Die Sterne und die Bibel

Die Sterne in symbolischer Bedeutung

„Der Herr, Gott, ist Sonne und Schild.“ (Psalm 84,11)

Da die Sprache der Heiligen Schrift oft frei und dichterisch ist, werden Himmelskörper zu Bildern und Vergleichen benutzt, und zwar um hohen Segnungen oder Auszeichnungen Ausdruck zu verleihen. Bei der Erklärung von einem der berühmten sieben Gleichnisse in Matthäus 13 sagt der Herr: „Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in dem Reiche ihres Vaters“ (V. 43). Und in Daniel 12,3 heißt es: „Die Verständigen werden leuchten wie der Glanz der Himmelsfeste, und die, welche die Vielen zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne, immer und ewiglich“. Die ausführliche und furchterregende Beschreibung des großen Weltenrichters in Offenbarung 1 schließt mit den Worten: „und sein Angesicht war, wie die Sonne leuchtet in ihrer Kraft“ (V. 16).

Vom Vergleich bis zum Symbol ist nur ein kleiner Schritt. Wenn man nun nach der symbolischen Bedeutung der Himmelskörper in der Bibel fragt, muss man sich das in Abschnitt I Gesagte unbedingt vor Augen halten, nämlich dass Gott sich zu unserem relativen, erdgebundenen Standpunkt herablässt; und so drückt Er sich in Seinem Wort für die Deutung der Sinnbilder so aus, wie die Dinge sich dem menschlichen Auge zeigen.

Die Sonne

Der weitaus am meisten auffallende Himmelskörper ist die Sonne, ohne die für uns kein Leben denkbar ist und die alles Leben auf Erden beeinflusst und seinen Ablauf regelt. Sie bestimmt den Wechsel von Tag und Nacht, den Ablauf des Jahres mit seinen Jahreszeiten. Da sie ein Stern unter vielen ist - siehe Abschnitt IV -, sei hier auch auf die sinnbildliche Bedeutung der Sonne eingegangen.

In ihrer Majestät und ungeheuren Kraft ist die Sonne ein Bild von Gott, der „selbst allen Leben und Odem und alles gibt“ (Apg. 17,25), und insbesondere ein Bild von dem Sohne Gottes, Jesus Christus. In Psalm 19 heißt es von ihr: „ ... nichts ist vor ihrer Glut verborgen“ (V. 6), und im Blick auf die schwere Sünde des Königs David gebraucht der Prophet Nathan als der Mund Gottes sogar den Ausdruck „vor den Augen dieser Sonne“ (2. Sam. 12,11). Der Volksmund sagt: „Die Sonne bringt es an den Tag“, und wie vor ihr gleichsam nichts verborgen bleiben kann, wie ihre Strahlen überall hindringen, so weiß und sieht Gott alles. Er deckt alles Böse auf, um es zu richten; „Verborgenes zieht er hervor an das Licht“ (Hiob 28,11) „und kein Geschöpf ist vor ihm unsichtbar, sondern alles bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben“ (Hebr. 4,13). Wie könnte es auch anders sein bei Gott, dem „an Wissen Vollkommenen“ (Hiob 37,16)? Und nicht nur, dass Er alles weiß, nein, dann macht Er auch Gebrauch von Seiner Allkenntnis, d. h. Er zieht Schlussfolgerungen daraus, indem Er alles Böse gemäß Seinem heiligen Wesen richtet. Er muss dies tun, weil Er bei Gleichgültigkeit dem Bösen gegenüber aufhören würde, heilig und gerecht zu sein, und das ist unmöglich. Da alle Menschen Sünder sind, müsste Er sie alle unterschiedslos verdammen. Täte Er es, so würde zwar Seine Gerechtigkeit befriedigt werden, aber Seine Liebe und Seine Gnade würden gar nicht offenbar geworden sein. Und so hat Er denn Seinen eingeborenen Sohn auf die Erde gesandt, Er hat Ihn am Kreuz von Golgatha gerichtet und so die Grundlage dafür gelegt, den schuldigen Menschen begnadigen und vor dem Gericht sicherstellen zu können, ohne Seiner Gerechtigkeit Abbruch zu tun. „Gott hat ihn treffen lassen unser aller Ungerechtigkeit.“ „Die Strafe zu unserem Frieden lag auf ihm.“ (Jes. 53,5+6) Aber die am Kreuze erworbene Gerechtigkeit Gottes kann nur dem zugerechnet werden, der das Erlösungswerk als für sich geschehen annimmt und den Herrn Jesus als seinen Stellvertreter im Gericht Gottes und damit als seinen Erretter in Buße und Glauben anerkennt. Ein solcher hatte für seine Sünden die Strafe von Gott verdient, er wird aber auf Grund des Werkes Christi gerechtfertigt.

Wer die in Christo geoffenbarte Liebe Gottes nicht annimmt, sie also verachtet, fügt dadurch zu seinen vielen Sünden noch eine schwere Schuld hinzu; er steht ohne Deckung vor Gott und hat daher nur Gericht zu erwarten. „Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes“ (Joh. 3,18).

Was nun die Person des Richters betrifft, so heißt es in Joh. 5,22: „Der Vater richtet auch niemanden, sondern das ganze Gericht hat er dem Sohne gegeben“. Er ist der „Mann, den er dazu bestimmt hat“ (Apg. 17,31). Wenn Er kommen wird, um auf der Erde Sein Reich aufzurichten, wird Er zunächst als „die Sonne der Gerechtigkeit“ den Schauplatz desselben durch Gerichte reinigen, für die aber, die Ihn fürchten, kommt diese Sonne „mit Heilung in ihren Flügeln“ (Mal. 4,2). So furchtbar wird diese Sonne in ihrer majestätischen Kraft ihre sengenden Strahlen ausschicken, dass die Täter der Gesetzlosigkeit „zu Stoppeln werden“ (V. 1), die Sünder in Zion erschrecken und die Ruchlosen von Beben ergriffen werden. „Wer von uns kann weilen bei verzehrendem Feuer? wer von uns kann weilen bei ewigen Gluten?“ (Jes. 33,14) Nachdem auch die übrigen Völker unterworfen sind und die Erde gereinigt ist, wird der Fluch von der Schöpfung weggenommen und Christus, der Sohn des Menschen, wird Sein 1000-jähriges Friedensreich aufrichten und als der König der Könige und der Herr der Herren über alle Völker herrschen, die dann in Ruhe und Sicherheit wohnen werden. 1

In dem gleichen Charakter als Sonne der Gerechtigkeit, d. h. in der Aufrechterhaltung Seiner Gerechtigkeit im Gericht über alles Böse finden wir den Herrn Jesus in Offenbarung 1, Verse 14 u. 16: „ ... seine Augen wie eine Feuerflamme, . .. und sein Angesicht war, wie die Sonne leuchtet in ihrer Kraft“. Am Schluss des gleichen Buches hebt die Beschreibung des endgültigen, ewigen Gerichts mit den Worten an: „Und ich sah einen großen weißen Thron und den, der darauf saß, vor dessen Angesicht die Erde entfloh und der Himmel, und keine Stätte wurde für sie gefunden“ (Offb. 20,11). Die Herrlichkeit und Oberhoheit Gottes darf nicht in Frage gestellt werden; da dies aber geschehen ist und noch immer geschieht, wird Gott durch Gericht den Sünder bestrafen und seine falsche und böse Haltung berichtigen, „auf dass in dem Namen Jesu jedes Knie sich beuge, der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen, und jede Zunge bekenne, dass Jesus Christus Herr ist, zur Verherrlichung Gottes, des Vaters“ (Phil. 2,10+11).

Der Widersacher, Satan, sucht nun auf alle Weise zu verhindern, dass der unter seine Macht geratene Mensch die Herrlichkeit der Gnade Gottes erkennt. Von denen, die verloren gehen, heißt es: „in welchen der Gott dieser Welt den Sinn der Ungläubigen verblendet hat, damit ihnen nicht ausstrahle der Lichtglanz des Evangeliums der Herrlichkeit des Christus, welcher das Bild Gottes ist.“ Denn der Gott, der aus Finsternis Licht leuchten hieß, ist es, der in unsere Herzen geleuchtet hat zum Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Christi“ (2. Kor. 4,4+6). Der Herr Jesus ist die Sonne aller Herrlichkeit; Er wird kommen, „um an jenem Tage verherrlicht zu werden in seinen Heiligen und bewundert in allen denen, die geglaubt haben“ (2.Thess. 1,10). Die gläubigen Christen, selbst wunderbar und reich gesegnet, werden also in ihren Personen und ihrer herrlichen Stellung zur Bewunderung und Ehre des Herrn beitragen.

Der Mond

gehört, genau genommen, nicht zum Gegenstand dieser Schrift, da er im eigentlichen Sinne kein Stern ist. Der Vollständigkeit halber soll aber doch etwas über seine sinnbildliche Bedeutung gesagt werden, die im Alten Testament oft in Verbindung mit der Sonne genannt wird. Beide werden sich verfinstern und ihren Schein nicht geben, „und die Sterne verhalten ihren Glanz“ (Joel 2,10). 2

Der Mond ist kein selbstleuchtender Himmelskörper, er empfängt sein Licht von der Sonne. So sendet er bei einer Mondfinsternis kein Licht aus. (Anders ist es bei einer Sonnenfinsternis: die Sonne lässt ihre Strahlen in unverminderter Fülle ausgehen, wie auch sonst.) Deshalb stellt der Mond, „das kleine Licht zur Beherrschung der Nacht“, die abgeleitete Autorität dar und ist ein treffendes Bild der Kirche (oder Versammlung), die auch kein Licht in sich selbst hat, sondern all ihr Licht von Christo empfangen hat und empfängt und es jetzt in der Zeit der Nacht, der Abwesenheit der Sonne (Jesu Christi), weitergibt. Den wahren Christen wird gesagt: „Einst wäret ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr licht in dem Herrn; wandelt als Kinder des Lichts“ (Eph. 5,8), und „ihr seid das Licht der Welt“ (Matth. 5,14). „Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe. Lasst uns nun die Werke der Finsternis ablegen und die Waffen des Lichts anziehen“ (Röm. 13,12). In Übereinstimmung damit werden in Offenbarung 1 die sieben Versammlungen in Klein-Asien sinnbildlich als sieben Leuchter dargestellt (V. 20), da es ihre Aufgabe ist, in die geistliche Finsternis geistliches Licht auszustrahlen.

In der Drangsalszeit, der „Stunde der Versuchung“, wird der Herr ein anderes Zeugnis auf der Erde haben, da dann die wahre Kirche, die Gesamtheit aller wiedergeborenen Christen, aller Kinder Gottes, schon bei ihrem Haupte im Himmel sein wird.3 Es ist der jüdische Überrest, der dann durch schwere und zum Teil blutige Verfolgungen gehen wird (vergl. Matth. 24,9; 10,17-22 ). Daher wird in Joel 2,31 gesagt, dass sich der Mond in Blut verwandeln wird, „ehe der Tag des Herrn kommt, der große und furchtbare“, d. h. vor dem Kommen des Herrn Jesus zum Gericht. In Offenbarung 6,12 heißt es: „ ... der ganze Mond wurde wie Blut“, denn der Herr wird zu dieser Zeit noch nicht zur Rettung der Gerechten gekommen sein, aber Er wird ihren Leiden bald ein Ende machen. Der Mond fällt bezeichnenderweise nicht auf die Erde, wie es von den Sternen gesagt wird, d. h. das Zeugnis des Überrestes bleibt bestehen, bis der Retter kommt.

Die Sterne

leuchten - abgesehen von den wenigen Wandelsternen, die hier nicht in Betracht kommen, - mit eigenem Licht, sie sind also selbstleuchtende Himmelskörper. Dies müssen wir beachten. Sie verbreiten himmlisches Licht und sind nach Psalm 136,9 gleich dem Monde zur Beherrschung der Nacht gesetzt. Im Sinnbild bedeuten sie also untergeordnete Autoritäten zur Aufrechterhaltung der sittlichen Ordnung nach den Gedanken Gottes, und zwar in der Zeit der Nacht, der Abwesenheit der Sonne, d. i. Jesu Christi. Diese untergeordneten Gewalten sind von Gott eingesetzt, Er Selbst hat ihnen ihre Autorität gegeben, die somit, bildlich gesprochen, „himmlisch“ ist, wenn sie auch auf der Erde ausgeübt wird. Die Personen, die einen solchen Platz einnehmen, sind Gott unterworfen, Ihm „untergeordnet“, und sollen in dem ihnen zugewiesenen Bereich für Ruhe und Ordnung sorgen, indem sie gerechte Grundsätze anwenden, das ist Gottes Wille; „denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens“ (1. Kor. 14,33). Es ist nach den Gedanken Dessen, Der im Himmel wohnt, dass die Kinder den Eltern gehorchen und die Knechte den Herren (Eph. 6,1+5), dass die Frauen ihren eigenen Männern unterwürfig sind (Eph. 5,22), und dass jede Seele, d. h. jeder Mensch, sich den obrigkeitlichen Gewalten unterwirft, „denn es ist keine Obrigkeit (eigentlich Gewalt), außer von Gott, und diese, welche sind, sind von Gott verordnet. Wer sich daher der Obrigkeit widersetzt, widersteht der Anordnung Gottes“ (Röm. 13,1+2).

Die Regierung und die Regenten, die von ihnen eingesetzten Statthalter und hohen Behörden sowie die Gerichte werden unter dem Bilde von Sternen dargestellt, dem Ausdruck untergeordneter Autoritäten. So heißt es von dem Herrn, dem göttlichen Richter, in Offb. 1,16: „er hatte in seiner rechten Hand sieben Sterne“, deren Bedeutung dann in Vers 20 angegeben wird: „Die sieben Sterne sind Engel der sieben Versammlungen“. Der Engel in jeder Versammlung ist der sinnbildliche Vertreter der verantwortlichen Personen in der betreffenden örtlichen Versammlung, der, weil er dem Herrn unterworfen sein soll, als Stern dargestellt wird.

Die vorstehende Deutung, dass die Sterne - im Verhältnis zur Sonne, d. i. Gott oder Christus - untergeordnete Autoritäten versinnbildlichen, geht besonders deutlich aus den Stellen Matthäus 24,29 und Markus 13,25 hervor, in denen gesagt wird, dass die Sterne vom Himmel fallen werden; in Offenbarung 6,13 heißt es sogar: „und die Sterne des Himmels fielen auf die Erde“. So wie die Dinge wirklich sind und wir sie kennen, wäre es das Gleiche, als wenn jemand sagte: Tausende von Fußbällen fallen auf ein Schrotkügelchen. Das ist ganz unmöglich. Und was sollte mit diesem Kügelchen geschehen, wenn diese großen Kugeln hellglühende Gasbälle wären, viele Tausende Grad heiß? Es würde in Feuer aufgehen. Nein, die Stelle Offenbarung 6,12-14 ist nicht buchstäblich, sondern symbolisch zu verstehen, wie überhaupt die Offenbarung zum großen Teil in Symbolen redet. Die Sterne sind Bilder von Mächten auf der Erde, und in diesem Zusammenhang ist es auffallend und bestätigt die genannte Erklärung, dass Sonne und Mond nicht vom Himmel herabfallen, die Sonne, die der Erde doch so sehr viel näher ist als die Sterne, der Mond, bei dem man mit seinem Durchmesser von gut ein Viertel Erddurchmesser wirklich von einem Fallen auf die Erde reden könnte. Welche Bedeutung es hat, dass der Mond wie Blut sein wird, wurde im vorigen Abschnitt besprochen.

Die Sterne bedeuten also alle Gewalten, Regenten und Ordnungsmächte, die von Gott auf Erden eingesetzt und Ihm verantwortlich sind. Zu Beginn der mehrfach erwähnten Drangsalszeit werden diese Autoritäten massenhaft zu Boden stürzen und jede Ordnung der menschlichen Gesellschaft wird erschüttert werden. In der eben genannten Schriftstelle heißt es: „ ... und die Sonne wurde schwarz wie ein härener Sack, und der ganze Mond wurde wie Blut, und die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, wie ein Feigenbaum, geschüttelt von einem starken Winde, seine unreifen Feigen abwirft. Und der Himmel entwich wie ein Buch, das aufgerollt wird...“ Die Sonne wird verfinstert sein wie ein härener Sack; das bedeutet wohl, dass die Kenntnis Gottes fast ganz verschwunden sein wird, wie sich dies heute schon deutlich anbahnt. Das, was die Menschen von Gott wissen und glauben, übt im praktischen Leben einen guten Einfluss aus. Das wird in der Endzeit aufgehört haben. Dies ist eins der Gerichte, mit denen Gott die Bewohner der Erde schrecken wird.

Der Zusammenbruch aller Ordnungen und der diese aufrechterhaltenden Kräfte wird furchtbare Folgen für die Menschen haben; Bedrückung und Willkür und damit Unsicherheit auf allen Gebieten werden überhand nehmen und bei hoch und niedrig Bestürzung und Schrecken hervorrufen, besonders bei den Hohen und Großen dieser Welt. „Und die Könige der Erde und die Großen und die Obersten und die Reichen und die Starken und jeder Knecht und Freie verbargen sich in die Höhlen und in die Felsen der Berge; und sie sagen zu den Bergen und den Felsen: Fallet auf uns und verberget uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Throne sitzt, und vor dem Zorne des Lammes“ (V. 15+16). Dieser Zustand wird so furchtbar sein, dass wir ihn uns nicht vorstellen können, und zum ersten Mal seit Beginn der Gerichte hören wir solch ein furchtvolles Flehen und solche Schreckensrufe aus dem Munde von Menschen, die die Oberhoheit Gottes nicht anerkennen wollten. Sie hatten sich die „Freiheit“ sicher ganz anders vorgestellt.

Wie dankbar sollen wir doch sein, dass wir unseren Weg jetzt noch in Ruhe und Frieden gehen dürfen unter dem Schütze einer Obrigkeit, die sich bemüht, ein friedliches und gedeihliches Zusammenleben aller aufrechtzuerhalten! Das ist dem Widersacher Gottes, dem „Diabolus“ oder Durcheinanderwerf er, ein Greuel; seit langem sehen wir ihn tätig, den Menschen zur Auflehnung gegen jede Ordnung und Autorität anzureizen. Schon im Paradiese suchte er den ersten Menschen zur Empörung gegen Gott zu verleiten, und leider ist ihm dies gelungen. Seither sind Ungehorsam und Hochmut im menschlichen Herzen tief verwurzelt und Satan sucht diese verderbten Triebe der Natur zur Flamme der Empörung gegen menschliche und göttliche Gewalt anzufachen. Diese Grundsätze sehen wir heute unverhüllt wirksam, in unserem Lande und in vielen Ländern der Erde und in einer Weise, wie es noch nie vorher der Fall war. Wir erkennen, dass wir den Ereignissen von Offenbarung 6, von denen oben die Rede war, mit Riesenschritten entgegeneilen.

Der wahre Christ hält sich von diesem Treiben fern, er unterwirft sich vielmehr den obrigkeitlichen Gewalten und betet für die Männer, die in Hoheit sind (Röm. 13,1; 1.Tim. 2,1+2 ). Er weiß: Wer sich der Obrigkeit widersetzt, widersteht der Anordnung Gottes und bekommt es mit Ihm zu tun, Der alle diese Gewalten eingesetzt hat. Er will die vorhandene Verwirrung durch sein verkehrtes Verhalten nicht noch vergrößern; um des Gewissens, um des Herrn willen, unterwirft er sich den Mächten, die da sind.

Eine List des Fürsten der Finsternis ist es, mit der Frage des Gehorsams den Gedanken an die Unfehlbarkeit von Übergeordneten zu verbinden. Wir unterwerfen uns ihren Anordnungen nicht, weil sie unfehlbar sind - sie sind es  keineswegs - sondern weil Gott es so will. Wo gesunde Verhältnisse bestehen und die Gewissen noch nicht verbildet sind, gehorchen Kinder ihren Eltern, Schüler ihren Lehrern, Lehrlinge ihren Meistern, Mitarbeiter ihren Chefs, Frauen ihren Männern und Bürger ihren Regierungen, und das nicht deshalb, weil die Personen in dem übergeordneten Verhältnis unfehlbar sind - sie sind, wie alle Menschen, fähig und manchmal geneigt, zu irren und zu fehlen - , sondern weil Gott es so gesagt hat, und jeder Mensch befindet sich wohl, wenn er in seinem Verhältnis seinen Platz nach Gottes Wort einnimmt. Jedem Unvoreingenommenen ist es klar, dass es zu Zusammenbruch und Anarchie führen muss, wenn der untergeordnete Teil seine Obliegenheiten erst oder nur dann erfüllt, wenn nach seiner Meinung die übergeordnete Stelle keine Fehler macht.

Gott sei Dank! Er vermag das trotzige und aufsässige Herz des Menschen zu verwandeln und ihm eine demütige Gesinnung und einen friedliebenden Geist zu geben. Ein Glaubensbekenntnis annehmen oder äußere Zeremonien und christliche Formen ausführen, das kann bei den Menschen eine so weitgehende Änderung, die sich im alltäglichen Leben ständig bewähren muss, nicht hervorrufen. Dazu ist mehr nötig, nämlich eine Wiedergeburt durch die Macht des Geistes und des Wortes Gottes: „ ... die ihr nicht wiedergeboren seid aus verweslichem Samen, sondern aus unverweslichem, durch das lebendige und bleibende Wort Gottes“ (1.Petr. 1,23). Dieses Werk will der Geist Gottes in jeder Seele hervorrufen, wenn der betreffende Mensch es auch will.

Der Morgenstern

wird viermal in der Bibel genannt, das eine Mal im Alten Testament in der Mehrzahl. Gott fragt Hiob: „Wo warst du, als ich die Erde gründete? ... In was wurden ihre Grundfesten eingesenkt? oder wer hat ihren Eckstein gelegt, als die Morgensterne miteinander jubelten und alle Söhne Gottes jauchzten?“ (Hiob 38,4+6+7) Aus dieser interessanten Stelle geht hervor, dass die Engel, „alle Söhne Gottes“, schon da waren, als Gott die Erde schuf. Unter den Morgensternen sind wohl dieselben himmlischen Wesen zu verstehen, vielleicht auch eine besondere Klasse aus ihnen, weil zuerst von den Morgensternen und dann von allen Söhnen Gottes gesprochen wird. Die himmlischen Geschöpfe jubelten und freuten sich jauchzend über die wunderbaren Werke, in denen der erhabene Schöpfer-Gott Sich offenbarte, Seine Weisheit und Macht dabei kundtuend. Der Ausdruck Morgensterne mag auf die frühe Existenz dieser geistigen Wesen hindeuten, als im Anfang der Schöpfung schon bestehend.

Im astronomischen Sinne ist der Morgenstern der Planet Venus, der seine Bahn als nächster Wandelstern innerhalb der Erdbahn zieht. Dies hat zur Folge, dass die Venus, von der Erde aus gesehen, niemals an der entgegengesetzten Seite des Himmels stehen kann wie die Sonne, sondern dass sie ihr stets verhältnismäßig nahe bleiben muss. Geht die Sonne unter, so steht die Venus als Abendstern eine kurze Zeit am westlichen Teil des Himmels und geht dann auch bald unter. Aber vor Sonnenaufgang steht die Venus am östlichen Himmel und kündet so die Nähe des Tages; sie ist dann der Morgenstern. Nur dieser wird in der Heiligen Schrift erwähnt und als Bild gebraucht. Die Venus ist der hellste aller Sterne.

Der Herr Jesus sagt: „Ich bin die Wurzel und das Geschlecht Davids, der glänzende Morgenstern“ (Offbg. 22,16). Wir haben oben gesehen, dass der Herr als die Sonne der Gerechtigkeit kommen wird, um die Erde durch Gerichte zu reinigen und Seinen Tag, den Tag des Herrn, einzuführen. Wenn es Tag ist, ist auch die Sonne da. Aber den Christen stellt sich der Herr in dem letzten Buch der Bibel in einem anderen Charakter vor, nämlich als Morgenstern. Wie der Morgenstern kurz vor Anbruch des Tages erscheint, so wird der Herr für die Seinigen, die Braut oder Versammlung (Gemeinde), vor den Gerichten kommen, um sie zu Sich zu nehmen. „Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, auf dass, wo ich bin, auch ihr seiet“ (Joh. 14,3). Wir lesen in 1. Thessalonicher 4, 16+17: „Denn der Herr selbst wird mit gebietendem Zuruf, mit der Stimme eines Erzengels und mit der Posaune Gottes herniederkommen vom Himmel, und die Toten in Christo werden zuerst auferstehen; danach werden wir, die Lebenden, die übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und also werden wir allezeit bei dem Herrn sein.“ Das ist die glückselige Hoffnung aller wahren Gotteskinder, deren Sünden abgewaschen sind in dem Blute des Lammes (vergl. Offbg. 1,5). Dem Überwinder verheißt der Herr in Offenbarung 2,28: „ ... und ich werde ihm den Morgenstern geben“, d. h. Er wird ihn zu Sich nehmen in Seine Herrlichkeit, bevor der Tag der Gerichte beginnt. Dass die Entrückung der wahren Kirche vor den Drangsalen geschieht, sagt der Herr den Gläubigen in Philadelphia noch deutlicher: „Weil du das Wort meines Ausharrens bewahrt hast, werde auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die über den ganzen Erdkreis kommen wird, um die zu versuchen, welche auf der Erde wohnen. Ich komme bald; halte fest was du hast, auf dass niemand deine Krone nehme!“ (Offbg. 3, 10+11) Zum ersten Mal wird gesagt „Ich komme bald“, und im letzten Kapitel der Bibel sagt der Herr es dreimal (V. 7. 12. 20). „Und der Geist und die Braut sagen: Komm! Und wer es hört, spreche: Komm! Und wen da dürstet, der komme; wer da will, nehme das Wasser des Lebens umsonst.“ (V. 17.) Es berührt unsere Herzen, wenn wir sehen, wie bei der weit vorgerückten Nacht und dem allgemeinen Verderben der Menschen noch einmal der Ruf der Gnade an sie ergeht, sich retten zu lassen, das Wasser des Lebens umsonst anzunehmen! Solltest du, lieber Leser, dieses kostbare Wasser des Lebens noch nicht besitzen, so komme noch heute mit deinen Sünden zu dem Erretter Jesus Christus, und Er wird dir deine ganze Sündenschuld vergeben und aus Gnaden ewiges Leben schenken, und das alles umsonst! Der gläubige Christ kennt die Wahrheit von dem Kommen des Herrn als dem glänzenden Morgenstern, er hat diese Wahrheit in sein Herz aufgenommen (vergl. 2.Petr. 1,19) und freut sich dieser kostbaren Hoffnung. Jeden Augenblick kann sich das Kommen seines Herrn für ihn erfüllen; diese Hoffnung hält ihn aufrecht inmitten aller Schwierigkeiten und Übungen, die nun einmal mit dem Leben auf dieser Erde verbunden sind, solange die Sünde nicht abgeschafft ist und ihre Folgen nicht beseitigt sind. Er ruft: „Amen; komm, Herr Jesus!“ (Offbg. 22,20).

Eh' noch die Gerichte toben,
Werden wir zu Dir erhoben,
Eh' der Tag des Zorns erscheint,
Hast Du uns mit Dir vereint.

Fußnoten

  • 1 Mit diesem Zeitabschnitt der prophetisch noch zukünftigen Ereignisse stehen noch viele andere Dinge in Verbindung, deren Darlegung im Einzelnen jedoch nicht der Zweck dieser Schrift .ist. Hier soll nur der Charakter hervorgehoben werden, den der Herr in jenen Tagen annehmen wird.
  • 2 Vergl. auch Jes. 13,10; Hes. 32,7; Mt. 24,29.
  • 3 Hierüber siehe Näheres in dem Abschnitt „Der Morgenstern“.
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