Mose, der Mann Gottes

Die ersten Schritte in der Wüste - der Hirte

Mose, der Mann Gottes

Im letzten Vers von Psalm 77 heißt es: „Du hast dein Volk geleitet wie eine Herde, durch die Hand Moses und Aarons.“ Mose trägt beim Durchzug durch das Rote Meer und durch die Wüste den Charakter des Hirten.

Der Psalm unterstreicht: „Im Meer ist dein Weg, und deine Pfade in großen Wassern“ (Ps 77,20). Das war von jetzt an die Erfahrung des Volkes; für sie war der Pfad Gottes unverständlich; er führte durch große Wasser, nicht nur durch die des Roten Meeres, sondern auch durch aufeinanderfolgende Trübsale, die ihren Glauben prüfen sollten. Aber der Psalmist sagt vorher: „Gott, dein Weg ist im Heiligtum“ (Ps 77,14). In der Tat, die Absichten Gottes mit den Seinen sind immer vor Ihm, in völliger Übereinstimmung mit Seiner Weisheit und Seiner Liebe, selbst wenn es uns scheint, dass Sein Weg in großen Wassern ist, ohne vorgezeichnete Spur.

1. Die Befreiung am Roten Meer

„Durch Glauben gingen sie durch das Rote Meer wie durch trockenes Land, was die Ägypter versuchten und verschlungen wurden“ (Heb 11,29).

„Und es geschah, als der Pharao das Volk ziehen ließ, da führte Gott sie nicht den Weg durchs Land der Philister, obwohl er nahe war; denn Gott sprach: Damit es das Volk nicht bereue, wenn sie den Kampf sehen, und sie nicht nach Ägypten zurückkehren. Und Gott ließ das Volk auf den Weg der Wüste des Schilfmeeres abbiegen; und die Kinder Israel zogen gerüstet aus dem Land Ägypten herauf. Und Mose nahm die Gebeine Josephs mit sich; denn er hatte die Kinder Israel ausdrücklich schwören lassen und gesagt: Gott wird sich euch gewiss zuwenden; so führt denn meine Gebeine mit euch von hier hinauf! Und sie brachen auf von Sukkot und lagerten in Etam, am Rand der Wüste. Und der HERR zog vor ihnen her, am Tag in einer Wolkensäule, um sie auf dem Weg zu leiten, und in der Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht ziehen konnten. Am Tag wich nicht die Wolkensäule und in der Nacht nicht die Feuersäule vor dem Volk“ (2. Mo 13,17-22).

(lies auch 2. Mose 14)

Von den Sammlungspunkten Raemses und Sukkoth aus gelangte das Volk nach Etham, am Rand der Wüste. Der normale und kürzeste Weg führte nach Norden, durch das Land der Philister. Aber Gott wollte nicht, dass das Volk von seinen ersten Schritten in der Wüste an schon den Streit sah. Er führt sie auf einem besonderen Weg, vorerst bis zum Sinai.

Für den Augenblick leitet die Wolke sie zurück und lässt sie, vom Gesichtspunkt der Sicherheit aus betrachtet, an einem ganz schlecht gewählten Ort lagern: Zwischen dem Berg und dem Meer, ohne einen Ausgang, als nur der Weg, auf dem sie soeben in diese Art Sackgasse hereingekommen waren.

Wenige Stunden vergehen, und schon ist dieser Ausgang vom Pharao und seinem Heer besetzt: „Da hoben die Kinder Israel ihre Augen auf, und siehe, die Ägypter zogen hinter ihnen her“ (2. Mo 14,10).

Wird Mose die wunderbare Befreiung, die Gott durch seine Hand bewirkt hat, jetzt wieder verlieren? Nichts scheint ihn zu erschüttern, sein Glaube ist fest: Er hält wiederum standhaft aus, als sähe er den Unsichtbaren.

Bei dem Volk aber ist es nicht so. In großer Furcht schreien sie zu dem HERRN. Sie machen Mose Vorwürfe und sind widerspenstig (Ps 106,7). Schrecken ergreift sie. Wie viel besser wäre es gewesen, den Ägyptern zu dienen, als hier in der Wüste zu sterben, meinen sie. Erste Krise in den Beziehungen zwischen Mose und Israel, ein Vorspiel von so manchen anderen!

Mose, der Befreiung des HERRN gewiss, macht dem Volk Mut und stärkt ihr Vertrauen in ihrem Gott: „Der HERR wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein.“

Der Feind lässt einn Menschen nicht so leicht entwischen. Selbst wenn er hinsichtlich der Vergebung seiner Sünden sein Vertrauen in das Blut Christi gesetzt hat, sucht Satan Zweifel in ihm hervorzurufen, Unsicherheit, ein Auf und Nieder im Bewusstsein des Heils. Anstatt sich einer völligen Befreiung zu erfreuen, ist er von Zwiespalt und Furcht erfüllt. Allein das Wort Gottes vermag die Gewissheit des Heils zu geben. Die Erlösung ist durch das Werk des Herrn Jesus gesichert. Sie ist nicht unsere Sache. Er hat sie bewirkt. Die Gewissheit unseres Heils kommt aus dem Glauben an die Aussagen des Wortes Gottes. Wir sind berufen, „die Rettung des HERRN“ zu sehen und still zu sein, indem wir uns auf die zahlreichen Stellen des Wortes stützen, wie z.B. „Also ist jetzt keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind“ (Röm 8,1), oder: „Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben“ (Joh 3,36).

Anderseits gehen die Anstrengungen des Feindes dahin, die geretteten Seelen in der Welt, in seinem Machtbereich zurückzuhalten. Wie viele wahre Christen, gewaschen im Blut Christi, lassen sich sittlicherweise von der Welt, von Ägypten einhüllen! Sie entsprechen tatsächlich der Forderung Pharaos: „Opfert eurem Gott in dem Land.“

Aber Gott will die Seinen wirklich für sich haben. In der Nacht und im Sturm öffnet sich ein Weg durch das Meer, und das Volk wagt sich hinein. Hebräer 11,2 sagt es noch genauer: „Durch Glauben gingen sie durch das Rote Meer.“ Der Glaube kennzeichnete hier das ganze Volk, während in den vorangegangenen Aussagen dieses Kapitels allein der Glaube Moses im Vordergrund steht. Es war keine geringe Sache, sich auf das Wort des HERRN durch Mose zu verlassen und zwischen diesen beiden Wassermauern, die sie jeden Augenblick bedecken konnten, hindurchzugehen.

„In der Morgenwache“ verwirrt der HERRN das Heer der Ägypter. Beim Anbruch des Morgens kehrt das Meer zu seiner Strömung zurück. Die Feinde werden in seiner Mitte verschlungen. „Israel sah die Ägypter tot am Ufer des Meeres. Und Israel sah die große Macht, die der HERR an den Ägyptern betätigt hatte... Und sie glaubten an den HERRN und an Mose, seinen Knecht.“ Am Ufer des Roten Meeres erhebt sich jetzt ein Lobgesang aus dem Mund aller, das erste Lied der Bibel, denn nur Erlöste, die sich ihrer Befreiung bewusst sind, können lobsingen. Der Psalmist und die Propheten werden später nicht aufhören, das denkwürdige Ereignis zu besingen. Der Lobgesang der Erlösten, der hier im 2. Buch Mose aus dem Mund Tausender erschallt, wird fortdauern bis zur Offenbarung, und sich dort aufgrund einer noch viel herrlicheren Befreiung an das geschlachtete Lamm richten, den ewigen Mittelpunkt des Lobes all der Seinen.

2. Die Bitterkeit Maras

„Und Mose ließ Israel vom Schilfmeer aufbrechen, und sie zogen aus in die Wüste Sur; und sie wanderten drei Tage in der Wüste und fanden kein Wasser. Und sie kamen nach Mara; aber sie konnten das Wasser von Mara nicht trinken, denn es war bitter: Darum gab man ihm den Namen Mara. Und das Volk murrte gegen Mose und sprach: Was sollen wir trinken? Und er schrie zu dem HERRN, und der HERR wies ihm ein Holz; und er warf es in das Wasser, und das Wasser wurde süß. Dort gab er ihm Satzung und Recht, und dort prüfte er es; und er sprach: Wenn du fleißig auf die Stimme des HERRN, deines Gottes, hören wirst und tun wirst, was recht ist in seinen Augen, und seinen Geboten gehorchen und alle seine Satzungen halten wirst, so werde ich keine der Krankheiten auf dich legen, die ich auf Ägypten gelegt habe; denn ich bin der HERR, der dich heilt“ (2. Mo 15,22-26).

Mose kannte die Wüste (2. Mo 3,1), ihre Trockenheit, ihre Hitze und ihre Ausdehnung. Welche Verantwortung war es ein ganzes Volk mit seinen Herden dahin zu führen!

Von Anfang an wird nun der neugewonnene Glaube auf die Probe gestellt. So erlaubt Gott oft, dass im Leben des Gläubigen schon kurz nach seiner Bekehrung Erprobungen kommen, die zeigen werden, ob sein Glaube echt ist, ob er auf Gott vertraut oder nicht.

Ein Tag, zwei Tage, drei Tage vergehen. In der Wüste finden sie kein Wasser. Schließlich gelangen sie nach Mara, „aber sie konnten das Wasser von Mara nicht trinken, denn es war bitter“. Das Volk murrt gegen Mose, und dieser schreit zu dem HERRN. „Und der HERR wies ihm ein Holz und er warf es in das Wasser und das Wasser wurde süß.“ In den Vorbildern der Bücher Mose redet das Holz im Allgemeinen von der Menschheit des Herrn Jesus, dieser vollkommenen Menschheit, in der Er immer den Willen Gottes getan hat, selbst im feierlichen Augenblick von Gethsemane, wo Er gesagt hat: „Nicht mein Wille, sondern der deine geschehe.“

Wenn auf dem Weg eine Prüfung auftritt, so sollen wir sie als von Gott kommend annehmen. Das ist die erste Lektion, die wir auf dem Glaubensweg zu lernen haben. Dann können wir uns dem Willen Gottes unterwerfen, der unser Bestes will. Wir können auch suchen, welche Belehrung die eingetretenen Schwierigkeiten für uns haben.

Da hat sich jemand um eine Stelle beworben... und ist abgewiesen worden. Ein junger Familienvater gibt sich alle Mühe, sein neues Heim auszustatten und seine Familie zu ernähren... da hält ihn eine Krankheit auf. Die sehnlich erwartete Einladung kommt nicht. Der Freund, auf den du zähltest, enttäuscht dich. Aber der Glaube erhebt sich über die Bitterkeit der Enttäuschung. Er findet im vollkommenen Mitgefühl des Herrn Jesus die Möglichkeit, aus der Hand Gottes anzunehmen, was auf seinem Weg so bitter erscheint.

In Mara offenbart sich der HERR unter einem neuen Namen: „Der HERR, der dich heilt“; die Wasser werden süß, die Heilung des HERRN stellt wieder her. In Ihm findet dann die Seele Erfrischung und Speise, die sie nötig hat. Schließlich wird jeden Morgen das Manna herabfallen, um den Bedürfnissen des Volkes zu begegnen.

3. Die Lehren Rephidims

„Und die ganze Gemeinde der Kinder Israel brach auf aus der Wüste Sin, nach ihren Zügen, nach dem Befehl des HERRN; und sie lagerten in Rephidim; und da war kein Wasser zum Trinken für das Volk. Und das Volk haderte mit Mose, und sie sprachen: Gebt uns Wasser, dass wir trinken! Und Mose sprach zu ihnen: Was hadert ihr mit mir? Was versucht ihr den HERRN? Und das Volk dürstete dort nach Wasser, und das Volk murrte gegen Mose und sprach: Warum doch hast du uns aus Ägypten heraufgeführt, um mich und meine Kinder und mein Vieh vor Durst sterben zu lassen? Da schrie Mose zu dem HERRN und sprach: Was soll ich mit diesem Volk tun? Noch ein wenig, und sie steinigen mich. Und der HERR sprach zu Mose: Geh vor dem Volk her, und nimm mit dir einige von den Ältesten Israels; und deinen Stab, womit du den Strom geschlagen hast, nimm in deine Hand und geh hin. Siehe, ich will dort vor dir stehen auf dem Felsen am Horeb; und du sollst auf den Felsen schlagen, und es wird Wasser daraus hervorkommen, dass das Volk trinke. Und Mose tat so vor den Augen der Ältesten Israels. Und er gab dem Ort den Namen Massa und Meriba, wegen des Haderns der Kinder Israel und weil sie den HERRN versucht hatten, indem sie sagten: Ist der HERR in unserer Mitte oder nicht?
Und Amalek kam und kämpfte gegen Israel in Rephidim. Und Mose sprach zu Josua: Erwähle uns Männer und zieh aus, kämpfe gegen Amalek; morgen will ich auf dem Gipfel des Hügels stehen mit dem Stab Gottes in meiner Hand. Und Josua tat, wie Mose ihm gesagt hatte, um gegen Amalek zu kämpfen; und Mose, Aaron und Hur stiegen auf den Gipfel des Hügels. Und es geschah, wenn Mose seine Hand erhob, so hatte Israel die Oberhand, und wenn er seine Hand ruhen ließ, so hatte Amalek die Oberhand. Und die Hände Moses wurden schwer. Da nahmen sie einen Stein und legten diesen unter ihn, und er setzte sich darauf; und Aaron und Hur unterstützten seine Hände, hier einer und dort einer; und so waren seine Hände fest, bis die Sonne unterging. Und Josua streckte Amalek und sein Volk nieder mit der Schärfe des Schwertes.
Und der HERR sprach zu Mose: Schreibe dies zum Gedächtnis in ein Buch, und lege in die Ohren Josuas, dass ich das Gedächtnis Amaleks ganz und gar unter dem Himmel austilgen werde. Und Mose baute einen Altar und gab ihm den Namen: „Der HERR, mein Banner!“ Und er sprach: Denn die Hand ist am Thron Jahs: Krieg hat der HERR gegen Amalek von Geschlecht zu Geschlecht!“ (2. Mo 17).

Da wir vor allem erfassen möchten, was uns das Wort über die Persönlichkeit Moses sagt, über die Weise, wie ihn Gott sein Leben lang formte und unterwies, so können wir nicht in alle Einzelheiten der Wüstenwanderung eintreten, und daher gehen wir auch nicht auf das Kapitel über das Manna ein.

In Ausführung der Befehle des HERRN war Mose bis dahin alles gelungen. Der anmaßende und hochmütige Pharao war vernichtet, das Rote Meer durchquert und das Manna stillte jetzt das Bedürfnis des Volkes. Aber es war nötig, dass der Knecht Gottes immer von neuem sein Unvermögen kennen lernte.

a) Der Fels (2. Mo 17,1-7)

In Rephidim fehlte das Wasser. Das Volk haderte mit Mose und sprach sogar davon, ihn zu steinigen. „Warum doch hast du uns aus Ägypten heraufgeführt, um mich und meine Kinder und mein Vieh vor Durst sterben zu lassen?“ Der Pharao wollte die Kinder und das Vieh in Ägypten zurückhalten. Aber jetzt wirft das Volk Mose vor, dass er sie überhaupt aus Ägypten herausgeführt hat!

Völlig machtlos gegenüber diesem ungerechten Angriff schrie Mose zu dem HERRN: „Was soll ich mit diesem Volk tun?“

Er soll jetzt eine neue Lektion lernen: Die Gegenwart Gottes selbst genügt für alle Bedürfnisse der Seinen: „Siehe, ich will daselbst vor dir stehen auf dem Felsen.“ „Der Fels aber war der Christus“, wird uns in 1. Korinther 10,4 gesagt. Wie Mose mit seinem Stab der Autorität und des Gerichts den Felsen schlug, so musste Christus mit dem Gericht Gottes geschlagen werden, damit die Wasser - der Heilige Geist - im Überfluss aus Ihm, dem Felsen, hervorströmen konnten (Joh 7,39).

Mose, der persönlich angegriffen worden war, soll persönlich geehrt werden. In seiner ganzen Würde geht er vor dem Volk an die bezeichnete Stelle, vor den Augen der Ältesten Israels quillt das Wasser aus dem Felsen, und alle können trinken (Vers 6).

b) Amalek (2. Mo 17,8-16)

Auf der Reise durch die Wüste zeigte sich ein neues Hindernis: Amalek, ein Bild des Fleisches in uns. Amalek griff besonders die Nachhut, die Schwachen an, um sie in der Wüste zu beunruhigen. Man muss kämpfen, aber wie?

Mose lernt wiederum eine Lektion. Josua, ein Bild des auferstandenen Herrn und des Heiligen Geistes, stellt sich an die Spitze des Volkes zum Kampf (Galater 5,17 sagt uns: „das Fleisch begehrt gegen den Geist, der Geist gegen das Fleisch“). Aber der Kampf Josuas allein genügte nicht. Mose steigt auf den Gipfel des Hügels, den Stab Gottes in seiner Hand, und tritt fürbittend für das Volk ein. Er ist sich seiner Schwachheit bewusst. Wenn er die Hand erhob, hatte Israel die Oberhand. Wenn er seine Hand ruhen ließ, hatte Amalek die Oberhand. Aber die Hände Moses wurden schwer. Geht es uns nicht ähnlich, selbst wenn wir verstanden haben, dass in unserer Schwachheit das einzige Hilfsmittel im ausharrenden Gebet liegt? Man lässt nach, ermüdet darin und es mangelt oft an Beständigkeit! Aber Aaron Hur unterstützen die Hände Moses.

In seiner Jugend wollte Mose kämpfen: Er tötete den Ägypter. Jetzt aber, im vorgerückten Alter, legt er mit seinem Bruder und seinem Gefährten für das Volk Gottes Fürbitte ein.

Die Gegenwart Gottes und die Macht der Fürbitte, das waren für Mose die großen Lektionen in Rephidim.

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