Eine Fülle von Herrlichkeiten Christi

... dargestellt in den Seinen

Eine Fülle von Herrlichkeiten Christi

Zweifache Herrlichkeit

Nachdem nun vornehmlich persönliche Herrlichkeiten des Herrn Jesus vor uns standen, die Ihn alleine als Gott und Mensch auszeichnen, wollen wir jetzt solche Herrlichkeiten betrachten, die auch in Verbindung mit uns zum Vorschein kommen – Herrlichkeiten Christi, die sich auch in uns widerspiegeln! Ist dies nicht eine gewaltige Tatsache, dass Er gewisse Herrlichkeiten, die der Vater Ihm gegeben hat, auch uns zukommen lässt (Joh 17,22)? Wir haben diesen Gedanken schon andeutungsweise im Vorbild von Adam und Eva wiedergefunden.

Der Mensch als ein in Sünde gefallenes Geschöpf vermag niemals den Anforderungen der Herrlichkeit Gottes zu entsprechen. Dies bezeugt Gottes Wort in ernster und absoluter Form: „Alle Menschen haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes“ (Röm 3,23).

Aber Gottes Wort bricht an obiger Stelle nicht ab (Gott sei Dank dafür!), sondern es bezeugt weiter: „und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade“ (Röm 3,24). Diese Rechtfertigung macht uns schließlich doch noch zu Teilhabern an der Herrlichkeit Gottes, dadurch dass wir selbst einmal verherrlicht sein werden. Großartige Gnade Gottes, die den Sünder rechtfertigt und verherrlicht!

Unsere zukünftige Verherrlichung ist vor diesem Hintergrund ein besonders beglückender Gedanke! Und sie birgt wunderbare Schönheiten in sich, wenn wir sie etwas genauer betrachten. Insbesondere im Hinblick auf die Herrlichkeit des Herrn Jesus finden wir Übereinstimmungen, die uns zu Dank und Anbetung führen sollten über das, was Gott aus Sündern gemacht hat und wozu Er sie noch bringen wird.

Die Herrlichkeit, die wir einmal als Seine Braut tragen werden, wird einen zweifachen Aspekt haben, eine doppelte Ausdrucksform.

Die Braut wird bekleidet

Die uns vielleicht bekanntere Seite dieser noch zukünftigen Herrlichkeit wird neben vielen anderen Aussagen auch deutlich im Epheserbrief aufgezeigt. Dort finden wir, dass sich Christus einmal Seine Braut, die Versammlung, verherrlicht darstellen wird (Eph 5,27). Der Herr Jesus wird uns mit einer Herrlichkeit bekleiden, die Er uns Selbst verleihen wird. Von der Braut als dem neuen Jerusalem wird in Offenbarung 21 gesagt, dass sie die Herrlichkeit Gottes haben wird (Off 21,11). Aber etwas noch größeres als diese Tatsache selbst ist der Beweggrund des Herrn Jesus, der unserer Verherrlichung zugrunde liegt. Es ist nicht so sehr im Hinblick auf unsere eigene Freude und Segnung, sondern vielmehr für Ihn Selbst, dass Er uns verherrlicht darstellen wird! Dies wird dadurch geschehen, dass Er uns vor sich hinstellen wird und im Anblick Seiner verherrlichten Braut völlige Freude finden wird. Das ist mit dem Ausdruck „sich selbst verherrlicht darstellen“ aus Epheser 5 gemeint.

Wir finden hier eine Herrlichkeit der Braut, die sie von dem Bräutigam Selbst empfangen wird. Sie hat ihren Ursprung ausschließlich in Seiner Person. Er wird ihr diese Herrlichkeit von Gott geben (Joh 17,22). Aber der Bräutigam wird Seine verherrlichte Braut nicht nur aus diesem Blickwinkel anschauen. Er wird sie Sich zwar verherrlicht darstellen, aber Er wird auch an ihr sehen, dass sie selbst sich für Ihn schmücken wird!

Die Braut bereitet ihr Kleid

Diese Seite unserer Verherrlichung betont nicht mehr so sehr den göttlichen Ursprung der Herrlichkeit der Braut, sondern nimmt Bezug auf unser gegenwärtiges Leben als Geheiligte hier auf der Erde. Wir werden jedoch finden, dass auch dieser Aspekt der Herrlichkeit auf unseren Herrn Selbst zurückzuführen ist – wie sollte es auch anders sein!

Von dieser Herrlichkeit der Braut berichtet uns Offenbarung 19: „Und es wurde ihr gegeben, dass sie sich kleide in feine Leinwand, glänzend und rein“ (Off 19, 8). Hier ist es nicht der Bräutigam, der die Braut mit dem Hochzeitskleid bekleiden wird, sondern die Braut kleidet sich in feine Leinwand.

Diese feine Leinwand steht in direktem Bezug zu unserem persönlichen Leben auf der Erde, denn sie bedeutet „die Gerechtigkeiten der Heiligen“ (Off 19,8). Damit sind die gerechten Taten und Werke ihres Erdenlebens gemeint. Das Kleid entsteht nämlich schon hier auf der Erde; wir gestalten es in unserem Leben! Dabei wird jede gerechte Tat ein Bestandteil dieses Kleides sein, während jedes andere Werk nicht dazu beitragen kann. Zweifellos geschieht diese Beurteilung am Richterstuhl des Christus (2. Kor 5,10).

Obwohl das Hochzeitskleid heute schon gestaltet wird, wird es aber der Braut erst bei der Hochzeit des Lammes verliehen werden. Sollte das nicht auf unseren Wandel einen prägenden Einfluss ausüben? Jeder einzelne von uns trägt durch sein Verhalten zu der Herrlichkeit dieses Kleides bei – oder auch nicht. Bei alledem finden wir aber auch hier, wie bereits angedeutet, den Ursprung dieser Herrlichkeit im Herrn Jesus wieder. Denn wir zwar tragen dazu bei, aber Er ist es, der die guten Werke zuvor bereitet hat: „Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen“ (Eph 2,10). Darum wird auch von dem Hochzeitskleid der Braut gesagt, dass es ihr gegeben wurde (Off 19,8).

Alle Herrlichkeit geht von unserem Herrn aus, doch die Darstellung dieser Herrlichkeiten bleibt nicht immer unabhängig von unserem praktischen Wandel als Heilige. Das speziell wird uns in dem Hochzeitskleid der Braut vorgestellt.

Wunderbare Übereinstimmung

Wir haben den zweifachen Aspekt unserer zukünftigen Herrlichkeit gesehen, deren direkten Bezug auf die Person unseres Herrn sowie auf unseren gegenwärtigen Wandel, die göttliche sowie die uns zugewandte Seite. Das ist die doppelte Ausdrucksform der Herrlichkeit der Braut Christi.

Richten wir nun noch den Blick auf die Herrlichkeit des Bräutigams. Wir werden dabei eine wunderbare Übereinstimmung mit der betrachteten Herrlichkeit der Braut finden. Denn der Herr Jesus trägt Herrlichkeiten, die Er als der ewige Sohn Gottes schon immer besaß – und solche, die Er sich als Mensch hier auf der Erde erworben hat. Damit haben wir uns im Verlauf dieser Betrachtung ein wenig beschäftigt. Die Herrlichkeiten Christi haben somit auch einen zweifachen Charakter, sie beziehen sich auf Seine Gottheit und auf Seine Menschheit.

Berührt dies nicht unsere Herzen? Sehen wir nicht, wie sehr Er uns liebt, dass wir Ihm einmal so ähnlich werden sollen? Die Grundzüge Seiner unermesslichen Herrlichkeit werden sich in uns widerspiegeln! So wird einmal im Himmel jeder bezeugen können: „Ja, diese Braut ist die Braut des Lammes!“

Aber darüber hinaus wird es noch Herrlichkeiten des Herrn Jesus geben, die wir auch im Vaterhaus nicht mit Ihm teilen werden. Einige davon werden wir zwar anbetend betrachten dürfen, andere hingegen werden für immer in Seiner ewigen Gottheit verborgen bleiben, weil sie von keinem Geschöpf, weder von den Engeln noch von der verherrlichten Braut, erfasst werden können.

Möge doch die Beschäftigung mit unserer zukünftigen Herrlichkeit heute schon zu Seiner Verherrlichung ausschlagen!

Die Vollendung der Liebe Gottes mit uns

Gott verfolgt mit uns ein unermesslich hohes Ziel. Denn unsere zukünftige Verherrlichung ist die Grundlage dafür, dass Er uns Seinem Sohn gleichförmig darstellen wird! Kann es eine höhere Ausdrucksform der Liebe Gottes im Hinblick auf uns geben? Der Apostel Johannes schreibt, dass „hierin die Liebe Gottes mit uns vollendet ist, ..., dass, wie Er ist, auch wir sind ...“ (vgl. 1. Joh 4,17).

Die Vollendung der Liebe Gottes mit uns besteht darin, dass Gott in Seiner Liebe mit uns zum Ziel kommt. Das ist mit dem Ausdruck „Vollendung“ gemeint. Es ist die Liebe Gottes, die in uns das erreicht hat, was sie bewirken wollte.

Es ist von außerordentlicher Schönheit, festzuhalten, dass gerade in uns, den ehemals Verlorenen, die Liebe Gottes zur Vollendung kommt – und nicht etwa in mächtigen Engeln oder in irgendeinem anderen Wesen, sondern in den begnadigten Feinden Gottes. Allerdings bezieht sich die Vollendung der Liebe Gottes nicht nur auf unsere zukünftige Verherrlichung, sondern auch hier wieder auf unseren gegenwärtigen Wandel!

Gegenwärtige Auswirkung

Genau das drückt der Apostel Johannes im 4. Kapitel seines ersten Briefes aus: „Hierin ist die Liebe Gottes mit uns vollendet, damit wir Freimütigkeit haben am Tag des Gerichts, dass, wie er ist, auch wir sind in dieser Welt“ (1. Joh 4, 17). Heute schon, in dieser Welt, sind wir so wie Christus ist – nicht erst zu einem späteren Zeitpunkt. Darüber hinaus wird gesagt, dass wir so sind, wie der Herr ist – nicht, dass wir so sein sollen! Es ist unsere herrliche Stellung, um die es hier geht. Und wir sind solche, wie Er ist – nicht, wie Er auf der Erde war, sondern wie Er momentan im Himmel ist, als verherrlichter Mensch.

Wir sehen, dass jedes Wort in diesem wunderbaren Vers von unglaublicher Tragweite ist. Der Apostel hätte mit Sicherheit nicht gewagt, solche gewaltigen Worte niederzuschreiben, wenn sie ihm nicht der Heilige Geist diktiert hätte. Aber dazu hat uns die Liebe Gottes gebracht, darin sind wir in ihr vollendet worden: So zu sein, wie Christus ist – heute schon. Denn heute schon haben wir als Kinder Gottes das Leben Seines Sohnes, das uns befähigt, so zu sein, wie Er ist. Doch erst dann, wenn das ewige Leben in uns auch zur Entfaltung kommen kann, ist die Liebe Gottes in uns zur Vollendung gekommen. Sie hat zwar zuvor schon in uns gewirkt, sonst hätten wir niemals ewiges Leben bekommen. Aber das Ziel des Wirkens Gottes geht darüber hinaus. Es liegt in der praktischen Auswirkung dieses göttlichen Lebens in uns.

Zukünftige Auswirkung

Nun gibt es neben diesem gegenwärtigen Gesichtspunkt auch eine zukünftige Auswirkung der Vollendung der Liebe Gottes. Dazu müssen wir noch einmal den betrachteten Vers 17 aus 1. Johannes 4 heranziehen. Wir hatten gesehen, dass wir der Stellung nach bereits heute in dieser Welt so sind, wie Er jetzt ist. Dies ruft die gegenwärtige Wirkung der Liebe Gottes in uns hervor. Aber auch den zukünftigen Gesichtspunkt finden wir hier wieder, wenn wir lesen, dass wir „Freimütigkeit haben werden am Tage des Gerichts“. Hier haben wir ohne Zweifel den Bezug auf einen zukünftigen Zeitabschnitt, der durch Gericht gekennzeichnet sein wird. Wir selbst werden nicht gerichtet, weil unser Gericht am Kreuz von Golgatha schon an Christus vollzogen wurde. Daher werden wir in voller Freimütigkeit vor Gott stehen.

Johannes selbst gibt uns ein wunderschönes Beispiel dieser Freimütigkeit in Offenbarung 5. Der Apostel durfte dort in einem Gesicht dem himmlischen Geschehen um den Thron Gottes beiwohnen und miterleben, dass niemand würdig erachtet wurde, das versiegelte Buch der Gerichte Gottes zu nehmen und zu öffnen. Und was tat Johannes in diesem Augenblick? Er weinte (Off 5,4)! Vor allen anwesenden Engeln und himmlischen Wesen ließ er seinen Tränen freien Lauf. Ist dies nicht ein Ausdruck uneingeschränkter Freimütigkeit vor dem Hintergrund des bevorstehenden Gerichts?

Auch bei Abraham finden wir diese Freimütigkeit in Verbindung mit dem Gericht über Sodom und Gomorra wieder. Sein Flehen vor dem Herrn für den Gerechten in Sodom ist ein beispielloses Gebet voller Freimütigkeit (1. Mo 18).

Persönliche Auswirkung

Könnte es größere Segnungen geben, die die Liebe Gottes in uns hervorrufen kann – Gleichförmigkeit mit Ihm (wir haben Sein Leben) und Freimütigkeit durch Ihm (wir sind freigesprochen vom Gericht, weil wir Sein Leben haben)?

Diese Gleichförmigkeit mit Ihm wird durch unseren Herrlichkeitsleib einen noch höheren Ausdruck finden. Unser Leben darf sich heute schon Ihm angleichen, bei Ihm im Himmel wird dies dann auch auf unseren verherrlichten Körper zutreffen. Dies ist dann die absolute Vollendung dessen, was Gott in Seiner Liebe in uns gewirkt hat.

Welch ein unermesslich großes Ziel verfolgt doch Gott mit uns! Er bewirkt nichts Geringeres als die Vollendung Seiner Liebe mit uns, um uns Seinem Sohn gleichförmig darzustellen. Wir stehen staunend davor und empfinden, dass wir Ihm dafür nie genug Dank darbringen können! Er liebt uns mit der gleichen Liebe, mit der Er Seinen Sohn liebt (Joh 17,23.26), weil auch wir Söhne geworden sind und Seine Liebe auch in uns ist! Es ist eine unschätzbare Gnade, dass die Liebe Gottes mit uns zum Ziel kommt und dass dies nicht erst im Himmel zur Auswirkungen kommen wird, sondern heute schon in unserem alltäglichen Leben gesehen werden kann! Wie sieht nun unsere persönliche Antwort darauf aus?

Christus und die Versammlung

Neben diesem persönlichen Aspekt erstreckt sich die Wirkungsweise der Liebe Gottes auch auf die Gesamtheit aller Erlösten. Dabei steht die Liebe des Christus zur Versammlung im Vordergrund. Abgesehen von der persönlichen Sichtweise, die dadurch hervorgehoben wird, dass „Christus mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat“ (Gal 2,20), zeigt sich der umfassende Aspekt Seiner Liebe zu den Seinen darin, dass „Christus die Versammlung geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat“ (Eph 5,25). Die damit verbundenen Segnungen führen uns über das bereits Betrachtete hinaus und lassen gleichzeitig weitere Herrlichkeiten der Person Christi im Hinblick auf die Versammlung zum Vorschein kommen.

Das erste alttestamentliche Vorbild auf Christus und die Versammlung ist bereits in Adam und Eva zu erkennen: „Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden ein Fleisch sein“ (1. Mo 2,24); im Neuen Testament wird dieser Vers dann durch den Apostel Paulus direkt auf Christus und die Versammlung angewendet: „Dieses Geheimnis ist groß; ich sage es aber in Bezug auf Christus und auf die Versammlung“ (Eph 5,32). Paulus war es auch vorbehalten, durch die Offenbarung dieses Geheimnisses das Wort Gottes zu vollenden (Kol 1,25).

Zuletzt offenbart ...

Es ist bemerkenswert, dass Gott diese kostbare Wahrheit über Christus und die Versammlung bis zuletzt im Verborgenen hielt und sie als Vollendung Seines Wortes vorsah! Doch es entspricht durchaus der Handlungsweise Gottes, Kostbarkeiten Seines Ratschluss erst zuletzt zu offenbaren. Dies lässt sich in Seinem Wort nicht nur hier beobachten.

Auch in Bezug auf die Stadt Jerusalem im Land Kanaan wird dieser Grundsatz deutlich. Nachdem das Volk unter der Führung Josuas das Land eingenommen hatte, wurde es unter den Stämmen Israels aufgeteilt – doch Jerusalem blieb noch im Besitz der Jebusiter. Weder in der Zeit der Richter noch während der Herrschaft Sauls änderte sich dieser Zustand. Erst etwa vier Jahrhunderte nach der Einnahme Kanaans wurde Jerusalem von David erobert und zum Zentrum des Landes gemacht. Auch hier entsprach es der Absicht Gottes, diese Stadt, die mit Seinem Ratschluss in besonderer Weise in Verbindung stand (denn dort sollte der Tempel gebaut werden), zuletzt zu offenbaren.

In Offenbarung 21 begegnen wir einem weiteren Beispiel dieser Vorgehensweise Gottes. Dort finden wir, dass auch das himmlische Jerusalem demselben Grundsatz nach offenbar werden wird: Erst ganz zuletzt, buchstäblich am Ende aller Dinge, nachdem die Gerichte über die Erde ausgeführt und der neue Himmel und die neue Erde in Erscheinung getreten sind, erst dann wird uns das Kostbarste im Ratschluss Gottes gezeigt: die Braut des Lammes, „die heilige Stadt, Jerusalem, herniederkommend aus dem Himmel von Gott“ (Off 21,10).

Gleiches zeigt sich auch in Bezug auf das erste Menschenpaar. Eva war das letzte Geschöpf, das Gott gebildet hatte. Alle anderen Lebewesen waren bereits erschaffen. Doch Eva nahm im Ratschluss Gottes einen besonderen Platz ein, denn sie stellt im Vorbild die Versammlung dar, die neue Schöpfung. Um diesem bedeutungsvollen Gedanken Ausdruck zu geben, vollendete Gott mit ihr Sein schöpferisches Handeln. So sehen wir, dass Gott in Seinem Wort an mehreren Stellen, insbesondere aber im Hinblick auf die Versammlung, das Kostbarste Seines Ratschlusses zuletzt offenbart.

... aber am Anfang angedeutet

Obwohl der Ratschluss Gottes bezüglich Christus und der Versammlung erst zuletzt offenbar wurde, deutet Gott doch gleich zu Beginn Seines Wortes durch mehrere Vorbilder darauf hin. Wir haben uns bereits an Adam und Eva als Beispiel aus der Zeit vor dem Sündenfall des Menschen erinnert. Darüber hinaus finden wir gerade im ersten Buch der Bibel noch andere Hinweise auf Christus und die Versammlung. So ist das, was zuletzt geoffenbart werden sollte, bereits durch die ersten Bilder der Heiligen Schrift in unterschiedlicher Weise angedeutet worden.

Denken wir dabei zunächst an Isaak und Rebekka. Bei diesem Vorbild liegt die Betrachtungsweise anders als bei Adam und Eva: Isaak empfing seine Braut von seinem Vater, denn Abraham sandte den Knecht aus, um seinem Sohn die Braut zuzuführen. Adam hingegen empfing Eva von Gott – und zwar nicht als Sohn, sondern als Mensch: Gott brachte Eva zu dem Menschen (1. Mo 2,22). Beide Vorbilder finden in Christus ihre Erfüllung: Er empfing die Versammlung sowohl als vollkommener Mensch (der „letzte Adam“) von Gott und gleichermaßen auch als ewiger Sohn (der wahre „Isaak“) von Seinem Vater! Beide Seiten sind absolut wahr!

Wir können diesen Gedankengang nicht abschließen, ohne auch kurz Joseph und Asnat als weiteren Hinweis aus dem ersten Buch Mose zu erwähnen. Bei Adam und Isaak haben wir gesehen, dass beiden die Braut zugeführt wurde. Bei Joseph war es anders: Er musste das Land verlassen und fand in Ägypten seine Braut aufgrund Seiner Verherrlichung. Auch hier finden beide Seiten in Christus ihre Erfüllung.

Welch liebevolle Herablassung kommt darin zum Ausdruck, dass der Herr denen, für die Er so viel geben musste – ja in Seinem Sterben sogar „sich selbst“ – solche Wertschätzung entgegenbringt!

Eine sehr kostbare Perle

Die Versammlung Gottes, die Gesamtheit aller Erlösten der Gnadenzeit, hat für Christus einen unschätzbaren Wert. In dem „Kaufmann, der schöne Perlen sucht“, erkennen wir Ihn; und in der einen, sehr kostbaren Perle, für die der Kaufmann „alles verkaufte, was er hatte, um sie zu besitzen“, haben wir ein Bild der Versammlung in ihrer Einmaligkeit für Ihn vor uns (Mt 13,45.46). Obwohl wir alle noch Sünder und Feinde Gottes waren, sah Er in denen, die Er sich einmal als Eigentum erwerben würde, eine sehr kostbare Perle, für die Er bereit war, alles andere hinzugeben, also auf alles zu verzichten, was Ihm als dem Sohn des Menschen rechtmäßig zukam. So sind wir Gläubigen als Sein Eigentum Sein höchster Besitz. Für diese „Perle“ gab Er alles, was Er hatte! Kann Seine Wertschätzung für die Gläubigen noch deutlicher dargestellt werden?

„Alles, was er hatte“ – Seinen Anspruch auf die Schöpfung und auf Sein Volk (Joh 1,10.11), Seine Anerkennung als König (Joh 18,33–40), Seine äußere Herrlichkeit (Phil 2,6.7) – wollten wir alles aufzählen, was Er „verkauft hat“, wir würden so bald nicht zu Ende kommen. Und über das hinaus, was unter dem Bild des Kaufmanns und der Perle erkennbar ist, hat Er auch als „Bräutigam“ Sein Leben für Seine Braut hingeben (Eph 5,25).

Ja, Seine Bereitwilligkeit, alles für die Versammlung aufzugeben, ist anbetungswürdig. Wie groß ist hier der Gegensatz zu der Haltung des reichen Jünglings, der, als er seinen ganzen Besitz den Armen geben sollte, betrübt darüber hinwegging und sich nicht von seinem Reichtum trennen konnte! Aber unser Heiland, der unendlich viel reicher ist, empfand keine Betrübnis bei dem Gedanken, alles aufzugeben, sondern Er tat dies mit freimütiger Hingabe und Freude (Mt 13,44). Welch eine Wertschätzung bringt Er uns dadurch entgegen!

Die Versammlung gleicht in den Augen des Herrn einer sehr kostbaren Perle. Der Vergleich mit einer Perle weist auf ein ganz besonderes Kennzeichen der Versammlung hin. Deshalb beschreibt der Herr auch nicht etwa eine Zusammenstellung von verschiedenartigen Edelsteinen, wie wir dies beim Brustschild des Hohenpriesters finden (2. Mo 28) oder bei den Grundlagen des himmlischen Jerusalems in Offenbarung 21. Stattdessen wird die Versammlung mit einer einzigen Perle verglichen. Ist das nicht ein Hinweis darauf, wie einzigartig sie in Seinen Augen ist?

Aber auch ihre Gestalt spricht eine deutliche Sprache. Im Gegensatz zu den Edelsteinen verliert die Perle ihren Wert, sobald man sie zerteilt. Somit ist die unversehrte Einheit der Perle das entscheidende Merkmal. Zudem ist sie durch ihre Kugelform der Ausdruck vollkommener Ebenmäßigkeit. Eine Kugel sieht von allen Seiten gleich aus, es sind keine Unregelmäßigkeiten zu erkennen. So ist die Versammlung der Ausdruck der Vollkommenheit des Herrn selbst. Darum ist sie so kostbar in den Augen Dessen, der sie erworben hat.

Doch wodurch kommt diese wunderbare Einheit der Versammlung zustande? Sicher nicht durch unsere Treue und unsere Bemühungen oder dadurch, dass wir als Gläubige an sich schon so gut zueinander passen – nein! Sie wird dadurch hervorgerufen, dass sich Christus Selbst mit ihr vereint! Das ist ein überaus kostbarer Gedanke, den wir auch in Johannes 10 angedeutet finden. Wenn wir dort von der einen Herde lesen, stellt sich die Frage, wodurch die Einheit dieser Herde gewährleistet wird. Der gute Hirte hat sie doch bereits aus dem umzäunenden Schafhof, der sie zuvor zusammen gehalten hat, herausgeführt! Was kann sie denn jetzt noch zusammenhalten? Es ist die Anziehungskraft des guten Hirten selbst, die die Herde zusammenhält! So ist es auch heute mit der Versammlung. Christus hält die Seinen dadurch zusammen, dass Er sich mit ihnen eins macht! Schon durch Adam und Eva, dem ersten alttestamentlichen Vorbild auf Christus und die Versammlung, wird diese Einheit hervorgehoben: „Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden ein Fleisch sein“ (1. Mo 2,24).

Auch an anderer Stelle finden wir diese Einheit des Herrn mit Seiner Versammlung in wunderbarer Weise ausgedrückt: „Denn so wie der Leib einer ist und viele Glieder hat ...: so auch der Christus“ (1. Kor 12,12). Wohlgemerkt, es heißt hier „so auch der Christus“, nicht, wie wir vielleicht nach dem Zusammenhang erwartet hätten: „so auch die Versammlung“, die ja Sein Leib ist. Aber hier umfasst der Begriff „der Christus“ das Haupt und den Leib. So sehr bilden Christus und die Versammlung eine Einheit.

Isaak erwartet Rebekka

Bald wird die Einheit von Christus und der Versammlung auch öffentlich zum Ausdruck kommen. Bei der Hochzeit des Lammes mit Seiner Braut wird dem ganzen Universum offenbar, dass sie zu Ihm und Er zu ihr gehört. Dann wird sie auch äußerlich in Seiner Herrlichkeit erscheinen, denn Er wird ihr die Herrlichkeit geben, die Er selbst von Seinem Vater empfangen hat (Joh 17,22). Seine Herrlichkeit wird somit der Ausdruck dieser vollkommenen Einheit sein, die wir mit Ihm im Vaterhaus auf ewig genießen werden.

Nach den Worten des Herrn sind im Haus Seines Vaters „viele Wohnungen“ für die Seinen bereit (Joh 14,2). Dadurch, dass Er Selbst als verherrlichter Mensch dorthin zurückgekehrt ist, hat Er auch den Himmel für die eröffnet, die Ihm angehören, damit sie einmal als verherrlichte Menschen bei Ihm seien „wo ich bin“, wie Er sagt.

Als Bräutigam erwartet Er nun Seine Braut – wann wird der Bräutigam ihr entgegenkommen und sie in das Vaterhaus einführen? Wir können sicher sein, dass niemand diesen Moment sehnsüchtiger erwartet als unser Herr Selbst! In 1. Mose 24 finden wir hierzu ein bemerkenswertes Vorbild: Dort wird uns Isaak gezeigt, wie er der Ankunft seiner Braut entgegensieht – ein nur unvollkommenes Abbild von dem, was unseren Herrn, den wahren Isaak, bewegt, und doch schon so eindrücklich. Isaak konnte ja Rebekka erst lieb gewinnen, als sie bei ihm war (Kap. 24,67). Christus aber hat uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben, bevor der Heilige Geist uns für Ihn gewinnen konnte. Seine unvergleichliche Liebe begleitet uns schon jetzt, während wir noch auf dem Weg zu Ihm sind.

Wenn wir den entsprechenden Abschnitt in 1. Mose 24 betrachten (V. 61 – 67), dann fällt auf, dass während der ganzen Reise von Rebekka keine Angaben über ihre Umstände oder Mühen auf dieser langen Wegstrecke gemacht werden; nur von Isaak, der auf sie wartet, ist die Rede. Die Reise wird oft beschwerlich gewesen sein, dennoch wird unser Blick nur auf Isaak gerichtet. Das ist auch für uns bedeutungsvoll und hat seine Auswirkung auch auf unserem Weg. Zuerst aber möchten wir uns mit dem beschäftigen, was den wartenden Isaak kennzeichnet.

Der wartende Isaak

Isaak wird uns nicht untätig geschildert. Seine Haltung ist nicht abwartender, sondern erwartender Natur. Das wird erkennbar an zwei Mitteilungen: Er kam vom Brunnen Lachai-Roi, und er ging beim Anbruch des Abends aufs Feld hinaus, um zu sinnen (V. 63).

Beer-Lachai-Roi (1. Mo 16,14), der „Brunnen des Lebendigen, der mich schaut“ oder „sich schauen lässt“, steht symbolisch für die Gemeinschaft mit Gott durch Sein Wort. Im Wort offenbart Gott sich uns, und das Wort macht uns offenbar, denn es ist ein „Beurteiler der Gedanken und Überlegungen des Herzens“ (Heb 4,12). Das ist der spätere „Wohnort“ Isaaks (Kap. 25,11). In Anwendung auf den Herrn Jesus können wir darin etwas von der Quelle und der Tätigkeit Seiner Liebe zu uns erblicken.

Beim Anbruch des Abends geht Isaak aufs Feld hinaus, um zu sinnen. In der Stille will er seinen Gedanken ungestört nachgehen. Sicher hat er auch über seine Zukunft nachgesonnen, wie alles werden würde, wenn der vom Vater ausgesandte Knecht zurückkäme; und sicher ist dies nicht das einzige Mal gewesen, dass er darüber nachsann. Denken wir aber an unseren Herrn, der die Seinen jetzt schon mit Namen kennt, dann sind es keine Fragen, die Ihn beschäftigen. Sein Sinnen ist darauf gerichtet, uns vom Himmel aus zu segnen, unser Bestes zu wirken, damit wir das Ziel sicher erreichen. Hierin kommen weitere Herrlichkeiten des Herrn Jesus in Bezug auf die Seinen zum Ausdruck.

Rebekka auf der Reise

Es ist bemerkenswert, dass über die ganze Reise Rebekkas kein Wort berichtet wird; der Blick wird allein auf Isaak gerichtet und es wird gezeigt, was Er in der Zwischenzeit tut. Auch über die Länge des Weges wird nichts gesagt. Warum ist das so? Die Erklärung ist einfach: Wenn die Erwartung fortwährend auf den wartenden Bräutigam gerichtet ist, treten Länge und Umstände der Reise völlig in den Hintergrund. Entspricht dies nicht auch unserer Erfahrung? Kommt uns nicht der Weg gerade dann besonders lang und beschwerlich vor, wenn wir auf die Umstände und nicht auf das Ziel blicken? Hier wird von der Reise der Braut Isaaks nur gesagt, dass der Knecht Abrahams sie nahm und mir ihr fortzog. Und wenn wir bei Ihm sein werden, wird auch für uns der Rückblick auf den zurückgelegten Weg auf der Erde nichts anderes sein als eine Erinnerung an Seine Gnade, die uns getragen hat.

Die Begegnung

Wenn wir uns bislang auch mehr mit dem wartenden Isaak beschäftigt haben, so lohnt sich doch, auch in diesem Zusammenhang einen Blick auf Rebekka zu werfen. Als sie den Mann bemerkt, der da allein auf dem Feld umhergeht, lässt sie sich schnell vom Kamel herab, um den Knecht Abrahams zu fragen: „Wer ist der Mann, der uns da auf dem Feld entgegenkommt?“ „Das ist mein Herr“, ist die Antwort. Nun hat ihr Herz die volle Gewissheit. Deshalb nimmt sie ihren Schleier und verhüllt sich (V. 65). Damit drückt sie aus, dass sie jetzt nur noch für ihren Bräutigam da ist; niemand außer ihm soll ihre Schönheit sehen.

Wenn wir gerade daran gedacht haben, dass der Herr Seiner Liebe zu uns dadurch zum Ausdruck bringt, dass Sein ganzes Sinnen auf uns gerichtet ist und Er uns sehnlich erwartet, so kann nur die Reaktion Rebekkas die einzige Ihm gebührende Antwort unserer Herzen sein!

Im Schatten des Apfelbaums

Noch ist der wahre Isaak nicht gekommen, um Seine Braut zu sich zu holen. Aber wie glücklich können wir uns schätzen, dass wir schon jetzt die Gemeinschaft mit Ihm im Anschauen Seiner vielfältigen Herrlichkeiten genießen können! Eben hierzu stellt der Herr Jesus sich Selbst in Seinen verschiedenen Herrlichkeiten vor unsere Blicke, um uns gefangen zu nehmen von der Größe Seiner Person, um uns noch näher zu Ihm hin zu ziehen. Wie gesegnet ist es, nahe bei dem Herrn zu sein und sich an Ihm zu erfreuen – gleichsam im Schatten eines Apfelbaums zu sitzen und dessen Früchte zu genießen (Hld 2,3). Diese praktische Illustration der Gemeinschaft mit Ihm im Anschauen Seiner herrlichen Person wollen wir abschließend noch betrachten.

Ebenso wie Rebekka ist auch die Braut im Hohenlied von ihrem Bräutigam so eingenommen, dass sie sich hinter einem Schleier verhüllt, um nur noch für ihn da zu sein (Hld 4,1.3). Sie ist ausschließlich mit den Schönheiten und Vorzügen Seiner Person beschäftigt, die sie zusammenfassend mit den nutzbringenden Eigenschaften eines Apfelbaums vergleicht (Hld 2,3). Doch bevor sie ihren Geliebten auf diese Weise darstellt, wird sie von Ihm selbst beschrieben – er aber gebraucht dazu das Bild einer Lilie (Hld 2,2). Es ist bemerkenswert, wie hier der Geist Gottes die unterschiedlichen Merkmale von Braut und Bräutigam anhand von zwei völlig verschiedenen Pflanzen – dem Apfelbaum und der Lilie – gegenüberstellt.

Die Lilie gehört zu den schönsten aller Blumen. Ihre prachtvolle Blüte wird jedoch von einem sehr dünnen Stängel getragen, der ihr kaum Halt und Stabilität verleihen kann. Der Apfelbaum dagegen hat einen starken, fest verwurzelten Stamm, der die vielen Früchte mühelos zu tragen vermag. Stabilität und Fruchtbarkeit sind hier die wesentlichen Eigenschaften des Apfelbaumes, während die Lilie von einer besonderen Schönheit spricht, die der Bräutigam mit der Schönheit seiner Braut vergleicht. Er selbst erscheint ihr dagegen wie ein starker Apfelbaum, an dessen Früchten sie sich erfreut und in dessen Schatten sie Zuflucht und Schutz vor der Hitze der Sonne findet.

Diese Gegenüberstellung charakterisiert in übertragener Weise auch uns Gläubige, die himmlische Braut Christi, im Hinblick auf unseren Herrn, den wahren Bräutigam: Die Schönheit der Lilie lässt uns daran denken, dass auch wir schön für Gott sind – wir sind angenehm gemacht in Ihm, dem Geliebten (Eph 1,6). Seine Herrlichkeiten spiegeln sich in uns wieder!

Auch finden wir in der Nähe unseres Herrn Schutz, Bewahrung und Geborgenheit (vgl. Ps 57,2). Aber nicht nur das erinnert uns an das Bild des Apfelbaums. Der Herr Jesus reicht uns auch immer neu Nahrung dar, indem Er uns die verschiedensten Herrlichkeiten Seiner Person vorstellt. So ist Er selbst die Speise für unsere Herzen.

Doch betrachten wir diese einprägsame Illustration ein wenig weiter, um noch auf den Gedanken der Gemeinschaft zu kommen. Wir haben gesehen, wie die Braut die Gemeinschaft mit ihrem Bräutigam dadurch beschreibt, dass sie sich im Schatten des Apfelbaums sitzen sieht und dort dessen Früchte genießt. Dieses Bild verdeutlicht zwei wichtige Voraussetzungen, die auch auf unsere praktische Gemeinschaft mit dem Herrn anwendbar sind.

Zuerst fällt auf, dass die Braut in ihrer Schilderung die Nähe des Apfelbaumes aufsucht. Das wird darin deutlich, dass sie einen Platz im Schatten des Baums, also in dessen unmittelbarer Umgebung, einnimmt (V. 3). Sie weiß, dass sie nur dort Schutz und Bewahrung finden kann. So suchen auch wir die bewahrende Nähe des Herrn auf, um mit Ihm in Gemeinschaft zu sein.

Was tut nun die Braut im Schatten des Apfelbaums? Wir lesen nicht, dass sie mit dem Pflücken der Früchte beginnt! Wir hätten doch erwartet, dass sie dies sofort mit vollem Eifer getan hätte. Aber nichts dergleichen unternimmt sie. Sie tut dagegen etwas viel Wichtigeres: Sie setzt sich im Schatten des Baumes nieder und kommt dabei zur Ruhe. Dieses Bild drückt aus, dass sie im Bewusstsein ihrer Abhängigkeit von ihrem Geliebten diesen Ruheplatz in seiner Nähe einnimmt. Das lässt uns sofort an Maria denken, die zu den Füßen des Herrn saß, während ihre Schwester Martha noch mit vielen Dingen beschäftigt und dadurch nicht in der Gegenwart des Herrn zur Ruhe gekommen war. Wir finden also hierin eine weitere Voraussetzung für den Genuss der Gemeinschaft mit unserem Herrn im Betrachten Seiner Herrlichkeit.

Nachdem nun die Braut diesen Platz eingenommen hat, erfährt sie unmittelbar auch den Segen, der damit verbunden ist: „Ich habe mich mit Wonne in seinen Schatten gesetzt, und seine Frucht ist meinem Gaumen süß“ (V. 3). Sie genießt nun die Frucht der Gemeinschaft mit ihrem Geliebten.

Dies ist wiederum ein schönes Vorbild von der Gemeinschaft, die wir mit unserem Herrn genießen dürfen, sobald wir vor Ihm zur Ruhe gekommen sind. Der Herr Jesus reicht uns dann auch Nahrung dar, indem Er uns mit Seiner eigenen Person und mit der Fülle Seiner Herrlichkeiten beschäftigt. Aber es ist nicht nur Nahrung, die von Ihm kommt, sondern Er selbst ist unsere Speise. Dieses herrliche Teil darf unser persönliches Glaubensleben prägen und uns, ebenso wie die Braut im Hohenlied, mit tiefer Freude und Anbetung erfüllen.

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