Wie soll ein Kind Gottes mit lebensverlängernden Maßnahmen umgehen?

Darf ein Kind Gottes - nach Gottes Wort - , wenn es schwer erkrankt ist, Entscheidungen treffen, dass es sich nicht einer Operation unterziehen möchte? Oder darf es eine allenfalls benötigte Chemotherapie ausschlagen? Darf es sich weigern, sich an Maschinen hängen zu lassen, um das Leben künstlich zu verlängern? Wo liegen die klaren Grenzen?

Bibelstelle(n): Heb 13,5-6; Hiob 42,2; Eph 3,20; Jak 5,14-16;

Gottes Wort gibt uns für manche Fragen, die in unserem Leben auftreten, keine direkte Antwort. Da ist es gut, wenn wir unseren Herrn Jesus im Gebet um eine richtige Entscheidung bitten. Als solche, die nicht direkt betroffen sind, können wir – wenn wir danach gefragt werden – vielleicht einen Rat geben. Wir sollten uns aber davor hüten, über die Entscheidung eines Bruders oder einer Schwester ein vorschnelles Urteil zu fällen.

Gründe gegen lebensverlängernde Maßnahmen   

Wenn ein Kind Gottes, das schwer erkrankt ist, folgende Entscheidungen trifft:

  • Ich lehne eine Operation ab;
  • ich schlage eine Chemotherapie aus;
  • ich weigere mich, mich an Maschinen hängen zu lassen, die mein Leben künstlich verlängern,

so kann es dafür verschiedene Begründungen geben, obwohl diese nicht immer ausgesprochen werden:

  1. Ich möchte alles, was mir in meinem Leben begegnet – auch schwere Krankheiten – aus der Hand meines Gottes nehmen, von dem ich weiß, dass Er mich liebt und alles vermag (Joh 16,27; Hiob 42,2; Eph 3,20).
  2. Ich habe kein Vertrauen zu diesen Maßnahmen und erwarte davon nur eine Verschlechterung meines Befindens und eine Verlängerung der Qualen am Ende meines Lebens.
  3. Ich erwarte Besserung und Heilung durch „sanfte Heilverfahren“, wie „Anthroposophische Medizin“, Homöopathie, Bioresonanz, Chiropraxis, Yoga, Akupunktur, Autogenes Training, etc.
  4. Ich erwarte Heilung durch Handauflegen und Gebet, da ich andere Christen kenne, die dadurch geheilt wurden.

Dazu meine persönliche Stellungnahme:

  • Zu 1: Wir haben kein Recht, das tiefe Vertrauen auf die Hilfe Gottes zu zerstören, auch wenn wir selbst anders entscheiden würden.
  • Zu 2: Wir können einem Gotteskind zwar einen Rat geben, dürfen aber nicht über den Glauben anderer herrschen (2. Kor 1,24; 1. Pet 5,3).
  • Zu 3: Wir müssen dringend warnen vor allen okkulten Heilverfahren, da diese meist zu einer psychischen Abhängigkeit führen, auch wenn dadurch Heilung eintritt. Häufig werden solche Heilungen durch dämonische Kräfte erzielt (2. Kor 11,13–15; Apg 8,9–11; Off 16,14).
  • Zu 4: Die Gnadengaben der Heilungen waren ein Zeichen für die Ungläubigen (1. Kor 12,9.28.30). Zur Zeit als der Hebräerbrief geschrieben wurde, gehörten Zeichen und Wunder bereits der Vergangenheit an (Heb 2,4). Die im Jakobusbrief erwähnte Heilung durch das Gebet des Glaubens bezieht sich auf eine Krankheit als Folge einer Züchtigung des Herrn (1. Kor 11,29–32) und hat das Bekenntnis der vorliegenden Sünde zur Voraussetzung (Jak 5,14–16).

Gründe für lebensverlängernde Maßnahmen

Auf der anderen Seite gibt es Gotteskinder, die im Vertrauen auf die Hilfe des Herrn

  • eine Operation durchführen lassen, auch wenn sie wissen, dass eine vollständige Heilung nicht garantiert werden kann und die Operation selbst ein hohes Risiko hat;
  • eine Chemotherapie annehmen, obwohl ihnen bewusst ist, dass dieses Verfahren eine Belastung für den Organismus bedeutet und nicht immer eine vollständige Heilung bewirkt, sondern eine Verlängerung der Leidenszeit bewirken kann;
  • die sich an eine Maschine hängen lassen, obwohl sie das Resultat dieser lebensverlängernden Maßnahme nicht kennen.

Es gibt verschiedene Gründe, warum wir eine solche Haltung respektieren müssen:

  1. Unser Herr Jesus hat an den Krankheitsnöten der Menschen, die Ihm begegneten, innigen Anteil genommen (Mt 20,34; Mk 1,41) und durch göttliche Macht viele Kranke geheilt (Lk 4,40). Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter werden auch wir aufgefordert, Barmherzigkeit zu üben (Lk 10,37).
  2. Wir Menschen haben heute keine göttliche Macht, um Krankheiten zu heilen. Jedoch sollten wir innigen Anteil nehmen an den Bedrängnissen unserer Mitmenschen und in besonderer Weise an allen Nöten unserer Mitgeschwister (Röm 12,13). Wir dürfen für sie ernstlich beten (Jak 5,16) und ihnen Erleichterung verschaffen mit den Mitteln, die der Herr in unsere Hände gelegt hat  (Jak 1,27).
  3. Die Hilfsmittel, die Gott uns Menschen in Seiner Güte schenkt, dürfen auch Kinder Gottes mit Dank aus Seinen Händen nehmen (Jak 1,17).
  4. In Gottes Wort gibt es Beispiele, wie Er Seinen Dienern natürliche Hilfsmittel in die Hand gibt, die sie zum Segen für andere gebrauchen konnten:
    • das Holz, das bitteres Wasser trinkbar machte (2. Mo 15,22–25);
    • den Feigenkuchen, der auf das Geschwür des Hiskia gelegt wurde (Jes 38,21);
    • das Mehl, welches Elisa dem ungenießbaren Gericht aus wilden Koloquinthen hinzufügte (2. Kön 4,38–41);
    • Öl und Wein, welche der „barmherzige Samariter“ verwendete, als er die Wunden des unter die Räuber Gefallenen verband (Lk 10,33–37);
    • der Wein, welchen der Apostel Paulus seinem Mitarbeiter Timotheus wegen seines häufigen Unwohlseins empfahl (1. Tim 5,23).
    Dabei ist aber zu beachten, dass die Anwendung dieser natürlichen Mittel im Auftrag Gottes eingesetzt wurde, bzw. von Männern, die in ihrem Leben nach dem Willen Gottes handelten.

Gibt es klare Grenzen?

Wenn in dieser Anfrage nach klaren Grenzen gefragt wird, so gibt es diese für uns Christen nicht. Gottes Wort sagt uns:

  • „... ihr seid nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade“ (Röm 6,14);
  • „Für die Freiheit hat Christus uns frei gemacht; steht nun fest und lasst euch nicht wieder unter einem Joch der Knechtschaft halten“ (Gal 5,1);
  • „Denn ihr seid zur Freiheit berufen worden, Brüder, nur gebraucht nicht die Freiheit zu einem Anlass für das Fleisch, sondern durch die Liebe dient einander“ (Gal 5,13).

Bei allen Erörterungen über unser Verhalten in Extremsituationen, dürfen wir daran denken:

  • „Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott in Ihm“ (1. Joh 4,16);
  • „... er hat gesagt: ‚Ich will dich nicht versäumen und dich nicht verlassen'; so dass wir kühn sagen können: ‚Der Herr ist mein Helfer, und ich will mich nicht fürchten; was wird mir ein Mensch tun?'“ (Heb 13,5–6).

Online seit dem 06.01.2013.


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