Die Entrückung der Brautgemeinde

Die himmlische Berufung der Kirche

„Denn unser Bürgertum ist in den Himmeln, von woher wir auch den Herrn Jesus Christus als Heiland erwarten, der unsern Leib der Niedrigkeit umgestalten wird zur Gleichförmigkeit mit seinem Leib der Herrlichkeit, nach der wirksamen Kraft, mit der Er vermag, auch alle Dinge sich zu unterwerfen.“ (Phil 3, 20–21).

Wenn wir die dem Volk Israel im Alten Testament gegebenen Verheißungen und Segnungen mit denen vergleichen, welche der christlichen Gemeinde im Neuen Testament in Aussicht gestellt sind, finden wir einen grundlegenden Unterschied. Die Israel verheißenen Segnungen weisen alle auf die Herrlichkeit eines irdischen Reiches hin und sind sowohl geistlicher als auch und zwar vornehmlich materieller, irdischer Art. Sie entspringen der Friedensherrschaft des Messias' Jesus, des Sohnes Gottes und der wiederhergestellten Verbindung zwischen Himmel und Erde, sind aber auf die dann von allem Fluch befreite Erde beschränkt. Vom Himmel ist im Alten Testament wenig die Rede, meistens nur als von der Wohnung Gottes. Der Blick des Gerechten wird nicht wenn auch Abraham die Stadt erwartete, welche Grundlagen hat (Heb 11,10) – auf den Himmel als seine eigene zukünftige Wohnung gerichtet. Wir finden keinen Hinweis auf ein Leben außerhalb des irdischen Gesichtskreises.

Im Neuen Testament lesen wir nun etwas ganz Anderes. Da wird uns die christliche Gemeinde vor Augen gestellt, welche aus der Welt, aus allen Völkern und Sprachen herausgerufen und zu einem neuen Volk gesammelt und vereint wird, das nicht von dieser Welt ist und das Gott „mitsitzen lässt in den himmlischen Örtern“ (Eph 2,6). Warum? „Sie sind nicht von der Welt, gleichwie ich nicht von der Welt bin“, sagt der Herr Jesus selbst (Joh 17,16). Schon ihr Ursprung ist somit von dem Israels ganz verschieden. Israel war als Volk aus allen Völkern von Gott erwählt, obwohl es gleicher Art war wie alle anderen Menschen. Die Gläubigen der Gegenwart sind als Einzelne berufen, Menschen mit Christus gestorben und auferweckt. Glaubend an Jesu Namen sind wir durch den Heiligen Geist aus Gott geboren, somit ein neues Geschlecht, und mit Dem, der uns wiedergezeugt hat, gleicher Wesensart (1. Kor 15, 47–49). Christus ist der Adam eines neuen Geschlechts, das, wie ihr Erlöser, himmlisch oder wie wir in Philipper 3, 20–21 lesen, ein Geschlecht von Himmelsbürgern ist.

Damit sind wir in weit innigere Verbindung mit dem Herrn Jesus Christus gebracht als Israel. Die im Neuen Testament gebrauchten Bilder für das Verhältnis des Herrn zu seiner teuer erkauften christlichen Gemeinde haben einen viel innigern, tieferen und wärmeren Ton als es im Alten Testament für das Verhältnis des HERRN zu Israel der Fall ist. Ganz gewiss offenbart der Herr auch im Alten Testament seine große Gnade, seine Hirtentreue und Hirtensorgfalt. Gott liebte Israel und machte immer wieder sein Besitztumsanrecht an dieses Volk geltend. Doch geht das Verhältnis nicht weiter als dass eines Königs zu seinem Volk. Im Neuen Testament dagegen finden wir das Bild des Leibes, dessen Haupt Christus ist, also einer Lebenseinheit, für den Herrn sowohl als für uns die Glieder. (1. Kor 12,12–13; Eph 1,10.22–23; Kol 1,18; 2,10.19; vgl. besonders Eph 1,22–23, wo die Gemeinde die „Fülle des Christus“ genannt wird.)

Aber noch mehr, von der Auferstehung des Herrn an sehen wir, wie Er seine Bluterkauften seine Brüder nennt. „Gehe hin zu meinen Brüdern“ sagte Er zu Maria Magdalena, „Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater“ usw. das alte Verhältnis hat einem neuen Platz gemacht, darum lehnt Er Marias Berührung ab (Joh 20,17). Er freut sich, jetzt, der „Erstgeborne vieler Brüder“ zu sein (Röm 8,29), welche nun alle Gleicherweise zu Gott als ihrem Vater reden dürfen, wie Er es bislang allein konnte. Im Epheserbrief aber gibt der Heilige Geist durch den Apostel Paulus ein noch innigeres, kostbareres Bild dieses Verhältnisses des Herrn zu seiner Versammlung: das von Mann und Frau in Kapitel 5,23–32. Wohl finden wir dieses Bild auch im Alten Testament für das Verhältnis des HERRN zu Israel vor, z. B. im Propheten Hosea, aber es tritt weniger die Seite der innigen Liebe, als die der rechtlichen Ansprüche des Herzens des HERRN hervor. Wo aber irgend das bräutliche Verhältnis, sei es zu Israel, sei es zu seiner Gemeinde, dargestellt wird, ist das letztere stets das innigere und wird stärker betont. Wie viel tiefer gehende Töne und zartere Saiten schlagen die Worte in Epheser 5, 25–27 an, als die im Alten Testament:

„Gleichwie auch der Christus die Versammlung geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat, damit Er sie heiligte, sie reinigend durch die Waschung mit Wasser durch das Wort, damit Er die Versammlung sich selbst verherrlicht darstellte, die nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern dass sie heilig und tadellos sei.“

Bleiben wir hier einen Augenblick stehen! Drängt sich uns hier nicht von selbst der Gedanke auf, dass die Entrückung nur den einen Zweck haben kann, die Seinen bei sich zu haben? Wäre sein Glück vollkommen, seine Liebe befriedigt ohne diese Vereinigung mit Ihm? Nein, niemals! Aus diesem Grund wird dieses innige Verhältnis für die Zeit, da wir noch hienieden wallen also noch von Ihm getrennt sind, an mehreren Stellen das einer Braut und eines Bräutigams genannt (Mt 25,1–13; Joh 3,29; Off 21,2.9; 22,17). In diesem Brautstand kommt das Sehnen nach Vereinigung lebhaft zum Ausdruck (Off 22,17), ein Sehnen, dass beim Herrn ebenso groß, ja noch viel inniger ist als bei uns. (vgl. 2. Thes 3,5; Off 3,10.)

Und auch wir sind Dir gegeben,
Ewiglich mit Dir zu leben,
Deine Herrlichkeit zu seh'n;
Deine Ehr' und Macht zu teilen,
Dir zur Rechten dort zu weilen,
Deinen Ruhm stets zu erhöh'n.

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