Einführender Vortrag zum Philemonbrief

Einführender Vortrag zum Philemonbrief

Aus verschiedenen Erwägungen muss ich mich bei der Betrachtung des Briefes an Philemon verhältnismäßig kurz fassen. Er trägt einen ganz anderen Charakter als die Briefe, mit denen wir uns unlängst beschäftigt haben. Hier greift der Heilige Geist durch denselben Apostel einen häuslichen Gegenstand auf und macht ihn zu einer Gelegenheit, in lieblichster Weise die Gnade Gottes in ihrer Anwendung zu zeigen.

Aus seiner Gefangenschaft schrieb Paulus an einen Mann, der offensichtlich ein Freund von ihm war – ein Freund früherer Tage, ja, für immer. Dieser war ihm auch tief zu Dank verpflichtet, insofern Paulus ihn zur Erkenntnis Christi gebracht hatte. Jetzt setzte Paulus ihn in Kenntnis über eine andere Person, die ihm nicht weniger verpflichtet war in der Gnade Christi: Niemand anderes als Onesimus, ein Sklave von Philemon. Wunderbare Wege Gottes! Er war weggelaufen und hatte seinen ausgezeichneten Gebieter möglicherweise noch in anderer Weise (V. 18) geschädigt – eine Tat, welche sogar der unwürdigste Herr mit äußerster Strenge hätte strafen müssen. Onesimus hatte, wie wir sicher sein dürfen, keinen gerechtfertigten Grund, Philemon zu verlassen, und erwies sich damit als ein schlechter Mensch, welcher Güte nicht zu schätzen vermochte. Doch was ist für den Herrn Jesus zu schwer, welcher ihn den Weg des Paulus kreuzen ließ, ihn bekehrte und sein Herz und seine Schritte zurück zu seinem Besitzer lenkte? Diese Umstände wurden zum Anlass für einen inspirierten Brief, aus dem die Kirche (Versammlung) aller Zeiten Nutzen ziehen konnte und in der die Gnade Gottes durch Paulus, den Apostel, ganz besonders entfaltet wird. Was für einen Gott haben wir doch! Und was für ein Wort ist sein Wort, welches uns von der Welt und von den Gedanken und Gefühlen der menschlichen Natur befreit! Inwieweit haben wir Segen daraus empfangen? Empfiehlt es sich wirklich unseren Seelen? Bewirkt irgendetwas anderes mehr die Anbetung und Bewunderung unserer Herzen?

Mit „Paulus, ein Gefangener Christi Jesu“ (V. 1) beginnt er seinen Brief. Er wollte seinen Wunsch nicht auf die Grundlage seiner Apostelschaft stellen und noch weniger die Kraft seiner Autorität anführen. Alles sollte in dieser Angelegenheit mit der Gesinnung Christi übereinstimmen und dieselbe widerspiegeln im Zustand und der willigen Antwort des Herzens dessen, an den Paulus sich in Gnade wandte. „Paulus, ein Gefangener Christi Jesu, und Timotheus, der Bruder“, denn der Wunsch beschränkte sich nicht auf Paulus allein, sondern erfüllte auch Timotheus, der sich auf das Glücklichste mit dieser äußerst anrührenden Mitteilung des Apostels verband. „Philemon, dem Geliebten.“  In Hinsicht auf Recht und Unrecht gab es keine Frage. Onesimus war unentschuldbar. Doch die Liebe vergeht nicht und versagt niemals. Liebe und auf Liebe Rechnen gründen sich auf Glauben; darum bleiben sie bestehen. Philemon war indessen nicht nur ein Gegenstand herzlicher Zuneigung, sondern auch ein „Mitarbeiter“; und das Wesen dieses Falles machte es angebracht, anders als in den üblichen apostolischen Schreiben, auch den Haushalt anzusprechen.

Beachten wir also, dass auch Philemons Ehefrau erwähnt wird. Sie sollte auf diese Weise erfahren, dass sie in den zartfühlenden Wegen der Gnade nicht übergangen wird. So wie sie von dem Unrecht betroffen war, wird sie jetzt auch in dem Guten mit eingeschlossen, welches sie nach dem Wunsch des Apostels zeigen sollten. „Und Appia, der Schwester.“  Eine Herrin mochte in ganz besonderer Weise vom Fehlverhalten eines Sklaven betroffen sein. Was auch immer der Beweggrund sein mag – auf jeden Fall wird sie angeredet und mit ihrem Ehemann in der Angelegenheit verbunden. Auf diese Weise wird sie in den veränderten Umständen besonders berücksichtigt, nämlich in den Ansprüchen, welche die Gnade stellt.

Der Apostel führt auch Archippus an, der durch den Titel „unser Mitkämpfer“ geehrt wird. Dabei handelt es sich um dieselbe Person, die er am Ende des Kolosserbriefs ermahnt, auf den Dienst zu achten, den er im Herrn empfangen hatte. Er sollte nicht vergessen, jegliche Hilfe zu geben, die ihm bei diesem Auftrag der Gnade möglich war. Sei es groß oder klein – alles sollte im Herrn geschehen. Zuletzt schließt Paulus außerdem die Versammlung in Philemons Haus in seine Anrede ein. Es gab dort noch andere Personen im Herrn – sei es im Haushalt, seien es solche, die sich dort üblicherweise versammelten.

Wie gesegnet ist die Gnade und wie groß! Und diese ganze Herzensbewegung wegen eines entlaufenen Sklaven! Doch sie bleibt innerhalb der angemessenen Schranken. Die Versammlung – und ausschließlich die Versammlung in Philemons Haus – wird in dem Appell eingeschlossen. Die Erlösten in Kolossä werden nicht erwähnt. Wir verstehen gut, warum das so ist. Beachten wir auch die Weisheit, die darin liegt! In allen anderen Fällen steht die Versammlung an erster Stelle. Beachten wir die liebliche Weise Gottes, wie Er hier einen anderen Weg verfolgt! Auf jeden Fall handelte es sich um einen Sklaven Philemons; darum geht es zunächst um ihn. Im Wort Gottes gibt es keine Abänderung – selbst in der Reihenfolge nicht –, hinter der nicht eine besondere göttliche Absicht steht und die nicht die Schönheit von Gnade und Wahrheit zeigt. Eine Einfügung oder Auslassung ist niemals zufällig. Alles entspringt weisen Absichten, die Schaden nähmen, wenn eine geringe Einzelheit herausgenommen oder ergänzt würde, auch wenn wir nicht immer geistlich genug sind, um zu sagen, warum es so ist. Das Wort Gottes ist ein lebendiger Organismus; jeder Teil dieses lebendigen Körpers der Wahrheit ist zu Gottes Herrlichkeit notwendig.

Daraufhin folgt jene Anrede, die üblicherweise sogar in den längsten Briefen an die größten Versammlungen folgt: „Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!“ (V. 3). Danach spricht Paulus Philemon persönlich an: „Ich danke meinem Gott, indem ich allezeit deiner erwähne in meinen Gebeten, da ich höre von deiner Liebe und von dem Glauben, den du an den Herrn Jesus und zu allen Heiligen hast“ (er stand nun im Begriff, geprüft zu werden, ob seine Liebe wirklich  alle Heiligen umfasste) „daß die Gemeinschaft deines Glaubens wirksam werde in der Anerkennung alles Guten, welches in [nicht „in dir“, welches in diesem Zusammenhang keinen Sinn ergibt, sondern] „in uns 1 ist gegen Christum Jesum“ (V. 4–6).

Paulus anerkennt völlig die Gnade und den Glauben, die normalerweise in Philemon gefunden wurden; die Frage erhob sich jedoch, wie er auf Paulus' Gefühle, mit denen er über Onesimus schrieb, antworten würde. Dass Philemon am Glauben mit teilnahm, wurde bestätigt – würde dieser Glaube indessen in praktischer Gemeinschaft zwischen ihnen wirken? In einem solchen Fall wollte Paulus nicht aus seiner Autorität heraus handeln. Das wäre eines Oberaufsehers und nicht eines Apostels Christi würdig. Alles muss hier aus Gnade geschehen. Darum fügt er hinzu: „Denn   wir   [oder   „ich“] 2 haben große Freude und großen Trost durch deine Liebe, weil die Herzen der Heiligen durch dich, Bruder, erquickt worden sind“ (V. 7). Philemon war anscheinend ein Mann, der sich gewöhnlich Werken der Liebe widmete und somit durch die Gnade als ein unaufhörlich strömender Kanal der Erfrischung unter den Kindern Gottes wirkte. Aber sogar die ausgezeichnetsten Menschen haben gelegentlich durch die geringfügigsten Anlässe versagt, welche sie reizten oder das Ich herausforderten.

Hier ging es nämlich um eine Angelegenheit, welche Philemons Gerechtigkeitsempfinden berührte. Das Gefühl von dem Unrecht, das Onesimus ihm als seinem christlichen Herrn angetan hatte, mochte tief in sein Herz gedrungen sein und dort nachwirken. Wie oft sind in jeder Hinsicht – soweit es zu unserer Kenntnis gelangt – gutherzige Personen vollkommen unvorbereitet auf Situationen, welche an einer ungewohnten Stelle ihre Gefühle angreifen! Der Apostel wünschte sowohl für sich selbst als auch für andere, dass sie in allen Umständen das Leben Christi auslebten. Folglich schreibt er: „So bitte ich doch vielmehr um der Liebe willen, da ich nun ein solcher bin, wie Paulus“ (nicht einfach: „der Gefangene“; das hatte er schon in Bezug auf seine allgemeine Lage vorgebracht und würde er gleich mit noch mehr Nachdruck herausstellen, sondern er nimmt jetzt einen anderen Boden ein) - „wie Paulus, der Alte“ (V. 9). War Paulus', „des Gefangenen“ und „des Alten“, Anspruch auf das Herz Philemons schwach? Das galt bestimmt nicht für Paulus als Apostel, stand er doch „in nichts den ausgezeichnetsten Aposteln nach“ (2. Korinther 11, 5); und er bewies, wie gut er den besonderen Wert seiner Apostelschaft kannte (er hatte ihn keinesfalls vergessen), indem er sie dort verbarg, wo sein Bestehen darauf (um nicht zuviel zu sagen) die freie Ausübung der Gnade verdunkelt hätte. „Da ich nun ein solcher bin, wie Paulus, der Alte, jetzt aber auch ein Gefangener Jesu Christi. Ich bitte dich für mein Kind, das ich gezeugt habe in den Banden, Onesimus.“ Er hatte ihn nicht nur „gezeugt“, sondern in seinen Banden gezeugt. Dieser Umstand musste Onesimus sonderlich zu einen Gegenstand der Anteilnahme und der Zuneigung machen für jeden, der den Apostel hoch schätzte und sich an ihm erfreute. Falls Philemon Paulus liebte, würde er auch sein Kind lieben; denn Onesimus war Paulus' Kind, wie er schreibt. Er bezeichnet ihn jedenfalls genauso betont mit dem Ausdruck „Kind“ wie Titus oder Timotheus. Doch darüber hinaus, Onesimus war ein Sohn, wie es weder Timotheus noch Titus waren, denn er war in seinen Banden gezeugt worden – Banden, die in der Gnade Gottes dafür bestimmt waren, viel mehr zur fruchtvollen Belehrung der Erlösten zu dienen als sein Dienst in Freiheit und seine weltweite Arbeit. Paulus war nämlich zu keiner Zeit so geehrt im Dienst Gottes zur Auferbauung der Kirche (Versammlung) wie in seiner Gefangenschaft in Rom.

Zu dieser Zeit und in solchen Umständen wurde Onesimus im Glauben geboren. Es stimmt natürlich, dass er Philemon einst „unnütz war, jetzt aber (ist er) dir und mir nützlich“ (V. 11). Damit spielt Paulus, wie wir gut wissen und wie es auch aus Vers 20 hervorgeht, auf Onesimus' Namen an. Früher war er nicht brauchbar, jetzt ist sich Paulus sicher, dass die Gnade nicht fehlen wird, ihr Werk wirkungsvoll zu Ende zu führen. „Den ich zu dir zurückgesandt habe – ihn, das ist mein Herz; welchen ich bei mir behalten wollte, auf daß er statt deiner mir diene in den Banden des Evangeliums. Aber ohne deinen Willen wollte ich nichts tun“ (V. 12–14). Der Apostel wünschte Philemons Güte nicht aus Zwang, sondern freiwillig. Die Feinfühligkeit und der Sinn für das, was sich schickt, werden unter der Anleitung der Gnade herausragend schön. Nichts anderes vermag das Recht so gut zu vertreten wie die Gnade. Gleichzeitig verzichtet sie auf eigene Interessen; stattdessen hält sie diejenigen anderer fest. Das Beachten dieser Wahrheit ist von größter Bedeutung für unsere Seelen. Doch gewöhnlich finden wir, ach!, das Gegenteil. Manche benutzen die Gnade, um andere zu demütigen. Hingegen besteht die eigentliche Anwendung der Gnade darin, uns selbst zu demütigen und alle gottgemäße Achtung statt uns anderen zu erweisen. Ich leugne nicht, dass auch den anderen in ihrer jeweiligen Stellung das richtige Verhalten zusteht. Sicherlich ist kein Erlöster von der Ausübung der Gnade befreit. Doch ich habe sie nicht von anderen einzufordern, welcher Art auch immer die Ansprüche sein mögen. Ich habe es mit jener Gnade zu tun, welche  meine Seele erreicht hat; und diese steht immer in glücklicher Übereinstimmung mit anderen Menschen hinsichtlich dessen, was ihnen zusteht – oder darüber hinaus. Nichts befreit wahrhaftiger vom Ichgeist als die mächtige Gnade Gottes.

In dieser Weise schreibt auch der Apostel an seinen Freund und Bruder. „Denn vielleicht ist er deswegen für eine Zeit von dir getrennt gewesen, auf daß du ihn für immer besitzen mögest, nicht länger als einen Sklaven, sondern mehr als einen Sklaven, als einen geliebten Bruder, besonders für mich, wieviel mehr aber für dich, sowohl im Fleische als im Herrn“ (V. 15–16). Es könnte wohl kaum eine ausgezeichnetere Verteidigungsschrift geben wie diese für einen Mann, dessen Rückkehr schmerzliche Gefühle hervorrufen musste und der auch tatsächlich den Gesetzen nach so schuldig war, dass sein Herr gerechtfertigt gewesen wäre, die strengsten Maßnahmen zu ergreifen. Während die Gnade in Christus das Böse nur umso hassenswerter macht, ändert sie dennoch alles; denn sie führt jene Liebe ein, welche unserem eigenen viel größeren Bedürfnis und unserer Schuld begegnen konnte, und zudem eine Barmherzigkeit, welche keinen Segen zurückhält, auch wenn wir sie nur wenig genießen und würdigen. Onesimus hatte in der obersten Pflicht eines Sklaven versagt; er hatte tatsächlich das Verhältnis zu seinem Herrn nicht anerkannt. Aber jetzt nimmt der Apostel ausschließlich und einfältig die Grundlage der Gnade ein und spricht Philemons Herz an angesichts von allem, was Christus für ihn getan hat, und zwar durch dasselbe Werkzeug, das Er auch bei seinem Sklaven benutzt hatte. Paulus wusste, dass dieses die kleinste Wolke des Misstrauens vertreiben musste, welche möglicherweise andernfalls über Onesimus bei seiner Rückkehr zu seinem Herrn hängen konnte. So schreibt er hier: „Wenn du mich nun für deinen Genossen hältst, so nimm ihn auf wie mich. Wenn er dir aber irgend ein Unrecht getan hat, oder dir etwas schuldig ist, so rechne dies mir an. Ich, Paulus, habe es mit meiner Hand geschrieben, ich will bezahlen; daß ich dir nicht sage, daß du auch dich selbst mir schuldig bist“ (V. 17–19).

Die große, praktische Lehre, Geliebte, welche wir alle aus diesem Brief entnehmen sollten, besteht darin, dass wir nicht nur das Richtige tun sollen. Wir sollen es auch in der rechten Weise tun. Von vielen wird zu oft gedacht, dass es nur darauf ankomme, das Richtige zu tun. Keineswegs! Christus ist sowohl der Weg als auch das Ziel. Wenn bei jedem Schritt auf einem Weg nicht Christus uns begleitet, wandeln sich die besten Absichten häufig zu einem Anlass für größte Unordnung. Der einfache Grund liegt darin, dass wir aus uns selbst für alles unfähig sind. Ausschließlich Christus vermag uns hindurch zu führen.

Genau diese Wahrheit wird in dem Brief vor uns gelehrt. Wer, außer Gott, hätte daran gedacht, bei jedem Punkt in der Angelegenheit mit Onesimus Christus hineinzubringen? Aber jetzt, nachdem Gott so gesprochen hat, wird eine solche Handlungsweise ausdrücklich zum Vorrecht eines Christen. Christus wird eingeführt, und zwar nicht nur im Zusammenhang mit den Anweisungen an ältere und jüngere Männer, Witwen, Haushalte und Ähnlichem. Es geht nicht ausschließlich um die Regeln in Hinsicht auf  äußere Ordnung durch den Namen [Christi; Übs.]. Das sehen wir im Titusbrief. Der Brief an Philemon leitet uns in eine andere Atmosphäre. Er zeigt uns, wie Christus – ja, der Name Christi und die Gnade Christi, die mit allen Familienbeziehungen verbunden sind – mit Umständen verknüpft wird, welche anscheinend nur zum Bereich von menschlichem Recht und Unrecht gehören. In diesen ist es das Vorrecht eines Hausherrn, großzügig zu vergeben. Auch dadurch werden wir belehrt, wie wir Christus ausleben können.

Ich bin mir bewusst, dass einige Menschen, verliebt in Theorien, welche eher menschliche Grundsätze als göttliche erkennen lassen, es für schrecklich halten, über das Verhältnis von einem Herrn zu seinem Sklaven zu sprechen bzw. sich damit zu beschäftigen. Warum sollte man nicht das ganze System mit Wurzeln und Zweigen verdammen? Das entspricht nicht Christus. Der Geist Gottes richtet nicht einfach einen Kodex der Menschenrechte auf. Das Christentum ist kein System irdischer Gerechtigkeit; es ist eine Entfaltung der Gnade Christi und himmlischer Hoffnungen. Es bringt Seelen zu Gott, welcher sie durch das Kreuz von allem Unrecht befreit, trotz ihrer Schuld und ihres verdienten Gerichts seitens Gottes. Das Christentum stellt sie über diese Rechte, und zwar nicht mit Stolz des Herzens, sondern indem die Gläubigen durch die reiche Barmherzigkeit des Herrn niedergebeugt werden. Nichts sonstiges verteidigt in gleicher Weise die Rechte anderer. Gleichzeitig geht es nicht darum, an unseren eigenen Interessen festzuhalten. Die Frage ist, wie wir die Gnade Christi verwenden und dadurch Gott verherrlichen. „Ja, Bruder, ich möchte gern Nutzen an dir haben im Herrn; erquicke mein Herz in Christo. Da ich deinem Gehorsam vertraue, so habe ich dir geschrieben, indem ich weiß, daß du auch mehr tun wirst, als ich sage. Zugleich aber bereite mir auch eine Herberge, denn ich hoffe, daß ich durch eure Gebete euch werde geschenkt werden“ (V. 20–22). Grüße folgen in den Versen 23 bis 25.

Durch den ganzen Brief hindurch spricht der Heilige Geist von den neu bewirkten Zuneigungen. Welche Wirkung dieser Brief hervorgerufen hat, können wir nicht sagen, da wir es nicht wissen. Mir erscheint sie indessen nicht zweifelhaft. Ein Herz, welches sich einem solchen Appell der Gnade, und zwar von einer solchen Seite, widersetzen konnte, passt bei weitem nicht zu Philemon. Aber ist es nicht auch ein lieblicher, erfrischender und passender Ruf, den wir dringend benötigen, an dich und mich, wenn wir nichts so sehr wie Christus schätzen? Die buchstäblichen Umstände sind zweifellos andere. Doch warum werden sie uns hier geschildert? Warum musste ein solcher Brief inspiriert werden? Warum blieb er nicht einfach eine persönliche Mitteilung? An seinem Platz ist er genauso notwendig wie irgendein anderer Brief, der vor uns stand. Ich sage nicht, dass er im gleichen Maß wichtig ist. Er ist indessen notwendig, wenn wir wirklich die Absicht haben, unseren Herrn Jesus zu verherrlichen.

Fußnoten

  • 1 nach den besten und ältesten Autoritäten (W. K.)
  • 2 nach der besten Lesart (W. K.)

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