Einführung in den Prophet Nahum

Der Prophet Nahum ist einer der sogenannten „kleinen Propheten“1. Sein Thema ist ein „Ausspruch“ (Orakel, Gerichtsspruch) über Ninive, die Hauptstadt des assyrischen Reiches (Kap 1,1). Nahum deckt nicht – wie andere Propheten – ein weites Themen- oder Zeitspektrum ab, sondern er konzentriert sich auf dieses eine Thema. Sein Ausspruch ist ein Gerichtsspruch. Ninive war zur Zeit des Propheten Nahum eine große und gewaltige Stadt, in der die Könige des mächtigen Reiches von Assyrien regierten und viele Völker – darunter das Südreich Israels (Juda und Benjamin) bedrohten. Dieser Stadt – und damit dem kompletten Reich der Assyrer – wird das Gericht angekündigt. Dabei fällt auf, dass Nahum nicht direkt an die Assyrer schreibt, sondern seine Botschaft vielmehr an die Juden richtet, die durch die Assyrer bedroht wurden2. Die Ankündigung des Gerichts war für das Volk Gottes eine Erleichterung und ein Trost.

Der Verfasser

Es ist offenkundig, das Nahum der Autor des nach ihm benannten Buches ist. Geschrieben hat er es unter der Leitung des Heiligen Geistes (2. Pet 2,21). Viel wissen wir über ihn nicht. Er ist, wie mancher Schreiber im Alten Testament, im Hintergrund. Es nicht um seine Person und seine Geschichte, sondern um seine Botschaft. Deshalb fehlen jegliche Hintergrundinformationen. Wir kennen nicht einmal seinen Vater oder seine Herkunft3.

Sein Name ist allerdings Programm. Nahum ist die Kurzfassung von Nehemia und bedeutet „Tröster“ (oder Tröstung, Trost). Das war er durchaus nicht für Ninive und die Assyrer, sondern für die Juden, unter denen er lebte und wirkte. Sein Name kommt nur in Kapitel 1,1 vor. „Das Buch des Gesichtes Nahums, des Elkoschiters“. Der Zusatz weist nicht auf seine Abstammung oder seine Familie hin, sondern ist eine Ortsbezeichnung. Sie kann sich entweder auf den Geburtsort oder den Wohnort beziehen. Vermutlich ist der Wohnort gemeint. Wir wissen es jedoch nicht genau. Der genannte Ort kommt sonst in der Bibel nicht vor. Deshalb können wir nicht mit Bestimmtheit sagen, wo er liegt. Ausleger des Propheten Hosea machen dazu drei Vorschläge:

  1. Es könnte sich um einen Ort im heutigen Irak in der Nähe der Stadt Mosul handeln. Die Stadt liegt im Norden des antiken Ninives. Einer Tradition zufolge ist Nahum dort als Sohn deportierter Israeliten geboren und gestorben. Das ist jedoch unwahrscheinlich, weil man die Existenz dieser Stadt nicht sehr weit zurückverfolgen kann. Was außerdem dagegen spricht, ist die Tatsache, dass die 10 Stämme in ein völlig anderes Gebiet des assyrischen Reiches gebracht wurden. Es gibt keinen Grund, anzunehmen, Nahum habe im Exil geweissagt4.
  2. Eine weitere Tradition besagt, dass es sich um eine Stadt im Stammesgebiet von Simeon handeln soll, etwa 30 km von Jerusalem entfernt. Nahum käme dann aus Judäa. Das ist sehr gut möglich, weil er seine Botschaft zweifelsfrei an die Juden richtete. Allerdings gibt es für diese Tradition ebenfalls wenige Belege.
  3. Eine Reihe von Auslegern vermutet, dass Nahum ein Galiläer war. Elkosch (Elkos oder El-Kasch) soll ein kleiner Ort in Galiläa gewesen sein. Der Name Kapernaum (Kephar-Nahum) geht in diese Richtung, denn er bedeutet „Stadt von Nahum“. Denkbar ist, dass Nahum in Elkosch geboren wurde und in Kapernaum aufwuchs. Beide Orte lagen nahe beieinander5.

Letztlich ist die Frage nicht von großer Bedeutung. Wichtiger ist, dass Nahum ein nützliches Werkzeug in der Hand Gottes war und in seinem Auftrag die Botschaft Gottes ausrichtete und niederschrieb.

1. Authentizität und Stellung im Kanon der Bibelbücher

In den meisten Bibelausgaben steht der Prophet Nahum an siebter Stelle der kleinen Propheten. In allen traditionellen Ausgaben kommt sein Buch nach Micha und vor Habakuk. Eine Ausnahme bildet die Septuaginta, die griechische Übersetzung des Alten Testamentes. Dort steht Nahum direkt hinter Jona, weil es in beiden Propheten um Ninive geht. Es hat nie ernsthafte Zweifel gegeben, dass das Buch Nahum zum Kanon der Heiligen Schriften des Alten Testamentes gehört.

An der Authentizität gibt es im Allgemeinen ebenfalls wenig Zweifel, obwohl einige bibelkritische Ausleger versuchen zu erklären, dass einige Teile des Buches später von anderen Schreibern hinzugefügt worden seien. Ihre Argumente sind jedoch sehr schwach. Die Mehrzahl der jüdischen und christlichen Gelehrten ist sich darin einig, dass Nahum das komplette Buch geschrieben hat.

Andere kritische Ausleger – die nicht an die göttliche Inspiration der Bibel glauben – haben die Verfasserzeit auf eine spätere Zeit verlegen wollen. Wer nicht glaubt, dass Gott Geschichte im Voraus schreiben kann, dem bleibt kaum etwas anderes übrig. Sie glauben, das Buch sei anlässlich eines Inthronisierungsfestes geschrieben worden, das nach dem Fall Ninives im Jahr 612 v. Chr. jährlich in Jerusalem gefeiert wurde.

2. Zeitgeschichtliche Einordnung und Datierung

Das führt zu der interessanten Frage, wann Nahum seine Weissagung von Gott empfangen hat. Ein genaues Jahr kann nicht angegeben werden. Die Bibel sagt uns nicht, unter welchen Königen Nahum geweissagt hat. Allerdings liefert das Buch selbst einige Hinweise, die den relevanten Zeitpunkt ziemlich gut bestimmen lassen.

Einige Ausleger vermuten, dass Nahum in der Zeit der Regierung des Königs Hiskia von Juda (725 – 698 v.Chr.) gelebt hat, in der die Bedrohung durch die Assyrer sehr real war. Für diese Annahme spricht vor allem der Platz des Buches im Kanon der Propheten. Wenn diese Annahme stimmt, wäre Nahum ein Zeitgenosse Jesajas und Michas gewesen.

Wenn wir jedoch einige Einzelheiten besehen, scheint Nahum doch etwas später gelebt zu haben. Zunächst entnehmen wir der Aussage in Kapitel 2,3, dass Nahum jedenfalls nach der Wegführung der 10 Stämme geweissagt hat. Nahum hat nicht im 10-Stämme-Reich (Israel), sondern im 2-Stämme-Reich (Juda und Benjamin) gewirkt.

Im Jahr 612 v.Chr. wurde Ninive zerstört. Als Nahum schrieb, war das noch Zukunft. Das ist die eine Begrenzung für die zeitgeschichtliche Einordnung. Ein zweiter Eckpunkt ist die Zerstörung von No-Amom (Theben in Oberägypten) im Jahr 663 v.Chr. durch Assurbanipal (Kap 3,8). Das grenzt die Zeit weiter ein, um die es geht. Es muss zwischen 663 und 612 v.Chr. gewesen sein. Allerdings ist das noch nicht alles. Es gibt gute Gründe, anzunehmen, dass die Weissagung Nahums in den Jahren zwischen 663 und 654 v. Chr. niedergeschrieben wurde. Für diese Annahme sprechen vor allem drei Gründe:

  1. Beim Lesen des gesamten Buches gewinnt man den Eindruck, dass Assyrien noch als Weltmacht etabliert war und dass keine Verfallserscheinungen zu erkennen waren. Assyrien befand sich auf dem Höhepunkt der Macht. Die Beschreibung Nahums passt deutlich besser in die Regierungszeit Assurbanipals als in die seiner Söhne.
  2. In Nahum 1,13 lesen wir von einem Joch. Das passt besser in die Zeit Manasses (697- 642 v. Chr.) als in die Zeit Josias (640–609 v.Chr.).
  3. Die zerstörte Stadt Theben wurde 654 v. Chr. wiederhergestellt. Die rhetorische Frage in Kapitel 3,8 macht eigentlich nur dann Sinn, wenn man davon ausgeht, dass der Wiederaufbau zum Zeitpunkt der Weissagung noch nicht erfolgte.

Wenn man von der genannten Zeit ausgeht, so war Nahum kein Zeitgenosse Jesajas und Michas, sondern Jeremias, Habakuks und Zephanjas. Letztlich ist der genaue Zeitpunkt nicht von entscheidender Bedeutung. Wichtig ist, dass wir sehen, dass es nach der Deportation der 10 Stämme und vor dem Untergang Ninives war.

3. Die Verbindung zu anderen Propheten

Es gibt einen weiteren „kleinen Propheten“, der sich speziell mit Ninive beschäftigt. Das ist der Prophet Jona. Zum richtigen Verständnis des Propheten Nahum gehört deshalb die Kenntnis des Buches Jona. Dessen Geschichte ist den meisten Bibellesern gut bekannt. Jona lebte etwa 150 Jahre vor Nahum6. Er bekam den Auftrag, gegen Ninive zu predigen, weil ihre Einwohner böse waren (Jona 1,2). Nach erheblichen Irrwegen Jonas wurde der Auftrag wiederholt und konkretisiert. Im Auftrag Gottes ging Jona schließlich nach Ninive und kündigte das Gericht an: „Noch vierzig Tage, dann wird Ninive umgekehrt“ (Jona 3,4)! Was man kaum für möglich gehalten hätte und was Jona dann sehr verdross: die Bewohner von Ninive taten tatsächlich Buße und das Gericht blieb aus (vgl. Jona 3,5–10).

Im Buch Jona triumphieren Gnade und Barmherzigkeit. Damit endet das Buch (Jona 4,11). Doch die Buße währte nicht lange. Nur wenige Jahre, und die Stadt und ihre Bewohnter kehrten zu ihrer alten Gottlosigkeit zurück. Die Folge war unausweichlich. Wer mit der Gnade Gottes spielt und sie missbraucht, muss die Konsequenzen tragen. Das war damals so, und das ist heute so. Das Buch Nahum ist deshalb ein Buch des Gerichts.

Nahum zeigt die unausweichlichen Folgen dieser Rückkehr zur Gottlosigkeit. Gott kündigt das Gericht an – ohne ein Angebot der Gnade zu machen. Ein Vergleich dieser beiden Propheten zeigt die Unterschiede:

Jona Nahum
Gottes Gnade Gottes Gericht
Umkehr und Buße Rückfall und Rebellion
Ein ungehorsamer Prophet Ein gehorsamer Prophet
Die Geschichte im Vordergrund Die Botschaft im Vordergrund
Errettung aus dem Wasser Vernichtung durch Wasser

Es gibt andere Propheten, die ebenfalls über Ninive bzw. Assyrien geweissagt haben. Dazu zählen Jesaja und Micha, die beide den Angriff der Assyrer und das mächtige Eingreifen Gottes zugunsten seines Volkes unter König Hiskia erlebt hatten (Jes 36 und 37). Jeremia, Hosea, Zephanja und Sacharja erwähnen Assyrien ebenso.

4. Die Botschaft Nahums

Im Propheten Nahum geht es wesentlich um Ninive, die Hauptstadt des assyrischen Reiches7. Es ist Gerichtsbotschaft, die keinen Ausweg aufzeigt. Assyrien war, nach Ägypten, eine der großen Weltmächte8 vor der „Zeit der Nationen“ (Lk 21,24), die mit Babylon begann und mit deren Geschichte sich besonders der Prophet Daniel beschäftigt. Ninive, als Hauptstadt, steht hier sozusagen als Synonym für das gesamte Reich. Zum richtigen Verständnis des Buches ist es nützlich, dazu einige Anmerkungen zu machen.

Ø Die Geschichte Ninives ist sehr alt. Ihr Gründer war Nimrod, ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn (1. Mo 10,8–12)9. Er gründete ebenfalls die Stadt Babel. Zwischen diesen beiden Städten gab es von Anfang an Rivalität. Zur Zeit Nahums war Ninive eine Weltstadt von großer Bedeutung – politisch, wirtschaftlich und kulturell. Die Stadt lag strategisch günstig am Fluss Tigris und muss gewaltige Ausmaße gehabt haben. Ihre Stadtmauer soll eine Höhe von 30 Metern gehabt haben und wurde von rund 1.500 Türmen geschützt. Die Wassergräben waren bis zu 45 Meter breit und 18 Meter tief. Die Stadt galt als uneinnehmbar. Reichtum und Wirtschaft florierten (vgl. Kap 2,10; 3,16). Doch, wie häufig in solchen Städten, gab es in Ninive gleichzeitig große Sittenlosigkeit, Unmoral, Götzendienst und Okkultismus (vgl. Kap 3,4).

  • Ninive und Babel symbolisieren in der Bildersprache des Alten Testaments das, was uns das Neue Testament als das „System Welt“ vorstellt (z. B. 1. Joh 2,15.17). Dabei zeigt uns Babel in erster Linie die Welt als ein Bild säkularer Macht in einem religiösen Gewand (vgl. die „Hure“ in Offenbarung 17 und 18), während wir in Ninive vor allem die Welt in ihrem Hochmut und ihrer Brutalität sehen, die nur ihre eigenen egoistischen Interessen kennt.
  • Der Prophet Nahum zeigt uns viele Charakterzüge Ninives. Zwei jedoch sind besonders auffallend: 10
    a) Regenten und Bewohner von Ninive waren extrem stolz und hochmütig
    b) Die Könige von Ninive waren auffallend brutal im Umgang mit ihren Feinden. In der Endphase des assyrischen Reiches verging kaum ein Jahr ohne einen grausamen Krieg mit schrecklichen Verwüstungen, mit Gemetzel und Folterungen, die abscheulich waren11.
  • In der Geschichte Israels (der 10 Stämme) und Judas (der 2 Stämme) spielten die Assyrer eine wichtige Rolle. 734 v.Chr. marschierte Tiglat-Pileser III. bis nach Gaza, um dort König Ahas von Israel gegen Damaskus zu helfen (2. Kön 16,7–9). 732 v.Chr. zerstörte der assyrische König Damaskus und machte die nördlichen Gebiete Israels zu einer assyrischen Provinz (2. Kön 15,29). Samaria wurde ein Vasall Assyriens, und Juda wurde tributpflichtig (2. Kön 16,8–18). Nachdem der israelitische König Hosea sich auflehnte, griff König Salmanassar V. (in der Bibel Salmaneser genannt) Samaria an, belagerte es drei Jahre lang und nahm es ein. Das war das Ende des 10-Stämme-Reiches. Sie wurden 722 v. Chr. gefangen nach Assur geführt (vgl. 2. Kön 17,1–23). Im gleichen Jahr gelangte Sargon II (722 – 705 v.Chr.) durch einen Staatsstreich an die Macht. Er gehörte zu den Herrschern, die die meisten assyrischen Kriege geführt haben. Er wird in Jesaja 20,1 erwähnt. Sein Sohn war Sanherib (705 – 681 v.Chr.), den wir in der Geschichte Judas (des 2-Stämme-Reiches) häufiger erwähnt finden. Er verlegte den Sitz der Hauptstadt nach Ninive12. 2. Könige 18,13 berichtet, wie er gegen alle festen Städte Judas zog und sie einnahm. 2. Könige 19 berichtet ausführlich über den Angriff auf Jerusalem (701 v.Chr.), der nur durch das mächtige Eingreifen Gottes verhindert wurde. In einer einzigen Nacht starben 185.000 Soldaten der Assyrer. 20 Jahre später wurde dieser König Opfer eines Attentates und starb. Insgesamt gesehen, war er deutlich weniger erfolgreich gewesen als sein Vater. Ihm folgte einer der mächtigsten Herrscher des assyrischen Reiches, Asarhaddon (681–669 v.Chr.).13 Danach kam Assurbanipal (669 – 631 v.Chr.) an die Macht13. Unter seiner Regierung kam das assyrische Reich zu seiner größten Ausdehnung. Nach seinem Tod begann relativ rasch der Verfall des Reiches. Das Ende war die Eroberung im Jahr 612 v.Chr. durch die Meder und Babylonier.
  • Nahum weissagte in der Endphase des assyrischen Reiches, und zwar sehr wahrscheinlich in der Regierungszeit von Assurbanipal. Assyrien war – trotz des Rückzugs von Jerusalem im Jahr 701 v.Chr. – eine reale Gefahr für alle umliegenden Nationen, die Juden eingeschlossen. Deshalb verstehen wir deren Freude über den Fall Ninives, so wie ihn Nahum beschreibt (vgl. Kap 3,19b).

5. Die Erfüllung der Weissagung Nahums

Es überrascht uns nicht, dass sich die Weissagung Nahums einige Jahrzehnte später – nämlich 612 v. Chr. – wortwörtlich erfüllte. Kyaxerxes von Medien und Nabopolassar von Babylon belagerten und besiegten Ninive. Und erfüllten damit in allen Einzelheiten das, was Nahum exakt vorausgesagt hatte.

Zunächst konnte der Angriff abgewehrt werden. Der Tigris und seine Nebenflüsse versorgten die Stadt mit Wasser und bildeten zugleich ein natürliches Hindernis für die Angreifer. Doch so, wie es den Assyrern vorher gelungen war, die „Wasserstadt“ No-Amon in Ägypten zu überwinden (Kap 3,8), so geschah es auch hier. Das Wasser wurde ihnen am Ende sogar zum Verhängnis. Das Jahr 612 v.Chr. brachte ein enormes Hochwasser (Kap 1,8). Die Wassermassen unterspülten die Festungen und drangen in die Stadt hinein, bis zum Palast des Königs. So gelang es den Belagerern schließlich, in die Stadt einzudringen und dort ein furchtbares Massaker anzurichten (Kap 3,3). Ninive wurde in Brand gesteckt (Kap 3,13.15) und völlig zerstört.

Wie vorausgesagt, geriet die Stadt in Vergessenheit und niemand dachte mehr an sie (Kap 1,14, 2.14; 3,7; 3,7). Der Fall Ninives sollte endgültig sein (Kap 1,9). Das ist bemerkenswert, denn Ninive – am Ufer des Tigris gebaut – liegt strategisch an einem äußerst günstigen Ort. Andere Städte dieser Welt wurden mehrfach zerstört und doch immer wieder aufgebaut (denken wir nur an Jerusalem). Nicht so Ninive.14 Erst ab 1842 wurden bei Ausgrabungen Überreste gewaltiger Gebäude, Skulpturen und viele Tontafeln gefunden15.

Nahum ist nicht der einzige Prophet, der von dem Gericht über Ninive spricht. Zephanja16 2,13–15 sagt dieses Gericht ebenfalls voraus. „Und er wird seine Hand nach Norden ausstrecken und wird Assyrien vernichten und Ninive zur Wüste machen, dürr wie die Steppe. Und in seiner Mitte werden sich Herden lagern, allerlei Tiere in Menge; sowohl Pelikane als auch Eulen werden auf seinen Säulenknäufen übernachten. Eine Stimme singt im Fenster, Trümmer sind auf der Schwelle, denn er hat das Zederngetäfel bloßgelegt. Das ist die frohlockende Stadt, die in Sicherheit wohnte, die in ihrem Herzen sprach: Ich bin es und gar keine sonst! Wie ist sie zur Wüste geworden, zum Lagerplatz der wilden Tiere! Jeder, der an ihr vorüberzieht, wird zischen, wird seine Hand schwenken“. Hesekiel gibt in Kapitel 31 einen historischen Rückblick auf dieses für Juda wichtige Ereignis.

6. Ein prophetisches Buch

Das Buch Nahum ist ein prophetisches Buch. Es redet einerseits zum Herzen der Juden in Jerusalem und Umgebung. Andererseits beschreibt es Ereignisse, die erst in der Zukunft stattfinden. Hauptsächlich geht es dabei um die Zerstörung Ninives, die aus der Perspektive Nahums noch zukünftig war, sich jedoch wenig später – nämlich im Jahr 612 – erfüllen sollte. Doch das ist nur die eine Seite. Wir finden wiederholt, dass es in den prophetischen Aussagen des Alten Testamentes eine Vorerfüllung gibt, dass sie dabei jedoch zugleich von einer noch zukünftigen Zeit sprechen. Im Buch Nahum steht allerdings die erste Erfüllung (in der Zerstörung Ninives) eindeutig im Vordergrund. Diese – aus unserer Sicht – bereits erfüllte Prophetie ist ein trefflicher Beweis der göttliche Inspiration des Wortes Gottes, während die Weissagungen, die sich noch erfüllen werden, einer Lampe gleichen, die jetzt in der Gegenwart, an einem dunklen Ort, leuchtet (2. Pet 1,19).

Das Buch enthält keine direkten Hinweise auf den kommenden König (den Messias) Israels und sein Reich. Dennoch gibt es gewisse Anspielungen und Hinweise. Das, was nämlich den Juden unter Manasse – und später unter seinem Enkel Josia – zum großen Trost war, wird in der Zeit des Endes wieder ein Trost für die bedrängten und bedrohten Juden (besonders den gläubigen Überrest) sein. Hosea spricht von der Gerechtigkeit Gottes und von seinem Gericht über die Feinde. Darin liegt eine Ermunterung für Gläubige zu allen Zeiten – uns heute eingeschlossen.

Ninive (Assur) war damals eine gewaltige Macht, von der eine große Bedrohung für das Volk Gottes ausging. In der Zeit des Endes wird es wieder Weltmächte geben, die das Volk Gottes bedrohen. So wie Gott dafür sorgte, dass Ninive damals zu einem Ende kam, wird es in der Zukunft ebenfalls sein. Ninives Sturz schattet den Sturz der letzten großen Weltmächte in der Zeit des Endes vor. Der Fall Ninives zeigt das sichere und vollständige Gericht, das Gott einmal über eine gottlose Welt bringen wird, wenn sein Reich kommt (Off 11,15). „Und ich werde den Thron der Königreiche umstürzen und die Macht der Königreiche der Nationen vernichten; und ich werde die Streitwagen umstürzen und die, die darauf fahren; und die Pferde und ihre Reiter sollen hinfallen, jeder durchs Schwert des anderen“ (Hag 2,22).

Nahum spricht – wie andere Propheten ebenfalls – von Gott. Jesaja sieht seine Heiligkeit. Jeremia sieht sein Gericht. Hesekiel sieht seine Herrlichkeit. Micha sieht seine Herrschaft. Nahum sieht seinen Zorn. In Kapitel 1,2.3 benutzt er gleich vier Worte, um diesen Zorn zu beschreiben. Er spricht vom Eifer, von der Rache, vom Grimm und vom Zorn. Nahum zeigt erstens, warum Gott zürnt, d.h., er gibt den Grund für das Gericht an. Er zeigt zweitens, wann Gott im Zorn handelt, d.h., er gibt die Zeit des Gerichtes an. Er zeigt drittens, wie Gott im Zorn handelt, d.h., er gibt die Art und Weise des Gerichts an.

  1. Warum? Die Antwort auf diese Frage ist eine zweifache. Zum einen ist es Hochmut und Rebellion gegen Gott. Zum anderen ist es das Vergehen an anderen Menschen und die Grausamkeit ihnen gegenüber. Die Gräueltaten der Assyrer richteten sich gegen Gott und gegen Menschen. Beides geht häufig Hand in Hand. Das ist bis heute nicht anders. Es ist treffend gesagt worden: „Ohne Divinität wird die Humanität zur Bestialität“.
  2. Wann? Ninive ist der beste Beweis dafür, wie geduldig und langmütig Gott ist. Doch seine Geduld und Langmut haben ein Ende. Gott hat lange gewartet, bis das Gericht kam. Dieses Prinzip durchläuft die ganze Bibel. Gott wartet langmütig darauf, dass Sünder Buße tun. Wenn nicht, ist das Gericht unausweichlich und der Zorn kommt (vgl. 1. Mo 15,16; 2. Pet 3,9).
  3. Wie? Gott ist in der Wahl seiner Mittel souverän. Hier benutzt er einerseits natürliche und andererseits übernatürliche Methoden. Es waren die Babylonier und die Meder, die Ninive belagerten, besiegten und zerstörten17. Gleichzeitig beeinflusste Gott das Wetter so, dass es viel Regen und Überschwemmungen gab, so dass die Stadt schließlich erobert werden konnte.

7. Besonderheiten

Es gibt beim Lesen des Buches Nahum einige Besonderheiten, die zu beachten sind:

  • Nahum schreibt mit System und Ordnung und doch wie ein Poet. Sein Schreibstil wird durch eine beeindruckende und kraftvolle Sprache gekennzeichnet. Er wählt eine Vielzahl von Bildern, Metaphern und Gleichnissen, die er eindrucksvoll zusammenstellt. Daneben gibt es Beschreibungen und Fragen. Der Text ist ohne Frage eine literarische Einheit, von einem Verfasser geschrieben.
  • Nahum fokussiert auf die Schuld und das Gericht Ninives. Die Sünden Israels und Judas werden mit keinem Wort erwähnt, obwohl sie groß war. Immerhin schreibt Nahum sehr wahrscheinlich zur Zeit Manasses, einer der gottlosesten Könige Judas. Doch Nahum fordert nicht – wie andere – zur Buße auf. Nahum hat einen anderen Auftrag, den er treu erfüllt. Es geht ihm um die gerechte Regierung Gottes im Blick auf die Mächte dieser Welt und das Gericht über sie.
  • In Nahums Weissagung spricht ausschließlich Gott. Es gibt keine Einschaltungen, keine Fragen, keine Zwiegespräche oder ähnliches, wie wir es in anderen Propheten finden. Das macht das sachliche Verständnis deutlich einfacher. Es gibt deshalb in der Auslegung wenig Schwierigkeiten und Spielraum für Interpretationen. Allerdings sind die Adressaten, an die Gott sich wendet, durchaus verschieden und müssen den Zusammenhang entnommen werden. Mal spricht Er zu den Juden oder ihrem König, mal zu Ninive und seinem König (vgl. z.B. Kap 1,11.12.14.)
  • Das Neue Testament zitiert Nahum nur indirekt und zwar einmal in Römer 10,15. Dort wird eine Weissagung aus Kapitel 2,1 mit Jesaja 52,7 verbunden.

8. Gliederung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Text für ein besseres Verständnis zu gliedern. Eine gute Möglichkeit ist folgende:

1. Kapitel 1: Gottes Gerechtigkeit im Zorn und die Ankündigung des Gerichts

  • Die Majestät und Gerechtigkeit Gottes im Gericht (Verse 1–6)
  • Trost und Zusicherung für Gottes Volk (Verse 7–13)
  • Das Ende Ninives (Vers 14)

2. Kapitel 2: Die Ausübung des Gerichts und die Zerstörung Ninives

  • Freude für Juda (Vers 1)
  • Ninive wird eingenommen (Verse 2–11)
  • Gottes Gericht ist vollständig (Verse 12–14)

3. Kapitel 3: Die Begründung des göttlichen und verdienten Gerichts

  • Die große Gottlosigkeit Ninives wird gerichtet (Verse 1–7)
  • Das Schicksal No Amons als Beispiel (Verse 8–11)
  • Das Gericht ist unausweichlich (Verse 12–19)

9. Nützlich für uns

Bei flüchtigem Lesen des Propheten Nahum könnte sich die Frage stellen, wo die Nutzanwendung für uns und unser Leben liegt. Und doch wissen wir, dass Gottes Wort immer eine Botschaft für jeden hat, der es liest. Bei näherem Nachdenken erkennen wir bereits aus den einleitenden Worten eine ganze Reihe praktischer Anwendungen.

Zunächst drei Punkte, die mit Ninive in Verbindung stehen:

  1. Das Buch Jona zeigt uns, dass keine Gesellschaft zu dekadent und böse ist, als dass Gott ihr nicht Gnade anbieten würde. Eine Erweckung ist immer möglich – bis heute. Kein Mensch ist zu sündig und verdorben, als dass Gott ihn nicht retten möchte. Gottes Gnade gilt jedem Menschen, egal, wie tief er gesunken ist.
  2. Das Buch Nahum macht klar, dass Gott nur Kinder und keine „Enkelkinder“ hat. Die Vorfahren der Assyrer, von denen im Buch Nahum die Rede ist, hatten zur Zeit Jonas in tiefer Trauer ihre Sünden bereut. Davon war in den nächsten Generationen nichts mehr zu sehen. Gläubige Eltern und Großeltern zu haben, ist ein großer Segen, der dankbar stimmt. Doch es ist keine Garantie für Folgegenerationen. Jeder muss sich selbst entscheiden. Leider gibt es Beispiele von Familien, an denen der Herr seine Gnade groß machen konnte, deren nachfolgende Generationen sich völlig von Ihm abgewandt haben. Das Beispiel Ninives ist eine ernste Warnung. Gleiches gilt für Landstriche und Gegenden, die einmal offen für das Evangelium waren. Es ist keine Garantie, dass das so bleibt. Das nachchristliche Europa ist dafür ein ebenso gutes Beispiel wie der komplette nahe Osten, in dem einmal die „Wiege des Christentums“ stand.
  3. Das Gericht steht vor der Tür. So wie Gott damals das Gericht über Ninive brachte, wird Er einmal das Gericht über diese Welt bringen. Das Gericht ist unausweichlich. Noch lädt Gott die Menschen ein, sich mit Ihm versöhnen zu lassen, und wir sind diejenigen, die diese Botschaft „an Christi statt“ den Menschen bringen (2. Kor 5,20). Einmal ist die Gnadenuhr Gottes abgelaufen. Dann kommt das Gericht, und es wird furchtbar sein, „in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen“ (Heb 10,31)! Das sollte uns dringend motivieren, die Letzten zu Jesus zu rufen.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe von weiteren Anwendungen, die konkreter mit dem Buch Nahum in Verbindung stehen:

  1. Gottes Wort ist immer wahr: Die Weissagung Nahums bestätigt die Tatsache der göttlichen Inspiration der Bibel. Nur Gott kann Geschichte im Voraus schreiben. Kein Mensch könnte solche Einzelheiten über das Ende einer Stadt voraussagen. Gott kann es. Nun benötigen wir solche „Beweise“ nicht, um zu glauben, dennoch stärkt erfüllte Prophetie den Glauben. Wir sind überzeugt, dass alle anderen Weissagungen der Bibel sich ebenso sicher erfüllen werden.
  2. Gott ist in seinem Handeln immer gerecht: Das war damals so, das ist heute so, und das wird in Zukunft so sein. Es war gerecht, dass Gottes Zorn über Ninive kam. Gott lässt sich nicht spotten. Was ein Mensch sät, wird er ernten (Gal 6,7). Den bedrängten Thessalonichern macht Paulus mit den Worten Mut: „ ... wenn es denn bei Gott gerecht ist, denen, die euch bedrängen, mit Drangsal zu vergelten, und euch, die ihr bedrängt werdet, Ruhe mit uns zu geben bei der Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel her, mit den Engeln seiner Macht“ (2. Thes 1,6.7). Aus unserer Sicht verstehen wir Gottes Regierung manchmal nicht. Doch Er weiß genau, wann und wie Er in das Zeitgeschehen eingreift.
  3. Unser Gottesbild wird geschärft: Ein Vergleich der Propheten Jona und Nahum hilft uns, Gott besser kennenzulernen. Einerseits ist Gott Liebe. Wir erkennen seine Geduld und seine Langmut. Andererseits ist Gott Licht. Er zürnt zu Recht, und deshalb wird Er einmal das Gericht bringen. Wir brauchen dringend ein richtiges Gottesbild – und kein verzerrtes oder einseitiges. Es ist unbedingt wahr, dass Gott Liebe ist. Es ist ebenso wahr, dass Er das Böse nicht übersieht – weder das, was Ihm direkt angetan wird, noch was Menschen angetan wird. Gott beurteilt alles und wägt es ab. Dann kommt das Gericht: „Denn Gottes Zorn wird vom Himmel her offenbart über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen“ (Röm 1,18). Das, was vielen Christen in vielen Ländern der Erde angetan wird, übersieht Gott nicht. Sie leiden unter Bedrohung, Folter, Vertreibung und Mord. Liebe und Licht Gottes scheinen auf den ersten Blick nicht zusammenzupassen. Langmut und Zorn ebenso wenig. Doch bei Gott ist alles im Gleichmaß vorhanden. Wenn wir fragen, wie das geht, müssen wir nach Golgatha sehen: „Güte und Wahrheit sind sich begegnet, Gerechtigkeit und Frieden haben sich geküsst“ (Ps 85,11).
  4. Gott ist ein Gott allen Trostes: Das schreibt Paulus den Korinthern (2. Kor 1,3). Er weiß, wann wir Korrektur und Belehrung nötig haben. Er weiß, wann wir Trost brauchen. Hier tröstet Er sein Volk durch die Botschaft Nahums. Die Tatsache, dass Gott gerecht ist und alle Fäden in der Hand hält, wird für uns ebenfalls ein Grund sein, ohne Sorge in die Zukunft zu sehen. „Der Herr ist gütig, er ist eine Festung am Tag der Drangsal; und er kennt die, die zu ihm Zuflucht nehmen“ (Kap 1,7).

Die Welt vergeht: Assyrien war eine Weltmacht, die sehr lange existiert hatte. Doch einmal war Schluss. Das Reich kam zu Ende. Das lässt uns daran denken, dass die Welt einmal vergeht – und zwar mit allem, was sie bietet und mit allem, was sie kennzeichnet. „Und die Welt vergeht und ihre Lust; wer aber den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit“ (1. Joh 2,17). Die Welt steht uns immer feindlich gegenüber (manchmal verdeckt, manchmal – wie im Fall von Assyrien – ganz offen). Sie wird einmal von Gott selbst gerichtet werden und für immer verwinden.

Fußnoten

  • 1 Wenn wir von „kleinen Propheten“ reden, ist damit ihr geringer Textumfang gemeint (im Unterschied zu Jesaja, Jeremia, Hesekiel und Daniel). Es geht nicht um die Bedeutung der Botschaft, sondern um den Umfang.
  • 2 Ähnlich ist es bei Obadja. Er schreibt über Edom, doch seine Botschaft ist ebenfalls eine Botschaft an die Juden.
  • 3 In Lukas 3,25 wird in dem Geschlechtsregister des Herrn Jesus ebenfalls ein Mann mit Namen Nahum erwähnt. Er ist jedoch nicht identisch mit dem Verfasser dieses Bibelbuches.
  • 4 Darin unterscheidet er sich deutlich von Daniel, der im babylonischen Exil geweissagt hat und der mehrfach eine Botschaft an die heidnischen Regenten auszurichten hatte.
  • 5 Wenn das so ist, dann ist es bemerkenswert, dass sowohl Jona als auch Nahum Galiläer waren. Wir erkennen die Ignoranz der Pharisäer, die der Meinung waren, aus Galiläa stehe kein Prophet auf (vgl. Joh 7,52). Einmal (im Fall Jonas) irrten sie ganz sicher, vielleicht sogar zweimal (im Fall Nahums).
  • 6 Jona lebte etwa von 825 v. Chr. bis 782 v. Chr.
  • 7 Man unterscheidet in der Geschichte – abgesehen von der assyrischen Frühgeschichte (ca. 5000 v.Chr. – 1950 v.Chr.) – drei Perioden, nämlich das alte assyrische Reich (1950 v.Chr. – 1350 v.Chr.), das mittlere assyrische Reich (1350 v.Chr. – 932 v.Chr.) und das neue assyrische Reich (932 v.Chr. – 612 v. Chr.). Hauptstädte waren neben Ninive zeitweise Assur, Khorsabad und Kalach (Nimrud). Assur war ursprünglich eine babylonische Kolonie und blieb immer das Kulturzentrum des Reiches. Ninive selbst war eine große Stadt, die östlich vom Tigris etwas 110 km nördlich von Assur lag.
  • 8 Von Tiglat-Pileser I (1115–1071) heißt es in einer Inschrift, dass er sich selbst als „König der Welt“ bezeichnet.
  • 9 Man erkennt hier schon die Anfänge der Gewalt und Härte, für die Assyrien bekannt war. Im Gegensatz zu einem Hirten, jagt und tötet der Jäger seine Beute.
  • 10 Weitere Kennzeichen sind Hurerei (3,4), Okkultismus (3,4), Feminisierung (3,13), Herrschaft des Geldes (3,16).
  • 11 In einer Chronik von Assurnasirpal II. ist zu lesen: „… ich hieb ihren Kriegern die Köpfe ab und türmte sie in der Stadt auf; ihre Jünglinge und ihre Jungfrauen verbrannte ich… Ich zog ihnen die Haut ab und spannte sie über die Stadtmauer“. Weiter berichtet er von Verstümmelungen Gefangener bei lebendigem Leib und vom Pfählen ihrer Leichen. Andere Könige berichten davon, wie sie den Gefangenen die Kehlen durchschnitten, wie man eine Schnur durchschneidet. Assurbanipal berichtet folgendes: „Ich durchbohrte sein Kinn mit einem scharfen Dolch. Durch seinen Kiefer … führte ich einen Strick. Ich legte ihm ein Hundehalsband um und steckte ihn … in eine Hundehütte“ (zitiert nach E.E. Johnson, Nahum, a.a.O.). Ninive war in der Tat eine mörderische Stadt, eine „Blutstadt, ganz erfüllt mit Lüge und Gewalttat“ (Kap 3,1).
  • 12 Das macht klar, dass Ninive zur Zeit Jonas zwar eine gewaltige und große Stadt war, jedoch zum damaligen Zeitpunkt noch nicht die Hauptstadt des Reiches.
  • 13 Er wird in Esra 4,10 „der große und erlauchte Osnappar“ genannt.
  • 14 Selbst ein Gewaltherrscher wie Saddam Hussein, der sich selbst gern in der Nachfolge der großen Herrscher von Assyrien und Babylonien sah und dessen Geburtsort nicht einmal sehr weit von Ninive entfernt war, hat diesen Plan – soweit bekannt – nicht gehabt.
  • 15 Der französische Arzt, Politiker und Archäologe Paul-Émile Botta war der Erste, der entsprechende Ausgrabungen vornahm, sie jedoch nach kurzer Zeit wieder aufgab. Ab 1845 waren es englische Forscher, die diese Arbeit wieder aufnahmen. Es wurde eine Reihe von neuassyrischen Tempeln und Palastbauten gefunden.
  • 16 Zephanja hat zwischen 640 und 612 v.Chr. geweissagt.
  • 17 Die Meder erstarkten ab etwa 645 v. Chr., die Babylonier ab 626 v. Chr. Letztere wurden dann später zum ersten Weltreich in den „Zeiten der Nationen“, von denen das Buch Daniel ausführlich spricht.

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