Jona: Bei Gott ist Rettung

Jona lehnt sich auf

Jona: Bei Gott ist Rettung

Im Norden des Königreichs Israel, nicht weit vom Mittelmeer, liegt das Gebiet des Stammes Sebulon. Im Südteil von Sebulon, drei oder vier Meilen von Nazareth entfernt, lag die Stadt Gath-Hepher. Ungefähr 850 Jahre bevor der Herr Jesus in Nazareth erzogen wurde (Lk 4,16), lebte in Gath-Hepher ein Mann namens Jona. Die Bibel teilt uns nicht mit, ob er auch in Gath-Hepher geboren wurde. Sie sagt lediglich von ihm: „der von Gat-Hepher war“ (2. Kön 14,25).

Wir erfahren nicht, wann er genau lebte, aber Jerobeam, der Sohn Joas, der König von Israel, erfüllte die Prophezeiung Jonas, indem er die Grenze Israels vom Eingang Hamats bis an das Meer wiederherstellte (2. Kön 14,25).

Der Prophet Elisa war während der Regierung Joas, des Vaters von Jerobeam, gestorben (2. Kön 13,14). Es ist also möglich, dass Jona und Elisa Zeitgenossen waren und sich kannten. Noch wahrscheinlicher ist es aber, dass Jona zur gleichen Zeit wie Hosea lebte.

Der Geist Gottes sagt uns also, dass Jona aus Gat-Hepher stammte. Das ist nicht ohne Bedeutung. Wir erinnerten uns, dass diese Stadt in Sebulon lag. Wenn wir zurückgehen zu 5. Mose 33,18, zu dem Segen Moses, des Mannes Gottes, sehen wir, dass er sagte: „Freue dich, Sebulon, deines Auszugs, und du, Issaschar, deiner Zelte!“ Sebulons besondere Aufgabe war es offensichtlich, hinauszugehen. Der Prophet, den der Herr erweckte (5. Mo 18,15), unser Herr und Meister, der in Nazareth im Land Sebulon erzogen war, entsprach wirklich diesem Charakterzug und dieser Aufgabe Sebulons, hinauszugehen. Er stieg aus seiner Herrlichkeit hinab in diese Welt des Jammers. Sein Weg war immer einer, der hinausführte – bis zu dem letzten schrecklichen Tag von Golgatha, wo wir lesen: „Und sein Kreuz tragend, ging er hinaus zu der Stätte, genannt Schädelstätte“ (Joh 19,17).

Hätte Jona die Aufgabe und das Vorrecht, das Gott ihm gegeben hatte, indem er zum Stamm Sebulon gehörte, verstanden, dann wäre er entsprechend dem, was der Segen sagt, mit Freude gegangen. Leider ist Jona jedoch gerade durch seine Auflehnung bekannt geworden und nicht, weil er voller Freude gegangen wäre.

Es ist wahr, dass Issaschar, der zusammen mit Sebulon aufgerufen war, sich zu freuen, mehr in seinen Zelten wohnte, als dass er hinausging. Nicht jeder genießt das Vorrecht wie Jona, mit einer Botschaft des Herrn in heidnische Länder ausgehen zu dürfen. Aber leider freut sich auch nicht jeder, der dieses Vorrecht hat, über diese Aufgabe.

Wir wollen nun nach diesen Vorüberlegungen mit Gottes Hilfe das Buch Jona näher untersuchen.

Kein wirklicher Christ sollte an der absoluten Wahrheit dieses kleinen Buches zweifeln. Der Herr Jesus Christus selbst bekräftigt sie: „Denn so wie Jona drei Tage und drei Nächte in dem Bauch des großen Fisches war, so wird der Sohn des Menschen drei Tage und drei Nächte in dem Herzen der Erde sein. Männer von Ninive werden aufstehen im Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verdammen, denn sie taten Buße auf die Predigt Jonas hin; und siehe, mehr als Jona ist hier“ (Mt 12,40–41). In diesen Versen unterstreicht der Herr mit seiner eigenen Autorität die Wahrheit der beiden hervorstechendsten Ereignisse dieses Buches. Man könnte leicht mit gesicherten Tatsachen beweisen, dass in diesem Buch ausschließlich Dinge berichtet werden, die sehr wohl möglich sind. Aber der wahre Christ verlangt nicht nach solchen Beweisen von außen, wenn er das Wort seines Herrn und Meisters hat, auf das er sich verlassen kann1.

Kommen wir jetzt zum ersten Vers des 1. Kapitels! „Und das Wort des Herrn erging an Jona, den Sohn Amittais.“ Es ist bemerkenswert, dass Jona in dem kleinen Buch, das wir vor uns haben, niemals Prophet genannt wird. Der Heilige Geist gebraucht den Schreiber des zweiten Königsbuches, um Jona diesen Titel zu geben. Wir dürfen vielleicht für einen Augenblick eine Pause machen und uns fragen, welche Bedeutung das Wort „Prophet“ in der Heiligen Schrift hat. Allgemein nimmt man an, dass ein Prophet jemand ist, der verkündet, was in der Zukunft geschehen wird. Tatsächlich ist das sehr oft der Fall. Aber wenn wir die prophetischen Bücher in der Bibel lesen, dann finden wir, dass dies nur ein kleiner Teil dessen ist, was Gott durch diese Männer tut. Eine Definition, die Gott selbst in seinem Wort gibt, finden wir, wenn wir 2. Mose 4,16 und 7,1 vergleichen. In der ersten Schriftstelle sagt Gott von Aaron: „Er soll für dich zum Volk reden“ oder: „Er soll dein Sprecher zum Volk sein“, und in der anderen: „Dein Bruder Aaron soll dein Prophet sein.“ Das zusammen gibt uns wohl die deutlichste Definition dessen, was ein Prophet nach dem Wort Gottes ist: Er ist Gottes Sprecher dem Volk gegenüber. Sehr häufig spricht Gott von Gericht oder Segnungen, die in der Zukunft liegen, und dann redet der Prophet also tatsächlich von dem, was später geschehen wird. Aber seine erste Pflicht besteht darin, dass er Gottes Sprecher sein soll, und das schließt sehr oft Rüge oder Ermahnung ein. Lasst uns immer daran denken, dass das Wichtigste für einen Propheten dies ist, dass er für Gott, nicht für sich selbst oder aus sich selbst heraus spricht! Das griechische Wort „prophetes“, von dem wir das englische und auch das deutsche Wort Prophet herleiten, hat genau diese Bedeutung.

Das griechische Lexikon von Liddell und Scott sagt von diesem Wort: „Genaugenommen bezeichnet es jemanden, der für einen anderen spricht, vor allem aber den, der für einen Gott spricht und seinen Willen dem Menschen erläutert. Das ist ein Prophet.“

Wenn Jona selbst dieses kleine Buch, das seinen Namen trägt, geschrieben hat, dann können wir gut verstehen (und würdigen), dass der Titel „Prophet“ in diesem Buch fehlt. Gleichzeitig können wir die Tatsache würdigen, dass Gott jedoch darauf achtet, dass ein anderer Schreiber diesen ehrenvollen Titel, den er selbst sich nicht hatte nehmen wollen, vor seinen Namen stellt. Auch der Herr Jesus ehrt Jona mit diesem Titel (Mt 12,39 ff.).

Der Name Jona bedeutet wohl „Taube“. Die Taube ist ein Symbol des Friedens, und das Buch ist in der Tat ein Friedensangebot des Herrn selbst. Es ist nicht nur, wie wir sehen werden, ein Friedensangebot an die Bewohner von Ninive, sondern ebenso an andere. Der Name „Amittai“, des Vaters von Jona, dürfte „Wahrheit“ bedeuten. Damit tritt uns im Grund in diesen beiden Namen die wunderbare Botschaft entgegen, die auch in Johannes 1,17 steht: „Die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden“. Wahrheit ist das Licht, das uns unsere Sünden zeigt. Gnade sorgt für die Mittel, die nötig sind, um unsere Sünden zu bedecken. Wie deutlich kommen diese beiden Seiten von Gottes Wesen in dem Buch, das wir hier betrachten, ans Licht! Gott ist ein Gott der Wahrheit, und wir müssen alle unsere Wege in das Licht seiner Wahrheit gebracht haben. Aber wo können wir ein leuchtenderes Beispiel der Gnade Gottes finden, die immer bereit ist, zu verzeihen und zu vergeben? Wenn wir dieses kleine Buch lesen, müssen wir immer daran denken, dass Jona wirklich ein Bild unseres Herrn Jesus Christus ist. Wie schön verdeutlichen die beiden Namen das!

Im Zusammenhang mit dem ersten Vers ist zu erwähnen, dass für Jona keinerlei Zweifel hinsichtlich der Quelle des Befehls, der ihn erreichte, bestand: „Und das Wort des Herrn erging an Jona“. Jonas Schwierigkeit lag nicht daran, dass er keinen hinreichend klaren Auftrag, keine Autorität zum Handeln gehabt hätte. Wenn wir das Buch weiter betrachten, werden wir sehen, dass das Problem von Jona ganz woanders lag: Es war nicht Mangel an Klarheit hinsichtlich der Autorität des Befehls, sondern Mangel an der Bereitschaft, der Autorität Gottes zu gehorchen.

Sind wir darin nicht manchmal Jona sehr ähnlich? Wir wissen allzugut, dass das Buch in unseren Händen, die Bibel, wirklich das Wort Gottes ist. Der Herr Jesus Christus hat in diesem Wort klar gesagt, was seine Gebote sind. Auf der einen Seite finden wir: „Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen“ (Mt 11,28)! Ich nehme an, dass die meisten unserer Leser diesen Ruf gehört und ihn als einen persönlichen Ruf, der an sie selbst gerichtet ist, angenommen und ihm gehorcht haben. Auf der anderen Seite sagen dieselben Lippen, die eingeladen hatten: „Kommt zu mir!“, auch: „Geht hin in die ganze Welt und predigt der ganzen Schöpfung das Evangelium“ (Mk 16,15)! Wir haben dem Ruf: „Kommt!“ gehorcht. Wir waren froh, die Ruhe erlangt zu haben, die Er versprochen hatte. Wenn es aber zu der Aufforderung: „Geh hin!“ kommt, dann ähneln wir nur allzu oft Jona, der es nicht so eilig hatte, zu gehorchen. Es ist verblüffend, was für geistreiche Entschuldigungen wir finden können, um den Gehorsam dieser Aufforderung gegenüber zu umgehen oder ihn zu verweigern oder zu verschieben. Die meisten von uns haben wirklich keinerlei Grund, Jona irgendwie zu kritisieren, weil er versuchte, dem Befehl Gottes: „Geh!“ auszuweichen. Die meisten sind sich über den göttlichen Ursprung des Befehls, in alle Welt zu gehen, ebenso im Klaren, wie Jona es war, als das Wort des Herrn zu ihm geschah. Wir wissen ebenso gut Bescheid über die Autorität, die hinter dem Befehl steht. Das wahre Problem liegt nicht darin, dass ein Zweifel vorliegt, ob dieser Auftrag von Gott ausgeht oder ob seine Autorität dahintersteht. Das wahre Problem liegt in unserem bösen Willen.

„Und das Wort des Herrn erging an Jona, den Sohn Amittais, indem er sprach: Mach dich auf, geh nach Ninive, der großen Stadt, und predige gegen sie; denn ihre Bosheit ist vor mir heraufgestiegen.“ „Mach dich auf!“ An dieser Stelle gibt es schon eine Menge Schwierigkeiten. Es erfordert Energie, sich aufzumachen. Wir sind ja so behaglich eingerichtet! Es ist sehr schwer, die Gewichte abzuschütteln, die für uns das Haus, der Beruf und der Komfort sind, und sich aufzumachen.

„Mach dich auf, geh!“ Jona musste sich nicht nur aufmachen, sondern er hatte genau dieselben Befehle, die auch wir haben: „Geh!“ Ein römischer Hauptmann kam einmal zu dem Herrn und sagte: „Denn auch ich bin ein Mensch, der unter Befehlsgewalt gestellt ist, und habe Soldaten unter mir; und ich sage zu diesem: Geh!, und er geht“ (Lk 7,8). Dieser Hauptmann verstand genau, was Gewalt oder Autorität ist. Wenn er sagte: „Geh! „, dann gab es dazu keine Fragen mehr; der Soldat ging. Aber wenn der Herr zu Jona sagte: „Geh!“, dann entschied Jona, dass er eben nicht gehen würde. Der Soldat dachte nicht im Traum daran, sich zu beklagen, dass der Weg zu lang oder zu rauh oder zu gefährlich oder dass der Zeitpunkt nicht geeignet sei. Er ließ gar nicht den Gedanken aufkommen, dass er nicht wünschte, zu gehen oder dass er zu sehr mit anderer Arbeit beschäftigt sei. Wenn der Hauptmann sagte: „Geh! „, dann ging er.

Dasselbe Wort wird auch von dem verlorenen Sohn in Lukas 15 gebraucht: „Ich will mich aufmachen (oder: aufstehen) und zu meinem Vater gehen.“ Es kann sein, dass er sich lange Zeit gesagt hatte: „Ich sollte zu meinem Vater gehen.“ Aber erst, als er sich schließlich erhob, wurde es möglich, dass er jemals seinen Vater erreichen konnte. Die Energie des Glaubens war nötig, um aufzustehen. Die meisten unserer Leser wissen aus Erfahrung, was es für sie bedeutet, aufzustehen und zu ihrem Vater zu gehen. Schade ist es, wenn wir nicht ebenfalls aus Erfahrung wissen, was es für uns bedeutet, aufzustehen und zu denen zu gehen, die in der Finsternis leben!

Wie viele gibt es unter uns, denen der Herr gesagt hat: „Geh!“ – und wir haben es gemacht wie Jona und haben uns geweigert. Es kann sein, dass wir so beschäftigt gewesen sind mit unseren eigenen Angelegenheiten, dass wir Ihn kaum haben sagen hören: „Geh! „. Oder es kann sein, dass wir so wenig davon verstehen, was Autorität ist, dass wir entscheiden, dass keine Notwendigkeit besteht, zu gehorchen und meinen, wir dürften stattdessen unseren eigenen Willen wählen. Möge der Herr es jedem von uns geben, seine Stimme zu hören, die mit göttlicher Autorität spricht – mit einer Autorität, die wir nicht infrage zu stellen haben und die uns sagt: „Mach dich auf, geh! Mach dich auf, geh nach Ninive! „

Der Herr befahl Jona nicht nur: „Mach dich auf, geh!“, sondern Er gab ihm die genaue Anweisung, wohin er gehen sollte. Er sagte nicht: „Mach dich auf und geh, wohin du gerade möchtest!“, sondern Er machte vor allem den Ort, wohin Jona gehen sollte, klar. Der Herr will sagen, wohin wir gehen sollen. Es kann sein, dass Er uns zu jemandem in unserer eigenen Familie schicken möchte oder zu unseren Nachbarn oder vielleicht zu Menschen aus einem anderen Volk und mit einer anderen Sprache am anderen Ende der Erde. Erinnern wir uns an das Passah! Wenn es sich zeigte, dass das gebratene Lamm größer war, als für einen Haushalt benötigt wurde, dann sollten die Israeliten mit ihren Nachbarn teilen, den Nächsten an ihrem Haus (2. Mo 12,4). Haben wir uns die Zeit genommen, uns von dem gebratenen Lamm auch zu nähren – genauso gut, wie wir hinter seinem Blut Schutz gesucht haben? Haben wir gemerkt, dass das gebratene Lamm ein unerschöpfliches Festmahl ist, das ausreicht für mich und meine Familie und auch für meinen Nachbarn, den Nächsten an meinem Haus? Das ist eine Stelle, an der man gut anfangen kann. Lasst uns doch alle das gebratene Lamm mit unserem Nachbarn teilen, mit dem, der der Nächste an unserem Haus ist! Wir werden dann schon rechtzeitig finden, dass – wie es der Herr dem Schriftgelehrten zeigte, mein Nächster jemand aus einer anderen Nation sein kann oder einer, der jahrelang verachtet und geschmäht und vernachlässigt gewesen ist. Hoffentlich gehe ich dann auch und teile das gebratene Lamm mit ihm! Der Herr kann uns senden, wohin Er will, mag es weit weg sein oder in der Nähe. Weil Er Gott, der Herr, ist, unser Herr, hat Er das Recht und die Autorität dazu.

Und was ist mit Ninive, der großen Stadt? Dreimal lesen wir die Worte „Ninive, die große“ und einmal: „Ninive war aber eine außerordentlich große Stadt“.

Zum erstenmal erwähnt wird Ninive in 1. Mose 10,6–14: „Die Söhne Hams: Kusch zeugte Nimrod. . . Der Anfang seines Reiches war Babel. . . Von diesem Land zog er aus nach Assur und baute Ninive ...: Das ist die große Stadt.“ Sie wurde von den Nachkommen eines Mannes, der unter einem Fluch stand, gegründet, und Gott selbst musste von ihr sagen: „Ihre Bosheit ist vor mir heraufgestiegen“ (Jona 1,2).

Babylon lag am Euphrat und war die Hauptstadt des gleichnamigen Reiches. Ninive dagegen lag am Fluss Tigris und war die Hauptstadt von Assyrien.

Wir wissen eine Menge über Ninive, obwohl heutzutage von der Stadt nichts mehr zu sehen ist, außer ein paar Schutthügel. 1840 kam Layard an dem großen Hügel von Nimrod vorbei, während er den Tigris hinabfuhr. 1845 begann er dort zu graben. Layard veröffentlichte über diese Ausgrabungen einen Bericht mit sehr interessanten Bildern, die uns einen Eindruck von dieser herrlichen Stadt des Altertums vermitteln.

Wenn wir die Geschichte von Jona lesen und dabei an die Größe und die Pracht denken, von der uns die Steinreste berichten, dann können wir uns ohne viel Phantasie den Propheten Jona vorstellen, wie er auf diesen Palaststufen stand oder neben einem großen geflügelten Stier und seine kurze Predigt hielt: „Noch vierzig Tage, dann wird Ninive umgekehrt!“

Wie auffallend ist der Unterschied zwischen Jonas Botschaft und der unsrigen! Jonas Botschaft war ganz und gar eine Botschaft des Gerichts ohne ein Wort der Gnade. Dennoch erkennen beide, der Prediger und der Hörer, in dieser Botschaft mit Recht ein Gnadenangebot. Denn was sollte sonst die Warnung vor dem Gericht? Es ist gut für uns, daran zu denken, dass in jeder Gerichtsbotschaft ein Gnadenangebot enthalten ist, das wirksam wird, wenn die Schuldigen die Warnung zu Herzen nehmen und Buße tun.

Aber worin besteht nun unsere Botschaft? In der Tat enthält auch sie eine Ankündigung des Gerichts und des kommenden Zorns. Aber unsere Botschaft ist nicht durch Gericht gekennzeichnet, sondern durch Gnade. Niemals hat je ein Botschafter eine so herrliche Botschaft zu überbringen gehabt wie diese: „So hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.“ Die Gerichtsbotschaft weckt bei den Hörern den dringenden Wunsch, einen Weg zu finden, um dem Gericht zu entkommen und nicht zugrunde zu gehen. Und dieser Weg zum Entkommen ist das Thema unserer Botschaft. „Ich bin der Weg“, sagt unser Herr. Wir haben von einer lebenden, liebenden Person zu berichten, einem Heiland, unserem Herrn Jesus Christus. Oh, liebe Freunde, in was für einem Kontrast steht unsere Botschaft zu der von Jona! Was haben wir für ein unaussprechliches Vorrecht!

Wenn wir die Ehrfurcht einflößenden Überreste der vergangenen Herrlichkeit der mächtigen Stadt Ninive sehen, wundern wir uns noch weniger, dass Jona zurückschreckte und vor einem solchen Unternehmen weglief: allein und ohne Hilfe hingehen und gegen eine der ältesten, größten und mächtigsten Städte der Erde predigen. Und dann noch eine solche Predigt: „Noch vierzig Tage, dann wird Ninive umgekehrt!“ Menschlich gesprochen würde Jonas Leben sicherlich verwirkt sein, wenn diese Botschaft das Ohr des Königs erreichen würde. Man kann sehr gut mit Jona mitfühlen; denn wer hätte schon gern eine solche Aufgabe erhalten? Manch einer ist in unserer Zeit vor einem viel einfacheren Auftrag als dem, zu dem Jona berufen wurde, zurückgeschreckt. Wir brauchen uns ganz und gar nicht zu wundern, wenn Jona fühlte, dass er dem Risiko, seinen Kopf zu verlieren, nicht ins Gesicht schauen konnte. Denn er kannte den Ruf Ninives, die Erzählungen von seiner Größe und der Macht seines Königs sehr gut.

Man hat aber nicht den Eindruck, dass es Angst um seine persönliche Sicherheit gewesen ist, was Jona dazu brachte, sich von dem klaren Auftrag Gottes wegzuwenden.

Wenn man das Buch Jona liest, ist man gerade von Jonas Mut beeindruckt, nicht etwa von seiner Feigheit. Im 2. Vers des 4. Kapitels hören wir, wie Jona sagt (nachdem Gott Ninive verschont hatte): „Ach, Herr, war das nicht mein Wort, als ich noch in meinem Land war? Darum bin ich erst nach Tarsis geflohen; denn ich wusste, dass du ein gnädiger und barmherziger Gott bist, langsam zum Zorn und groß an Güte, und der sich des Übels gereuen lässt.“ Jona wusste genau, wie gnädig Gott ist. Man könnte schwer eine schönere Beschreibung dieser Gnade finden. Ging Jona vielleicht sogar davon aus, dass er Gottes Güte und Gnade in Anspruch nehmen könnte, als er seinerseits es wagte, ungehorsam zu sein? Ist es nicht möglich, dass auch wir, die wir uns der Erkenntnis der Liebe und Gnade Gottes rühmen, wie sie in unserem Herrn Jesus Christus offenbart ist, dennoch manchmal diese Gnade und Liebe letztlich benutzen, um seine Befehle mit Leichtfertigkeit zu behandeln? Möge Gott in seiner Gnade uns vor einer solchen Sünde bewahren und unsere Augen öffnen, wenn wir in dieser Hinsicht schon schuldig geworden sind!

Jonas Abneigung zu gehorchen scheint aus der Furcht erwachsen zu sein, dass Gott von seinem Zorn lassen und Ninive verschonen könnte. War das der Stolz des Herzens, der es nicht ertragen kann, das Gesicht zu verlieren, oder war es das bittere Vorurteil eines Israeliten gegenüber einem heidnischen Volk? Fürchtete Jona bereits gar die Zukunft, und sah er den König von Ninive schon etwa fünfzig Jahre später gegen sein eigenes Vaterland heraufziehen (2. Kön 15,19)? Elisa weinte, als er Asael die schrecklichen Dinge erzählte, die dieser Israel antun würde, wenn er König sein würde. Jona kann mit ähnlicher Hellsichtigkeit in die Zukunft geblickt und das schreckliche Gericht gesehen haben, das Assyrien über Israel bringen würde, ein Gericht, das bis heute währt.

Vielleicht können wir gar nicht alle Motive deutlich erkennen, die Jona bewegt und ihn dazu gebracht haben, es zu riskieren, Gott vorsätzlich ungehorsam zu sein. Und wer von uns würde zu sagen wagen, dass er sich seiner eigenen Motive klar bewusst ist? Wir haben oft sehr viel weniger Grund als Jona, wenn wir den Ruf Gottes, uns aufzumachen und zu gehen, verweigern oder ihn vernachlässigen. Und wenn wir unsere eigenen Motive ehrlich aus der Sicht Gottes beurteilen würden, dann wären wir wahrscheinlich sehr schockiert.

„Aber Jona machte sich auf, um vom Angesicht des Herrn weg nach Tarsis zu fliehen.“ Wie töricht! Er, der Prophet des Herrn, hätte es besser wissen müssen. „Wer hat sich gegen ihn verhärtet und ist unversehrt geblieben?“ (Hiob 9,4). Hiob wusste, dass es weder Frieden noch Gedeihen gibt, wenn man versucht, Gott den Gehorsam zu verweigern. Wir alle sollten diese wichtige Wahrheit kennen, und doch, wie langsam lernen wir sie!

Was für ein Tor war Jona! Er hatte sicher oft den Psalm von David gelesen und gesungen, in dem es heißt: „Wohin sollte ich gehen vor deinem Geist und wohin fliehen vor deinem Angesicht? Führe ich auf zum Himmel: Du bist da; und bettete ich mir im Scheol: Siehe, du bist da. Nähme ich Flügel der Morgenröte, ließe ich mich nieder am äußersten Ende des Meeres, auch dort würde deine Hand mich leiten und deine Rechte mich fassen. Und spräche ich: ‚Nur Finsternis möge mich umhüllen, und Nacht werde das Licht um mich her‘ – auch Finsternis würde vor dir nicht verfinstern, und die Nacht würde leuchten wie der Tag, die Finsternis wäre wie das Licht“ (Ps 139,7–12). Aber Jona machte sich dennoch auf, um von dem Angesicht des Herrn hinweg nach Tarsis zu fliehen. Manche haben angenommen, Tarsis habe in Spanien gelegen. Aber die Exportartikel von Tarsis, nämlich Gold, Silber, Elfenbein, Affen und Pfauen (2. Chr 9,21), können nicht aus Spanien sein, wie die Zeitschrift „The Bible League Quarterly“ (Okt.–Dez. 1940) in einem Artikel herausstellt. Sein Verfasser beweist ziemlich schlüssig, dass Tarsis in Südindien gelegen hat. Unter anderem zitiert er einen Bericht Herodots über eine Seereise nach Tarsis.

Um 600 v. Chr. beauftragte der Pharao Necho von Ägypten Phönizier, durch die Straße von Gibraltar um Afrika herum nach Tarsis zu segeln und auf demselben Weg zurückzukehren. Im Herbst sollten sie an Land gehen und da, ganz gleich, wo sie zufällig sein mochten, säen und auf die Ernte warten. Auf diese Weise sorgten sie für ihre Vorräte. Nach Herodot haben sie drei Jahre für die Rückreise gebraucht.

So trat Jona die längste der damals bekannten Reisen an, um zu versuchen, vor seinem Gott zu fliehen. Jahre würden vergehen, bevor er zurück sein könnte. Jona versuchte wirklich, sich am äußersten Ende des Meeres niederzulassen.

„Und er ging nach Japho hinab und fand ein Schiff, das nach Tarsis fuhr.“ Es geht immer abwärts, wenn wir den Herrn verlassen wollen. Dies war nach außen hin sein erster Schritt nach unten, aber es war keineswegs sein letzter. Dem äußeren Schritt abwärts geht immer ein innerer oder geistlicher Schritt in diese Richtung voraus. Abwärts zu gehen ist leichter und bequemer, als aufwärts zu gehen. Das gilt für den Körper wie für den Geist. Passen wir deshalb besonders gut auf, wenn der Weg anfängt hinunterzuführen, wenn die Reise einfach wird und es keinen Hügel gibt, auf den wir steigen müssen! Wir können ziemlich sicher sein, dass wir dann auf den falschen Weg geraten sind.

Es ist auch bemerkenswert, dass Jona offensichtlich ohne Schwierigkeit und sofort ein Schiff nach Tarsis fand. Vielleicht dachte er: Das sollte so sein; das ist sicherlich ein Zeichen, dass mein Weg gelingen wird. Man muss sich wundern, wie leicht der Teufel uns den Weg abwärts macht. Er ist immer bereit, für alles zu sorgen, was wir brauchen, um uns von dem Herrn zu entfernen. Bilden wir uns doch keinen Augenblick ein, dass der Weg abwärts richtig sein muss, bloß weil er so einfach ist! Dieses Schiff, das gerade nach Tarsis segeln sollte, war ganz und gar kein Beweis, dass Gott es bereitgestellt hatte (Kap. 1,4; 2,1; 4,6; 4,7; 4,8); gerade das Gegenteil war richtig. Auch wir müssen uns das vor Augen führen: Dinge, die uns gewissermaßen in den Schoß fallen und uns darin bestärken, unseren eigenen Willen zu tun, kommen keineswegs von Gott, sondern sehr wahrscheinlich hat der Teufel sie für uns bereitgehalten.

„Und er gab sein Fahrgeld und stieg in das Schiff hinab, um mit ihnen nach Tarsis zu fahren, weg vom Angesicht des Herrn.“ Natürlich gab er sein Fahrgeld! Es muss für diese weite Fahrt schrecklich hoch gewesen sein. Wenn wir im Dienst des Herrn stehen, können wir sicher sein, dass Er sich um das Fahrgeld kümmert. Aber wenn wir uns selbst gefallen wollen oder wenn wir im Dienst des Teufels stehen, dann muss das Fahrgeld von uns entrichtet werden. Wie ungeheuer hoch ist dieses Fahrgeld oft! Es gibt manch einen, der sich geweigert hat, dem Ruf Gottes zu folgen und sich seinem eigenen Weg zugewandt hat. Und das Fahrgeld ist sein innerer Friede gewesen, die Ruhe des Herzens, die der Herr allein dann geben kann, wenn wir sein Joch tragen. Vielleicht war das Fahrgeld sogar noch der Verlust, der ewige Verlust seiner Kinder. Ein bequemes Heim hier auf der Erde und ein schönes Auto, ein großes Bankkonto, alles das kann kein Ersatz sein für den Preis, den wir als Fahrgeld zu bezahlen haben. Es kommt uns teuer zu stehen, Gott nicht zu gehorchen. Und obwohl Jona sein Fahrgeld für die Fahrt bis nach Tarsis bezahlt hatte, hören wir doch nirgends, dass er etwas zurückerhalten hätte, weil er nicht an sein Ziel gelangte. Der Teufel nimmt, aber er gibt nie. Der einzige Lohn, den er zahlt, ist der Tod (Röm 6,23). Sein Dienst ist furchtbar, sein Fahrgeld ist sehr hoch, und sein Lohn ist der schlechteste, den es gibt. Dennoch, so unverständlich es ist, folgen ihm unendlich viele.

„Du, unser Meister, du, dessen Joch sanft und dessen Last leicht ist, du, dessen Dienst der beste ist und bei dem man Freude, Frieden und Ruhe findet; du, der du uns angenommen hast, als wir hoffnungslos bankrott waren, und der du alle unsere Schulden bezahlt hast und der du jetzt für alles sorgst, was wir brauchen, und dessen Lohn (Joh 4,36) der allerhöchste ist – wie klein ist die Schar deiner Arbeiter! Sonderbar, sehr sonderbar!

Sogar die, die du erlöst hast, ziehen es nur allzu oft vor, sich selbst oder dieser Welt zu dienen. Allzu oft sind in unseren Augen Bequemlichkeit, Luxus und Reichtümer dieser Welt anziehender als das Kreuz, das du denen anbietest, die dir folgen. Hilf uns, du gütiger Herr, unser Kreuz täglich aufzunehmen und dir zu folgen, unsere Körper darzustellen als ein lebendiges Schlachtopfer, was wirklich unser einziger vernünftiger Dienst ist.“

„Und er gab sein Fahrgeld und stieg in das Schiff hinab.“ Hier finden wir Jonas zweiten Schritt abwärts. Zuerst ging er nach Japho, dann stieg er hinunter ins Schiff. Aber Jona sollte, wie wir sehen werden, noch weitere Schritte abwärts tun.

„Und er gab sein Fahrgeld und stieg in das Schiff hinab, um mit ihnen nach Tarsis zu fahren, weg vom Angesicht des Herrn“. Von dem Angesicht des Herrn wegzugehen, das war der Zweck, zu dem er in das Schiff hinunterstieg. Ein schreckliches Bekenntnis! Und wie nutzlos war alles! Schon der nächste Vers sagt uns: „Da warf der Herr einen heftigen Wind auf das Meer, und es entstand ein großer Sturm auf dem Meer, so dass das Schiff zu zerbrechen drohte.“ Statt dass er Erfolg hatte bei seinem Unternehmen, aus der Gegenwart des Herrn zu fliehen, indem er in das Schiff hinabging, trug dieses Schiff ihn dahin, wo er mitten im Sturm und in den Wellen, allein in der weiten Tiefe, den Herrn treffen sollte; wo er sich selbst in der unmittelbaren Gegenwart des Einen fand, dem er gerade zu entfliehen suchte.

Beachten wir diese Worte: „Da warf der Herr einen heftigen Wind auf das Meer“ oder: „Der Herr sandte einen heftigen Wind aus auf das Meer“! Wir werden uns noch die verschiedenen Dinge ansehen, die Gott um Jonas willen bestellte: den großen Fisch, einen Wunderbaum, einen Wurm und einen schwülen Ostwind. Dagegen wird nicht gesagt, dass Gott den großen Wind bestellte, von dem im vierten Vers unseres Kapitels die Rede ist. Psalm 135,7 sagt uns, dass Gott den Wind herausführt aus seinen Vorratskammern. So lesen wir statt des Ausdrucks „er bestellte den Wind“: „Der Herr sandte einen großen Wind auf das Meer.“ Sicherlich wird das Wort „sandte“ oder auch „warf“ hier nicht zufällig gebraucht. Was für einen traurigen und ernsten Gegensatz zu Jona stellt dieser große Wind dar. Beide wurden von demselben Herrn geschickt. Der Sturmwind geht, wann und wohin er geschickt wird, und richtet das Wort des Herrn aus (Psalm 148,8). Der Mensch dagegen, die Krone der Schöpfung, wählt vorsätzlich seinen eigenen Willen und weigert sich zu gehen, wenn sein Herr und Meister ihn sendet.

„Und die Seeleute fürchteten sich und schrien, jeder zu seinem Gott; und sie warfen die Geräte, die im Schiff waren, ins Meer, um sich zu erleichtern.“ Leider kannten diese heidnischen Seeleute den wahren Gott nicht, den Gott, der das Meer und das trockene Land gemacht hatte und den Jona kannte. In ihrer Not wandten sie sich zu den falschen, heidnischen Göttern. In Psalm 107,23–32 finden wir die Beschreibung eines Sturms, den der Herr über das Meer bestellt hatte. Das Ergebnis ist: „Dann schreien sie zu dem Herrn in ihrer Bedrängnis, und er führt sie heraus aus ihren Drangsalen. Er verwandelt den Sturm in Stille, und es legen sich die Wellen.“ Diese Seeleute kannten den Herrn nicht und konnten Ihn deshalb nicht anrufen. Die Schrift fragt an einer Stelle: „Wie werden sie nun den anrufen, an den sie nicht geglaubt haben? Wie aber werden sie an den glauben, von dem sie nicht gehört haben? Wie aber werden sie hören ohne einen Prediger?“ Diese Männer hatten nichts gehört. So konnten sie nicht an den wahren Gott glauben, und deshalb riefen sie, statt dass sie sich zu Ihm wandten, jeder seinen Gott an. Und weil solche Götter weder retten noch helfen können, setzen die Seeleute schließlich ihre eigenen Mittel zur Rettung ein, indem sie die Ladung über Bord werfen. Dennoch waren ihre Gebete, ihr Wissen und ihre Mühe allesamt nutzlos. Sie hatten es jetzt mit dem Herrn, dem wahren Gott zu tun, und sie sollten etwas über Ihn und über seine Macht erfahren.

Wo war Jona während dieser ganzen Zeit? Rief er zu seinem Gott? Nein, weit entfernt davon! Hören wir: „Jona aber war in den unteren Schiffsraum hinabgestiegen und hatte sich hingelegt und war in tiefen Schlaf gesunken.“ Das war bereits ein dritter Schritt abwärts für Jona: hinunter nach Japho, hinunter in das Schiff, hinunter in den unteren Schiffsraum. Leider hatte Jona noch weiter hinabzugehen. Wenn wir uns erst auf einem Weg befinden, der abwärts führt, dann können wir nicht mehr haltmachen, wann und wo wir wollen (auch wenn wir uns meistens noch einbilden, dass wir es könnten). Was für eine eigentümliche Situation: die heidnischen Seeleute in dieser schrecklichen Gefahr zu finden, wie sie zu ihren Göttern rufen, dass sie sie retten möchten – während der eine und einzige Mann an Bord des Schiffes, der den wahren und lebendigen Gott kennt, sich nicht die Mühe macht, zu Ihm zu rufen, sondern daliegt und fest schläft. Wie sehr ähnelt er uns! Wie häufig liegt das Volk Gottes in tiefem Schlaf in einer Zeit, in der die Not im Begriff zu sein scheint, alles zu verschlingen, und in der die Menschen vor Angst ohne Mut sind. Die, die ein Eigentum des Herrn sind, sind währenddessen zufrieden, wenn sie in ihrem eigenen engen Kreis weiterleben können, ohne sich um die Sorgen und Nöte um sie her zu kümmern und ohne an diejenigen zu denken, die rechts und links neben ihnen leben und den wahren und lebendigen Gott nicht kennen. Wir sind froh, wenn wir trotz allem schön weiterschlafen können.

Bemerkenswert ist auch der Gegensatz zwischen Jona, der unten im Schiff lag und fest schlief, während das Schiff zu bersten drohte, und dem, der der Herr auch von Jona war und der im hinteren Teil des Schiffes auf einem Kopfkissen schlief (vgl. Mk 4). Der eine war es überdrüssig, dem zu dienen, der ihn ausgesandt hatte; er war müde geworden durch seine vergeblichen Versuche, aus seiner Gegenwart zu fliehen. Der andere dagegen, der im Dienst dessen, der Ihn gesandt hatte, ermüdet war, nutzte die wenigen Momente wohlverdienter Ruhe sogar im Sturm aus. Der eine erwies sich als leichtsinnig und gleichgültig der Gefahr gegenüber, die ihm selbst und denen, die mit ihm im Schiff waren, drohte; der andere trug sogar, während Er schlief, alle Dinge durch das Wort seiner Macht (Heb 1,3), und schon allein durch seine Anwesenheit bewahrte Er die, die mit Ihm an Bord waren, vor jeder Gefahr. Nachdem Er den Sturm gestillt hatte, konnte Er sich deshalb an sie wenden und fragen: „Was seid ihr furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben? „ (Mk 4,40.41).

„Und der Obersteuermann trat zu ihm und sprach zu ihm: Was ist mit dir, du Schläfer? Steh auf, rufe deinen Gott an! Vielleicht wird der Gott unser gedenken, dass wir nicht umkommen.“ Was für ein umsichtiger Steuermann! Er wusste sehr wohl, was Jona hätte tun sollen, und das war sicher nicht: Schlafen in einem solchen Augenblick. „Steh auf, rufe deinen Gott an!“ – Das ist eine Botschaft aus der Heidenwelt, die wir alle hören sollten. Wir können uns nicht alle aufmachen und zu den Heiden gehen. Aber wir können alle aufstehen und unseren Gott anrufen. Darum ging es doch! Jona konnte das jetzt nicht tun. Wir lesen nicht einmal, dass er, selbst als der Steuermann ihn darum bat, es auch nur versucht hätte. Wie konnte Jona den Namen dessen anrufen, aus dessen Gegenwart er ja gerade floh? Wir alle wissen sehr gut, dass Sünde und Gebet nicht zusammenpassen; auf eines von beiden müssen wir verzichten. Leider hatte Jona sich für die Sünde entschieden, und deshalb konnte er nicht beten. Wie wir schon sahen, versuchte er es gar nicht erst. Ihm war völlig klar, was die Ursache des Sturms war, und ebensogut wusste er, worin das Heilmittel bestand. Jetzt war nicht Zeit für ein Gebet, sondern für ein Bekenntnis. Er musste sich unter die gerechte Strafe beugen, die er durch seine Sünde gegen seinen Gott so voll und ganz verdient hatte. Bekenntnis und Gebet konnten und mussten also einander folgen.

Jona war jedoch noch nicht so weit, dass er bereit gewesen wäre, seine Sünde zu bekennen. Wir alle kennen das.

Wir alle haben schon gesündigt, und wir sind alle schon zu dem Punkt gekommen, wo wir wussten, dass wir unsere Sünde denen bekennen mussten, denen wir Unrecht getan hatten. Hier ist nicht ein öffentliches Bekenntnis solchen gegenüber gemeint, mit denen diese Sünde gar nichts zu tun hat. Dadurch würde man das Bekenntnis nur zu einer verdienstvollen Tat machen. Nicht ein solches Bekenntnis also war nötig bei Jona. Er hatte einfach und demütig zu sagen, dass er und er allein die Ursache dieses Sturms war, weil er gegen seinen Gott gesündigt hatte. Aber Jona war eben noch nicht so weit, dass er bereit gewesen wäre, das zu tun. Deshalb erlaubte Gott diesen heidnischen Seeleuten, ihn zu dem zu zwingen, wozu er freiwillig nicht bereit war.

Beachten wir auch die Worte des heidnischen Obersteuermanns: „Vielleicht wird der Gott unser gedenken, dass wir nicht umkommen.“ Ich finde diese Worte sehr schön. Zwar kannte der Steuermann Gott nicht so, wie Jona Ihn kannte; denn wer konnte Gottes Eigenschaften richtiger und herrlicher umschreiben als Jona, als er sagte: „Ich wusste, dass du ein gnädiger und barmherziger Gott bist, langsam zum Zorn und groß an Güte, und der sich des Übels gereuen lässt“? Jona konnte in Wahrheit sagen, dass er Gott kannte, während der Obersteuermann von einem Gott mit solchen Eigenschaften nichts wusste. Dennoch wagte er zu hoffen: „Steh auf, rufe deinen Gott an! Vielleicht wird der Gott unser gedenken, dass wir nicht umkommen (oder: verloren gehen).“ Später hören wir, dass sie nicht wieder jeder zu seinem Gott beten, sondern zu dem Herrn selbst. Dort sagen sie: „Ach, Herr, lass uns doch nicht umkommen um der Seele dieses Mannes willen“ (Jona 1,14). Noch später lesen wir, wie der König von Ninive, auch ein Heide, seine Leute ermahnt, von ihren Sünden zu lassen: „Wer weiß? Gott könnte sich wenden und es sich gereuen lassen ..., dass wir nicht umkommen (oder: verloren gehen).“ Vielleicht war das nur eine ganz schwache Umkehr zu dem wahren Gott. Ihr Wunsch lautete auch lediglich: „Dass wir nicht umkommen.“ Aber, wie reich begegnete ihnen Gott!

Wir können diese dreifach wiederholten Worte „nicht umkommen“ bzw. „nicht verloren gehen“ eigentlich nicht lesen, ohne an den herrlichsten aller Bibelverse zu denken: „So hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.“ Gott hat in Wahrheit einen Weg gefunden, dass auch der Nichtswürdigste unter den Sündern nicht verloren zu gehen braucht. Wie können wir, die wir eine solche Gnade und Liebe geschmeckt haben, jemals aufhören, Ihn zu preisen? Wie können wir uns weigern oder darin nachlässig sein, diese wunderbare Botschaft denen zu sagen, die sie nie gehört haben? Wie können wir sie dahingehen und in ihren Sünden umkommen lassen?

„Und sie sprachen einer zum anderen: Kommt und lasst uns Lose werfen, damit wir erfahren, um wessentwillen dieses Unglück uns trifft. Und sie warfen Lose, und das Los fiel auf Jona.“ Jetzt hatte Jona keine Wahl mehr. Sicher war es Gott selbst, der dieses Los lenkte. Jona wusste es. Er kann seine Sünde nicht länger verbergen. Gott selbst hat ihn zu diesem Bekenntnis gezwungen, das er freiwillig nicht gemacht hätte.

Es ist gut, wenn Gott ähnlich mit uns handelt – und wie oft geschieht das! „Wer seine Übertretungen verbirgt, wird kein Gelingen haben“ (Spr 28,13). Wenn wir unsere Sünde nicht freiwillig bekennen, ist es gut, dass Gott uns mit seinen Mitteln dazu bringt; denn nur dann kann Er uns Segen geben. „Als ich schwieg, verzehrten sich meine Gebeine durch mein Gestöhn den ganzen Tag. Denn Tag und Nacht lastete auf mir deine Hand; verwandelt wurde mein Saft in Sommerdürre. – Sela. Ich tat dir meine Sünde kund und habe meine Ungerechtigkeit nicht zugedeckt. Ich sprach:,Ich will dem Herrn meine Übertretungen bekennen‘; und du hast die Ungerechtigkeit meiner Sünde vergeben“ (Ps 32,3–5).

Es ist bemerkenswert, wie viele Fragen die Seeleute Jona stellten, nachdem das Los auf ihn gefallen war. „Tu uns doch kund, um wessentwillen uns dieses Unglück trifft! Was ist dein Beruf, und woher kommst du? Welches ist dein Land, und von welchem Volk bist du?“ Diese Fragen sollten auch uns berühren. Sehen wir der ersten ins Auge: „Tu uns doch kund, um wessentwillen uns dieses Unglück trifft!“ Die Anwesenheit eines Christen, eines Heiligen Gottes (denn jeder wahre Christ ist ein Heiliger) sollte Segen bedeuten für alle, die um ihn sind. Er sollte wie ein Licht sein, das in der Dunkelheit leuchtet, wie eine kleine Kerze, die denen, die in der Nähe sind, Licht gibt. Jona verhielt sich aber ganz anders. Statt ein Segen für seine Begleiter zu sein, brachte er einen Fluch mit sich. Er war es, der diesen Sturm heraufbeschworen hatte, oder jedenfalls schickte Gott ihn um seinetwillen. Was für eine ernste Sache ist es doch, wenn Gott Mühen und Unglück über die Menschen in unserer Umgebung bringen muss, weil Er sich mit uns wegen unseres Ungehorsams und unserer Sünden beschäftigt! Die Bibel sagt mit Recht: „Denn keiner von uns lebt sich selbst“ (Röm 14,7). Wir können nicht behaupten: „Das ist meine eigene Angelegenheit, und das geht niemand etwas an.“ Jonas Ungehorsam ging die Seeleute sehr viel an: Sie gerieten in einen fürchterlichen Sturm, und sie verloren ihre Ladung, weil sie sie über Bord werfen mussten, um das Schiff zu retten – und das alles wegen der Sünde eines der Heiligen Gottes! Wir sollten uns selbst sehr eingehend fragen: „Bin ich ein Segen oder ein Fluch für den Kreis, in dem ich mich bewege?“ Denn das ist sicher: Einen Einfluss in die eine oder andere Richtung übt jeder aus. Gott brachte zwar schließlich aus all dieser Sünde und Not doch noch Segen hervor: Die Seeleute lernten durch den ungehorsamen Propheten Gott kennen. Aber das entschuldigt ihn keineswegs. Die tieftraurige Antwort auf die Frage der Seeleute hätte, wenn Jona die Wahrheit gesagt hätte, lauten müssen: „Es geschieht ausschließlich um meinetwillen; es ist mein Fehler, nur mein Fehler, dass ihr in diese Gefahr gekommen seid und diese Verluste erlitten habt“. Möge Gott uns davor bewahren, dass wir durch unsere Sünde und unseren Ungehorsam Leid und Verluste über unsere Freunde und Mitmenschen bringen!

Auch die zweite Frage ist wichtig. Lasst uns ihr ehrlich ins Auge sehen: „Was ist dein Beruf?“ Von irgendjemandem wurde einmal gesagt: Ja, er ist Christ, aber er verhält sich nicht entsprechend.“ Für wie viele trifft das zu! Unsere erste Aufgabe besteht darin, zum Preise der Herrlichkeit unseres Herrn hier zu sein (Eph 1,14). Die Welt dürfte es bei einigen von uns schwer haben, das erkennen zu können.

„Und woher kommst du?“ Sehr oft vergessen wir, dass wir von der „Stadt der Zerstörung“ kommen und dass die Welt, aus der wir sind, schon verurteilt ist; dass wir nicht mehr zu ihr gehören und dass unser Bürgertum in den Himmeln ist. Allzu oft würde niemand annehmen, dass wir hier Pilger und Fremdlinge sind (1. Pet 2,11), die sich auf dem Weg zum Vaterhaus befinden.

Wo ist deine Heimat? In China ist das eine ganz übliche Frage. Können wir aufrichtig antworten: Meine Heimat ist der Himmel? Zeigt unsere Lebensweise das? Lieber Mitchrist, du und ich, wir sind nicht von der Welt, wie der Herr Jesus Christus nicht von der Welt war (Joh 17,16), denn unser Bürgertum ist in den Himmeln (Phil 3,20).

Möchte doch diese Frage der heidnischen Seeleute auf Jonas Schiff tief in unsere Herzen eindringen, damit wir in Wahrheit und mit Freude singen können:

„Ich wandre meine Straße,
die zu der Heimat führt,
da mich ohn' alle Maßen
mein Heiland trösten wird.“

„Und von welchem Volk bist du?“ Möge Gott uns helfen, dass wir uns niemals schämen, zu sagen: Ich gehöre zu dem Volk Gottes. Ich folge durch Gottes Gnade Ihm, der der Verachtete und Verworfene ist, den diese Welt kreuzigte.“ Ein altes Sprichwort lautet: „Sage mir, mit wem du umgehst, und ich sage dir, wer du bist.“ Meine Freunde, lasst das doch so sein bei uns! Möchten unsere Freunde und Gefährten solche aus dem Volk Gottes sein! Manchmal sind wir gezwungen, uns unter den Menschen dieser Welt aufzuhalten.

Aber auch dann sollten wir wie diese Heiligen von damals sein, von denen berichtet wird: „Als sie aber freigelassen waren, kamen sie zu den Ihren“ (Apg 4,23).

Wenn ein Heiliger Gottes seinen Weg im Gehorsam mit dem Herrn geht, wird es nicht nötig sein, eine Frage wie diese zu stellen. Es würde für alle Leute offensichtlich sein, zu welchem Volk er gehört.

Nun, sehen wir uns jetzt Jonas Antwort an! Er überhörte alle Fragen bis auf die letzte. „Ich bin ein Hebräer.“ Der Name „Hebräer“ wurde anscheinend in verächtlichem Sinn gebraucht (vgl. 1. Sam 14,11). Der Ehrenname lautete Israelit. Israel bedeutet, wie wir uns erinnern werden, „Fürst Gottes“ oder „Kämpfer Gottes“. Jona hatte auf seinem Weg, der abwärts und immer weiter weg von Gott führte, schon das Gefühl für die Würde seiner Stellung und seines Bürgertums verloren. Er verwendete den Namen, den die Feinde Israels für sie verächtlich und zum Spott gebrauchten. Es ist auch für uns leicht, das Gefühl für die Würde der Stellung, in die uns der Herr in seiner Gnade gebracht hat, zu verlieren und so weit zu sinken, dass wir die Namen akzeptieren, die die Welt in ihrer Verachtung und Unwissenheit für uns gebraucht. Im Neuen Testament wird uns der Name „Christen“ gegeben. Wir sollten einen anderen Namen außer diesem, den Gott uns gegeben hat, strikt ablehnen. Lasst uns niemals die Namen anerkennen, die von Menschen in dieser Welt gegeben oder angenommen werden!

Die nächsten Worte von Jona sind nicht eine Antwort auf die Fragen der Seeleute, sondern etwas Besseres. Er begann, seine Augen von sich selbst abzuwenden; und was für ein Unterschied war das gegenüber dem, was wir bis jetzt hörten! „Und ich fürchte den Herrn, den Gott des Himmels, der das Meer und das Trockene gemacht hat.“ Die Seeleute hatten jeder zu seinem Gott geschrien, aber sie kannten den Herrn, den Gott des Himmels, nicht. Sie beteten, dass das Meer ruhig werde, aber sie kannten den Gott nicht, der es gemacht hatte. Das war eine schöne Antwort, die Jona den heidnischen Seeleuten gab. Er mag das Gefühl für die Würde des Platzes, auf den Gott ihn gebracht hatte, verloren haben; aber er hatte das Gefühl für Gott, den er fürchtete, behalten. Hier liegt das Heilmittel für all unsere Nöte. Lasst uns unsere Augen von uns selbst wegwenden, weg von der Welt, weg von dem tobenden Meer um uns herum, und lasst uns auf Jesus sehen; dann wird Er uns fähig machen, ein wahres und klares Zeugnis von dem Einen, den wir fürchten, zu geben, „dem ich gehöre und dem ich diene“ (Apg 27,23).

Der Erfolg war durchschlagend: „Da fürchteten sich die Männer mit großer Furcht und sprachen zu ihm: Was hast du da getan! Denn die Männer wussten, dass er vom Angesicht des Herrn wegfloh; denn er hatte es ihnen mitgeteilt.“ Wie oft scheinen die Menschen dieser Welt eine richtigere Vorstellung von dem zu haben, was für einen Christen passend ist als der Christ selbst! Wie kommt es, dass Jona sich nicht „mit großer Furcht fürchtete“? Er hatte eine viel weitreichendere Kenntnis von der Größe, Herrlichkeit und Heiligkeit des wahren und lebendigen Gottes, der das Meer und das Trockene gemacht hatte, als diese armen, unwissenden, heidnischen Seeleute, und dennoch beurteilten sie Jonas Handlungsweise viel richtiger, als Jona selbst es tat. Es ist etwas Schreckliches für einen Menschen, zu versuchen, aus der Gegenwart eines solchen Gottes zu fliehen. Man sollte meinen, dass es Jona gewesen wäre und nicht die Seeleute, der sich mit großer Furcht fürchtete. So ist das Herz, sogar das Herz eines Heiligen und eines Propheten Gottes. Bemerkenswert ist jedoch, dass Jona zuletzt, zusammen mit seinem guten Bekenntnis über seinen Gott, auch seine Sünde bekannt hat.

„Und sie sprachen zu ihm: Was sollen wir mit dir tun, damit das Meer von uns ablässt? Denn das Meer wurde immer stürmischer.“ Die Angelegenheit wird jetzt sehr, sehr bedrängend für Jona.

„Was sollen wir mit dir tun?“ Jona wusste sehr gut, dass der schreckliche Sturm um sie herum, der jeden Augenblick schlimmer und schlimmer wurde, ihm zuzuschreiben war. Wenn Jona sich auch nicht „mit großer Furcht gefürchtet“ hat, wie er es hätte tun sollen, begann er jetzt doch zu sehen, dass man über Gott nicht spotten kann und dass es keine Kleinigkeit ist, Gott zu versuchen und mit Ihm zu spielen. Ich nehme an, dass die meisten von uns Jona nicht viel vorwerfen können. Haben wir nicht dieselbe bittere Lehre zu lernen gehabt oder zu lernen? Wie natürlich ist für das Herz eines Menschen der Gedanke, dass wir ungestraft sündigen können und dass wir so davonkommen! Wie leicht kann der Feind uns das weismachen! Nein, mein lieber Mitchrist, ob es Jona war, ob du es bist oder ob ich es bin, Gott lässt sich nicht spotten. „Wisst, dass eure Sünde euch finden wird“ (4. Mo 32,23). Sünde wird mit Sicherheit bittere, sehr bittere Frucht hervorbringen.

„Und er sprach zu ihnen: Nehmt mich und werft mich ins Meer, so wird das Meer von euch ablassen; denn ich weiß, dass dieser große Sturm um meinetwillen über euch gekommen ist.“ Man kann nicht anders, als diesen Mann trotz all seines Versagens zu bewundern und zu lieben. Wie viele unter uns hätten es denn gewagt, ihr eigenes Todesurteil so deutlich auszusprechen und so voll und frei die eigene Schuld und deren Folgen anzuerkennen, und zwar ohne ein Wort der Entschuldigung oder Selbstrechtfertigung? Jetzt beantwortete Jona offen ihre erste Frage: „Um wessentwillen trifft uns dieses Unglück?“ Wenn man bedenkt, dass es mit ziemlicher Sicherheit Jona selbst gewesen ist, der dieses Buch, das nicht mit einer einzigen Silbe sein eigenes Ansehen hebt, geschrieben hat, dann kann man nicht anders, als diesen tapferen und ehrlichen Mann zu achten. Welch ein Todesurteil! Denn menschlich gesprochen konnte es nichts anderes sein. Herausgeworfen zu werden aus dem kleinen Schiff, weit, weit weg vom Land, und in diesen Wellen zu versinken, die sich wie Berge türmten – welche Hoffnung konnte es in einer derartigen Lage noch geben? Die Seeleute wussten sehr gut, wie hoffnungslos es um den verurteilten Propheten stand, wenn sein eigener Urteilsspruch ausgeführt wurde. Deshalb ruderten sie angestrengt, um wieder an das Land zu kommen. Wir lernen diese netten Seeleute lieben und bewundern, wenn wir sie auf dieser Reise sehen. Wie leicht wäre es gewesen, Jona über Bord zu werfen und so zu erreichen, dass die See wieder ruhig wurde! Aber nein, sie würden das nicht tun ohne einen erneuten, ernsthaften Versuch, auch so ans Land zu kommen: „Und die Männer ruderten hart, um das Schiff ans Land zurückzuführen; aber sie konnten es nicht, weil das Meer immer stürmischer gegen sie wurde.“ Es war hoffnungslos. Gott selbst schickte diesen Sturm – nicht gegen sie, das ist wahr, sondern gegen seinen ungehorsamen Diener, und es ist sinnlos, gegen Gott zu kämpfen. Es blieb nichts anderes übrig, als sich seinem Willen zu unterwerfen, wie er von seinem eigenen Propheten verkündigt worden war. Achten wir darauf, wie dieses Gericht ausgeführt wurde! Es geschah mit Gebet. Kein Wort der Rachsucht oder des Tadels gegen den Mann, der eine solche Not über sie gebracht hatte, wird laut. Stattdessen finden wir, dass die Männer, die kurz vorher jeder seinen Gott angerufen hatten, jetzt zu dem Herrn rufen: „Da riefen sie zu dem Herrn und sprachen: Ach, Herr, lass uns doch nicht umkommen um der Seele dieses Mannes willen, und lege nicht unschuldiges Blut auf uns! Denn du, Herr, hast getan, wie es dir gefallen hat.“ Was für ein wundervolles Wachsen in der Erkenntnis des Herrn, des wahren Gottes, spiegelt sich in diesem kurzen Gebet! Sie hatten sich von den Götzenbildern zu Gott bekehrt (vgl. 1. Thes 1,9). Der letzte Satz „Du hast getan, wie es dir gefallen hat!“ scheint mir ein Wissen von der Größe und Macht Gottes, verbunden mit Unterwerfung unter seinen Willen, zu enthüllen, um das wir alle sie beneiden könnten. Wir haben schon festgestellt, dass es das zweite Mal ist, dass diese Männer das Wort „umkommen“ oder „verloren gehen“ gebrauchen. In der Tat hörte Gott ihr Rufen, und sie kamen nicht um.

„Und sie nahmen Jona und warfen ihn ins Meer. Da ließ das Meer ab von seinem Wüten.“

Ich bin sicher, dass auch Jona sich der schrecklichen Strafe unterwarf, die Gott ihm auferlegte, der Todesstrafe, wie er zwar sie ausgesprochen, wie aber Gott selbst sie ausgewählt hatte. Ich zweifle kaum, dass es ein feierlicher Augenblick an Bord des Schiffes war, als der Prophet sich darauf vorbereitete zu sterben und die Seeleute gezwungen waren, das Todesurteil gerade an dem Mann auszuführen, der als Erster ihnen von dem wahren und lebendigen Gott erzählt hatte und der das Mittel gewesen war, sie von ihren Götzenbildern zu Ihm zu bringen. Es kann sehr gut sein, dass ein starkes Band der Liebe zwischen dem Propheten und den Seeleuten während ihrer gemeinsamen stürmischen Reise entstanden war. Sie wussten sehr gut, dass er freiwillig in den Tod ging, um ihr Leben zu retten. Sie konnten in Wahrheit sagen: „Er gab sich selbst für uns! Er starb, damit wir leben möchten.“

Und was war das Ergebnis? Es war ein Doppeltes. Erstens: „Da ließ das Meer ab von seinem Wüten“, und zweitens: „Und die Männer fürchteten sich vor dem Herrn mit großer Furcht, und sie schlachteten dem Herrn Schlachtopfer und taten Gelübde.“ Für diese heidnischen Leute war das Ergebnis eine völlige und gänzliche Umkehr zu dem wahren und lebendigen Gott. Jona konnte von sich selbst sagen: „Ich fürchte den Herrn“, und der Geist Gottes berichtet hier von den Seeleuten: „Die Männer fürchteten sich vor dem Herrn mit großer Furcht.“ Dann schlachteten sie ein Schlachtopfer. Das erinnert uns daran, dass man zu Gott nur auf dem Weg kommt, den Er selbst bestimmt hat. Außerdem spricht das Opfer von Dank und Anbetung. Wir können das Werk des Geistes Gottes in den Herzen dieser Männer nachzeichnen: Zuerst fürchteten sie sich vor dem Sturm (V. 5) und riefen zu ihren Göttern. Dann fürchteten sie sich mit großer Furcht, als sie zum ersten Mal von dem Gott des Himmels hörten, der das Meer und das trockene Land gemacht hatte. Drittens riefen sie zu dem Herrn statt zu ihren Göttern. Sie erkannten seine Größe und Macht und unterwarfen sich seinem Willen. Viertens fürchteten sie sich vor dem Herrn mit großer Furcht. Das ist übrigens etwas ganz anderes, als Angst zu haben. Fünftens kamen sie in die Gegenwart des Herrn mit einem Opfer, also auf dem Weg, den Gott selbst bestimmt hatte, und beugten sich vor Ihm in Anbetung und Dank. Schließlich taten sie Gelübde. Sie erkannten öffentlich an, dass sie dem Gott gegenüber, den sie erst vor kurzem kennengelernt hatten, Schuldner waren.

Anders, als irgendjemand erwartet hätte, verlief die Sache für Jona.2 „Und der Herr bestellte einen großen Fisch, um Jona zu verschlingen; und Jona war im Bauch des Fisches drei Tage und drei Nächte.“ Das Auge des Herrn (ein Auge voller Liebe und Gnade) war auf die Abschiedsszene auf dem Deck des kleinen Schiffes inmitten des Sturms gerichtet, aber auch auf seinen irrenden Diener, als er in den wütenden Wogen versank. Da, wo er es am wenigsten erwartete, fand er einen Zufluchtsort: in dem Bauch des Fisches. Wenn diese dunklen und stürmischen Wasser vom Tod sprachen, dann sagt uns der Bauch des Fisches sicherlich etwas über das Grab. Wir wissen, dass das so ist, denn unser Herr Jesus Christus erklärt uns, dass Jona in diesem Augenblick ein Bild von Ihm selbst war. „Denn so wie Jona drei Tage und drei Nächte in dem Bauch des großen Fisches war, so wird der Sohn des Menschen drei Tage und drei Nächte in dem Herzen der Erde sein“ (Mt 12,40). Jona wusste wenig von der Ehre, die in diesem Augenblick auf ihn gelegt wurde: Er sollte für immer ein Zeichen davon sein, wie sein Herr und Meister später freiwillig hinabgehen sollte in Tod und Grab, um andere zu retten.

Beachten wir auch, dass das Wort Gottes sagt, dass Gott einen großen Fisch bestellte! Wenn wir Gott aus seinem eigenen Universum ausschließen, dann geraten wir sofort in Schwierigkeiten. Nehmen wir aber das, was Gott sagt, so an, wie Er es sagt, dann entsteht keine Schwierigkeit. Gott ist sehr wohl in der Lage, einen großen Fisch zu bestellen, um das Leben seines Dieners zu retten.

Er kann diesen besonderen Fisch bereit haben, ihn außerhalb des Bootes warten lassen, gerade an der richtigen Stelle und im richtigen Augenblick. Das ist nicht nur ein einzelnes Wunder; hier handelt es sich um eine Kombination von vielen Wundern. Und demjenigen, der Gott und seine Wege kennt, ist nichts von dem, was hier geschehen ist, unmöglich oder auch nur unwahrscheinlich. Es ist gerade das, was wir von unserem gütigen Gott erwarten dürfen, wenn es um einen der Seinen geht. Dieser große Fisch ist das Erste, wovon das Buch Jona uns sagt, dass Gott es für seinen Diener bestellt habe. Aber es ist keineswegs das Letzte. Der Wunderbaum, der Wurm, der schwüle Ostwind, jedes zu seiner Zeit wurde in besonderer Weise von Gott bereitgestellt, und jedes war genauso gut ein Wunder Gottes wie der große Fisch.

Bevor wir das erste Kapitel des Buches Jona verlassen, müssen wir uns mit anbetender Bewunderung die erstaunliche Gnade und die Weisheit Gottes (ganz zu schweigen von seiner Macht) klarmachen, die sich darin zeigt, dass Er die Sünde und die Verfehlung seines ungehorsamen Dieners benutzt – zur Ehre seines Namens und zum Segen seiner armen Geschöpfe, der Menschen. Gott hatte Jona mit einer warnenden Botschaft in eine heidnische Stadt weit weg im Osten geschickt, mit einer Botschaft, die sich als eine Botschaft der Gnade erweisen sollte. Aber sein Diener hatte sich geweigert zu gehen, und er machte sich auf den Weg in eine andere Stadt, die weit im Westen lag. Was tut Gott? Er benutzt gerade diese Tat des Ungehorsams, um einer Schiffsmannschaft aus unwissenden, heidnischen Seeleuten die Botschaft der Gnade und des Friedens zu bringen. Wie sehr erinnert uns das an den Vers: „Wir wissen aber, dass ..., alle Dinge zum Guten mitwirken“ (Röm 8,28) oder an die Stelle: „Aus dem Fresser kam Fraß, und aus dem Starken kam Süßigkeit“ (Ri 14,14)!

Wenn wir über dieses erste Kapitel des Buches Jona nachdenken und dem ungehorsamen Diener des Herrn abwärts auf seinem Weg folgen, abwärts aus seinem Wohnort Gath Hepher und dann immer weiter abwärts, bis er den Bauch des Fisches erreicht, und sehen, wie Gott gerade auf diesem Weg die heidnischen Seeleute rettet, dann können wir uns klarmachen, dass dieser ganze Weg ein Bild ist von dem vollkommenen, gehorsamen Diener des Herrn, von unserem Herrn Jesus Christus, der abwärts, abwärts, abwärts ging abwärts aus seiner Herrlichkeit, abwärts in die Krippe und von dort abwärts zum Kreuz und dann weiter abwärts ins Grab und der so uns arme Sünder rettet. Wie wunderbar ist dieser Weg für uns nachgezeichnet in Philipper 2,5–8: „Denn diese Gesinnung sei in euch, die auch in Christus Jesus war, der, da er in Gestalt Gottes war, es nicht für einen Raub achtete, Gott gleich zu sein, sondern sich selbst zu nichts machte und Knechtsgestalt annahm, indem er in Gleichheit der Menschen geworden ist, und, in seiner Gestalt wie ein Mensch erfunden, sich selbst erniedrigte, indem er gehorsam wurde bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz.“ Es ist wenig verwunderlich, dass der Geist Gottes dann fortfährt: „Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen gegeben, der über jeden Namen ist, damit in dem Namen Jesu jedes Knie sich beuge, der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen, und jede Zunge bekenne, dass Jesus Christus Herr ist, zur Verherrlichung Gottes, des Vaters“.

Fußnoten

  • 1 Willis fügt an dieser Stelle noch in den Text ein: Wir erlauben uns trotzdem, die folgenden bemerkenswerten Absätze aus Gooks Buch „Can a Young Man Trust?“ zu zitieren. „Wenigstens zwei in allen Einzelheiten übereinstimmende Berichte gibt es von dem folgenden Ereignis, und alles wurde sorgfältig überprüft von M. de Parville, Herausgeber der berühmten Zeitschrift „Journal des Debats“. De Parvilles Name und sein Ruf als Naturwissenschaftler sind ein Argument für die, die die Geschichte Jonas vom naturwissenschaftlichen Standpunkt her infrage stellen. Der ausführliche Bericht lautet: Im vergangenen Februar befand sich das Walfangschiff „Stern des Ostens“ in der Nähe der Falklandinseln auf der Suche nach Walen, die aber sehr selten waren. Eines Morgens sichtete derjenige, der Ausschau hielt, in ungefähr drei Meilen Entfernung an Steuerbord einen Wal. Zwei Boote wurden bemannt. Bald war eines der Boote dem Tier so nahe, dass es einem Harpunierer gelang, mit einem Speer den Wal zu treffen. Es zeigte sich, dass das Tier außergewöhnlich groß war. Wegen seiner Verletzung gab es sehr heftige Laute von sich. Es schwamm in rasender Geschwindigkeit weg, wobei es das Boot mitschleppte. Ungefähr fünf Meilen schwamm es geradeaus, wendete und kam fast genau dorthin zurück, wo es harpuniert worden war. Das zweite Boot war schon in Bereitschaft. Als das Tier ganz in der Nähe an der Wasseroberfläche auftauchte, warf der Harpunierer des zweiten Bootes eine neue Harpune nach ihm und traf. Der Schmerz machte den Wal offensichtlich rasend, denn er tobte so fürchterlich, dass Boote und Mannschaft in große Gefahr gerieten. Schließlich schwamm das Tier davon und schleppte die zwei Boote hinter sich her. Etwa drei Meilen weiter ging es in die Tiefe, ohne dass man genau wusste, wo es blieb. Die Taue der Harpunen wurden schlaff, und die Harpunierer fingen an, sie langsam einzuziehen und zusammenzurollen. Als sie sich strafften, erschien der Wal wieder an der Oberfläche und schlug fürchterlich mit dem Schwanz um sich. Die Boote versuchten, außer Reichweite des Tieres, das sich offensichtlich in seinem Todeskampf befand, zu gelangen. Ein Boot schaffte es. Das andere aber hatte weniger Glück. Der Wal stieß dagegen und warf es um. Die Männer fielen ins Wasser, und bevor die Besatzung des anderen Bootes sie retten konnte, war einer ertrunken, und James Bartley war verschwunden. Als der Wal vor Erschöpfung ruhiger wurde, suchte man im Wasser nach James Bartley, aber er war nicht aufzufinden. Man nahm an, dass er vom Schwanz des Wales getroffen worden und dann auf den Meeresgrund gesunken war. Die Überlebenden ruderten zum Schiff zurück. Der Wal war tot. Innerhalb weniger Stunden lag der mächtige Körper neben dem Schiff, und die Männer beeilten sich, mit ihrem Werkzeug das Fleisch des Tieres zu zerschneiden und das Fett zu bergen. Am nächsten Morgen ging es weiter. Sie kamen bald bis zum Magen, der an Deck gezogen werden sollte. Als die Arbeiter damit beschäftigt waren, ihn zu reinigen und ein Seil um ihn zu legen, entdeckten sie zu ihrem Schrecken, dass etwas Zusammengekrümmtes darin lag, das krampfartige Zeichen von Leben äußerte. Der riesige Beutel wurde an Deck gezogen und aufgeschnitten. Man fand darin den vermissten Seemann zusammengekrümmt und bewusstlos. Er wurde an Deck gelegt, und man behandelte ihn mit einem Meerwasserbad, was ihn bald aus seiner Bewusstlosigkeit weckte. Aber sein Geist war völlig verwirrt. Er wurde in die Kapitänskabine gelegt und blieb dort zwei Wochen lang ein tobender Irrer. Der Kapitän und die Schiffsoffiziere pflegten ihn mit viel Sorgfalt, und schließlich wurde er wieder Herr seiner Sinne. Nach drei Wochen hatte er sich von dem Schock völlig erholt und nahm seine Aufgaben wieder wahr. Während des kurzen Aufenthalts im Bauch des Wales aber, bei dem die Haut des Mannes der Wirkung der Magensäfte ausgesetzt gewesen war, hatte sie sich auf auffällige Weise verändert. Sein Gesicht und seine Hände waren so gebleicht, dass sie weiß wie bei einem Toten aussahen. Die ganze Haut war runzelig geworden und ließ den Mann so aussehen, als habe er in kochendem Wasser gelegen. Bartley versicherte, dass er in seinem Fleischgehäuse vermutlich gelebt hätte, bis er verhungert wäre, denn er habe seine Besinnung nicht aus Mangel an Luft, sondern durch seine Angst verloren. Nach seinen Berichten erinnerte er sich an das Gefühl, von der Nase des Wales in die Luft gehoben zu werden und wieder ins Wasser zu fallen. Dann habe es ein erschreckendes, stürzendes Geräusch gegeben, von dem er angenommen habe, es sei daher gekommen, dass der Wal das Wasser mit seinem Schwanz heftig geschlagen habe. Danach sei er von einer furchtbaren Finsternis umgeben gewesen, und er habe gefühlt, wie er durch eine Art glatten Gang rutschte, der sich zu bewegen und ihn weiterzutragen schien. Dieses Gefühl habe nur einen Augenblick gedauert. Dann habe er gemerkt, dass er mehr Raum hatte. Er tastete seine Umgebung ab, und seine Hände kamen mit einer ihm nachgebenden, schleimigen Substanz in Berührung, die immer dann, wenn er sie anrührte, zurückzuweichen schien. Schließlich dämmerte es ihm, dass er von dem Wal verschluckt worden war, und der Schrecken über diese Lage überwältigte ihn. Er konnte leicht atmen, aber die Hitze war schrecklich. Sie war nicht versengend oder erstickend, sie schien ihm vielmehr die Poren seiner Haut zu weiten und seine Lebenskraft aus ihm herauszuziehen. Er wurde sehr schwach, und ihm wurde übel. Er wusste, dass es keine Hoffnung gab, aus diesem fremdartigen Gefängnis zu entkommen. Er versuchte, dem Tod tapfer entgegenzusehen, aber die grausige Stille, die furchtbare Finsternis, das entsetzliche Wissen um seine Umstände und die schreckliche Hitze überwältigten ihn schließlich, und er muss in Ohnmacht gefallen sein. Denn das Nächste, an das er sich erinnerte, war, dass er sich in der Kabine des Kapitäns wiederfand. Bartley ist kein furchtsamer Mann, aber er sagt, dass es viele Wochen gedauert habe, bevor er eine Nacht schlief, ohne dass quälende Träume von zornigen Walen und den Schrecken seines fürchterlichen Gefängnisses ihn beunruhigt hätten. Die Haut in Bartleys Gesicht und an seinen Händen hat nie wieder ihr natürliches Aussehen zurückgewonnen. Sie ist gelb und runzelig und sieht aus wie altes Pergament. Die Gesundheit des Mannes dagegen scheint durch dieses Erlebnis nicht berührt worden zu sein. Er ist in bester Laune und freut sich ganz sichtlich aller Segnungen des Lebens, die ihm begegnen. Die Kapitäne, die den Walfang betreiben, sagen, dass sie sich an einen Fall wie diesen nicht erinnern können. Sie berichten, dass es häufig vorkomme, dass Leute verschluckt werden von den Walen, die durch den Schmerz der Harpune rasend werden und die Schiffe angreifen. Aber sie haben nie einen Mann gekannt, der dasselbe wie Bartley mitgemacht hätte und lebend wieder ans Tageslicht gekommen wäre.“ Diese Geschichte nun wurde, wie gesagt, von einem der gewissenhaftesten und sorgfältigsten Naturwissenschaftler in Europa, M. de Parville, bestätigt. Er meint, dass die Erzählungen des Kapitäns und der Mannschaft des englischen Walfangschiffes glaubwürdig seien. Dazu bemerkt er: „Es werden viele Fälle berichtet, in denen Wale in der Raserei ihres Todeskampfes Menschen verschluckt haben. Aber dieses ist der erste moderne Fall, bei dem das Opfer gesund wieder ans Tageslicht kam. Nach dieser Illustration komme ich doch dazu zu glauben, dass Jona tatsächlich lebend aus dem Wal herauskam, wie es die Bibel berichtet.“
  • 2 Dieser Vers gehört in den englischen Bibelübersetzungen noch zu Kapitel 1.
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