Einleitung zur Bibel

Überblick

Eine Einleitung zur Bibel zu schreiben, ist meines Erachtens eine höchst ernste und schwierige Sache. Ein Buch zur Hand zu nehmen, welches die Gesamtheit aller Gedanken Gottes und aller seiner Wege mit dem Menschen, sowie seines im Blick auf Christus und auf den Menschen in ihm gefassten Ratschlusses darstellt, ein Buch, welches zu gleicher Zeit die Offenbarung des Wesens Gottes und der Verantwortlichkeit des Menschen ist, sowie die Offenbarung dessen, was Gott selbst für den Menschen getan hat, und der neuen Beziehungen, in der Mensch durch Christus zu Gott tritt, - ein Buch, das die Natur Gottes in sittlicher Hinsicht entfaltet, sowie die verschiedenartigen Haushaltungen, in denen er sich vor den Himmeln und ihren Bewohnern verherrlicht, - ein Buch, welches die Geheimnisse und den Zustand des menschlichen Herzens enthüllt, und zugleich die unsichtbaren Dinge vor ihm aufdeckt, - ein Buch, das da beginnt, wo die Vergangenheit an die Ewigkeit grenzt, und das uns durch eine Erörterung und Auflösung aller sittlichen Fragen zu dem Ziel führt, wo die Zukunft wieder die Ewigkeit berührt, so wie diese Gottes Vorsätzen entspricht, - ein Buch, welches die sittlichen Fragen in dem friedlichen Licht des geoffenbarten Gottes ergründet, und uns die Grundlagen neuer Beziehungen zu ihm erkennen lässt, gemäß dem, was er in unendlicher Liebe ist... es zu unternehmen, sage ich, dem menschlichen Geist den Pfad zu eröffnen, (soweit dies dem Menschen gegeben ist, denn Gott allein kann es mit Erfolg tun,) um die Wege Gottes, wie er sie offenbart hat, zu verstehen, - das ist eine Sache, die wohl geeignet ist, den Geist vor der Schwierigkeit und dem Ernst der Aufgabe zurückbeben zu lassen, wenn man bedenkt, dass man sich in der Gegenwart der durch Gott selbst geoffenbarten Gedanken Gottes befindet. In der Tat, welch eine wichtige Sache ist diese göttliche Unterbrechung der Ewigkeit, während der die fieberhafte Tätigkeit des gefallenen Geschöpfes unter dem Antrieb dessen, der die Macht der Lüge und des Mordes ausübt, sich in Gedanken entfaltet, die alle vergehen; während dessen aber auch die Natur und die Gedanken Gottes, sein Wesen und sein bestimmter Ratschluss, die bis dahin von Ewigkeit her in ihm selbst verborgen waren, sich enthüllen und mittelst des Sohnes ihre Erfüllung finden, (während zugleich der Mensch geprüft und offenbar gemacht wird), um in ihrem Resultat in einer Ewigkeit zukünftiger Herrlichkeit in Erscheinung zu treten, wo Gott, umgeben von gesegneten Geschöpfen, die ihn kennen und verstehen, sich als Licht und als Liebe offenbaren wird in der Frucht seiner ewigen und unvergänglichen Gedanken; wo aber auch alles, was durch seine Gnade und Weisheit hier gewirkt worden ist, sich in seinen herrlichen und ewigen Früchten zeigen wird; wo Gott - Vater, Sohn und Heiliger Geist - (nur von sich selbst gekannt, ehe die Zeit war), gekannt sein wird von unzähligen glücklichen Wesen, gekannt in ihrer eignen Glückseligkeit, wenn die Zeit nicht mehr sein wird! Und diese Welt ist der wunderbare Schauplatz, auf dem alles zu diesem Zweck stattfindet; und das Herz des Menschen ist der Ort, wo in sittlicher Hinsicht alles sich vollzieht und verwirklicht, wenn Gott, in dem und durch den und für den alle diese Dinge sind, durch seinen Geist in ihm wohnt, um ihm Einsicht zu geben, und wenn Christus, der Mittelpunkt alles dessen, was geschieht, sein einziger Gegenstand ist. Die Bibel nun ist die Offenbarung, die Gott uns von diesem ganzen wunderbaren System und von allen darauf bezüglichen Tatsachen gegeben hat.

Begreift man da nicht, dass man vor der Aufgabe, solche Dinge auseinanderzusetzen, zurückschreckt? Doch wir haben es mit einem gütigen Gott zu tun, dessen Freude es ist, uns in allem zu helfen, was uns von Nutzen sein kann, um seine Gedanken, die er nach seinem Wohlgefallen uns geoffenbart hat, zu verstehen.

Einige Hauptgrundsätze kennzeichnen diese Offenbarung; über diese möchte ich ein Wort sagen, bevor ich auf Einzelheiten eingehe.

Der erste große Gedanke, der der Offenbarung Gottes sein Gepräge aufdrückt, ist derjenige von den beiden Adam. Es gibt zwei Menschen, den ersten und den zweiten, den verantwortlichen Menschen und den Menschen der Ratschlüsse Gottes. In dem Menschen der Ratschlüsse offenbart Gott sowohl sich selbst als auch Seine unumschränkten Ratschlüsse und die Gnade, die in Gerechtigkeit herrscht, und dies unter Bestätigung des Grundsatzes der Verantwortlichkeit. Diese beiden Grundsätze beherrschen den ganzen Inhalt der Bibel. Doch obwohl die Güte Gottes sich fortwährend in seinen Wegen bis zur Ankunft seines Sohnes zeigte, offenbarte sich die Gnade in dem vollen Sinn des Wortes doch nur in prophetischer Weise und dazu noch so verschleiert, dass es dem damaligen Zustand der Beziehungen des Menschen zu Gott keinen Eintrag tat; auch geschahen diese Offenbarungen oft in Ausdrücken und Formen, die erst verstanden werden können, wenn das Neue Testament uns den Schlüssel dazu liefert.

Dies führt mich zu zwei anderen Gedanken, die in der Schrift geoffenbart und entfaltet werden. Da ist zunächst die Regierung Gottes auf dem Schauplatz dieser Welt, eine zwar gewisse, aber über lange Zeit verborge Regierung. Nur in geringem Maß zeigte sie sich in Israel, und auch da noch den Augen der Menschen verhüllt, weil die Ungerechtigkeit die Oberhand hatte (Ps 37) und weil Gott tiefere Wege und größere Segnungen für die Seinen inmitten dieser Regierung hatte, - Wege, in welchen er für das geistliche Wohl der Seinen Leiden benutzte, die in Übereinstimmung mit dieser Regierung standen. Die in der Bibel enthaltene Geschichte zeigt dem geistlichen Menschen den Gang dieser Wege. Die Psalmen geben uns die Betrachtungen über dieselben, wie sie durch den Geist Christi in den Seinen hervorgebracht wurden, indem die Ausdrücke sich zuweilen bis zu der Erfahrung Christi selbst erheben und so unmittelbar prophetisch werden. - Doch ich greife ein wenig vor.

Der andere göttliche Grundsatz ist die unumschränkte Gnade, welche arme Sünder nimmt, ihre Sünden tilgt und sie in die Herrlichkeit des Sohnes selbst, (der dazu Mensch wurde), versetzt, „dem Bilde seines Sohnes gleichförmig,“ und zwar gemäß der Gerechtigkeit Gottes durch das Opfer Christi, durch das er Gott hinsichtlich der Sünde vollkommen verherrlicht hat. Spuren dieser unumschränkten Gnade finden sich in der Regierung Gottes wieder und treten ans Licht, wenn das Resultat dieser Regierung hervorgebracht ist; aber erst in der himmlischen Herrlichkeit wird jene Gnade völlig offenbart sein.

An die Regierung Gottes schließt sich das Gesetz eng an. Es setzt die Richtschnur des Guten und Bösen Gott gemäß fest, und gründet dieselbe auf seine Autorität. Der Herr gibt uns die Erklärung davon, indem er aus verschiedenen Teilen der fünf Bücher Mose die Grundsätze herleitet, welche, wenn sie im Herzen vorhanden und wirksam wären, zum Gehorsam und zur Erfüllung des Willens Gottes führen und eine menschliche Gerechtigkeit hervorbringen würden. Die zehn Gebote schaffen nicht erst die Verpflichtung zum Gehorsam; diese Verpflichtung gründet sich vielmehr auf die Beziehungen, in die Gott den Menschen gestellt hat.

Zwischen den Grundsätzen des Gesetzes, wie sie durch den Herrn Jesus aufgestellt wurden, und den zehn Geboten besteht dieser Unterschied: Die Grundsätze, die der Herr den Büchern Mose entnommen hat, umfassen völlig das absolut Gute, ohne dass die Sünde dabei in Frage kommt; während die zehn Gebote die Sünde voraussetzen und, mit Ausnahme eines einzigen, jede Untreue betreffs der Beziehungen, von denen sie reden, untersagen. Es ist sehr beachtenswert, dass das letzte dieser Gebote die Neigung des Herzens zu den vorher verurteilten Sünden verbietet; „der Stachel ist in dem Schwanz“. Überdies bildeten die verschiedenen Beziehungen die Grundlagen der Verpflichtung, indem die Gebote dem Menschen nicht erlaubten, dagegen zu verstoßen. Aber der Grundsatz des Gesetzes, ja, eines jeden Gesetzes, besteht darin, dass die Billigung dessen, dem gegenüber ich verantwortlich bin, und die Annahme seitens dessen, der das Recht hat, über meine Treue bezüglich meiner Verantwortlichkeit oder über meine Verfehlungen zu richten, - mit einem Wort, dass mein Glück abhängig ist von dem, was ich in dieser Hinsicht, was ich ihm gegenüber bin. Die Beziehungen sind durch den Willen und die Autorität des Schöpfers festgestellt, und wenn ich darin fehle, so sündige ich gegen den, der sie festgestellt hat; ich verachte seine Autorität und bin ungehorsam gegen ihn. Der Grundsatz des Gesetzes ist, dass die Annahme der Person von ihrem Verhalten abhängig ist; die Gnade tut, was sie will, in Güte - in Übereinstimmung mit der Natur und dem Charakter dessen, der Gnade übt.

Ein anderes wichtiges Element in den Wegen Gottes, das dem Gesetz gegenüber steht, sind die Verheißungen. Sie begannen schon bei dem Fall des Menschen, aber als Grundsatz in den Wegen Gottes erst bei Abraham, als die Welt nicht nur in die Sünde, sondern auch in den Götzendienst gefallen war, indem Satan und die Dämonen sich des Platzes Gottes in dem Geist des Menschen bemächtigt hatten. Die Erwählung Abrams nun, seine Berufung und die ihm gegebenen Verheißungen - alles das stand in Verbindung mit der Gnade. Auch ist Abram Gott in das Land gefolgt 1, das Gott ihm angewiesen hatte. Dies führt ein anderes Lebensprinzip ein, nämlich aus Glauben zu leben, das Wort Gottes als solches anzunehmen und auf die Güte und Treue Gottes zu rechnen. Die Verheißung hatte ihren Grund offenbar in der Gnade; sie war nicht die Gabe selbst, aber das Wort Gottes sicherte sie zu. Der Glaube rechnete auf diese Verheißung und führte, mehr oder weniger deutlich, den Gedanken an eine Segnung außerhalb der Welt ein; anders würde der Glaubende nichts von seinem Glauben gehabt haben. Das Bewußtsein der Gunst Gottes war ohne Zweifel schon etwas, aber es hing ab von dem Glauben an seine Treue bezüglich dessen, was er verheißen hatte.

Im Blick auf die Verheißungen muss jedoch auf einen wichtigen Punkt aufmerksam gemacht werden: es gibt Verheißungen ohne Bedingung und Verheißungen mit Bedingung. Die dem Abraham, Isaak und Jakob gegebenen Verheißungen waren ohne Bedingung, die auf Sinai gegebenen dagegen mit Bedingung; das Wort Gottes verwechselt diese beiden Arten niemals. Mose erinnert an die Verheißungen, die dem Abraham, Isaak und Israel gegeben wurden (2. Mo 32, 13), Salomo an das, was unter Mose geschah (1. Kön 8, 51-53). Nehemia 1 bezieht sich auf Mose, Nehemia 9 zuerst auf Abraham als die Quelle von allem, dann auf Mose, wenn es sich um die Wege Gottes handelt. Von diesem Unterschied spricht auch der Apostel in Galater 3, 16-20. Unter dem Gesetz, als ein Mittler da war, hing der Genuss der Wirkung der Verheißung ebensowohl von der Treue Israels wie von der Treue Gottes ab; daher war von Anfang an alles verloren. Die Erfüllung der unbedingten Verheißung Gottes dagegen hing nur von der Treue Gottes ab: in diesem Fall war alles sicher. Ferner erfahren wir aus der angeführten Stelle des Briefes an die Galater, dass Christus als dem zweiten Menschen die dem Abraham gegebenen Verheißungen bestätigt worden sind; und sie werden sicher erfüllt werden - sie werden alle „Ja und Amen“ sein, wenn sein Tag, auf den die Propheten stets ihren Blick gerichtet hielten, erscheinen wird. Aber hier kommt der bereits angedeutete Unterschied zwischen der Regierung dieser Welt und der unumschränkten Gnade wieder in Anwendung. Die Propheten reden nicht von der Gnade, die uns einen Platz im Himmel gibt; die Prophezeiung bezieht sich vielmehr auf das, was irdisch ist, und enthält, soweit sie den Herrn Jesum betrifft, die Offenbarung dessen, was der Herr bei seinem ersten Kommen hier sein würde; dann, in der weiteren Verfolgung dieses Gegenstandes, sagt sie uns, was er, wenn er wiederkommt, hier sein wird, ohne das zu erwähnen, was zwischen diesen beiden Ereignissen stattfinden sollte. Doch werden die Tatsachen, die sich auf die Person des Herrn beziehen, in den Psalmen angekündigt. Diese offenbaren uns mehr seine persönliche Geschichte: seine Auferstehung, seine Himmelfahrt, sein Sitzen zur Rechten Gottes (Ps 16, 9-11; 68, 18; 110, 1). Was den Heiligen Geist betrifft, so lehren sie uns, dass Christus diesen als Mensch empfangen würde, - dass die Gaben nicht nur Gaben Gottes sind, sondern dass Christus sie „im Menschen“ empfangen würde, d. h. als Mensch in Verbindung mit der Menschheit. Dagegen ist, mit Ausnahme der Wünsche Davids in Psalm 72  und Psalm 145, wo es sich um die Person des Herrn handelt, in den Psalmen nicht die Rede von dem Zustand der Dinge, wie er seiner Rückkehr folgen wird; während in den Propheten dieser zukünftige Zustand ausführlich dargestellt wird in der Erfüllung der den Juden gegebenen Verheißungen und in den Folgen, die daraus für die Nationen hervorgehen werden. - Auch ist noch Folgendes zu beachten: Während die Propheten für die gegenwärtige Zeit und für schwierige Umstände dem Glauben von seiten Gottes Ermunterung geben, gebraucht der Geist Gottes dieselben, um sich in die Zukunft zu versetzen, in die Gott zu Gunsten seines Volkes einschreiten wird 2 .

Schließlich, als die Sünde schon vorhanden und das Gesetz bereits übertreten war, als selbst die von Gott gesandten Propheten vergeblich Israel zu seiner Pflicht zurückgerufen und umsonst die Früchte des Weinstocks für Gott gefordert hatten, kam der verheißene Messias mit augenscheinlichen Beweisen seiner Sendung, mit Beweisen, die der menschliche Verstand erkennen konnte, und die er in der Tat auch erkannt hat (Joh 2, 2. 3; 3, 2).  Gott spricht in der Person des Sohnes (Heb 1), des großen verheißenen Propheten. Zugleich aber wurde der Vater in dem Sohn offenbart, und der Mensch wollte Gott nicht. Der Sohn Gottes befreite den Menschen von all den äußeren Leiden, die die Sünde in die Welt gebracht hatte, und von der Macht Satans in dieser Beziehung; aber diese Offenbarung Gottes in Güte hat nur den Hass gegen Gott, der sich in dem Herzen des Menschen befindet ans Licht treten lassen; die Juden haben jedes Anrecht auch auf die Verheißungen verloren, und der Mensch hat den Gott, der sich in Güte offenbarte, verworfen. Die Geschichte des verantwortlichen Menschen war damit abgeschlossen; denn wir reden jetzt nicht von der Gnade, es sei denn insoweit als dass die Gegenwart Gottes in Gnade jede Verantwortlichkeit auf die Probe stellte. Nicht allein waren die Sünde und die Übertretung des Gesetzes schon vorhanden, sondern der Mensch vermochte auch die Gegenwart Gottes nicht zu ertragen, als Gott in Güte gegenwärtig war und ihnen ihre Übertretungen nicht zurechnete. Jede Verbindung des Menschen mit Gott auf Grund dessen, was der Mensch ist, war unmöglich trotz der Wunder, die der Herr Jesus alle in Güte 3 und nicht allein in Macht vollbrachte, wie er selbst gesagt hat: „Sie haben keinen Vorwand für ihre Sünde... sie haben gesehen und gehasst sowohl mich, als auch meinen Vater“ (Joh 15, 22-24) 4. Ja, - und dies ist ein ernstes Wort! - die Geschichte des Menschen in sittlicher Hinsicht ist abgeschlossen. Doch sie kommt zum Abschluss, um - Gott sei dafür gepriesen! - das Tor unbegrenzter Gnade für denjenigen zu öffnen, der sich in dem Sohn als der Gott der Gnade offenbart hat (Joh 12, 31-33). Das Kreuz Christi sagte gleichsam: der Mensch will nichts von Gott wissen, selbst wenn er in Gnaden kommt (2. Kor 5, 17-19). Aber es sagte auch: Gott ist unendlich in Gnade, indem er seines eigenen Sohnes nicht geschont hat, um den Menschen mit sich zu versöhnen. 5

Ich will nun nochmals, dem Lauf der Geschichte folgend, die Wege Gottes im Blick auf die Verantwortlichkeit des Menschen kurz bezeichnen. Man ist betroffen, wenn man in der Geschichte des Menschen sieht, dass, was für Gutes Gott auch aufgerichtet haben mag, die erste Tat des Menschen stets darin bestanden hat, das von Gott Aufgerichtete zu verderben. Die erste Handlung des Menschen war eine Handlung des Ungehorsams: er fiel in die Sünde und zerstörte jede Verbindung zwischen sich und Gott; er fürchtete sich vor dem, der ihn mit Güte überhäuft hatte. Noah, kaum der Sintflut entflohen, die eine ganze Welt mit Ausnahme seiner Familie verschlungen hatte, berauscht sich, und die Autorität wird in ihm entehrt und geht verloren. Sobald das Gesetz gegeben ist, macht sich Israel das goldene Kalb, bevor noch Mose vom Berg herabgestiegen war. Nadab und Abihu bringen an dem ersten Tag ihres Dienstes fremdes Feuer dar, und Aaron durfte fernerhin nicht mehr in das Allerheiligste eintreten mit seinen „Kleidern zur Herrlichkeit und zum Schmuck“, ja selbst in jeder anderen Kleidung, ausgenommen an dem großen Versöhnungstag (3. Mo 16, 2. 29). Ebenso verfällt Salomo, der Sohn Davids, in Götzendienst, und das Königreich wird geteilt. Das erste Haupt der Nationen, dem Gott Macht und Herrschaft übergab, machte ein großes Götzenbild und verfolgte diejenigen, dem HERRN treu waren. Die bekennende Kirche ist dem allgemeinen Gesetz des Ungehorsams und des Verderbens ebensowenig entgangen.

Wenn wir jetzt die Wege Gottes hinsichtlich des Menschen in dem Zeitabschnitt zwischen Adam und Christus betrachten, so finden wir zunächst den unschuldigen Menschen in den Genuss irdischer Güter gesetzt, ohne irgendwelches Leid; - das Böse existierte noch nicht. Die Verantwortlichkeit wurde durch das Verbot, von einem bestimmten Baum zu essen, ans Licht gestellt. Dieses Verbot setzte das Böse nicht voraus; wenn es ihm nicht verboten worden wäre, so hätte Adam ebenso gut von diesem Baume essen können, wie von jedem andern. Es war einzig und allein eine Sache des Gehorsams. Der Mensch ist der Versuchung unterlegen. Er hat Gott verloren, indem er sich vor seiner Vertreibung aus dem Paradiese vor ihm verbarg; dann wurde in richterlicher Weise aus dem Garten vertrieben, in dem er sich der Gegenwart Gottes erfreut hatte, - des Gottes, der bei der Kühle des Tages kam, um ihn aufzusuchen; - und er bekam ein Gewissen. Er lernte gegen seinen Willen (nicht durch ein ihm auferlegtes Gesetz, sondern innerlich) zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Ohne Zweifel kann das Gewissen schrecklich verhärtet und irregeführt werden. Wenn ein Mensch Böses tut, so verurteilt ihn sein Gewissen. Das Gesetz Gottes ist die Richtschnur des Gewissens, aber es ist nicht das Gewissen selbst. Der Mensch von jetzt an ein gefallenes Geschöpf, indem er ungehorsam gewesen ist und auf seinen Gehorsam gegen Gott verzichtet hat; er fürchtet Gott und versucht, wenn eben möglich, sich vor ihm zu verbergen; dann wird er aus dem Garten vertrieben und all der Segnungen beraubt, in die er die Güte Gottes genoss und ihn erkennen und sich sogar seiner Gegenwart erfreuen konnte - denn Gott wandelte in dem Garten. Der Eigenwille und die Begehrlichkeit waren in seine Natur eingedrungen, sowie in seinen Zustand das Schuldbewußtsein und die Furcht vor Gott; aber dann wurde er richterlicher Weise aus einem Orte vertrieben, der nicht mehr zu seinem Zustand passte, ja, in sittlicher Hinsicht, aus der Nähe Gottes selbst. Wie schrecklich würde es gewesen sein, wenn er von dem Baum des Lebens hätte essen können und er so die Welt mit unsterblichen Sündern erfüllt hätte, die ohne Furcht vor dem Tode und vor Gott gewesen wären! - Gott hat es nicht erlaubt.

Es gibt dann noch einige sehr beachtenswerte Umstände, die mit dem Gericht, dem der Mensch verfallen ist, in Verbindung stehen. Wir haben gesehen, dass Adam vor der Gegenwart Gottes floh. Das Urteil, das über ihn, über Adam und Eva, ausgesprochen wurde (1. Mo 3, 14-19), ist ein irdisches Urteil, nicht ein Urteil der Seele. Adam und Eva werden unglücklich. Sie werden unter das Joch der Leiden und des Todes gebracht. Vor seiner Vertreibung erkennt Adam, wie es scheint, durch den Glauben das Leben da an, wo der Tod eingetreten ist (1. Mo 3, 20). Aber nicht allein das; es wird auch der Frau die Verheißung gegeben betreffs des Samens, der den Kopf der Schlage zermalmen sollte. Christus, der Same der Frau, durch die das Böse in die Welt gekommen ist, sollte die ganze Macht des Feindes vernichten. Ferner - da die Sünde die Unschuld zerstört und durch die Schande des Nacktseins das Bewusstsein gegeben hatte, dass die Unschuld verloren war - hat Gott selbst, indem er den Tod eintreten ließ, Adam und seine Frau bekleidet und ihre Blöße bedeckt (1. Mo 3, 21). Vorher war kein Bewußtsein des Bösen vorhanden; jetzt wird das Böse gekannt, zugleich aber durch die Tätigkeit Gottes selbst zugedeckt. Der Mensch hatte versucht, seine Sünde vor sich selbst zu verbergen; aber als er die Stimme Gottes hörte, erwiesen sich die Feigenblätter als nichtig: sie sind wertlos für ein Gewissen, das in der Gegenwart Gottes erwacht ist. „Ich fürchtete mich“, sagt Adam, „denn ich bin nackt, und ich versteckte mich“. Und nun gibt ihm Gott, bevor er ihn wegschickt, nicht die Unschuld wieder, was unmöglich war, sondern er tut etwas Besseres: Er bekleidet Adam und sein Weib mit Röcken, um so das eigne Werk seiner Gnade zu sehen, das in ihrem Zustand für ihn erforderlich war; dann wird die Zermalmung dessen, der sie zur Sünde verleitet hatte, ausgesprochen. Der Mensch wird aus dem Garten vertrieben, in dem er sich ohne Glauben all der Segnungen Gottes erfreut hatte, um jetzt den Erdboden zu bebauen, um zu sterben und bis zu seinem Tod von dem Gott getrennt zu sein, der früher in der Kühle des Tages in dem Garten wandelte, wo der Mensch wohnte. Von nun an kannte der Mensch Gott nur durch den Glauben, vorausgesetzt dass Glaube in seinem Herzen vorhanden war: und dies ist ein neuer Grundsatz von der größten Wichtigkeit. Er hatte Gott verloren, ein Gewissen bekommen, und, schwer arbeitend, um sein Leben zu fristen, sollte er wenn möglich leben, - wenn möglich Gott finden; aber er befand sich fortan außerhalb des Kreises, den Gott besuchte und wo der Überfluss seiner Segnungen ohne Mühe und ohne Arbeit sich entfaltete. Der Mensch war aus der Gegenwart Gottes geflohen, und Gott hatte ihn vertrieben. Adam stand nicht mehr in dem Verhältnis, in dem Gott ihn geschaffen hatte, um bei ihm zu sein, weder nach dem Zustand seiner Seele noch nach Recht: er war in der Sünde. Ich wiederhole, der Mensch war aus der Gegenwart Gottes geflohen, und Gott hatte ihn aus der Stellung vertrieben, in die er ihn versetzt hatte, als er ihn schuf; er war Gott entfremdet, hatte ein böses Gewissen und kannte Gott nur insoweit, dass er sich vor ihm fürchtete. Aber er hatte vernommen, dass der Same der Frau der Schlange den Kopf zermalmen würde, und ist durch die Gnade und das Werk Gottes mit einem Kleid bekleidet, das von dem Tod Zeugnis gab, das aber von seiten Gottes und in vollkommener Weise die Blöße bedeckte, von der das Gewissen der Ausdruck war, nämlich von dem Fall des Menschen und seinem sündigen Zustand. Der Mensch steht jetzt draußen; - wird er vor Gott erscheinen können, wo es auch sei, um ihn anzubeten, um in einer inneren Verbindung mit dem zu sein, den er verlassen hat?

Diese neue Frage entsteht jetzt in der Geschichte Adams. Abel bringt ein Opfer dar, das ihn sozusagen nichts kostete; aber er bringt es dar durch den Glauben, indem er anerkennt, dass er ein Sünder ist, außerhalb des Gartens und fern von Gott - dass der Tod eingetreten ist; indem er aber zugleich auch die Gnade in Gott anerkennt, die die Blöße seiner Eltern bedeckt hatte, und sich Gott naht durch ein Sühnopfer, das allein imstande war, die Sünde wegzunehmen, und durch das allein ein Sünder Gott kraft des Todes eines Anderen nahen konnte. Das Wesen Gottes in Liebe und in Gerechtigkeit, sowie andererseits der Zustand Abels wurden in seinem Opfer anerkannt: er hat es durch Glauben dargebracht, und Gott hat sowohl das Opfer als auch Abel selbst angenommen, indem er Zeugnis gab zu seinen Gaben (Heb 11, 4). Abel war Gott nach dem Wert seiner Gaben wohlgefällig, das heißt nach dem Wert Christi. Gott selbst hat die Blöße Adams bedeckt. Abel kommt in der Erkenntnis seines Zustandes und des Sühnopfers, durch das er in die Gegenwart Gottes treten konnte. Kain dagegen erscheint mit der Frucht seiner eitlen Arbeit. Der Mensch musste zu Gott kommen, weil er aus seiner Gegenwart entfernt war, und ihn anbeten. Alle, die nicht offenbar von Christus und von Gott abgefallen sind, erkennen dies an. Kain erkannte es auch an, aber wie? Er dachte, dass er Gott nahen könnte, so wie er war. Warum auch nicht? An die Sünde dachte er nicht. Die Tatsache, dass Gott den Menschen aus dem Paradies vertrieben hatte, änderte für ihn nichts: er erscheint vor Gott, als ob gar nichts vorgefallen wäre. Und dann, innerlich blind und ohne Gefühl, opfert er allerdings die Frucht seiner Arbeit, aber zugleich auch die Zeichen des Fluches, der jetzt auf der Erde ruhte. Er erkannte weder das an, was er war, noch das, was Gott war - weder die Sünde, noch den Fluch, der als Frucht der Sünde auf seiner Arbeit lastete. - Einmal außerhalb des Paradieses stehend, handelte es sich für den Menschen darum, Gott zu nahen; und wie dies geschehen kann, teilt uns Gott selbst für alle Zeitalter in dem ersten Buch Mose mit, in dieser Schatzkammer großer Wahrheiten und wichtiger Grundsätze. Alle diese Geschichten enthalten die Grundlagen unserer Beziehungen zu Gott, indem sie zugleich den Zustand des Menschen offenbaren.

Die Sünde nimmt zu: wir haben die Sünde gegen Gott gesehen, und jetzt kommt die Sünde gegen den Bruder dazu. Kain war darüber erzürnt, dass Gott ihn verworfen hatte und wird ein Mörder: er tötet seinen Bruder. Gott stellt ihn zur Rede, aber nicht wie Adam mit den Worten: „Wo bist du?“ (denn Adam hätte sich in glücklicher Ruhe in der Nähe Gottes befinden sollen, und das „Wo bist du?“ beschreibt seine ganze Lage), sondern er sagt: „Was hast du getan?“ Dann begegnen wir zunächst der Unterhaltung Gottes mit Kain betreffs seiner Beziehungen zu ihm. Wirst du nicht, wenn du wohl tust, wohlgefällig sein? fragt Gott, und „sein Verlangen wird nach dir sein 6, und du wirst über ihn herrschen.“ Wenn du nicht wohl tust, so ist die Sünde oder ein Opfer für die Sünde (das hebräische Wort hat beide Bedeutungen) vorhanden (wörtlich: liegt vor der Tür), das heißt, es gibt ein Heilmittel. Hier finden wir die Hauptgrundsätze unserer Beziehungen zu Gott. Wenn man Gutes tut, so ist man wohlgefällig vor Gott; und wenn man Böses tut, so hat die Gnade Gottes ein Opfer für die Sünde vor die Tür gelegt. Der Leser wolle hier beachten, dass das Opfer Abels kein Opfer für die Sünde war; weder Kain noch Abel kommen mit einem Gewissen, das durch eine bewußte Übertretung beschwert ist. Es handelt sich vielmehr um den Zustand eines jeden von ihnen, um den Zustand des Menschen vor Gott: der eine, der Mensch, der sich als aus der Nähe Gottes vertrieben erkennt, naht Gott auf Grund der Gnade; der andere, der natürliche Mensch, ist gefühllos gegen die Sünde. In der Antwort Gottes an Kain handelt es sich um wirkliche Übertretung, und das bestärkt die Annahme, dass es sich in dieser Stelle um ein Opfer für die Sünde und nicht um die Sünde selbst handelt. Dann macht sich Kain der Sünde gegen seinen Bruder schuldig; er vollendet die Sünde in ihrem zweiten Charakter, was für Adam nicht möglich war. Gott spricht das Urteil über Kain aus, der, verflucht in seiner Arbeit, flüchtig und umherschweifend, sich der Verzweiflung hingibt und, indem er Gott ganz und gar verlässt, hingeht, um sich in dem Land, in dem Gott ihn umherschweifen ließ (in „Nod“), niederzulassen. Damit nimmt die Welt ihren Anfang. Kain baut eine Stadt und nennt sie nach dem Namen seines Sohnes; seine Kinder bereichern sich, man erfindet die Bearbeitung der Metalle und führt Erheiterung und Vergnügungen durch die Künste ein: mit einem Wort, man sucht sich möglichst glücklich zu machen, und das ohne Gott. Ich zweifle nicht, dass wir - abgesehen von der allgemeinen Wahrheit - in Kain ein Vorbild der Juden finden, indem sie den Herrn getötet haben: sie tragen ihr Zeichen an der Stirn. Lamech handelt nach seinem Belieben und nimmt zwei Frauen; er ist, wie ich glaube, ein Vorbild von Israel am Ende der Tage. Seth ist der Mensch nach dem bestimmten Vorsatz Gottes - Christus. Die beiden Familien haben sich so auf der Erde gebildet; aber der Hass der einen gegen die andere erscheint schon in Kain und Abel (vgl. 1. Joh 3, 11. 12). Henoch gibt uns das Zeugnis Gottes: er kündigt das Kommen Christi im Gericht an; und dann kommt Noah, der durch das irdische Gericht hindurchgeht und so zu sagen wiedergeboren wird für eine neue Welt.

Ich habe mich über diesen Teil der Geschichte etwas weitläufig ausgelassen, weil er uns den Zustand des gefallenen Menschen und die Grundsätze darstellt, nach denen er in Beziehung zu Gott steht, ohne religiöse Einrichtungen, obwohl nicht ohne Zeugnis von seiten Gottes. In Henoch wird auch noch das ewige Leben sinnbildlich dargestellt, wie in Abel das Opfer, durch das der gefallene Mensch Gott nahen kann, und in Adam und Eva (in dem Zustand der Verurteilung, in dem der Mensch sich befindet) die unumschränkte Gnade, die sie mit Röcken bekleidet, bevor sie vertrieben wurden. In Noah endlich wird das Ende des Zeitalters angekündigt und das Gericht durchschritten. An dies alles wird, soweit es die Grundsätze in Gnade betrifft, in Hebräer 11, 1-7  erinnert. Doch der gefallene Mensch verschlechterte sich fortwährend; schließlich blieb nur Noah übrig, den Gott errettete, als er die Welt zerstörte.

Es ist wohl zu beachten, dass - obgleich die Tatsachen, die uns bisher beschäftigt haben, weit tiefere Grundsätze in sich bergen, Grundsätze, die ihrer Natur und ihrer Wirkung nach ewig sind - die Geschichte dieser Zeit des Gerichts über Adam und über die Welt doch eine Geschichte dieser Welt ist, und dass die Gerichte den Regierungswegen Gottes angehören und sich auf irdische Dinge beziehen.

Mit Noah fängt eine neue Welt an: sie beginnt mit dem Opfer; und hier werden ausdrücklich „Brandopfer“ genannt: sie waren Gott wohlgefällig. Gott wollte deshalb nicht mehr die Erde verfluchen und nicht mehr alles Lebendige schlagen, sondern fortan sollten die Jahreszeiten nach der von Gott einrichteten Ordnung einander folgen, so lange die Erde bestände. Doch der Mensch ist nicht mehr wie einst im Paradies die Autorität, die unumschränkt und in Frieden den Tieren ihre Namen gibt: die Furcht vor dem Menschen sollte alle Tiere beherrschen. Der Mensch konnte sie essen; nur das Blut, das Zeichen des Lebens, durfte er nicht antasten. Dann wurde die obrigkeitliche Autorität eingesetzt, um die entfesselte Gewalt im Zaum zu halten. Wer das Leben antastete zog sich den Verlust seines Lebens, zu: Gott wollte das Blut für das vergossene Blut fordern, und der Mensch wurde mit der nötigen Autorität bekleidet, um diesem Gesetz Geltung zu verschaffen. Dann gibt Gott den Regenbogen als Zeichen des Bundes Gottes mit der ganzen Schöpfung, zum Zeugnis, dass keine Flut mehr stattfinden sollte.

Unter dieser Ordnung der Dinge leben wir jetzt auf der Erde. Doch Noah, der sich in der verliehenen Segnung erfreute, verfehlt seine Berufung. Er betrinkt sich und entehrt sich.

Die Welt teilt sich in drei Teile: der eine ist in Verbindung mit Gott; der andere wird verflucht und im Blick auf die Geschichte Israels erwähnt; schließlich haben wir die Masse der Heiden. Der Mensch will sich auf der Erde erheben und die Macht des Menschengeschlechts, das damals noch da war, in einem Punkt vereinigen; aber Gott verwirrt ihre Pläne zugleich mit ihrer Sprache. Dann entsteht die königliche Macht auf der Erde in Nimrod 7. Babel und das Land Sinear beginnen hervorzutreten. Das ist unsere Welt.

Nunmehr zeigt sich ein anderes wichtiges Element in der Geschichte: der Götzendienst tritt ein. Satan macht nicht nur als Verführer den Menschen schlecht, sondern er macht sich zum Gott für den Menschen, um ihm behilflich zu sein, seine Leidenschaften zu befriedigen. Nachdem der Mensch Gott verloren hatte, mit dem er doch zu tun gehabt, und mit dem er in Noah wieder angefangen hatte, hat er aus allem, worin sich die Kraft der Natur zeigt, einen Gott gemacht, zu einem Spielzeug für seine Einbildung und zur Befriedigung seiner Begierden. Er hatte nichts anderes (Jos 24, 2). Selbst von dem Teil des Menschengeschlechts, der mit dem HERRN in Verbindung stand (vgl. 1. Mo 9, 26), wird ausdrücklich gesagt, dass er in dieser Hinsicht gefallen sei. Schrecklicher Fall! Obgleich der Mensch sich nicht von dem Bewusstsein frei machen konnte, dass es einen Gott gebe, ein Wesen, das über ihm stehe, und obwohl er sich vor ihm fürchtete, machte er sich dennoch eine Menge niederer Götter, bei denen er diese Furcht zu verbannen und die Erfüllung seiner Wünsche zu erhalten suchte, indem er das verdeckte, was im Grunde genommen immer „ein unbekannter Gott“ war. Die Sterne, die Vorfahren (die Söhne Noahs und noch ältere und weniger bekannte Glieder der Menschlichen Familie), die Naturkräfte, - mit einem Wort, alles was nicht von dem Menschen war, sondern ohne ihn handelte und wirkte, ferner die Wiederbelebung der Natur nach ihrem Ersterben, die Entstehung der lebenden Wesen, alles wurde in seinen Augen zu Göttern. Der Mensch kannte den wahren Gott nicht; er musste aber einen Gott haben, und in seinem abhängigen und unglücklichen Zustand machte er sich Götter nach seinen eigenen Lüsten und nach seiner Einbildung, und Satan zog Nutzen daraus. Arme Menschheit ohne Gott!

Doch der allgemeine Einfluss der Abgötterei führte eine Dazwischenkunft Gottes als des unumschränkten Herrn herbei, die seinen wichtigsten Wegen ihren Stempel aufdrückte: Er berief Abraham und hieß ihn aus seiner verderbten Umgebung hinausgehen, um ihn als Stammvater eines Volkes zu haben, welches ihm angehören sollte. In ihm, dem Vater der Gläubigen, kommen drei oder gar vier Hauptgrundsätze zum Vorschein: der unumschränkte Wille Gottes, mit anderen Worten die Auserwählung, dann die Berufung Gottes, die Verheißungen und der beständige Gottesdienst des Menschen, als Fremdling auf der Erde. Dieser letzte Umstand, das Besitzen der Verheißungen und das Nichtbesitzen der verheißenen Dinge, verband die Neigungen und die Hoffnung mit dem, was außerhalb dieser Welt lag, zunächst allerdings in unbestimmter Weise; doch es wurden Offenbarungen hinzugefügt. Diese Grundsätze haben seit jenem Tage das Volk Gottes charakterisiert.

Diese neuen Wege Gottes sind also in kurzem Folgende: Da die Welt sich dem Götzendienst hingegeben hatte, berief Gott einen Menschen, damit er für ihn sei außerhalb der Welt, indem er ihn zum Bewahrer der Verheißungen machte. Es hatte auch früher Gläubige gegeben, aber nicht einen Stammvater wie Adam, der das Haupt des gefallenen Geschlechts war; Abraham aber ist das Haupt eines Geschlechts, denn wir selbst sind Abrahams Same, da wir in Christus sind.

Nichts ist lehrreicher als das Leben Abrahams; doch können wir hier nur das berühren, was die Wege Gottes kennzeichnet. Abraham erklärt, dass er ein Pilgrim und Fremdling sei; doch er errichtet Gott einen Altar, als er in das Land kommt, das Gott ihm gegeben hatte, in dem er aber nicht so viel besaß, dass er seinen Fuß hätte darauf setzen können: er hatte nichts als sein Zelt und seinen Altar. Er schlägt sein Zelt auf und errichtet seinen Altar, da wo er gerade wohnt. Er fehlt und zieht, ohne Gott um Rat zu fragen, nach Ägypten hinab. Gott behütet ihn, aber er ist bis zu seiner Rückkehr in das Land Kanaan ohne Altar. Dann wird ihm die Verheißung einer zahlreichen Nachkommenschaft (Israel) gegeben, die das Land in Besitz nehmen sollte; ferner sollten alle Geschlechter der Erde in ihm gesegnet werden. Nachdem der Sohn, auf dem die Verheißungen ruhten, Gott geopfert ist, und Abraham ihn aufs Neue wie durch Auferstehung empfangen hat, wird die Verheißung der Segnung der Nationen dem Samen, d. i. Christus, bestätigt (vgl. Gal 3, 16). Die Verheißungen sind ohne Bedingung: es handelt sich dabei um den bestimmten Ratschluss Gottes. Israel wird in den letzten Tagen daraus Nutzen ziehen; die Christen (um nicht zu reden von Offenbarungen und vollendeten Tatsachen, welche von unendlicher Wichtigkeit sind) erfreuen sich schon jetzt darin. Sarah wollten den „Samen“ nach dem Fleisch haben, vor der Zeit. Aber alles musste nach Verheißung sein: Gnade, Glaube, Hoffnung; denn damals war noch nichts erfüllt, was im Blick auf die Herrlichkeit immer wahr bleibt, ausgenommen was die Person Christi betrifft. Allein Gott war der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Miterben derselben Verheißung. In Isaak haben wir das Vorbild der Beziehungen zwischen Christus und der Kirche; in Jakob steigen wir in die Sphäre des irdischen Volkes hinab.

Nachdem dann Jakob nach Ägypten gekommen ist, verfällt das Volk dem Joch der Sklaverei, dem harten Dienst der Ägypter, gerade so wie wir der Sünde im Fleische unterworfen sind. Dies führt einen weiteren Grundsatz von außerordentlicher Tragweite ein, nämlich die Erlösung, begleitet von noch einer anderen Wahrheit - ein Volk Gottes ist auf der Erde, ein Volk, in dessen Mitte Gott wohnt (2. Mo 3, 7. 8; 6, 1-8; 29, 45. 46). Unumschränkte Gnade ist es, die an das Elend des Volkes gedenkt und das Schreien der Kinder Israel hört. Allein Israel war in der Sünde wie die Ägypter; wie konnte Gott dieses Volk erlösen? Er hat ein Lösegeld gefunden: das Blut des Passahlammes, ein Vorbild von Christus, wird durch den Glauben auf die Oberschwelle und die beiden Türpfosten gestrichen, und Gott, der in Gericht schlägt, „geht vorüber“ an dem Volk, das durch das Blut beschützt wird. Israel isst das Lamm, das geopfert worden war und das Volk vor dem Gericht in Sicherheit gesetzt hatte; es genießt das Lamm mit bitteren Kräutern und dem ungesäuerten Brot, mit der Bitterkeit der Demütigung und der Wahrheit im Herzen, die Lenden umgürtet, den Stab in der Hand, die Sandalen unter den Füßen; es verlässt Ägypten in Eile. Dann am Meer angekommen, wird das Volk erlöst: „Stehet und sehet die Rettung des HERRN!“ Die Macht Ägyptens bricht unter dem ausgeführten Gericht zusammen; Israel befindet sich außerhalb Ägyptens, befreit und zu Gott gebracht: die Erlösung ist vollständig, das Volk wird die Ägypter nie wiedersehen (2. Mo 14  und 2. Mo 15).

Es gab auch ein Leben, das Gott bereitet hat: Israel musste die bitteren Wasser des Todes (das ist Mara) trinken, den in Wirklichkeit Christus für uns erlitten hat; es wurde mit dem Manna (Christus) genährt, mit dem Wasser aus dem Felsen (dem Geiste Gottes) getränkt und im Kampf von oben unterstützt. Aber alles ist Gnade: Gott handelt in Gnade und wird da verherrlicht, wo der Mensch fehlt. Dann ist der Mensch bei Gott, denn die Erlösung führt uns zu Gott (2. Mo 14, 4)  - nur die Reise unter der Gnade, um dahin zu gelangen, wird in ihren Hauptgrundsätzen hinzugefügt. Der Sabbath wird angeordnet: das erlöste Volk hatte Teil an der Ruhe Gottes; dies geht zusammen mit dem Manna (Christus), wie der Kampf mit dem Wasser aus dem Felsen.

Einige Verse aus 2. Mose 15 beanspruchen hier unsere Aufmerksamkeit. Wir finden dort einerseits: „Du hast durch deine Güte geleitet das Volk, das du erlöset, hast es geführt durch deine Stärke zu der Wohnung deiner Heiligkeit“ (2. Mo 15, 13); und andererseits lesen wir: „Du wirst sie bringen und pflanzen auf den Berg deines Erbteils, die Stätte, die du, HERR, zu deiner Wohnung gemacht hast“ (2. Mo 15, 17). Das will sagen: die Kinder Israel waren zu Gott selbst gebracht, ihre Erlösung war vollendet und vollkommen; aber sie mussten auch in das verheißene Erbteil eingeführt werden. Der Leser wird bemerken, dass von der Wüste keine Rede ist, weder in 2. Mose 3, noch in 2. Mose 6, noch hier in 2. Mose 15, 1-21. Da das Werk der Erlösung vollendet ist, so ist die Wüste nicht notwendig. Der Räuber war zubereitet, mit Christus im Paradies zu sein, und wir sind es gleichfalls (Kol 1, 12). Die Wüste bildet nicht einen Teil der Ratschlüsse Gottes, die, was uns betrifft, sich auf die Erlösung und das Erbteil beziehen; sie bildet vielmehr einen Teil der Wege Gottes (5. Mo 8, 2. 3). Gott prüft uns, damit wir uns selbst und ihn kennen lernen. Die Bekenner werden auf Grund einer vollbrachten Erlösung auf die Probe gestellt: wenn sie das Leben nicht haben, so fallen sie auf dem Weg, während die wahren Gläubigen bis ans Ende ausharren. - Dann wird der Zustand des Volkes der Erbrobung unterworfen, und sie werden gezüchtigt (5. Mo 8, 5. 15. 16). In dieser Stellung ist man dem Grundsatz nach unter dem Gesetz; es handelt sich darum, was wir vor Gott sind im Blick auf seine Regierung; doch wir werden unter dem Stab des Priestertums geleitet (der Tod Aarons beendet diesen Teil des Vorbildes; dann ist die „rote Kuh“ 4. Mo 19, 1-22  eine besondere Vorsorge für die Befleckungen, mit denen man sich in der Wüste beschmutzt). Anders ist es, wenn es sich um die Rechtfertigung handelt: dann heißt es am Ende der Wüste (unseres Lebens der Prüfung): „Zu der Zeit (am Ende der Wüste) wird von Jakob und von Israel gesagt werden, was Gott getan hat“. Während der ganzen Reise durch die Wüste lautete die Frage: Was hat Israel getan?

Wie das Rote Meer ein Bild des Todes Christi für uns ist, so ist der Jordan unser Tod mit ihm; danach kommt unser Kampf, als das Heerlager Gottes, mit den geistlichen Mächten der Bosheit in den himmlischen Örtern. Aber vorher gibt es ein Gilgal: die Anwendung unseres Gestorbenseins mit Christus auf den Zustand unserer Seele in den Einzelheiten des praktischen Lebens. Das Lager war stets in Gilgal: die Erinnerung an unsere Einsmachung mit Christus in dem Tod (durch den Glauben) im Jordan ist in Gilgal. Ferner wird das Manna, die Speise für die Wüste (der auf diese Erde herabgekommener Christus) durch das Getreide des Landes (einem himmlischen Christus) ersetzt, und der Fürst des Heeres des HERRN zeigt sich.

Der Erfolg im Kampf und die Segnung in der Wüste hingen von dem Zustand derer ab, die mit Gott selbst verbunden waren: Er segnete, aber r regierte auch in der Mitte seines Volkes. Die beiden Dinge, Wüste und Kampf - der Krieg, den Israel als das Heerlager des HERRN führte - finden sich nicht in dem gleichen Augenblick, wohl aber während derselben Dauer des menschlichen Lebens. Das Heil, die Erlösung sehen wir am Roten Meer; die auf Erfahrung gegründete Befreiung findet sich am Jordan. Der Stab schlug das Meer, und kein Meer war mehr da, es sei denn als Schutz für das Volk. Die Bundeslade blieb im Jordan, bis alle hinübergezogen waren. Es ist beachtenswert, dass die Bedingungen und das „Wenn“ in der Schrift sich niemals auf die Errettung beziehen, sondern immer auf die Reise durch die Wüste. Dann ist für diejenigen, die den Glauben und das Leben besitzen, mit dem „Wenn“ die Verheißung verbunden, bis ans Ende bewahrt zu werden, so dass es für den Glauben keine Ungewißheit gibt; aber es handelt sich um auf Erfahrung gegründete Beziehungen zu einem lebendigen Gott und nicht um ein vollbrachtes Werk.

Was die Geschichte Israels betrifft, so hat das Volk am Berg Sinai die Verheißungen unter der Bedingung des Gehorsams angenommen. Das ist der erste Bund, angeordnet durch einen Mittler, was zwei Parteien voraussetzt. Der Genuss der Wirkung der Verheißung ruhte auf keiner größeren Sicherheit als nur auf der schwächsten Sicherheit, die eine der beiden Parteien darbot, da er ebensosehr von der Treue des Menschen wie von derjenigen Gottes abhing; und dann wurde, noch bevor Moses von dem Berg herabgestiegen war, das goldene Kalb gemacht. Der neue Bund wird, wie der alte, mit Israel und Juda errichtet werden, wenn der Herr wiederkommen wird, indem er die Sünden vergibt, um ihrer nie mehr zu gedenken, und sein Werk dadurch vollführt, dass er Sein Gesetz auf ihre Herzen und nicht auf steinerne Tafeln schreibt. Doch die Tatsache, dass das Volk am Sinai sich bereit erklärt hat, die Segnung unter der Bedingung des voraufgehenden Gehorsams zu empfangen, ist von der größten Wichtigkeit; sie veränderte und verschärfte den Charakter der Sünde, insofern das, was geschah, nicht nur an und für sich schlecht war, sondern auch zur Übertretung des Gesetzes wurde, die die Autorität Gottes ausdrücklich mit der Verpflichtung zur Bewahrung der Beziehungen verband, deren Verletzung es verbot. Die Beziehungen und die Verpflichtungen bestanden bereits, aber das Gesetz machte aus der Verletzung dieser Verpflichtungen eine bestimmte Übertretung des ausdrücklichen Willens Gottes: unter dem Gesetz handelte es sich nicht nur um die menschliche Gerechtigkeit, sondern um die Autorität Gottes. Das letzte Gebot: „Du sollst nicht begehren...“ bezog sich, wie bereits gesagt, nicht auf die Sünde im Fleisch selbst, sondern auf ihre ersten Regungen und ließ eine aus Gott geborene Seele die Wurzel der Sünde im Fleisch entdecken. Selbst wenn das ganze Gesetz erfüllt wurde, war es doch immer nur eine menschliche Gerechtigkeit.

Eine andere wichtige Wahrheit, auf die bereits hingewiesen wurde, fand jetzt ihre Erfüllung, nämlich das „Wohnen Gottes“ inmitten seines Volkes. Gott hatte seinen Thron in der Mitte Israels aufgerichtet. Hieran schließen sich zwei andere Dinge an: die unmittelbare Regierung Gottes, der durch den Glauben als der Gott der ganzen Erde gekannt wurde; und der Umstand, dass man da, wo dieser Thron aufgerichtet war, Gott nahte. Denn Gott offenbarte sich nicht; er war hinter dem Vorhang verborgen. Aber man brachte dort die Opfer dar; alles was mit dem Gottesdienst in Verbindung stand (wenigstens von seiten des Volkes), verwirklichte und vereinigte sich dort. Dort reinigte man jedes Jahr die Wohnung Gottes; dort wurden die Sünden Israels durch Opfer getilgt, die Vorbilder des Opfers Christi waren. Zugleich war die Stiftshütte das Gegenbild der himmlischen Dinge; nur war der Vorhang, der den Eingang ins Allerheiligste verschloss, noch nicht zerrissen, der Mensch trat nicht ins Allerheiligste ein, ausgenommen einmal des Jahres der Hohepriester. Das war der Zustand des Volkes. Es hatte das Gesetz als eine von nun an geltende Bedingung für die Erfüllung der Verheißungen angenommen; Gott war gegenwärtig in der Mitte des Volkes, aber unzugänglich hinter dem Vorhang, und die Regierung Gottes wurde in der Mitte und zu Gunsten des Volkes ausgeübt. Doch die Stiftshütte und alle ihre Anordnungen waren nur Schatten, nicht das wahre Ebenbild der Dinge; deshalb finden sich in dem Brief an die Hebräer mehr Gegensätze als Übereinstimmungen.

Lasst uns im Vorbeigehen die Gnade und Herablassung Gottes in seinen Wegen mit Israel bewundern. Befand sich das Volk in der Sklaverei, so erschien Gott als sein Erretter. Musste es pilgernd in der Wüste umherirren, so wohnte Gott in einem Zelt in seiner Mitte. Musste in Kanaan Krieg geführt werden, so zeigte sich Gott mit einem entblößten Schwert als Anführer des Heeres des HERRN. Hatte sich das Volk in Frieden in Kanaan niedergelassen, so ließ Gott für sich eine Wohnung gleich den Palästen der Könige bauen.

Nachdem wir so an das Ende der Reise durch die Wüste gelangt sind, bleibt mir noch übrig, einige Worte über das 5. Buch Mose zu sagen, das ein Buch für sich ist; dies wird mir auch Gelegenheit geben, auf den Charakter des ganzen Pentateuch (der fünf Bücher Mose) aufmerksam zu machen; doch werde ich mich kurz fassen.

Fußnoten

  • 1 Er tat dies allerdings anfangs nur halb; doch ich rede hier von den Wegen Gottes.
  • 2 Dies steht in Verbindung mit dem, was in 2. Petrus 1, 20. 21 gesagt ist. Die augenblicklichen Umstände erklären nicht die Tragweite der Prophezeiungen der Schriften; das Gesagte macht vielmehr einen Teil des großen Systems der Wege Gottes aus.
  • 3 Die Verfluchung des Feigenbaumes war, als einzige Ausnahme, der Ausdruck dieses Zustandes der Dinge am Ende der Laufbahn des Herrn.
  • 4 Johannes gebraucht stets den Ausdruck „Vater“, wenn er von Gott als in Gnaden handelnd spricht.
  • 5 Die Verwerfung Christi, der als der verheißene Messias kam und zugleich Gott war, geoffenbart im Fleische, das Ende der Wege Gottes mit seinem Volk und die Offenbarung des Hasses des Menschen gegen Gott trafen zusammen; und der Verlust des Anrechts auf die Verheißungen von seiten Israels sowie die Verurteilung des Menschen in seinem Zustand von Natur, nach dem Grundsatz der Verantwortlichkeit, fanden zu gleicher Zeit statt.
  • 6 Vergleiche das über das Weib ausgesprochene Urteil (1.Mo 3, 16).
  • 7 Man beachte im Vorbeigehen, dass die Dauer des menschlichen Lebens sich seit der Sintflut um die Hälfte vermindert hat; dasselbe geschah noch einmal zur Zeit des Pelech, als die Erde planmäßig verteilt wurde.
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