Mose, der Mann Gottes

In Ägypten - Der Befreier

Mose, der Mann Gottes

1. Hindernisse

Diesen Mose, den sie verleugneten, indem sie sagten: „Wer hat dich zum Obersten und Richter gesetzt?“, diesen hat Gott sowohl zum Obersten als auch zum Retter gesandt mit der Hand des Engels, der ihm in dem Dornbusch erschienen war. Dieser führte sie heraus, indem er Wunder und Zeichen tat im Land Ägypten und im Roten Meer und in der Wüste, vierzig Jahre“ (Apg 7,35-36).

„Durch Glauben verließ er Ägypten und fürchtete die Wut des Königs nicht; denn er hielt standhaft aus, als sähe er den Unsichtbaren. Durch Glauben hat er das Passah gefeiert und die Besprengung des Blutes, damit der Verderber der Erstgeburt sie nicht antaste“ (Heb 11,27-28).

(lies auch 2. Mose 5 - 12)

Von Anfang an empfing Mose beim Dornbusch einen klar umschriebenen Auftrag: „Geh hin,... damit du mein Volk, die Kinder Israel, aus Ägypten herausführst“ (2. Mo 3,10). Im Verlauf jener Unterredung hatte ihm der HERR jedoch nicht verborgen, dass er dabei Widerständen begegnen würde: „Aber ich weiß wohl, dass der König von Ägypten euch nicht ziehen lassen wird, auch nicht durch eine starke Hand. Und ich werde meine Hand ausstrecken und Ägypten schlagen mit allen meinen Wundern, die ich in seiner Mitte tun werde; und danach wird er euch ziehen lassen“ (2. Mo 3,19-20). Er hatte Mose in Midian sogar zu verstehen gegeben, dass der Widerstand des Pharaos schrecklich sein und den HERRN zwingen würde, zu diesem Äußersten zu greifen: „Siehe, so werde ich deinen Sohn, deinen erstgeborenen, töten“ (2. Mo 4,23).

In Ägypten angekommen, versammeln Mose und Aaron die Ältesten Israels. Diese nehmen die Botschaft glaubend auf, sie neigen sich und beten an (2. Mo 4,29-31).

Sehr ermuntert gehen Mose und Aaron zu dem Pharao hinein und verlangen von ihm, dass er das Volk ziehen lässt, um dem HERRN ein Fest in der Wüste zu halten. Die freche Anmaßung des Pharao setzt aber ihrem Mut sogleich einen Dämpfer auf. Sie versuchen noch einzuwenden: „Der Gott der Hebräer ist uns begegnet. Lass uns doch drei Tagereisen weit in die Wüste ziehen...“ (2. Mo 5,3). Doch bleibt die barsche Abweisung des Königs kategorisch: „Warum... wollt ihr das Volk von seinen Arbeiten losmachen? Geht an eure Lastarbeiten!“ (2. Mo 5,4).

Anstatt die Bürde des Volkes zu erleichtern, bewirkte dieses erste Zusammentreffen nur, dass sie noch schwerer wurde. Ein Teil der Israeliten muss sich nun im ganzen Land zerstreuen, um das zur Herstellung der Ziegel nötige Stroh zu holen. Da jeden Tag dieselbe Anzahl Ziegel verlangt wird wie vorher, muss die verminderte Zahl der Leute, die die Ziegel herstellen, umso mehr arbeiten, um die vorgeschriebene Menge zu erreichen. Die Vorsteher des Volkes versuchen sich direkt bei dem Pharao zu beschweren, indem sie über die Köpfe Moses und Aarons hinweggehen, ohne jedoch ein anderes Resultat als eine Verschlechterung der Lage zu erreichen.

Man begreift die Niedergeschlagenheit Moses in dieser Stunde, einer der dunkelsten seines Lebens. Der HERR hat das Volk keineswegs durch ihn errettet. Im Gegenteil, es ist mehr denn je unterdrückt und die, denen Mose so sehr zu dienen wünschte, überhäufen ihn mit Vorwürfen. Was sollte er tun? Wiederum aufgeben, nach Midian zurückkehren und die Brüder ihrem Los überlassen? Mose ist am Ende seiner Hilfsquellen. Denoch hält er trotz allem standhaft aus (Heb 11,27). In seiner tiefen Niedergeschlagenheit „wendet sich Mose zu dem HERRN“ (2. Mo 5,22) und breitet seine Not vor Ihm aus. Wie später so manches Mal, darf er auch jetzt die Gnade seines HERRN erfahren, der ihm keinerlei Vorwürfe macht, sondern sich ihm im Gegenteil noch deutlicher offenbart.

Ist in den Missgeschicken, den Enttäuschungen und Prüfungen des Lebens für einen jeden von uns nicht auch eine große Belehrung? Da hat einer viel gearbeitet, um das Examen bestehen zu können... aber er ist durchgefallen. Jemand hat mit Hingabe einen geliebten Menschen gepflegt... der Herr hat ihn doch zu sich genommen. Ein anderer hat versucht, einem Menschen nützlich zu sein und ihn zu Christus zu führen... und nun scheint es, als ob Satan ihn umso fester in seinen Ketten zurückhält. Was tun? Nicht der Entmutigung Raum geben, nicht alles hinwerfen, aber seinen Kummer vor Gott ausbreiten, wie die Psalmisten es so oft taten, und mit Seiner Gnade rechnen. Er wird nicht versämen, sich der Seele, die Ihn sucht, noch deutlicher zu offenbaren und einen Ausgang zu schaffen.

Am Anfang des ersten Buches Mose offenbarte sich Gott als Schöpfer, als Elohim, als die Gottheit im eigentlichen Sinne. Den Patriarchen gegenüber nahm Er besonders den Namen „der Allmächtige“ an, als der Er allen Bedürfnissen der Gläubigen und Fremdlinge auf der Erde entspricht. In dieser entscheidenden Stunde jedoch zeigte Er sich Mose als der HERR, als Bundesgott, dessen ganzes Interesse Seinem Volk gilt, als der unwandelbare Gott, der in der Zeit Seinem eigenen Wesen gemäß handelt, und nicht nach dem Verdienst derer, für die Er wirkt (2. Mo 6,2-8).

Jetzt, nachdem er die Zuversicht in seinen Auftrag wiedergefunden hat, kehrt Mose zu den Kindern Israel zurück. Aber sie hören nicht auf ihn „vor Ungeduld und vor hartem Dienst“. Der HERR wartet nicht ein neues Flehen Seines Knechtes ab. Im Voraus stärkt Er dessen Glauben, indem Er ihn anweist, zu dem Pharao hineinzugehen und zu ihm zu reden. Mose wirft von neuem ein: Die Kinder Israel haben nicht auf mich gehört, und wie sollte der Pharao mich hören? Darauf gibt der HERR Mose und Aaron Befehl an die Kinder Israel und an den Pharao, das Volk aus Ägypten herauszuführen (2. Mo 6,10-13; 7,1-5).

Voll Vertrauen in die Verheißungen Gottes und „standhaft aushaltend als sähen sie den Unsichtbaren“ (Heb 11,27), traten Mose und Aaron vor den Monarchen. In den Berichten von den Plagen, wodurch Ägypten heimgesucht wurde, sehen wir sie an Kühnheit und an Autorität zunehmen, gestärkt im Glauben, durch die Entfaltung der Macht ihres Gottes. In zunehmendem Maß wird sich Mose bewusst, im Namen des HERRN zu reden, der „seine starke Hand und seinen ausgestreckten Arm“ zugunsten Seines Volkes entfaltet.

2. Welche sind es, die ziehen sollen?

„Da sprach Mose: Siehe, ich gehe von dir hinaus und will zu dem HERRN flehen; und morgen werden die Hundsfliegen vom Pharao weichen, von seinen Knechten und von seinem Volk; nur handle der Pharao ferner nicht betrügerisch, dass er das Volk nicht ziehen lasse, damit es dem HERRN opfere. Und Mose ging vom Pharao hinaus und flehte zu dem HERRN. Und der HERR tat nach dem Wort Moses, und die Hundsfliegen wichen vom Pharao, von seinen Knechten und von seinem Volk; nicht eine blieb übrig. Aber der Pharao verstockte sein Herz auch dieses Mal und ließ das Volk nicht ziehen“ (2. Mo 8,25-28).

„Und Mose und Aaron wurden wieder zum Pharao gebracht, und er sprach zu ihnen: Zieht hin, dient dem HERRN, eurem Gott! Welche alle sind es, die ziehen sollen? Da sprach Mose: Mit unseren Jungen und mit unseren Alten wollen wir ziehen, mit unseren Söhnen und mit unseren Töchtern, mit unserem Kleinvieh und mit unseren Rindern wollen wir ziehen; denn wir haben ein Fest des HERRN. Und er sprach zu ihnen: Der HERR sei so mit euch, wie ich euch und eure kleinen Kinder ziehen lasse! Gebt Acht, denn ihr habt Böses vor! Nicht so! Zieht doch hin, ihr Männer, und dient dem HERRN; denn das ist es, was ihr begehrt habt. Und man trieb sie vom Pharao hinaus. ...
Und der Pharao rief Mose und sprach: Zieht hin, dient dem HERRN; nur euer Kleinvieh und eure Rinder sollen zurückbleiben; auch eure kleinen Kinder mögen mit euch ziehen. Und Mose sprach: Auch Schlachtopfer und Brandopfer musst du in unsere Hände geben, damit wir dem HERRN, unserem Gott, opfern. So muss auch unser Vieh mit uns ziehen, nicht eine Klaue darf zurückbleiben; denn davon werden wir nehmen, um dem HERRN, unserem Gott, zu dienen; wir wissen ja nicht, womit wir dem HERRN dienen sollen, bis wir dorthin kommen“ (2. Mo 10,8-11.24-26).

Als Zeichen für das Volk Gottes und als Plagen für die Ägypter fallen die Gerichte des HERRN auf das Land herab. Siebenmal verhärtet der Pharao sein Herz und siebenmal verhärtet der HERR das Herz des Pharao.

Als der Pharao ein wenig nachzugeben beginnt, schlägt er Mose vor, sie sollten hingehen, um ihrem Gott „im Land“ zu opfern, damit der HERR die Hundsfliegen wegnehme. Mose antwortet sogleich: „Es geziemt sich nicht, also zu tun; denn wir würden dem HERRN, unserem Gott, der Ägypter Gräuel opfern... Drei Tagereisen weit wollen wir in die Wüste ziehen und dem HERRN, unserem Gott opfern, so wie er zu uns geredet hat“ (2. Mo 8,23-27). Erster Fallstrick Satans: Er wollte, dass der Dienst des HERRN in der Welt, vermischt mit der Welt, getan wird. Wie gut hat er es doch seither verstanden, einen solchen Zustand der Dinge herbeizuführen: Sieht man nicht, wie in manchen christlichen Körperschaften, in den wichtigsten vielleicht, Gläubige und Ungläubige sich vermischen zu gemeinsamem „Gottesdienst“, nicht zu reden von den Führern, von denen viele nicht einmal mehr an das Wort Gottes und auch nicht an das Erlösungswerk am Kreuz glauben! Um den Herrn wirklich anzubeten, muss eine klaren Trennung von der Welt sein, „drei Tagereisen weit in die Wüste“, ein Hinweis auf den Tod und die Auferstehung des Herrn Jesus.

Durch die verschiedenen aufeinander folgenden Gerichte, die sein Land verwüstet und mürbe gemacht haben, ist der Pharao kurz darauf bereit, noch mehr nachzugeben. Er lässt Mose und Aaron wieder kommen und stellt ihnen die bestimmte Frage: „Welche sind es, die ziehen sollen?“ Mose erklärt: „Mit unseren Jungen und mit unseren Alten wollen wir ziehen, mit unseren Söhnen und mit unseren Töchtern, mit unserem Kleinvieh und mit unseren Rindern wollen wir ziehen“ (2. Mo 10,8-9).

Aber der Pharao ist nicht dieser Meinung und stellt den Knechten Gottes einen neuen Fallstrick: „Nicht also! Zieht doch hin, ihr Männer, und dient dem HERRN!“ In gewissen Ländern ist es heute den Jungen erst vom 18. Jahr an erlaubt, einem christlichen Gottesdienst beizuwohnen; in anderen wieder kann man das Evangelium nur zu denen reden, die mehr als zwanzig Jahre alt sind! Welche Anstrengungen macht doch der Feind, um die Eltern zu veranlassen, ihre Kinder nicht zum Gottesdienst mitzunehmen, oder ihnen einzureden, es sei für die Kinder zu anstrengend, die Sonntagsschule zu besuchen! Die Taktik des Feindes hat sich nicht geändert: Er weiß sehr wohl, dass die Jugend das günstige Alter ist, um sich zum Herrn zu wenden, und dass dann das ganze Leben zu Ihm hin gerichtet und für Ihn gelebt werden kann.

In Nehemia 12,43 schätzte sich das Volk glücklich, sich an einem Tag der Anbetung und der Freude vor dem HERRN einfinden zu können. Es kamen nicht nur die erwachsenen Männer, sondern auch die Frauen und die Kinder. Und wenn es sich darum handelte, zu hören, wie das Gesetz gelesen und erklärt wurde, brachte es Esra „vor die Versammlung, sowohl der Männer als der Frauen, und vor alle, die Verständnis hatten, um zuzuhören“ (Neh 8,2). Darf man daraus nicht den Schluss ziehen, dass es richtig ist, als Familie zur Stunde der Anbetung zu kommen, auch mit den Kleinen, die sich ruhig verhalten können, und dass die Beanspruchungen des Haushalts und die Ermüdung durch die Schule nicht ins Feld geführt werden sollten, um den einen oder anderen abzuhalten, daran teilzunehmen? Und für die Zusammenkünfte, wo das Wort Gottes ausgelegt und betrachtet wird, ist es da nicht richtig, auch die mitzubringen, „die Verständnis haben, um zuzuhören“? (Unter Verständnis meinen wir natürliches Fassungsvermögen, nicht geistliches Verständnis, das erst bei der Bekehrung erlangt wird.)

Angesichts der kategorischen Weigerung Moses findet der Pharao in seiner Einbildung noch eine andere „Lösung“, um den drei Tagen der Finsternis zu entgehen: „Zieht hin, dient dem HERRN; nur euer Kleinvieh und eure Rinder sollen zurückbleiben; auch eure Kinder mögen mit euch ziehen“ (2. Mo 10,24). Mose weiß sehr wohl, dass, wenn die Herden zurückblieben, sich das Herz des Volkes von neuem nach Ägypten zurückwenden würde. „Auch Schlachtopfer und Brandopfer musst du in unsere Hände geben, dass wir dem HERRN, unserem Gott, opfern. So muss auch unser Vieh mit uns ziehen, nicht eine Klaue darf zurückbleiben.“ Wachen wir darüber, dass wir unser Herz nicht an die materiellen Dinge hängen, die uns Gott anvertraut hat! Sie wären dann ein Hindernis für den Gottesdienst, den der Herr von uns erwartet. Wie uns Lukas 16 lehrt, ist der „ungerechte Mammon“ eine uns anvertraute Verwaltung, und darf nicht ein Schatz werden, an dem unser Herz hängt. Unser Hab und Gut soll jederzeit zur Verfügung des Herrn stehen, um es so zu verwenden, wie Er es uns zeigen wird.

Mose hatte umso mehr Autorität, das Volk zu veranlassen, allen ihren Besitz dem HERRN zur Verfügung zu stellen, als er einst selbst die Schmach des Christus gewählt und diese für größeren Reichtum gehalten hatte als die Schätze Ägyptens.

3. Das Passah

„Und der HERR redete zu Mose und Aaron im Land Ägypten und sprach: Dieser Monat soll euch der Anfang der Monate sein, er soll euch der Erste sein von den Monaten des Jahres. Redet zu der ganzen Gemeinde Israel und sprecht: Am Zehnten dieses Monats, da nehme sich jeder ein Lamm für ein Vaterhaus, ein Lamm für ein Haus. Und wenn das Haus nicht zahlreich genug ist für ein Lamm, so nehme er es und sein Nachbar, der Nächste an seinem Haus, nach der Zahl der Seelen; jeden sollt ihr nach dem Maß seines Essens rechnen auf das Lamm. Ein Lamm ohne Fehl sollt ihr haben, ein männliches, einjährig; von den Schafen oder von den Ziegen sollt ihr es nehmen. Und ihr sollt es in Verwahrung haben bis zum vierzehnten Tag dieses Monats. Und die ganze Versammlung der Gemeinde Israel soll es schlachten zwischen den zwei Abenden. Und sie sollen von dem Blut nehmen und es an die beiden Pfosten und an den Türsturz tun, an den Häusern, in denen sie es essen. Und sie sollen in dieser Nacht das Fleisch essen, gebraten am Feuer, und ungesäuertes Brot; mit bitteren Kräutern sollen sie es essen. Ihr sollt nichts roh davon essen und keineswegs im Wasser gekocht, sondern am Feuer gebraten: seinen Kopf samt seinen Beinen und samt seinem Eingeweide. Und ihr sollt nichts davon übrig lassen bis zum Morgen; und was davon bis zum Morgen übrig bleibt, sollt ihr mit Feuer verbrennen. Und so sollt ihr es essen: eure Lenden gegürtet, eure Schuhe an euren Füßen und euren Stab in eurer Hand. Und ihr sollt es essen in Eile. Es ist das Passah des HERRN. Und ich werde in dieser Nacht durch das Land Ägypten gehen und alle Erstgeburt im Land Ägypten schlagen vom Menschen bis zum Vieh, und ich werde Gericht üben an allen Göttern Ägyptens, ich, der HERR. Und das Blut soll euch zum Zeichen sein an den Häusern, worin ihr seid; und sehe ich das Blut, so werde ich an euch vorübergehen; und es wird keine Plage zum Verderben unter euch sein, wenn ich das Land Ägypten schlage.
Und dieser Tag soll euch zum Gedächtnis sein, und ihr sollt ihn als Fest dem HERRN feiern; als ewige Satzung bei euren Geschlechtern sollt ihr ihn feiern. Sieben Tage sollt ihr Ungesäuertes essen; ja, am ersten Tag sollt ihr den Sauerteig aus euren Häusern wegtun; denn jeder, der Gesäuertes isst, vom ersten Tag bis zum siebten Tag, diese Seele soll ausgerottet werden aus Israel. Und am ersten Tag soll euch eine heilige Versammlung und am siebten Tag eine heilige Versammlung sein; keinerlei Arbeit soll an ihnen getan werden; nur was von jeder Seele gegessen wird, das allein soll von euch zubereitet werden. Und so haltet das Fest der ungesäuerten Brote; denn an ebendiesem Tag habe ich eure Heere aus dem Land Ägypten herausgeführt. Und ihr sollt diesen Tag halten bei euren Geschlechtern als ewige Satzung. Im ersten Monat, am vierzehnten Tag des Monats, am Abend, sollt ihr Ungesäuertes essen bis zum einundzwanzigsten Tag des Monats, am Abend. Sieben Tage soll kein Sauerteig in euren Häusern gefunden werden; denn jeder, der Gesäuertes isst, diese Seele soll aus der Gemeinde Israel ausgerottet werden, er sei Fremder oder Einheimischer des Landes. Nichts Gesäuertes sollt ihr essen; in allen euren Wohnungen sollt ihr Ungesäuertes essen.
Und Mose rief alle Ältesten Israels und sprach zu ihnen: Greift und nehmt euch Kleinvieh nach euren Familien, und schlachtet das Passah; und nehmt ein Büschel Ysop und taucht es in das Blut, das im Becken ist, und streicht von dem Blut, das im Becken ist, an den Türsturz und an die beiden Pfosten; ihr aber, keiner von euch soll zur Tür seines Hauses hinausgehen bis zum Morgen. Und der HERR wird hindurchgehen, um die Ägypter zu schlagen; und sieht er das Blut am Türsturz und an den beiden Pfosten, so wird der HERR der Tür vorübergehen und wird dem Verderber nicht erlauben, in eure Häuser zu kommen, um zu schlagen. Und ihr sollt dieses Wort als eine Satzung für dich und deine Kinder halten bis in Ewigkeit. Und es soll geschehen, wenn ihr in das Land kommt, das der HERR euch geben wird, so wie er geredet hat, so sollt ihr diesen Dienst halten. Und es soll geschehen, wenn eure Kinder zu euch sagen werden: Was soll euch dieser Dienst?, so sollt ihr sagen: Es ist ein Passahopfer dem HERRN, der an den Häusern der Kinder Israel in Ägypten vorüberging, als er die Ägypter schlug und unsere Häuser rettete. - Und das Volk neigte sich und betete an. Und die Kinder Israel gingen hin und taten, wie der HERR Mose und Aaron geboten hatte; so taten sie“ (2. Mo 12,1-28).

„Durch Glauben hat er das Passah gefeiert und die Besprengung des Blutes, damit der Verderber der Erstgeburt sie nicht antaste“ (Heb 11,28).

Der Hebräerbrief hebt hervor, dass Mose das Passah durch Glauben gefeiert hat. Einst war der Glaube der Eltern nötig, um das Kind zu verbergen und um es dann in dem Strom auszusetzen. Mit vierzig Jahren aber trat der persönliche Glaube Moses in Erscheinung durch die Wahl, die er traf, und entwickelte sich dann, um standhaft auszuhalten, ohne die Wut des Königs zu fürchten. Weshalb musste man Glauben haben, um das Passah zu feiern? Da sah der Pharao nichts davon und es handelte sich hier nicht um Glauben angesichts eines Widersachers, oder um Glauben in schwierigen Umständen, aber es war doch derselbe Glaube. Da ging es nicht um die Frage, dem Feind gegenüber zu treten, sondern Gott im Gericht zu begegnen. Während der neun vergangenen Plagen blieb das Volk Israel Zuschauer, und es war im Land Gosen in Sicherheit vor ihnen. Jetzt aber musste es handeln und zwar nach dem Wort des HERRN durch Mose, im Glauben an das, was Gott gesagt hatte.

Das Volk war ebenso oder in noch größerem Maß schuldig als die Ägypter, weil seine Verantwortung größer war. Obwohl es den HERRN ein wenig kannte, hatte es sich dem Götzendienst hingegeben und seinen Gott weitgehend verlassen, wie uns dies anderswo gesagt ist (z.B. Jos 24,14). Wenn nun der Engel als Zerstörer durch das Land ging, um jeden Erstgeborenen zu töten, wie sollte er da die Israeliten verschonen? Die Gerechtigkeit Gottes kennt kein Ansehen der Person.

Einzig das Blut eines Opfers ohne Fehl, das Vorbild auf einen anderen, der später kommen sollte, konnte das Volk vor dem Gericht in Sicherheit setzen. Der HERR offenbart dies Mose und Aaron (2. Mo 12,1-20), die ihrerseits den Ältesten Israels davon Kenntnis geben. Der Glaube Moses steckt an: „Das Volk neigte sich und betete an“ (2. Mo 12,27b).

Das Opfer Abels redete von der Notwendigkeit des Blutes der Versöhnung, um Gott zu nahen. In 1. Mose 22 dagegen wird die Stellvertretung dargestellt: Abraham brachte den Widder anstelle seines Sohnes als Opfer dar. In den Opfern des dritten Buches Mose wird durch das Auflegen der Hände die Einsmachung des Opfernden mit dem Opfer zum Ausdruck gebracht: Im Sündopfer gehen die Verfehlungen des Schuldigen auf das Opfer über, während im Brandopfer die Verdienste des Opfers dem Anbeter zugerechnet werden. Im Passah nun wird besonders die persönliche Aneignung des Opfers betont. Da musste sich „ein jeder ein Lamm für ein Vaterhaus, ein Lamm für ein Haus“ nehmen (2. Mo 12,3). Mose opferte nicht ein einziges Lamm für das ganze Volk, sondern jede Familie musste ein Opfertier schlachten, dessen Blut den Erstgeborenen in Sicherheit setzte. So ist es auch im Evangelium. Der Herr Jesus ist die „Sühnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die ganze Welt“ (1. Joh 2,2): Der Wert Seines Opfers vor Gott gibt Ihm die Möglichkeit, Seine Vergebung auf die ganze Welt zu erstrecken. Andere Stellen aber zeigen ebenso deutlich, dass, wenn auch der Wert des Opfers Christi für die ganze Welt genügt, nur diejenigen, die es im Glauben annehmen, in den Genuss der Ergebnisse dieses Werkes kommen. In Römer 3,21 wird festgestellt, dass die Gerechtigkeit Gottes offenbart worden ist gegen alle, und auf alle, die da glauben; der Mensch wird gerechtfertigt „durch den Glauben an sein Blut“. In Johannes 3,16 wird gesagt, dass Gott die Welt so geliebt hat, damit jeder, der an Ihn glaubt, ewiges Leben habe. Nach Johannes 1,12 ist jedem, der Ihn aufnimmt, das Recht gegeben, ein Kind Gottes zu werden. „Wenn du mit deinem Mund Jesus als Herrn bekennen und in deinem Herzen glauben wirst, dass Gott ihn aus den Toten auferweckt hat, du errettet werden wirst“ (Röm 10,9). Alle Stellen reden also von persönlicher Annahme des Todes und der Auferstehung des Herrn Jesus.

Das Blut wurde an die beiden Türpfosten und die Oberschwelle der Tür außerhalb des Hauses gestrichen. Die darin versammelte Familie aß das Passahlamm mit ungesäuerten Broten und bitteren Kräutern. Sie konnte das Blut nicht sehen und dessen Wert nicht einschätzen. Der HERR erklärte ausdrücklich: „Sehe ich das Blut, so werde ich an euch vorübergehen; und es wird keine Plage zum Verderben unter euch sein“ (2. Mo 12,13). Der reumütige Sünder, der zum Herrn Jesus kommt, kann den Wert Seines Blutes nicht einschätzen. Gott allein tut es. Aufgrund dieses Blutes vergibt Er und nimmt den Glaubenden an. Die Seele stützt sich auf das Wort Gottes als die Wahrheit und gründet ihre Gewissheit auf Seine Aussagen. Sie kann es sich nicht erklären, aber sie weiß, dass „das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, uns von aller Sünde reinigt“ (1. Joh 1,7).

4. Die Nacht des Passah

„Dies ist eine Nacht, die dem HERRN zu halten ist, weil er sie aus dem Land Ägypten herausführte; ebendiese Nacht gehört dem HERRN, sie ist zu halten von allen Kindern Israel bei ihren Geschlechtern“ (2. Mo 12,42).

Die Monate wurden in Israel nach dem Mond berechnet und begannen bei jedem Neumond. Das Passah fand am vierzehnten Tag des Monats statt, und somit zogen die Kinder Israel bei Vollmond aus Ägypten. Am Abend aßen sie das Passahlamm, die Lenden umgürtet und zum Abmarsch bereit. „Und es geschah um Mitternacht, da schlug der HERR alle Erstgeburt im Land Ägypten... Und der Pharao stand in der Nacht auf, er und alle seine Knechte und alle Ägypter, und es entstand ein großes Geschrei in Ägypten; denn es war kein Haus, worin nicht ein Toter war“ (2. Mo 12,29-30). Man kann sich die Verwirrung der Ägypter vorstellen; jeder stürzte aus seiner Wohnung, um die traurige Nachricht seinem Nachbarn mitzuteilen und von ihm dieselbe Unglücksbotschaft zu vernehmen. Die Ägypter, der Pharao voran, drängten Israel zum Land hinaus. Auf Anweisung des HERRN an Mose, beraubte das Volk die Ägypter ihrer silbernen und goldenen Geräte - ein wohlverdienter Lohn für alle die Jahre ihres Frondienstes.

Die ganze Nacht hindurch setzten sich die Züge des Volkes aus den verschiedenen Teilen des Landes Gosen in Bewegung „nach ihren Heeren“, um sich in Raemses und Sukkoth zu sammeln. Sechshunderttausend Mann zu Fuß mit ihren Familien nebst einem Haufen Mischvolk, das mit ihnen heraufzog, stellten ein Volk von zwei bis drei Millionen Menschen dar, ohne von dem Vieh, das sie begleitete, zu reden. Welch ein Augenblick für Mose! Mit vierzig Jahren hatte er gewünscht, seinen Brüdern „durch seine Hand Rettung zu geben“. Nach all dem Druck der aufeinanderfolgenden Plagen und dem Drama dieser denkwürdigen Nacht begann nun ein ganz anderes Leben. Der HERR hatte Seine Macht entfaltet, hatte Seine Verheißung erfüllt, und in der Seele Seines Knechtes stieg nun zweifellos eine tiefe Dankbarkeit zu Ihm empor. Welche Verantwortung legte sich aber auch auf ihn angesichts der kommenden Probleme: Ein zahlreiches Volk durch eine Wüste, die er aus Erfahrung kannte, bis zum verheißenen Land zu führen! Die ungeheure, ihm von Gott anvertraute Aufgabe hatte erst begonnen.

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