscharakter dieses Mahls.

Welche Ausdrücke: „Tisch des Herrn“, „Abendmahl des Herrn“! Es ist sein Tisch, an den er die Seinen einlädt, mit ihm sein Abendmahl zu feiern. Natürlich ist hier nicht von dem hölzernen Tisch, auf dem Brot und Wein stehen, die Rede. Es ist der Tisch des gestorbenen und auferstandenen Herrn, wo er die Seinen einlädt, die mit ihm gestorben sind, um mit ihm zu essen. Es ist ein geistlicher Tisch, der Platz in seinem geistlichen Haus, wohin er die Seinen einlädt, zu ihm zu kommen und wo sie bei ihm sein können. Dort ist sein Abendmahl.

Kann es jetzt noch einen Zweifel geben, dass bei dem „Tisch des Herrn“ nur einer da ist, der alle Autorität hat? Dass nur einer bestimmen kann, wer an diesem Tisch teilnehmen kann? Dass nur einer da ist, der bestimmen kann, wie der Dienst ausgeübt werden soll? Dass nur einer darüber verfügt, wer zum Dienst gebraucht werden soll? Der Herr allein hat da alles zu sagen, und er allein will durch seinen Geist alles leiten. Kein Mensch hat da etwas zu bestimmen, kein Mensch hat damit etwas zu tun, es sei denn, dass der Herr ihn gebrauchen will.

Gerade hier legt der Heilige Geist den Nachdruck auf den ausschließlichen Charakter des Abendmahls. Man kann nicht am Tisch des Herrn und am Tisch der Dämonen teilhaben. Liebe ist eifersüchtig. Der Herr hat die Seinen so lieb, dass er für sie in den Tod ging, ja, in den Tod am Kreuz, in das Gericht Gottes. Er hat sie so lieb, dass er nun für sie lebt, um sich für sie zu verwenden (Heb 7,25). Er liebt sie so sehr, dass er einen Ort für sie bereithält, seinen Tisch, zu dem er sie einlädt, zu ihm zu kommen, um sein Abendmahl zu feiern. Er kann keine Gleichgültigkeit gegen sich selbst, gegenüber den Rechten seiner Liebe und gegenüber seiner heiligen Gemeinschaft dulden. Er hat die Seinen aus der Macht Satans erlöst. Er ist für sie zur Sünde gemacht worden, damit der Mensch nach dem Fleisch unter dem Gericht eines heiligen und gerechten Gottes zu einem Ende gebracht werden sollte. Wie könnte er dann bei den Seinen noch eine Verbindung mit Satan oder Welt, mit den Grundsätzen des natürlichen Menschen dulden? Und das noch dazu an diesem Platz, wo sie bei ihm sind, um an seine wunderbare Liebestat, an seine Aufopferung am Kreuz zu denken und wo ihnen dies alles vorgestellt wird, indem er ihnen das gebrochene Brot und den ausgegossenen Wein gibt und dabei sagt: „Dies ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Dies ist mein Blut, das für euch vergossen wird. Dieses tut zu meinem Gedächtnis!“

Kann ein Herz, das ihn lieb hat, an diesem Platz seinen Rechten gegenüber gleichgültig sein? Kann es so handeln, ohne betend zu fragen: „Herr, was willst du, was soll ich tun? Wo ist der Platz, zu dem du mich einlädst? Wo ist dein Tisch, wo ich dein Abendmahl feiern kann?“

Aber wenn ein Kind Gottes auch so gleichgültig wäre – der Herr ist derselbe. Er weigert sich, an seinem Tisch mit solchen Gemeinschaft zu haben, die in Bezug auf seine Rechte gleichgültig sind.

„Wer nicht mit mir ist, ist gegen mich“ (Mt 12,30). „Oder reizen wir den Herrn zur Eifersucht? Sind wir etwa stärker als er?“ (1. Kor 10,22)

Nehmt Ihr schon teil am Tisch des Herrn, wo allein sein Abendmahl gehalten wird?

Mit herzlichen Grüßen,

Euer in der Liebe unseres Herrn verbundener Bruder H. L. H.

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