Philipper 2,1-11

Einleitung

Der Philipperbrief ist einer der Briefe, die der Apostel Paulus aus seiner ersten Gefangenschaft in Rom geschrieben hat. Er schrieb außer diesem Brief auch den Kolosserbrief, den Epheserbrief und den Brief an Philemon aus dem Gefängnis in Rom. Das bedeutet, dass die Philipper der Anwesenheit des Apostels Paulus beraubt waren. Der Apostel ist nun bemüht, diejenigen, die er allein gelassen hatte, nicht an irgendjemanden zu binden, sondern ausschließlich auf Gott hinzuweisen. Das hat er auch schon bei seiner Abschiedsrede in Milet getan, als er die Ältesten von Ephesus rufen ließ: „Und nun befehle ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade an“ (Apg 20, 32). Das ist bis heute wichtig für die Praxis unserer Tage, denn wir sind immer noch der Anwesenheit eines Apostels beraubt und sind allein auf den Herrn, auf Gott, geworfen. In Philipper 1,6 sagt er schon sehr deutlich, dass der, „der ein gutes Werk in ihnen angefangen hatte, es auch vollenden würde bis auf den Tag Jesu Christi“. Wir finden diesen Gedanken auch in unserem Kapitel in Vers 13: „Denn Gott ist es, der in euch wirkt, sowohl das Wollen, als auch das Wirken zu seinem Wohlgefallen.“ Nun, wenn der Apostel nicht mehr bei ihnen war, machten diese Gläubigen Erfahrungen mit ihrem Gott in der Wüste. Der Philipperbrief ist ein Wüstenbrief. Er sieht den Gläubigen als jemanden, der in einer Rennbahn läuft. Das Ziel ist noch nicht erreicht.

Unterschied Philipperbrief - Epheserbrief

Im Epheserbrief ist der Gläubige nach Kapitel 1 und 2 versetzt in himmlische Örter in Christus. Seiner Stellung nach ist der Gläubige im Himmel, und zwar „gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern“. Trotzdem ist er, was seine Füße angeht, noch auf der Erde. Er lebt als jemand, der in Christus in himmlische Örter versetzt ist, aber trotzdem noch auf der Erde und in irdischen Beziehungen steht. Er lebt zum Beispiel in der Beziehung der Ehe, in der Familie und im Berufsleben. Jetzt ist er geadelt, gewürdigt, in diesen irdischen Beziehungen himmlisches Licht zu verbreiten. Im Epheserbrief kommt gleichsam der Gläubige aus dem Himmel und verbreitet in irdischen Beziehungen himmlische Grundsätze. Das konnte Adam nicht. Er lebte in einem Zustand der Unschuld, bevor er in Sünde fiel, aber wir sind - z.B. in der Ehe - dazu berufen, himmlisches Licht in irdischen Beziehungen auszustrahlen. Das ist die höchste Form christlichen Wandels. Im Philipperbrief ist das nicht so. Dort sind wir noch nicht am Ziel. Wir sind in der Rennbahn, wie Kapitel 3 es zeigt. Und Paulus sagt: „Ich habe es noch nicht ergriffen“, aber am Ende würde er Christus gewinnen. Nun lässt er sich in diesem Wettlauf bis zum Ziel durch nichts aufhalten. Das ist auch ein schöner Aspekt des christlichen Lebens. Aber der Läufer (der Gläubige) ist im Philipperbrief nicht am Anfang des Weges, sondern am Ende. Wenn ich das mit der Geschichte des irdischen Volkes vergleichen dürfte, dann würde ich sagen: Im Philipperbrief sehen wir den Gläubigen im 5. Buch Mose, ganz am Ende der Wüstenreise, kurz vor dem Ziel. Warum ist das eine so schöne Sichtweise? Im Philipperbrief geht der Gläubige nicht von Niederlage zu Niederlage. Er fällt nicht ein ums andere Mal immer wieder um. Im Philipperbrief geht der Gläubige von Kraft zu Kraft. Er wird nicht so geschildert, als ob er am Ende, gerade noch mit Mühe den Kopf über Wasser haltend, das Ziel erreichen würde. Nein, er geht gleichsam in einen weiten Eingang hinein. Im Philipperbrief hat der Christ Erfahrungen mit Christus gemacht. Er hat auf seinem langen Weg durch diese Wüste alles mit Christus verglichen. Danach hat er dann gesagt: „Christus ist größer als alles.“ Ich vergleiche das gerne mit den Vätern in Christus in 1. Johannes 2: „Sie haben den erkannt, der von Anfang ist.“ Das ist der Herr Jesus. In ihm sind sie zur vollen Ruhe und Befriedigung gekommen. Obwohl sie noch in der Wüste wandeln, sind sie erfüllt mit Christus. Bruder Kelly hat einmal gesagt: „Stehe ich richtig zu Christus, dann stehe ich richtig zu allem.“ Es ist interessant, dass in diesem Brief das Wort „Sünde“ nicht erwähnt wird. Das Wort „Fleisch“ finden wir nur einmal in Philipper 3,4, wo gesagt wird, dass wir nicht auf Fleisch vertrauen. Das soll genügen, um diesen Brief etwas zu charakterisieren.

Gliederung

Dann wollen wir noch kurz auf die Einteilung dieses Briefes eingehen:

Kapitel 1: Die Hingabe des christlichen Wandels
Kapitel 2: Die Schönheit des christlichen Wandels, dargestellt in Demut und Gehorsam
Kapitel 3: Die Energie des christlichen Wandels
Kapitel 4: Die Erhabenheit über die Umstände des Lebens

Es gibt auch noch eine andere bekanntere Einteilung dieser vier Kapitel:

Kapitel 1: Christus, der Lebensinhalt (V.21)
Kapitel 2: Christus, das Vorbild (V.6)
Kapitel 3: Christus, das Ziel (V.14)
Kapitel 4: Christus, die Kraft für das christliche Leben (V.13).

Über die Zusammenhänge von Kapitel 1 und 2 sowie 2 und 3 lässt sich noch folgendes sagen: In Kapitel 1 finden wir, nachdem in den Versen 1-11 die Grüße, die Bitten und der Dank bezüglich der Philipper von dem Apostel geschildert wurden, in den Versen 12-26 die Beschreibung der persönlichen Umstände des Apostels. Aber schon ab Vers 27 liest man von einem Aufruf zu einer gewissen Einigkeit. Dieser Gedanke wird dann in den Kapiteln 2-4 immer wieder aufgegriffen. Außerdem warnt der Apostel am Ende von Kapitel 1 die Philipper vor einem Widerstand von außen. In Vers 28 spricht er von den Widersachern, von denen die Philipper sich nicht erschrecken lassen sollten.

Jedoch weist er dann in Philipper 2,1 auf die Gefahren von innen hin. Es gibt für den Gläubigen nicht nur Gefahren von außen, sondern es gibt auch Gefahren im inneren Bereich des Versammlungslebens, wenn man das so ausdrücken darf. Anschließend hat der Apostel in Vers 2 noch eine Kleinigkeit zu bemängeln. In Vers 3 zeigt er, wodurch diese Uneinigkeit hervorgerufen wurde, nämlich durch Streitsucht und eitlen Ruhm. Ab Vers 5 zeigt er dann an einem Beispiel, wie durch demütige Gesinnung diese Einheit bewirkt werden kann. Dieses Beispiel und Vorbild ist kein anderer als der Herr Jesus selbst. Der Zusammenhang von Kapitel 2 mit Kapitel 3 ist von außerordentlicher Wichtigkeit: Wir finden Christus in Kapitel 2 als das Vorbild für unseren christlichen Wandel, aber dieses Vorbild können wir niemals nachahmen, wenn wir nicht Kraft dazu bekommen. Von wem kommt diese Kraft? Sie kommt von einem verherrlichten Christus, wie wir ihn in Kapitel 3 sehen. Dort sehen wir Christus als den verherrlichten Menschen im Himmel. Ich zitiere unsere alten Brüder, von denen wir fast alles gelernt haben: „Um einen auf der Erde lebenden Jesus nachzuahmen, brauchen wir Kraft von einem verherrlichten Christus.“ Die Beschäftigung mit einem verherrlichten Christus - wie z.B. Kolosser 3 es ausdrückt „Sinnt auf das, was droben ist, wo der Christus ist“ - gibt mir Kraft um einen auf der Erde lebenden Jesus nachzuahmen.

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