Welche Herrlichkeit ist in 2. Korinther 3,18 gemeint?

An welche Herrlichkeit denkt der Apostel in erster Linie in 2. Korinther 3,18: an den verherrlichten Sohn zur Rechten Gottes oder an den, der in Niedrigkeit über diese Erde schritt?

Bibelstelle(n): 2. Korinther 3,18

„Wir alle aber, mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauend, werden verwandelt nach demselben Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, als durch den Herrn, den Geist.“ Mit diesen Worten beschließt Paulus seine Erklärungen in 2. Korinther 3 über die Unterschiede zwischen dem Alten Bund, dem Dienst des Todes und der Verdammnis, der durch Mose eingeführt wurde, und dem Dienst des Geistes und der Gerechtigkeit, den der Herr Jesus durch Sein Erlösungswerk gebracht hat.

Am Sinai durfte Mose als einziger Gottes Herrlichkeit – wenn auch nur eingeschränkt – sehen. Sein Gesicht bekam davon eine derartige Ausstrahlung, dass die Israeliten es nicht ertragen konnten und ihn baten, sich zu verhüllen. Gewissermaßen als Folge davon haben die Juden durch ihre Verhärtung Gott gegenüber jetzt selbst eine Decke auf ihren Herzen, denn sie verstehen die Botschaft des Evangeliums Gottes in Christus nicht.

Wir aber, d.h. diejenigen, die an den Herrn Jesus glauben, dürfen jetzt bildlich gesprochen „mit aufgedecktem Angesicht“, d.h. ohne irgendeine Behinderung, die Herrlichkeit des Herrn betrachten.

Aus dem Zusammenhang des Kapitels geht hervor, dass hier nicht die Herrlichkeit des Herrn als Mensch auf der Erde gemeint ist (Joh 1,14), sondern Seine Herrlichkeit im Himmel. Das Strahlen des Gesichts Moses erinnerte die Israeliten an die heiligen und gerechten Forderungen Gottes, die sie nicht erfüllen konnten und die deshalb zur Verdammnis führten; die Herrlichkeit des Menschen Christus Jesus zur Rechten Gottes ist jedoch der Beweis dafür, dass alle unsere Sünden vergeben sind. Er, der uns so sehr geliebt und sich am Kreuz von Golgatha für uns hingegeben hat und der uns bald zu sich holen wird, will unseren Blick dorthin lenken, wo Er jetzt schon als der vollkommene, verherrlichte Mensch ist. Das soll das alles beherrschende Motiv in unserem Glaubensleben sein, nicht eine einmalige Handlung, sondern ein unser ganzes Glaubensleben andauernder Prozess. „Von Herrlichkeit“ ist die Herrlichkeit des Herrn droben; „zu Herrlichkeit“ ist das Ergebnis in uns. Die Verwandlung geschieht jetzt durch den Heiligen Geist an unserem Geist; bei Seinem Kommen wird der Herr auch unseren Leib zur Gleichförmigkeit mit Seinem Leib der Herrlichkeit umgestalten (Phil 3,21).

Dieses Anschauen der Herrlichkeit des Herrn im Himmel soll zweierlei Auswirkungen haben:

  1. Es soll uns von den irdischen Dingen mehr und mehr lösen und uns enger mit unserem geliebten Herrn in der Herrlichkeit verbinden (vgl. Kol 3,1-4).
  2. Es soll uns in unserem täglichen Leben und in unseren Umständen Ihm ähnlicher machen dadurch, dass wir Seinen Fußspuren auf der Erde folgen (Kol 3,5 – 4,1).

Ein schönes Beispiel dafür finden wir in Apostelgeschichte 7,56-60. Stephanus blickte zum Himmel und sah den Herrn in der Herrlichkeit. Seine letzten Worte waren: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht zu!“ Darin ähnelte er seinem Herrn, der am Kreuz gebetet hatte: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“


Online seit dem 05.10.2006.


Ihre Nachricht